Latest / Hinreichend verdächtig / Flammen in der Nacht
Transcript
- Diese Episode von Hinreichend Verdächtig wird präsentiert von Hörgeräte Wasserfuhr in Solingen. Besser hören für mehr Lebensfreude. Das Handy war für uns auch von herausragender Bedeutung. Aus den Chatverläufen war insbesondere ersichtlich, wann sich Kai zu Hause befunden hat und wann er eben nicht zu Hause war, insbesondere eben allein unterwegs war, ohne seine Verlobte. Und wenn man das mit den Tatzeiten abgeglichen hat, hat sich dann recht schnell ein Bild gezeichnet und zwar das, dass er eben immer zu den jeweiligen Tatzeiten nicht zu Hause war. Das zum einen und zum anderen war es so, dass er in einem Fall auch eine sehr deutliche Sprachnachricht an seine Verlobte geschickt hat und aus der ging eigentlich hervor, dass er sich gerade aktuell vor der Polizei versteckt und zwar auch wieder in sehr, sehr bezeichnender Nähe zu einem Brandstiftungsdelikt. Hinreichend verdächtig. Der True Crime Podcast der Rheinischen Post und der Staatsanwaltschaft Duisburg. Und damit Hallo zurück bei hinreichend verdächtig. Mein Name ist Lili Stegner und in diesem Podcast gehen wir nicht nur echten Kriminalfällen auf den Grund, sondern wir tauchen richtig tief ein. Wir beleuchten die Ermittlungen, die zur Anklage geführt haben und wir untersuchen, was die Gesetzestexte dazu sagen. Dafür habe ich immer zwei Gäste hier bei mir, einmal aus der Staatsanwaltschaft in Duisburg und einmal einen Gerichtsreporter aus unserer Lokalredaktion. Die Fälle, die wir hier betrachten, die sind immer bereits abgeschlossen und rechtskräftig entschieden. Wir analysieren dann, wie der Fall öffentlich wahrgenommen wurde und wie die Staatsanwaltschaft ermittelt hat, um so ihre Anklage zu formulieren. Und ganz nebenbei werden wir so auch juristische Fachbegriffe diskutieren, die man vielleicht immer mal wieder hört, aber nicht immer so 100 Prozent versteht. Wie zum Beispiel auch den Begriff hinreichend verdächtig. Heute wieder hier bei mir zu Gast Jill McCuller, Staatsanwältin hier in Duisburg und Alexander Trisch, Redakteur in unserer Lokalredaktion. In dem Fall, über den wir hier sprechen, da geht es um serienmäßige Brandstiftung, aber auch um ziemlich exzessiven Drogen- und Alkoholkonsum. Falls euch das irgendwie belastet, dann hört die Folge vielleicht lieber nicht alleine an. Starten wir wie immer aber erstmal mit der Beschreibung des Falls. Was ist passiert? Unser heutiger Fall beginnt nicht mit einem großen Knall, sondern mit einer kleinen Flamme und einem Plan, der an einem Punkt noch scheitert, kurz darauf aber immer wieder aufgeht. Wir sind in Duisburg im Sommer 2024. Die Taten, die das Gericht am Ende im Urteil feststellt, liegen eng beieinander. Zeitlich, örtlich, aber auch in der Art, wie sie begangen wurden. Der damals 37-jährige Mann, wir nennen ihn hier mal Kai, nutzt dafür immer dasselbe Prinzip. Grillanzünder, ein Feuerzeug, dann auf Reifen gelegt. Und am Ende brennen insgesamt mindestens zehn Autos. Kai ist in Duisburg aufgewachsen, gemeinsam mit einer deutlich älteren Schwester. Nach der Grundschule geht er auf die Hauptschule, macht den Abschluss nach der 10. Klasse und findet danach keinen geraden Weg in ein stabiles Berufsleben. Eine Ausbildung zum Maler und Lackierer beginnt er, bricht sie bald aber wieder ab. Es folgt eine Phase, in der er seinen Lebensunterhalt mit Drogenhandel bestreitet und deshalb auch verurteilt wird. Parallel dazu läuft etwas, das sein Leben fast genauso sehr prägt. Sucht. Kai wird ein Abhängigkeitssyndrom von Alkohol, Cannabinoiden und Stimulantien bescheinigt. Alkohol spielt früher eine Rolle. Erstmals mit 16, ab 25 dann täglich Schnaps in größeren Mengen. Cannabis kommt mit 18 Jahren dazu, später regelmäßig und in höherer Dosierung. Amphetamin konsumiert er ab 20 zunächst am Wochenende, später deutlich häufiger und in großen Mengen. Kokain gelegentlich ebenfalls. Er hat Therapien gemacht, einmal 2014, 2015, später 2021, 2022 in einer Klinik, mit Phasen, in denen er abstinent bleibt, aber auch mit Rückfällen. Kurz vor seiner Inhaftierung wegen Drogenhandels, so wird es dokumentiert, trinkt er täglich große Mengen hochprozentigen Alkohols und konsumiert täglich Amphetamine und Marihuana. In dieser zweiten Therapie, 2021-22, lernt Kai dann auch seine spätere Verlobte kennen, die dort beruflich tätig ist. Bis zur Inhaftierung wohnen beide zusammen. Und in dieser Beziehung verdichtet sich in den Wochen vor den Bränden offenbar ein Konflikt. Seine Verlobte fordert ihn nämlich auf, sich wegen seines Konsums Hilfe zu suchen. Kai sagt später, das sei ihm nicht gelungen. In dieser Phase beschreibt er einen inneren Druck, dem er keinen konstruktiven Ausweg entgegensetzen konnte. Kai spricht davon, in den Taten ein Ventil gesucht zu haben. Also besorgt er sich Grillanzünder, steckt ihn in seine Bauchtasche, die er nach eigener Darstellung immer trägt. An den Tatorten entzündet er sie mit offener Flamme und legt sie auf einen Reifen. Beim ersten bekannten Vorfall am 19. Juni 2024 am Nachmittag ist es ein Tesla unter der U-Bahn-Brücke an der Münchner Straße. Die Flamme erlischt, es entsteht kein Schaden. Es bleibt, nach alledem, was sich rekonstruieren lässt, bei einem Versuch. Doch bei diesem Versuch bleibt es eben nicht lange. In der Nacht vom 1. Auf den 2. Juli gegen 0 Uhr. Diesmal brennt ein BMW 6er im Kalkweg vollständig aus. Totalschaden. Der Nutzer des Fahrzeugs konnte später immerhin noch 15.000 Euro Verkaufserlös erzielen. Kurz darauf, in derselben Nacht gegen 2.30 Uhr, geht es an der Innsbrucker Allee weiter. Mehrere Fahrzeuge werden nahezu hintereinander angegangen. Skoda Fabia, ein Mercedes GLA und zwei Mercedes GLC. Das Feuer greift auf jeweils das ganze Fahrzeug über. Es entstehen Totalschäden. Die Versicherungen erstatten Zeitwerte. 