Latest / Die Abschweifung / Die Abschweifung 32 Der Tod und das Leben
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- 0:00[Musik]
- 0:15Hallo und willkommen zu einer neuen Ausgabe des...
- 0:18Ne, der Abschweifung.
- 0:21Da ich vom Thema hier und da mal ganz gewaltig abschweife.
- 0:27Ja, wie man hören kann, bin ich noch etwas erkältet und melde mich mehr oder weniger aus dem Krankenlager zurück.
- 0:37Die letzten zwei Monate war ich irgendwie durchwiegend erkältet.
- 0:45Da gab es da mal eine kurze Phase, wo ich mal gesünder war,
- 0:52aber irgendwie wirklich so richtig gesund war ich auch nicht, weil ständig diese dämliche Erkältung dazwischen war.
- 1:04Ätzend, absolut ätzend.
- 1:08Lass uns heute mal über das Thema Tod reden.
- 1:15Bei mir ist jetzt vor gut einer Woche meine Tante verstorben.
- 1:26Zu ihr gab es jetzt nicht so super das Verhältnis.
- 1:31Die Tante war immer ein bisschen merkwürdig und schwierig.
- 1:37Hatte immer irgendwelche, ja wie soll ich sagen, so Ansichten, die fernab von denen waren, was für mich normal war.
- 1:51Mag vielleicht daran liegen, weil sie selber keine Kinder hatte.
- 1:56Und ihr Mann war auch älter.
- 2:00Ich weiß gar nicht wie alt der Onkel war. 13, 14, 15, vielleicht 17 Jahre älter.
- 2:09Schwerkrank und brauchte dann auch Pflege.
- 2:14Kommt mir irgendwie sehr bekannt vor.
- 2:17Kleiner Funfact zwischen mir und meiner Freundin oder Verlobten sind auch gerade mal 13 Jahre.
- 2:26Mein Onkel ist ja gut.
- 2:36Wie lange ist der denn tot?
- 2:41Auch vielleicht drei oder vier Wochen bevor jetzt meine Tante gestorben ist.
- 2:46Da ist mein Onkel verstorben und wie gesagt, er war auch sehr krank.
- 2:53Und deswegen war das auch absehbar.
- 2:58Er hatte auch sein Alter.
- 3:01Mit über 80 und wie gesagt, das beste Verhältnis dazu nicht.
- 3:08Er hatte einen Sohn gehabt, aber er war auch mal ein bisschen komisch.
- 3:11Der hat mir auch nie so wirklich verraten, was er beruflich macht.
- 3:15Ich wusste, dass er in der Chemie arbeitet an der Uni in Bochum.
- 3:23Und dass er dort auch bei wissenschaftlichen Publikationen beteiligt war.
- 3:28Aber er hatte jetzt keinen Doktor studiert, so wie einige andere Familien der Familie.
- 3:34Die haben halt alle einen Doktor der Naturwissenschaften, also hauptsächlich Chemie.
- 3:41Und meine Tante war radio-technische Assistentin, also in der RTA.
- 3:55Im Krankenhaus und hat dann dort in der Radiologie gearbeitet.
- 4:01Also sprich, hat mit so einem radioaktiven Kontrastmittel CT-Aufnahmen gemacht oder auch Sintigramme.
- 4:13Ich will gar nicht so auf das Berufliche hinaus, sondern eher so das Thema Tod, weil es wieder so das nach vorne gebracht hat.
- 4:242018 ist mein Vater verstorben, ganz plötzlich.
- 4:29Er hatte schon vorher so ein paar Herzprobleme gehabt und war auch schon seit Jahren deswegen in Behandlung.
- 4:36Und weil bei uns auch eine Familie MS bekannt ist, war dort der Verdacht auch gewesen, weil die Symptome so merkwürdig waren, dass es auch MS ist.
- 4:47Er hatte sich dann halt Termine geholt beim Neurologen, beim Kardiologen und ist fünf Wochen vor den Terminen beim Kardiologen an einem plötzlichen Herztod verstorben.
- 5:03Ich habe das ja schon mal im Blog oder auch hier und da in einem Video oder auch im Podcast thematisiert, dass mein Vater verstorben ist.
