Latest / Anonym Suchthilfe – KI-gestützte Selbsthilfe / Neuer Recovery-Tagebuch-Eintrag: Emotionen neu lernen nach 28 Jahren Sucht 📖
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- 0:00Hallo und herzlich Willkommen zu unserer heutigen Vertiefung.
- 0:04Schön, dass du wieder dabei bist, dir Zeit für dich zu
- 0:07nehmen und ja, für spannende Einblicke.
- 0:10Hallo auch von mir. Wir schauen heute in einen ja
- 0:13sehr persönlichen Tagebuch rein von Gabriel Matzich auf seiner
- 0:17Plattform nilix. Berlin ist vom 22.
- 0:21August 2025 und der Titel sagt schon viel.
- 0:25Recovery Tagebuch, Emotionen neu lernen nach 28 Jahren sucht.
- 0:31Mhm, das ist wirklich ein roher und sehr ehrlicher Text und der
- 0:36Zeitpunkt ist auch krass. Er schreibt das, als er gerade
- 0:39mal 9 Tage und 23 Stunden clean ist.
- 0:43Genau eine unglaublich fragile, aber eben auch total
- 0:46entscheidende Phase. Absolut den Sucht überhaupt erst
- 0:49mal wieder zu entdecken und dann auch damit umzugehen.
- 0:53Was können wir da vielleicht für uns mitnehmen?
- 0:55Bevor wir da aber richtig reingehen, vielleicht noch ein
- 0:58wichtiger Punkt zum Kontext, oder?
- 1:00Ja, unbedingt. Gabriel, also der Autor, ist
- 1:04selbst betroffen von sucht und psychischen Themen, das ist ganz
- 1:07wichtig zu verstehen auf nilex Berlin teilt er eben Superoffen
- 1:11seine persönlichen Erfahrungen. Sein Ziel ist es ja, eine
- 1:14authentische Verbindung aufzubauen, dir und anderen zu
- 1:18zeigen, Hey, du bist nicht allein damit.
- 1:21Und diese Offenheit, die ist, glaube ich, der Kern von dem
- 1:24Ganzen hier. Absolut OK.
- 1:26Lass uns eintauchen. Gabriel fängt damit an, dass er
- 1:30am Vortag keinen Eintrag geschafft hat.
- 1:33Er war einfach platt, hat stattdessen The Blacklist
- 1:36geschaut, kennt man ja vielleicht.
- 1:38Ja, total verständlich in so einer Phase.
- 1:40Aber dann kommt er auf was anderes zu sprechen, was ihn
- 1:43Offenbach stark getriggert hat. Eine Situation vom Abend davor.
- 1:46Richtig, diese unerwartete Begegnung mit einem Nachbarn.
- 1:50Einem, der wohl vor Gericht negativ über ihn ausgesagt hat.
- 1:54Puh, das ist natürlich eine maximal aufgeladene Situation,
- 1:58richtig heikel. Total und seine innere Reaktion
- 2:01war sofort Alarmstufe rot. Er schreibt, Oje, Gabriel, achte
- 2:05auf deine Emotionen, er hat sofort die Gefahr gespürt, ja
- 2:09von Wut, Aggression, Enttäuschung, Trauer, alles
- 2:13bekannte Suchtdruckauslöser bei ihm.
- 2:15Emotionen, die er ja, wie er selbst sagt, gerade erst wieder
- 2:18so richtig kennenlernt. Genau und.
- 2:20Auch hier liegt ja eine der zentralen Aufgaben in der frühen
- 2:23Recovery, also in der frühen Genesung, diese Triggermomente
- 2:27überhaupt zu erkennen, die aufkommenden Emotionen
- 2:30wahrzunehmen, bevor sie einen, ich sag mal überrollen und dann
- 2:34eben alternative Strategien anzuwenden, statt in dieses alte
- 2:38Muster des Konsums zurückzufallen.
- 2:41Das ist harte Arbeit, nehme ich an.
- 2:43So ein aktives Umlernen im Gehirn, ja.
