Latest / Pod und die Welt – Das außenpolitische Update / Neue Bundesregierung, neue Außenpolitik? (mit Benedikt Franke)
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- 0:00Es wollte ich gerade sagen, das muss unter uns bleiben, was natürlich beim Podcast relativ schwierig ist.
- 0:05Aber ich spiegel die einfach mal ohne Wertung wieder, was mir in quasi jedem Trip, den ich mache, wiedergespiegelt wird.
- 0:14Herzlich willkommen zu einer neuen Episode von "Pott und die Welt - Ihrem Außenpolitischen Update".
- 0:19Ich bin Martin Bielecki, Chef-Raktör der "Seitschaft Internationale Politik" und ich hauste diese Folge aus,
- 0:25weil sie ganz alleine Katharina Peetz ist im Wohl für den Urlaub grüßig hinaus in hoffentlich freundliche und entspannte Gegenden.
- 0:32Wir wollen heute sprechen über die Außenpolitik der neuen Bundesregierung.
- 0:36Wo soll's denn lang gehen? Mit wem und mit welchen Mitteln? Wie ist das mit den alten Partnern?
- 0:41Und wer sind vielleicht Neue? Wie schaut man im Ausland auf die Neuen?
- 0:44Und was erwartet man von ihnen? Was sind die wichtigsten Themen?
- 0:47Und was bedeutet eigentlich Außenpolitik aus einem Guss?
- 0:51Es gibt sehr viel zu besprechen und ich freue mich riesig über unseren heutigen Gast.
- 0:54Erst jemand, der sich mit all diesen und tausend anderen Fragen der Außen- und Sicherheitspolitik praktisch von morgens bis abends beschäftigt.
- 1:01Er ist Weiß-German und CEO der Münchner Sicherheitskonferenz der MSC.
- 1:05Ganz herzlich willkommen, lieber Benedikt Franke.
- 1:07Lieber Martin, danke, dass ich da sein darf.
- 1:09Sehr gerne.
- 1:10Wir zeichnen am Dienstag auf.
- 1:15Gestern, also am Montag, haben Donald Trump und Vladimir Putin direkt miteinander gesprochen.
- 1:20Das war das dritte Mal, schon seit Trump beim Amt ist.
- 1:23Benedikt, wie schaust du denn auf dieses Telefonat? Was heißt das für Europa?
- 1:27Was heißt das für die Ukraine? Und was heißt das denn für Friedrich Merz?
- 1:31Ich glaube, zu dem Telefonat ist ja schon so wahnsinnig viel gesagt worden, aber ich möchte einfach drei Punkte noch einmal machen.
- 1:37Erstens, die, die erwartet haben, dass dieses Telefonat zu einem sofortigen Frieden führt, sind glaube ich etwas naiv an die Sache gegangen.
- 1:45Zweitens, ich kann trotzdem die Enttäuschung vieler verstehen, die dieses Telefonat von Trump und Putin nicht ganz einzuordnen wissen,
- 1:55dass das also exzellent gewesen sein soll und dass da sehr viel über die Zukunft der Beziehung der beiden Länder gesprochen wurde,
- 2:02aber doch relativ wenig konkreter Fortschritt zu zeigen ist.
- 2:06Ich verstehe die Frustration.
- 2:08Und mein dritter Punkt ist aber, den habe ich ja jetzt an anderer Stelle heute auch schon gemacht,
- 2:12man muss auch mal ganz kurz Inhalt und Prozess voneinander trennen.
- 2:17Die Tatsache, dass Donald Trump sich weiter engagiert, die Tatsache, dass die USA in Anfungszeichen investiert sind,
- 2:25auch mit Reputationskapital in diese Verhandlungen, ist erstmal gut.
- 2:30Und wenn es jetzt zu weiteren Gesprächen, vielleicht sogar im Vatikan kommt, ist das Passé auch gut.
- 2:37Das ändert natürlich nichts an der Ausgangsslage, dass die aktuellen Verhandlungspositionen völlig unvereinbar sind
- 2:43und dass wir uns alle einig sind, dass ein Verhandlungserfolg eher auf Seiten der Ukraine zu suchen sein sollte und nicht auf Seiten der Russen.
- 2:52Danke dir, Stichwort Reputationskapital.
