Latest / BZ am Ohr / Robert Heart, der Tunisee und das Sea You: Ein DJ, der jeden Wandel miterlebt hat
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- Der Thunisee bei Freiburg flimmert in der Sommerhitze. Noch ist wenig los an den Festivalbühnen, aber da ist schon dieser eine Beat, der erste Rhythmus, der die Gäste lockt. Wer diesen Moment gestaltet, trägt eine große musikalische Verantwortung. Die Kunst des Warm-Ups. Spannung aufbauen, ohne zu überdrehen. Kaum jemand kann das so gut, kaum einer kennt diesen See so gut, wie Robert Wehrle, besser bekannt als DJ Robert Hart. Er hat am Tunisee schon aufgelegt, als das Ganze noch Sea of Love hieß. Er ist ein Lokalmatador der südbadischen Clubkultur, war unter anderem Resident DJ im F-Club in Freiburg und ist eine feste Instanz im Feiergedächtnis der Region. Ich freue mich, mit Robert Hart über lange Nächte, große Namen, kurze Anekdoten und fast 25 Jahre elektronische Musikkultur am Tunisi zu sprechen. Ich bin Bernhard Amelung, Redakteur bei der Badischen Zeitung und ich vertrete heute meine Podcast-Kolleginnen Gina Kuttkatt und Dora Schölz. Herzlich willkommen bei BZ am Ohr. Werbung. Du bist unter 30 und willst wissen, was in Südbaden wirklich wichtig ist? Da können wir helfen. Die Badische Zeitung feiert dieses Jahr ihren 80. Geburtstag. Dazu machen wir dir ein Geschenk, wenn du unter 30 bist. Eins von 1000 kostenlosen Digitalabos für ein ganzes Jahr. Solange der Vorrat reicht und ohne Kleingedrucktes. Hole dir dein kostenloses BZ-Jahresabo unter mehr.bz-gratis-Abo oder dem Link in den Shownotes. Werbung Ende. Robert, nimm uns doch mal mit an den Tunisee. Es ist Freiburg, 17. Juli, kurz vor 19 Uhr. Du schließt deine Kopfhörer an und schaust auf das Festivalgelände. Was passiert in diesem Moment mit dir? Also erstmal hallo, Tag zusammen. Was passiert da mit mir? Also erstmal natürlich Nervosität, die ist immer noch da, nach, klar, 25 Jahren hast du gesagt, mit Siyu, Sea of Love. Für mich sind es, glaube ich, über 30, 35 Jahre als DJ, aber die Nervosität ist auf jeden Fall noch mit dabei und was geht dann bei mir ab? Also ich brauche dann auf jeden Fall noch schön was zu trinken, vielleicht ein Säckchen oder ein Gin Tonic, keine Ahnung. Ja, und dann geht es halt los. Also ich habe mich tatsächlich bereits jetzt schon ein bisschen durchgehört durch Mengen an Gigabytes von Musik, um mich da halt einfach auch... Ja, vorzubereiten ist immer so ein Ding, ich gehe da immer hin und denke mir, oh, die Nummer musst du spielen und die Nummer musst du spielen. Ich bin ja so ein Verfechter von der alten Hausmusik, Ende der 80er, 90er, Vocalhouse, Uplifting, so dieser alte Ibiza-Sound, den man so kennt, also von Frankie Knuckles bis David Morales und so weiter. Und dann denke ich mir schon so, okay, was spielst du jetzt? Und der Plan ist dann irgendwie schon mal im Vorfeld gemacht, aber wird meistens spätestens nach dem ersten Track oder so nach dem ersten Mix total über den Haufen geworfen, weil ich gucke dann halt auf die Leute, wie sind sie drauf? Ich höre mir auch den DJ vor mir an, was hat der gespielt? Ist der, ja, also klingt jetzt ein bisschen doof, aber kickt der die Leute oder spielt der so sein Set und versucht da halt sein Dings zu transportieren. Was mache ich dann? Und das kommt dann, das ist meistens immer erst mit den ersten zwei Tracks. Und dann greife ich natürlich immer auf ein großes Repertoire an Hausmusik zurück, was dann halt einfach gerade passt und wie die Leute reagieren. Du kennst den Thunisee schon seit Jahrzehnten, du kennst die badische Clubkultur seit Jahrzehnten. Inwieweit fühlt sich denn ein Auftritt für dich heute anders an als früher? Also eigentlich gar nicht. Also die Auftritte früher, egal ob es die Anfangszeiten waren, im Oktan damals, Mitte der 90er, wo ich so, bevor der