- 5:15Das, was so schlimm war, das war gewesen, ich hatte mit ihm geschrieben und dann von jetzt auf gleich gar nichts mehr.
- 5:23Ich hatte dann am nächsten Tag einen Termin gehabt und habe dann schon gedacht, weil es ihm so schlecht geht, dass er sich nicht meldet.
- 5:33Und deswegen habe ich dann den Termin abgesagt.
- 5:36Dann nach zwei, drei Tagen habe ich bei der Polizei angerufen, die meinte, warum fahren Sie nicht selber hin.
- 5:43Ja, ich bin schwerbehindert, brauche mich vorzubewegen, aktuell in den Rollstuhl und ich schaffe das einfach nicht von da, wo ich wohne, in die Nachbarstadt zu fahren.
- 5:55Ja, dann haben wir mitgeteilt, dass mein Vater tot ist und das war natürlich ein ziemlicher Schock.
- 6:03Da ich aber auch aus diversen komplizierten Gründen auch mit meiner Schwester und meiner Mutter zu dem Zeitpunkt keinen Kontakt hatte, konnte ich dann erstmal da wieder die Verbindung aufbauen.
- 6:19Ich meine, wie gut, dass man nicht nachtragend ist und sofort füreinander da war, weil ich war zu dem Zeitpunkt so hilfebedürftig, dass ich wäre gar nicht alleine klargekommen.
- 6:36Deswegen vielen, vielen Dank für die Hilfe von meiner Schwester und von meiner Mutter zu dem Zeitpunkt.
- 6:46Das erste Mal bin ich mit dem Tod in Kontakt gekommen, da muss ich so zwölf gewesen sein.
- 6:57Da ist meine Oma gestorben und sie wurde auch genau an meinem Geburtstag beerdigt.
- 7:03Das war die einzige Oma, die noch da war.
- 7:06Eine andere Oma ist an dem Tag meiner Geburt gestorben, so irgendwann 77.
- 7:14Das ist irgendwie interessant, wenn man dann so mal erfährt, so ein paar Stunden bevor man selber auf die Welt gekommen ist, ist noch jemand anderes aus der Familie gegangen.
- 7:27Und dann war es so mit 14, waren das dann halt meine Großeltern, väterlicherseits, wo erst der Opa gestorben ist, nein die Oma, die Oma ist zuerst gestorben.
- 7:43Die war voller Krebs gewesen und dann wenige Wochen danach der Opa, voller Einsamkeit.
- 7:51Ich habe meinen Opa nur als netten, lieben Mann kennengelernt, wobei wenn dann halt mein Vater und seine Schwester, die Tante Helga, mal so erzählt haben,
- 8:03der muss in Tehran gewesen sein, je zornig bis zum Gehtnichtmehr, bei mir war das ein netter, alter, lieber Mann, nur Opa, mit dem ich auch viel gemacht habe.
- 8:17Das waren vielleicht 20 Minuten Fußweg, wo wir auseinander gewohnt haben, so zwischen Datteln und Waltrop, bei Dortmund oder Recklinghausen, je nachdem wie man das sieht.
- 8:31Und dann ist mal hier ein Onkel, also ein Großonkel gestorben, wo ich keine Bindung zu hatte, weil kannte ich nicht und andere Leute.
- 8:47Und dann ist meine Oma, mütterlicherseits, da muss ich so Anfang 30 gewesen sein, verstorben nach langer Demenz.
- 8:56Dazu muss man sagen, ich habe in dem gleichen Pflegerheim gearbeitet, als Altenpfleger, wo meine Oma gelegen hat, also so hatte ich oft Gelegenheit gehabt, meine Oma zu besuchen,
- 9:07wo ich am Anfang noch mit ihr reden konnte und dann so immer weniger da war, bis gar nichts mehr da war.
- 9:17Was meine Oma ausgemacht hat, eine fantastische, starke Frau, ich meine auch die andere Oma, das war auch eine Powerfrau, die Markmannfrauen waren alle groß.
- 9:32Also meine Oma war auch über 1,80 und die Tante Helga war auch fast 1,90.