- 2:54Da würde ich gerne nachher nochmal den Bogen schlagen, wenn es um Jayden Vance und andere geht.
- 2:58Eine aktuelle Frage noch, die Reaktion der Europäischen Union und Brüssel, denn heute ist ja ein weiteres EU-Sanktionspaket.
- 3:06Verabschiedet worden ist 17.
- 3:08Man wolle den Druck auf Moskau erhöhen mit den Sanktionen.
- 3:11Hat Friedrich Merz gesagt, wie siehst du, das ist dieser Weg der Sanktionen weiterhin der Richtige,
- 3:16auch wenn die USA nur partiell oder gar nicht so richtig beziehen im Moment.
- 3:20Auch da wieder drei Punkte.
- 3:21Und ich höre auf im Laufe dieses Podcasts, um mal drei Punkte zu machen, aber hier drei Punkte.
- 3:25Erstens, Sanktionen sind per se einfach kein grandioses Mittel der Außen- und Sicherheitspolitik.
- 3:31Da gibt es 100.000 Studien dazu.
- 3:33Jetzt ist es aber einfach so, dass wir diesen Weg gewählt haben.
- 3:36Deswegen zweiter Punkt.
- 3:37Ich finde es konsequent, dass die Europäer es eben nicht nur angekündigt haben, sondern jetzt auch durchgezogen haben.
- 3:44Drittens wird das, das Kalkül auf russischer Seite maßgeblich verändern, definitiv nein.
- 3:50Es ist also eher eine gesichtswahrende Aktion als jetzt eine disruptive Maßnahme.
- 3:57Ich sage aber auch immer wieder, wir könnten noch deutlich mehr machen.
- 4:02Und ich finde, wir sollten das auch nicht vom Tisch nehmen.
- 4:05Es gibt diese Möglichkeit vielleicht doch noch, das eingefrorene Vermögen der Russen direkt anzugehen und nicht nur die Zinsen.
- 4:11Und man könnte auch mit dem Thema Taurus und anderen Themen vielleicht noch etwas mehr spielen,
- 4:16weil ich bleibe bei einem meiner Kernpunkte seit Anfang des Krieges.
- 4:20Wir werden ständig von Putin auf den falschen Fuß erwischt.
- 4:23Vielleicht ist Zeit, dass wir ihn auch mal auf den falschen Fuß erwischt.
- 4:30Jetzt ist die neue Regierung ja gerade mal zwei Wochen im Amt.
- 4:33Natürlich ist es für eine erste Bilanz noch viel, viel zu früh.
- 4:36Wir machen es aber trotzdem, oder?
- 4:38Nein, gar nicht so richtig.
- 4:40Aber es mag ja Veränderungen geben, wenn man sich das anschaut im Auftreten generell.
- 4:46Im Vergleich zu vorherigen Regierungs geht mir weniger um die Bilanz.
- 4:49Das wäre nicht seriös, glaube ich.
- 4:51Aber was hat sich geändert?
- 4:52Einfach im Ton, im Stil und vielleicht auch mit Blick auf die Inhalte.
- 4:56Das Ganze möglichst ohne Wertung, aber natürlich hat sich was geändert.
- 4:59Also jetzt kann man das etwas romantisch sehen und sagen,
- 5:02jeden Neubigin wohnt ein Zauber inne.
- 5:04Man kann aber auch einfach mal sehen, dass natürlich ein Bundeskanzler
- 5:08März anders gefühlt selbstbewusster Auftritt als das Bundeskanzler Scholz gemacht hat,
- 5:15der sich ja eher so als wahrer, maner und ordner gesehen hat
- 5:19und nicht so sehr als Visionär und Macher.
- 5:23Das ist mit beiden nichts falsch und nichts richtig,
- 5:25aber es ist einfach ein Unterschied im Auftritt zu sehen.
- 5:27Man muss jetzt auch mal sagen, dass die Mannschaft, die Friedrich Merz aufgestellt hat,
- 5:32ja jetzt wirklich eigentlich, finde ich, sehr gut ist.
- 5:35Da sind lauter Experten, lauter sehr honorige und professionelle, langjährige
- 5:42Außen- und Sicherheitspolitiker unterwegs.