große Clubbetrieb losging, Oktan, wem das noch ein Begriff ist, war einer der Techno-Clubs in den 90ern in Deutschland. Und da war das schon, also vor dem Klubbetrieb schon ein paar Platten gedreht, damals noch mit Vinyls und MK-12-10er, Technikplattenspielern. Was hat sich verändert zum Heute? Eigentlich nicht viel. Ich bin immer noch nervös, vorher. Auch da diese berühmten zwei Tracks halt einfach, wenn da erstmal der erste Track läuft, der zweite Track und dann ist da ja die Interaktion, das Spielen mit den Leuten, dann hat sich da schon nicht großartig viel verändert. Und das macht es eigentlich halt eben auch aus für mich, das Auflegen, dass man da halt mit den Leuten spielt und versucht seine Art der Interpretation von der Musik den Leuten rüberzubringen. Spannungsbogen etc. Geändert hat sich da nicht viel. Nervosität ist weiterhin noch da. Klar, die Leute, die weggehen, die haben sich halt natürlich extremst verändert. Aber ja, Wenn man dich auflegen sieht, wenn man dich auflegen hört, wenn man dich auch kennt, Robert Hart ist nervös vor dem Auflegen, er hat Lampenfieber, das denkt man gar nicht. Was lässt dich denn dann so entspannt wirken? Der zweite Gin Tonic. Also nein, das ist die Musik dann auch am Ende vom Tag, die mir dann auch die Sicherheit gibt, weil ich kenne halt natürlich alle Tracks mit dem Spannungsbogen etc. Und das legt sich dann auch relativ schnell, weil das dann so verschwimmt, das wird dann so eins. Also klar, die Nervosität, aber ich weiß ja da auch, was ich mache und dann gibt es natürlich auch meine, ja klar, es ist schon Erfahrung, welche Nummern da halt ziehen oder was ich halt persönlich als sehr, sehr guten Track ansehe und den spiele ich da dann auch. Und ja, nach 35 Jahren gibt es ja einem dann auch recht, dass man da schon eine Musikauswahl hat, die dem einen oder anderen halt auch gefällt. Ja, genau. Du hast ja schon oft auch am Tunisie als Support Act gespielt. Vor dir stehen dann so 30, 40 Leute mit dem ersten Bier in der Hand, wahrscheinlich rote Augen noch vom Vorabend, Hand aufs Herz. Ist das manchmal härter, als vor tausenden Gästen aufzulegen? Ja, natürlich, aber auch die 30 Leute, die sind ja auch da, trinken Bier, sind vielleicht verfeiert oder kommen auch ganz neu. Aber genau die wollen ja auch Musik hören. Und ich habe das tatsächlich auch schon erlebt, dass gerade 30 Leute, 40 Leute, 50 Leute dankbarer waren, wie wenn du auf einem Venue spielst, wo halt einfach keinen Menschen deine Musik interessiert. Das gibt es natürlich. Das Gute bei solchen Events wie einer Siyu oder auch größere Veranstaltungen oder auch, keine Ahnung, in Zürich habe ich auch schon auf einem Wagen gespielt und, in Zypern halt eben auch eine Clubtour gemacht. Und das Ding ist, sobald da zwei Leute sind oder auch nur einer, wo ich halt sehe, der hat Spaß, also der blickt es, der hört die Musik und der tanzt, egal wie, ist es für mich dann eigentlich schon so das Ding, okay, du machst alles richtig. Und in der Regel ist es ja dann halt auch so, dass die Leute tanzen. Man muss da immer unterscheiden, spielt man in einer Bar, spielt man in einem Club, spielt man auf einem Open Air, ganz klar. Aber das ist, ja, also eigentlich macht das keinen Unterschied. Aber ja, es kann schon sein, dass es ein harter Job ist. Gerade am Anfang, du baust die Leute auf, auch das kam schon genügend vor. Du baust auf, es sind nur 30 Leute, wenn ich jetzt mal deine Zahl einfach nehme, es sind nur 30 Leute auf dem Dancefloor. Und du baust auf und es ist gut und dann kommen 40 und dann kommen 50 und dann hast du deine Spielzeit und wenn du fertig bist, ist das Ding voll. Und die Leute tanzen und dann musst du aufhören, aber genau das ist ja dann halt auch die Arbeit von einem Warm-Upper, der dann halt einfach die Leute anheizt für den nächsten DJ. Im F-Club