Latest / BZ am Ohr / Viele Lehrer haben zum Schulstart keine Stelle: „Das macht unfassbar traurig“
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- Ein neues Schuljahr beginnt und die Chancen, eine Stelle als Lehrerin oder Lehrer zu finden, sind dieses Jahr so schlecht wie schon lange nicht mehr. Ja, jetzt stehe ich da und habe keine Stelle und das ist halt echt irgendwie enttäuschend. Das ist Simon Striegel, 25 Jahre, aus Hecklingen. Er hat die Fähre Latein und Wirtschaft auf Gymnasiallehramt studiert und bekommt trotz gutem Abschluss einfach keine Stelle. Und das stimmt mich halt traurig, weil ich schon weiß, das ist schon der richtige Beruf für mich und ich würde ihn auch gerne machen. Ähnlich geht es Helen Klett, 42, aus Freiburg. Sie hat sich erst später für ein Lehramtsstudium entschieden, unterrichtet eigentlich Spanisch und Geografie am Gymnasium. In der Realität ist es so, seit dem Referendariat habe ich meine Fächer nicht mehr unterrichtet. Ich unterrichte nur fachfremd. Ich unterrichte Englisch, Mathe, Deutsch, Physik, Musik, AES, WBS. Ich unterrichte eigentlich alle Fächer außer Religion und Chemie. Aber sie hangelt sich seit fünf Jahren von einem befristeten Vertrag zum anderen. Bisher geht auch sie dieses Mal leer aus. Es ist seit vielen Jahren so, dass ich das Schuljahr beende und ich weiß, wie es im September weitergeht und es sehr, sehr kurzfristig dann immer Folgeverträge gab. Nur dieses Jahr eben nicht. Das macht unfassbar traurig, ehrlich gesagt. Warum stehen dieses Jahr so viele Lehrkräfte ohne Job da? Obwohl gleichzeitig eine Rekordzahl an Stellen unbesetzt ist. Warum ist das Verfahren der Stellenvergabe so kompliziert? Und wie viel Flexibilität wird da von jungen Lehrkräften abverlangt? Ich frage mich auch, ob es sich das Land Baden-Württemberg leisten kann, die Lehrer, die es schon hat, einfach gehen zu lassen. Darum geht es in dieser Podcast-Folge von BZ am Ohr. Mein Name ist Lisa Petrich, ich bin Redakteurin bei der Badischen Zeitung und wünsche viel Spaß beim Zuhören. Hallo Helen, hallo Simon. Hallo. Jetzt am Montag geht ja die Schule wieder los. Ihr seid beide Lehrkräfte am Gymnasium, aber ihr seid zurzeit arbeitslos, weil ihr immer noch keine Stelle bekommen habt. Wie fühlt sich das denn für euch an? Also für mich fühlt sich das nicht gut an, natürlich. Ich bin jetzt schon länger Krankheitsvertretung gewesen und würde jetzt ins sechste Jahr kommen und fühle mich da schon sehr desillusioniert, weil ich gerne in dem Beruf arbeiten wollen würde und aufgrund meiner Fächerkombination da keine Möglichkeit dazu habe. Ja, bei mir ist es eigentlich ähnlich. Also ich fühle mich auch nicht so gut damit. Ich bin jetzt zwar erst frisch aus dem Referendariat raus, aber trotzdem ist es natürlich, wenn man dann fünf Jahre studiert und eineinhalb Jahre REF macht und auch das REF so vom Gefühl her ziemlich gut lief und dann am Schuljahresanfang keine Stelle hat, ist das schon ziemlich enttäuschend. Und ich finde, das Schlimmste dabei ist so ein bisschen, wenn man dann so das Umfeld um sich herum hat und jeder fragt, ja, wie geht es weiter? Ich weiß jetzt noch nichts und kann nichts sagen. Und das ist immer ein bisschen einfach eine blöde Situation. Jetzt geht es ja nicht nur euch so, dass ihr gerade ohne Job noch dasteht. Die Chancen, dieses Schuljahr in Baden-Württemberg nach Stelle zu bekommen, sind dieses Jahr so schlecht wie schon lange nicht mehr. Dabei sollte man ja eigentlich denken, so als Lehrkraft ist man irgendwie abgesichert. Es gibt immer SchülerInnen, also braucht es auch immer Lehrkräfte. Hättet ihr denn vor den Sommerferien gedacht, dass ihr jetzt in so eine Situation kommt, dass die Schule startet und ihr habt noch nichts? Also für mich war das ziemlich klar, dass das so enden wird, weil das die letzten Jahre auch immer so war. Es ist ja mittlerweile so, dass man Gott sei Dank über die Sommerferien noch bezahlt wird. Deswegen läuft mein Vertrag jetzt noch bis zum 14.09. Und bei dir, Simon? Ja, also bei mir ist tatsächlich, habe ich leider nicht den Luxus. Nach dem Ref war dann Schluss auch mit dem Gehalt. Also zum 31.07. Habe ich nichts mehr verdient. Und ich habe schon damit gerechnet, dass ich jetzt auch was bekomme. Vor allem, nachdem ich eben auch gehört habe, dass es da diese Geisterstellen dann gab und dass wieder neue Stellen dann aufgepoppt sind. Aber ja, jetzt stehe ich da und habe keine Stelle und das ist halt echt irgendwie enttäuschend. Zu den Geisterstellen kommen wir ja gleich noch. Nochmal eine kurze Nachfrage zu den Sommerferien, wo du dann nicht bezahlt wurdest. Wie war das dann finanziell für dich? Ich weiß nicht, wenn man da niemanden hat, der einen vielleicht noch unterstützen kann, das ist ja schon eine Weile, wenn man da nicht bezahlt wird. Genau, also ich kann mit Glück sagen, dass ich unterstützt werde von meinen Eltern. Ich habe auch meine Freundin, die ist Sonderpädagogin und die hat jetzt eine Beamtenstelle bekommen. Also sie hat mir schon auch zugesichert, dass sie mich unterstützen würde, aber natürlich