Latest / Die Lage international mit Christian Mölling / Nach der Wahl in Sachsen-Anhalt: „Die AfD wird vor einem Dilemma stehen“
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- 0:07Es ist Donnerstag, der 10. September. Herzlich willkommen zum Stern-Podcast
- 0:12Die Lage International mit Christian Mölling, Senior Advisor beim Brüsseler
- 0:16Think Tank European Policy Center.
- 0:20Guten Morgen, Herr Mölling. Hallo, guten Morgen, Herr Gattmann.
- 0:23Mein Name ist Moritz Gattmann. Ich bin Auslandsreporter für den Stern mit Schwerpunkt Osteuropa.
- 0:29Herr Mölling, ganz Deutschland diskutiert seit Tagen über den Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt.
- 0:35Bevor wir darauf zu sprechen kommen, wie das Ausland darauf blickt und welche
- 0:39Folgen das aus dieser Perspektive hat.
- 0:41Welche sicherheitspolitischen Folgen hat dieses Ereignis denn in Deutschland
- 0:45selbst beziehungsweise direkt in Sachsen-Anhalt? Also ich will da mal gleich
- 0:49ein konkretes Beispiel nennen.
- 0:51In der Stadt Sangershausen in Sachsen-Anhalt will das israelische Rüstungsunternehmen
- 0:56namens Elbit eine Fabrik bauen.
- 0:59Und da regt sich schon reger Protest dagegen.
- 1:03Wie wird sich so etwas unter einer AfD-Regierung entwickeln?
- 1:08Das kann ich Ihnen ehrlich gesagt nicht sagen. Ich glaube, das wird unter der
- 1:11Bedingung, dass es eine AfD-Regierung gibt.
- 1:13Ich glaube, so muss man ja mal erst mal anfangen. Denn zurzeit gibt es ja auch
- 1:16noch Spekulationen darüber, ob die AfD tatsächlich den Hut aufnimmt,
- 1:22der hier in den Ring geworfen worden ist, obwohl es sogar ihr eigener Hering
- 1:25ist oder ihr eigener Hut ist.
- 1:27Aber das beiseite. Wenn die AfD die Regierung stellt, dann muss sie sich eben
- 1:33entscheiden, ob sie tatsächlich die Möglichkeit auf Wirtschaftswachstum haben
- 1:36will durch solche Angebote.
- 1:38Oder ob sie aus bestimmten anderen Gründen, die man als legitim oder illegitim
- 1:43finden kann, wir wollen das nicht.
- 1:45Das heißt dann, der Standort wandert woanders hin. Und ich glaube,
- 1:48das ist das, was man hier mit verbinden muss. Interessant wird es dann,
- 1:52wenn man sozusagen in so ideologische Dilemmata reinkommt. Jetzt kann man Elon
- 1:57Musk total toll finden und hoffen, dass der eine Tesla-Fabrik baut.
- 2:01Möglicherweise macht er das gar nicht, aber die amerikanische Regierung bietet
- 2:04eben an, amerikanische Rüstungsgüter in Sachsen-Anhalt zu produzieren oder aber
- 2:08nur fordert Deutschland auf, mehr davon zu kaufen.
- 2:11Dann wird es wieder, glaube ich, ein Dilemma für die AfD, weil man ja eigentlich
- 2:15versucht, auf einen Antikriegskurs zu gehen, beziehungsweise man dann gucken
- 2:20muss, wie man mit dem BSW, mit dem man möglicherweise paktiert,
- 2:22dann irgendwie klarkommt.
- 2:24Also hier sind, glaube ich, noch eine ganze Menge Dilemmata für eine mögliche
- 2:29AfD-Regierung, die da schlummern.
- 2:32Insgesamt muss man gerade in dem wirtschaftlichen Bereich sagen.
- 2:37Wenn du es nicht möchtest, es wird jemand anders da sein, der es möchte.
- 2:40Also in zweitem Fall ein anderes Bundesland in Deutschland oder einfach ein anderes Land in Europa.
- 2:46Genau. Schauen wir mal auf das Ausland. Deutschland ist ja über die letzten
- 2:50Jahre zum Zugpferd bei der Unterstützung der Ukraine geworden,
- 2:55nachdem die Amerikaner wegen Trump quasi ausgefallen sind.