war das halt immer so, da habe ich dann bis um eins aufgelegt und dann hat die Bude gekocht und dann kam halt eben der Headliner und der konnte dann übernehmen, einen vollen Club, eine rockige Crowd, die halt einfach Spaß haben dabei und ja, das ist so auch die Arbeit da dabei, ja. Wie fühlt sich das denn für dich an? Du machst als Support Act die ganze Vorarbeit, du wärmst auf und den großen Applaus, den kriegt dann ein anderer. Naja, ist es der große Applaus? Also ich meine, ich gehe ja auch immer mit vielen Leuten weg. Ich kenne viele Leute aus den letzten Jahrzehnten, aus urbaner Clubkultur, sei es hier in Freiburg oder ein großes Netzwerk, auch, durch mein Label oder unser Label halt eben, wo wir auch schon drauf produziert haben, ob man in Zürich auf dem Partisan-Boot ist oder ob ich, keine Ahnung, hier in Freiburg in einen Club gehe. Oder früher war das auch mit Stuttgart immer viel im M1 und im Romy S. Da kennt man die Leute. Und dann kriegt man da natürlich auch die Lorbeeren, wenn man dann halt einfach runterkommt von der Bühne oder weggeht vom DJ-Pult. Ey, cool gemacht. Und dann sind es auch schon die Lorbeeren. Bei den Main Acts war das früher so, dass die einfach mit einem zusammen gefeiert haben. Also wenn ich mich da an die ersten Sea of Loves erinnere, da gab es ein Techno-Zelt, da hat der Feth und der Karl Cox aufgelegt und dann gab es ein Haus-Zelt, da hat ein Tom Novy aufgelegt und ein Felix der Haus-Cat. Und die sind aber geblieben, die sind vorher gekommen, die haben aufgelegt, die sind geblieben und dann hat man... Noch zusammen aufgelegt oder gerade bei der CU früher war das so, dass man halt. Nach dem Festival noch in F-Club gegangen ist zur After Hour. Da sind meistens auch die Main Acts mitgekommen. Lexion, K. Paul, Morgway, Tiefschwarz, Tom Novi, wie sie alle heißen. Und dann hat man da noch zusammen gefeiert. Also ja, Lorbeeren bekommen die Großen. Ich meine, heutzutage ist es halt so, die wissen zum Teil gar nicht mehr, auf welcher Bühne das ist, stehen, weil es halt an einem Tag auf gefühlt 100 Festivals spielen. Und ja, die werden dann halt bejubelt auf Social Media und so weiter. Aber so die richtigen Lorbeeren kriege ich eigentlich von meinen Freunden und von meinem Umfeld. Und dann trinken wir halt noch einen dritten Gin Tonic dazu. Und dann passt das natürlich auch. Hast du schon mal einem Headliner die Show gestohlen? Ja. Wer war das? Also ich kann mich noch an eine Geschichte erinnern. Im F-Club war das, da hat Mark Elmond aufgelegt, war da gebucht. Und Soft Cell, Tainted Love, von den jüngeren Leuten, die das vielleicht nicht kennen, aber Megastar aus den 80ern, hat auch immer mit Jimmy Somerville ein paar gute Sachen gemacht. Der hat nicht aufgelegt. Also der hatte jemanden dabei, der ihm den Beat, also am Plattenspieler, die Geschwindigkeit angestellt hat. Und dann stand er halt einfach nur so da und dann, der Club war voll, ja, aber klar, Mark Elmond, große Nummer. Und dann hat er auch früher aufgehört mit Auflegen, weil er halt einfach, keine Ahnung, ob er durch war oder keine Ahnung. Er hat ein bisschen was gespielt, aber konnte halt einfach nicht so mit den Leuten interagieren, weil er nicht selber aufgelegt hat. Findet man heute natürlich. Gang und Gebe, dass zum Teil Acts gar nicht mehr richtig selber auflegen. Aber da habe ich dann übernommen und dann halt auch die erste Nummer und der Laden hat halt einfach gebrüllt und geschrien und dann ging es halt natürlich weiter. Aber ja, das gab es natürlich. Vielleicht gab es auch noch ein zweites oder drittes Mal. Gab es denn auch schon mal einen Auftritt, an dem du gedacht hast, puh, heute kriege ich die Leute einfach wirklich nicht? Ja, klar, zu Genüge. Das kommt auch immer drauf an. Es gibt Veranstaltungen, die sind im Sommer, dann sind sie vielleicht noch