Latest / BZ am Ohr / Wie sieht die Zukunft des Journalismus aus?
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- Heute sprechen wir bei BZ am Ohr mal über uns, über den Beruf des Journalisten und die Zukunft des Journalismus. Medien tun sich schwer damit, junge Menschen zu erreichen, Zeitungen wie die BZ genauso wie der öffentlich-rechtliche Rundfunk. Dabei ist guter Journalismus so wichtig für die Demokratie. Aber wie informieren sich junge Menschen eigentlich heute? Und was ist ihnen wichtig? Was soll Journalismus leisten? Das haben wir ein paar Leute unter 30 gefragt. Ich bin 25 Jahre alt und ich nutze unterschiedliche Medien, um mich zu informieren. Klar, Top 1 ist natürlich das Smartphone, weil man das immer zur Hand hat. Ich höre tatsächlich aber auch rund um die Uhr gefühlt Radio. Oder am Fernsehen nutze ich tatsächlich auch ganz oft die Mediatheke von ZDF oder der ARD. Ich finde, die machen das eigentlich ganz gut. Ich finde es auch super, dass jetzt mehr und mehr einfach auf Social Media passiert, dass man gerade über Instagram einfach schnellere Nachrichteninformationen bekommt. Ich bin 23 Jahre alt und zu meinen alltäglichen Medien gehören auf jeden Fall Instagram und TikTok. Ich informiere mich größtenteils über die aktuellen News über Instagram, über die Tagesschau-Seite würde ich sagen. Den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, wie jetzt beispielsweise Das Ding oder SWR, höre ich auf jeden Fall nur rein auf dem Weg zur Arbeit, morgens im Auto. Also von den Medien erwartet man vor allem, dass sie anschaulich präsentiert werden und vor allem auch leserlich geschrieben sind, dass es einladend ist und man einfach Lust darauf hat, sich darüber mehr zu informieren. Ich benutze keinerlei Instagram, Facebook, TikTok oder sonstige neuen Apps. Ich beziehe meine Nachrichten hauptsächlich aus der Tagesschau-App und der New York Times-App. Letzteres ohne Abo. Und der South China Morning Post einfach für einen Perspektivwechsel. Ich lese keinerlei regionale Zeitung. und die öffentlich-rechtlichen Sender konsumiere ich hauptsächlich durchs Radio und ab und zu durchs Heute-Journal. Ich bin 27 Jahre alt. Ich nutze hauptsächlich soziale Medien und Streaming, auch online, meistens über Podcasts. Und den öffentlich-rechtlichen Rundfunk nutze ich aktiv selten, passiv dann wahrscheinlich schon öfter, als man denkt, mit Podcasts und alle möglichen Online-Formaten, die es ja gibt, die irgendwie durch Funk oder auch generell den ÖAR einfach finanziert werden. Aber Zeitungen und Nachrichten, Websites verwende ich zum Beispiel eigentlich gar nicht. Ich bin 22 Jahre alt und nutze überwiegend die sozialen Medien auf meinem Handy. Deshalb würde ich sagen, dass ich mich auch überwiegend über Instagram und Co. informiere. Da folge ich zum Beispiel der Tagesschau und es werden mir auch andere aktuelle Beiträge vorgeschlagen zu den Themen, die gerade relevant sind. Wenn mir dann was wichtig erscheint, dann google ich das auch nochmal nach. Das Radio läuft bei uns zu Hause oder auch bei mir im Auto auf dem Weg zur Arbeit und von den Medien erwarte ich allgemein, dass sie mich direkt ansprechen, also dass es irgendwie ein Foto oder eine Schlagzeile gibt, die mich direkt catcht. Wichtig ist mir dann aber vor allen Dingen, dass der Text dazu klar und verständlich geschrieben ist, sodass man die wichtigsten Infos gleich parat hat und trotzdem versteht, worum es geht, ohne einen langen Text lesen zu müssen. Nachrichten klar und verständlich erklären, das war jahrzehntelang das tägliche Brot von Christoph Ebner. Er war bis vor kurzem Leiter des SWR Regionalstudios in Freiburg. Mein Kollege James Röderer hat mit Christoph Ebner darüber gesprochen, wie Journalistinnen und Journalisten heute die Menschen erreichen können, nicht nur die junge Generation. Es geht um Morddrohungen und Fake News, um Influencer und Trump, um KI und Kleintierzüchter und um die Bedeutung des Journalismus für die Demokratie, heute aber auch in der NS-Zeit. Mein Name ist Dora Schölz, ich bin Redakteurin der Badischen Zeitung und ihr hört BZ am Ohr. Jede Woche ein Thema, das Südbaden bewegt. Ja, mein Name ist Herr Wunder. Schönen guten Tag zu einem neuen BZ-Podcast. Ich freue mich sehr hier im Studio als Gast. Ein Kollege, alter Bekannter, Christoph Ebner, langjähriger Leiter des SWR-Studios hier, Regionalschutios in Freiburgs, größte Regionalschutio vom SWR. Der Christoph ist Journalist, klar, Nachrichten-Junkie, Hotzenwälder, Katholik, alles hat eine Rolle gespielt so ein bisschen in seiner Karriere. Er ist zudem noch Vorsitzender des Fördervereins vom NS-Doku-Zentrum hier in Freiburg und er hat 50 Jahre Journalismus bis jetzt gemacht, muss ich sagen. Er hat schon als 16-Jähriger als freier Mitarbeiter beim Südkorea angefangen, bei sich zu Hause, das wird er uns nachher gleich erzählen. War dann später Volontär bei der Bistumszeitung Konradsblatt, hat dann für die Badischen Neuesten Nachrichten Südkorea gearbeitet, war freier. Und dann jetzt eben lange Jahre beim SBR, ist 2016 nach seiner Zeit in Baden-Baden, da war er unter anderem, glaube ich, Leiter der Multimedia-Nachrichten, ist 2016 zurück nach Freiburg gekommen, erst als Redaktionsleiter und nun seit 2019 als Studioleiter