- 2:59Wie sicher ist diese Unterstützung denn jetzt überhaupt noch?
- 3:04Also ich glaube erstmal, dass der AfD-Sieg in Sachsen-Anhalt daran erstmal nicht
- 3:09so wahnsinnig verändert. Jetzt muss man glaube ich nochmal so erstens formal
- 3:12sagen, Außensicherheits- und vor allem Verteidigungspolitik sind Aufgabe der
- 3:16Bundesregierung und nicht irgendeiner Landesregierung.
- 3:19Ich weiß, das geht manchmal auch in Bayern etwas schwer runter, aber das ist halt so.
- 3:23Dazu kommt halt einfach auf, das muss man glaube ich nochmal sagen,
- 3:25Sachsen-Anhalt ist ein extrem kleines Bundesland.
- 3:28Das heißt also auch das, was man hier in die Waagschale aus einer machtpolitischen
- 3:32Perspektive werfen kann, ist nicht groß. Das Einzige, womit man jetzt wuchern
- 3:36kann, ist die Aufmerksamkeit, die man zum Zeitpunkt, zum jetzigen Zeitpunkt hat.
- 3:39Das macht die AfD sehr gut, dass sie damit sozusagen versucht, das zu machen.
- 3:42In 100 Tagen ist, glaube ich, die Frage, ob es tatsächlich dann immer noch genauso gut funktioniert.
- 3:48Was man allerdings nicht tun sollte, ist jetzt zu glauben, das ist nur so ein
- 3:53Anfangsjubeln auch auf der Seite Russlands und der Seite der USA.
- 3:57Wir müssen davon ausgehen, dass es Akteure gibt, die sehr bewusst Sachsen-Anhalt
- 4:02nehmen, um damit einen Keil tiefer in Deutschland reinzutreten.
- 4:05Ich glaube, das gehört einfach mit dazu.
- 4:08Natürlich hat die Wahl eine Auswirkung, weil jetzt eben Diskussionen anfangen.
- 4:12Das sieht man. Das ist sowieso nie eine statische Situation in Deutschland gewesen.
- 4:18Aber natürlich sind die Parteien, vor allen Dingen SPD und CDU,
- 4:23CSU mit sich selbst beschäftigt.
- 4:26Beide verlieren, sind nicht auf einem aufsteigenden Ast, sondern eher auf einem absteigenden Ast.
- 4:31Und natürlich kommt das Ukraine-Thema zurück aus zwei Gründen.
- 4:35Ich glaube, erst mal, weil man an sich selbst zweifelt und zweitens aus einer,
- 4:40Unterscheidungsperspektive, dass man sagt, okay, kann ich hier nochmal einen
- 4:44extra Punkt machen gegenüber dem anderen, weil ich mich da irgendwie davon distanziere.
- 4:49Und wenn das, was wir zurzeit sowohl bei einigen SPD- und einigen CDU-Abgeordneten
- 4:55als Absetzbewegung sehen, dann ist es am Ende so, dass mindestens dieses Ziel,
- 5:01wir unterscheiden uns von den anderen, nicht da sein wird.
- 5:04Denn jetzt stellen dann auf einmal alle die Ukraine-Unterstützung irgendwie
- 5:07so ein bisschen infrage. Also ein Alleinstellungsmerkmal ist es dann auch wiederum für keinen mehr.
- 5:12Sie haben gerade gesagt, Sachsen-Anhalt, kleines Bundesland,
- 5:15so viel können die nicht bewegen. und Außenpolitik ist sowieso Sache der Bundesregierung.
- 5:20Aber gibt es nicht die Möglichkeit, jetzt nehmen wir mal an,
- 5:23es gibt eine von der AfD geführte Regierung in Sachsen-Anhalt,
- 5:28dass die im Bundesrat bestimmte Dinge einfach blockieren können?
- 5:33Was diese Bereiche angeht, eigentlich nicht. Da muss man glaube ich nochmal
- 5:38unterteilen zwischen dem, was formal, das heißt also verfassungsgemäß,
- 5:43das Recht des Bundesrates ist und der Bundesländer ist.
- 5:47Also das sind auch nochmal zwei unterschiedliche Sachen.