indoor, dann haben die Leute nicht wirklich Bock oder so. Oder der Rahmen von einer Veranstaltung ist halt vielleicht auch so, weil es eine Firmenveranstaltung war. Ich habe es sicherlich auch schon bei Firmenveranstaltungen aufgelegt und das auch im Vorfeld ganz klar kommuniziert. Hey Leute, ich mache nur Haus, ich mache kein Mainstream, ich spiele keine Charts. Ja, und dann hat es halt angefangen und dann zack standen halt natürlich schon Leute, hey, spiel mal Metallica, spiel mal das, spiel mal Helene Fischer, spiel mal Hip-Hop, spiel mal Black, spiel mal keine Ahnung. Und dann stehst du ganz schön doof da, aber das kommt natürlich auch vor, klar, zu Genüge. Du bist in diesem Jahr der Einzige unter den lokalen Acts, der die gesamte Geschichte des Tunisees so als Festivalort erlebt hat. Jetzt lass uns doch nochmal zurück in das Jahr 2002 gehen, zur ersten Ausgabe der Sea of Love. Wie Roch, wie Klang, wie fühlte sich diese Party damals an? Also es war natürlich völlig neu. Also der Bela hatte ja, also der Veranstalter, der hatte ja im Vorfeld schon immer Mega-Partys gemacht damals mit Extravaganza, und die ganzen Geschichten. Und es waren immer so Off-Location-Geschichten, die waren auch schon mega. Wir hatten da mal MTV mit dabei, die komplett live übertragen haben und so weiter. Und dann stand halt plötzlich dieses Open-Air-Festival. Das war ja auch zu der Zeit 2002, war die Festivalzeit überhaupt nicht so wie hier. Man kannte das Hurricane, man kannte das Southside, man kannte Rock am See, Rock am Ring, aber das war halt eher alles rockig, klar. Und dann kam das Ding und wurde da vom Bela da auf die Beine gestellt und dann war das völlig neu, wie schon gesagt, am See und man konnte baden gehen und wie ich gerade schon gesagt habe, da gab es halt zwei Zelte, Techno-Zelt, Haus-Zelt Und dann waren da, boah, jetzt müsste ich lügen. 6.000, 7.000, 8.000 Leute, 6.000, 7.000 Leute. Und das war schon was Neues dann und hat natürlich auch mega Spaß gemacht. Die Bühnen waren noch lang nicht so, wie sie heute sind. Da gab es halt ein paar Bütex, da stand nochmal ein Bütex drauf, da standen die Plattenspieler damals noch drauf. Und dann war das halt Open Air und im Zelt und mit Wasser, das war schon was Neues damals, war schon cool. Also ist es immer noch klar, aber die Größen sind halt natürlich ganz anders. Ja, das Ganze hat sich ja von so einem familiären Rave zu einem internationalen Festival entwickelt. Was ist denn heute besser? Also ich bin ja jemand, der sagt, immer früher war alles besser. Was ist heute besser? Die Orga. Also das ist Wahnsinn, was da, wenn wir jetzt gerade von einer CU sprechen, was da aufgebaut wird, mit diesem Cashless-System und dieses Einlass und dieser VIP-Bereich und die Bühnen, wie die alle gebaut sind. Und das ist ja richtig, also Tomorrowland, Parookaville, wie man es so kennt und auch das Zelten nebenher, das ist ja schon echt mega geworden. Und das gab es früher so nicht. Wenn du mich jetzt direkt fragst, was ist besser geworden, ist es wirklich besser? Ich will es tatsächlich umdrehen. Also früher haben wir alle zusammen gefeiert. Da waren ganz, ganz viele Support-Acts, so DJs wie ich. Die haben eigentlich den größten Teil der DJs abgedeckt. Die haben natürlich auch ihre Crowd immer mitgebracht. Und dann gab es ein oder zwei Headliner und das war es dann halt. Ich fand das besser, weil solche Festivals, die leben natürlich auch von den Leuten hier vor Ort, aber damals hatte man natürlich auch noch kein Social Media. Es war regional, heute ist natürlich alles national, international. Es gibt mehr Acts, es gibt zu viele Acts, es gibt viele Bühnen, man will natürlich halt auch schauen, dass man viel abdeckt, das ist ja auch klar, die Geschmäcker sind verschieden und so weiter, aber ich komme halt natürlich aus einer Zeit, da hatten