5.000 Euro, 43.000 Euro, 27.000 Euro und 40.000 Euro. Später, am 2. Juli, am frühen Abend, gegen 19.44 Uhr, trifft es einen Opel Astra auf einem Parkplatz an der Düsseldorfer Landstraße. Das Feuer greift auf die Dämmung und die Kunststoffteile im Motorraum über. Das Auto wird erheblich beschädigt. Wirtschaftlicher Totalschaden. Einen Tag später, in der Nacht vom 2. auf den 3. Juli gegen 1.13 Uhr an der Grazer Tiroler Straße, ein Seat Leon und ein Opel Corsa brennen aus. Beide Totalschäden. Ein Geschädigter hatte sein rund 20 Jahre altes Auto mit einem Zeitwert von 300 Euro nicht entsprechend versichert und bekommt deshalb gar keinen Ausgleich. Für das andere Fahrzeug werden über 10.000 Euro erstattet. Und schließlich im weiteren Verlauf derselben Nacht gegen 4 Uhr unter einer U-Bahn-Brücke im Bereich der Kufsteiner Straße. Ein BMW und ein Suzuki werden in Brand gesetzt, beide wirtschaftliche Totalschäden. Erstattet werden wieder Zeitpferde. Der Angeklagte sagt später, es sei ihm alles über den Kopf gewachsen. Seine Verlobte habe ihn damals aufgefordert, sich wegen seines Suchtmittelkonsums Hilfe zu suchen. Das sei ihm nicht gelungen. Und er beschreibt eine Genugtuung, weil die Halter der Autos in seinen Augen erfolgreich seien. Anders eben als er. Die Auswahl der Fahrzeuge, sagt er später, sei spontan gewesen. Sie folgten keinem Muster. Ab wann war der Angeklagte hinreichend verdächtig? Jill, wir haben hier eine Serie mit sehr ähnlicher Vorgehensweise. Grillanzünder auf eine Flamme, den Reifen als Startpunkt. Welche Bedeutung hat es denn für die Ermittlungen, wenn so ein Muster so deutlich wiederkehrt und wie wird da draußen wirklich belastbarer Verdacht? Wir sprechen in solchen Fällen immer von dem gleichen Modus operandi, das heißt, wie du schon gesagt hast, dass die Taten sich irgendwie hinsichtlich der Art und Weise der Tatbegehung ähneln und das allein, wenn das in einem räumlichen und zeitlichen Kontext erfolgt. Ist erstmal ein Indienst dafür, dass eventuell auch der gleiche Täter dahinter steckt. Jetzt muss man aber bei Brandstiftungsdelikten an PKWs einschränkend sagen, dass meistens das in dieser Art und Weise passiert, dass nämlich jemand einen Grillanzünder anzündet und dann auf den Reifen legt. Also das ist, würde ich sagen, so das Paradebeispiel einer vorsätzlichen Brandstiftung an einem PKW, dass das allein erstmal nicht bedeutet, dass es der gleiche Täter ist. Hier war es aber so, dass es ja wie gesagt räumlich und zeitliche Nähe zueinander hatte und deswegen konnte man da schnell davon ausgehen, dass es sich um eine Serie handelt. Und dann hat man so viele Fahrzeuge, die in Flammen aufgehen, die ausbrennen. Man hat ja aber noch keinen konkreten Hinweis auf einen Täter. Wie kamt ihr denn dann zu der Festnahme? Im Rahmen der Ermittlungen hatten wir zunächst erstmal einen Anfangsverdacht gegen Kai und der beruhte darauf, dass wir von der ersten Tat des Tesla ein Video des Wächtermodus hatten und da war Kai sehr deutlich drauf zu erkennen, also wir konnten ihn da identifizieren und aufgrund der Tatsache, dass die anderen Taten sich auch ja zeitnah ereignet haben und auch immer wieder in einem gleichen Gebiet, haben wir dann gesagt, okay es besteht zumindest der Anfangsverdacht, dass auch Kai für diese Taten verantwortlich ist und wir haben dann einen Durchsuchungsbeschluss gegen ihn. erwirken können. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung konnten wir dann andere Beweise finden und das hat sich dann so verdichtet, dass wir letztlich einen dringenden Tatverdacht bezüglich aller Taten hatten und dann eben auch auf dieser Grundlage einen Haftbefehl erwirken konnten. Das war fast ein bisschen ironisch, dass das eine Auto, was nicht ausgebrannt ist, am Ende irgendwie den. Hinweis geliefert hat auf Kai. Absolut. Es ist immer so ein bisschen hypothetisch zu fragen, wann wären wir sonst auf Kai gekommen. Aber ich muss sagen, dieses Video war für uns schon Gold wert. Und kann man das dann, also du hast ja gerade gesagt, es liegt dann aufgrund der zeitlichen und örtlichen Nähe auch einfach nah. Reicht das denn dann schon, um diesen Verdacht auch auf die anderen Brände auszulegen? Also weil auf dem Video ist ja nur der Tesla zu sehen. Für einen Anfangsverdacht reicht es. Da hat es uns auf jeden Fall gereicht, weil wir eben diesen Modus operandi hatten. Wir hatten die zeitliche und räumliche Nähe. Man muss auch sagen, es war wirklich, es war immer wieder ein ähnlicher Gebiet. Und da reicht es dann für den Anfangsverdacht schon, aber in dem Moment erstmal nicht für mehr. Wie wirkte denn Kai auf dich, als ihr ihn dann am Ende festgenommen hattet? Kai war völlig abgeklärt. Ich würde meinen, dass das vielleicht auch daran liegt, dass es nicht zum ersten Mal der Fall war, dass er mit dem Gesetz in Konflikt geraten ist. Er stand ja unter mehrfacher laufender Bewährung. Und deswegen würde ich jetzt nicht sagen, war es für ihn Routine. Das wäre jetzt ein bisschen viel gesagt. Aber es war für ihn auf jeden Fall nicht neu auch, dass die Polizei vor seiner Tür steht. Er wusste, was passiert. Hat sich Kai denn nach der Festnahme zu den Vorwürfen geäußert? Im Ermittlungsverfahren hat Kai uns gegenüber keine Angaben gemacht. Es hat sich dann ergeben, dass bei ihm wohl eine Suchtproblematik vorliegt. Und deswegen habe ich eine psychiatrische Sachverständige mit der Begutachtung von Kai beauftragt. Er hat da auch mitgewirkt und dann gab es ein Explorationsgespräch. Und