- 5:44Und dann muss man natürlich auch noch mitnehmen,
- 5:47dass das, was im Koalitionsvertrag steht, das Thema Investitionenverteidigung,
- 5:53die Änderungen der Schuldenbremse und die Einführung eines nationalen Sicherheitsrates
- 5:58halt auch sehr sichtbare, in Anführungszeit Beweistücke,
- 6:02einer etwas hochgefahrenen Außen- und Sicherheitspolitik sind
- 6:07und auch auf deine Frage einzugehen, das wird im Ausland wahrgenommen.
- 6:11Wir kommen ja gerade aus den USA zurück, weil wir unter anderem mit J.D. Wenz selbst
- 6:15und anderen gesprochen, man sieht, man nimmt zur Kenntnis,
- 6:19dass sich in Deutschland etwas tut.
- 6:22Innenpolitisch bei so Themen wie Migration, da kann man jetzt komplett
- 6:25geteilter Meinung sein, aber insbesondere auch bei Außen- und Sicherheitspolitik.
- 6:29Und zwar auf eine gute Art und Weise.
- 6:31Und letzter Punkt aus europäischer Sicht ist natürlich toll,
- 6:34dass der Bundeskanzler so intensiv mit den anderen Staats- und Regierungschefs
- 6:38der Europäischen Union konferiert, dass seine ersten beiden Besuche
- 6:42in Polen und in Frankreich war, was ja vielleicht ein bisschen vernachlässigt
- 6:46wurde in den letzten paar Jahren, das sieht die ehemalige Bundesregierung anders,
- 6:49aber fast alle anderen finden, dass deutsch-französische Verhältnisse
- 6:54und das deutsch-polnische Verhältnisse benötigen, einer Re-Invigoration,
- 6:58einer Wiederbelebung und dieses gemeinsame Telefonat mit Trump.
- 7:02Also ein bisschen Geschlossenheit, mehr Geschlossenheit als in der Vergangenheit.
- 7:06Das sind alles positive Zeichen. Gleichzeitig, die Herausforderungen sind
- 7:11nicht gleicher geworden und irgendwann wird sich März natürlich auch
- 7:14in den Ergebnissen messen lassen müssen. Da ist aber noch ein bisschen Zeit hin,
- 7:18wie du richtig an Weise gesagt hast.
- 7:20USA, gleich nochmal auf. Ich würde gerne kurz noch bei der neuen Konstellation bleiben,
- 7:25der Personalkonstellation rund um Friedrich-Mers. Johann Wadepool, der neue Ausminister,
- 7:29hat die Freundschaft in der Wente Außenpolitik aus einem Guss angekündigt.
- 7:33Die Voraussetzungen dafür sind eigentlich ganz gut.
- 7:35Das erste Mal seit 60 Jahren stellt die Regierungspartei auch den Ausminister eben Wadeful.
- 7:40Im Kanzleramt ist Jakob Schrott angesiedelt, der leitet diesen neuen geschaffenen
- 7:44National- und Sicherheitsrat und ist gleichzeitig leider das Kanzlergerust.
- 7:48Was ist das für eine Konstellation? Wie bewährt das zu dieser neue Konfiguration
- 7:52in so einer außenpolitischen Architektur?
- 7:55Vielleicht einfach zu den Personen, sowohl der neue Ausminister als auch Jakob Schrott.
- 8:00Das sind ja Leute, die sich in außen- und sicherheitspolitischen Fragen
- 8:03nicht erst jetzt beweisen müssen, sondern die das seit Jahren beschäftigt,
- 8:08dieses Thema. Sie sind also glaubwürdig, Sie haben Street Credibility.
- 8:12Wir freuen uns natürlich als Münchner Sicherheitskonferenz auch darüber,
- 8:16dass das zwei langjährige Weggefährten der Münchner Sicherheitskonferenz sind.
- 8:21Und ich kann diesem Buzzword außenpolitik aus einem Guss sehr viel abgewinnen.
- 8:29Auf der anderen Seite das Verteidigungsministerium und das Entwicklungsministerium
- 8:34sind nicht in Unionshand.
- 8:36Und ich glaube, außenpolitik ist erst dann komplett aus einem Guss,
- 8:40wenn das alles ineinander greift.
- 8:42Verteidigung, Entwicklung, Wirtschafts, Finanz und dann natürlich auch klassische Diplomatie.
