Latest / BZ am Ohr / Leben, Sterben, Begleiten: Ein Gespräch aus dem Hospiz in Freiburg
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- Heute verlasse ich mal das Podcaststudio und nehme euch mit ins Hospiz Karl-Josef in Freiburg. Welcher Gedanke geht euch durch den Kopf, wenn ihr Hospiz hört? Ist es Ablehnung, Angst oder seid ihr wie ich neugierig? Dort ist es bestimmt ganz ruhig, dunkel und alle laufen auf Zehenspitzen durch die Gegend. Soweit zu meinen Vorurteilen. Als ich dort ankomme, werde ich das erste Mal überrascht. Das Team steht gerade versammelt um die Kaffeemaschine, man bietet mir auch einen an und dann nimmt mich Schwester Mirjana mit in den Besprechungsraum. Schwester Mirjana arbeitet seit vielen Jahren im Hospiz. Seit fast zehn Jahren ist sie hier die Leiterin. Es kann sein, man feiert mit dem Gast zusammen gerade den Geburtstag und würdigt nochmal das Leben. Und ein Zimmer weiter ist jemand, der im Sterben liegt. Das Gespräch mit ihr hat mich sehr berührt. Und ich möchte es euch wirklich ans Herz legen. Weil es Vorurteile abbaut. Weil Schwester Mirjana auch lustige Geschichten erzählt. Und weil sie einfach sehr kluge Gedanken zum Thema Leben und Sterben hat. Ja, also durch das, dass wir ja Tag für Tag mit sterbenden Menschen, konfrontiert sind oder ein Gegenüber sind. Gehört es tatsächlich dazu, dass das Leben endlich ist hier auf dieser Erde. Und für mich ist tatsächlich das Leben ein Geschenk. Schwester Mirjana und vier ihrer Kolleginnen aus dem Hospiz sind auch Teil der Podcast-Serie Jenseits der Schwerkraft, die am Freitag, am 21. November 2025 bei uns erscheint. In der zweiten Staffel, Der letzte Ort auf Erden, nehmen uns Lukas Fleischmann und Rai Würschinger mit ins Hospiz in Freiburg und versuchen die Frage zu beantworten, was Menschen am Ende ihres Lebens beschäftigt. Überall dort zu hören, wo es Podcasts gibt. Mein Name ist Gina Kuttgart und ihr hört BZ am Ohr. Guten Morgen, Schwester Mirjana. Wir sind jetzt heute hier im Karl-Josef-Hospiz in Freiburg, das Sie seit 2016 leiten. Es ist jetzt ungefähr 10 Uhr am Montagmorgen. Ist es ein normaler Wochenstart für Sie gewesen? Vielleicht können Sie uns mal so ein bisschen mitnehmen in den Tag. Ja, guten Morgen. Ja, es war ein ganz normaler Wochenstart. Wenn ich komme, erkundige ich mich, was übers Wochenende los war, wie es den Gästen geht und. Beginne, dass ich den Computer eröffne und schaue, welche Mails reingekommen sind, was ich gleich zu beantworten habe. Natürlich den Kalender, welche Termine anstehen, was es für Vorbereitung braucht. Also ein ganz normaler Montagmorgen. Genau, es war heute sehr ruhig, weil oft am Montagmorgen schon oft das Telefon klingelt wegen Anfragen. Fragen. Das war jetzt heute noch nicht so häufig. Ist eher langsam losgegangen. Genau. Manchmal ist es steiler. Wenn man auf Ihre Homepage vom Hospiz geht, steht dort, das Hospiz Karl-Josef ist ein Ort des Lebens. Können Sie das vielleicht mal erklären, wie das gemeint ist? Weil wenn Menschen das Wort Hospiz hören, denken sie ja eher an den Tod. Genau. Das kann ich verstehen, dass man da an den Tod und an das Sterben denkt. Aber für mich ist wichtig, dass das Sterben zum Leben gehört. Und für mich ist der Satz von Sissi Lissau und das sehr wichtig. Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage zu geben bei einer sehr schweren Erkrankung, sondern den Tagen mehr Leben zu geben. Und gerade auch wenn es auf Sterben zugeht und die Lebenszeit sehr begrenzt ist, dass man dann auch nochmal guckt, was gibt es, was einem Menschen nochmal Freude macht. Welche Beziehungen sind wichtig und dort dafür den Raum zu geben. Auf die Beziehung gehen wir gleich noch ein bisschen ein. Wir sitzen jetzt gerade in einem Gemeinschaftsraum oder Wohnzimmer, haben Sie es glaube ich vorhin genannt, im Hospiz. Und Ihr Hospiz ist gerade quasi in einem anderen Haus untergebracht, im Haus Joachim, weil Ihr eigentliches Hospiz umgebaut wird