gegenüber der Sachverständigen hat er dann Angaben gemacht, aber die waren ausschließlich bestreitend. Also er hat immer gesagt, dass er dafür nicht verantwortlich sei, sondern dass das ein anderer Täter gewesen sei. Und inwiefern hat das dann eure Ermittlungen beeinflusst? Ich meine, ihr müsst ja dann trotzdem irgendwie weitergraben. Genau, also ich würde sagen, dass es das gar nicht beeinflusst hat, denn in der Regel ist es so, dass die Beschuldigten in einem Ermittlungsverfahren erstmal keine Angaben machen oder oft auch bestreitende Angaben. Für uns war das insofern gar nicht relevant. Wir haben ganz normal unsere Ermittlungen weitergeführt, alles be- und entlastende ermittelt und dann am Schluss geschaut, was man ihm nachweisen kann und was eventuell auch nicht. Und ziemlich entscheidend war ja diese Hausdurchsuchung, von der du eben schon gesprochen hast. Da seid ihr ja auf ziemlich aufschlussreiche Chatverläufe mit seiner Verlobten gestoßen. Was konnte man denn da so auslesen? Ja, also das Handy war für uns auch von herausragender Bedeutung. Er hat sehr viel mit seiner Verlobten kommuniziert und aus den Chatverläufen war insbesondere ersichtlich, wann sich Kai zu Hause befunden hat und wann er eben nicht zu Hause war, insbesondere eben allein unterwegs war ohne seine Verlobte. Und wenn man das mit den Tatzeiten abgeglichen hat, hat sich dann recht schnell ein Bild gezeichnet. Und zwar das, dass er eben immer zu den jeweiligen Tatzeiten nicht zu Hause war. Das zum einen. Und zum anderen war es so, dass er in einem Fall auch eine sehr deutliche Sprachnachricht an seine Verlobte geschickt hat. Und es ging eigentlich hervor, dass er sich gerade aktuell vor der Polizei versteckt. Und zwar auch wieder in sehr, sehr bezeichnender Nähe zu einem Brandstiftungsdelikt. Und dann liegt das schon alles ziemlich. Na, ja. Ich würde nochmal gerne auf Keiß Suchtproblematik eingehen. Das ist ja, wenn jemand unter Drogeneinfluss steht, das haben wir ja auch schon oft drüber gesprochen, geht es auch irgendwann um das Thema Schuldfähigkeit. War das von Anfang an bei jemandem, der so eine dichte Suchtgeschichte hat, ist das für euch so eine, ja… als Gefahr, dass das quasi euch am Ende noch dazwischen kommen könnte? Als Gefahr würde ich es nicht bezeichnen, weil wenn jemand wirklich die Taten begangen hat aufgrund dieser Suchtproblematik, dann ist es nur richtig, dass er dann auch entsprechend in der Entziehungsanstalt kommt. Deswegen würde ich es jetzt nicht als Gefahr bezeichnen. Zumal ich sagen muss, dass diese Suchtproblematik war schon recht deutlich. Aber ich habe bis zuletzt, und so war es ja dann letztlich im Urteil auch, den Zusammenhang nicht herstellen können zwischen seiner Suchtproblematik und der Brandstiftungsdelikte. Normalerweise ist es dann so, dass man vielleicht deswegen Diebstahlzahlen begeht, Raubdelikte, um sich eben Geld zu beschaffen, um seine Sucht zu finanzieren. Aber zwischen einer Sucht und der Begehung von Brandstiftungsdelikten ergibt sich erstmal kein Zusammenhang für mich. Alex, wie habt ihr das denn damals in der Lokalredaktion wahrgenommen? Also innerhalb mehrerer Tage brennen mehrere Autos in der Stadt haben. Gibt ja bestimmt auch da eine ganz bestimmte Stimmung in den betroffenen Stadtteilen. Ja, also man muss sich ja vorstellen, in der Großstadt brennt es im Grunde die ganze Zeit irgendwo. Immer ist irgendwas und die Fälle sind aber eigentlich viel, viel kleiner sonst. Man hat diese Wohnungsbrände, die da irgendwie ausgelöst werden, weil jemand was auf dem Herd vergessen hat oder es irgendeinen technischen Defekt gab. Oder Jugendliche zünden mal einen Müllcontainer an. Wir hatten zuletzt auch einen Fall, da waren es mutmaßlich Jugendliche, so genau ist das noch nicht ausermittelt, die im Duisburger Süden am Wolfsee eine Beachbar vom Schwimmbad angezündet haben, die dann ganz abgebrannt ist. Und ja, der Fall ist aber jetzt hier schon eher speziell. Also, dass mein Auto brennt, das kommt auch vor in Duisburg, aber dass es dann wirklich so viele in so kurzer Zeit sind, ist schon ungewöhnlich. Und man muss sich ja vorstellen, die sind ja wirklich zum Teil komplett abgebrannt und da war wirklich dann am Ende nichts mehr von denen übrig. In einem Fall war das sogar so, dass das Feuer noch auf das Gemäuer von so einer Brücke zum Teil übergegangen ist, die konnte dann auch einige Tage nicht wirklich befahren werden. Und ja, die Stimmung in den Stadtteilen, die war natürlich verängstigt, muss ich jetzt auch vorstellen, das waren ja jetzt nicht gerade die Stadtteile, wo die ärmsten Leute der Stadt wohnen und die hatten natürlich auch, wie wir eben gehört haben, schon ganz schön teure Autos, die da sicherlich beim Neupreis um die 50.000 Euro und mehr liegen. Ja, das ist ja mitten in der Nacht passiert, die Leute sind da aufgewacht von platzenden Reifen und das war natürlich alles sehr besorgniserregend und die Leute wollten natürlich, dass das so schnell wie möglich aufhört. Und du sagst es gerade, man hat zum einen natürlich irgendwie Angst um sein Auto, was draußen steht, aber natürlich auch davor, dass so ein Feuer mal richtig außer Kontrolle gerät und irgendwie am Ende noch Menschen zu Schaden kommen könnten. Wie ordnet man das denn dann ein als Lokalredaktion, wenn überhaupt noch nicht klar ist, gibt es einen zusammenhängenden Täter, wie ist der Ermittlungsstand, wenn man ja nicht spekulieren möchte natürlich, aber eben die Menschen auch nicht verunsichern möchte? Also, dass es jetzt eine Brandserie ist, das haben wir schon relativ früh geschrieben und das hätte natürlich auch nicht so sein können. Aber ich