- 2:46Das ist es ein echtes Training. Und dieses Umlernen ist bei ihm
- 2:50ja eine ganz besondere Herausforderung.
- 2:52Er erklärt das auch, er stand praktisch seit seinem 14.
- 2:55Lebensjahr durchgehend unter dem Einfluss von irgendwelchen
- 2:58Substanzen, Medikamente, Alkohol.
- 3:01Drogen und die letzten 1314 Jahre davon, das ist schon
- 3:04heftig. Name Pulamidorn das ist ein
- 3:06starkes Opioid Substitut, so um die 20 ML täglich.
- 3:11Das heißt, echte, Nuancierte Emotionen, die.
- 3:15Die kennt er quasi kaum, hat er nie richtig gelernt.
- 3:18Eine Ex Freundin hat ihn wohl mal darauf angesprochen, dass
- 3:21seine emotionale Wahrnehmung irgendwie unnormal wirke.
- 3:25Er hat das damals schreibt er, überhaupt nicht verstanden.
- 3:28Weil es für ihn der Normalzustand war.
- 3:30Genau interessant ist auch, was er über Ecstasy sagt, dass er
- 3:35dadurch erste intensive Emotionen kennengelernt hat.
- 3:39Weil, so seine Erklärung, zu Hause eine emotionale Erziehung
- 3:43quasi nicht stattgefunden hat. Das ist schon ja krass.
- 3:49Gibt es dafür eigentlich eine Erklärung, warum das so
- 3:51tiefgreifende Auswirkungen hat, Sucht und Emotionen?
- 3:55Ja, die gibt es und die ist leider ziemlich eindeutig aus
- 3:58neurobiologischer Sicht. Wenn so ein intensiver
- 4:01Substanzkonsum schon mit 14 beginnt.
- 4:04Dann stört das massiv die Reifung des Gehirns, vor allem
- 4:07den präfrontalen Cortex. OK, und der ist wofür zuständig?
- 4:10Der ist entscheidend für Impulskontrolle, für
- 4:14Entscheidungsfindung und eben ganz zentral für die
- 4:17Emotionsregulation. Und dieser Bereich, der
- 4:19entwickelt sich bis Mitte 20, also eine ganz lange, wichtige
- 4:24Phase. Das heißt, diese Entwicklung
- 4:26wurde durch den Konsum quasi ja gestoppt oder zumindest stark
- 4:31behindert. Auf Eis gelegt.
- 4:33Genau das. Und es kommt noch was dazu.
- 4:35Jahrzehntelanger Opiatkonsum wie eben bei Polamidon führt zu
- 4:40nachweisbaren neuroplastischen Veränderungen, also Umbauten im
- 4:44Gehirn, speziell im limbischen System, das ist unser
- 4:47Emotionszentrum. Umbauten wie muss ich mir das
- 4:50vorstellen? Na ja, das Gehirn adaptiert sich
- 4:52an diese ständige Dämpfung durch die Substanz ist verlernt,
- 4:55sozusagen die natürliche Produktion und Verarbeitung von
- 4:58Emotionen. Die Nervenbahnen, die neuronalen
- 5:01Pfade, die werden umgebaut, um mit der Substanz zu
- 5:04funktionieren, nicht ohne sie. Das ist die Anpassung.
- 5:07Das klingt jetzt aber ziemlich entmutigend.
- 5:09Heißt das, das bleibt für immer so, ist das ein Dauerzustand?
- 5:12Nein, zum Glück nicht. Das ist die gute Nachricht.
- 5:14Es gibt ja die Neuroplastizität, also die Fähigkeit des Gehirns,
- 5:18sich zu verändern und neu zu lernen, und die ist der
- 5:21Schlüssel, aha, sie wirkt halt in beide Richtungen, das Gehirn
- 5:25kann diese emotionalen Kompetenzen wiedererlernen.
- 5:28Aber, und das ist wichtig, es ist ein langsamer Prozess.