in der Nähe des Vire Bahnhofs in Freiburg. Wenn man hier reinkommt, finde ich, erwarten einen so helle, schöne Räumlichkeiten. Wie beschreiben Sie denn Ihr Hospiz, wenn jetzt Menschen danach fragen? Wie würden Sie die Atmosphäre hier beschreiben? Also für mich ist wichtig, dass das Haus ein Wohnraum ist, dass es so häuslich wie möglich ist. Gut, jetzt sind wir in Miete, das ist angelegt wie ein Pflegeheim, weil das auch der Ursprung und dann die spätere Nutzung des Pflegeheimes auch ist. Aber ebenso viel Normalität, Häuslichkeit wie möglich. Das heißt, mir ist auch wichtig, dass die Zimmer gestalten werden können. Wir haben in jedem Zimmer Schienen angebracht, sodass auch Angehörige Bilder mitbringen können und die noch anbringen können, sodass wirklich auch eine persönliche Note jedes Zimmer bekommt. Das Wohnzimmer soll auch ein Raum des Lebens, der Begegnung sein. Die Menschen, die aufstehen können, können zu den Mahlzeiten ins Wohnzimmer kommen. Hier in diesem Haus ist zwar sehr schön und sehr weit das Wohnzimmer, aber wir sind direkt neben dem Eingang. Das heißt, dieser Schutzraum fehlt uns gerade ein wenig. So ein abgeschlossenes Wohnzimmer, wo man wirklich bewusst hingeht und wo nicht der Bringdienst vorbeiläuft, wenn wir mit den Gästen dort sitzen. Das ist gerade ein bisschen unruhiger, wie wir es sonst gewohnt sind. Aber dafür freuen wir uns wieder auf die Türkenluisstraße. Da wird gerade noch renoviert. Und das Schöne an der Türken-Luis-Straße ist auch, dass das ein Wohnhaus war und das spürt man einfach. Die Gänge sind wie in einem Wohnhaus, nicht so breit, hat natürlich auch Nachteile und deswegen auch die Renovierung, weil wir gemerkt haben, wir sind in manche Zimmer schlecht mit dem Sarg reingekommen und so weiter, sodass wir da breitere Türen machen mussten und so, dass es einfach leichter ist vom Arbeiten. Aber die Atmosphäre ist tatsächlich eines Wohnhauses und das freut mich, dass das so bisher erhalten wird. Werden konnte. Jetzt haben Sie ja gerade eben schon ein bisschen beschrieben, wohnliche Atmosphäre, auch so ein sicherer Ort. Wenn die Gäste, wir sprechen ja immer von Gästen, wenn die Menschen hier ankommen. Wenn die Gäste dann hier sind, gibt es so einen routinierten Tagesablauf oder ist hier jeder Tag anders? Es gibt ein paar Fixpunkte und das andere ist, dass es sehr unterschiedlich ist. Also wir sind immer in einer Flexibilität. Die Schichten der Mitarbeiter sind fest. Wir haben das Mittagessen, das Abendessen als festen Punkt. Aber ansonsten gibt es viele Variablen oder gibt es viele unterschiedliche Zeiten für die einzelnen Gäste. Gut auch die zugänge wenn ein gast kommt die sind meistens vormittags eine pflegekraft nimmt sich dann zeit und holt ihn dann wirklich an der türe ab wenn er klingelt wird hier begrüßt kommt ins zimmer und es wird zuerst geguckt was braucht er sofort gibt es irgendwelche symptome die sofort behandelt werden müssen. Und dann darf er erst mal ankommen, sodass vielleicht einen Kaffee oder einen Tee oder was zu trinken, auch wenn ein Zugehöriger dabei ist, was wir sehr begrüßen bei der Ankunft, dann einfach erst mal diesen Raum schaffen des Ankommens. Und im nächsten Schritt, wenn der Gast, die Zugehörigen soweit sind, dass wir dann eben die Formalitäten regeln. Auch der Arzt kommt dann am Aufnahmetag, es wird im Voraus schon abgesprochen, welcher Arzt dann weiter betreut. Viele Gäste kommen mittlerweile von einer SAPV, von einer spezialisierten ambulanten palliativen Versorgung. Und dieser Arzt von der SAPV kann dann im Hospiz weiter betreuen. Und wenn es zum Beispiel Symptome gibt durch die Fahrt, die Atemnot oder Schmerzen da sind beim Ankommen, dann rufen die Pflegekräfte sofort den Arzt an, dass die erste Anordnung für die Symptomlinderung. Auch stattfindet. Das ist auch das A und O in der Hospizarbeit, dass die Symptome schnell gelindert werden. Denn ich habe keine Lebensfreude und keine Lust auf irgendetwas, wenn