würde mal sagen, die Wahrscheinlichkeit war jetzt schon eher sehr gering, wenn das wirklich direkt in der ersten Nacht mehrere Autos in der Nähe betrifft. Ja, also wir haben detailliert darüber berichtet und dafür so gut wir konnten gesorgt, dass das so viele Leute mitbekommen wie möglich. Es gab auch eine riesen Nachfrage bei dem Thema. Also die Leute haben das wirklich interessiert gelesen. Um... Ja, wir schreiben wie bei allem das, was wir wissen und was wir nicht wissen und haben auch so ein bisschen versucht, die Leute abzuholen. Was kann man denn jetzt machen? Also, dass man vielleicht irgendwie das Auto in die Garage stellt, wenn man denn eine hat oder irgendwie in eine Zufahrt, die nicht zugänglich ist oder zumindest so, dass es irgendwie an beleuchteten Orten steht, dass sich da der Täter vielleicht gar nicht hintraut. Ja, es gab schon eine große Verunsicherung, die wir, glaube ich, da auch ernst genommen haben. Und wenn du sagst, dass da viele Reaktionen auch kamen von Lesern, gingen die eher so in die Richtung, sind wir hier noch sicher oder ging es eher so darum, wer es war, wo ist der Täter? Also was war so diese Grundstimmung, die da im Vordergrund stand? Also wer es war, war jetzt glaube ich gar nicht so wichtig. Also außer man hätte jetzt wirklich den persönlich gekannt so aus dem direkten Umfeld. Davon ist ja auch eigentlich auszugehen, dass die Person jetzt nicht von weiter weg kommt, sondern da irgendwo auch in der Nähe wohnt. Ja ich glaube die entscheidende frage war wann wird der eigentlich erwischt also und das war dann auch gott sei dank durch das video material schnell der fall der hat er da jetzt nicht monate die autos angezündet ja das war dann schon wirklich eine angespannte situation und sind wir hier noch sicher war auch wirklich eine der hauptfragen und jetzt eine kurze pause vielleicht mit etwas werbung. Was macht das auf? Jay, wir haben gerade schon darüber gesprochen, was ist, ab wann ist eine Brandstiftung eine Serie? Also ab wann entscheidet ihr euch auch dafür, sowas zu bündeln, wenn das an mehreren Stellen auftaucht? Ja, also wenn wir jetzt in einem engen zeitlichen Kontext und dann auch noch eine räumliche Nähe haben, die Brandstiftungen immer einem bestimmten Muster folgen, und dann zum Beispiel bei Brandstiftungen immer auch das gleiche Objekt betroffen ist, also sprich ein Pkw. Dann gehen wir schon schnell dazu über zu sagen, das ist eine Serie und ziehen die Ermittlungen zusammen. Das hat einfach den Hintergrund, dass wenn wir, je mehr Fälle wir haben, die wir gemeinsam betrachten, desto größer ist natürlich auch die Chance, dass wir irgendeinen Hinweis auf den für uns noch unbekannten Täter ermitteln können. Und jetzt ist es ja aber rechtlich gesehen so, wenn zum Beispiel mehrere Fahrzeuge an einer Örtlichkeit in einer Reihe brennen, dann geht man rechtlich jeweils, also pro Auto quasi von einer Tat aus. Warum macht man das so? Also das hat den Hintergrund, dass man einfach davon ausgeht, dass der Täter sich zu der Örtlichkeit begibt und von vornherein eben den Tatentschluss hat, so ich zünde da jetzt Autos an. Und es eben nicht so ist, dass er sich jetzt zu der Örtlichkeit begibt und dann erst dort den Tatentschluss trifft, das eine Fahrzeug anzuzünden und dann den neuen Tatentschluss trifft, das Fahrzeug daneben auch noch anzuzünden. Und das ist ja total lebensfremd. Und deswegen gehen wir aus davon, dass es eine Tat ist, auch im rechtlichen Sinne, einfach weil der Hintergrund der einheitliche Tat im Schluss ist. Verstehe. Ich habe es gerade schon in meiner Fallbeschreibung gesagt, die Versicherungsausgleichsummen, die die Geschädigten hier bekommen haben, die waren sehr unterschiedlich. Einer zum Beispiel hat gar nichts bekommen, weil sein Auto eben nicht entsprechend versichert war. Spielt sowas, also wie groß am Ende der Schaden der finanzielle für die Geschädigten war, für euch auch eine Rolle im Strafverfahren? Ja, das spielt eine Rolle, aber erst zum Ende. Also wenn es darum geht, sich die Frage zu stellen, welche Strafe ist jetzt hier Tat und Schuld angemessen, dann spielt es immer eine Rolle, wie hoch der materielle oder auch ein immaterieller Schaden eines Geschädigten ist. Und in dem Fall natürlich ganz wesentlich bei Brandstiftungsdelikten auch, wenn der PKW zerstört wurde, gänzlich zerstört wurde, was ist eigentlich die konkrete Summe, die da an Schaden dahinter steht für den Geschädigten? Und das ist ein ganz wesentlicher Aspekt bei der Strafzumessung. Das heißt, es ist schon, Jetzt mal vereinfacht gesagt, schlimmer, teure Autos anzuzünden. Auf jeden Fall, weil der Schaden einfach viel höher ist. Natürlich, auf jeden Fall. Auch wenn es natürlich für die Geschädigten, die, ich sag jetzt mal nur ein Twingo fahren, ist es auch total schrecklich, wenn das eigene Auto angezündet wird. Ich meine, da kann sich ja auch jeder total gut reinversetzen in diese Situation. Konntet ihr denn alle Taten Kai auch zuordnen, von denen ihr am Anfang dachtet, die könnten mit ihm in Verbindung stehen? Oder gab es da auch ein paar Fälle, wo ihr das nicht einwandfrei nachweisen konntet? Also meines Erachtens nach konnten wir alle Taten, von denen wir dachten, dass Kai sie begangen hat, ihm auch nachweisen. Es war dann letztlich in der Hauptverhandlung so, dass Kai ganz am Schluss Taten eingeräumt hat, bis auf eine einzige Tat. Und dann haben wir zu Vereinfachungszwecken wegen dieser Tat das Verfahren eingestellt. Das macht man wirklich darum, um das Ganze eben so ein bisschen zu vereinfachen, dass man sagt, okay, der Aufwand in Anführungszeichen lohnt jetzt nicht. Die Tat jetzt hier noch auszuermitteln, da