- 9:42Andere Frauen aus der Familie waren so groß, ich habe hier Fotos aus den 1920ern, wo halt Frauen drauf sind, die dann so ungefähr einen Kopf bis anderthalb Köpfe größer sind wie die anderen.
- 9:59Aber alle so starke, taffe Frauen, also wirklich unglaublich.
- 10:06Meine Oma, muss man sagen, mütterlicherseits, die hatte fünf Töchter und der Mann ist früh gestorben am Bauchspeicheldrüsenkrebs, das ist ja heute noch eine sehr tödliche Diagnose.
- 10:23Und ja, was soll ich dazu sagen, diese Frau hat alleine vier Töchter großgezogen, meine Mutter war so 16, glaube ich, wo das passiert ist.
- 10:34Meine Mutter ist die älteste von den vier.
- 10:42Wie soll ich sagen, die hat es so weit geschafft gehabt, auch eine Eigentumswohnung zu haben, eine große Eigentumswohnung, in der sie bis zum Schluss gewohnt hat.
- 10:52Also echt krass, Respekt davor.
- 10:57Ja, das ist der Tod, ich meine, das ist was Endgültiges.
- 11:02Natürlich leben all diese Menschen in meiner Erinnerung und in meinem Herzen weiter.
- 11:07Und mir ist jetzt die Tage auch wieder bewusst geworden, wie endlich unsere Zeit hier ist.
- 11:14Ich meine, mit dem Tag der Geburt ist klar, dass wir irgendwann mal sterben werden, der eine früher, der andere später.
- 11:23Und selbst wenn jetzt so das Durchschnittsalter irgendwie bei 70 oder so liegt, manche sterben sehr, sehr früh, manche haben gar nicht gelebt und sterben, weil sie schon im frühesten Kindesalter gestorben sind und andere wären über 100.
- 11:43Es ist ja nur ein Durchschnittsalter.
- 11:46Ich meine, zu Zeiten, wo das Durchschnittsalter irgendwie so bei unter 30 lag, da gab es auch Menschen, die dann irgendwie 40, 50, 60 gewohnt sind, weil ja auch die Kindersterblichkeit so hoch war.
- 11:58Ich könnte jetzt, wer weiß, was für schöne Geschichten erzählen aus meiner Kindheit oder so.
- 12:05Oder auch so Besonderheiten.
- 12:10Aber das will ich gar nicht so, weil aktuell ist ja halt meine Tante und der Onkel gestorben.
- 12:17Und da gibt es so zwei ganz besondere Sachen, die mir so im Kopf geblieben sind.
- 12:23Die haben ja ein Haus gebaut und meine früheste Erinnerung an die zwei ist Silvester 1984 und nee, 83.
- 12:36Das war zu 84.
- 12:38Das war so das erste Silvester, wo ich auch mal ein bisschen länger wach bleiben durfte.
- 12:42Und da haben wir dann bei denen noch im alten Haus, was die damals gemietet hatten, gefeiert.
- 12:50Und wie es damals halt so war, man hatte halt, wenn man halt auf sich was gehalten hat, so eine Modulstereolage, sprich Kassettentepp, Schallplattenspieler, Radioteil und dann halt der Verstärker.
- 13:05Und das sah so toll aus, da waren so Nadeln, die sich so bewegt haben und Lichter, die geblinkt haben.
- 13:12Und ich durfte den nicht anfassen.
- 13:15Das war so gewesen, wie ich davor gestanden habe und dann, es hat in den Fingern gekribbelt.
- 13:20Hieß es sofort so, Finger auf den Rücken, Hände auf den Rücken und pfeifen.
- 13:27Ja, das ist übrigens so ein geflückeltes Wort, gegen bei meinen Läffen, den kleinen Läffen von meiner Mutter irgendwie geworden.
- 13:36Also wenn die irgendwo was anfassen wollen, dann auch so, Hände auf den Rücken und pfeifen.
- 13:41Es ist ja irgendwie witzig, oder?
- 13:44Und dann, es gab dort in der Wohnung und auch im Haus später so eine riesengroße Holztruhe.
- 13:53Aber jetzt nicht so ein schönes Kästchen oder so, sondern eine richtige Truhe, wie man sich so aus den Ritternfilmen vorstellt.