mich Symptome plagen. Und je nach Zustand des Gastes oder der Gästin kann es ja auch dauern, das Ankommen, das auch begreifen, dass man jetzt hier ist quasi. Und je nach Zustand gestaltet sich ja wahrscheinlich auch der Tagesablauf, würde ich jetzt mal meinen. Also ob man raus aus dem Zimmer geht oder vielleicht sich erstmal abschottet. Genau, das ist oft so, dass die ersten Stunden tatsächlich erstmal im Zimmer sind, um anzukommen und zu begreifen. Und es ist sehr unterschiedlich. Also manche waren voraus lange im Krankenhaus. Die sind froh, endlich vom Krankenhaus rauszukommen. Natürlich ist der Schmerz dann oft da, dass es nicht mehr nach Hause geht und trotzdem eine Erleichterung. Von zu Hause erlebe ich oft einen größeren Schritt für die Gäste, das Zuhause für immer zu verlassen. Den die anderen vom Krankenhaus oft schon vorher getan haben und hier einzuziehen. Aber oft auch die Erleichterung, weil sie einfach so an der Grenze waren, dass es zu Hause nur noch sehr schwer das Leben möglich ist und auch die Zugehörigen viel geleistet haben, oft auch am Ende ihrer Kräfte sind. Und dann ist es oft auch eine Erleichterung, Manchmal gibt es da auch Freudentränen. Erstmal, weil sie ihren Platz bekommen haben und jetzt wissen, jetzt gibt es eine Versorgung, 24 Stunden. Es ist immer jemand da und sie wissen aber auch, dass sie jederzeit aus Zugehöriger kommen können. Das bestimmt der Gast selber. Und jetzt haben Sie schon ein bisschen beschrieben, auch Schwere am Tag oder Tränen. Ist es für Sie manchmal auch ein schwerer Arbeitsplatz? Also gibt es schwere Momente und anders gefragt, was sind dann so die schönen Momente in Ihrem Arbeitsalltag? Es gibt Herausforderungen, die wir miteinander auch immer wieder Meistern ist falsches Wort, die wir durchgehen müssen mit den Gästen, mit den Zugehörigen, was uns auch oft berührt. Ja, und das Gute ist zu wissen, wir gehen als Team da miteinander versuchen, das Beste zu machen. Und zum Team gehören auch die Ärzte, die dann in der Betreuung sind, dass wir mit ihnen gemeinsam gucken, mit den Zugehörigen, mit dem Gast. Wie können wir auch herausfordernde Situationen, egal ob Symptome sind, ob Soziales ist, miteinander das Bestmöglichste für den Gast auch leisten. Und Herausforderungen gehören zum Leben. Ich denke, das hat jede und jeder, auch in verschiedenen Berufen. Aber wenn man hinterher merkt, da kommt eine Entspannung rein, da hat sich eine Tür aufgetan für jemand, dann ist ja auch hinterher eine Zufriedenheit da. Und wir im Team haben auch gemeinsam Supervision, sodass wir auch wirklich das, was uns belastet, was uns beschäftigt, miteinander besprechen können und wir lernen auch immer voneinander und das ist gut so. Und können Sie sich an einen nah zurückliegenden, besonders schönen oder lustigen Moment erinnern? Es ist zwar jetzt schon etliche Wochen zurück, aber ich finde, das macht es so anschaulich. Wir hatten eine Frau, die konnte nicht mehr viel essen. Sie hat gesagt, ich kann nur einen Joghurt essen. Dann habe ich gesagt, sie dürfen auch gerne mit ihrem Joghurt zu Tisch kommen. Und sie kam zum Mittagessen und wir Pflegekräfte, die ehrenamtliche Sozialarbeiterin, wir gucken, dass wir mit den Gästen, die aufstehen können mit gemeinsam Essen. Und dann saß sie mit uns bei Tisch in Gesellschaft, man kommt ins Reden und. Wir fangen an, die Suppe zu schöpfen. Dann fragt sie, was gibt es denn für Suppe? Ah, kann ich einen Löffel haben? Natürlich, habe ich eine kleine Portion Suppe hingestellt, hat sie gegessen. Dann hat sie geguckt, was gibt es denn für Hauptgericht? Ah, ein bisschen Beilage, ein bisschen Gemüse würde ich auch probieren. Sie hat davon genommen und dann kamen wir zum Nachtisch. Dann hat sie mir einen Joghurt in die Hand gegeben und hat gesagt, kann der wieder in den Kühlschrank? Dann sagte ich, ja, der kann wieder in den Kühlschrank. Nächsten Tag kam sie wieder mit ihrem Joghurt zum Mittagessen. Dann hat sie gesagt, gibt