ist das auch schwierig für mich, wir sind jetzt nicht verheiratet oder so. Und dann da jetzt schon auf einen Partner angewiesen zu sein, finde ich persönlich schwierig. Und dann eben auch in dieser Zeit jetzt, ich habe jetzt eben nicht so wirklich einen Nebenjob gehabt. Ich habe jetzt einfach noch von Reserven gelebt, aber so langsam gehen die Reserven dann auch aus. Und ich muss dann jetzt auf jeden Fall irgendeinen Job finden. Helen, wie war das bei dir, als es die Regeln noch nicht gab, dass man über die Sommerferien mitbezahlt wird, wenn du nochmal zurückblickst? Ja, es war immer schwierig. Ich habe dann in der Zeit auch von den Reserven gelebt, die ich mir über das Schuljahr hinweg eben beiseite gelegt habe, weil ich ja das schon wusste, dass ich das brauche. Aber es sind natürlich auch so Sachen wie Krankenversicherung, die ja weiterlaufen muss. Und das ist einfach mal ein Problem, wo man Lösungen finden kann natürlich. Aber das ist einfach sehr, sehr anstrengend alles. Ja, also genau zum Thema Krankenversicherung. Das ist auch bei mir gerade so ein bisschen ein Problem, weil als Beamter hat man ja öfter so eine private Versicherung, wo es dann auch die Beihilfe gibt. Und jetzt halt, nachdem ich nicht mehr in diesem Beamtenverhältnis bin, ist diese private Versicherung ein bisschen schwierig. Und ich komme da jetzt nur raus, wenn ich eine neue Anstellung habe. Also quasi bin ich gerade noch privat versichert. Und also viel länger kann ich das jetzt auch nicht mehr so halten. Also ich brauche wirklich einen Job und irgendeine Beschäftigung, damit ich gesetzlich versichert sein kann. Und die Alternative wäre dann arbeitslos melden? Ja, also ich habe mich eigentlich schon arbeitslos gemeldet. Das mit dem Arbeitsamt ist so ein bisschen ähnlich, würde ich jetzt sagen, wie bei anderen Ämtern. Das dauert immer sehr lange. Da ich selber noch nie davor richtig gearbeitet habe, sondern nur in diesem Ausbildungsverhältnis war, kriege ich auch kein Arbeitslosengeld, sondern ich kriege nur Bürgergeld. Und dieses Verfahren läuft noch, da habe ich bisher auch noch keine Rückmeldung, geht auch schon länger als einen Monat. Und bei dir ist es so ähnlich, Helm? Ja, ja, ich bin auch arbeitslos gemeldet und werde jetzt übers Wochenende meinen Arbeitslosengeldantrag, aber ich kriege dann Arbeitslosengeld 1, Gott sei Dank, meinen Arbeitslosengeldantrag schreiben und einreichen. Ich habe mir mal ein paar Zahlen der Einstellungen für das jetzige Schuljahr angeschaut. An Gymnasien in Freiburg gab es genau zwei unbefristete Neueinstellungen. An Grundschulen waren es auch nur zwei. Preiskor-Hochschwarzwald waren es sechs fürs Gymnasium und drei für die Grundschule. In Emmendingen genau null. Das klingt ganz schön wenig, oder? Das macht unfassbar traurig, ehrlich gesagt. Ja, das ist halt leider die Realität gerade am Gymnasium. Wirklich sehr, sehr traurig. Vielleicht Helen, kannst du mal einen kurzen Einblick geben in die ganzen Krankheitsvertretungen, die du bisher schon gemacht hast über die letzten paar Jahre. Das war dann immer in Freiburg oder um Geo? Das war immer Stadt Freiburg. Das waren verschiedene Schulformen. Einmal war ich an der Realschule, dann war ich insgesamt drei Jahre an der Gemeinschaftsschule und nochmal ein Jahr an der Werkrealschule, die ich unterrichtet habe. immer in der Stadt Freiburg. Das ist sehr gut für mich gewesen natürlich. Und habe da ganz viele tolle, verschiedene Arten von Schule kennenlernen dürfen, die mich dann letzten Endes jetzt eigentlich auch so ein bisschen davon abgebracht haben, ans Gymnasium zu wollen, sondern lieber an eine Gemeinschaftsschule und dort unterrichten zu wollen. Okay, und ich schätze mal, du wärst da eigentlich gerne auch geblieben? Ja, tatsächlich ist es so, dass alle drei Schulen mich gerne behalten hätten und da die Schulleitungen dann auch wirklich mit dem Schulamt, mit dem Regierungspräsidenten in Austausch gegangen sind und nachgehakt und nachgefragt haben und es aber schwierig ist, weil das System sehr starr ist, weil ich Sekundarstufe 2 studiert habe und beispielsweise Klasse 5 bis 10, also Sekundarstufe 1, am Gymnasium unterrichten darf, aber an einer Realschule nicht. Warum, weiß ich leider nicht. Und deswegen kann ich an der Realschule, wenn da eine Stelle ausgeschrieben werden würde, nur nachrangig berücksichtigt werden. An der Gemeinschaftsschule könnte ich bleiben als Gymnasiallehrerin. Da dürfte ich auch Kinder, die auf Hauptschul- oder Realschulniveau arbeiten, in Stufe 5 bis 10 unterrichten. Aber an der Realschule nicht. Und das würde ich gerne machen eigentlich. Ich würde gerne auch an der Realschule arbeiten. Aber das heißt, dafür müsstest du dann nochmal studieren tatsächlich? Da müsste man nochmal ein Jahr nachschieben. Wie genau das jetzt vonstatten ginge, weiß ich nicht. Ich müsste nochmal ans Seminar gehen und ich müsste nochmal Lehrproben machen und dann die Qualifikation so bekommen. Aber ja, da bin ich schon zurückgewiesen worden, leider. Okay. Und wie anstrengend ist es denn, wenn man dann fast