- 5:32Es braucht viel Geduld, viel Übung, Unterstützung, aber es
- 5:35ist definitiv möglich. Und Gabriel ist ja mittendrin in
- 5:38diesem Prozess. Der Anstoß dazu kam wohl durch
- 5:41einen extrem harten Entzug vor 23 Jahren.
- 5:44Er erzählt, ursprünglich war nur eine Entgiftung von Alkohol,
- 5:47Benzos und Lyriker geplant. Aber im Krankenhaus bekam er
- 5:51dann statt seiner üblichen 20 Milliliter Polamidon nur noch
- 5:55maximal 12 Milliliter. OK, das ist eine abrupte und
- 6:00massive Reduktion. Das löst dann natürlich
- 6:03ungeplant einen schweren polamidon Entzug aus.
- 6:06Kein Wunder, dass er das als seinen härtesten Kampf
- 6:09beschreibt. Ja, und die Emotionen, sagt er,
- 6:12die kamen erst viel später so richtig zurück, kurz bevor sein
- 6:16Hund letzten Dezember gestorben ist.
- 6:19Was ja eh schon eine hochemotionale Zeit ist.
- 6:21Klar, er fühlt sich jetzt, als müsse er Emotionen wie ein Baby
- 6:25neu lernen und bestimmte Gefühle lösen bei ihm sofort extrem
- 6:29suchtdruck aus. Das, was er beschreibt, ist n
- 6:33ganz klassisches Bild des Post. Acute with drawal Syndrom.
- 6:36Man nennt das Porse. Besonders nach langem opiat
- 6:39Entzug ist das häufig. Porse okay was heißt das genau?
- 6:44Wenn die dämpfende Wirkung der Substanz wegfällt, kehren die
- 6:46Emotionen oft mit voller Wucht zurück.
- 6:50Aber die neuronalen Werkzeuge, die Strategien zur Bewältigung,
- 6:54die fehlen eben. Das Gehirn hat über Jahre keine
- 6:57gesunden Copingstrategien trainiert oder konnte sie nicht
- 7:00trainieren. Also ist der Vergleich wie ein
- 7:02Babylernen gar keine Übertreibung.
- 7:04Nein, überhaupt nicht. Das beschreibt oft ziemlich
- 7:06genau die neurologische Realität, die emotionalen
- 7:09Fähigkeiten, die müssen tatsächlich von Grund auf neu
- 7:12entwickelt und trainiert werden wie ein Muskel, der lange nicht
- 7:15benutzt wurde. Gabriel zieht ja selbst einen
- 7:18Vergleich zur Borderline Störung.
- 7:20Er betont aber extra, dass er das nicht hat.
- 7:24Er sieht die Parallele eher darin, dass Betroffene sich
- 7:27manchmal selbst verletzen, um innere Spannung abzubauen,
- 7:31während bei ihm sein sogenannter Hyde, dass es seine Bezeichnung
- 7:36für den Suchtanteil zur Substanz greifen will, um die Gefühle
- 7:40abzuschalten. Ja, das ist ein Versuch, diesen
- 7:43inneren Mechanismus irgendwie zu fassen, zu verstehen.
- 7:47Der Vergleich an sich hinkt natürlich n bisschen Borderline
- 7:50ist eine Persönlichkeitsstörung mit ganz anderen Ursachen und
- 7:53Ausprägungen. Sucht betrifft primär das
- 7:56Belohnungssystem. Aber der Kern?
- 7:59Der Kern also Maladaptive, nicht hilfreiche Strategien zur
- 8:03Emotionsregulation. Da gibt es schon eine gewisse
- 8:06Ähnlichkeit im Mechanismus. Wichtiger finde ich aber diese
- 8:09Heitmetapher warum? Na ja, sie kann einerseits
- 8:12helfen, so n bisschen Abstand zu dem destruktiven Impuls zu
- 8:16gewinnen, aber sie birgt auch die Gefahr Verantwortung
- 8:19abzugeben, so nach dem Motto Nicht ich war S heit war s.