es wieder Joghurt? Dann hat sie wieder geguckt, doch ein bisschen Suppe und doch ein bisschen Hauptgericht. Und am dritten Tag habe ich sie gefragt, soll ich Ihnen den Joghurt bringen? Und dann haben wir beide Schallen gelacht. Und sie hat eine gute Zeit, weiß nicht mehr genau wie lang, aber ein, zwei Wochen mit uns zu Tisch sein können und kleine Portionen essen können. Und auch wenn es Mini-Portionen sind, aber der Genuss und die Gesellschaft macht es aus. Wenn wir mal ein bisschen auf Ihren Werdegang zu sprechen kommen. Schwester Mirjana, Sie haben 2016 die Leitung hier übernommen, haben aber davor schon viele Jahre im Hospiz gearbeitet. Haben Sie sich damals extra für die Arbeit im Hospiz entschieden oder wie kam es dazu? Ich habe mich schon während der Ausbildung, die ich gleich nach der Schule gemacht habe, also für Krankenpflege, für Hospiz interessiert. Und während der Ausbildung hatten wir so einen Ethikunterricht und hatten über Hospize gesprochen. Das war... Etwa 88 von der Zeiteinteilung, da kannte man die Hospize eigentlich noch gar nicht. Und da hatten wir den Film anguckt, das Christopherus Hospiz in London und gehört, dass so die ersten Hospize über Rheinspenden hier in Freiburg eröffnet hat. Ich glaube 86 war Aachen. Und ich habe gesagt, ich würde gerne mal im Hospiz arbeiten. Wir waren da in der Kleingruppe zu sechs zusammengesessen, dann haben mich alle anguckt, weil ich habe zu den Jüngsten vom Kurs gehört. Dann haben sie gesagt, weißt du schon, was du sagst? Sag ich, ja. Und ich habe tatsächlich ein Jahr nach der Ausbildung mich beworben in München für ein Hospiz. Das war eine Projekthospiz, jetzt Palliativstation bei den Barmherzigen Brüdern. Und habe dort zwei Jahre in der Pflege gearbeitet. Und es war für mich bewusst gewählt, weil ich gesagt habe, das sind so Lehrjahre für mich gewesen. Also nochmal zu gucken, wie können wir Sterbende begleiten. Und zu der damaligen Zeit hat man tatsächlich nicht viel darüber gesprochen. Da hat man viel verheimlicht, viel den Angehörigen, den Betroffenen gesagt, es wird schon wieder, jetzt essen es mal. Und mich hat das nicht befriedigt. Und ich habe gemerkt, ich möchte anders damit umgehen. Ja, und irgendwann bin ich dann auch noch in die Gemeinschaft eingetreten. Und dann ist die Ausbildung als Franziskanerin gewesen, wo wir ja intern mitarbeiten, aber nicht extern. Also das ist der Orden der Franziskanerin von Siezen? Genau, dort gehöre ich dazu. Und am Ende des Noviziats hat mich die Generaloberin gefragt, was ich mir beruflich vorstellen kann. Sie wusste, dass ich in der Hospizarbeit war und dass ich da gerne gearbeitet habe. und. Dass ich auch gerne Krankenschwester bin, habe ich ihr gesagt, dass ich gerne auch wieder in meinem Beruf arbeiten würde. Und dann hat die Gemeinschaft für Freiburg Verstärkung gebraucht und hat im Loretto Krankenhaus für eine Stelle angefragt. Aber damals war nichts frei, aber vielleicht das Hospiz. Und mich hat das total gefreut, weil das nochmal von anderer Seite kam. Aber das Hospiz ist dann tatsächlich zu mir gekommen. Das war 2003 bis 2009 war ich dann in der Pflege hier im stationären Hospiz Karl-Josef und damals hat schon mein damaliger Chef gefragt, ah, wenn du könntest ja meine Leitung werden, wenn ich mal in Rente gehe, dann habe ich gedacht, nee, niemals. Und ich bin gern in der Pflege und Leitung ist nichts für mich. Ich habe mir gedacht, nein. Nicht zugetraut eher oder einfach zu viel Verantwortung? Ich hätte es mir echt nicht zugetraut. Und auch keinen Grund gesehen, weil ich wirklich auch gerne pflege. Und so direkt am Krankenbett für alles, der auch zuständig war. Also das habe ich wirklich gern gemacht, die Pflege. Aber er hat immer wieder nachgefragt, auch in der Gemeinschaft nachgefragt. und dann kam die Stellenausschreibung und, Mit der Gemeinschaft habe ich gesprochen, weil wir das ja auch in Absprache mit der Gemeinschaft und es ging immer mal hin und