- 14:01Mit dicken Schmiedeeisernen Beschlägen.
- 14:06Ich habe nie herausgefunden, was da drin ist.
- 14:09Ich weiß nur so, dass ich davor gestanden habe immer und mich gefragt habe, was in dieser Schatztruhe drin ist.
- 14:17Weil das ist ja ein Schatz, wie aus diesen Ritterfilmen oder aus den Filmen mit den Seeräubern, wo richtig viel Gold drin ist oder Diamanten und andere Schmuckstücke, Juwelen, Zaphire, Rubine.
- 14:38Ja, das ist schon komisch, an was man sich so erinnert an Menschen.
- 14:43Bei meinem Opa denke ich immer nur an den schönen Garten und den Hut, den er aufhatte und dass er Zigarre geraucht hat.
- 14:55Und als wir damals in die Wohnung reingekommen sind, nachdem er tot war und die Wohnung dann aufgelöst haben, war noch tagelang dieser kalte Zigarrengeruch in der Luft.
- 15:06Etwas, was ich auch nie vergessen werde.
- 15:09Es ist schon irgendwo bemerkenswert, wenn man mal so überlegt, an was man sich so bei den Menschen erinnert.
- 15:20Bei meiner Oma, mitteillicherseits, verbinde ich auf jeden Fall Kochen.
- 15:26Sie war Köchin vom Beruf und hat in Datteln an der Kinderklinik gekocht, da in der Küche.
- 15:34Und erstens war sie schnell, zweitens sehr modern in der Küche und hat auch total so komische Sachen gemacht.
- 15:46Fennichelgemüse, die meisten kennen Fennichel nur als Tee und das war echt lecker, weil da so eine leicht tomatige Soße dabei war.
- 15:57Und dann Fennichel mit noch ein bisschen anderes Gemüse und dann so Geflügel als Fleisch dabei oder auch total ohne Fleisch und Pizza mit Currygewürzketchup obendrauf.
- 16:12Ich habe das nie probiert, weil ich das schon den Gedanken sehr skurril finde und eklig, aber meine Oma hat das geliebt.
- 16:22Und Ummengen, Ummengen an Kekse, an Spritzgebäck und andere Kekse.
- 16:27Die waren manchmal bis zum Juni, Juli oder Anfang August noch da, sodass man davon sehr lange zehren konnte.
- 16:37Was man heute auch bei mir übrigens sieht, weil ich bin kein Kind von Traurigkeit und bin wohlgenährt.
- 16:46Bei meiner anderen Oma, wenn ich daran denke, was die gekocht hat, das war so diese richtig alte, deftige Hausmannskost.
- 16:53Wenn da ein Eintopf kalt war, war da nicht nur so zwei, drei Fettaugen und drauf, das war ein Fettauge und das war dick.
- 17:04Da konnte man erstmal einen Haufen Öl von abschöpfen.
- 17:08Bei Soßen, wenn die dann kalt waren, war da manchmal bis zu einem Zentimeter dick, oben das weiße Fett drauf.
- 17:18Das hat meine Mutter dann immer abgemacht, aber lecker war das.
- 17:23Aber total anders in der Küche wie meine andere Oma.
- 17:28Und Buttercremetorte.
- 17:32Buttercremetorte, das hat meine Oma damals auch immer gemacht.
- 17:38Es ist komisch, wenn man daran so denkt, was man auf einmal so vermisst, was man als so selbstverständlich angesehen hat.
- 17:47Und als Kind oder bevor man so richtig Teenager ist, ist einem das gar nicht so bewusst, dass das irgendwann mal nicht mehr ist.
- 17:57Da ja meine Großeltern auch einen Garten hatten, haben die natürlich auch viel eingekocht, also eingeweckt und auch so Rhabarber eingekocht.
- 18:08Und ich weiß noch diesen Erdbeer-Rhabarber.
- 18:11Da kann ich mich noch gut dran erinnern, dass ich mit meinem Sankastenkumpel, dann, weil man Großeltern war und im Garten und da haben wir auch ein bisschen rumgespielt und so.
- 18:20Und dann hat meine Oma Erdbeer-Rhabarber geholt und er kannte das nicht.