wir eine Veranstaltung. Einen DJ, einen Headliner, ich kann mich noch an eine Party erinnern, 1995 im Laguna, da gab es Alex Asari und Gabriel Le Mar, die haben den Chill Out, präsentiert und Sven Veth hat auf dem Mainfloor aufgelegt und ansonsten hatten wir nur Locals. Alexander Purkert, Christian Gimbel, Longy, ich glaube der Shady hat noch aufgelegt. Das waren so die Jungs früher und dann ist man hingegangen wegen der Musik. Und heute gehst du weg wegen Social Media, weil man weggeht, wegen Festival. Ich glaube, dass die Musik einfach ein bisschen eine untergeordnetere Rolle spielt, wobei sie nach wie vor immer noch wichtig ist, um Gottes Willen. Ich fand früher waren viele Dinge einfach besser. Orga-Professionalität ist heute natürlich nicht mehr zu vergleichen mit früher. Auch die Technik etc., die Pyrotechnik, das gab es früher alles gar nicht. Ich meine gerade schon meine Oma, das haben wir früher alles gar nicht gehabt, aber so war es natürlich. Du hast ja die Raver in den 90er Jahren im Oktan in Emmendingen erlebt. Du hast den F-Club als Resident mitgemacht und jetzt stehst du heute vor der Generation TikTok. Die viel filmen, posten, teilen, nochmal Hand aufs Herz. Haben die Kids von heute überhaupt noch die Geduld für so einen echten Spannungsbogen? Interessante Frage, auch witzige Frage. Ich glaube, ich bin 77 geboren und aus meiner Generation, ich habe mich damals noch hingesetzt und habe mir Alben angehört, keine Ahnung, Pink Floyd, Dark Side of the Moon bis, Phil Collins und habe mir halt einfach eine Platte, später dann CDs von A bis Z durchgehört. Und meine Künstler denken sich auch was dabei, wenn sie halt einfach ein Album releasen. Das ist auch heute noch so. Ich denke mal, von einem Paul Kalkbrenner bis keine Ahnung was, die denken sich dabei. Und ja, das ist so. Ich sehe das eher kritisch, dass die Kids von heute nur Handys. Es geht auch gar nicht mehr eben um diesen Spannungsbogen und um dieses Set. Ich kann da zum Teil auch gar nicht hinhören. Ich kenne auch die DJs zum Teil gar nicht mehr namentlich. Ja, aber das sind Riesennummern. Die haben zum Teil, keine Ahnung, 5 bis 10 Millionen Follower auf Instagram. Und dann höre ich mir ein Set an von denen. Und dann höre ich immer nur Drop after Drop after Drop, Break after Break, also Peak, Peak, Peak. Und irgendwie gar nicht so richtig anfangen. Und das muss ich dazu sagen, deswegen mag ich es eigentlich auch, lange Sets zu spielen. Und das war früher auch gang und gäbe, dass man einfach um zehn in einem Club angefangen hat oder um elf. Und wie im Drifters oder im Karma damals einfach bis um fünf, halb sechs durchgespielt hat. Und dann kannst du als DJ deinen Spannungsbogen aufbauen. Und das ist heute tatsächlich nicht mehr so. und die Kids von heute sehen das. Und sehen, dass es cool ist, sehen es auf Social Media und gehen dann über diese Coolness in diese Festivals. Wir sind einfach weggegangen, weil damals Techno und Haus war einfach neu. Kannte man so nicht. Was gab es davor? Davor gab es Pearl Jam, Nirvana, Sick of it All, Biohazard, keine Ahnung. Crash war ich früher auch viel. Klar, aber dann kam diese Techno-Szene und das war ja auch groß. Meine erste Love Parade dann irgendwann, 95, das war alles ganz, ganz anders und wir sind weggegangen wegen der Musik. Und nochmal, um zurückzukommen auf deine eigentliche Frage, man merkt ja, oder man kriegt es ja jetzt schon mit DC-10 Ibiza oder, keine Ahnung, Solomon macht es jetzt auch No-Phone-Policy, auch in Berghain in Berlin. Da gehst du halt einfach hin, da kriegst du dein Telefon abgeklebt geklebt und dann heißt es halt einfach, lass dein scheiß Handy in der Tasche und feier und genieß den Moment und die Freundschaften. Deine Leute, mit denen du unterwegs bist und hör auf zu filmen. Aber jeder, der einen Instagram-Account hat, einen