Latest / Friedrich Nietzsche Podcast in Deutsch / Menschliches, Allzumenschliches I - Erstes Hauptstück - 11-15
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- 0:00Unterkapitel 11 die Sprache als vermeintliche Wissenschaft in
- 0:05diesem Abschnitt beschreibt Nietzsche die enorme Bedeutung
- 0:08der Sprache für die Entwicklung der Kultur und zugleich den
- 0:11fundamentalen Irrtum, der in ihr liegt.
- 0:14Die Sprache ist für ihn so bedeutsam, weil der Mensch in
- 0:17ihr eine eigene Welt neben die andere, die wirkliche Welt
- 0:20gestellt hat. Er schuf einen festen Ort aus
- 0:23Begriffen und Namen, von dem aus er die übrige Welt aus den
- 0:27Angeln heben und sich zum Herrn über sie machen konnte.
- 0:31Der entscheidende Irrtum war, dass der Mensch über lange
- 0:33Zeitstrecken an die Begriffe und Namen der Dinge wie an Äthenae
- 0:38Veritates ewige Wahrheiten geglaubt hat, dieser Glaube gab
- 0:44ihm den Stolz, sich über das Tier zu erheben, er meinte in
- 0:47der Sprache die wirkliche Erkenntnis der Welt zu besitzen.
- 0:50Der Schöpfer der Sprache war nicht so bescheiden zu glauben,
- 0:53dass er den Dingen nur Bezeichnungen gibt.
- 0:56Vielmehr wähnte er das höchste Wissen über die Dinge mit den
- 0:59Worten auszudrücken. Somit ist die Sprache die erste
- 1:02Stufe der Bemühung um die Wissenschaft, der Glaube an die
- 1:06gefundene Wahrheit ist die mächtigste Kraftquelle, die
- 1:09daraus geflossen ist. Erst sehr viel später, jetzt
- 1:13erst, sagt Nietzsche, dämmert es den Menschen, dass sie mit ihrem
- 1:16Glauben an die Sprache einen ungeheuren Irrtum verbreitet
- 1:19haben. Glücklicherweise ist es zu spät,
- 1:22um die Entwicklung der Vernunft, die auf diesem Glauben beruht,
- 1:25wieder rückgängig zu machen. Auch die Logik und die
- 1:28Mathematik, so fügt er hinzu, beruhen auf solchen
- 1:31ursprünglichen Irrtümern. Die Logik setzt die Gleichheit
- 1:35von Dingen voraus, die es in der wirklichen Welt nicht gibt, die
- 1:39Mathematik setzt exakte Linien und Kreise voraus, die es in der
- 1:43Natur nicht gibt. Diese Wissenschaften konnten nur
- 1:46entstehen, weil man an diese Fiktionen glaubte.
- 1:50Unterkapitel 12 Traum und Kultur hier vertieft Nietzsche seine
- 1:56Idee aus Unterkapitel 5 und verbindet den Traum direkt mit
- 1:59dem Zustand früherer menschlicher Kulturen.
- 2:02Die Gehirnfunktion, die durch den Schlaf am meisten
- 2:05beeinträchtigt wird, ist das Gedächtnis, es wird auf einen
- 2:09Zustand der Unvollkommenheit zurückgebracht, wie er in
- 2:12Urzeiten der Menschheit bei jedermann auch am Tage und im
- 2:15Wachen existierte. Dieses primitive Gedächtnis ist
- 2:18willkürlich und verworren. Es verwechselt fortwährend die
- 2:21Dinge aufgrund der flüchtigsten Ähnlichkeiten.
- 2:24Nietzsche behauptet nun, dass die Völker mit der genau selben
- 2:27Willkür und Verworrenheit ihre Mythologien dichteten.
