Latest / Wir lesen... Bücher Kapitel für Kapitel besprochen / Die Psychiaterin von Freida McFadden - Kapitel 2
Transcript
- 0:08Hallo zusammen und ja Daniel, Ich bin wieder da aus meinem
- 0:12Urlaub aus der Hölle. Willkommen zurück im echten
- 0:15Leben, Julia. Erzähl mal.
- 0:17Ist es nach der Geschichte mit der Abstellkammer und dem
- 0:19feuchten Hund eigentlich noch schlimmer geworden?
- 0:22Oh, du hast ja keine Idee. Ich dachte das Zimmer wäre der
- 0:25Tiefpunkt. Aber dann gab es dieses eine
- 0:27lokale Gourmet Buffet, bei dem ich mir ziemlich sicher bin,
- 0:31dass die Garnelen schon seit der letzten Weltmeisterschaft dort
- 0:33lagen. Das klingt ja fast schon
- 0:35poetisch. In seinem Grauen hast du sie
- 0:38wenigstens nicht gegessen. Nur eine, weil ich echt am
- 0:40Verhungern war. Und dann habe ich 3 Tage lang
- 0:43eine sehr intensive Beziehung zu meinem Badezimmer gehabt.
- 0:46Na toll, also ein kompletter Systemausfall im Urlaub.
- 0:50Aber weißt du was, das passt eigentlich perfekt zur Stimmung
- 0:53in unserer heutigen Folge 2 von wir lesen.
- 0:56Stimmt, wir tauchen ja wieder ein in die Welt von die
- 0:58Psychiaterin. Wir sind jetzt bei Kapitel 2,
- 1:01oder? Genau Kapitel 2.
- 1:04Und wenn man nach dem Prolog und der 1.
- 1:06Folge geht, wird es jetzt erst so richtig ungemütlich.
- 1:10Ich bin bereit, lass uns direkt reinspringen, bevor ich an meine
- 1:13Garnelen denke. Alles klar also?
- 1:16Fangen wir mal ganz vorne an. Trisha und Ethan kommen endlich
- 1:20an dem Haus in Westchester an. Und draußen ist es immer noch
- 1:23dieser absolute Horror Schneesturm, richtig?
- 1:26Absolut. Es ist so heftig, dass sie kaum
- 1:29den Weg finden. Und dann ist da dieses Problem
- 1:31mit Judy, der Maklerin. Die taucht einfach nicht auf.
- 1:35Ich finde das schon extrem verdächtig, dass sie die bei den
- 1:38in so einem Wetter dort allein lässt.
- 1:40Genau das ist der Punkt. Sie warten, aber Judy bleibt aus
- 1:44und zu allem Überfluss fällt auch noch das Handynetz aus.
- 1:48Totale Funkstille. Klassiker, kein Netz, kein
- 1:52Makler, nur 2 Leute in der Kälte, das ist quasi die
- 1:56Einladung für jeden Horrorfilm. Stimmt, aber Ethan ist ja wie
- 2:00immer der Optimist. Er findet einen versteckten
- 2:03Schlüssel und entscheidet einfach, dass sie jetzt
- 2:06reingehen. Moment mal, Sie brechen also
- 2:08einfach ein ohne die Maklerin? Das ist rechtlich gesehen doch
- 2:12schon fragwürdig, oder? Na ja, der Schlüssel war ja für
- 2:16Sie hinterlegt. Vermutlich jedenfalls
- 2:18verschaffen Sie sich Zutritt und treten in dieses riesige
- 2:21Gebäude. Und hier kommt der Moment, wo
- 2:24die Stimmung kippt. Das Haus ist ja nicht gerade
- 2:26einladen. Überhaupt nicht.
- 2:29Es ist riesig, alles ist voller Staub, Spinnweben überall, es
- 2:33wirkt komplett verlassen, obwohl es eigentlich bewohnt sein
- 2:36sollte. Und es gehörte diese Adrian
- 2:38Hehl, der Psychiaterin, die einfach verschwunden ist.
- 2:42Das gibt dem Ganzen natürlich eine ganz andere Note.
- 2:45Exakt. Während Ethan total begeistert
- 2:48von der Architektur ist und nur an den günstigen Preis denkt,
- 2:51bekommt Trisha dieses ganz tiefe, instinktive Gefühl, dass
- 2:55hier etwas nicht stimmt. Sie spürt die Angst förmlich,
- 2:58oder? Das ist ja dieser Kontrast, den
- 3:00wir schon in Folge 1 hatten. Ja, und dann kommt der absolute
- 3:04Cliffhanger des Kapitels. Trisha bemerkt einen Fußabdruck
- 3:08im Staub. Warte im Staub.