jetzt noch Zeugen zu vernehmen etc., weil es in der Gesamtschau gar nicht mehr ins Gewicht fällt. Also wenn ich jetzt irgendwie zehn Alters angezündet habe, es ist egal, ob ich elf oder zehn angezündet habe, das fällt dann nicht mehr wesentlich ins Gewicht. Hat sich denn Kai im Verlauf des Prozesses näher geäußert? Ja, er hat sich dazu entschieden, am vorletzten Verhandlungstag ein Geständnis abzulegen. Davor hat er sich immer bestreitend geäußert. Ich persönlich gehe davon aus, dass er einfach am vorletzten Verhandlungstag gemerkt hat, dass er hier nicht davon kommen wird. Die Schlinge zieht sich zu. So ist es und dann hat er sich einfach noch durch sein Geständnis den Bonus eines Geständnisses gesichert, den es ja immer gibt in der Strafzumessung. Das waren meines Erachtens seine Beweggründe. Er hat sich dann auch nur dahingehend eingelassen, dass er eben diese Grillanzünder gekauft hat, die immer mit sich herumgetragen hat und das Hintergrund des Ganzen gewesen sei, dass er eben diese Suchproblematik hat. Er hat Probleme mit seiner Verlobten gehabt, weil die ihn da zu einer Entziehungskur drängen wollte. Und das war für ihn so sein wesentlicher Grund, den er als Motiv genannt hat. Wenn du sie schon ansprichst, wie hat sich diese Verlobte denn geäußert? Also hat sie auch ausgesagt in dem Prozess? In der Hauptverhandlung selbst hat seine Verlobte keine Angaben mehr gemacht. Er hat sie von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht, was ihr als Verlobte zusteht, Gebrauch gemacht. Anders war das noch im Ermittlungsverfahren. Da hat sie uns gegenüber, also der Polizei, gegenüber Angaben gemacht, die für uns auch erstmal sehr relevant waren, weil sie uns mitgeteilt hat, wann Kai zu Hause war, wann er weg war, so ein bisschen was zu seinem Verhalten geschildert hat. Und dann war es eben aber so, dass sie in der Hauptverhandlung dazu keine Äußerungen mehr getätigt hat und dann gibt es in der Strafprozessordnung in Paragrafen 252 eine Regelung, die uns verbietet ihre vorherigen Angaben in den Prozess einzuführen. Das könnte man ja tun, indem man den Polizeibeamten, der Vernehmungsbeamter war, vernimmt und fragt, was hat die Zeugin denn geäußert. Das ist uns eben untersagt. Das soll eben dem Schutz und dem sehr weitgehenden Recht der Zeugnisverweigerung dienen. Die einzige Ausnahme, wie wir ihre Angaben hätten noch einführen können. Wäre, wenn sie im Ermittlungsverfahren diese Angaben in Rahmen einer richterlichen Vernehmung, also gegenüber einem Richter, getätigt hätte. Dann hätten wir diese Angaben durch die Vernehmung des Richters einführen können, weil das Gesetz eben dem einen höheren Beweiswert zumisst. Deswegen gibt es diese Ausnahme. Die Möglichkeit hatten wir hier aber nicht, weil sie nämlich schon im Ermittlungsverfahren gegenüber dem Richter keine Angaben mehr gemacht hat. Also ich habe versucht, ihre Angaben quasi noch gerichtsfest zu machen, um es mal so salopp auszudrücken. Hat aber schon nicht mehr funktioniert, weil sie da schon gesagt hat, nee, ich möchte meinen Verlob nicht belasten. Ihr hattet ja aber die Chatverläufe und damit schon auch ziemlich viel an Infos. Eben, dadurch konnten wir das wieder ein bisschen wettmachen. Deswegen war es ja nicht mehr ganz so tragisch für unsere Ermittlungen. Kai hat ja auch oft, wenn er, ich sag's mal salopp, auf Tour gegangen ist, ihr Auto benutzt, um zu diesen Orten zu kommen. Drohten ihr denn irgendwie zu irgendeinem Zeitpunkt da auch Konsequenzen, weil man ihr so eine Mitwisserschaft vielleicht hätte unterstellen können? Nee, zu gar keinem Zeitpunkt. Also es war schon so, dass sie zu irgendeinem Zeitpunkt Verdacht geschöpft hat, dass er vielleicht dafür verantwortlich ist, aber mehr als Verdachtsmomente waren es nicht. Und deswegen war das auch überhaupt nicht strafrechtlich relevant. Ich verstehe. Kai sagte ja aus, er habe diesen Grillanzünder gekauft und hatte den quasi immer so in seiner Bauchtasche mit sich und den so rumgetragen. Was bedeutet das denn dafür, für diese Bewertung aus Spontanität und vielleicht auch einer wirklich vorbereiteteren, geplanteren Tat? Ja, ich glaube, das kann man sehr unterschiedlich bewerten. Wenn er die natürlich vorher gekauft hat, diese Grillanzünder, spricht das jetzt erstmal für ein planvolles Vorgehen, weil das ja auch eine gewisse Tatvorbereitung beinhaltet. Auf der anderen Seite wäre es lebensfremd anzunehmen, dass er zu diesem Zeitpunkt schon jede einzelne später begangene Brandstiftung geplant hatte. Davon ist überhaupt nicht auszugehen. Es ist vielmehr so, dass dann die einzelnen Taten selbst wieder spontan vonstatten gegangen sind. Deswegen würde ich meinen, dass es schon eher als spontan Taten zu werten ist. Sodass er quasi das Material zwar immer dabei hatte, aber nicht mit dem Ziel, heute Nacht werde ich dieses und jenes Auto anzünden, sondern so ein bisschen, ja. Genau, also diese Entschlüsse kamen dann, glaube ich, immer sehr situativ. Verstehe. Ja. Alex, gab es dann in eurer Berichterstattung so diesen einen Moment, an dem euch klar wurde, du hast es gerade schon gesagt, es war relativ früh, dass es hier nicht um einen einzelnen Brand geht, sondern wirklich um ein wiederkehrendes Muster? Ja, eigentlich sofort wirklich bei der ersten Meldung, die wir bekommen haben von der Polizei, dass dort mehrere Autos im Süden der Stadt gebrannt haben. Da war jetzt auch dann schon davon auszugehen, dass das jetzt wahrscheinlich ein Täter sein wird, dass die Fälle auch zusammenhängen. Es kommt manchmal vor, wenn es so Serien von Straftaten gibt und über die viel berichtet wird, dass auch so Trittbrettfahrer da irgendwie einsteigen