bis zum vorvergangenen Freitag. Als ein langes, langes Journalistenleben rechnen wir die ersten Fragen. Christoph, wie war deine erste Woche als Rentner? Ja, als Rentner fühle ich mich noch gar nicht so richtig. Ich bin ja so in der Übergangsphase jetzt, so ist mein Eindruck. Also ich hatte letzte Woche schon richtig viel zu tun wieder. Ich habe noch eine Veranstaltung moderiert und ich habe einfach schlichtweg auch ein paar Sachen noch sortiert. Und von dem her gesehen hat sich die letzte Woche eigentlich gar nicht so angefühlt wie eine Rentnerwoche. Okay. Du gehst in einer Zeit, die herausfordernd ist, insgesamt, aber speziell auch für Journalistinnen und Journalisten, für Journalismus insgesamt. Der öffentlich-rechtliche Grundfunk hat es schwer, Hörerinnen und Hörer, Zuschauerinnen und Zuschauer in jüngeren, vor allem in jüngeren Alters zu erreichen, wie klassische Zeitungen, Zeitschriften, ebenfalls ganz ähnlich. Die Gen Z informiert sich, hat eine Studie von euch von ARD ZDF letztes Jahr ergeben zu 70% über soziale Medien, TikTok, Insta. Mit welchen Gefühlen geht man dann so aus einer leitenden Funktion beim öffentlichen Rechtlichen raus? Also ich gehe zuerst mal raus mit dem Gefühl der Dankbarkeit, muss ich wirklich sagen. Also das war eine tolle Zeit, das ist ein tolles Unternehmen. Ich konnte unwahrscheinlich vieles machen beim SWR. Ich habe Projekte geleitet, ich war in zwei Bundesländern unterwegs. Ich war ganz oft in Diensten der ARD, auf Bundesparteitagen und so weiter. Also ich habe wirklich sehr viel gesehen, durfte dann einmal nach Zürich gehen, nach Genf gehen und dort arbeiten. Also die Dankbarkeit eigentlich, um eine gute Zeit gehabt zu haben, die überwiegt schon. Und ich habe auch den Eindruck, dass ich das Studio jetzt in einem sehr guten Zustand sozusagen hinterlassen habe. Wir hatten einen großen Personalwechsel. Es sind viele Babyboomer in den Ruhestand gegangen und deswegen sind neue Leute gekommen. Und ich glaube, es ist uns gelungen, gemeinsam wirklich tolle Leute zu finden. Also Dankbarkeit überwiegt. Natürlich gucke ich sehr kritisch an, was die Entwicklung unseres Berufs angeht, was sowas angeht, wie dass Journalistinnen und Journalisten sich fürchten müssen, dass sie attackiert werden, Morddrohungen, zum Beispiel jetzt gegen die ZDF-Kollegin Dunja Heilali. Das sind Dinge, die gehen mir schon sehr, sehr nahe. Und letztendlich ist es einfach so, dass sich dieser Markt auch verändert hat. Und wir versuchen jetzt junge Leute natürlich über die sozialen Medien zu erreichen. Wir haben hier in Freiburg mit Unser Freiburg von Das Ding einen sehr, sehr erfolgreichen Kanal. Wir erreichen hier sehr, sehr viele junge Leute. Und ich glaube, das ist der Weg, den wir gehen müssen. Das war mir schon immer wichtig. Ich habe auch schon mal drei Jahre lang ein Projekt geleitet, Kindernachrichten im SWR. Da haben wir für Kinder Nachrichten produziert. Und du weißt als Journalist, nichts ist schwieriger als Kindern Inhalte nahezubringen, sie zu erklären in klarer Sprache, in einfacher Sprache. Ja, das hat mich schon immer beschäftigt. Wie erreichen wir unser Publikum? Machst du dir Sorgen, weil eben von der jüngeren Generation, Also unter 30 Jahren, sagen wir mal, eben so viele, so ein hoher Prozentsatz. Überhaupt gar keine normalen Nachrichtenzeiten mehr besucht. Ich glaube nur noch 30 bis 40 Prozent hat die ARD-ZDF-Umfrage ergeben, informieren sich überhaupt auf den klassischen Nachrichtenzeiten, wie wir sie natürlich alle betreiben. Macht dir das Sorgen auf die Zukunft? Ja, das macht mir zum einen Sorgen, das ist richtig, aber noch mehr Sorge macht mir eigentlich, dass es eine Masse an Desinformationen gibt, dass es eine Masse an Fake News gibt, an Falschinformationen und dass die Fähigkeit abhanden kommt, zwischen richtig und falsch zu unterscheiden. Und das sehe ich auch als eine große gesellschaftliche Gefahr. Der Club of Rome, eher bekannt als eine Organisation, die auf Umwelt und auf die Erde guckt sozusagen, die hat vor einiger Zeit genau das formuliert. Es ist wichtig, dass die Menschen zwischen falsch und richtig unterscheiden können. Und wenn wir so Entwicklungen angucken in autoritären Staaten oder in Staaten, die Richtung eines autoritären Regimes gehen, die Wahrheit stirbt zuerst, heißt das. Und man sieht dort, dass einfach mit Lügen gearbeitet wird, mit falschen Informationen. Und ich habe den Eindruck, dass die Menschen überflutet werden mit diesen Desinformationen. Und das halte ich für gefährlich. Oberbürgermeister Martin Horn, der aber auch bei deiner Verabschiedung eine kleine Rede gehalten hat. Er hat über Medien und Demokratie geredet, hat Hannah Arendt zitiert, einen schönen Satz. In dem Moment, in dem wir keine freie Presse mehr haben, kann alles passieren. Das Satz, den man gerade, wenn man zum Beispiel auf die USA schaut, eigentlich eine klassische oder eine der ältesten Demokratien überhaupt. Und trotzdem muss man sich da, glaube ich, große Sorgen machen. Ja, wir sehen ja in den USA auch ganz stark, dass die Republikaner, dass Trump dort vor allen Dingen sehr stark gewonnen hat, wo es keine Lokalzeitungen mehr gibt. Und wo die Menschen Journalismus nicht mehr wahrnehmen, sondern sich nur noch informieren über