jedes Jahr die Schule wechseln muss, sich auf eine neue Schule einstellen muss, neue SchülerInnen, Eltern? Um ehrlich zu sein, ist es emotional und psychisch schon sehr belastend. Ich hatte immer das große Glück, an Schulen zu kommen mit wahnsinnig tollen Kollegien und mit tollen Schulleitungen, die einem da wirklich den Rücken gestärkt haben und die auch Verständnis hatten für die Situation von der Krankheitsvertretung. Man muss immer wieder neue Beziehungsarbeit leisten. Das muss man als Lehrer, glaube ich, immer. Aber es ist natürlich schön, Kinder begleiten zu dürfen über Jahre hinweg und zu sehen zu dürfen, wie sie sich entwickeln. Und ich war jetzt eben das vergangene Jahr an der Gemeinschaftsschule, hatte da eine Klassenleitung von der siebten Klasse und habe da über das Jahr hinweg, war im Landschulheim mit denen und haben Ausflüge gemacht und so weiter und habe richtig Beziehungen aufgebaut. Und dann heißt es eben am Ende des Schuljahres so, oh, Frau Klett ist dann nicht mehr da. Tut mir leid. Ich weiß nicht, wo ich bin, aber ich darf nicht mehr bei euch sein, obwohl ich gerne bei euch bleiben würde. Das ist ja auch für die Schüler total frustrierend, oder? Ja, tatsächlich. Weil also in der Schule, an der ich jetzt war, ist es tatsächlich so, auch dass Schüler da sind, die so diese Beziehungsarbeit ganz dringend brauchen, und sich dann natürlich auf dich einlassen mit ihren ganzen Rucksäcken und Geschichten, die sie mit sich bringen und sich anvertrauen und so weiter. Und man macht ja auch viel Coaching mit den Schülern im Einzelgespräch. Ja, und das fällt dann weg. Jetzt für das neue Schuljahr habt ihr dann beide noch offene Bewerbungen, oder? Ja. Für verschiedene Stellen? Naja, ich habe mich in Donau-Eschingen, in Hüfingen, in Schopfheim zweimal beworben und da überall schon Absagen bekommen. Und für mich laufen jetzt nur noch Krankheitsvertretungsbewerbungen. Ja, also bei mir, ich habe auch, es gab eigentlich gar keine Schulschulaffenstellen am Anfang, also Stellen, wo ich mich konkret auf die Schule bewerben konnte. Und dann habe ich über das Lichtenverfahren das versucht, da habe ich keine Stelle bekommen. Ich habe die ersten Krankheitsvertretungsstellen Ende Juli gesehen und mich da auch beworben und es ist halt wirklich echt schade, dass ich bis jetzt, also mehr als zwei Monate später. Keine Rückmeldung habe und das ist dann wirklich, also da muss man wirklich Kritik an diesem System oder, vielleicht auch an dem Amt üben, dass das so läuft, weil ich habe mich auch in der Schweiz beworben, habe eine Bewerbung hingeschickt. Am nächsten Tag kam sofort eine Antwort, wir müssen das Bewerbungsverfahren noch durchführen. Am 1. Oktober kriegen Sie Rückmeldung. Das würde mir ja auch schon reichen, um ruhig schlafen zu können. Aber das passiert bei uns hier in Baden-Württemberg, passiert es so nicht. Da kriegt man keine direkte Rückmeldung. Man sieht nur in diesem Portal, dass der Antrag übernommen wurde. Und dann steht da so ein Status und da steht aber bei dem Status, ich hatte es jetzt nicht genau im Kopf, aber sowas wie noch nicht bearbeitet. Ja, aber das ist auch so gängig, dass man keine Absage bekommt. Man hängt da ziemlich in der Luft bis Ende September, bis das Listenverfahren endgültig durch ist. Jetzt könnte man ja meinen, das Schuljahr geht jetzt schon los. Wie will man dann jetzt noch nachträglich als Lehrkraft einsteigen? Ist es nicht schräg? Oh, eigentlich, ich habe das einmal mitmachen müssen. Da bin ich erst, nee, zweimal, einmal im Oktober und einmal im November dazu gekommen. Ich fand es eigentlich, es ging. Also da ist natürlich dann schon das alles im Gange und man hat so die Konferenzen, die GLKs am Anfang des Schuljahres nicht mitbekommen mit den Hauptinfos. Aber ich bin da immer so jemand, ich renne dann immer direkt zu KollegInnen hin und sage, sag mal, wie ist das denn? Also ich glaube, das muss man auch machen. Also man muss wahnsinnig flexibel und offen sein, um sich dann halt trotzdem irgendwie ins Team einbringen zu können. Also ich glaube auch, dass, also hinter dem Hintergrund, dass man eh, ähm. Mega glücklich ist, wenn man dann eine Stelle hat oder bei mir wäre es zumindest so, glaube ich dann auch, dass man da sofort reinfindet und vor allem in diesem Lehrerberuf hat man ja auch das Glück, dass da sehr viele sehr soziale Menschen unterwegs sind und dass man dann halt auch, wenn man Hilfe braucht, eigentlich meistens immer diese Hilfe bekommt. Ich habe da keine Angst davor und ich würde auch gerne eine Stelle nehmen, auch wenn ich erst im November oder Oktober einsteigen darf. Es kam gerade kurz vor Schulstart vom Regierungspräsidium nochmal eine Pressemitteilung, wo darauf hingewiesen wurde, dass noch bis Ende Oktober das Einstellungsverfahren für 367 zusätzliche Lehrerstellen im Bezirk Freiburg läuft. Und wer sich jetzt fragt, was sind das für Stellen? Das sind ein Teil von diesen 1440 Geisterstellen in Baden-Württemberg, die fälschlicherweise zuerst als besetzt ausgewiesen waren, aber eigentlich frei sind. und die wurden