- 2:32Auch heute noch neigt der Wilde, wie Reisende beobachten, zur
- 2:35Vergesslichkeit und dazu, aus bloßer Erschlaffung Lügen und
- 2:39Unsinn hervorzubringen, im Traum, so Nietzsche, gleichen
- 2:43wir alle diesem Wilden. Das schlechte Wiedererkennen und
- 2:47das Irrtümliche gleichsetzen ist der Grund für das schlechte
- 2:50Schließen. Logische folgern, dessen wir uns
- 2:53im Traum schuldig machen, wenn wir uns einen Traum deutlich
- 2:57vergegenwärtigen, erschrecken wir oft, weil wir so viel
- 3:00Narrheit in uns bergen, auch die vollkommene Deutlichkeit aller
- 3:04Traumvorstellungen, die einen unbedingten Glauben an ihre
- 3:06Realität voraussetzt, erinnert uns an Zustände früherer
- 3:10Menschheit. In denen Halluzinationen
- 3:12außerordentlich häufig waren und mitunter ganze Gemeinden und
- 3:15Völker ergriffen. Die Schlussfolgerung lautet, im
- 3:18Schlaf und Traum machen wir das Pensum früheren Menschentums
- 3:21noch einmal durch, der Traum ist also eine Art
- 3:24entwicklungsgeschichtliche Wiederholung, die uns einen
- 3:27Einblick in die Denkweise unserer Vorfahren gibt.
- 3:31Unterkapitel 13 Logik des Traumes.
- 3:37In diesem sehr detaillierten Unterkapitel erklärt Nietzsche,
- 3:40wie die Logik des Träumens funktioniert.
- 3:43Er beginnt damit, dass unser Nervensystem im Schlaf
- 3:45fortwährend durch vielfältige innere Anlässe erregt wird, das
- 3:49Blut zirkuliert, die Lage drückt auf Glieder, der Magen verdaut
- 3:53die Stellung des Kopfes, spannt Muskeln an, all dies erregt das
- 3:56gesamte System bis in die Gehirnfunktion hinein, der Geist
- 4:00sucht nun nach Gründen für diese Erregungen, der Traum ist für
- 4:04Nietzsche genau das. Das Suchen und vorstellen der
- 4:07Ursachen für diese erregten Empfindungen ergibt ein
- 4:10Beispiel. Wer seine Füße mit 2 Riemen
- 4:13umgürtet, träumt vielleicht, dass 2 Schlangen seine Füße
- 4:16umringeln dies ist zuerst eine Hypothese, dann ein Glaube,
- 4:21begleitet von einer bildlichen Vorstellung, der Geist des
- 4:24Schlafenden urteilt, diese Schlangen müssen die Ursache
- 4:27jener Empfindung sein, die ich habe, die so erschlossene
- 4:31nächste Vergangenheit wird durch die erregte Fantasie zur
- 4:34Gegenwart. Nietzsche fragt sich, warum der
- 4:37Geist im Traum so fehlerhaft schließt und sofort an die erste
- 4:40beste Hypothese glaubt, während derselbe Geist im Wachen
- 4:43nüchtern und skeptisch ist. Seine Antwort ist revolutionär,
- 4:48so wie der Mensch jetzt im Traum schließt, so schloss die
- 4:51Menschheit auch im Wachen viele Jahrtausende hindurch.
- 4:54Die erste Ursache, die dem Geist einfiel, um etwas zu erklären,
- 4:58genügte ihm und galt als Wahrheit im Traum übt sich
- 5:01dieses uralte Stück Menschentum in uns fort.
- 5:04Der Traum ist die Grundlage, auf der sich die höhere Vernunft
- 5:07entwickelt hat. Er bringt uns in ferne Zustände
- 5:10der menschlichen Kultur zurück und gibt uns ein Mittel, sie
- 5:12besser zu verstehen. Das Traumdenken fällt uns heute
- 5:16so leicht, weil die Menschheit über ungeheure
- 5:18Entwicklungsstrecken genau auf diese Form des fantastischen und
- 5:22wohlfeilen Erklärens trainiert wurde.
- 5:25Der Traum ist somit eine Erholung für das Gehirn, das am
- 5:28Tage den strengeren Anforderungen der höheren Kultur
- 5:30genügen muss. Einleitung von Gemini zu den
- 5:35nächsten Kapiteln in diesem Abschnitt des Buches beschäftigt
- 5:40sich Friedrich Nietzsche intensiv mit den Grundlagen
- 5:42unseres Denkens und Fühlens. Er stellt viele Ideen in Frage,
- 5:47die uns selbstverständlich erscheinen, er will zeigen, dass
- 5:50viele unserer tiefsten Überzeugungen, unsere Moral und
- 5:53sogar unsere Art, die Welt zu sehen, nicht auf ewigen
- 5:57Wahrheiten beruhen, sondern sich über lange Zeit.