ihre Kanäle, die sie haben in Social Media, die sind in Blasen unterwegs, sie lesen dort nur das, was sie lesen wollen oder lesen sollen. Die werden gesteuert durch Algorithmen und erleben die Wirklichkeit einfach nicht mehr so, wie sie ist. Und das macht mir schon Sorgen und ich glaube, wir müssen dem als Journalistinnen und Journalisten, was entgegensetzen und letztendlich schauen, dass wir mit unserer Arbeit, mit guter Recherche, mit Nachfragen, mit beide Seiten angucken, mit beiden Seiten reden, mit auch einer inhaltlichen Kontrolle, in der Form, dass einfach etwas erst dann rausgeht, so ist es zumindest bei uns und bei euch bei der BZ wahrscheinlich ähnlich, was jemand gegengelesen hat, was letztendlich dann in dem Kollegialsystem eben dann eine Qualitätskontrolle erlebt hat. Also ich glaube, dass es nach wie vor ein. Dass es nach wie vor eine gute Basis gibt für guten Journalismus. Und es zeigt sich ja auch, dass wir als ADNZDF weiterhin sehr viele Menschen erreichen in dem Land. Aber auch große Zeitungen erreichen nach wie vor sehr viele Menschen. Ich habe gelesen, dass die Zeit sogar zugelegt hat. Zum Teil ganz erheblich. Es ist eine Zeitung, die ich seit vielen Jahren jede Woche lese. Es freut mich, dass die einen guten Journalismus machen. Und dass ich offenbar nicht der Einzige bin. dass es das sieht. Die Deutsche Zeitung hat gerade am Wochenende einen schönen Bericht gemacht über sogenannte Newsfluencer und auch einen vorgestellt, Fabian Krischkatt heißt der und nach dem Artikel es gibt eben einen Trend. Personalisierung, dass eben eine bestimmte Person folgt und schaut, was der in den News liefert und da wird natürlich die Trennung von Nachricht und Kommentar, so wie wir es natürlich alle kennen und gelernt haben, gibt es nicht mehr und der Newsfluencer rät jetzt den klassischen Medien und wir sollen unseren Werten treu bleiben, im Auftreten aber leichtfüßiger und vertikal snackable zu sein, also Inhalte lieber als Häppchen zu servieren. Ihr macht, du hast es gerade gesagt, unser Freiburg, PZ, wir haben auch Instagram-Kanäle, die auch erfolgreich sind, es gibt keine Alternative. Also Häppchenjournalismus, das ist ja so ein Schlagwort. Ich kann damit relativ viel anfangen. Gekommen, ja, auch aus dem Nachrichtenjournalismus und letztendlich muss ich es schaffen, innerhalb von 40 Sekunden oder von einer Minute eine schwierige Sache zu erklären. Und das geht aber, indem ich mich dann konzentriere auf einen Hauptaspekt, vielleicht noch einen Nebenaspekt dazunehme, dass ich mich dafür entscheide, genau über das zu berichten und dass ich das so formuliere, dass es jemand versteht in einer Alltagssituation, beim Autofahren oder beim Hausaufgaben machen oder eher zu Hause beim Kochen oder sowas. Radio ist ja oftmals so ein Nebenbeimedium. Und da muss man die Dinge eigentlich schon so einfach erklären, ohne sie zu verfälschen, dass sie ankommen bei den Leuten. Und ich glaube, das ist eine Aufgabe vom Journalismus, zu vereinfachen, ohne zu verfälschen. Und eben die Herausforderungen sind einerseits eben die sozialen Medien, andererseits die großen Konzerne wie Google. Auch da gab es jetzt gerade einen Bericht, auch bei uns in der Zeitung, dass eben durch KI, wenn User was eingeben, Fragen eingeben, gibt KI die Antwort, auch zu lokalen Fragen. Wer kalendiert in Freiburg bei der Oberbürgermeisterwahl, kommt die Antwort. Aber die Leute landen dann nicht mehr bei uns oder bei euch, beim SWR oder bei der Baden-Württemberg auf der Seite, sondern sie sehen die Übersicht nur noch bei Google. Es reicht, wenn sie bei Google bleiben, was wiederum die Medien, die Verlage, die Rundfunkanstalten Reichweite kostet. Also auch da gibt es Druck auf der Seite, natürlich speziell für die privaten Verlage. Also auch da wird es immer schwieriger. Wie geht es weiter? Na gut, aber im Lokalen sehe ich es ganz oft, dass wenn ich jetzt eine Suche eingebe und ich habe eine Antwort von KI, dann klicke ich einen Schlag weiter und dann komme ich auf eine Quelle und da ist beispielsweise dann die Badische Zeitung, ein Artikel von euch oder es ist ein Artikel, ein Online-Artikel von uns oder eine Seite von uns verlinkt. Also der zweite Klick ist oft halt direkt dann auf der Quelle, auf den Medien. KI schafft es einfach genial, Dinge zusammenzufassen, Oftmals auch falsch, das wissen wir. Aber letztendlich ist es einfach eine Maschine, die es schafft, die Dinge so runterzubrechen, dass die Leute sehr, sehr schnell auch dann Inhalte bekommen. Und wenn sie natürlich dann tiefer reingehen, dann kommen sie dann schon zu den Quellen. Und auch beim öffentlichen Rechnen gibt es ja viele Diskussionen. Es steht auch immer wieder mal im Feuer. Gerade jetzt aktuell gibt es die Debatte um Julia Roos, die Mitarbeiterin, die das Magazin klar moderiert hat, das vom NDR und Bayerischen Rundfunk zusammen ausgestrahlt wurde. Und der NDR hat es mit ihr, glaube ich, nicht verlängert, nach den drei zunächst ausgemachten Folgen. Der BER beschäftigt sie weiter. Den NDR-Kolleginnen und Kollegen war sie zu konservativ oder sogar zu rechts. Und der Streit hat jetzt riesen Aufmerksamkeit bekommen in allen Medien. Es gibt sehr viele unterschiedliche Meinungen dazu. Wie siehst du, macht sich da ÖRR, der öffentliche