jetzt dann letzte Woche ausgeschrieben. Habt ihr euch darauf dann auch schon beworben oder ist das überhaupt so ersichtlich? Was ist da jetzt eine Geisterstelle und was geistert da sonst noch so rum? Also ich bin täglich tatsächlich auf dieser Plattform, wo die Jobs ausgeschrieben werden und es sind tatsächlich sehr, sehr viele oder verhältnismäßig, so in den Jahren, in denen ich immer geguckt habe, verhältnismäßig viele Gymnasialstellen auch online. Über 300 tatsächlich, heute Morgen auf jeden Fall. Weil das sind Stellen, denen kann man schon aus dem Kleingedruckten entnehmen, dass es so Geisterstellen sind. Da steht dann dabei, dass man erstmal abgeordnet wird, oft an Grundschulen dann auch, aber auf gymnasiales Lernen verbeamtet wird, so wie ich es verstehe. Es sind Stellen, die natürlich im stark ländlichen Bereich sind. Da sprechen wir von Wutöschingen beispielsweise oder einfach auch Waldshuttingen, der Bereich. Und für mich sind das Stellen, die eigentlich schon in Frage kämen, aber nicht mein Fächer. Und deswegen kann ich mich nicht darauf bewerben. Also es wird viel Mathe, also die Hauptfächer werden stark gesucht, aber auch Musik, Kunst, Chemie, Physik, Sport wird auch viel gesucht, aber Spanisch und Geografie leider nicht. Da gab es bei mir bis zum 1.9. zwei Stellen für Wirtschaft in Offenburg und in Laar. Und da habe ich mich jetzt beworben. Ich habe da jetzt aber auch halt einfach wieder noch keine Rückmeldung bekommen. Ich hoffe ja so ein bisschen darauf, dass die wirklich gerade alle Hände voll zu tun haben und da wirklich dann sich vielleicht irgendwann noch melden oder also einfach, weil sie noch nicht so weit sind, ich da noch nicht die Stelle habe, aber also vielleicht auch ein bisschen zu viel optimistisch. Es kann auch einfach sein, dass es dann halt für mich nicht gereicht hat und ansonsten ist es eigentlich ähnlich wie bei dir. Da gibt es halt meine Fächer nicht. Was hattet ihr denn generell für Gedanken, als ihr das mitbekommen habt, dass da IT-Panik gab in Baden-Württemberg und dann mehr als tausend Stellen entdeckt wurden auf einmal? Ja, ich weiß nicht, ob ich geschockt war oder ob ich laut lachen musste. Es ist tatsächlich auch so, dass ich, eigentlich habe ich nur mit dem Kopf geschüttelt und dann gesagt, ja gut, was bringt es jetzt mich da aufzuregen? Es ist jetzt passiert und war aber da schon skeptisch, dass es wirklich für mich jetzt persönlich Auswirkungen haben wird und bin natürlich gespannt irgendwie auf eine Bilanz, wie viele von diesen 1440 Stellen tatsächlich dann jetzt im nächsten Schuljahr besetzt wurden. Das wird spannend für mich. Aber auch die vielen Geisterstellen werden nicht reichen, um alle Lehrkräfte, die noch keinen Job gefunden haben, zu versorgen. Denn es sind vor allem Schulen im Bereich der Sonderpädagogik oder im ländlichen Bereich, an denen Lehrermangel herrscht. Vor allem für Lehrkräfte, die an Gymnasien unterrichten wollen, sind die Einstellungschancen derzeit so schlecht wie schon lange nicht mehr. Warum das so ist, kann Monika Stein, Landesvorsitzende bei der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, erklären. Also das eine ist, dass wir tatsächlich am Gymnasium keinen Lehrkräftemangel haben. In allen anderen Schularten haben wir ihn am Gymnasium, haben wir ihn nicht. Das liegt auch an der Umstellung zu G9. Weil die Schülerinnen und Schüler ein Jahr länger zur Schule gehen, wird der Schulstoff gestreckt. Dadurch haben sie weniger Unterricht pro Schuljahr und es werden weniger Lehrkräfte gebraucht. Das heißt aber, die nächsten Jahre sinkt tatsächlich erst mal der Bedarf an Lehrkräften, die für allgemeinbildende Gymnasien ausgebildet sind. Zur Verdeutlichung, dieses Jahr werden nur knapp 500 Stellen besetzt, für die es aber dreimal so viele Bewerberinnen und Bewerber gibt. Erst in sieben Jahren gibt es durch G9 eine Klasse mehr und dann werden auf einen Schlag wieder 800 neue Lehrkräfte gebraucht. Und damit wieder zurück zum Gespräch. Wie früh wusstet ihr denn von dieser Problematik, dass G9 so eine Auswirkung dann hat? Tatsächlich ist mein Bruder ein bisschen politisch aktiv und hat zu mir gesagt, weil ich so enthusiastisch schon gesagt habe, es wird wieder G9 eingeführt, hat er zu mir gesagt, halt stopp, das ist jetzt erstmal eher schlecht für dich, weil die müssen ja erstmal rauswachsen, diese Jahrgänge. Und dann war mir eigentlich schon relativ früh klar, dass es dann einfach so weitergehen wird, bis halt dieser G9 32, 33 eingeführt wird. Also in sieben Jahre dann erst. Ja, und dann da diese Stellen auf einen Schlag dann kommen. Aber trotzdem ist das auch wieder für mich. Planer ist einfach ein kleines Problem, weil wenn man richtig plant, dann kann man es vielleicht auch mehr eindämmen, weil in sieben Jahren steht dann groß in der Presse, es fehlen überall Lehrer am Gymnasium und dieses Problem ist ja jetzt schon bekannt. Und ich glaube, wenn man uns jetzt, die auch motiviert sind, halten würde und auch flexibel halten würde, vielleicht auch ein bisschen fachfremd unterrichten lässt, dass