und auch noch irgendwas machen. Aber da war jetzt hier eigentlich nicht davon auszugehen und also ich würde sagen, uns in der Redaktion war relativ schnell klar, dass das eine Serie von einer Person ist. Das schreiben wir natürlich nicht sofort so einfach hin, weil wir es natürlich auch hundertprozentig jetzt nicht wissen und die Polizei das auch nicht so direkt kommuniziert hat. Im Grunde kann es immer irgendwie auch anders sein, aber hier war die Vermutung schon sehr nahe. Es sind ja zum Glück keine Menschen verletzt worden in dieser ganzen Serie, wenn es natürlich auch einen, wie gesagt, recht hohen Sachschaden gab. Ändert das irgendwas in eurer Berichterstattung? Ich würde sagen, nicht so richtig in der Art, wie wir darüber berichten, aber schon so, wie das dann rezipiert wird und wie auch so die Aufmerksamkeit dann in der Öffentlichkeit ist. Also wenn da jetzt Menschen bei gestorben wären, dann hätte das sicherlich, wäre das viel stärker verbreitet worden noch, dann hätte man da wahrscheinlich auch über jetzt die Stadt und vielleicht auch NRW hinaus viel mehr zugehört. Und sicherlich auch so in der Platzierung, wie wir das jetzt an die Leute bringen und wo das dann online oder in der Zeitung steht, hätte das sicherlich einen Unterschied gemacht, aber so in der reinen Berichterstattung eigentlich nicht. Erstmal nicht. Hat sich denn die Feuerwehr damals dazu geäußert? Denn so ein brennendes Auto kann ja auch unter Umständen ziemlich gefährlich werden. Ja, also im Grunde war denen, glaube ich, wichtig, dass sie gerufen werden und nicht die Besitzer der Autos da jetzt versuchen, selber irgendwie mit einem Feuerlöcher oder wie auch immer, da versuchen, an das Auto zu gehen und den selber zu löschen, den Brand. Weil das kann halt auch schon gefährlich sein. Nur weil das jetzt irgendwie vielleicht so aussieht, als sei das bereits abgebrannt und das Feuer wird kleiner, heißt das noch nicht, dass da nicht noch irgendwas explodieren kann oder irgendwie eine Verpuffung gibt. War das denn damals auch für euch irgendwie eine außergewöhnliche Situation? Also du hast gerade gesagt, Brände gibt es in so einer Stadt ständig und überall, aber so hast du schon mal so solche oder ähnliche Brandserien miterlebt als Reporter? Also die ist jetzt schon sehr ungewöhnlich, würde ich sagen. Eine vergleichbare, die mir dazu einfällt, ist eigentlich nur... Ein Fall, ich glaube das war vor zwei Jahren, wo es im Duisburger Westen gab es mehrere Brände auf landwirtschaftlichen Höfen von Heu und Strohballen. Da ist am Ende ein Sachschaden von 75.000 Euro entstanden. Das klingt natürlich jetzt irgendwie ein bisschen harmloser, als dass man Autos angezündet hat, wenn man da irgendwie so ein bisschen Heu anzündet. Am Ende ist aber auch eine Gaststätte in der Nähe komplett abgebrannt. Da wurde jetzt auch niemand verletzt oder wirklich gefährdet. Aber am Ende kam dann raus, dass das dann eine Brandserie von Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehr selbst war, die irgendwie wohl Langeweile hatten und Brände legen wollten, die sie dann auch noch selber gelöscht haben. Ja, die sind auch zu mehreren Jahren Haft verurteilt worden. Also das war auch schon eine sehr ungewöhnliche Serie. Aber so mitten in einem Wohngebiet ist das schon echt selten, würde ich sagen. Wie geht es aus? Kommen wir zum Urteil. Jill, wie lautete das denn am Ende gegen Kai? Also Kai wurde wegen Brandstiftung in fünf Fällen und versuchter Brandstiftung zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von vier Jahren und sechs Monaten verurteilt. Deckt sich das mit deiner Anklage? Also mild, streng, wie war das Urteil? Also vom Schuldspruch her hat es in meinem Antrag auch entsprochen. Nicht hingegen, was die konkrete Strafe betrifft. Da hatte ich eine deutlich höhere Strafe beantragt. Ich würde das Urteil auch als gelinde gesagt, sehr milde bezeichnen. Wir haben dagegen dann auch Rechtsmittel eingelegt. Aber das Rechtsmittel hat dann leider nicht zu einer Abänderung der Strafe geführt. Kai wurde ja eigentlich zu mehreren Einzelstrafen verurteilt, die dann hinterher in der Gesamtstrafe zusammengefasst werden. Man kann sich das ja jetzt aber nicht vorstellen, wie einfach eine simple Addition von verschiedenen Zeitwerten. Da wurde der sogenannte, und jetzt muss ich ablesen, Paragraf 53 StGB angewendet. Kannst du uns erklären, was das eigentlich schon wieder bedeutet? Ja, also wenn jemand wegen mehrerer Taten verurteilt wird, dann wird für jede einzelne Tate eine Einzelstrafe ausgesprochen. Und dann werden diese Einzelstrafen zu einer Gesamtfreiheitsstrafe zusammengeführt. Und das begibt sich nach gewissen Regeln. Eine davon hast du schon genannt, dass auf jeden Fall nicht die Gesamtfreiheitsstrafe die Summe der Einzelstrafen darstellt. Es ist vielmehr so, dass sich diese Gesamtfreiheitsstrafe dann in einem Rahmen bewegt und dieser wird abgesteckt durch die höchste Einzelstrafe und die Summe aller Einzelstrafen. Und zwischen diesen zwei Faktoren bewegt sich dann irgendwo die Gesamtfreiheitsstrafe. Und warum macht man das? Man könnte ja jetzt auch quasi sagen, naja, dann begehe ich halt ganz viele Straftaten, da komme ich am Ende mit einem Rabatt raus. Ja, das ist auch so. Da hast du völlig recht. Das ist so. Das sieht das Gesetz so vor, dass man eben für ihn es dann günstiger macht und das Ganze dann zusammenfasst zu einer Gesamtfreiheitsstrafe. Es wurde ja auch geprüft, ob ein minderschwerer Fall vorliegt. Am Ende hat das Gericht das ja verneint. Aber welche Kriterien wurden denn da überprüft und was waren die Punkte, warum man dann zu dieser Verneinung kam? Es gibt manche Straftatbestände, die