Rundfunk, gefallen? Hätte man das nicht eleganter lösen können? Dazu kann ich dir schlecht was sagen. Einfach deswegen, weil ich weder beim BR noch beim NDR arbeite. Ich kenne die Hintergründe nicht. Ich kenne nur das, was darüber berichtet wurde. Deswegen, also ich habe mal gelernt in diesem Beruf, dann etwas zu sagen, wenn ich von was Ahnung habe und wenn ich mich eingelesen habe, wenn ich mich mit etwas beschäftigt habe, aber zu Dingen, wo ich einfach sagen muss, nee, damit habe ich mich jetzt nicht intensiv beschäftigt, da werde ich mir jetzt im Podcast der badischen Zeitung in zwei Minuten keine Meinung bilden oder sowas. Das wäre auch anmaßend. Und ich glaube, das ist auch etwas, was ich Journalisten und Journalistinnen rate, auch etwas demütig zu sein. Und zuerst mal die Dinge genau anzugucken, bevor man sich eine Meinung bildet. Es ist auch nicht unsere Aufgabe, sofort ein Haar in der Suppe zu suchen. Viele Dinge in diesem Land laufen auch gut. Und auch das ist Aufgabe von uns, darüber zu berichten. Du hast gerade ein bisschen eingesprochen, so ein bisschen den Berufsethosjournalist. Vor 10, 20 Jahren waren es mehr junge Menschen, die irgendwas mit Medien machen wollten. Wenn du jetzt zurückdenkst, du hast sehr, sehr früh angefangen, schon als Teenager. Was war der Grund, du kommst aus dem Hotzenwald, wie kommt man dann als Hotzenwälder Junge auf die Idee her, ich will Journalist werden? Ja, also es war nicht so, dass ich jetzt ein Superschüler in Deutsch gewesen wäre oder sowas. Das wäre eine komplette Falschmeldung sozusagen. Es war einfach so, ich war gesellschaftlich einfach interessiert an der Welt. Und die Tageszeitung, wir hatten zwei Tageszeitungen, südgehörige und badische Zeitungen, die haben halt die lokale Welt abgebildet. Und ich war damals schon aktiv in der Jugendarbeit und dann ging es einfach darum, wie schaffen wir es jetzt der Zeitung, was zu erzählen, was in der Jugendarbeit läuft. Und einmal kam jemand, hat dann über so eine Nicaragua-Aktion geschrieben und da haben wir ein bisschen um die Augen gerollt, weil das leider Gottes nicht alles so richtig dargestellt wurde. Und dann den nächsten Artikel habe ich dann einfach versucht, selber zu schreiben. Und dann hat sich das so ein bisschen etabliert. Und dann habe ich so Aufträge gekriegt, wirklich so abends zur Generalversammlung des Kleintierzüchtervereins zu gehen, wo irgendein Hase prämiert wurde oder ein Vorstand neu gewählt wurde. Der Klassiker. Ich habe diesen Beruf wirklich von der Pike auf gelernt. Und ich habe auch wahnsinnig viel gelernt, dadurch eine Redakteurin meine Texte redigiert hat. Und zwar richtig redigiert. Die waren oftmals, zumindest der Anfang der Texte, war komplett umgeschrieben und sowas. Und da habe ich gelernt, ich muss anders schreiben. Und am Anfang war das ja auch so, immer so ein Schock vor so einem leeren Blatt Papier zu sitzen. Vor allen Dingen bei Terminen, wo es keine Tagesordnung oder sowas gab. Über eine Gemeinderatssitzung ist es einfacher zu schreiben wie über irgendein Fest oder irgend sowas, wo man eine Idee haben muss, wo man mit Leuten geredet haben muss. Ja, und da habe ich mich halt Stück für Stück eingearbeitet. Und es gab damals, der erste Artikel wurde mit sechs Pfennig pro Zeile vergütet. Und dann gab es ein bisschen mehr Honorar. Das war immer noch wenig, aber es war einfach auch interessant, dann unterwegs zu sein. Und letztendlich hat sich das einfach so fortgesetzt. Irgendwann konnte ich mir ein gebrauchtes Auto kaufen. Es war ein VW Käfer für 450 Mark und mit dem auf die Termine fahren. Ja, und so wurde ich halt dann im Südschwarzwald, also ich bin geboren in Morg und war dann so im Hotzenwald unterwegs, wurde ich rasender Reporter, war abends bei einer Gemeinderatssitzung in Herr Schried, am Wochenende bei irgendeiner Festivität. Dann gab es irgendwie Ärger mit einem kleinen Flusskraftwerk und dann habe ich mit den Leuten geredet und so weiter, bin ich in diesen Beruf ja so reingewachsen. Und irgendwann hatte ich dann auch Lust, ein Volontariat zu machen. Die Hotzenwälder gelten jetzt gerade nicht als übermäßig mitteilsam, mindestens uns hier unten in Freiburg. Ist das dann ein Vorteil, wenn man selber Hotzenwälder ist? Wenn man die gleiche Sprache spricht, der gleiche Dialekt? Also ich glaube, das ist immer ein Vorteil. Das ist mir auch immer wieder aufgefallen, wenn ich fürs Radio unterwegs war, in dem Moment, wo ich im Schwarzwald war. Menschen, die dann hören, der redet unsere Sprache, der redet allemannisch. Dann sagen die dir auch mehr, als wenn irgendjemand kommt. Und sie haben den Eindruck, der versteht mich ja sowieso nicht richtig. Und wie muss man sich so eine Kindheit vorstellen in Morg? Eine Kindheit war super. Meine Oma hat ein Lebensmittelgeschäft, heute würde man sagen so ein Tante-Emma-Laden. Das war damals schon ein sogenannter Selbstbedienungsladen. Also da sind die Morgern einkaufen gegangen. Wie groß ist Morg? Ja, Morg war damals, würde man sagen, so 3.000 Einwohner, die Größenordnung. Und ich glaube, es gab sechs, sieben kleine Edeka-Läden, beziehungsweise kleine Läden. Und zwei Bäckereien. Und es gab, das war vor kurzem mal mit meinem Bruder durchgezählt, sieben Gaststätten. Da war die