- 8:23Ah okay du meinst, weil es dann klingt, als hätte er gar keine
- 8:27Kontrolle mehr darüber. Genau, auch wenn sich dieser
- 8:30Impuls zur Substanz vielleicht total automatisch und
- 8:32übermächtig anfühlt, bleibt es am Ende doch ne Kette von
- 8:36Entscheidungen, die dazu führt. Und diese eigene
- 8:39Handlungsfähigkeit anzuerkennen, auch wenn es schwerfällt, das
- 8:42ist, glaube ich, ganz essentiell für die Recovery.
- 8:44Aber das Positive ist ja, er erkennt dieses Muster und er
- 8:48sucht aktiv nach Alternativen. Das sehen wir ja dann auch.
- 8:50Stimmt, denn bei dieser Begegnung mit dem Nachbarn, da
- 8:53passierte dann ja erst mal nichts, der Nachbar hat ihn
- 8:55einfach ignoriert, Gabriel nennt das ein Wunder und das hat ihm
- 8:59riesige Erleichterung verschafft.
- 9:01Manchmal ist die ausbleibende Eskalation echt die beste
- 9:04Lösung. Einfach Glück gehabt in dem
- 9:06Moment. Ja, später am Abend war er dann
- 9:09bei einer anderen Nachbarin, hat dort offen über seine
- 9:12Vergangenheit gesprochen, auch über schwierige Themen wie das
- 9:15Kottbusser Tor in Berlin. Und als er dann nach Hause kam,
- 9:18da fühlte er dieses starke innere Brodeln, eine immense
- 9:22Energie, schreibt er, aber kein direkter Drang zu konsumieren,
- 9:25das ist ja interessant. Ja, dieses Brodeln, das ist ein
- 9:28faszinierendes Stichwort, was er da beschreibt, das klingt für
- 9:31mich stark nach Hyper arousal. Also einer Übererregung des
- 9:35Nervensystems. OK, und das ist auch typisch für
- 9:38dieses PAWS. Ja, ganz typisch.
- 9:41Nach Jahren der künstlichen Dämpfung durch die Opiate
- 9:44reagiert das System jetzt einfach überschießend.
- 9:47Auf jede Art von intensiver Stimulation.
- 9:50Das kann Stress sein, aber eben auch Freude, Aufregung oder
- 9:53emotional aufgeladene Gespräche, wie er es erlebt hat, erkennt
- 9:57dieses Gefühl auch von früher, schreibt er, wenn er begeistert
- 10:00über Kryptowährungen gesprochen hat, seine alte Firma oder wenn
- 10:03er an eine bestimmte Person denkt, die negativ besetzt ist.
- 10:07Und wie ist er diesmal damit umgegangen?
- 10:08Das ist ja die Frage. Ja, und das ist eben der
- 10:11entscheidende Punkt. Er hat es erkannt und er hat
- 10:14gehandelt. Nicht konsumiert, sondern anders
- 10:17gehandelt. Richtig, sein Gedanke war
- 10:19sofort, du musst was machen, er ist raus spazieren gegangen, hat
- 10:23dann nette Idee, versucht Obst von Zäunen in Hennigsdorf zu
- 10:26pflücken, erfolglos. Ja, sympathisch.
- 10:29Und dann hat er aber einen Kumpel angerufen, sich mit ihm
- 10:32auf eine Zigarette getroffen und geredet.
- 10:34Und das ist eine perfekte Kaskade der Triggerbewältigung.
- 10:39Wirklich lehrbuchmäßig, könnte man sagen, erstens die
- 10:43Wahrnehmung. Ich brodle da ist zu viel
- 10:47Energie, das ist unangenehm. Zweitens die Aktivierung,
- 10:52rausgehen, Bewegung, soziale Kontaktaufnahme suchen, drittens
- 10:57die Verbalisierung darüber sprechen, es rauslassen und
- 11:01viertens der Erfolg, die Regulation klappt, die Energie
- 11:04beruhigt sich wieder krass, das ist aktive, erlernte
- 11:08Selbstregulation in Aktion, aber.