- 3:10Also jemand war vor kurzem hier. Genau.
- 3:13Und der Abdruck passt weder zu Trisher noch zu Ethan.
- 3:17Das bedeutet, Sie sind in diesem Haus höchstwahrscheinlich nicht
- 3:20allein. Klasse, einfach super.
- 3:23Ich liebe es, wenn man in ein Haus einzieht, in dem ein
- 3:26unbekannter Fremder im Staub herumläuft.
- 3:29Haha, ich glaube Trisher sieht das ähnlich, aber schauen wir
- 3:33uns mal die Figuren in diesem Kapitel genauer an.
- 3:36Ethan ist mir in diesem Kapitel fast schon zu perfekt.
- 3:39Er trägt Trisha Huckepack durch den Schnee, nennt sich quasi
- 3:42selbst den Helden. Das ist interessant, oder?
- 3:46Diese Rolle des Beschützers. Er will die Situation
- 3:49kontrollieren und alles rational erklären.
- 3:52Aber genau das macht es so anstrengend, wenn Trisha sagt,
- 3:56ich habe ein schlechtes Gefühl, antwortet er wahrscheinlich mit,
- 3:59das ist nur der Schimmel im Fundament.
- 4:01Im Grunde ja. Er ignoriert ihre Intuition
- 4:04komplett. Das verstärkt die Isolation von
- 4:07Trisha, obwohl sie physisch direkt neben ihm steht.
- 4:10Und was ist mit Trisha? Sie wirkt in diesem Kapitel fast
- 4:13schon hypersensibel. Ist das nur die Angst vor dem
- 4:16Unbekannten oder wirklich eine Vorahnung?
- 4:19Ich glaube, Sie ist die Einzige, die die Zeichen liest.
- 4:22Ethan sieht ein Schnäppchen, Trisha sieht eine Warnung.
- 4:26Und dann haben wir natürlich Adrienne Hehl.
- 4:29Sie ist zwar nicht physisch präsent, aber sie dominiert das
- 4:32Kapitel durch ihr Haus. Und dieses riesige Porträt.
- 4:34Oh ja, das Porträt über dem Kamin, ein absolut klassisches
- 4:39Element. Man hat das Gefühl, sie
- 4:41beobachtet die beiden aus dem Bild heraus.
- 4:44Das ist so ein typisches Gothic Ding, oder die Tote oder
- 4:47verschwundene Person, die immer noch über den neuen Bewohnern
- 4:50wacht. Absolut.
- 4:52Es erzeugt diesen Druck. Adrienne Hehl ist nicht weg, sie
- 4:56ist in der Struktur des Hauses präsent.
- 4:59Lass uns mal über die Themen reden.
- 5:01Daniel, Du bist der Literaturwissenschaftler, was
- 5:04machen wir hier eigentlich gerade?
- 5:06Das ist doch ein Paradebeispiel für einen Domestic Thriller,
- 5:08oder? Definitiv ein Domestic Thriller.
- 5:12Nutzt das Heim eigentlich der sicherste Ort der Welt und
- 5:15verwandelt es in einen Ort der Bedrohung.
- 5:18Aber ist das nicht ein bisschen klischeehaft, das einsame Haus,
- 5:22der Schneesturm, die verschwundene Frau?
- 5:24Ich hab das Gefühl, ich hab das schon 100 mal gesehen.
- 5:27Sicher, die Tropes sind bekannt, aber ich glaube, die Autorin
- 5:32nutzt diese Vertrautheit bewusst, um uns in eine falsche
- 5:35Sicherheit zu wiegen, bevor sie den eigentlichen Twist bringen.
- 5:38Vielleicht aber schauen wir mal auf die Details.
- 5:41Mir ist aufgefallen, wie sehr betont wird, dass die beiden
- 5:44wohlhabend sind, BMW, Rolex, Ralph Lauren, warum ist das
- 5:48wichtig? Das ist ein spannender Punkt.
- 5:51Diese Statussymbole stehen im krassen Kontrast zum Verfall des
- 5:55Hauses. Staub und Spinnweben gegen
- 5:57Luxusmarken. Ich glaube, das zeigt auch eine
- 5:59gewisse Arroganz. Itan denkt er kann dieses Haus
- 6:03einfach kaufen und den Schmutz wegräumen.