- 18:25Und dann haben wir das gegessen und da meinte er so, da ist ja Speck drin.
- 18:30Und dann war das so eine total so zerkochte Erdbeere, die dann so extrem weich und glibberig sind in Verbindung mit diesen Rhabarberfasern, die da so drin sind.
- 18:44Und das ist auch alles so ein bisschen dickflüssiger.
- 18:47Und dann meinte er, das ist ja seltsam, dass da Speck drin ist.
- 18:50Und dann meinte meine Oma nur, du spinnst doch, da kommt doch kein Speck rein.
- 18:54Ja, das war so.
- 18:56Ich weiß ja nicht, wie es so aussieht, aber meine Mutter ist auch schwer krank.
- 19:06Die hat COPD und Asthma und diese typischen Alterswehwehchen und Leiden.
- 19:12Ich weiß nicht, ob sie das nicht so alt ist, aber die ist jetzt dieses Jahr 70 geworden.
- 19:17Hat auch wegen Krankheit nicht gefeiert, weil sie dann wieder erkältet war.
- 19:22Das ist seit der Corona-Zeit irgendwie durchgehend.
- 19:26Oder das ist die Tatsache, weil sie auch viel auf die Enkel aufpasst, also auf meine Nerven.
- 19:32Und der eine ist jetzt in der Grundschule und der andere ist im Kindergarten gekommen.
- 19:39Ja, dann ist der eine dann erkrankt, dann ist der andere krank, dann nimmt der eine was mit von der Schule oder aus dem Kindergarten.
- 19:47Und wer kriegt das halt ab?
- 19:50Die Frau mit dem schwächsten Immunsystem.
- 19:53Ich meine, ich passe auch hin und wieder mal auf einen von den Neffen auf.
- 19:57Und ich kriege auch jedes Mal so ein kleines Geschenk mitgebracht.
- 20:01Was man jetzt aktuell ja auch hören kann, weil ich ja irgendwie auch seit einem Monat, zwei Monaten alle Nasenlang erkältet bin und so.
- 20:12Ja, das ist so ein Dauerthema bei uns, irgendwie ständig erkältet.
- 20:23Eine andere Tante von mir, die hatte jetzt Krebs gehabt.
- 20:28Erst Speiseröhrenkrebs, kleiner Funfact am Rande, den Krebs, den viele Alkoholiker bekommen,
- 20:39weil sie halt ihre Schleimhaut so dermaßen geschädigt haben durch den Alkoholkonsum, dann mit Rauchen in Verbindung.
- 20:49Aber meine Tante hat da kein Problem.
- 20:52Raucht selber schon seit Jahren nicht mehr und Alkohol war nie ein Thema.
- 20:58Und jetzt vor kurzem, das war jetzt gerade so, die Chemo ist abgeschlossen gewesen und das sah gut aus,
- 21:09aber man hat sich im Krankenhaus gewundert, warum die Tumormarker nicht runtergehen.
- 21:13Und dann hat sie auf einmal Ausfallerscheinungen bekommen in der Motorik, im Arm und in der Hand und im Bein.
- 21:20Und da stellte sich heraus, dass sie noch einen zweiten Primärtumor im Gehirn hat.
- 21:26Also nicht, dass der Tumor eine Speiseröhre remetastisiert hat, also eine kleine Tochtergeschwüre gebildet hat, nein.
- 21:34Es war ein zweiter Primärtumor.
- 21:36Das muss man auch erst mal hinkriegen.
- 21:39Zwei verschiedene Tumorarten in zwei verschiedenen Gebieten, also Region des Körpers.
- 21:46Das ist ungefähr so wie ein Vierer im Lotto.
- 21:52Nur, ich glaube, sie hatte lieber das Geld gehabt, das ist die Scheiße.
- 21:56Sie ist jetzt operiert und ihr geht es gut, aber es kommt dann halt bald die Chemo und die wird natürlich knallhart,
- 22:03weil das natürlich dann halt hochdosiert ist und die Bestrahlung am Kopf,
- 22:09beziehungsweise auch dann so mit ins Gesicht rein, das ist fürchterlich.