- 5:51Und das, was sich eingeschliffen hat, was sozusagen Usus ist,
- 5:56also wie zum Beispiel die Ministerpräsidentenkonferenz, die ist kein rechtssetzender
- 6:04und auch kein exekutiver Körper in der deutschen Verfassungslandschaft.
- 6:09Es hat sich eingebürgert, dass das als Abstimmungsgremium genutzt wird.
- 6:13Und wir sehen jetzt eben gerade, dass darüber eine Aufmerksamkeit kreiert wird
- 6:17nach dem Motto, die AfD wird jetzt
- 6:19möglicherweise den Sitz nicht in der Ministerpräsidentenkonferenz kriegen.
- 6:23Das mag man gut oder schlecht finden. Das hat aber für die Entscheidungsfindung
- 6:28formal gesehen keinen Unterschied.
- 6:30Es sei denn, ich fange an, das Ding so groß zu machen und zu sagen,
- 6:35ah, und ich leuchte quasi mit allen Scheinwerfern, die ich habe,
- 6:39auf dieses Thema drauf und sage, seht her, hier passiert das Nächste.
- 6:44Und dann wird natürlich so eine Art von, soll man sagen, informeller Politik,
- 6:48von Softpower, die wird dann natürlich trotzdem mit sehr, sehr harten Konsequenzen kommen.
- 6:56Sie haben gesagt, dass sich durchaus auch in den nächsten Wochen und Monaten
- 6:59die Diskussion allgemein verändern könnte, auch über das Thema Ukraine.
- 7:03Es gab jetzt die Meldung, dass die Ukraine für das laufende Jahr noch einmal
- 7:0827 Milliarden Dollar braucht, quasi mehr als eingeplant.
- 7:15Und ist sowas denn so einfach möglich? Also es wäre ja auch,
- 7:19wenn Friedrich Merz jetzt Zustimmungswerte von 60 Prozent hätte,
- 7:22wäre es nicht ganz einfach in dieser Situation.
- 7:25Aber wir haben jetzt einen Friedrich Merz, der deutlich geringere Zustimmungswerte
- 7:29hat und eine Wahl gerade krachend verloren hat. Also bekommt die Bundesregierung
- 7:34das hin, die Bevölkerung davon zu überzeugen?
- 7:39Also ich glaube, erstmal muss man auch da nochmal ganz an den Anfang zurückgehen.
- 7:43Also erstmal ist das zur Zeit ein Gerücht, das rumläuft.
- 7:48Wie viel Geld es wirklich ist, wissen wir nicht.
- 7:51Und was sich jeder Hörer, jede Hörerin natürlich auch fragen wird,
- 7:54ist, wo ist denn das Geld geblieben?
- 7:56Auch dazu habe ich persönlich zum jetzigen Zeitpunkt keine Erkenntnisse.
- 8:00Das ist das Erste. Das Zweite ist, die 27 Milliarden, also das ist jetzt nicht
- 8:04so, dass das völlig vom Mond sozusagen kommt oder so.
- 8:07Wie gesagt, die Gerüchte gibt es und man hört das auch hier und da hinter vorgehaltener
- 8:12Hand. Also ich würde annehmen, es ist zumindest plausibel, dass da Geld fehlt,
- 8:16weil man schon so viel ausgegeben hat.
- 8:18Da muss man aber sagen diese 27 milliarden werden ja gar nicht durch uns alleine,
- 8:23sozusagen aufgebracht dass wir ja das falsche bild sondern jetzt müsste man
- 8:26den schlüssel anlegen und sagen wie viel trägt deutschland normalerweise wie
- 8:30viel machen wir jetzt davon ich habe das,
- 8:33jetzt für deutschland dieses jahr mal einmal kurz durchgerechnet also überschlag
- 8:38nicht durchgerechnet wir zahlen dieses jahr 11 milliarden,
- 8:42Das sind pro Monat, je nachdem wo sie wohnen, in Friedrichshain zwei Cappuccino,
- 8:49oder sonst irgendwo in Deutschland eine halbe Kiste Bier pro Monat, die sie weniger haben.
- 8:53Das ist für die meisten, glaube ich, tatsächlich verdaubar. Das heißt,
- 8:56selbst wenn wir die Anstrengungen verdoppeln würden,
- 9:00ist das wirklich, wir reden hier über sehr kleine Summen, die wir tatsächlich.