- 6:06Er glaubt sein Geld und sein Status schützen ihn vor der
- 6:08düsteren Geschichte des Ortes. Das passt zu seiner Reaktion auf
- 6:12das Porträt. Oder er findet es arrogant, dass
- 6:15Adrian Hehl ein so großes Bild von sich selbst aufgehängt hat.
- 6:18Genau, er kritisiert Ihre Arroganz, während er selbst
- 6:22glaubt, das Haus einfach besitzen zu können.
- 6:25Das ist doch pure Ironie. Stimmt, es ist fast so, als
- 6:29würde Ethan unbewusst mit Adrienne Hehl konkurrieren.
- 6:33Wer mehr macht über diesen Raum hat.
- 6:35Lass uns mal über das Motiv des Unheimlichen sprechen.
- 6:38Du hast das neulich mal erwähnt, wie passt das hier rein?
- 6:42Das unheimliche oder The Uncanny entsteht, wenn etwas eigentlich
- 6:46Vertrautes plötzlich fremd und bedrohlich wirkt.
- 6:49Wie ein Haus, das möbliert ist, aber nicht bewohnt wird.
- 6:52Exakt. Da stehen Bücher im Regal, es
- 6:55gibt Möbel, alles sieht aus wie ein Zuhause.
- 6:58Aber die Stille und der Staub signalisieren, hier gehört
- 7:02niemand mehr hin. Das ist wie in meinem
- 7:04Hotelzimmer mit dem Hundegeruch. Es sah auf den Fotos aus wie ein
- 7:08Zimmer, aber die Realität war eine ganz andere.
- 7:11Haha, ein perfektes Beispiel. Nur, dass dein Hotelzimmer dich
- 7:15wahrscheinlich nicht aktiv beobachtet.
- 7:17Hoffentlich nicht. Aber zurück zum Buch, Die
- 7:20Isolation ist hier ja ein riesiges Thema.
- 7:23Kein Netz, kein Autoausweg wegen des Schnees.
- 7:26Ja, der Schneesturm verwandelt das Haus von einer Immobilie in
- 7:30eine Falle. Das ist ein klassischer
- 7:32Katalysator für psychologischen Horror.
- 7:35Und es zwingt die beiden dazu, sich aufeinander zu verlassen.
- 7:38Was passiert, wenn Itan nicht mehr der Held ist, sondern
- 7:41plötzlich zum Problem wird? Das ist eine interessante
- 7:44Richtung in vielen dieser Geschichten ist der Ehemann
- 7:47anfangs der Fels in der Brandung, bevor er sich als Teil
- 7:50des Problems entpuppt. Ich glaube, das ist genau das,
- 7:53was Trisher spürt, diese unterschwellige Spannung.
- 7:57Sie vertraut ihm zwar, aber sie traut der Situation nicht.
- 8:00Erinnert ihr euch, als wir in Folge 1 über adriens Essay zum
- 8:04Thema Lügen gesprochen haben? Ja, dass sie behauptet hat, jede
- 8:08Lüge sofort zu erkennen. Das war im Prolog richtig.
- 8:11Genau. Und jetzt betreten sie ihr Haus.
- 8:14Es ist fast so, als würde das Haus selbst eine Art Detektor
- 8:18sein, als würde es prüfen, wer hier lügt.
- 8:21Das ist ein starkes Bild. Vielleicht lügt ithan sich
- 8:24selbst an, was seine Begeisterung angeht, oder
- 8:27vielleicht lügt er trischa an. Das könnten wir in den nächsten
- 8:31Kapiteln sehen. Aber lass uns mal über die
- 8:33sensorischen Details reden, die Kälte draußen gegen die Kälte
- 8:37drinnen. Ja, diese blauen Lippen und
- 8:40zitternden Zähne. Man spürt richtig, wie
- 8:42körperlich die Not ist. Und dann gehen Sie rein und
- 8:45hoffen auf Wärme. Aber die Atmosphäre im Haus ist
- 8:49genauso kalt. Das ist ein tolles stilistisches
- 8:52Mittel. Es gibt keine echte Zuflucht,
- 8:55weder draußen noch drinnen. Genau.
- 8:58Und dann ist da noch dieser Moment, als Trisha das Buch die
- 9:02Anatomie der Angst in die Hand nimmt.
- 9:04Oh Gott, der Titel allein ist schon so ein Wink mit dem
- 9:07Zaunpfahl. Die Autorin sagt uns quasi, hier
- 9:11geht es jetzt um Angst. Klar, das ist sehr direkt.