- 11:10Allein das Aussprechen von Gefühlen, das aktiviert den
- 11:13präfrontalen Cortex, also den vernünftigen Teil des Gehirns,
- 11:17und hilft, dieses Überreizte limbische System wieder
- 11:20runterzufahren. Im Gespräch mit dem Kumpel kam
- 11:22dann kurz das Thema ADHS auf. Gabriel fiel auf, dass er jetzt
- 11:27nüchtern oft mehr Energie und inneren Strom hat als früher
- 11:31unter Speed, oder? Koks stimmt, das erwähnt er.
- 11:34Auf Stimulantien hatte er eher Paradox reagiert, also mit Ruhe
- 11:37und Konzentration. Genau diese paradoxe Reaktion.
- 11:40Kann ein Hinweis auf ADHS sein? Das ist richtig, aber, und das
- 11:45ist das große, aber nach 28 Jahren polytox Konsum ist das
- 11:49unglaublich schwer zu sagen warum, weil die
- 11:52Dopaminrezeptoren im Gehirn durch den langen Konsum massiv
- 11:55verändert sind, das kann ganz ähnliche Effekte oder Symptome
- 11:59wie ADHS hervorrufen, die aber eigentlich Teil von Pauls sind.
- 12:04Eine saubere Diagnose ist da extrem schwierig, fast unmöglich
- 12:08in dieser Phase. Er ist da ja auch sehr
- 12:09selbstkritisch. Er meint, ein Test wäre eh
- 12:12sinnlos, weil er früher schon Tests manipuliert hat und er
- 12:15glaubt, sein Hyde würde das heute wieder tun, um an
- 12:17Medikamente zu kommen. Das zeigt ja eine gewisse
- 12:20Einsicht, ja. Er sieht sich selbst als zu
- 12:23Polytox für eine kontrollierte Einnahme von Stimulantien wie
- 12:26Ritalin oder Elvanse, die er früher ja auch missbraucht hat,
- 12:29um opiat Nebenwirkungen zu dämpfen.
- 12:32Sein Ziel ist ganz klar, keine psychoaktiven Substanzen mehr,
- 12:35stattdessen echte Emotionen lernen und kontrollieren.
- 12:39Und das ist eine sehr, sehr reife und auch selbstschützende
- 12:42Haltung. Diese ganze ADHS Frage ist in
- 12:45dem Moment eigentlich nachrangig gegenüber diesem klaren Ziel der
- 12:49Abstinenz und dem Erlernen von Copingstrategien ja, die Gefahr
- 12:54bei solchen Selbstdiagnosen oder Spekulationen ist halt manchmal,
- 12:57dass sie von den eigentlichen, hier und jetzt notwendigen
- 13:00Schritten ablenken können. Aber seine klare Absage an
- 13:03weitere Substanzen, das ist ein wirklich starkes Zeichen.
- 13:07Und diese Klarheit, die scheint ihm auch richtig gut zu tun.
- 13:11Den nächsten Morgen beschreibt er als fantastisch, er fühlt
- 13:14sich stolz, nicht konsumiert zu haben, keine Reue.
- 13:19Dieses Gefühl der Selbstwirksamkeit.
- 13:21Ich hab s geschafft. Das ist so unglaublich wichtig
- 13:24in der Recovery. Es stärkt das Vertrauen in die
- 13:27eigenen Fähigkeiten und motiviert ungemein.
- 13:29Und diese positive Energie hat er dann auch gleich genutzt für
- 13:33Alltagsdinge wie ne Beschwerde über eine kaputte Laterne.
- 13:37Sein Kommentar dazu besser korinthenkacker als druff.
- 13:41Kann man so sehen, ja aktiv sein, sich kümmern.
- 13:44Und dann kam ein echt großer Schritt, finde ich.
- 13:46Der erste Gang ins Fitnessstudio.