TikTok-Account hat und sich diese ganzen Videos anguckt, weiß natürlich, wovon ich spreche. Ja, da wird halt ein schönes Foto gemacht oder ein Reel und am besten viele Likes und da geht der eigentliche Geist oder der eigentliche Spirit so auch, zum größten Teil verloren. Aber ja, die Großen, die machen das auch jetzt mittlerweile schon vor und sagen, hey, keine Phones bitte, mach die weg und tanz. Du hast jetzt gerade Ibiza als Stichwort erwähnt, die Feierinsel schlechthin, wahrscheinlich schon seit Jahrzehnten auch. Du warst selber oft auf Ibiza. Was würdest du denn von dort gerne hierher an den Tunisee importieren. Also ich war dreimal dort. Ich habe auch schon dort aufgelegt. Ich hatte das Privileg, dass ich über unser Label, über einen Tom Novi im Lio auflegen durfte, mit meinem Best Friend und Produzenten Shuya. Und durften dort auflegen, das gehört zur Pasha-Gruppe. Und der Spirit dort ist natürlich schon ein ganz anderer. Komm mal zurück auf deine Frage von früher. Hast du schon mal bei einer Crowd aufgelegt, die du jetzt nicht so gerockt hast? Und auf Ibiza ist es halt einfach, da kannst du spielen, was du willst. Die Leute, die drehen halt einfach durch und die feiern. Und es war auch früher tatsächlich anders. Also bei den ersten Sea of Loves hatte ich halt natürlich auch immer durch den engen Austausch mit dem Bela. Und der war tatsächlich viel früher, der ist ja nochmal ein bisschen älter als ich. Aber der war ja auch schon in den 90ern, wahrscheinlich schon in den 70ern auf Ibiza. Aber da haben wir uns auch immer schon ausgetauscht. Und wenn ich mit dem Bela unterwegs war, dann hat er immer so alte Tapes gehabt. Und da waren halt eben die üblichen Verdächtigen halt drauf, wie David Morales, Needin' You. Und das sind so typische Nummern und die standen damals für diesen typischen Ibiza-Sound. Und das habe ich persönlich versucht mit der Musik und mit diesen Tracks halt zu transportieren. Und also auch hier eben, wo ich, wenn ich hier gespielt habe, auf einer Sea of Love oder keine Ahnung oder im Club oder in Maria oder keine Ahnung. Später dann ist es natürlich auch so gewesen, ich war in Ibiza und habe einem Set zugehört, von einem DJ und fand es so geil und habe mir natürlich die Tracks auch notiert und habe dann auch versucht, dieses Feeling, was ich in Ibiza hatte, als ich das gehört habe, mitzunehmen hierher. Ja, ganz klar. Du hast Generationen von Festivalgästen kommen und gehen sehen. Gibt es inzwischen Momente, in denen du auflegst, kurz auf die Tanzfläche schaust und denkst, oh krass, die Eltern von denen haben früher schon zu meinen Sätzen getanzt? Also das ist natürlich auch ein Großteil von meinem Freundeskreis. Ich habe es vorhin schon gesagt, ich bin 77 geboren, auch ich habe nächstes Jahr den Fünfer davor, will mich jetzt nicht älter machen als ich bin, aber mein Freundeskreis ist schon so. Also die waren früher einfach im Oktan, die waren früher einfach im F-Club und ja, wir werden älter, wir kriegen Kinder und genau die Leute, die du jetzt ansprichst, die gehen heute immer noch weg. Also jetzt am Samstag bin ich. Auch auf einer Party, auf einem Partyschiff von MyKaiserstuhl. Und da kommen auch viele mit von früher. Und ja, die Jungen sagen wahrscheinlich, hey, guck mal, jetzt kommst du schon zum Sterben her. Aber das sind die, und die können meistens, nicht die können meistens, die wissen noch, wie man feiert. Ja, die gehen da hin, wir geben da Geld aus, dann wird halt mal eine Flasche bestellt und da gibt es auch keine Handys. Das ist schon ein Unterschied zu der jungen Generation, die jetzt nachkommt. Es heißt, du hast auch schon Headliner persönlich vom Flughafen abgeholt. Das stand auch mal in einem Nachtwächtertext in der Badischen Zeitung. Das hast du auch in deiner Zeit als Resident DJ des F-Club gemacht. Wer saß