- 9:05Aus unserem Gesamtvermögen Deutschlands hier bereitstellen, sind das sicherlich
- 9:10kleine Summen, die wir auch nicht vor allem von dem Hintergrund,
- 9:13was wir für eine wirtschaftliche Leistungsfähigkeit haben.
- 9:16Das ändert nichts daran, dass es jeden interessiert und interessieren darf,
- 9:19was mit dem Geld ist und dass natürlich das zurzeit in dieser ganzen Atmosphäre,
- 9:24glaube ich, sozusagen einfach noch mit dazukommt und man wahrscheinlich darauf
- 9:28wetten kann, dass der eine oder andere einfach eine Story daraus dreht.
- 9:33Blicken wir nochmal auf die Reaktion im Ausland. Ich habe mich in dieser Woche
- 9:37mit verschiedenen Poolen unterhalten.
- 9:39Dort fürchtet man jetzt folgende Kombination. Deutschland rüstet massiv auf,
- 9:43aber dann übernimmt eine rechtsextreme und russlandfreundliche Partei die Macht.
- 9:48Herr Möding, Sie kennen ja besonders Frankreich gut. Wie war denn dort die Reaktion
- 9:53auf diesen Sieg der AfD in Sachsen-Anhalt?
- 9:56Naja, bei den Franzosen ist es glaube ich so, dass die im Gegensatz zu den,
- 10:04bei Polen muss man das glaube ich auch einsortieren, da ist es die Peace-Partei,
- 10:07wo die ja da in einem völlig anderen,
- 10:10Lager steht, völlig andere Ansichten hat als der polnische Ministerpräsident,
- 10:17und seine Partei in dem Zusammenhang.
- 10:19Und ich finde, er hat da schon klare Worte gefunden, dass man wirklich ziemlich
- 10:23schräg drauf sein muss, wenn man als Pole, Polin irgendwas Gutes daran finden
- 10:28kann, dass die AfD gewonnen hat.
- 10:30Und in Frankreich ist es auch eben so, dass die extreme Linke vor allen Dingen
- 10:35und die extreme Rechte darauf reagiert haben.
- 10:38Beide aber eben tatsächlich in der klassisch-französischen Art und Weise,
- 10:41in denen sie sagen, dass Deutschland damit eine Gefahr ist für uns.
- 10:45Also da muss man wirklich sagen, Leute wie der französische linksextreme Mélenchon,
- 10:54die haben halt wirklich schon sehr krude Ansichten.
- 10:56Die sind sehr nah beim BSW oder sowas in die Richtung. Das muss man schon sagen.
- 11:01Aber eben auf eine französische Art und Weise. Und das zeigt dann,
- 11:05glaube ich, das ist auch ganz wichtig, die Grenzen der Verbrüdungsmöglichkeiten von Nationalisten,
- 11:13die haben halt eben keine nationalistische Internationale.
- 11:17Das hat irgendwann seine Grenze, weil wenn das Definierende das Nationale ist,
- 11:21dann ist das ja auch die Unterschiedlichkeit, die sich daraus definiert.
- 11:25Es sei denn, sie kommen eben dann über das rassistisch-völkische und sagen,
- 11:29hier, Aria, Rasse und solche Geschichten.
- 11:32Aber auch das ist zur Zeit, glaube ich, noch nicht so wirklich zu erkennen und
- 11:35sowohl für Frankreich als auch für Polen ist, glaube ich, der Zweite Weltkrieg
- 11:40mit seinen Deportationen und Massenermordungen viel greifbarer als irgendeine,
- 11:46romantische arische Erzählung.
- 11:49Aber schauen wir mal etwas in die Zukunft. Wie gesagt, das waren jetzt nur die
- 11:53Wahlen in Sachsen-Anhalt.
- 11:55Aber wir haben demnächst vor uns Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern nächstes Wochenende.
- 12:02Also übernächstes Wochenende und in Berlin.
- 12:05Nehmen wir mal an, die laufen genauso katastrophal ab für die sogenannten Altparteien,
- 12:10wie die AfD sie gerne nennt.
- 12:13Dann fällt vielleicht die Bundesregierung auseinander. Es gibt Neuwahlen und
- 12:17die AfD schafft es, auf dieser Welle des Erfolgs tatsächlich zusammen mit dem
- 12:22Bündnis Saar-Wagenknecht eine Regierung zu bilden.