- 13:49Er schreibt beim Packen der Tasche realisiert er zum ersten
- 13:53Mal seit 20 Jahren packt er diese Tasche nicht für eine
- 13:56Klinik oder eine Therapie. Wow, das ist n starkes Symbol,
- 14:00ein echter Übergang zu einem anderen Leben, weg vom alten
- 14:03Muster und Sport. Kann er wirklich ein mächtiges
- 14:06Werkzeug sein? Inwiefern?
- 14:08Na ja, Endorphine werden ausgeschüttet.
- 14:10Das gibt ein gutes Gefühl. Es gibt Struktur im Tag, es
- 14:13stärkt das Selbstwertgefühl, wenn man was schafft und es ist
- 14:16ne gesunde Alternative zu destruktiven Verhalten.
- 14:19Oder Solariumsucht. Ah ja, die Ersatzsüchte.
- 14:22Ein bekanntes Thema. Genau beim zweiten Besuch mit
- 14:25Solarium kommen dann schon die Rationalisierungen.
- 14:28So von wegen Junkiebleiche Wegkriegen oder den verpassten
- 14:32Sommer nachholen. Er fragt sich dann kurz selbst.
- 14:35Fang ich schon an nach Begründungen zu suchen.
- 14:39Wischt es aber schnell mit nee weg.
- 14:41Ja, das ist ein klassischer Moment, diese Rationalisierungen
- 14:45fürs Solarium, die sind wirklich typisch, und dieses schnelle
- 14:49Nee, das könnte so ein kleines Alarmsignal sein, so nach dem
- 14:53Motto, nicht so genau hinschauen, jetzt OK, die Gefahr
- 14:57von Ersatzsüchten ist absolut real.
- 15:00Egal ob Sport, Solarium, Arbeit, Essen, shoppen, entscheidend ist
- 15:05immer die Dosis und vor allem die Funktion dahinter.
- 15:08Nutze ich es gesund als Ausgleich zur Freude oder wird
- 15:13es exzessiv zur Emotionsregulation, zur Flucht?
- 15:17Aber dass er es überhaupt bemerkt, ist ja schon mal gut,
- 15:19oder? Absolut dieses Bewusstsein
- 15:21dafür, dass Gabriel da zeigt, das ist schon mal ein ganz
- 15:24wichtiger Schutzmechanismus. Er ist wachsam.
- 15:27Er sieht den Sport jetzt auch als guten Ausgleich und baut
- 15:30sein Supportnetzwerk aus. Er hat Cleane Kontakte, geht zur
- 15:34Selbsthilfegruppe ins Fitnessstudio, hat eine gute
- 15:36Freundin und mit ihr will er im Tierheim helfen, ehrenamtlich.
- 15:40Das ist eine ausgezeichnete Idee.
- 15:42Altruismus, also etwas für andere oder hierfür Tiere zu tun
- 15:47und der Kontakt zu Tieren selbst, das ist oft unglaublich
- 15:50heilsam. Warum?
- 15:51Es gibt Sinn, Aufgabe, Struktur. Es fördert das Selbstwertgefühl
- 15:57und Tiere geben oft so eine bedingungslose Akzeptanz.
- 16:00Das tut einfach gut. Und diese Freundin, die scheint
- 16:03wirklich extrem wichtig für ihn zu sein.
- 16:06Er teilt einen Teil einer Nachricht von ihr, die sie ihm
- 16:09nach seinem letzten Eintrag geschrieben hat, und zwar ich
- 16:12entscheide mich für dich mit deinen Problemen, ich werde
- 16:16immer ehrlich sein und versuchen dich zu unterstützen, der Rest
- 16:19sei privat, schreibt er. Wow, das ist.
- 16:24Ja, das ist wirklich Gold wert. In dieser Nachricht stecken die
- 16:27absoluten Kernzutaten für tragfähige, gesunde
- 16:29Unterstützung. Welche meinst du?
- 16:31Na ja, diese bedingungslose Akzeptanz.