- 9:15Aber es verbindet die psychologische Expertise von
- 9:18Adrienne Hehl direkt mit dem Erleben von Trisha.
- 9:21Es ist fast so, als würde Adrienne Hehl aus dem Grab oder
- 9:24aus ihrem Versteck heraus eine Therapiesitzung mit Trisha
- 9:28beginnen. Das ist ein sehr starker
- 9:30Gedanke. Julia das Haus als Therapieraum,
- 9:33in dem die Wahrheit ans Licht kommen.
- 9:35Könnte sein, aber kommen wir zum wichtigsten Punkt, der
- 9:39Fußabdruck Daniel, Warum nur ein einziger Abdruck im Staub?
- 9:43Warum nicht eine ganze Spur? Das ist die große Frage.
- 9:47Vielleicht wollte die Person nicht bemerkt werden oder sie
- 9:51ist nur an einer bestimmten Stelle stehen geblieben.
- 9:53Oder es ist ein psychologischer Trick.
- 9:56Nur ein einziger Hinweis, um uns und Trisha in den Wahnsinn zu
- 9:59treiben. Es ist viel gruseliger, wenn man
- 10:02nicht weiß, woher die Spur kommt und wohin sie führt.
- 10:05Absolut. Eine ganze Spur wäre fast schon
- 10:07beruhigend, weil man eine Richtung hätte.
- 10:10Ein einzelner Abdruck ist pure Paranoia.
- 10:13Und Isan wird das wahrscheinlich wieder wegdiskutieren.
- 10:16Ach, das war bestimmt der Vorbesitzer, oder?
- 10:19Das ist nur ein Fleck. Wahrscheinlich aber für den
- 10:22Leser ist es der Moment, in dem die Geschichte vom gruseligen
- 10:25Haus zum aktiven Bedrohungsszenario wird.
- 10:28Ich muss sagen, ich finde das Tempo in diesem Kapitel echt
- 10:31gut. Es fängt fast schon kitschig an
- 10:34mit dem Huckepack tragen und endet in dieser beklemmenden
- 10:36Stille. Ja, diese emotionale Kurve ist
- 10:40sehr effektiv. Man wird erst in Sicherheit
- 10:42gewiegt und dann langsam in den Abgrund geschoben.
- 10:46Aber mal ehrlich, Daniel, findest du es nicht ein bisschen
- 10:49zu sehr nach The Shining? Das Hotel, der Schneesturm, die
- 10:52Isolation, der Mann, der sich verändert?
- 10:55Ich sehe die Parallelen natürlich, aber ich glaube, das
- 10:59ist ein bewusstes Spiel mit den Erwartungen.
- 11:01Die Autorin nutzt das Framework von Stephen King, um ihre eigene
- 11:05Geschichte über psychologische Manipulation zu erzählen.
- 11:08Ich weiß nicht, manchmal fühlt es sich an, als würde sie nur
- 11:11eine Checkliste von Horrorklischees abarbeiten.
- 11:14Vielleicht, aber das funktioniert in diesem Genre
- 11:16oft. Man muss das Rad nicht neu
- 11:18erfinden, man muss es nur spannend drehen.
- 11:21Na ja, solange es nicht zu vorhersehbar wird.
- 11:24Ich will nicht am Ende wissen, dass der Fußabdruck einem Geist
- 11:27gehört, der eigentlich nur den Müll rausbringen wollte.
- 11:30Haha, das wäre dann wohl die Comedy Version des Buches.
- 11:34Aber im Ernst, die Dynamik zwischen Trisher und Ethan ist
- 11:37das. Was mich wirklich interessiert,
- 11:40diese Diskrepanz in der Wahrnehmung.
- 11:42Ja, das ist der Kern. Wer hat Recht, die Intuition
- 11:46oder die Rationalität, das ist ein zeitloser Konflikt.
- 11:50Und in diesem Buch scheint die Intuition bisher die Nase vorn
- 11:53zu haben, weil wir als Leser ja wissen, dass es ein Thriller
- 11:56ist. Wir wissen, dass Trisha recht
- 11:58hat. Genau das erzeugt eine tolle
- 12:01Spannung, weil wir trisha quasi zusehen, wie sie versucht, Itan
- 12:04zu warnen, während er sie für überempfindlich hält.
- 12:07Das ist eigentlich ziemlich frustrierend.