- 12:25Das ist jetzt alles rein hypothetisch, aber nehmen wir mal dieses Schreckensszenario an.
- 12:31Was würde dann sicherheitspolitisch passieren mit der NATO, mit der Ukraine,
- 12:35und was wäre mit dem Verhältnis zu den USA?
- 12:38Weil Trump freut sich ja jedes Mal über den Erfolg der AfD.
- 12:42Ja, also das ist extrem weit hergeholt.
- 12:46Das ist schon außerhalb dieses Universums, glaube ich, weil dazu muss man,
- 12:50glaube ich, mit dazu sortieren.
- 12:51Wir haben es in Sachsen-Anhalt gesehen oder die Sachsen-Anhalt-Wahl hat geholfen,
- 12:56genauso wie jetzt Mecklenburg-Vorpommern nochmal klarzumachen,
- 13:00wo sind eigentlich die Bevölkerungsmehrheiten und die sind halt nicht in den neuen Bundesländern.
- 13:07Da sind ungefähr 20 Prozent der Deutschen, 80 Prozent der Deutschen sind ganz woanders.
- 13:12Auch das wird ja bei so einer Wahl deutlich mitreflektiert. Das heißt also,
- 13:16selbst weil wir jetzt zwei Bundesländer haben oder sogar drei oder vier,
- 13:20wo man sagen muss, da steht die AfD sehr gut da, heißt das nicht,
- 13:24dass das ein Bundestrend ist.
- 13:26Okay, aber die AfD steht bundesweit, glaube ich, bei über 30 Prozent.
- 13:32Naja, ich glaube, das ist sehr unterschiedlich. Also da müssen wir uns jetzt
- 13:35glaube ich die Dinge nochmal rausziehen.
- 13:36Was noch mit dazu kommt ist, weil Sie Trump mit reingebracht haben,
- 13:40das alles wird ja eine Menge an Zeit kosten. Trump wird erstmal die Midterms,
- 13:43also die Wahlen im November so überstehen müssen, dass er handlungsfähig bleibt.
- 13:49Auch das ist eine große Frage.
- 13:51Daran hat die deutsche Parteienlandschaft nichts mit zu entscheiden.
- 13:55Von daher sind da, glaube ich, viele Sachen gleichzeitig in Bewegung.
- 13:59Und in dem Moment, also nehmen wir mal dieses Schreckensszenario,
- 14:03wird sich eine AfD-Regierung, das gleiche stellt sich ja schon alleine nur,
- 14:08wenn die AfD in der Koalitionsregierung mit drin ist, den Moment der Wahrheit haben.
- 14:13Nämlich das deutsche Wirtschaftsmodell hängt in extremer Art und Weise von der
- 14:19Europäischen Union und der Funktion des Binnenmarktes ab.
- 14:22Das heißt also, sie können Deutschland sehr schnell arm machen,
- 14:25indem sie den Dexit machen.
- 14:29Keine Ahnung, wo die Köpfe in der AfD da zurzeit stehen.
- 14:33Aber wenn man den Brexit nicht gesehen und nicht gelernt hat,
- 14:38was damit passiert, dann ist
- 14:40das natürlich ein Rezept, um dieses Land komplett vor die Wand zu fahren.
- 14:44Und in Bezug auf die Ukraine oder Russland, wie würde das bei so einem Szenario aussehen?
- 14:50Naja, also das halte ich ehrlich gesagt für ziemlich, also das jetzt hier sozusagen
- 14:55zu durchdenken, finde ich relativ ambitioniert, weil ich glaube,
- 15:00da müsste man sehr systematisch durchgehen, wie viele unterschiedliche Annahmen man dazu trifft.
- 15:05Und bei uns gilt so, wenn ich schon anfange, zwei Annahmen übereinander zu stapeln,
- 15:08dann wird es ziemlich wackelig, was ich da mache.
- 15:10Dann ist es besser zu sagen, da mache ich keine systematische Glaskugel-Lese
- 15:16aus dieser ganzen Sache. Okay.
- 15:19Aber schauen wir noch auf eine möglicherweise ermutigende Entwicklung.