wir dann auf jeden Fall bereit wären, in sieben Jahren unsere Fächer wieder zu unterrichten. Und da glaube ich, also ich habe jetzt auch nicht selber die Lösung, aber ich glaube, wenn man da vielleicht auch sich mal so Dinge vornimmt wie Klassenteiler oder Teamteaching heißt es also zu zweit unterrichten, dass man sowas mal einführt, weil wir sind ja auch, wenn man so die PISA-Studie anschaut oder so, werden wir ja auch nicht besser. Also unsere Leistung wird ja eher schlechter und durch solche Sachen könnte man das ja auch verbessern. Schlussendlich ist das ja eher insgesamt eine Geldfrage. Ich bin davon überzeugt, dass unser Land nicht bereit ist, uns zu halten, weil es hauptsächlich ums Geld geht. Das betrifft vielleicht auch alle Bürger und Bürgerinnen in dem Land, dass man sich einfach mal überlegen muss, ist es denn sinnvoll, dass wir unseren Haushalt so aufteilen, dass wir so wenig Geld oder nicht bereit sind, das Geld in die Bildung zu stecken. Und das kann man jetzt nicht einer Kultusministerin in die Schuhe schieben, sondern das ist vielleicht auch so ein gesamtlandespolitisches Problem, dass man da halt beim Haushalt auch mal überlegt, ob man vielleicht da die Mittel aufwendet und uns vielleicht auch durch solche Sachen wie Teamteaching oder indem man die Klassen kleiner macht, hält. Aber man merkt so ein bisschen, umso genauer man irgendwie auf die ganze Sache draufschaut, umso mehr kleine Problemchen tun sich dann irgendwie auf. Jetzt wird ja Gymnasialehrkräften explizit empfohlen, sich auch bei anderen Schulformen zu bewerben, zum Beispiel bei Grundschulen oder sonderpädagogischen Einrichtungen. Und ein Angebot vom Bildungsministerium ist dann, dass man sich für mindestens vier Jahre an diese andere Schule abordnen lässt und dann wieder an sein Stammgymnasium zurückgehen kann. Was haltet ihr denn davon, dass man dann einfach die Schulform wechselt für ein paar Jahre? Das hat die Frau Schopper, da habe ich auch ein Interview gelesen, da hat sie irgendwie gesagt, man kann Schreiner sein und arbeiten mit Holz, aber dann ist man trotzdem kein Zimmermann. Und das trifft ja so ein bisschen auf uns zu. Wir unterrichten Latein oder ich unterrichte Latein und Wirtschaft. Und was will ich da jetzt an einer Grundschule, wo diese Fächer überhaupt nicht unterrichtet werden? Und diese Ausschreibungen sind ja für solche Schulen. Das Gleiche gilt für die SBBZs. Da muss ich aber ganz kurz einhaken. Wirft sich bei mir die Frage auf mit dem Direkteinstieg. Es werden Leute angeworben, die Direkteinstieg als Lehrer anfangen sollen. Möchte ich einfach mal ein ganz großes Fragezeichen dahinter stellen. Und in der Realität ist es so, seit dem Referendariat habe ich meine Fächer nicht mehr unterrichtet. Ich unterrichte nur fachfremd. Ich unterrichte Englisch, Mathe, Deutsch, Physik, Musik, AES, WBS. Ich unterrichte eigentlich alle Fächer außer Religion und Chemie und ich möchte nicht sagen, dass es nicht super wichtig ist, das studiert zu haben, was man unterrichtet. Das ist natürlich, dann hat man einen anderen Background. Aber jetzt gerade in Schulen in der Sekundarstufe 1 glaube ich schon, dass man mindestens Nebenfächer und auch teilweise Hauptfächer so unterrichten kann, auch wenn man es nicht studiert hat, dass die Kinder mit einem Mehrwert daraus gehen. Und das finde ich auch einfach total schwierig, dass das System von der Realität so weit abweicht. Ja, also da muss ich dir auch zustimmen. Also ich bin selber von mir überzeugt, dass ich auch Mathe auf jeden Fall bis zur 10. Klasse unterrichten könnte. Ich habe jahrelang Nachhilfe gegeben, ich habe halt nur das Fach nicht studiert. Aber ich könnte auch von mir selber auch sagen, dass ich Mathe, Deutsch, Gemeinschaftskunde, dass ich mir diese Fächer auf jeden Fall zutraue und dass da auch die Schüler und Schülern mit einem Mehrwert rausgehen. Aber natürlich, ich glaube, das ist immer so dieser Unterschied, dass die Leute oder die Menschen auf dem Amt dann halt diese Fächerkombination sehen und dann davon ausgehen, wir können das nicht. Das hört man ja auch so ein bisschen in diesem Wortlaut von der Frau Schopper, dass die auch mit dieser Einstellung da reingeht und sagt, wir können keinen Dateinlehrer auf eine Deutschklasse loslassen. Und das finde ich dann auch, wie du sagst, einfach schwierig, weil wir haben ja hauptsächlich das Handwerk eines Lehrers gelernt. Was dann der Fachinhalt ist, das ist so ein bisschen relativ dazu, wie engagiert man ist oder wie vielleicht auch man sich mit diesem Fach identifiziert. Und es kann schon Fächer geben, eben, wie du sagst, Physik und Religion, wo dann halt diese Diskrepanz zu groß ist und man das studiert haben muss oder damit in Berührung gekommen sein muss. Aber so diese allgemeinen Fächer wie Deutsch oder Mathe, dass man da auf jeden Fall die Leute auch einsetzen kann. Also ihr sagt, man könnte sich eigentlich vieles aneignen und auch in anderen Schulformen unterrichten, aber es klappt offenbar trotzdem irgendwie oft nicht, dass man dann solche Stellen bekommt. Obwohl das