denn da so alles auf deiner Rückbank? Also eigentlich fast alle. Also ich habe einen Mogwai abgeholt, ich habe einen Novi natürlich abgeholt, ich habe Lexion K-Paul gefahren, ich habe einen Paule Kalkbrenner auch schon gefahren. Und das war auch immer so ein Ding, klar, durch das, dass ich halt aufgelegt habe und auch da mit involviert bin, hat halt auch immer Bela gesagt, hey, komm, hol die ab, geht noch was essen und dann bringst du die ins Hotel und dann holst die ab. Howard Donald von Take That war auch eine mega geile Geschichte, der war auch mega cool, den habe ich abgeholt, der kam alleine und dann saß mein Maria und haben einfach Spaghetti gegessen und, dann habe ich den ins Hotel gebracht und später mit dem Taxi abgeholt und dann halt ab dafür, aber ich habe tatsächlich. Boy George, Karl Cox, also sagt mir jemanden, mit dem ich noch nicht aufgelegt habe und eben früher war das halt einfach auch so, wie ich schon gesagt habe, die sind dann mitgekommen in F-Club nach der CU und dann hast du da halt einfach noch zwei, drei Stunden bis morgen zum 8, 9, Back-to-Back gespielt mit allen möglichen Leuten und ja, da waren eigentlich schon die Neuen, so wie man sie jetzt kennt, ein Fischer, David Guetta natürlich nicht, das war irgendwie so ein bisschen, die sind groß geworden so nach, meiner Zeit oder nach dem Ganzen und die waren dann auch nie greifbar, aber zu diesen Zeiten damals mit einer CU war das schon so familiär, wie ich es vorhin auch schon gesagt habe, dass die, DJs da einfach mitgefeiert hatten. Es gab es nicht, dass ein DJ angeflogen wurde und dann gleich wieder weg, okay, ein Fähd wahrscheinlich mal, aber dann wurde der kurz abgeholt und hat an zwei Veranstaltungen spielt. Heute sind es drei, vier rund um die Uhr, keine Ahnung. Aber das war schon früher eher so ein Zusammenfeiern. Aber sag mir ein DJ, mit dem ich noch nicht aufgelegt habe. Welche Begegnung am Tunisi wirst du denn nie vergessen? Also eigentlich mit Tiefschwarz, das war auch eine coole Geschichte, Tiefschwarz mit Lexi und Kay Paul. Die haben da aufgelegt und ich habe ein bisschen Scheißdreck gemacht mit einem Freund und der ist mir dann in den Rücken gesprungen und ich hatte eine Rippe gebrochen danach. Und bin halt natürlich dann in die Uniklinik und das war halt zur besten Zeit, keine Ahnung, 18 Uhr, 19 Uhr, 20 Uhr, ich weiß es nicht mehr. Und natürlich alles, meine Platten und Handy, alles auf der Bühne halt eben gehabt und bin dann halt in die Notaufnahme und geröntgt und dann hat der Arzt zu mir gesagt, ja okay, ich muss jetzt nach Hause natürlich und Rippe angebrochen und was weiß ich was. Und ich so, auf gar keinen Fall, bleibe ich jetzt hier oder gehe nach Hause. Und die einzige Nummer, komischerweise, die ich im Kopf hatte, das war die Nummer von Bela Und den habe ich dann abgeholt und der hat mir dann ein Taxi geschickt. Und da saß dann der Ali drin von Tiefschwarz und hat mich abgeholt. Und dann hat der nochmal, ich weiß nicht mit wem er telefoniert hat, aber auf jeden Fall hat mich dann Bela, Ali Basti, Tiefschwarz und Lexi und K. Paul dann vom Eingang abgeholt und hat mich dann mit auf die Bühne geschleppt. Und dann haben die noch aufgelegt und dann haben wir da zusammen getrunken. Aber das war schon gut. Nicht mal ein Rippenbruch kann dich also vom Feiern abhalten. Woher kommt denn diese Energie eigentlich bei dir? Boah, keine Ahnung, ich weiß nicht. Also mein Vater war schon sehr musikalisch, aber die Musik an sich, das ist eigentlich so das Ding, was so eine brutale Energie hat. Egal ob es Breakbeat ist, egal ob es Techno ist, auch die Musik. Die Anfangszeiten vom Techno, das ist einfach was ganz anderes gewesen und ich vergleiche das immer so mit Naturvölkern, die so. Auch tanzen um das Feuer rum mit Beats, egal ob es aus Trommeln, Kongas kommt und so weiter, dieses