Latest / Friedrich Nietzsche Podcast in Deutsch / Ecce Homo - 2: Warum ich so klug bin. 10
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- 0:00Ecke Homo, wie man wirret was man ist.
- 0:03Kapitel 2 warum ich so klug bin Abschnitt 10 an dieser Stelle
- 0:13des Buches hält Friedrich Nietzsche inne und stellt sich
- 0:15eine Frage, die seine Leser vermutlich haben.
- 0:18Warum hat er in den vorherigen Abschnitten so ausführlich über
- 0:21scheinbar unwichtige, alltägliche Dinge gesprochen?
- 0:24Er hat zuvor über die richtige Ernährung den passenden Wohnort.
- 0:28Das beste Klima und die Art der Erholung geschrieben Nietzsche
- 0:32nennt diese genaue Betrachtung der eigenen Bedürfnisse, die
- 0:35genaue Untersuchung der Selbstsucht oder Selbstliebe
- 0:38ergibt darauf eine klare Antwort.
- 0:40Diese kleinen alltäglichen Dinge sind unvorstellbar viel
- 0:44wichtiger als alles, was die Menschheit bisher für wichtig
- 0:47gehalten hat. Die Menschen müssen hier völlig
- 0:50neu denken und Umlernen, bisher hat die Menschheit Dinge ernst
- 0:54genommen, die in Wahrheit gar keine echten Dinge sind, die.
- 0:58Begriffe wie Gott, die Seele, die Tugend, die Sünde, das
- 1:02jenseits, die Wahrheit oder das ewige Leben sind für Nietzsche
- 1:08keine Tatsachen. Er betrachtet diese Begriffe als
- 1:11bloße Einbildungen und noch strenger gesagt als Lügen.
- 1:15Diese Lügen stammen seiner Meinung nach von Menschen, die
- 1:18kranke Instinkte haben und dem Leben feindlich gegenüberstehen.
- 1:22Wenn Nietzsche in diesem Zusammenhang von Idealismus
- 1:24spricht. Meint er genau diese Flucht vor
- 1:27der echten körperlichen Realität in eine erfundene geistige
- 1:31Scheinwelt, weil die Menschen diesen erfundenen Idealen
- 1:34geglaubt haben, wurde alles verfälscht, die Politik, die
- 1:38Gesellschaftsordnung und die Erziehung, man hat die wirklich
- 1:42schädlichen Menschen für die größten Vorbilder gehalten und
- 1:45dabei die wahren Grundlagen des Lebens, nämlich den eigenen
- 1:48Körper und seine Bedürfnisse, verachtet.
- 1:51Nietzsche kritisiert die Kultur seiner eigenen Zeit scharf und
- 1:54nennt sie höchst fragwürdig und unklar.
- 1:57Als Beispiel nennt er den damaligen deutschen Kaiser, der
- 2:00Verträge mit dem Papst schließt. Für Nietzsche ist der Papst der
- 2:04oberste Vertreter einer Denkweise, die das Leben hasst
- 2:07und verneint, er prophezeit, dass alles, was in seiner Zeit
- 2:10gesellschaftlich und politisch aufgebaut wird, schon in 3
- 2:13Jahren wieder zusammenbrechen wird.
- 2:16Wenn Nietzsche sich selbst betrachtet und schaut, wozu er
- 2:18fähig ist, nämlich einen völligen Umsturz aller
- 2:21bisherigen Werte herbeizuführen, dann beansprucht er für sich
- 2:24wahre Größe. Er vergleicht sich mit den
- 2:27Menschen, die bisher als die ersten und größten der
- 2:30Geschichte verehrt wurden. Der Unterschied ist für ihn
- 2:33offensichtlich, er sieht diese bisher verehrten Vorbilder nicht
- 2:36einmal als vollwertige Menschen an, für ihn sind sie der Abfall
- 2:40der Menschheit, er beschreibt sie als unheilbare Monster, die
- 2:44aus Krankheit und Rachsucht handeln.
- 2:46Und sich am Leben selbst rächen wollen.