System sieht es nicht vor. Also es ist Realität an Schulen, dass auch Lehrer, die da über eine Englischstelle reingekommen sind, unterrichten trotzdem Geschichte und Gemeinschaftskunde oder WBS. Es ist einfach de facto so. Und das ist schwierig, dass das Einstellungsverfahren nur über die studierten Fächer läuft. Ich habe da keine Lösung für. Also das möchte ich gar nicht sagen. Aber ich finde, man sollte da deutlich lösungsorientierter an das Problem Lehrermangel rangehen. Also vielleicht auch in dem Zusammenhang, dass ja vor allem an den Grund- und Realschulen und Gemeinschaftsschulen dieser Lehrermangel besteht. Und wir als Gymnasiallehrer, wir sind ja fachlich in den Fächern zum Teil auch, ich will jetzt nicht sagen viel tiefer drin, aber schon ein bisschen tiefer drin. Und da könnte man ja als Kultusministerium auch das Vertrauen in uns haben, dass wir, wenn wir mit einer Sprache hantieren, dann auch die deutsche Sprache vermitteln können. Wenn man in einem neuen Beruf anfängt, dann muss man sich ja auch oft erst mal einarbeiten und einen neuen Fachinhalt kennenlernen und das Gleiche gilt dann für uns für andere Fächer. Da sollte man sich vielleicht mal überlegen, welche Fächer kann man denn so zusammenfassen, weil dann glaube ich, dass man schon auch Lücken schließen kann. Wir zwei sind bereit, auch an einer anderen Schulform zu unterrichten. Und ich glaube, wenn man da einfach ein bisschen flexibler wird und auch die Augen ein bisschen mehr öffnet, dann kriegt man diesen Lehrermangel vielleicht auch eher bewältigt. Was mich jetzt nur wundert, es wird ja gerade eigentlich vom Bildungsministerium ja dann genau das quasi gesagt, um auch die Gymnasiallehrer zu vertrösten, ja, jetzt bewerbt euch doch vielleicht lieber mal auf Grundschule oder vielleicht auch sonderpädagogische Einrichtungen. Wenn es gerade so wenige Stellen am Gymni gibt, dann macht doch einfach das und ihr werdet dazu bereit. Aber es klappt trotzdem nicht. Das ist ja dann irgendwie auch ein bisschen verfehltes Angebot, oder? Also wenn man das ganz genau nimmt, ist das Angebot nicht verfehlt, sondern das ist zu ungenau. Also es geht darum, dass die sagen, also jeder Gymnasiallehrer, der Mathe und Deutsch hat, der kriegt sofort eine Stelle. Es geht einfach nur um die Fachkombination. Und dieses Angebot, das hört sich öffentlich wirksam sehr gut an, wenn dieses Angebot so kommt, aber man hat ja dann eben in diesem Artikel von der Frau Schoper gelesen, dass die Realität dann eine ganz andere ist und dass die wirklich von ihrer Einstellung, dass die Lehrer fachfremd unterrichten, dass das ein No-Go ist, auch nicht abweichen. Und das ist das Problem. Also gut gemeint, aber ungenügend in der Umsetzung. Ja, würde ich unterschreiben, ja. Es wird ja auch immer viel von diesem Bewerbungsverfahren gesprochen, was ja sehr lang ist und auch kompliziert für Außenstehende, vielleicht auch für Leute, die dann selber drin sind. Gebt mir mal einen Einblick, wie habt ihr denn dieses Verfahren erlebt? Für mich ist es intransparent. Ich weiß nicht, wie da was gehandhabt wird, ob wirklich nur Noten oder Gesamtqualifikationen zählen, ob das irgendwie eine Relevanz hat, wie lange man schon in dem Beruf auch ist oder als Krankheitsvertretung tätig ist oder ob das nur bei gewissen Verfahren zum Tragen kommt. Ich weiß, dass es beim Stellen-Info-Verfahren wohl so ist, dass es wirklich nur um eine Gesamtqualifikation da geht. Also eine Gesamtqualifikation stellt sich aus der Note des ersten und des zweiten Staatsexams zusammen. Und je besser da die Gesamtqualifikation natürlich ist, desto schneller bekommt man eine Stelle. Ja, ich weiß nicht, ob das jetzt was zählt, dass ich schon seit fünf Jahren Krankheitsvertretung mache oder nicht. Und das ist nicht zufriedenstellend, dass man nicht weiß, wo stehe ich, ist überhaupt noch die Hoffnung, Oder darf ich mir die Hoffnung noch leisten, irgendwann mal eine unbefristete Stelle oder eine Beamtenstelle zu bekommen oder nicht? Und ich bin mittlerweile schon so hoffnungslos, dass ich mich über eine unbefristete Angestelltenstelle freuen würde, wie ein Kind an Weihnachten tatsächlich. Ja, also ich finde, du hast einen ganz wichtiger Punkt angesprochen und da geht es eben um diese Note, weil bei diesem Listen-Verfahren, da ist wirklich die Note das, was alles zählt. Also man wird nicht wie bei einem Unternehmen zu einem Assessment Center oder so eingeladen, sondern man hat sein REF durchgeführt, Studium, und daraus wird dann die Note berechnet. Und diese Note, die zählt. Das heißt, eine Person, die jetzt vielleicht halt im REF und im Studium richtig gut war, die kriegt vor einer Person, die nicht so gut war, dann die Stelle früher. Oder das Problem bei der ganzen Sache, und das führt man als Lehrer, führt man die Diskussion auch öfters mal, wie sinnvoll ist es denn, einen Menschen nach einer Note zu bewerten? Also wenn man jetzt in Latein jemandem eine Eins gibt, ist der dann ein besserer Mensch, als der, der eine Drei hat. Eigentlich ja nicht, aber halt auf dem Latein, auf dem