- 8:48Und von daher ja, es ist mehr außenpolitik aus einem Guss,
- 8:53als in der vergangenen Legislaturperiode, aber so ganz aus einem Guss ist es jetzt noch nicht.
- 8:59Und wir sehen ja schon wieder erste Spaltpilze.
- 9:02Das Thema Taurus, wo wieder da sind wir in einem gleichen Muster wieder.
- 9:06Der eine sagt ja, der andere sagt nein.
- 9:08Und statt dass wir mal wegkommen von dieser aus meiner Sicht falschen Eskalationslogik,
- 9:12wo wir immer sagen, was wir nicht machen, statt zu sagen, was wir machen wollen,
- 9:16haben wir die gleiche Diskussion wieder.
- 9:18Und deswegen ja, ich wünschte mir eine Außenpolitik aus einem Guss.
- 9:22Sie wird sicherlich etwas mehr aus einem Guss sein, aber we are far from perfect.
- 9:27Und das Ganze machen wir ein bisschen ohne Not anzukündigen, was wir nicht machen.
- 9:31Da hat uns niemand so richtig gefragt gerade sagen, aber trotzdem.
- 9:34Eine letzte Frage noch, ein Personal zu dem Nationalen Sicherheitsrat.
- 9:37Wenn ihr denkt, das ist ja auch neu insiditionell.
- 9:40Es ist ein bisschen ein Sicherheitsrädchen geworden im Vergleich zu dem, was vorher diskutiert wurde.
- 9:45Im Koalitionsvertrag steht, dass er sehr wohl dieses Ressortprinzip aufrechterhalten soll.
- 9:49Aber eigentlich war ja erwartet worden, dass dieser Nationalesicherheitsrat,
- 9:52dieses Ressortprinzip, das haben wir mal transzentiert, dass er das auflöst
- 9:56und da was ganz Neues zusammenführt.
- 9:58Wie schaust du da drauf?
- 9:59Also wir haben uns ja als Münchersicherheitskonferenz die letzten Jahre immer wieder mit diesem Thema beschäftigen.
- 10:04Es gibt ja hunderttausend Arten an, die die Causa Nationaler Sicherheitsrat ran zu gehen.
- 10:10Jeder kennt den in den USA, aber viele andere Länder haben das auch und keiner ist gleich.
- 10:15Ich bin der Meinung, das ist aber meine ganz persönliche Meinung,
- 10:19dass es nicht immer sinnvoll ist, auf dieses Thema Ressortkoordinierung zu schauen.
- 10:25Sondern ich bin eher ein Fan der Idee, dass ein nationaler Sicherheitsrat ganz explizit
- 10:30sich den großen schweren Themen annimmt, die auf der Metaebene zu finden sind.
- 10:36Also Abhängigkeiten der Bundesrepublik, Verwundbarkeiten der Bundesrepublik,
- 10:41Erpressungspotenzial der Bundesrepublik, sei es durch Energielieferungen,
- 10:45Wirtschaftsbeziehungen und andere Dinge.
- 10:47Da gehören aus meiner Sicht auch Dinge rein, wie in Anfangs das Thema Resilienzschutz,
- 10:52kritischer Infrastruktur, dass das eben nicht nur bei den jeweiligen Unterministerien landet,
- 10:56sondern dass das Chefsache ist.
- 10:58Dazu benötigt es keine Ressortkoordinierung, sondern es ist eher ein Kontrollmechanismus,
- 11:04das ist ein Mechanismus, der regelmäßig Themen dem Kanzler vorlegt.
- 11:08Und deswegen ist das, glaube ich, mit Jakob, der dann auch die Leitung des Kanzlerberus hat,
- 11:13eigentlich eine sehr gute Entwicklung.
- 11:15Er wird doch selbstverständlich dafür sorgen, dass die Themen, die dieser Rate arbeitet,
- 11:18das auch irgendwie zum Kanzler schaffen.
- 11:20Und da gibt es dann nicht noch vier Freigabeschleifen und fünfmal ein redigierten Vermerkens
- 11:25und es wird relativ direkt gehen.
- 11:27Und ich glaube, das war ein Meisterstückchen,
- 11:30dass dieser Rat einfach sehr, sehr nahe beim Bundeskanzler direkt angesiedelt ist.