- 2:48Nietzsche sieht sich als das genaue Gegenteil dieser kranken
- 2:51Vorbilder, sein Vorrecht ist es, ein feines Gespür für gesunde
- 2:55Instinkte zu haben. Er betont, dass er selbst in
- 2:58Zeiten schwerer körperlicher Krankheit niemals geistig krank
- 3:01oder verbittert geworden ist. Wer in Nietzsches Wesen nach
- 3:05Fanatismus sucht, wird nichts finden in seinem ganzen Leben
- 3:09hat er nie eine anmaßende oder übertrieben dramatische Haltung
- 3:12eingenommen. Er nennt dies, dass Pathos der
- 3:15Attitüde, womit er ein künstliches theatralisches
- 3:18Verhalten meint, bei dem sich jemand künstlich wichtig macht.
- 3:22Ein solches Verhalten gehört für ihn nicht zur wahren Größe.
- 3:26Wer sich hinter einer solchen Maske verstecken muss, ist in
- 3:28Nietzsches Augen einfach nur unecht, das Leben ist für
- 3:32Nietzsche leicht geworden, und zwar ironischerweise gerade dann
- 3:35am leichtesten, wenn es die schwersten Aufgaben von ihm
- 3:38verlangt hat. Er berichtet von den vergangenen
- 3:4170 Tagen im Herbst, in denen er ununterbrochen an seinen
- 3:44wichtigsten Werken geschrieben hat.
- 3:46Er fühlte dabei eine Verantwortung für alle kommenden
- 3:49Jahrtausende, dennoch gab es bei ihm keine Anspannung, sondern
- 3:53nur eine überströmende Frische und Heiterkeit, er habe nie mit
- 3:57einem besseren Gefühl gegessen und nie besser geschlafen.
- 4:01Nietzsche erklärt, dass es nur einen einzigen Weg gibt, mit
- 4:04wirklich großen Aufgaben umzugehen, man muss sie als ein
- 4:07Spiel betrachten. Diese spielerische Leichtigkeit
- 4:11ist für ihn ein wesentliches Zeichen von wahrer Größe.
- 4:14Sobald jemand zwang verspürt, ein düsteres Gesicht macht oder
- 4:18einen harten Ton in der Stimme hat, sind das phönitsche Beweise
- 4:21dafür, dass dieser Mensch und sein Werk nicht wirklich groß
- 4:24sind. Man darf nicht nervös oder
- 4:27angespannt sein, auch das Leiden an der Einsamkeit sieht er als
- 4:30eine Schwäche an, er selbst habe immer nur darunter gelitten,
- 4:34wenn er von zu vielen Menschen umgeben war, schon als Kind.
- 4:38Im Alter von 7 Jahren wusste er, dass die Worte anderer Menschen
- 4:42ihn nicht wirklich erreichen würden.
- 4:44Aber das hat ihn nie traurig gemacht.
- 4:46Er beschreibt sich selbst als freundlich und umgänglich
- 4:49gegenüber jedermann, er begegnet auch den einfachsten Menschen
- 4:53mit Respekt. In all dem gibt es keinen
- 4:55Hochmut und keine heimliche Verachtung.
- 4:58Wenn er jedoch jemanden verachtet, weil dieser schlechte
- 5:00Instinkte hat, dann spürt diese Person das sofort.
- 5:04Allein durch seine Anwesenheit empört er Menschen, die von
- 5:07Natur aus feindselig sind. Zum Abschluss dieses Abschnitts
- 5:10nennt Nietzsche seine höchste Formel für die Größe eines
- 5:13Menschen, er nennt diese Formel Amor fati, was aus dem
- 5:18Lateinischen kommt, und übersetzt Liebe zum Schicksal
- 5:21bedeutet. Das bedeutet, dass ein Mensch
- 5:23nichts an seinem Leben anders haben will, er will die Dinge
- 5:27nicht anders haben, in der Zukunft, nicht anders in der
- 5:29Vergangenheit und nicht anders, für alle Ewigkeit.
- 5:33Es geht nicht nur darum, das Unvermeidliche einfach zu
- 5:36ertragen. Man darf das Schicksal auch
- 5:38nicht verheimlichen oder beschönigen.
- 5:40Jedes Beschönigen der Realität nennt Nietzsche Idealismus, und
- 5:45Idealismus ist für ihn eine Lüge angesichts dessen, was notwendig
- 5:48ist. Wahre menschliche Größe besteht
- 5:51für ihn darin, das Schicksal und die Notwendigkeit des Lebens aus
- 5:54tiefstem Herzen zu lieben.