- 16:34Ich entscheide mich für dich mit deinen Problemen, dann die
- 16:38Ehrlichkeit, die Verlässlichkeit, das Versprechen
- 16:42der Unterstützung, solche Beziehungen, die bieten genau
- 16:45die emotionale Sicherheit, die Substanzen immer nur
- 16:48vortäuschen, aber nie wirklich geben können, das.
- 16:52Das ist ein massiver Schutzfaktor gegen Rückfälle.
- 16:55Wenn wir das jetzt mal alles so zusammenfassen, was würdest du
- 16:58sagen, sind die wichtigsten positiven Entwicklungen, die aus
- 17:01diesem Tagebucheintrag so hervorgehen?
- 17:03Also da sticht für mich einiges echt heraus, allen voran diese
- 17:07wirklich gute Bewältigung der Trägersituation mit dem
- 17:10Nachbarn. Das zeigt einen echten
- 17:12Fortschritt in der Selbstwahrnehmung und auch in
- 17:14der Selbstregulation. Dann diese aktive Problemlösung.
- 17:19Er sucht Hilfe, er redet, er geht raus, statt zu konsumieren.
- 17:23Der Aufbau von gesunden Routinen wie eben der Sport symbolisch
- 17:27stark, die Tasche nicht mehr für die Klinik zu packen.
- 17:30Ja, das fand ich auch stark. Dann die wachsenden sozialen
- 17:33Bindungen, dieses Netzwerk, was er aufbaut, die
- 17:36Zukunftsorientierung, der Plan mit dem Tierheim, das zeigt ja
- 17:39auch psychische Gesundung und ganz grundsätzlich diese
- 17:42Bereitschaft zur Selbstreflexion.
- 17:44Auch wenn sie manchmal noch schmerzhaft ist oder er sie kurz
- 17:47abwehrt. Das ist emotionale Reifung in
- 17:49Aktion, das ist der. Prozess gleichzeitig benennt er
- 17:53ja auch selbst Dinge, oder wir sehen Bereiche, die weiterhin
- 17:57Aufmerksamkeit brauchen, wo man vielleicht genauer hinschauen
- 18:00sollte, welche wären das aus deiner Sicht?
- 18:02Ja, da gibt es natürlich auch ein paar Punkte.
- 18:05Sicherlich diese Neigung zur Externalisierung, bei der Hide
- 18:08Metapher hier ist es wichtig, das Gefühl der eigenen
- 18:11Handlungsmacht weiter zu stärken, zu erkennen.
- 18:14Ja, der Impuls ist da, aber die Entscheidung treffe ich OK.
- 18:17Dann die ehrliche Auseinandersetzung mit den
- 18:20Rationalisierungen, wie beim Solarium wirklich zu
- 18:23hinterfragen, warum mache ich das jetzt, was steckt dahinter,
- 18:28das Bewusstsein für die Gefahr von Ersatzsüchten generell
- 18:31wachhalten und auf Moderation achten, nicht von einer
- 18:35Abhängigkeit in die nächste Rutschen.
- 18:37Und die ADHS Sache die. Ja, und vielleicht die ADHS
- 18:41Spekulation nicht überbewerten oder sich darin verlieren,
- 18:44sondern den Fokus klar auf die bewährten Recovery Strategien
- 18:48legen, die ja offensichtlich gerade greifen.
- 18:50Gabriel stellt ja am Ende selbst so ein paar Fragen zur
- 18:53Reflexion. Lass uns die vielleicht mal
- 18:55allgemeiner fassen als Anregung für dich, der du zuhörst, falls
- 18:59du in einer ähnlichen Situation bist oder jemanden begleitest.
- 19:02Gute Idee. Erstens.
- 19:04Gestehe ich mir meine eigene Entscheidungsmacht zu, auch in
- 19:08schwierigen Momenten, oder neige ich dazu, Verantwortung
- 19:11abzuschieben, vielleicht auf eine Krankheit oder einen
- 19:14inneren Anteil? Wichtige Frage.