- 11:34Ich hoffe, dass wir uns nicht diesem Tagdraum hingeben,
- 11:38dass so ein Nationaler Sicherheitsrat alle Ministerien und deinen Hut bringt.
- 11:41Das kriegt man nicht hin und deswegen, das ist ein Kampf, den man nicht kämpfen sollte.
- 11:45Die Schwierigkeit wird sein sichtbaren Mehrwert für alle,
- 11:49zu schaffen. Dass am Ende alle der Meinungen sind, wow, das hat geholfen. Ich glaube, es ist nicht
- 11:54unmöglich, aber es ist auch nicht reich.
- 11:56Benedikt, du bist ja für die MSc, für die Münchner Sicherheitskonferenz ständig in der
- 12:05in der beiden Welt unterwegs, für das Gespräch mit hochrangigen Politikerinnen und Politikern.
- 12:08Eine zweizeitige Frage, wenn wir jetzt mal die Perspektive wechseln und den Sicherheitsrat
- 12:13in ähnliche Dinge verlassen. Erstens, was wünscht man sich denn von Deutschland und
- 12:17zweitens vielleicht noch wichtiger, was erwartet man sich denn jetzt von den Neuen?
- 12:22Es wollte ich gerade sagen, das muss unter uns bleiben, was natürlich beim Podcast relativ
- 12:25schwierig ist. Aber ich spiegel die einfach mal ohne Wertung wieder, was mir in quasi jedem
- 12:32Trip, den ich mache, wiedergespiegelt wird. Erstens, Deutschland hat eine Tendenz zum
- 12:38moralisierenden Kurzbesuch. Also eine Außenministerin, ein Außenminister besucht vier Länder in drei
- 12:44Tagen ist überall genau eine halbe Stunde und dann eine Stunde Pressekonferenz und es wird
- 12:50hauptsächlich darüber geredet, welche Dinge problematisch sind, was nicht eingehalten wird
- 12:54und was schwierig ist. Und dann werden auch sogenannte Habitate der Kooperation, Klima
- 12:59und so weiter irgendwie rausgekramt, damit man auch was Positives hat. Deutschland hat große
- 13:04Soft Power Potenzial. Das muss man allerdings pflegen. Das heißt, wir müssen aus meiner Sicht
- 13:11viel mehr investieren in die tatsächliche bilaterale Beziehungspflege. Das bedeutet,
- 13:17bitte nicht drei Länder in zwei Tagen, sondern dann bleibt man doch mal bitte zwei Tage in einem
- 13:22Ort. Ich weiß, das finden die Büros von Außenministerinnen und Außenminister ganz schlimm,
- 13:28aber man muss Vertrauen aufbauen. Man muss mit den handelnden Akteuren persönliche Beziehungen
- 13:33aufbauen. Ich bin der Meinung, wir täten uns ein, wenn wir sowohl die europäischen als auch die
- 13:38deutschen Botschaften hier und da wieder ein bisschen hochfahren, wenn wir auch solche Soft Power
- 13:43Instrumente wie die Goethe-Institute oder die Außenhandelskammern fördern würden. Wir Deutschen,
- 13:49wir Europäerinnen und Europäer brauchen ein noch breiteres Netz an Partnern und Freunden. Ja,
- 13:54wir sollten immer daran arbeiten, dass wir die Amerikanerinnen und Amerikaner nicht verlieren.
- 13:58Wir können auch nicht für ewig davon ausgehen, dass das die einzige Partnerschaft ist. Wir müssen
- 14:03sie ergänzen, nicht ersetzen, ergänzen und das bedeutet, dass auch Länder wie, was weiß ich,
- 14:09Maurizios Togo und Argentinien extrem wichtig für uns sind. Die haben auch alle eine Stimme in der
- 14:14UN Generalvollversammlung und das bedeutet, dass wir uns hoffentlich auch regierungsbreit ein
- 14:19bisschen aufteilen und mal schauen, wo wir als Deutsche zu wenig Präsenz gezeigt haben und wo
- 14:25man auch mal für ein, zwei Tage hinfahren sollte, um in der Tiefe mit anderen Ländern zu reden und
- 14:30auch mal deren Sorgen und Nöte wirklich zu verstehen. Und ich glaube, da gibt es unendlich
- 14:35viele Low-Hanging-Fruits, die wir einfach nur greifen müssen. Das ist jetzt nicht naiv von mir,
- 14:41sondern das spiegelt mir jede deutsche Botschaft weltweit, die ich ja dann auch besuche, wenn
- 14:46ich in den jeweiligen Ländern bin. Wir hätten noch unendlich viele Möglichkeiten mehr aus unserem
- 14:52Beziehungsnetzwerk zu machen. Wenn wir mal auf März Amtszeit schauen jetzt auf die ersten Monate,
- 14:57ein paar Länder hast du genannt, welche Partner könnten denn besonders wichtig werden und warum?