Blatt, ist die bessere Note. Und das ist das ähnliche Prinzip bei diesem Listenverfahren. Und das ist auch so ein bisschen ein Problem, klar, das ist dann, also verwaltungstechnisch verstehe ich das, dass das viel einfacher ist, verwaltungstechnisch durchzuführen, man muss keine Bewerbungsgespräche führen, man muss keine Assessment-Center oder sowas machen, aber es führt ja dazu, dass da quasi. Leute wie wir oder ich weiß nicht, wie bei dir die Note war, bei mir ist die Note im guten Bereich, aber leider nicht im sehr guten Bereich. Dass wir dann so ein bisschen unter den Tisch fallen. Und für mich war so neben Studium und neben Rev war immer auch so sehr viel, also ich bin in mehreren Vereinen tätig, ich bin vor allem im Sportverein sehr viel tätig und mache da schon seit acht, neun Jahren Jugendtrainer, ich bin jetzt Jugendleiter und ich habe auch immer neben der Schule sehr viel ehrenamtlich gemacht. Und da hat man ja auch jetzt schon vom Herrn Merz auch oft gehört, dass das Ehrenamt so wertvoll ist, aber natürlich fällt dann dadurch so ein bisschen meine Note halt nur in den guten Bereich statt in den sehr guten Bereichen, weil ich halt immer was nebenher gemacht habe. Aber das heißt ja nicht, dass ich ein schlechterer Lehrer wäre als jetzt eine Person, die da eine Einsernote hat und das ist dann auch so ein bisschen enttäuschend. Das finde ich dann auch bei dir, die schon fünf Jahre Krankheitsvertretung macht und dadurch auch Berufserfahrung hat. Sie müsste auf jeden Fall qualifizierter sein als jemand, der aus dem Reef kommt, weil sie einfach mehr Berufserfahrung hat. Und dass das dann, also ich weiß nicht genau, wie das funktioniert, aber ich nehme es schon an, dass es dann immer noch so funktioniert, nach Note bei diesem Listen-Verfahren, das ist ja eigentlich, wenn man das sich so objektiv anschaut, eine Frechheit, weil in jedem anderen Unternehmen da zählt Berufserfahrung viel mehr wie ein Abschluss. Und ich bin Wirtschaftslehrer und ich finde es immer diesen Vergleich ganz witzig zwischen freier Wirtschaft und diesem Beamtentum, weil da wirklich viele Sachen sehr, sehr unterschiedlich sind und dadurch halt auch. Ungerecht einfach, weil wir mittlerweile in der Gesellschaft auch schon viel weiter sind wie damals, als diese Konzepte für diese Beamtengeschichten entstanden sind oder halt wo diese Gesetze geschrieben wurden, wie die Verwaltung stattfindet. Und das ist halt einfach schade, dass daran nichts geändert wird und dass das Lichtenverfahren nicht mal überdacht wird. Also es sollte dringend mal aufgefrischt werden, sagt ihr? Ja, vor allem man sitzt da. Also bei mir ist es mit den Noten so, dass ich gerade noch im sehr guten Bereich bin. Aber es wird immer jemanden geben, der mit einer 1,2 oder mit einer 1,0 aus dem Reff raus ist. Und wenn dann Berufserfahrung oder Wartezeit oder wie auch immer man es nennen möchte, nichts zählt, dann sitze ich da bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag und warte darauf, dass mal jemand nicht mit einem 1,0 oder 1,2er-Schnitt aus dem Reff geht. Das klingt frustrierend. Ist es, definitiv. Sonst gibt es ja noch so eine andere Variable, die immer gesagt wird, was zu einer Beamtenstelle führen könnte, nämlich die Flexibilität des Wohnorts. Wahrscheinlich würde euch vielleicht das Schulamt jetzt sagen, wenn ihr bereit werdet, irgendwo im Schwarzwald-Barkreis zu arbeiten, dann hättet ihr jetzt eine Stelle. Was sagt ihr dazu? Ich habe dazu vielleicht eine Geschichte. Wichtig, ich habe eben da, wo das Lichtenverfahren rum war, war ich ganz ungläubig, weil ich gedacht habe, also bei mir im Latein-Referendars-Jahrgang waren vier Referendare. Und davon hatten zu diesem Zeitpunkt schon zwei eine Stelle und eine Person ging in die Verlängerung. Das heißt, aus meinem Jahrgang war eigentlich nur ich übrig. Aber also in Freiburg, es gibt ja auch noch andere Seminarstandorte. Trotzdem hat es mich dann so verwundert, dass ich dann gar nichts angeboten bekommen habe. Und da habe ich mal beim Schulamt angerufen und habe gefragt, Das kann doch nicht sein, dass es gar nichts gibt, wir waren eh nur so wenig, da muss es doch was geben für Latein. Und dann gab es tatsächlich eine Stelle am Bodensee, also zweieinhalb Stunden von hier entfernt. Und das hätte ich machen können, aber wie ich vorhin schon erwähnt habe, ich habe eine Freundin, die hat Sonderpädagogik und die hat jetzt in Lahnestelle bekommen und wir haben eigentlich so miteinander ausgemacht, wir schaffen das zusammen und wir wollen hier bleiben. Und dann habe ich das nicht gemacht. Und das ist dann halt eben diese Flexibilität des Wohnorts. Wäre ich flexibel gewesen, dann hätte ich das vielleicht gemacht, aber man kann ja auch nicht von jedem Bewerber erwarten, dass er so flexibel ist, dass er sofort seinen Wohnort wechselt. Und wie ich schon anfangs erwähnt habe, ich mache ja auch echt viel ehrenamtlich und das wäre ja, also für mich wäre das auch schade gewesen, wenn ich jetzt meine ganzen Ehrenämter hier niederlegen muss, nur weil ich für diese eine Stelle an Bodensee