Dichte an Läden, an Gaststätten und so weiter einfach noch höher, weil die Menschen nicht so mobil waren. Viele, die bei uns eingekauft haben, die hatten auch kein Auto. Dann sind die halt die Lederkasse in den Edeka-Laden gelaufen von meiner Oma, haben dort eingekauft. Für mich als Kind war das ein Abenteuerspielplatz. Das war einfach klasse. Also der Kindergarten war mega langweilig dagegen. Da hat sich immer alles wiederholt. Und in diesem Edeka-Laden, da kamen immer neue Kunden rein. Und dann hat man sich mit denen unterhalten können. Und dann hat man denen helfen können. Und das war so die Zeit, wo auch sehr viele Gastarbeiter, so hieß es damals, am Moor kamen. Dann lag das italienische Wörterbuch auf dem Tresen und dann kam jemand und will nie vergessen, der hat eine Tube Zahnpasta in der Hand und sagt, er braucht das, aber anders, das, anders und sowas. Und wir haben nachgeguckt, Zahnpasta, was kann der meinen? Ja, am Schluss hat sich das rausgestellt, er wollte eine Tube Senf. Die Tube war gleich der Inhalt ein bisschen anders. Ja, genau. Und wir hatten Milchprodukte, die Milch wurde aus einer großen 40 Liter Kanne geschöpft, ein Liter oder ein halber Liter und das war echt toll. Und ich bin im Morgen zur Schule gegangen, dann später nach Säckingen zur Realschule mit dem Zug, später mit dem Fahrrad. Das war eine sehr, sehr schöne Kindheit. Und ganz, ganz wichtig war die Jugendarbeit für mich. Das war einfach die Möglichkeit, auch mal rauszukommen. Da wir diesen Laden hatten, hatten wir eigentlich nie die Möglichkeit, Urlaub zu machen. Der war immer offen. Ich glaube nicht, dass der einmal zu hatte. Und dann bin ich halt in die Jugendfreizeit gegangen. Was war das dann für eine Jugendarbeit? Das war Katholische Jugend, KJG. Das war bei uns der Verband, der am stärksten war. Und da gab es immer im Sommer ein Jugendlager und am Anfang im Schwarzwald, dann in der Schweiz, die Schweiz war ja damals noch billig und, mit der Zeit habe ich die dann selber organisiert mit anderen zusammen und ich glaube, ich habe da auch sehr viel gelernt, was so. Verantwortung angeht, was aber auch Kommunikation angeht. Die Jugendarbeit hat mich schon sehr, sehr geprägt. Und du hast bei deiner Verabschiedung noch eine schöne Geschichte erzählt, wie das Pushkartenschreiben funktioniert hat zu den damaligen Zeiten in Morg. Ja, ich hatte den Spitznamen. In Morg ist der wahrscheinlich heute noch bekannt. Hieß Boffi, das kommt daher, ich konnte als ganz kleiner Steppke, konnte ich meinen Namen nicht aussprechen und habe irgendwie gesagt Hitzboff. Hitzboff statt Christoph. Und aus diesem Boff, Hitzboff wurde Boffi. Und das war irgendwie da mein Spitzname. Es war damals auch so, dass jeder irgendwie einen Spitznamen hatte. Das war völlig normal. Und ich war einfach der Boffi und das war dann ja so bekannt im Dorf, dass eine Postkarte geschickt wurde mit Boffi Morg ohne Straße, ohne Postleitzahl, Briefmarke muss ja natürlich drauf sein, aber das hat funktioniert. Ich habe noch zu Hause einen Bierdeckel, den mir irgendjemand aus Griechenland geschickt hat mit Boffi Morg. Nicht schlecht. Genau, du hast gesagt, katholische Jugendarbeiten, das spielt dann ein bisschen eine Rolle. Bei deiner ersten beruflichen Station beim Volontariat bist du dann zum Konradsblatt gegangen. Wie kommt das? Das ist ganz interessant, finde ich. Ja, es war so, ich habe schon vorher fürs Konradsblatt geschrieben. Also die Zeitung von der Erzsitzöse Freiburg. Genau, die Redaktion in Karlsruhe und damals beim Badenia Verlag. Und ich kann dir nicht mehr genau sagen, wie es zum ersten Artikel oder sowas kam. Ich kann mir gut vorstellen, ich habe denen irgendwas angeboten und eine Reportage angeboten oder irgendein Thema. Es war ja auch so, als freier Journalist, eine gute Geschichte, war ja immer nur dann eine gute Geschichte, wenn man sie mehrfach absetzen konnte. Ein Honorar war ja auch oftmals wirklich sehr wenig Geld für die Zeit. Und dann habe ich für das Konversblatt angefangen zu schreiben und zuerst zu dem Seckinger-Bereich, dann bis runter Rheinfeldl, Lörrach, mal eine Geschichte über die Insel Reichenau und dann mal was über ein Kloster in Frankreich, dann habe ich denen eine Geschichte, Zitat für, aus Assisi vorgeschlagen und ich sage, fahr da hin und sowas. Also das war schon so, dass sie einfach auch Interesse hatten an Kloster. Guten Texten und ich habe ja auch immer fotografiert an Bildern, auch gerne an einem schönen Titelbild. Noch weit weg von der Digitalfotografie natürlich, mit Dunkelkammer und Schwarz-Weiß-Filmen. Ja, ja. Und dann habe ich dort nachgefragt, ob ich ein Volontariat abmachen kann und zuerst kam eine Ablehnung und dann haben sie sich das aber überlegt, weil die hatten nie ein Volontär und ich fand das, und das habe ich auch gesagt, ein bisschen blöd, dass man sagt, wir haben das nie, wir haben das nie gemacht. Dann machen wir es auch nicht. Und ich habe gesagt, das ist irgendwie eine doofe Antwort oder so, irgendwas in diese Richtung. Und ja, und dann haben die sich überlegt und haben gesagt, dann bieten wir jetzt auch eine Ausbildung an. Und ich war dann der erste Volontär des Konradsplatzes und hatte auch wahnsinnig Lust auf diese Ausbildung, weil damals war das dann schon