sehen vor, dass es eben einen minderschweren Fall gibt. Das ist zum Beispiel auch bei der Körperverletzung oder bei dem Totschlag der Fall. Und dann muss man immer prüfen, ob das denn einschlägig ist, weil es für den Angeklagten auch viel günstiger ist. Dabei nimmt man eine Gesamtschau vor und schaut sich genau das konkrete Tatbild an, die Täterpersönlichkeit, alle subjektiven Elemente und fragt sich dann, ob dieser Fall von dem durchschnittlich vorkommenden Fall erheblich abweicht, sodass dann eben die Anwendung des Ausnahmestrafrahmens angemessen erscheint, weil das natürlich ein günstigerer Strafrahmen für den Angeklagten ist. Und dabei sind Gesichtspunkte wesentlich, die die Tat selbst ausmachen, die aber auch vielleicht im Vorhinein der Tat lagern oder im Nachhinein der Tat, die eben auch subjektiv den Täter selbst betreffen und seine Persönlichkeit. Das sind oft auch Punkte, die wir bei der Strafzumessung immer anführen. Und hier im Fall von Kai war es eben auch so, dass man gesagt hat, für einen minderschweren Fall trifft er sein Geständnis abgelegt hat. Aber es war so, dass Kai erheblich vorbestraft war und unter laufender Bewährung stand. Und das schließt eigentlich die Annahme eines minderschweren Falls schon per se aus, würde ich sagen. Das passt ja auch ein bisschen zu dem, dass du sagtest, dass er jetzt nicht ganz überrascht war von so einer Festnahme und wie die abläuft. Wie wurde denn diese allererste Brandstiftung hier von Kai gewertet? Der Tesla brannte ja nicht, es blieb bei dem Versuch. War das dann auch in dieser Gesamtstrafe enthalten? Ja, ich hatte ja eben gesagt, wir hatten fünf vollendete Brandstiftungen und eben einen Versuch und das ist genau der Tesla, denn der Erfolg ist ja tatsächlich nicht eingetreten. Der Erfolg wäre, wenn der Tesla beschädigt oder zerstört worden wäre durch ein Feuer, das ist eben nicht der Fall gewesen und deswegen sagt man, es ist nur bei der versuchten Brandstiftung geblieben und die wurde auch mit ins Urteil aufgenommen. Kai hat ja, wie du sagtest, sich ganz am Ende des Prozesses doch noch geäußert und davon gesprochen, dass es ein Ventil sei. weil andere erfolgreich wären im Leben und er eben nicht. Spielt denn so ein Motiv, was man ja…, auf einer anderen Ebene vielleicht sogar irgendwie nachvollziehen kann, dass man da Ärger drüber hat, dass sein eigenes Leben nicht so erfolgreich läuft. Spielt so ein Motiv denn da eine Rolle oder ist das für die juristische Zumessung eigentlich irrelevant? Ein Motiv ist immer relevant im Rahmen der Strafzumessung. Du hast es ja eben schon angesprochen. Manchmal sind Motive so, dass man zumindest es nachvollziehen kann, dass jemand diese Tat begeht. Auch wenn es natürlich das nicht richtig macht, aber es macht es vielleicht ein bisschen verständlicher. Auf der anderen Seite gibt es natürlich auch Motive, die sind so nichtig oder Straftaten werden aus einem nichtigen Anlass begangen und das ist für uns gar nicht nachvollziehbar und das wirkt natürlich dann auch zu Lasten des Angeklagten. Also insofern ist das natürlich relevant. Das sind ja alles dann auch Dinge, auch die Suchtthematik, über die wir vorhin gesprochen haben, dass er zwar eine Suchtproblematik hatte, die aber nicht direkt ihn quasi zu den Taten geführt haben. Das sind ja dann wahrscheinlich auch alles die Sachen, die quasi dann mitbewertet werden können, wenn eben so eine Gesamtstrafe gebildet wird, weil, wie wir gelernt haben, ist ja keine Addition einfach. Genau, also es ist mich das Gute, dass du das nochmal ansprichst. Also bei jeder Einzelstrafe fragen wir uns, was spricht für den Angeklagten, was spricht gegen den Angeklagten. Und wenn man das gegeneinander aufwiegt, was ist Tat und Schuld angemessen als Einzelstrafe. Und wenn wir dann die Gesamtfreiheitsstrafe finden in diesem Rahmen, den ich eben gerade genannt habe, dann machen wir das gleiche nochmal und bewerten das eben nochmal und ziehen es dann eben zu dieser Gesamtfreiheitsstrafe zusammen. Also diese Aspekte, die du genannt hast, sind natürlich super wesentlich. Auch im Urteil stand was, dass einer der Sachverständigen, Kai, eine dissoziale Akzentuierung zugesprochen hat. Was bedeutet das denn jetzt nochmal genau? Ja, also das ist ja erstmal ein forensisch-psychiatrischer Begriff. Letztlich gibt es ja viele Arten von Persönlichkeitsstörungen, darunter natürlich auch die soziale Persönlichkeitsstörung und das können dann auch immer Hinweise darauf sein, dass jemand eingeschränkt schuldfähig ist oder gar auch schuldunfähig. Eine Persönlichkeitsstörung hat die Sachverständige bei Kai nicht gesehen, aber die sogenannte Akzentuierung. Das heißt, dass er so eine Tendenz hat, dissozial zu agieren. Und Hinweise darauf sind vor allem, wenn er sehr verantwortungslos handelt, wenn er soziale Normen, Regeln und Verpflichtungen missachtet, ein fehlendes Schuldbewusstsein oder aber auch ein geringes Einfehlungsvermögen. Und all das haben wir im Prozess eigentlich bei Kai auch beobachten können. Deswegen habe ich das sehr gut nachvollziehen können, dass die Sachverständige das so eingeschätzt hat. Wie geht man denn eigentlich juristisch mit den Schäden, die nicht unbedingt an den Autos passiert sind, die gebrannt haben, sondern auch an den umstehenden Autos oder wie Alex vorhin erzählt hat, an der Brücke, die ja dann auch zumindest mal überprüft werden musste. Ist das auch alles was, was dann quasi auf Kais Konto aufgerechnet wird? Definitiv, das ist Kai zuzurechnen. Das liegt einfach schlichtweg daran, dass er Autos angezündet hat, die sich in der absoluten Nähe von anderen Autos befunden haben, die dann eben auch mittelbar