Latest / Friedrich Nietzsche Podcast in Deutsch / Also sprach Zarathustra - 1. Theil - 18 - Von alten und jungen Weiblein
Transcript
- 0:00Unterkapitel 18 von alten und jungen Weiblein in diesem
- 0:06Abschnitt des Buches erzählt Friedrich Nietzsche eine
- 0:09Begegnung zwischen seiner Hauptfigur Zarathustra und einer
- 0:12alten Frau. Die Geschichte beginnt am Abend,
- 0:15als die Sonne untergeht, Zarathustra schleicht sich leise
- 0:18durch die Dämmerung, er begegnet einer alten Frau, diese Frau
- 0:22spricht ihn an und wundert sich, warum er sich so heimlich bewegt
- 0:26und was er unter seinem Mantel versteckt.
- 0:28Sie fragt ihn, ob er einen Schatz gefunden hat, ob ihm ein
- 0:31Kind geboren wurde oder ob er selbst auf den Pfaden von Dieben
- 0:34wandelt. Zarathustra antwortet ihr
- 0:37ehrlich, er sagt wahrlich mein Bruder, er nennt die Frau hier
- 0:42Bruder, was eine allgemeine Anrede ist.
- 0:46Es ist ein Schatz, der mir geschenkt wurde, es ist eine
- 0:48kleine Wahrheit. Er erklärt, dass diese Wahrheit
- 0:52unruhig ist, wie ein junges Kind, wenn er ihr nicht den Mund
- 0:55zuhält, würde sie zu laut schreien.
- 0:58Das bedeutet, es ist eine Erkenntnis, die vielleicht
- 1:01unangenehm oder schwer zu ertragen ist, weshalb er sie
- 1:04verborgen hält. Die alte Frau erinnert
- 1:06Zarathustra daran, dass er schon oft zu den Menschen gesprochen
- 1:09hat, aber fast immer nur zu den Männern, er hat noch nie
- 1:13speziell über die Frauen gesprochen, Zarathustra
- 1:16antwortet darauf mit einem Grundsatz über das Weib soll man
- 1:20nur zu Männern reden, damit meint er, dass das Thema die
- 1:23Frau etwas ist, das Männer unter sich besprechen sollten.
- 1:27Vielleicht weil er glaubt, dass Frauen seine Sichtweise nicht
- 1:30verstehen oder akzeptieren würden.
- 1:32Die alte Frau lässt das nicht gelten, sie sagt Rede auch zu
- 1:36mir vom Weibe, Ich bin alt genug, um es gleich wieder zu
- 1:40vergessen, das ist eine humorvolle Art zu sagen, dass
- 1:43sie aufgrund ihres Alters weise oder gleichgültig genug ist, um
- 1:46seine Worte zu hören, ohne sich darüber aufzuregen oder dass es
- 1:50keine Folgen haben wird. Zarathustra stimmt zu und
- 1:54beginnt seine Rede über das Wesen der Frau.
- 1:56Was nun folgt, ist Nietzsches philosophische und oft sehr
- 2:00traditionelle, teilweise provokante Sicht auf die
- 2:02Geschlechterrollen. Zarathustra sagt, alles am Weibe
- 2:07ist ein Rätsel damit meint er, dass das Wesen der Frau schwer
- 2:11zu verstehen ist. Aber er sagt auch, dass es für
- 2:14dieses Rätsel eine einzige Lösung gibt, diese Lösung lautet
- 2:18Schwangerschaft für Nietzsche liegt der tiefste Sinn und die
- 2:22Natur der Frau darin, leben zu schenken.
- 2:25Er erklärt das Verhältnis der Geschlechter, so der Mann, ist
- 2:28für die Frau nur ein Mittel zum Zweck, der eigentliche Zweck,
- 2:32also das Ziel, ist immer das Kind.
- 2:35Dann fragt Zarathustra aber was ist das Weib für den Mann?
- 2:40Er antwortet, dass der echte Mann 2 Dinge will, Gefahr und
- 2:43Spiel, deshalb will er die Frau, denn sie ist für ihn das
- 2:47gefährlichste Spielzeug. Das bedeutet, die Frau
- 2:50fasziniert den Mann, weil sie nicht einfach zu beherrschen ist
- 2:54und das Leben spannend macht. Nietzsche beschreibt weiter die
- 2:57Aufgaben der Geschlechter. Der Mann soll für den Krieg
- 3:00erzogen werden, das kann man wörtlich als Kampf verstehen,
- 3:04aber auch im übertragenen Sinne als geistiger Kampf und
- 3:07Lebenskampf. Die Frau hingegen soll zur
- 3:10Erholung des Kriegers da sein, alles andere hält Zarathustra
- 3:14für Dummheit, er beschreibt die Natur der Frau als süß, aber
- 3:18auch ein wenig bitter. Wie eine Frucht, die noch nicht
- 3:21ganz reif ist. Er sagt, dass die Frau Kinder
- 3:24besser versteht als der Mann, aber interessanterweise
- 3:27behauptet er, dass der Mann innerlich kindlicher ist als die
- 3:30Frau. Er begründet das so, im echten
- 3:33Mann ist ein Kind versteckt, das Spielen will.
- 3:35Zarathustra fordert die Frauen auf, entdeckt mir doch das Kind
- 3:39im Manne, er wünscht sich, dass die Frau wie ein feines
- 3:42Spielzeug ist, rein und kostbar wie ein Edelstein.
- 3:47Sie soll von Tugenden, also guten Eigenschaften, strahlen,
- 3:50die es in der jetzigen Welt noch gar nicht gibt.