- 15:03Also ein paar habe ich tatsächlich schon genannt. Ich habe gesagt, das deutsch-polnische
- 15:06Verhältnis ist wichtig, das deutsch-französische Verhältnis ist wichtig. Ich habe mich gefreut
- 15:10über den herzlichen Empfang, den Ministerpräsident Meloni Friedrich Merz bereitet hat. Auch Italien
- 15:15ist einfach ein extrem wichtiger und bisher oft unterschätzter Partner der Bundesrepublik.
- 15:20Die USA, da können wir jetzt ewig lang drüber reden, aber wir können, wir dürfen die USA nicht
- 15:24verlieren und es ist wichtig, dass wir den Mehrwert der transatlantischen Allianz und auch der Zusammenarbeit
- 15:30mit der Bundesrepublik immer wieder neu erklären. Wir haben zu viele Amerikaner und Amerikaner
- 15:35verloren, die nicht mehr sicher sind, dass es diese Partnerschaft braucht. Und ich glaube,
- 15:39das müssen wir unterstreichen. Und jetzt, wenn ich mal in die Welt schaue und mir
- 15:43diese ganzen Mittelpowers anschaue, da sind wir zu schwach auf der Brust. Also die Türkei ist
- 15:47doch eigentlich ein Land, das haben wir jetzt immer in so eine Schmuddelecke gestellt und ja,
- 15:51die Beziehungen zu Präsident Erdogan sind auch nicht ganz sorgenfrei. Aber wir müssen solche Länder,
- 15:56wie Saudi-Arabien, wie die Türkei, wie Indonesien, wie Südafrika, wie Brasilien, die müssen wir
- 16:02pflegen. Das sind ganz wichtige Länder, nicht nur als mögliche Wirtschaftsmarkte, nicht nur im Sinne
- 16:09diversifizierter Lieferketten, sondern das sind strategische Partner. Und Last but not least,
- 16:14auch Indien und China. Und einer ist nicht der Ersatz für den anderen, das ist mir immer wichtig,
- 16:20sind Schwerpunktländer. Da müssen wir hin und deutlich stärken.
- 16:25Dann würde ich gerne im letzten Teil Benedikt noch mal ein bisschen tiefer in die USA rein bohren.
- 16:34Musste ich einfach fragen, weil du so nah dran bist in Washington. Da hat die MSC als auch ein
- 16:38eigenes ständiges Büro in die See. Du warst da bei der Öffnung und im Rahmen eurer großen
- 16:43MSC-Veranstaltung vor zwei Wochen, was du auch mit JD Burns gesprochen. Da hat auch ein Auftritt,
- 16:48der für viele sehr überraschend war, weil der sich ganz ganz anders gegeben hat als bei dem
- 16:52Auftritt bei der MSC in Deutschland im Februar. Deutlich versöhnliche, offener Konziliante.
- 16:58Kannst du uns was sagen, wie dein Eindruck generell war in Washington, aus ein bisschen auf den
- 17:02Fluren und den Entzimmern, wo jetzt nicht jeder dabei ist, von Vans, aber auch von den anderen
- 17:06Amerikanern? Ich bin deutlich optimistischer aus den USA zurückgekommen, als ich hingefahren bin.
- 17:11Ich finde natürlich, dass ich jede einmal diese 25 Minuten des Gesprächs zwischen Wolfgang Ischinger
- 17:17und JD Vans anschauen sollte. Ich finde, der Vizepräsident und natürlich auch unser eigener
- 17:23Präsident des Stiftungsrats haben das hervorragend gemacht. Das waren keine einfachen Fragen.