her. Und dann hat die Generaloberin gesagt, doch, ich glaube, du solltest dich dort bewerben. Dann habe ich mich beworben und dann hat die Geschäftsführung sich für mich entschieden. Und so bin ich 2016 hier wieder zurückgekehrt an den ehemaligen Platz. Zwischendrin war ich sechseinhalb Jahre in der Pflege meiner älteren und betagten Mitschwestern, aber auch kranke Mitschwestern, die auch bei uns im Siesen in der Pflege einen Raum hatten, auch zu sterben. Werbung. Zum Black Friday haben wir wieder das Angebot des Jahres für euch. Sichert euch jetzt 100 Tage BZ Digital Basis für einmalig nur 10 Euro statt 53 Euro. 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Also ich sehe mich uns als Team, dass wir einen Raum bieten für Menschen, die eine sehr schwere Erkrankung haben, wo es klar ist, keine Therapie wird mehr gemacht und dass es auf Sterben in den nächsten Wochen, Tagen zugeht und dass man einfach in diesem Raum auch noch mal schaut miteinander, was braucht derjenige, was möchte er, also wirklich ihn begleiten mit dem, was ihm wichtig ist. Ich sage oft, ich gehe nebenher und schaue in der Begleitung, was der andere braucht. Das ist eines vom Wichtigsten. Die Arbeit im Hospiz ist für mich dieser Lebensraum, den wir miteinander geben. Es ist für mich diese Zusammenarbeit im Team mit den Pflegekräften, die Sozialarbeiterinnen, die Ehrenamtlichen, die Ärzte, die Physiotherapeuten, die extern dazukommen. Auch die Hafenistin, die einmal die Woche kommt, die Kunsttherapeutin, die auf Zuruf kommt, mit denen gemeinsam den einzelnen Menschen zu begleiten mit seinen Wünschen und Bedürfnissen. Und so symptomarm wie möglich den Einzelnen zu begleiten. Aber der Gast selber gibt an, was er auch an Medikamente möchte. Wenn jemand sagt, nee, ich will das nicht, dann kann man nochmal erklären für was und gucken, welche Befürchtungen das sind. Aber er entscheidet, solange er entscheiden kann. Und viele Menschen können wirklich bis kurz vorm Sterben sehr deutlich auch entscheiden, Genau, also so dieses Ernstnehmen, Wahrnehmen, die Familien mit einbeziehen, weil sie müssen auch einen Weg gehen und brauchen viel Begleitung auch, dass sie einfach mitkommen, was hier passiert. Manchmal brauchen Angehörige mehr Gespräche wie der Gast selber. Ja, und das ist bestimmt auch viel so Beziehungsarbeit, könnte ich mir vorstellen. Man muss ja erstmal einen Zugang oder eine Beziehung aufbauen zu einem Gast. Das ist wahrscheinlich auch bei dem einen leichter, bei dem anderen schwieriger. Wie machen Sie das? Das geschieht einfach in dieser Alltäglichkeit. Menschen wollen gesehen werden und wenn sie kommen, dass man sich grüßt. Manche Gespräche entstehen bei der Kaffeemaschine, wenn sich Angehörige hier einen Kaffee holen, dass man da so in Smalltalk kommt und der Smalltalk geht manchmal in ein tieferes Gespräch. Da muss man noch gucken, wo findet man einen Schutzraum, reicht der Weg bis in das Gesprächszimmer oder führt das Gespräch vorne im Wohnzimmer eher seitlich weiter. Und das meinte ich, dann ist mir dieses Haus fast zu offen für diese Hospizarbeit, weil das andere ist, dass die Küche ein Raum ist, wenn wir wieder in der Türkenluisstraße sind und das Wohnzimmer gegenüber auch ein separater Raum ist. Wenn man da näher ins Gespräch und tiefer ins Gespräch kommt, kann man die Türe schließen und ist schon automatisch im Gespräch. Und dieses Vertrauen zu gewinnen, sage ich mal, das ist auch eines vom Wichtigsten für die Betroffenen, für die Gäste, dass sie Vertrauen gewinnen zu den Pflegekräften, zu uns allen. Und eins ist ja, dass wir oft schnell reagieren wollen, möchten, sollen auch, weil wenn ich Symptome wie Atemnot habe und eine Viertelstunde warten muss, dann habe ich Panik. Das geht dann ins Uferlose rein, sondern die Menschen brauchen Verlässlichkeit und das spüren ja dann auch die Angehörigen. Und somit gewinnen die auch Vertrauen zu uns und da kommt man dann auch ins Gespräch. Oder wir