so, dass dort auch im überbetrieblichen Teil dabei war mit Radio und Fernsehen. Und das hat mich natürlich total interessiert. Und die Tageszeitungen waren damals einfach noch nicht so weit. Da ging es oft rum, wenn einer kam, der schon schreiben konnte. Du kannst dich erinnern an die Zeiten, da war man eine willkommene Urlaubsvertretung. Krankheitsvertretung und sowas. Gelernt hat man da auch, war es klar. Aber ich hatte halt so richtige Kurse, also beispielsweise einen Nachrichtenkurs mit dem Nachrichtenchef der Süddeutschen Zeitung, mit Megiska. Das war natürlich klasse, so Leute dann auch zu erleben. und von so Leuten lernen zu können. Und da war eine Auslandskorrespondentin von der FAZ, die uns Reportage beigebracht hat und sowas. Ja, und dann halt in Ludwigshafen gab es ein Studio und dann ging es halt auch darum, Radio und Fernsehen zu machen und rauszugehen, mit dem Kameramann zu drehen, nachher zu schneiden, dann auch eine Sendung zu fahren und sowas. Letztendlich war das dann schon eine gute Vorbereitung auf das, was ich dann später beim Südwestrundfunk gemacht habe. Und dann bist du trotzdem nach dem Möllentariat nochmal zur Tageszeitung zurückgekehrt, zu zwei verschiedenen, glaube ich. Die erste Station war speziell. Die erste Station, das war in der Tageszeitung in Karlsruhe, die Badischen Neuesten Nachrichten. Da war ich nur relativ kurz, weil der damalige Chefredakteur, der war nicht so mit meinem Stil, würde ich jetzt nicht sagen, aber der war so nicht so mit meinen Themen einverstanden. Ich hatte den Eindruck, dass er so bei seinen eher rechtskonservativen Leuten dann ein bisschen Druck kriegt, dass das jetzt in der BDNN steht. Und dann hat er mich ins Büro geholt, abends, ich weiß es noch wie heute, und hat gesagt, alle größeren Geschichten, die ich schreibe, muss ich ihm vorlegen. Und dann dachte ich, okay. Im Moment überlegt, dann bin ich runter, habe meine Schreibmaschine genommen und habe meine Kündigung geschrieben und sie ihm zehn Minuten später auf den Tisch gelegt und muss sagen, das war, glaube ich, das einzig Richtige. Und da muss ich es aus dem Südkurierhoch anerkennen. Ich habe dann dort angerufen, habe gesagt, so und so ist das gelaufen in Karlsruhe, habt ihr was für mich? Und der zuständige Chef der Lokalredaktion hat zu mir gesagt, wir haben nichts offen, aber du kannst am Montag kommen. Also das war, ja, der hat mich noch gekannt aus der Zeit, in Säckingen, heute Bad Säckingen, und hat dann mal geguckt, was der denn so geschrieben hat und wie viel er auch geschrieben hat, das war ein raum Thema, ob jemand auch wirklich so Output bringt. Und ja, dann bin ich zum Südkiräu gegangen und ich hatte da damals auch mal ein Angebot noch vom Südwestfunk, aber irgendwie wollte ich zuerst mal Zeitung machen. Das war mir einfach irgendwie wichtig und dann bin ich halt später zum Südwestfunk gegangen. Und du bist ja Nachrichtenredakteur geworden. Was hat dich an den Nachrichten so fasziniert? Also an den Nachrichten fasziniert mich heute noch die Schnelligkeit. Dass von Ihnen im Radio, es kommt eine Eilmeldung oder es passiert was, es gibt ein Erdbeben in Baden-Württemberg und du kannst sofort ans Mikrofon gehen. Also diese Erdbebensituation hatte ich einmal und dann haben wir die Hörer und Hörerinnen auch gefragt, was ist bei euch passiert? Dann haben die angerufen und das war wie ein Radar sozusagen. Wir hatten innerhalb von einer Viertelstunde wussten war, wo man das überall gespürt hat. Und es ist Gott sei Dank nichts Größeres passiert. Es hat halt mächtige Rums, und ihre Gläser sind umgefallen und Bücher sind aus dem Bücherregal gekippt. Und so in dieser Größenordnung war das. Und dann nach ganz kurzer Zeit darüber berichten zu können, fand ich klasse. Ich fand auch dieses Schnellsein, dass man wirklich so noch während der Nachrichtensendung. Dem Sprecher eine Meldung bringen kann, die er dann vorliest und das schiebt man dann so auf den Tisch, so ganz vorsichtig, das soll man ja nicht hören und dann sagt dann der Kollege und jetzt kommt noch eine Eilmeldung. Die Sowjetunion hat sich eben entschieden, das oder eben sowas. Und das fand ich schon gigantisch gut. Das war das eine und das andere ist, schwierige Dinge einfach zu erzählen, in kurzen Sätzen, in klaren Worten sich zu überlegen, wie kann ich Dinge, übersetzen für die Hörerinnen und Hörer, dass sie sofort ins Ohr gehen. Das fand ich einfach immer eine Herausforderung und das hat mich an den Nachrichten auch gereizt. Es waren auch ein paar andere Dinge, zum Beispiel, dass sie rund um die Uhr laufen. Ich habe auch gerne Nachtschicht zum Beispiel gemacht. Ich fand das immer eine Zeit, wo man ja, wo man so diesen Tag nochmal aufarbeiten konnte und letztendlich war es ja so. Wir waren nachts dann einfach auch verantwortlich für den Inhalt. Man hat ja nur dann mal die Abteilungsleitung oder Redaktionsleitung angerufen, wenn es wirklich eine ganz große Sache war oder sowas. Hat nachts mit Korrespondenten telefoniert. Ich weiß nicht, wie oft ich mit meiner Kollegin auf dem Balkan zum Beispiel telefoniert habe nachts, wenn irgendwelche Meldungen kamen. Und es ging darum, die einzuordnen. Es ging darum, die zu verstehen, sich mit ihr dann abzusprechen. Wie schätzt du das