- 12:10Ich würde Ethan am liebsten schütteln und schreien, guck dir
- 12:13den verdammten Fußabdruck an. Das ist genau die Reaktion, die
- 12:17die Autorin provozieren will. Wir werden Teil von trizias
- 12:21Frust. Ich frage mich, ob Ethan
- 12:23vielleicht doch etwas weiß, was, wenn er den Fußabdruck gesehen
- 12:27hat und ihn einfach ignoriert? Jetzt wird es interessant.
- 12:31Das wäre eine ganz andere Ebene. Dann wäre er nicht nur naiv,
- 12:35sondern aktiv manipulativ. Das würde zu meinem Verdacht
- 12:38passen. Niemand ist so blind für einen
- 12:41Fußabdruck im Staub, wenn er wirklich aufmerksam ist.
- 12:44Könnte sein, aber vielleicht ist er auch einfach nur so besessen
- 12:47von dem Haus und dem Deal, dass er alles andere ausblendet.
- 12:52Tunnelblick. Tunnelblick kann auch gefährlich
- 12:54sein, besonders in einem Haus, das eigentlich eine Falle ist.
- 12:59Lass uns noch mal auf die Rolle der Maklerin Judy schauen.
- 13:02Warum ist sie nicht da? Das ist doch ein riesiges Loch
- 13:05in der Geschichte. Entweder sie ist im Schneesturm
- 13:08stecken geblieben oder sie wollte nie, dass die beiden
- 13:11dieses Haus betreten. Oder sie wurde von jemandem
- 13:14aufgehalten, vielleicht von der Person, die den Fußabdruck
- 13:18hinterlassen. Das wäre ein logischer Schritt,
- 13:22aber ich glaube, es ist noch viel mysteriöser.
- 13:24Vielleicht ist Judy gar nicht die, für die sie sich ausgibt.
- 13:27Jetzt wirst du aber richtig paranoid, Julia, aber ich liebe
- 13:31es. Das ist genau der Vibe dieses
- 13:33Podcasts. Hey, nach meinem Urlaub bin ich
- 13:36in einer permanenten State of Paranoia.
- 13:39Ich traue nicht mal mehr dem Buffet Personal.
- 13:41Haha, absolut berechtigt. Aber zurück zum Stil der
- 13:46Autorin. Mir ist aufgefallen, dass sie
- 13:48sehr kurze Sätze verwendet, besonders wenn trisha nervös
- 13:52wird. Stimmt das, beschleunigt das
- 13:54Lesen. Man bekommt fast schon selbst
- 13:56Atemnot. Ja, das spiegelt die körperliche
- 13:59Reaktion von Trisha wider. Es ist eine sehr unmittelbare
- 14:03Art zu schreiben. Es ist fast schon wie ein
- 14:05Drehbuch. Man sieht die Szenen direkt vor
- 14:07sich, die Dunkelheit, der Staub, das riesige Bild an der Wand.
- 14:12Und genau das macht es so effektiv für das Genre.
- 14:15Es ist nicht überladen mit langen Beschreibungen, sondern
- 14:18konzentriert sich auf die Wirkung.
- 14:20Ich finde aber, dass die Heldenrolle von Ethan ein
- 14:22bisschen zu sehr aufgesetzt wirkt.
- 14:24Das ist fast schon ein bisschen kitschig.
- 14:27Vielleicht ist das aber Absicht. Vielleicht soll uns dieser Kitch
- 14:31abschrecken oder uns zeigen, dass die Beziehung der bei den
- 14:34auf einer sehr oberflächlichen Ebene basiert.
- 14:37Das würde Sinn ergeben. Alles an ihnen ist Oberfläche,
- 14:40die Marken, das aussehen, die perfekte Ehe.
- 14:44Und das Haus ist der Ort, an dem diese Oberfläche aufreißt.
- 14:48Der Staub ist wie ein Schleier, der weggewischt wird.
- 14:51Das ist eine schöne Metapher, Daniel, aber ich bleibe dabei,
- 14:54wenn ich einen Fußabdruck im Staub sehe, gehe ich sofort
- 14:57wieder raus. Egal wie günstig das Haus ist.
- 15:00Das ist der Unterschied zwischen uns.
- 15:03Ich würde wahrscheinlich erst mal schauen, welche Schuhgröße
- 15:06der Eindringling hat, um zu sehen, ob er in meine Schuhe
- 15:09passt. Du bist echt hoffnungslos.