Rhythmische, was ja dann auch wieder zum Herzschlag dazugehört. Und das ist schwierig zu erklären. Ich stehe natürlich immer auf Vocals und Hausmusik ist natürlich eine Weiterentwicklung aus der Polka aus den 20ern und dann kamen die 60er, 70er dazu mit Disco House und so weiter und da bin ich einfach hängen geblieben. Ich meine, schau dir mal an, was Purple Disco Machine alles macht. Da nimmt natürlich die alten Banger von damals und bringt das heute wieder den Leuten nah und das ist schon ziemlich geil und das hat so eine Energie. Ich habe jetzt auch vor kurzem bei Instagram gesehen, dass Thomas Bangalter, der eine von Daft Punk, hat aufgelegt oder zum ersten Mal wieder oder seit langem, in London mit, ich weiß gar nicht wie er heißt, aber der hat eine Nummer gespielt, One More Time. Und die habe ich, als die rauskam. Habe ich auch mit einem, ich hatte mal ein DJ-Team mit dem Stephen Cooper und haben lang und viel und oft zusammen aufgelegt im Drifters und waren da halt eben im Zapata und haben die Nummer gespielt. Und dann haben wir an dem Abend, weil die so geil war, haben wir die dreimal gespielt und die Leute sind ausgeflippt. Und jetzt, Jahre später, Jahrzehnte später, sehe ich auf Instagram, wie Thomas Bangalter diese Nummer wieder spielt und die Leute drehen so dermaßen durch. Also nur vom Erzählen kriege ich Gänsehaut. Und das ist so diese Magie, die Musik hat. Und es ist eine Universal Language. Keine Politik drin, keine Religion drin, alle sind gleich, trifft übrigens aber auch auf Metal zu. Prinzipiell ist Musik so groß und so machtvoll und das ist auch das, warum mein Herz da auch immer dran hängt und immer dran hängen wird. Es gibt Tage, die sind so beschissen und da kann so eine Platte einfach auch mal dein Leben retten, indem du die auflegst. Ich weiß nicht, das Wetter ist scheiße draußen, du hast irgendwie Stress im Kopf oder um dich rum. Und dann gibt es Nummern, die höre ich mir an und von jetzt auf gleich, entweder ich kriege Tränen in die Augen oder, es kommt so ein warmes Gefühl, das ist unbeschreiblich, also wenn du mich fragst, was da dran halt eben ist und das ist so mein Dings mit der Musik. Du lieferst den Menschen seit rund 30 Jahren, vielleicht sind es auch ein paar mehr, den Soundtrack für ihre lautesten und ekstatischsten Momente. Die erlebst du natürlich als DJ selber mit, aber wo findet denn der Mensch Robert Hart, Robert Werle, eigentlich seine Stille? Wie klingt dein Tag nach dem Festival? Also ich bin ja älter, wie schon gesagt, und dann geht man halt einfach heim. Und meine Stille finde ich ganz klar in meinen Kindern. Ich habe zwei Kinder, zwei kleine Kinder, einen Sohn mit fünf und eine Tochter bis neun mit neun. Und das ist so meine Stille dann. Oder beim Autofahren und beim Duschen. Also ich bekenne mich tatsächlich zu den Leuten, die laut unter der Dusche singen. Und ich höre aber privat zu Hause tatsächlich sehr, sehr wenig elektronische Musik oder selten, wobei das nicht ganz richtig ist, weil ich höre 80er, 70er und 80er und, das Haus, was ich spiele, das ist ja eigentlich, kommt ja daher auch, aber da habe ich dann so meine Stille, also im Auto für mich Musik hören und meine Kinder, das ist so. Ein Festival wie die CU ist ja eine riesige Maschine, die sich jedes Jahr neu erfindet. Wenn du in diesem Jahr dein Set beendest, welches Gefühl möchtest du den Menschen auf der Tanzfläche für diesen Sommer 2026 hinterlassen? Schau mal, das war der Robert Hart, der alte Sack und der konnte es immer noch. Das ist ein wunderschöner Schlusssatz und damit bedanke ich mich recht herzlich für das Gespräch. Wer Robert Hart in diesem Jahr bei der CU Auflegen hören will, am Freitag, 17. Juli um 19 Uhr auf der Seebühne Stage 6. Ja, in diesem Sinne, gutes Auflegen, schönen Sommer Dir. Cool, danke, dass ich da sein durfte.