- 6:00Aus Irrtümern, Bedürfnissen und falschen Annahmen entwickelt
- 6:03haben. Er lädt uns ein wie ein Chemiker
- 6:06unsere Begriffe und Gefühle zu analysieren und ihren wahren
- 6:09Ursprung zu entdecken. Unterkapitel 14 Miterklingen in
- 6:17diesem sehr kurzen Abschnitt geht es darum, wie wir Gefühle
- 6:20wahrnehmen und benennen. Nietzsche sagt, Wir neigen dazu,
- 6:24komplexe Gefühle als eine einzige einheitliche Sache zu
- 6:27betrachten. Wir sprechen zum Beispiel vom
- 6:30moralischen Gefühl oder vom religiösen Gefühl, als wäre
- 6:34jedes davon eine einzelne, klar abgrenzbare Empfindung.
- 6:38Nietzsche widerspricht dem entschieden, er erklärt, dass
- 6:41diese sogenannten Einheiten in Wahrheit wie große Ströme sind,
- 6:45die von hunderten verschiedenen Quellen und Zuflüssen gespeist
- 6:48werden, ein Gefühl wie das religiöse Gefühl ist also nicht
- 6:51eine Sache, sondern ein komplexes Gemisch aus vielen
- 6:54kleineren Empfindungen, Gedanken, Erinnerungen.
- 6:58Und Stimmungen, die in uns gleichzeitig miterklingen.
- 7:02Der wichtige Begriff hier ist miterklingen man kann es sich
- 7:06wie bei einem Musikinstrument vorstellen, wenn eine Saite
- 7:09angeschlagen wird, schwingen andere Saiten leise mit und
- 7:12erzeugen einen volleren Klang. Genauso ist es bei unseren
- 7:15Gefühlen. Eine starke Stimmung bringt
- 7:18viele verwandte Empfindungen und Gedanken in uns zum Schwingen,
- 7:22Nietzsches Warnung lautet also, nur weil wir ein einziges Wort
- 7:25für ein Gefühl haben. Zum Beispiel Liebe oder Hass.
- 7:29Bedeutet das nicht, dass es sich dabei auch um eine einzelne
- 7:32einfache Sache handelt, die Einheit des Wortes täuscht uns
- 7:36über die Vielfalt und Komplexität des eigentlichen
- 7:39Gefühls hinweg, wir sollten uns nicht von der Sprache dazu
- 7:42verleiten lassen, die Dinge einfacher zu sehen, als sie
- 7:45sind, unter Kapitel 15 kein innen und außen in der Welt.
- 7:53Hier kritisiert Nietzsche eine grundlegende Angewohnheit von
- 7:56Philosophen und eigentlich allen Menschen, die Welt in ein innen
- 8:00und ein außen zu unterteilen. Wir glauben oft, dass wir durch
- 8:05tiefe Gefühle, wie zum Beispiel bei einem erhabenen
- 8:07Naturerlebnis, tief in das Innere der Welt vordringen und
- 8:11dem Herzen der Natur nahe kommen.
- 8:14Nietzsche hält das für eine Illusion, er sagt, dass ein
- 8:18Gefühl nur deshalb tief ist, weil es mit komplexen und schwer
- 8:21greifbaren Gedanken verbunden ist die wir ebenfalls als tief
- 8:25bezeichnen. Wenn man diese Gedanken von dem
- 8:28Gefühl trennen würde, bliebe nur ein starkes Gefühl übrig, dieses
- 8:32starke Gefühl selbst sagt aber nichts über die Wahrheit der
- 8:35Welt aus, es beweist nur sich selbst.
- 8:38Also die Tatsache, dass es ein starkes Gefühl ist.
- 8:41Er vergleicht das mit einem starken Glauben, ein starker
- 8:44Glaube beweist nur, dass der Glaube stark ist, aber nicht,
- 8:48dass das, woran man glaubt, auch wahr ist.
- 8:51Genauso ist es mit tiefen Gefühlen.
- 8:53Sie geben uns keine tiefere Erkenntnis über ein angebliches
- 8:56Wesen oder Innere der Welt. Die Unterscheidung zwischen
- 8:59einer inneren Wahrheit und einer äußeren Erscheinung ist eine
- 9:03menschliche Erfindung, die uns in die Irre führt.