sprechen dann auch die nahen Angehörigen an, bevor sie ins Zimmer gehen, wenn es jemandem nicht gut geht, wie die Situation ist, damit sie nicht überrascht ins Zimmer gehen und erst mal in Tränen ausbrechen und das aber vielleicht vor dem Partner gerade gar nicht wollen, also so, dass sie wirklich auch vorbereitet ins Zimmer gehen. Oder auch die Verlässlichkeit, wir haben... Wir nehmen am Aufnahmetag auf, wann sollen wir anrufen, bei Verschlechterung und so weiter. Und das wird dokumentiert und das wird sehr ernst genommen. Also dass die Menschen spüren, hier ist Verlässlichkeit. Und ganz viele Gespräche, so wie es sich anhört, oder? Ja, es geschieht so im Miteinander, im Nebenbei. Also so, dass man einfach nachfragt, wie geht es denn Ihnen? Nicht nur, wie geht es dem Gast, sondern wie geht es ihnen als Partner, als Mutter, wenn eine erwachsene Tochter hier als Gast ist. Also ja, dass die wirklich mit beachtet werden und gesehen werden. Gibt es aus Ihrer Vergangenheit einen ganz besonderen oder vielleicht auch mehreren einprägsamen Moment aus diesen Beziehungen oder aus der Gästebeziehung, den Sie irgendwie nicht vergessen werden? Mich hat einmal sehr berührt. Wir hatten eine junge Frau. Anfang 30 wird die etwa gewesen sein, war nicht verheiratet, hatte viele Geschwister und die Mutter. Und die Mutter hat so die Hauptsorge um sie gehabt, vorher zu Hause und dann auch im Hospiz war sie die Erstansprechpartnerin. Und wenn Menschen offen dafür sind, dann bete ich auch Gebet an und wir haben abgemacht, dass wir miteinander ein Segensgebet für die Tochter, mit der Tochter beten. Es waren auch noch Geschwister mit dabei und mich hat es sehr bewegt in diesem Segensgebet ist so, dass man das Leben Gott zurück gibt in ganz einfacher Weise, nochmal dankt für das, was man durch den Sinn gegangen ist, für das, was jemand geleistet hat, für das, was jemand verschenkt, Und die Mutter hat es dann einfach so ergänzt und gesagt, ich bin dankbar für diese Zeit, die wir jetzt miteinander hatten durch die Erkrankung. Es ist so eine kostbare Zeit und ich bin reich beschenkt durch meine Tochter. Und ich merke, dass ich jetzt noch Gänsehaut bekomme, wenn ich sie erzähle, weil ich gemerkt habe, die Mutter ist nicht an der Oberfläche, sondern die ist in so ein tiefes Gottvertrauen, wo ich tatsächlich staune und ehrfurchtsvoll daneben schließe. Ja, ehrfurchtsvoll ist das richtige Wort. Mir ging es auch, oder ich bin ja jetzt zum zweiten Mal hier und finde so die Gegensätze zwischen, man trifft sich in einer Kaffeeküche, es wird geplaudert, Kaffee getrunken und gelacht. Das ist eine wirklich fröhliche Stimmung hier. Aber man weiß ja trotzdem, in den Zimmern hier liegen Menschen, die sterben werden. Und diese Gleichzeitigkeit, die finde ich irgendwie, macht einen irgendwie sehr demütig. Das ist so und das findet auch immer alles parallel statt. Das kann sein, man feiert mit dem Gast zusammen gerade den Geburtstag und würdigt nochmal das Leben und ein Zimmer weiter ist jemand, der im Sterben liegt und begleitet diesen Gast mit den Zugehörigen. Also das findet immer alles parallel statt und das Leben ist vielfältig und auch wir sind im Leben immer in vielfältiger Form konfrontiert. Die Frage ist immer, lasse ich es zu, dass diese Facette auch zum Leben gehört. Und ich glaube, dass wir, wenn wir die Facette des Sterbens, die Begleitung des Sterbens, dieses Mitgehen, dass wir bereichert werden, auch als Gesellschaft. Dass da viel Werte von Wärme, Herzlichkeit, Aufmerksamkeit ausgehen. Also wir werden geschult durch die Menschen, die hier ihren letzten Weg gehen. Und ich glaube, das kann eine ganze Gesellschaft schulen, wenn wir uns darauf einlassen. Und das ist ja die Hospizbewegung, wo wir dazugehören, möchte, dass wir uns einlassen auf die sterbenskranken Menschen und sie begleiten. Und dadurch sind ja viele Ehrenamtliche, die sich engagieren bei uns, aber auch in der ambulanten Hospizgruppe hier in