betroffen waren oder eben wie Alex genannt hat, diese Brücke und das war für ihn ja vorhersehbar. Also er weiß, so wie jeder weiß, wie unbeherrschbar Feuer ist und es ist natürlich total nachvollziehbar, dass sich dieser Brand dann von einem Auto auf das andere Auto, was direkt nebendran parkt, weiterentwickelt. Also das hat er dann irgendwie mindestens mal in Kauf genommen, dass das passiert. Alex, du hast gesagt, der Fall hat ziemlich viele Reaktionen verständlicherweise bei den Leuten hervorgerufen. Wie war es denn mit dem Urteil? Hat man das auch noch so aufgenommen? Also der Klassiker ist hier natürlich wieder mal, dass die Öffentlichkeit das Urteil als ja auch zu lasch und zu gering aufgenommen hat. Vermutlich hier auch zu Recht. Haben wir ja gerade gehört, dass die Staatsanwaltschaft selbst ja auch nicht zufrieden war mit dem Urteil. Ja, also hier muss man ja sagen, dass der Kai auch einige Vorstrafen hatte, eine Bewährungsstrafe und jetzt kann man so salopp sagen, dem hätte man ja quasi alles Mögliche zutrauen können. Da hätte noch viel mehr passieren können, der hätte vielleicht auch dann doch ein Gebäude anzünden können. Das weiß man im Grunde alles nicht und dann ist das schon irgendwie gerechtfertigt, dass der auch dafür eine lange Strafe bekommt. Da gibt es wohl Anwohner, die bis heute unter den Folgen leiden, was sie damals erlebt haben. Auch unter den finanziellen Folgen. Also wir haben ja auch gehört, dass eine Versicherung da gar nicht bezahlt hat. Da ist noch gar nicht die Rede von irgendwelchen anderen Gegenständen, die vielleicht in diesen Autos gelagert haben. Weiß ich nicht, Laptops, Sportausrüstung, das dann auch nicht ersetzt werden konnte. Und bei dem Kai war sicherlich nichts zu holen zivilrechtlich an Geld. Und ja, also das war schon vielleicht für einige da zu wenig, was er bekommen hat. Ich finde genau der Aspekt, den Alex gerade angesprochen hat, der ist mir auch viel zu kurz zu kommen in dem Urteil, dass nämlich das Sicherheitsgefühl der Anwohner erheblich beeinträchtigt war und dass die total nachvollziehbar davon auch teilweise auch psychisch natürlich davon getragen haben, Schäden davon getragen haben, ganz zu schweige davon, was da an materiellen Schäden entstanden ist. Und ich finde, das kam so ein bisschen zu kurz, weil man sagt dann, okay, das ist ja nur das Auto, das gebrannt hat. Ja, es hat halt ein erhebliches Gefährlichkeitspotenzial, was halt immer bei Brandstiftungen der Fall ist. Aber letztlich sind die Personen ja völlig unschuldig und einfach ja wahllos ausgewählt worden von Kai. Und ich finde, das kam so ein bisschen zu kurz. Deswegen kann ich das auch gut nachvollziehen, dass hier seitens der Leserschaft dann das so auch geäußert wurde. Vor allem, wenn man sich überlegt, ein Auto, was nicht ausreichend versichert ist, gehört wahrscheinlich auch niemandem, der jetzt so unfassbar viel Geld hat, sich direkt ein neues Auto kaufen zu können, wenn das alte abbringt. Vermutlich ist das so. Überwiegt bei solchen Fällen aber nicht vielleicht am Ende auch ein bisschen die Erleichterung, dass ein Täter auch gefunden wurde? Also ich meine, es hätte ja auch sein können, dass man keinen findet und diese Serie quasi nie so richtig aufgeklärt wird. Ja, also auf jeden Fall. Ich glaube schon, dass das bei den Leuten am Ende schon überwogen hat. Also man muss ja jetzt auch sagen, so schlimm wie das war hat er jetzt ja auch nicht wochenlang das gemacht und. Weiß es jetzt nicht genau, aber ich würde mal sagen, es ist schon sehr unwahrscheinlich, dass man jetzt so eine Serie mit so vielen Autos und dann vielleicht noch viel mehr machen könnte, ohne dass man dabei erwischt wird. Also das ist schon sehr gefährlich, was der da gemacht hat und in Wohngebieten wird man ständig irgendwie gesehen und haben wir auch gehört, dass der Tesla hatte da eine Kamera und das haben ja auch mal viel mehr Autos jetzt. Also, dass man den nicht findet bei so vielen Taten, das ist glaube ich schon jetzt nicht so wahrscheinlich. Und gerade wenn du den Tesla nochmal ansprichst, das ist glaube ich auch eine Sorge von vielen Menschen, denn solche E-Autos brennen ja unter Umständen anders als Benziner oder Diesel, also Verbrennerautos. Gibt es denn Tipps von der Feuerwehr, wie man sich da verhält, wenn ein E-Auto irgendwo brennt? Ja, also Autos, die brennen, sind ohnehin gefährlich und da gab es ja vor einigen Jahren über die E-Autos einige Debatten, dass auch gerade diese Autos nochmal gefährlicher sind, wenn die in Brand geraten, weil das wohl viel schwieriger für die Feuerwehr ist, die zu löschen. Die brauchen dann auch spezielles Gerät dafür. Extrem viel Wasser, weil sich diese Batterien wohl sehr schnell wieder auch selbst entzünden können. Die Dämpfe von einem Brand sind ohnehin gefährlich, aber bei einem Elektroauto nochmal gefährlicher. Also man sollte sich da wohl in der Nähe am besten gar nicht aufhalten. Und das hatte ich ja eben schon mal gesagt, auf gar keinen Fall versuchen, selber irgendwie in so einer Haruck-Aktion jetzt dieses Auto zu löschen. Ich danke euch beiden für die Einblicke in diesen wirklich besonderen Fall und ein Dankeschön wie immer auch an euch zu Hause, an unsere Zuhörer für eure Aufmerksamkeit. Wenn ihr Gedanken habt zu diesem Podcast, Kritik, Lob, Fälle, die wir mal behandeln könnten, dann schlagt uns das doch alles gerne vor unter podcasts.reinische-post.de oder hier in den Kommentaren auf der Podcast-App eures Vertrauens. Mein Name ist Lilly Stegner und ich freue mich, wenn ihr beim nächsten Mal auch wieder dabei seid, wenn wir einen neuen Fall aufklären. Bis dahin. Tschüss. Hinreichend verdächtig.