- 19:16Zweitens nutze ich neue, vielleicht gesündere
- 19:20Aktivitäten, wirklich ausgewogen und zu meinem wohl.
- 19:24Oder könnten sie gerade dabei sein, zu einer neuen Form der
- 19:26Flucht oder Kompensation zu werden?
- 19:28Wo ist die Grenze? Ja, die Balance finden.
- 19:32Drittens. Helfen mir bestimmte Erklärungen
- 19:35oder Diagnosen, ob selbst vermutet oder gestellt, wirklich
- 19:39weiter auf meinem Weg oder lenken sie mich vielleicht von
- 19:42dem ab, was jetzt gerade eigentlich wichtig ist, nämlich
- 19:45konkrete Schritte zu gehen? Fokus behalten.
- 19:48Viertens bleibe ich wachsam für Warnsignale, auch und gerade
- 19:53dann, wenn es vielleicht gerade gut läuft, nehme ich kleine
- 19:56Zweifel oder ungute Gefühle ernst.
- 19:58Ja, nicht nachlässig werden. Und Fünftens?
- 20:02Auch wichtig erlaube ich mir meine Erfolge, wie zum Beispiel
- 20:06eine Gemeisterte schwierige Situation, einen Tag ohne Konsum
- 20:10wirklich anzuerkennen und als Stärkung zu sehen.
- 20:13Oder spiele ich Sie runter? Absolut Selbstmitgefühl und
- 20:17Anerkennung sind entscheidend Gabriels Eintrag ist wirklich
- 20:20ein starkes Zeugnis dieses ganzen Prozesses, Fortschritt
- 20:24und gleichzeitig die klare Notwendigkeit weiterer Arbeit.
- 20:28Seine Offenheit dabei ist wirklich beeindruckend und
- 20:30sicher auch ein wichtiger Teil seines Heilungsweges.
- 20:33Absolut. Und er teilt diese Reise ja auf
- 20:35Nilex Berliné. Wenn dir dieser Einblick jetzt
- 20:38gefallen hat und du die Arbeit von Nilex Berliné wertvoll
- 20:41findest, dann würde sich Gabriel riesig über deine Unterstützung
- 20:44freuen. Du kannst ihm helfen, indem du
- 20:47seine Beiträge auf Social Media teilst oder seine Inhalte, also
- 20:50diesen Podcast zum Beispiel auf Plattformen wie Spotify oder
- 20:54Apple Podcasts bewertest und Likest, falls du sie dort
- 20:56findest. Und es ist wichtig.
- 20:58Wichtig zu wissen das Projekt Neelix Berlin wird komplett
- 21:02allein von Gabriel finanziert und auch erstellt.
- 21:05Jede Form der Unterstützung hilft ihm direkt mit diesem
- 21:08Projekt sich selbst auf seinem Weg zu helfen und gleichzeitig
- 21:12eben auch anderen Betroffenen. Sein persönliches Motto, das ihn
- 21:16dabei antreibt, lautet, aus allem schlechten in seinem Leben
- 21:21etwas Gutes zu machen. Ein starkes Motto.
- 21:23Ja, finde ich. Auch ein letzter Gedanke,
- 21:26vielleicht noch für dich zum Mitnehmen.
- 21:28Welcher Mut gehört eigentlich dazu, diese inneren Kämpfe,
- 21:31diese Lernprozesse so roh und offen zu teilen, wie Gabriel es
- 21:36tut? Und wie kann vielleicht gerade
- 21:38diese Verletzlichkeit, diese Offenheit zu einer ungeahnten
- 21:42Kraftquelle werden für Gabriel selbst?
- 21:44Klar, aber vielleicht auch für dich, wenn du zuhörst und dich
- 21:47in Teilen davon wiedererkennst. Eine schöne Frage zum Abschluss.
- 21:51Ja, vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen und zugehört hast.
- 21:56Pass gut auf dich auf und bis zum nächsten Mal bei unserer
- 22:00nächsten Vertiefung. Tschüss.