- 17:27Das waren keine vorbesprochenen Fragen. Das waren harte, außenpolitische Elefanten im Raum,
- 17:32wie es die MSC so gerne hat. Und ich finde, Vans hat die gut pariert und wenn ich auch nicht mit
- 17:37allem inhaltlich einverstanden bin, ich kann seine Ratio ab und zu verstehen. Und der Punkt,
- 17:43wo viele Deutsche regelmäßig, finde ich, daneben lang ist, dass wir denen keine Ratio
- 17:49zugestehen. Dass wir sagen, das ist also Mad King und Mad Vice King sozusagen, die da einfach mal
- 17:56auf alles draufhauen. Ich glaube auch weiterhin, dafür kriege ich ja immer viel Kritik, aber ich
- 18:00glaube es einfach und bin einer der Wenigen, die glaube ich mit Vans davor und danach darüber
- 18:04gesprochen haben, dass die Rede in München einem ganz klaren strategischen Ziel zuzuordnen ist.
- 18:09Es gibt Leute, die behaupten, es war keine außenpolitische Rede. Ich behaupte, wenn du diese Rede
- 18:14evaluierst, nicht nach dem Ton, in der er sie gehalten hat, nicht nach den zum Teil exotischen
- 18:20Beispielen, der er verwendet hat, sondern nur nach der außenpolitischen Wirkung war das eine
- 18:24wirklich eindrucksvolle außenpolitische Rede. Das Problem mit dieser Rede war, dass sie ihren
- 18:29Zweck, nämlich die Europäer zu einem deutlich Momentum in der Sicherheitspolitik zu verleiten,
- 18:35das hat es so gut erfüllt, dass man aus Sicht der Amerikaner hier und dagegen steuern musste.
- 18:39Und dass man das dann auf einer unserer Veranstaltung mit unserer Sichtbarkeit und mit der Hintergrundgeschichte
- 18:45macht, ist ja auch selbstverständlich. Ich bleibe dabei, die Trump-Administration ist nicht
- 18:52glücklich mit dem Verhältnis mit Europa. Es ist ja wirklich nicht von der Hand zu weisen,
- 18:57dass wir nicht genug für unsere eigene Verteidigung tun und getan haben. Es ist auch nicht von der Hand zu
- 19:01weisen, dass die Regulierung, die wir aus Brüssel sehen, nicht immer nur unsere eigenen Firmen
- 19:09hart trifft, sondern insbesondere auch die aus den USA. Also ich glaube, wir haben dieser Narrative,
- 19:13dass Europa jetzt nicht uneingeschränkt positiver verbündeter ist, haben wir selber schon viel
- 19:18Vorschub geleistet. Ich glaube, wir können aber relativ schnell gegensteuern, ohne unsere eigenen
- 19:23Werte zu verraten. Ich komme wieder zu dem Punkt, es muss eine strategische Aufgabe des Bundeskanzlers
- 19:28und seines Teams sein, dafür zu sorgen, dass nicht nur Trump, sondern auch seine Wählerinnen und
- 19:33Wähler, sein Kabinett und alle anderen Europa eher wieder als Asset und nicht so sehr als
- 19:41Newsons als Ärgernis sehen. Das kriegen wir hin, ohne, das ist nochmal wichtig, ohne unsere Werte
- 19:46zu verraten. Und was natürlich bei dieser Vans-Rede oder dieser Question-Answersession besonders
- 19:52wichtig war, war, dass er Gesprächsbereitschaft zu all diesen Themen gezeigt hat. Und wir wissen doch
- 19:57selber, dass der Umgang mit der AfD irgendwie schwierig ist. Wir wissen doch selber, dass die
- 20:02Präsidentschaftswahlen in Rumänien sagen, ja selbst die Rumänen selbst, dass das vielleicht hier
- 20:06und da eine überzogenen Entscheidung war. Wir wissen selbst, dass viele dieser populistischen
- 20:11Parteien zwar die richtigen Fragen stellen, aber keine Antworten geben. Und sein Punkt ist, ja dann
- 20:17habt doch die Diskussion und entlarvt die, da tut man sich natürlich von der Ferne her leicht. Das ist
- 20:23für uns Deutsche alles ein bisschen schwieriger. Aber ich glaube, wenn ich eine Sache jetzt