- 3:54Einzentraler.in Nietzsches Philosophie ist der Übermensch,
- 3:58das ist ein Idealbild eines Menschen, der sich selbst
- 4:01überwunden hat und sein volles Potential ausschöpft.
- 4:04Zarathustra sagt den Frauen, dass ihre Liebe und ihre
- 4:07Hoffnung immer ein Ziel haben sollen, möge ich den
- 4:10Übermenschen gebären. Die Frau soll also danach
- 4:13streben, Kinder zur Welt zu bringen, die besser und stärker
- 4:16sind. Als die heutigen Menschen.
- 4:19Zarathustra spricht auch über Ehre und Liebe, er sagt die Ehre
- 4:23der Frau liegt darin, mehr zu lieben als sie geliebt wird.
- 4:27Sie soll in der Liebe immer die erste sein, nicht die zweite, er
- 4:31warnt jedoch auch vor der Frau, der Mann soll sich vor der Frau
- 4:35fürchten, wenn sie liebt, denn wenn sie liebt, bringt sie jedes
- 4:39Opfer, alles andere ist ihr dann egal und wertlos, aber der Mann
- 4:44soll sich auch vor der Frau fürchten, wenn sie hasst.
- 4:46Denn der Mann ist im Grunde seiner Seele nur böse.
- 4:50Das meint Nietzsche hier nicht unbedingt negativ, sondern eher
- 4:53als wild, stark und durchsetzungsfähig.
- 4:56Die Frau hingegen ist schlecht, das meint er im Sinne von
- 5:00niederträchtig oder kleinlich, wenn sie hasst.
- 5:03Zarathustra stellt eine rhetorische Frage, wen hasst das
- 5:07Weib am meisten, er antwortet mit einem Bild, das Eisen
- 5:11spricht zum Magneten, Ich hasse dich am meisten, weil du
- 5:14anziehst aber nicht stark genug bist, an dich zu ziehen.
- 5:18Das bedeutet, Frauen verachten Männer, die zwar attraktiv oder
- 5:22interessant sind, aber nicht die Stärke haben, sie wirklich zu
- 5:26erobern oder zu führen. Dann unterscheidet Zarathustra
- 5:30das Glück der Geschlechter, das Glück des Mannes heißt, ich
- 5:33will, das bedeutet, der Mann definiert sich durch seinen
- 5:37eigenen Willen und seine Tatkraft, das Glück der Frau
- 5:41heißt, er will. Das bedeutet, die Frau findet
- 5:45ihr Glück in der Hingabe und darin, dem Willen des Mannes zu
- 5:48folgen. Zarathustra beschreibt den
- 5:51perfekten Moment für eine Frau, so, siehe jetzt eben ward die
- 5:56Welt vollkommen, das denkt jede Frau, wenn sie aus voller Liebe
- 6:00gehorcht. Für Nietzsche muss die Frau
- 6:02gehorchen, um zu ihrer eigenen Tiefe zu finden, hier verwendet
- 6:06Nietzsche ein Bild von Wasser, um die Seele zu beschreiben, das
- 6:10Gemüt der Frau ist Oberfläche. Es ist wie eine bewegliche,
- 6:14stürmische Haut auf einem flachen Gewässer.
- 6:17Das bedeutet, ihre Gefühle sind sichtbar wechselhaft, aber
- 6:21vielleicht nicht so tiefgründig verankert.
- 6:24Das Gemüt des Mannes hingegen ist tief, es ist wie ein Strom,
- 6:28der in unterirdischen Höhlen rauscht, die Frau ahnt seine
- 6:31Kraft, aber sie begreift sie nicht ganz, nachdem Zarathustra
- 6:35diese Rede beendet hat, antwortet die alte Frau, sie
- 6:39lobt ihn und sagt, er habe Vielartiges.
- 6:41Also wahres und treffendes gesagt, besonders für junge
- 6:44Frauen, die noch heiraten und Kinder bekommen können.
- 6:48Sie findet es seltsam, dass Zarathustra die Frauen so gut
- 6:50kennt, obwohl er wenig Kontakt zu ihnen hat, sie meint, das
- 6:54liegt daran, dass bei Frauen kein Ding unmöglich ist.
- 6:58Frauen sind also unberechenbar und vielseitig, zum Dank für
- 7:02seine Rede gibt die alte Frau Zarathustra nun ihre eigene
- 7:05kleine Wahrheit mit auf den Weg. Sie fordert ihn auf, diese
- 7:09Wahrheit gut einzupacken und ihr den Mund zuzuhalten, sonst würde
- 7:13sie zu laut schreien. Das bedeutet, es ist eine
- 7:16drastische, vielleicht schockierende Aussage.
- 7:19Zarathustra bittet, gib mir Weib, deine kleine Wahrheit, da
- 7:24spricht die alte Frau den berühmten Satz du gehst zu
- 7:27Frauen, vergiss die Peitsche nicht dieser Satz ist einer der
- 7:31bekanntesten und umstrittensten in diesem Buch.
- 7:34Er wird oft so gedeutet, dass Nietzsche oder hier die alte
- 7:38Frau als Stimme der Lebenserfahrung, der Meinung
- 7:40ist, dass man Frauen gegenüber Strenge und Autorität zeigen
- 7:43muss, um nicht von ihnen beherrscht zu werden oder um
- 7:46ihrer Natur gerecht zu werden. Es ist ein Aufruf zur Dominanz
- 7:50des Mannes, passend zu zarathustras vorherigen
- 7:53Ausführungen, dass das Glück der Frau im Gehorsam er will liegt.