ein, ist das, was die Agentur meldet, ist das plausibel und sowas. Und das hat mich an Nachrichten schon immer gereizt. Deswegen bin ich bis zum letzten Tag letztendlich den Nachrichten auch immer treu geblieben. Und du bist dann später ja auch Leiter der Multimedia-Redaktion gewesen. Dann hat man ja irgendwann wahrscheinlich gemerkt, irgendwas verändert sich jetzt. Internet wird immer größer, wird immer wichtiger. War bei uns, bei der Zeitung so, war bei euch so. Nicht überall haben alle Kolleginnen und Kollegen das gleich so richtig super gefunden. Bei euch war das wahrscheinlich ähnlich, dass man erstmal ein bisschen Überzeugungsarbeit als Multimedia-Redakteur leisten musste, oder? Jetzt kommt ihr vom Internet wieder. Ja, das ist absolut richtig und letztendlich war ich aber immer eher so einfach neugierig. Im Schwarzwald nennt man sowas einen Wunderfitz, also jemand, der neugierig ist, der das Neue interessiert, der sich damit auseinandersetzen will. Und deswegen habe ich wahrscheinlich eher immer zu denen gehört, die neue Dinge probiert haben und andere haben halt immer den Untergang des Abendlands beschworen. Und in diesem Feld habe ich mich da irgendwo bewegt. In Baden-Baden haben wir den ersten Social-Media-Desk aufgemacht, um Social Media zu beobachten und auch dort aktiv unterwegs zu sein. Wir haben die damalige Radio-Hörfunk-Redaktion dann zu einer Multimedia-Redaktion entwickelt, haben dort Online-Nachrichten gemacht, haben diese Kindernachrichten gemacht für Radio, Fernsehen, Online. Nein, also da hat sich schon auch sehr viel getan und letztendlich war es so, der SWR hat schon sehr früh damit begonnen, die jungen Journalistinnen und Journalisten multimedial auszubilden. Und denen war es natürlich dann auch wichtig, multimedial zu arbeiten. Und wenn du dann Redaktionsleiter bist von einer Radioredaktion, die ausschließlich Radio macht, dann bist du einfach für die Leute nicht mehr so attraktiv. Und deswegen war es mir auch wichtig, dass wir eine Redaktion sind, wo man multimedial arbeitet und nicht nur ein Medium im Blick hat. Wir haben vorher schon ein bisschen über die Probleme im Journalismus geredet. Und jetzt von jemandem wie dir, der so lange mit Leidenschaft, wie man es ja merkt, im Job war. Warum empfiehlst du jungen Leuten, trotz all dieser Probleme, trotzdem unseren Beruf zu ergreifen, zu euch zu gehen, zum SBR, zu uns, zur Zeitung zu gehen? Warum ist es immer noch ein toller Beruf? Also ich glaube, es ist einfach deswegen ein toller Beruf, weil. Diese Vermittlung von Informationen einfach sehr herausfordernd ist. Und weil es dabei bleibt, dass ich irgendwo hingehe, mir was angucke, dass ich vor Ort bin, dass ich recherchiere, dass ich auf dem Spargelacker stehe, in den Gummistiefeln, dass ich im Winter auf dem Feldberg oben bin, wenn es dort zu berichten gibt, dass wir wirklich vor Ort recherchieren. Dieses Vorort ist eine Floskel, aber wir gehen wirklich raus. Und schwitze mit der Lütz. Und ich stelle halt fest, es reicht dann nicht, irgendwie mal in Google zu gucken. Weil vieles, was wir vor allem im Lokal machen, das steht nicht in Google. Das steht erst in Google, wenn wir es hatten. Und von dem her gesehen finde ich das nach wie vor spannend, in diesem Berufsfeld zu arbeiten. und es ist auch so, dass wir jetzt keine Probleme haben, neue Leute zu finden. Also die Attraktivität vom Studio ist da, die Attraktivität des Berufs ist da. Natürlich ist auch eine Stadt wie Freiburg nochmal ein Magnet. Also von dem her gesehen kein Problem, Nachwuchs zu finden. Das ist eine Herausforderung natürlich, diesen Beruf weiterzuentwickeln und es ist eine Herausforderung auch, diesen Beruf zu bestehen, wo es andere Informationswege gibt, die es früher nicht gab, Aber gut, das muss jetzt die nächste Generation leisten. Und du hast ja neben deinem Job auch im Ehrenamt einiges gemacht. Eine ehrenamtliche Tätigkeit, für die möchte ich mal kurz herausgreifen. Du bist der Vorsitzende vom Förderverein, vom neuen NS-Doku-Zentrum. Das in diesem Jahr aufgemacht hat. Wie sei der zufrieden jetzt mit den ersten Monaten? Also für das Doku-Zentrum zu reden, der Besuch war wirklich toll. Da haben, ich meine, wenn ich es richtig im Kopf habe, über 25.000 Leute, Menschen haben das Haus schon angeschaut. Das ist auch so, dass die Menschen, die es anschauen, dass sie anders rauskommen, wie sie reingegangen sind. Und du als Lokaljournalist weißt ganz genau, was Nähe mit Menschen macht. Und dieses Haus vermittelt diese Nähe. Du stehst auf einmal vor der Lessing-Realschule, die du kennst und siehst, das war eine jüdische Zwangsschule. Du siehst das Regierungspräsidium und kannst sehen, das war die Gestapo-Zentrale. Also Geschichte wird sehr nahe. Und aufgeräumt wird natürlich auch mit diesem Märchen, mit diesem Mythos, ja, Freiburg, da war ja nichts sozusagen. Nee, es war halt da auch eine Stadt, die sehr früh die Jüdinnen und Juden deportiert hat, zusammen mit anderen Städten in Baden-Württemberg-Pfalz. Also ja, da gibt es noch ganz viel zu erzählen. Also insgesamt sehr zufrieden, dass das Haus so angenommen wird, wobei ich aber nicht fürs Haus stehe, sondern für den Förderverein. Unsere Aufgabe ist es, zum einen das Haus in der Zivilbevölkerung zu verankern. Wenn