- 15:12Ich bin nur neugierig, aber im Ernst, lass uns mal
- 15:15reflektieren, was funktioniert in diesem Kapitel wirklich gut
- 15:19und was weniger? Gut funktioniert die Atmosphäre,
- 15:22die Kälte und die Isolation sind super aufgebaut.
- 15:25Weniger gut finde ich diese fast schon klischeehaften Dialoge von
- 15:28Ethan. Ich sehe das anders.
- 15:30Ich finde, seine Naivität ist ein wichtiger Kontrapunkt zu
- 15:34trizias Angst. Ohne ihn wäre das Kapitel nur
- 15:36eine einzige Panikattacke. Mag sein, aber es ist manchmal
- 15:40so übertrieben, dass ich mich frage, ob er wirklich ein
- 15:43erwachsener Mann ist oder nur ein Statist in einem schlechten
- 15:46Film. Das ist ein fairer Punkt.
- 15:49Vielleicht wird er im Verlauf der Geschichte komplexer.
- 15:52Vielleicht ist seine Naivität nur eine Maske.
- 15:55Das hoffe ich für den Plot, sonst wird es langweilig, wenn
- 15:58er nur der optimistische Trottel bleibt.
- 16:01Ich glaube nicht, dass die Autorin ihn so flach lässt.
- 16:04In diesem Genre hat jeder eine dunkle Seite.
- 16:07Das ist wohl wahr. Aber schauen wir mal, wie es
- 16:09weitergeht. Was denkst du, was jetzt
- 16:11passiert? Ich tippe darauf, dass sie
- 16:13versuchen, die Nacht im Haus zu verbringen, weil der Schneesturm
- 16:16sie zwingt. Oh Gott, nein.
- 16:19Bitte sagt mir, dass Trisha einen Weg findet, wieder in das
- 16:21Auto zu steigen und einfach wegzufahren.
- 16:24Das wäre ein sehr kurzes Buch. Nein, sie werden bleiben und
- 16:29Dinge finden, die sie lieber nicht wissen wollten.
- 16:32Ich wette, Sie finden Tagebücher oder alte Patientenakten von
- 16:35Adrian Hehl. Das wäre doch der nächste
- 16:38logische Schritt. Das wäre sehr wahrscheinlich.
- 16:41Und vielleicht finden Sie heraus, warum Adrian Hehl
- 16:43verschwunden ist. Oder sie finden heraus, dass die
- 16:47Person, die den Fußabdruck hinterlassen hat, immer noch im
- 16:50Haus ist und gerade hinter ihnen steht.
- 16:53Jetzt machst du mich aber nervös.
- 16:55Ich werde heute Nacht das Licht anlassen.
- 16:57Haha, willkommen in meiner Welt. So fühle ich mich seit meinem
- 17:01Urlaub. Also fassen wir zusammen für
- 17:04unsere Hörer. Wir haben ein Haus voller Staub,
- 17:07ein allsehendes Porträt, einen fehlenden Makler und einen
- 17:10mysteriösen Fußabdruck. Und ein Ehepaar, das sich in der
- 17:14Wahrnehmung der Realität komplett uneinig ist.
- 17:17Genau, die Bühne ist bereitet für das Chaos.
- 17:20Ich bin gespannt auf Kapitel 3. Hoffentlich gibt es dort mehr
- 17:23Antworten und weniger Staub. Ich glaube, Antworten gibt es
- 17:27erst viel später, aber die Spannung steigt definitiv.
- 17:30Alles klar? Dann machen wir für heute
- 17:32Schluss, bevor ich anfange, in meiner eigenen Wohnung nach
- 17:35Fußabdrücken zu suchen. Gute Idee, danke fürs Zuhören,
- 17:39Leute, wir lesen weiter. In der nächsten Folge.
- 17:42Tschüss zusammen und esst keine fragwürdigen Garnelen im Urlaub.
- 17:46Das ist wohl der wichtigste Rat des Tages.
- 17:49Bis zum nächsten Mal. Bis bald.
- 17:51Ciao. Moment, Daniel, eine letzte
- 17:54Sache. Ja, was gibt es noch?
- 17:57Glaubst du wirklich, dass der Fußabdruck von einem Menschen
- 17:59war? Vielleicht war es ja ein sehr
- 18:01großer Hund. Ein Geisterhund.
- 18:03Jetzt gehst du aber zu weit. Wir bleiben bei der rationalen
- 18:07Theorie. Rationalität ist langweilig.
- 18:10Ich setze auf den Geisterhund. OKOK Wir sehen es ja gleich
- 18:15jetzt wirklich Tschüss. Tschüss.