Freiburg, auch in den vielen Orten ringsherum. Und die machen alle tolle Arbeit. Was würden Sie dann sagen, wie weit ist so die Hospizbewegung Stand heute gekommen? Also könnte das noch mehr in die Gesellschaft getragen werden? Gibt es noch viel Arbeit zu leisten? Wie ist so Ihre Wahrnehmung? Wenn wir sagen, wir hätten es, dann wäre Stillstand oder Rückgang. Wenn ich zurückblicke, ich habe ja gesagt, dass ich schon sehr früh, 1993, in die Hospizarbeit eingestiegen bin. Da musste ich von vorne erklären, bei jedem Menschen, den ich privat getroffen habe, was Hospiz ist. Das muss ich nicht mehr. und trotzdem sind viele verschiedene Vorstellungen über Hospizarbeit, stationäres Hospiz aber auch ambulante Hospizarbeit vieles, was Menschen nicht wissen, und von dem her, sind wir da immer am Anfang. Wir fangen immer neu an mit den Menschen, denen wir begegnen und versuchen uns für die Menschen, die uns brauchen, auch stark zu machen. Und die Menschen, die hier sind, es gibt ja nur acht Plätze in Ihrem Hospiz. Wie kommt man denn an so einen Platz? Jetzt mal ganz praktisch gefragt. Über eine Anmeldung. Man meldet sich richtig an. Genau, also es ist so, dass wir Bedingungen haben, die wir aufnehmen dürfen. Das ist von den Krankenkassen auch vorgegeben. Das heißt, eine Erkrankung, die weit fortgeschritten ist, keine Therapien mehr zur Heilung, zur Stabilisation sind, dass es kein Krankenhausaufenthalt mehr notwendig ist, dass zu Hause auch nicht mehr möglich ist, die Betreuung mit allen möglichen Diensten und dass eine Lebenserwartung von Tagen, Wochen bis zu wenigen Monate sind. Wenn diese Bedingungen geschaffen sind, dann können wir aufnehmen. Bei diesen Diagnosen ist es so, dass es, wo es sehr klar ist, hauptsächlich auch bei den Tumorerkrankungen so klar ist, manchmal auch noch neurologische Erkrankungen oder auch wenn die Organe aus anderen Gründen sehr schwach sind. Dann ist es so, dass wir zu den spezialisierten palliativen Einrichtungen gehören, Das heißt, dass auch die Symptomlast eine Rolle spielt, wen wir aufnehmen. Und wir hier in Freiburg haben eben acht Plätze und die nächsten Hospize sind relativ weit weg. Offenburg, Fillingen-Schwenningen, Lörrachsingen, Baden-Baden. Und wir gucken da wirklich nach der Dringlichkeit. Wer braucht den nächsten Platz? Welche Versorgungsstruktur ist schon mit drinnen? Hier in Freiburg gibt es zwei SAPVs, die sehr gute Arbeit machen, sehr lange auch zu Hause begleiten können. Und ich weiß, wenn die anfragen, wir brauchen dringend einen Platz, dass die alle Möglichkeiten mit der Familie oder den Zugehörigen ausgeschöpft haben. Das heißt, dann weiß ich, da ist es sehr dringlich. Dann die Kliniken melden hier an über die soziale Arbeit. In der Uniklinik zum Beispiel gibt es auch den Palliativen Konzildienst, der dann in allen Bereichen mit unterstützen kann. Und die melden dann auch wieder hier an. Und da weiß ich auch, dass es eben nicht mehr nach Hause geht. Die SAPV, die spezialisierte ambulante palliative Versorgung, ist mittlerweile auch bei den Kliniken, Sozialarbeitern angekommen, dass die das auch mit einfließen lassen bei einer Entlassung. Und genau, somit weiß ich auch, dass diese Anfragen oft sehr relevant sind. Ich prüfe das nochmal vom Krankheitsbild, spreche, wenn es Unklarheiten gibt und ich einen Platz zu vergeben habe, auch nochmal mit dem jetzigen behandelnden Arzt. Angehörige rufen hier auch an, also unser Büro ist immer vormittags besetzt für Anfragen, also Werktagsvormittags zu den Bürozeiten, sodass auch Angehörige einfach anfragen können, wir beraten, aber ich brauche immer eine ärztliche Bescheinigung dazu und auch immer eine Einordnung vom fachlichen Personal, sei es die Palliativpflegekraft, sei es die Ärzte, um einfach auch noch mal zu gucken, geht es Richtung Pflegeheim oder ist es tatsächlich eine Hospiznotwendigkeit. Und wenn man dann Gast in Ihrem Hospiz ist, dann zahlt das, glaube ich, die Kranken- oder