- 22:17Was bei meiner anderen Tante, weil meine Lieblingstante ist, ist halt diese typischen Altersdinger.
- 22:25Ich meine, sie ist auch vorzeitig in Rente gegangen, nicht weil sie es musste, sondern weil sie es konnte.
- 22:34Weil sie ihr ganzes Berufsleben über so super verdient hat und sich einfach gedacht hat,
- 22:41scheiß was auf die paar Euro, ich gehe jetzt einfach eher in Rente.
- 22:45Das hat auch ihr Lebensgefährte gemacht.
- 22:49Und die machen sich jetzt einen richtig schönen Lebensabend.
- 22:5414 Tage in Holland, 14 Tage in Deutschland.
- 22:58Jetzt machen sie eine Flussrundkreuzfahrt.
- 23:04Chapeau, Chapeau. Schön, wenn man das kann.
- 23:10Aber mir ist klar, einer von denen, weder meine Mutter oder einer von den anderen Tanten,
- 23:18wird irgendwann sterben, bis alle weg sind.
- 23:24Und dann sind nur noch meine Schwester und ich über und meine Cousine.
- 23:30Und dann, keine Ahnung, ich meine, ich habe jetzt keine Kinder, ich habe mich ja bewusst gegen ein Kind entschieden.
- 23:38Vorher habe ich es natürlich auch mit Partnerinnen versucht, aber da hat das nicht geklappt.
- 23:45Bei einer weiß ich halt, dass es auch bei ihr schwierig ist,
- 23:50weil sie ja auch schon mit ihren neuen Partnern schon jede Menge versucht haben
- 23:55und auch in medizinischer Behandlung deswegen waren.
- 24:00Und bei meiner letzten Partnerin hat es ja auch nicht funktioniert,
- 24:05aber mit den neuen Partnern sind zumindest zwei Kinder auf der Welt.
- 24:13Ich weiß, wie sehr sie sich Kinder gewünscht hat und auch wenn da die Trennung nicht so schön war,
- 24:22ist das schön, dass sie da wenigstens ihren Wunsch erfüllt bekommen hat.
- 24:29Wenn man sich so Kinder wünscht, das ist dann schon so.
- 24:34Aber da haben wir ja den Bogen vom Tod über das Leiden bis zum Kinderwunsch.
- 24:44Und Kinder sind halt die Zukunft.
- 24:47Sie tragen halt viel von uns mit und jetzt nicht nur im genetischen Sinne,
- 24:53weil sich halt Mama und Papa vereinen und dann halt das große Wunder des Lebens passiert.
- 25:00Die Maiose und nicht Mithose, Maiose, wo sich die Zellkerne verschmelzen und dann halt die Teilung passiert.
- 25:12Sie tragen aber auch viele von uns mit, also soziokultureller Hintergrund,
- 25:17Erziehung, Geschichte, wo man lebt, wie man lebt, wie man erzogen wird.
- 25:25Und da kann ich nur auf Holz klopfen, auch wenn das nicht immer einfach war.
- 25:32Meine Eltern haben da echt einen guten Job gemacht.
- 25:36Und ich habe damals geschrieben, ich bin im Blogbeitrag, wo mein Vater gestorben ist,
- 25:42dass jetzt ein Held gestorben ist.
- 25:45Das war mein Held, mein Held der Kindheit.
- 25:48Und ich sehe das auch jetzt so bei meinen Neffen.
- 25:53Man kann über den Vater denken, was man will.
- 25:57Für die Jungs ist der Papa der Held.
- 26:02Und das war bei mir nicht anders.
- 26:05Mein Vater war ein Mann mit Fehlern.
- 26:08Er konnte mit Geld nicht umgehen.
- 26:11Er war nicht der Ordentlichste, aber er war mein Held.
- 26:16Und genau so ist es auch bei meinen Großmüttern.
- 26:22Fantastische Frauen.
- 26:26Und ich glaube auch, dass das ist, was mich heute zu dem macht, was ich bin.
- 26:34All die Menschen, die in meiner Familie waren,
- 26:37oder auch all die Freunde von meinen Eltern, mit denen ich viel zu tun hatte,
- 26:42haben Einwirkung oder Auswirkung auf mich, auf meine Entwicklung gehabt.