- 20:27mitgenommen habe aus den USA, dann ist es die Gesprächsbereitschaft. Und jetzt mein letzter
- 20:33Punkt und dann bin ich auch still an der Stelle, Martin, ist, es können aus meiner Sicht auch mehrere
- 20:37Dinge wahr sein und das wollen wir auch immer nicht wahrhaben. Es kann wahr sein, dass es einen
- 20:43groben außenpolitischen Plan gibt. Es kann wahr sein, dass Trump aber gegebenfalls hier und da diesen
- 20:49Plan durchkreuzt, weil er chaotisch und eher kurzfristig denkt. Es kann auch sein, dass die Pläne
- 20:55nicht zusammenpassen. Also, dass der Handels- und Zollplan nicht so ganz zu dem Plan passt, dass
- 21:00sich Europa in Zukunft selber verteidigen kann. Dass die Eigenständigkeit Europas auch nicht
- 21:04zusammenpasst, mit dem wir wollen amerikanische Waffen verkaufen. Dass diese Pseudal-Rivers-Kissinger-Theorie
- 21:10nicht mit der Realität zusammenpasst. All das kann gleichzeitig wahr sein. Wir versuchen aber
- 21:15Trump in ein Schema zu quetschen. Das wird uns nicht gelingen. Deswegen, wenn ich mit einem Appell
- 21:21enden darf, dann ist es, ich glaube, wir müssen die Sorgen der Amerikaner ernst nehmen. Wir dürfen
- 21:27uns nicht ständig in Schnapparten versetzen lassen. Wir müssen unseren Mehrwert deutlich
- 21:32herausstellen und zuletzt müssen wir auch dafür sorgen, dass unser Netz an Freunden und Partnern
- 21:37belastbarer und breiter wird. Sagt Benedikt Franke, Weiß-German und CEO der Münchner Sicherheitskonferenz
- 21:43der MSc. Lieber Benedikt, ganz herzlichen Dank für das Gespräch. Danke, ihr Lieber Martin.
- 21:47Zum Schluss einer Episode, wie immer der Versuch aus dem gerade besprochenen so eine Art
- 21:56Essence herauszufiltern. Sätze oder Gedanken, die besonders haften geblieben sind. Bei mir ist
- 22:02das heute eine ganze Menge, weil das ein Gesprächspartner war, Benedikt Franke, der sehr, sehr
- 22:07nah dran ist und der wirklich mit J.D. Vance unmittelbar spricht und mit vielen anderen auch.
- 22:13Und der eine etwas andere Perspektive auf die Dinge hat, dass er die Ratio verstehen kann
- 22:18der US-Regierung oder des Präsidenten und das Vizes. Das fand ich spannend, dass er optimistischer
- 22:23zurückkam aus Washington als er hingefahren ist. Das ist gut. Der Appell an Deutschland,
- 22:28Liebesland, nutze deine Softpower mehr. Ob das die Goethe-Institute sind oder die Außenhandels,
- 22:33kann man das, fand ich, sehr, sehr interessant. Da werden wir auch in der EP mal ein bisschen
- 22:37tiefer reinbohren und reinleuchten, das Thema Softpower. Andere Länder, die Mittelpower,
- 22:42das wir dazu wenig machen in den vergangenen Jahren, das ist natürlich sehr wahr. Da gibt's
- 22:46ganz, ganz viel zu tun und ganz viel zu ernten, glaube ich auch. Ob man nun seine Ansichten
- 22:51über Sanktionen und das, die nicht funktionieren würden, teilen muss oder nicht, aber das
- 22:55ist mir auch sehr im Ohr geblieben. Also insgesamt ein sehr viel realpolitisischerer Ansatz, sage
- 23:00ich mal, als von vielen anderen. Aber wenn jemand, der so nah dran ist, so positiv auf die
- 23:04Dinge guckt, dann stimmt ein das ja selber in unruhigen Zeiten auch ein bisschen hoffnungsvoller.
- 23:09Und damit geht sie zu Ende, diese Folge von POTZ und die Welt. Die nächste Episode können
- 23:17Sie ab dem 5. Juni hören, dann sind wir auch wieder zu zweit hier im "Gripe Asyl", Katharina
- 23:23Peces dann zurück. Freuen Sie sich um unseren nächsten Gast für Ihr Außenprojectes Update.
- 23:28Schön, dass Sie heute bei uns waren. Ich bin Martin Bielecki und ich danke herzlich für Ihr Zuhören.