- 15:23Nach den jüngsten, eher unproduktiven Trips des Duos Witkow-Kuschner nach Moskau
- 15:30und Kiew berichtet die Financial Times nun, dass eine andere Figur die Verhandlungen
- 15:35übernehmen soll, nämlich John Radcliffe.
- 15:37Wir erinnern uns, der hatte vor zwei, drei Wochen diesen Trip nach Moskau,
- 15:41diesen überraschenden.
- 15:43Er ist CIA-Direktor und aus ganz anderem Holz geschnitzt als der Geschäftsmann
- 15:48Whitcoff oder der Trump-Schwiegersohn Kuschner.
- 15:52Könnte diese Ernennung, wenn sie denn tatsächlich stattfindet,
- 15:57neue Dynamik in die Verhandlungen bringen, Herr Mölling?
- 15:59Ich glaube, dass wir nicht so ein radikales Austauschen sehen werden.
- 16:04Wir haben das ja immer schon mal wieder gesehen, dass Trump sozusagen die einen
- 16:07Leute nach vorne, die anderen nach hinten schiebt.
- 16:09Und das Teil quasi seines Spielmodells ist, dass er sich nie nur auf einen verlässt.
- 16:17Also es ist ja auch eben nicht nur Kushner alleine oder Wittkopf alleine,
- 16:20sondern Kushner und Wittkopf sind immer gemeinsam unterwegs.
- 16:24Wie viele berühmte Duos, möchte man jetzt fast sagen, nicht nur in der Weltgeschichte,
- 16:28sondern auch in der Filmgeschichte.
- 16:30Aber ich glaube, es kann sein, dass das.
- 16:36Ein zusätzlicher Hebel ist, ein zusätzlicher Gesprächskanal ist.
- 16:40Den aber Trump natürlich jederzeit wieder abschalten kann. Auch das gehört mit dazu.
- 16:44Also ich warne davor, jetzt sozusagen daraus eine Geschichte zu machen,
- 16:51die man dann im Grunde genommen in zwei Tagen wieder abräumen muss und sagen muss, ja,
- 16:55war nichts, weil Redcliffe hat jetzt gesagt, dass er eigentlich zwar einen neuen
- 17:00Titel hat, aber noch weiter weg ist von den ganzen Geschehnissen.
- 17:03Also da wäre ich sehr, sehr vorsichtig. Und es ändert ja auch auf Putins Seite in dem Sinne nichts.
- 17:09Oder es macht es, glaube ich, für die russische Seite ändern sich zwei Dinge.
- 17:16Erstens, sie haben dieses wunderbare,
- 17:19Du nicht mehr, dem sie einfach alles erzählen können und gut ist.
- 17:23Mit Radcliffe gewinnen sie wahrscheinlich mehr Verlässlichkeit.
- 17:28Die Frage ist, ob sie diese Verlässlichkeit positiv finden.
- 17:31Und das wird sich, ich glaube, das ist sozusagen, was man in einem Gesprächskanäle
- 17:34auf russischer Seite versucht auszuprobieren.
- 17:36Welchen Kanal kann ich ganz gut für was eigentlich nutzen? Also habe ich immer
- 17:41noch den, wie nutze ich den Kanal der hilfreichen Idioten?
- 17:45Und wie nutze ich den Kanal und wie kann ich ihn nutzen, den ich möglicherweise
- 17:49über einen CIA-Direktor habe?
- 17:50Sind das belastbare Kanäle auch? Also das ist, glaube ich, was die Russen dann,
- 17:55glaube ich, erst mal austendieren werden. Und da muss man halt einfach sagen,
- 17:59an dem Punkt sind die Russen halt eben keine Clowns.
- 18:03Vielen Dank für das Gespräch, Herr Möning. Sehr gerne. Das war die Lage International.
- 18:09Wir sind übrigens ausdrücklich interessiert an Ihrer Meinung zu dem,
- 18:12worüber wir hier sprechen.
- 18:14Schreiben Sie deswegen gerne Kommentare, Fragen, Anregungen,
- 18:17sogar Kritik auf Spotify oder direkt an dielageinternational.de.
- 18:25Wir sind gespannt. Und die nächste Folge gibt es wie gewohnt am kommenden Sonnerstag
- 18:28auf RTL Plus und überall sonst, wo Sie gerne Podcasts hören.
- 18:33Danke für Ihr Interesse und bis bald. Bis bald.