- 26:50Und sie haben mich quasi auch mit Schule und was ich da alles erlebt habe,
- 26:56zu dem gemacht, was ich heute bin.
- 26:59Und das ist auch das Erbe, was wir unseren Kindern mitgeben.
- 27:03Ich wollte immer so ein Onkel sein, wie meine Lieblingstante zu mir war.
- 27:10Oder zu uns Kindern war. Zu meiner Schwester, zu meiner Cousine.
- 27:14Zu den Kindern der Cousine, wo ich weiß, dass sie da genauso tolle Sachen macht.
- 27:23Oder sie hat auch jetzt zu Weihnachten Geschenke oder Geld gegeben gehabt für Geschenke für meine Neffen.
- 27:35Wo sie dann genauso tolle Sachen gemacht hat wie bei uns.
- 27:40Und so ein Onkel wollte ich auch sein.
- 27:45Bei meinen ersten Neffen, den ältesten, konnte ich es sein,
- 27:48weil ich da auch gesundheitlich einfach fitter war.
- 27:51Ich hatte dank eines Jobs genug Geld.
- 27:55Und dank Wechseldienst und Wochenendschichten,
- 28:00auch mal in der Woche frei, dass ich dann auch hingehen konnte in den Ferien,
- 28:05mit meinen Neffen einfach mal in der Sternwarte gehen und dann genau diese tollen Momente erleben,
- 28:12wie ich dann halt mit meiner Tante hatte.
- 28:15Wissenschaft.
- 28:17Ich hatte ja gesagt, dass die Lieblingstante Chemie studiert hat,
- 28:21so wie viele andere in der Familie.
- 28:24Mit ihr war ich in der Uni in Dortmund und hab dort auch in den Laboren gehangen
- 28:30oder auch in der einen oder anderen Fortlesung, Vorlesung,
- 28:34und habe dann relativ schnell festgestellt, Junge, so was Cooles möchtest du auch erleben.
- 28:41Und ich habe ja nach meiner Schulausbildung zwar nicht studiert,
- 28:49sondern das habe ich erst später gemacht.
- 28:54Ich hatte erst noch einen Beruf erlernt und hab dann studiert.
- 29:00Dann Full Run, super schnelles Studium.
- 29:06Und hab da auch einen Abschluss gemacht.
- 29:11Hab dann wieder eine Ausbildung gemacht und wieder eine Ausbildung.
- 29:18Und habe dann nach dem Schlaganfall aus lauter Langeweile wieder studiert.
- 29:24Das ist auch etwas, was man mir mitgegeben hat.
- 29:28Diese Vielfalt an Interessen.
- 29:31Man muss sich vorstellen, wenn wir uns früher Geburtstagsfeiern waren,
- 29:35dann haben dort Akademiker gesessen, die alle Chemie studiert haben.
- 29:40Und dann haben dort überwiegend Leute aus dem medizinischen Bereich,
- 29:45Arzthelferinnen, Krankenschwestern, technische Assistentinnen,
- 29:51also röntgene Techniker, medizinische technische Assistenten, die waren alle da.
- 29:56Und dann der einzige Exot, der da war, das war mein Vater.
- 30:01Der war nämlich Heilunter Erziehungspfleger, LKW-Fahrer, Maler und Lackierer
- 30:12und Zerspannungsmechaniker.
- 30:16Und später hat er sogar noch als Sozialarbeiter gearbeitet.
- 30:21Und ein einziger, der bei uns Chemie studiert hat in der Familie,
- 30:25hat noch als Chemiker gearbeitet.
- 30:28Der eine hat als Programmierer bei einer Versicherung gearbeitet,
- 30:33der andere hat als bei der Hausverwaltung mit dem Müllmanagement gearbeitet.
- 30:43Und diese Interessenvielfalt und auch das Jobwechseln,
- 30:49das ist auch etwas, was man mir mitgegeben hat.
- 30:54Der einzige Nachteil ist halt, ich bin top ausgebildet
- 30:59und bin für viele Sachen total überqualifiziert
- 31:02und habe nie wirklich in die Rentenkasse eingezahlt.