sich Menschen entscheiden, in den Förderverein zu gehen, dann zeigen sie auch, ich stehe hinter dieser Einrichtung. Und das andere ist, dass wir auch letztendlich über die Spenden, die wir sammeln, Dinge ermöglichen wollen, die es sonst nicht gibt. Auch Forschungsarbeit und letztendlich einfach auch da dieses Haus unterstützen. Ich habe mich das ganze Leben lang aus der Politik herausgehalten, war da immer fern der Politik und bin es weiterhin, aber habe dann gesagt, in diesem Bereich möchte ich mich engagieren. Letztendlich geht es um die Auseinandersetzung zwischen Demokratie und Diktatur. Und ich glaube, es ist eine Zeit, wo man auch Demokratie sehr stark verteidigen muss, weil sie angegriffen wird von innen und von außen und deswegen habe ich mich entschieden, da mitzumachen. Zuerst wurde ich gefragt, ob ich da mitmache und dann wurde ich gefragt, ob ich das in den Vorsitz übernehme. So schnell geht es. So schnell geht es so oft. Es ist auch ein tolles Vorstandsteam, in dem wir arbeiten. Wir haben diverse Veranstaltungen jetzt auch. In Freiburg gehabt, vom Förderverein. Jetzt kriegt er eine Lesung mit Michael Moos über sein Buch, wo er sein Leben und das Leben seiner Familie schildert. Das sind auch immer spannende, interessante Abende und dieses Thema Erinnerungskultur und Vermittlung von Erinnerungen, glaube ich, das ist total wichtig in unserer Gesellschaft. Und das sehe ich jetzt auch ein bisschen meinen Platz, wenn ich nicht mehr jeden Tag ins Studium muss, kann ich mich da stärker engagieren. Also klare Botschaft, hingehen ins NS-Doku-Zentrum, zweite Botschaft, Mitglied werden bei euch im Förderverein. Ja, also eine Mitgliedschaft im Förderverein zeigt einfach, ich stehe hinter dem Haus. Und das haben jetzt auch sehr viele schon ergriffen. Wir haben bald 400 Mitglieder und der Verein gibt es, ich glaube, jetzt drei Jahre. Also das ist, finde ich, ganz erfolgreich. und es zeigen einfach auch sehr viele Menschen über diese Mitgliedschaft, dass sie das gut finden, dass Freiburg sowas hat und dass die Stadt da engagiert ist und da wirklich auch viel Geld in die Hand genommen hat, um dieses Haus einzurichten. Ja, und ich finde auch die Konzeption vom Haus hervorragend. Das beginnt nicht irgendwie 1933, sondern 1918. Und es zeigt auf, wie Deutschland aus einer Demokratie raus, und zwar sehr schnell zu einer Diktatur wurde und auch wie fragil Demokratie ist. Und das ist ein Thema, das uns jetzt ja auch wieder sehr stark beschäftigt. Und es geht dann von 1918 über die Weimarer Republik, geht es dann in den Nationalsozialismus, in der Dauerausstellung zeigt diesen Nationalsozialismus auf, wie er in Freiburg gewütet hat und zeigt aber dann auch auf, wie schwierig, wie unendlich schwierig war. Es war, dort wieder rauszukommen, es aufzuarbeiten, bis heute eigentlich. Und ich glaube, dieses Spannungsfeld ist sehr wichtig. Und wichtig ist, dass junge Leute dieses Haus auch sich anschauen. Und das ist der Fall. Es kommen sehr viele Schülergruppen, es gibt viele Führungen auch für die. Und die setzen sich dort auseinander. Und ich glaube, mit denen macht es auch nochmal was, wenn Sie sehen, ja, das war ja nicht nur in Berlin oder da war irgendwo ein Krieg in Russland oder irgend sowas, sondern hey, das war in meiner Straße. Und da haben Jüdinnen und Juden gewohnt. Und das waren ganz normale Nachbarn und waren Schulfreunde und waren Vereinskollegen. Und dann waren die auf einmal weg. Und das sind auch die Kinder, die zu Hause vielleicht gehört haben, ja, wir haben ja von nichts gewusst, von den Großeltern. Und dieses Haus räumt damit auf. Sehr spannend. Und wenn wir jetzt noch auf dich schauen, auf deine Ebene, du bist jetzt raus aus dem harten Hamsterrad des Berufsalltags. Wie kriegst du jetzt deine Tage rum? Willst du noch weiter ein bisschen Journalismus machen? Ja, also ich will weiterhin ein bisschen journalistisch arbeiten, aber nicht mehr auf großer Flamme sozusagen. Und geht es aber jetzt mal ganz langsam an sozusagen. Und ich moderiere gern, finde es schön, mich in Themen einzuarbeiten. Und dann einen schönen Abend zu moderieren. Das finde ich sehr, sehr spannend und das würde ich weiterhin tun. Vielleicht schreibe ich noch ein bisschen was, das wird sich zeigen. Natürlich mache ich auch für das Dokumentationszentrum noch einiges, was wir vielleicht noch dort auch noch veranstalten können, beziehungsweise da kann ich mich engagieren. Also langweilig wird es mir nicht. Letztendlich ist es aber auch schön, sich einfach mal zu bewegen. Ich bin, wie du vielleicht weißt, Leidenschaft der Brennholzmacher sozusagen. Gehe in den Wald und mache da mein Brennholz mit einem Freund oder spalte das alles zu Hause mit der Spaltaxt auf und sowas. Also mir wird es überhaupt nicht langweilig oder sowas. Diese Angst habe ich eigentlich nicht. Das klingt doch wunderbar. Dann wünsche ich mir dir alles Gute für die Zukunft. Lieber Christoph, war ein super spannendes Gespräch. Ich bedanke mich sehr herzlich und freue mich auf unsere weiteren Begegnungen hier in der Stadt und sonst wo. Danke, Christoph. Ja, wir werden uns wieder treffen, James. Ich danke dir. Ciao. Ciao. Das war BZ am Ohr, der Podcast der Badischen Zeitung. Jede Woche ein Thema, das Südbaden bewegt.