Pflegekasse? Genau. Der Großteil wird tatsächlich von Kranken- und Pflegeversicherungen übernommen. Ein Teil geht aber weiterhin über allgemeine Spenden. Damit möchte der Gesetzgeber, dass die Bevölkerung auch immer mit der Sterbebegleitung mit eingeschlossen ist. In diesem Fall eben durch die finanzielle Unterstützung und auch durch das Ehrenamt, das ja auch noch mit dabei ist. Und wir Hospize somit auch immer Öffentlichkeitsarbeit machen müssen, um auch an Spenden zu kommen. Also es gehört einfach auch zur Hospizarbeit, das immer auch zu streuen. Das heißt, Ihr Hospiz finanziert sich zum Teil aus Spenden? Der andere Teil ist über Kranken- und Pflegeversicherung dann abgedeckt. Sie haben vorhin schon den Prozess des Ankommens eines Gastes beschrieben und in unserem anderen Podcast jenseits der Schwerkraft gehen ja meine Kollegen auf die Suche nach der Frage, was geht Menschen im Sterben so durch den Kopf, was sind vielleicht letzte Wünsche, Gedanken, Dinge, die man bereut. Haben Sie denn darauf eine Antwort? Gibt es da irgendwie zusammenfassend? Sind das eher banale Dinge, die die Menschen hier am Ende noch mal erleben wollen? Sie haben ja vorhin das Beispiel mit dem Essen genannt. Oder ist das ganz individuell? Das ist sehr individuell. Und auch, was die Kraft noch mal ermöglicht, was sie im Leben noch mal erleben wollen. Und das Wichtigste ist, glaube ich, dass sich die Menschen gesehen wissen. Und da sind die kleinen Zeichen oft wichtig. Also mal hat eine Frau zu mir gesagt, jetzt hat der Praktikant von sich aus die Blume so hingestellt, dass ich es vom Bett aus sehen kann. Ist das nicht toll? Und da geht es wirklich, ich bin gesehen mit meinem Blickwinkel. Und das ist eines vom Wichtigsten. Schwester Mirjana, hat sich denn Ihre Sicht auf das Leben oder den Tod durch Ihre Arbeit verändert? Und wenn ja, wie? Ja, also durch das, dass wir Tag für Tag mit sterbenden Menschen, konfrontiert sind oder ein Gegenüber sind. Gehört es tatsächlich dazu, dass das Leben endlich ist hier auf dieser Erde. Und für mich ist tatsächlich das Leben ein Geschenk und ich merke, wenn ich hier bin, nach Hause gehe, ich kann oft dieses Geschenk wahrnehmen. Es ist nicht selbstverständlich, dass ich gesund bin. Es ist nicht selbstverständlich, dass ich alt werde, weil auch Menschen, die hier sterben, viele mittlerweile auch jünger sind wie ich. Auch das ist eine Realität, also so dieses bewusste Wahrnehmen des Lebens. Und ich glaube an das, dass es eben mehr gibt wie diese Erde und ich selber bin ein Mensch, der die Schöpfung so sehr liebt. Ich kann einfach in den Wald gehen oder auf den Berg und staune. Und denke, diese Erde ist so herrlich und ich glaube an den Schöpfer und wenn er diese Erde so schön gemacht hat, dann muss es im Himmel, wie auch der Himmel sein, wird noch viel schöner sein. Das heißt, Sie haben keine Angst vorm Sterben. Wie das Sterben selber wird, das weiß ich nicht. Ich glaube, das kann ich erst sagen, wenn ich in der Situation bin. Ich hoffe, dass ich eine Begleitung habe, die mich sieht, die meine Nöte auch sehen kann und darauf reagieren kann. Und ich habe keine Angst vor dem, was danach kommt, wie der Übergang sein wird. Das bleibt eine offene Frage, der kann spannend sein, aber ich möchte mich dem stellen und ich hoffe, dass ich mich in diesem Moment auch stellen kann. Und ich vertraue darauf, dass wir in die Situationen hineinwachsen. Ich sage immer, wir können es uns nicht vorstellen und die Menschen konnten sich, die im Hospiz sind, Gast sind, auch nicht vorstellen vor einem Jahr, wie sie den Weg gehen können. Und das haben ja auch Menschen schon immer wieder gesagt. Aber wenn man drinnen ist, hat man die Kraft dazu. Und darauf möchte ich vertrauen, dass mir auch die Kraft dazu gegeben ist vom Schöpfer und dass der Schöpfer auch mich da drin begleitet. Das wünsche ich Ihnen auch. und ich danke Ihnen für Ihr Vertrauen, für dieses Gespräch, Schwester Mirjana und ja, alles Gute.