- 31:06Und wenn man dann so mit 40 einen Schlaganfall kriegt,
- 31:11dann sieht die Sache echt beschissen aus.
- 31:15Ich hatte meinen 40. Geburtstag gehabt und eine Woche danach, BAM, Reset.
- 31:24Und das war ein Punkt gewesen in meinem Leben,
- 31:29also ich war 39, nicht 40,
- 31:34der mir gezeigt hat, wie wertvoll und wie wichtig das ist,
- 31:41dass ich jede Sekunde auf dieser Erde, auf diesen Erden rund genieße.
- 31:47Weil es einfach endlich ist.
- 31:50Und jedes Mal, wenn jetzt jemand stirbt,
- 31:54der mir lieb und wichtig ist oder der zur Familie gehört
- 31:59oder ein guter Freund ist,
- 32:02dann kommt mir das wieder in Erinnerung,
- 32:05wie ich damals gesettet im Krankenhaus in der Notaufnahme gelegen habe
- 32:12und nichts mehr konnte.
- 32:16Ich konnte so schlecht sprechen, dass man mich nicht verstehen konnte.
- 32:22Und ich dann wie ein kleines Kind alles wieder neu lernen musste.
- 32:28Und ich im Nachhinein erfahren habe,
- 32:32wie knapp dieser Schlaganfall war, dass ich ihn überlebt habe.
- 32:38Weil er etwas so breite Stammhirn zwar und eine echt dumme Region ist,
- 32:43wenn da einfach so viel Materie abstirbt.
- 32:48Deswegen kann man ja auch verstehen, dass ich dann heute starke Probleme habe.
- 32:52Ich meine, in Kombination mit meinem Übergewicht und zu wenig Bewegung,
- 32:57weil ich mich nicht bewegen kann, zu wenig Muskeln.
- 33:01Und das ist ein Rattenschwanz.
- 33:04Aber ich bin so froh, dass ich dann wieder fünf Wochen in der Neurologie gelegen habe,
- 33:12jeden Tag Sprachtraining hatte, Logopädie,
- 33:18dass ich wieder heute so klar und deutlich sprechen kann.
- 33:22Und das ist echt, es ist harte Arbeit.
- 33:27Ich hatte auch wirklich jeden zweiten Tag Bewegungstherapie.
- 33:32Und das war so viel Arbeit.
- 33:35Und das hat einfach gezeigt, wie wichtig Leben ist
- 33:40und dass man das Leben in vollen Zügen genießen muss.
- 33:46Ja, ich denke mal, ich habe jetzt genug hier erzählt.
- 33:51Wir sind vom Thema Tod über Familiengeschichten zum Thema Leben gekommen.
- 34:00Und ich finde das ist schön, weil das Alpha und das Omega,
- 34:05der Anfang und das Ende.
- 34:08Und ich bin absolut pro Leben.
- 34:14Auch wenn es in meinem Leben viele Phasen gab, in denen ich sogar depressiv war
- 34:19und gerne nicht mehr gelebt hätte, lebe ich ganz gerne.
- 34:25Und es gibt so viele tolle Sachen zu erleben.
- 34:30Selbst wenn ich mit einem eingeklemmten Ischiasnerv
- 34:37schmerzgeplagt im Bett liege, in Embryonalstellung
- 34:44und mir wünschte, die Schmerzen wären weg,
- 34:48ist es so, dass es mir eindeutig zeigt,
- 34:52ja, ich lebe, weil ich solche scheiß fucking Schmerzen habe.
- 35:00Selbst dann ist es schön zu leben.
- 35:05Ich bedanke mich dafür, dass ihr mir zugehört habt
- 35:08und bitte entschuldigt das Gelache.
- 35:11Meine Freundin ist gerade Fortnite am Spielen und es scheint lustig zu sein.
- 35:18Also vielen Dank und bis zur nächsten Ausgabe der Abschweifung,
- 35:23wenn es wieder heißt, vom Thema gelegentlich, ach, fast immer abzuschweifen
- 35:29und irgendwelche Storys aus meiner Vergangenheit zu erzählen.
- 35:34Tschüssi.
- 35:35[Musik]