gehen muss. Aber wie flexibel im Wohnort sollte man wirklich sein, wenn man als Lehrerin oder Lehrer verbeamtet werden möchte? Dazu hören wir an dieser Stelle nochmal Monika Stein. Wir sprechen jetzt ja hier auch gerade aus Freiburg, weil Freiburg eine der drei Städte in Baden-Württemberg ist, die wirklich so sehr begehrt sind bei jungen Lehrkräften, dass man dort nicht unbedingt den Fuß ins Tür bekommt für eine Dauerstelle. Wenn ich sage, ich möchte nicht aus Freiburg weg, dann ist die Möglichkeit, dass ich eine Verbeamtungsstelle bekomme, sehr, sehr gering. Je weiter ich von Freiburg weggehe, desto größer wird die Chance, dass ich eine Dauerstelle bekomme. Das heißt, es lohnt sich schon auch nochmal zu gucken, wie weit ist mein Radius, wie weit kann ich pendeln, wie weit kann ich mir das zutrauen oder wie weit bin ich bereit, auch irgendwo hinzuziehen, meinen Wohnort zu verlegen, damit ich dann wirklich eine Dauerstelle habe. Wir versuchen seit Jahren dem Kultusministerium nahe zu bringen, dass sie mit Anreizen arbeiten müssen, um die Menschen dahin zu bringen, wo sie viel dringender noch gebraucht werden, in den Bereichen, die eben weiter weg sind von diesen besonders attraktiven Städten. Und das Kultusministerium steht aber immer noch auf dem Standpunkt, dass es reicht, dass den Menschen dort dann eben eine verbeamtete Stelle zur Verfügung gestellt wird. Und damit haben wir aber die deutlich schlechtere Ausstattung von den Bereichen, wie zum Beispiel im Hochschwarzwald oder oben am Oberrhein in der Waldshuter-Ecke oder sowas, wo wirklich viel zu wenige Lehrkräfte eingesetzt werden können. Aber nicht für alle ist diese Flexibilität im Wohnort möglich. So auch bei Helen und Simon. Bei mir ist es tatsächlich so, ich habe zwei Kinder in Freiburg und kann dadurch den Wohnort gar nicht wechseln. Und finde aber, wenn man sagt, bei Simon und bei mir ist es ja so, wir sind beide bereit, bis zu einer Stunde Fahrt einen Weg auf uns zu nehmen, finde ich, ist das schon eine enorme, Flexibilität, weil das einfach schon super viel Zeit frisst und glaube ich auch wirklich Energie frisst. Ich kenne Kolleginnen, die nach Hüfingen, elf Jahre nach Hüfingen gependelt sind oder auch nach Blumenberg und da wirklich weite Wege über Jahre hinweg auf sich genommen haben. Zumal man nicht vergessen darf, wenn man über das Listenverfahren eine Stelle bekommt, es war eine gewisse Anzahl an Jahren an die Schule gebunden, dann kann man anfangen, einen Versetzungsantrag zu stellen. Das kann aber dir die Schulleitung nochmal eine gewisse Anzahl an Jahren verwehren. Bis dann der Versetzungsantrag durchgehen würde, sind das vielleicht sechs bis acht Jahre. Und dann nach Freiburg zu kommen, kann auch gerne nochmal sechs bis acht Jahre dauern. Das bedeutet, man würde dann da so zwölf, 15 Jahre pendeln, wenn es doof läuft. Und im Landkreis Lörrach werden ja Lehrer so eklatant gesucht, dass es tatsächlich so ist, dass. Gemunkelt wird, dass man da erstmal nicht wegkommt und dass der Versetzungsantrag nicht durchgelassen wird. Und das muss man halt schon auch nochmal, so schwer ist es, irgendwie berücksichtigen. Und ja, deswegen bin ich nicht wohnortflexibel wechselbar. Schauen wir mal nach vorne. Was würdet ihr denn sagen, müsste sich denn ändern, vor allem an dem Stellenvergabeverfahren, damit es besser läuft, damit mehr junge Lehrkräfte zufriedener sind, in Stellen kommen, wie könnte das besser laufen? Also ich fände es toll und ich weiß, ich kenne die Argumente dagegen und die machen auch Sinn. Aber ich fände es trotzdem toll, wenn Schulleitungen mehr Mitspracherecht haben. Soweit ich weiß, haben die nur bei schulbezogenen Stellen Mitsprache oder dürfen einen Wunsch äußern für einen Wunschkandidaten. Weil ich glaube, ich habe jetzt an vielen verschiedenen Schulen gearbeitet und es wichtig erachtet, dass das Team funktioniert. Damit steht und fällt einfach der Alltag in der Schule. Und das fände ich wichtig. Ich fände es wichtig, ich weiß nicht, inwiefern Schulleitergutachten oder Arbeitszeugnisse berücksichtigt werden. Ich glaube nicht. Und ich finde, da sollte einfach mal jemand sein, der dann einen Blick reinwirft. Und wenn da Schulleitungen reinschreiben, das ist eine superflexible Person, die sich in allen Bereichen leicht einfügt und teamfähig ist und Freude an dem Beruf mit sich bringt, sollte das irgendwie schon ins Gewicht fallen. Also das wären so zwei Punkte, die mir jetzt spontan einfallen würden, die man überdenken sollte. Ja, genau. Also ich habe ja auch schon ein paar Punkte angesprochen. Ich finde, in einem Unternehmen ist ja auch zentral, dass das Team in diesem Unternehmen oder das Unternehmen an sich funktioniert. Und die Leute auf dem Schulamt, die sind nicht die, die vor Ort sind und die in Elternkontakt sind und die die Schülerleistung überprüfen, sondern das sind ja die Schulleiter und die Lehrer vor Ort. Und warum haben die dann so wenig Entscheidungsgewalt darüber, wer in dieses Team reinkommt? Ich habe auch schon von ganz vielen Kolleginnen gehört, da gibt es dann so zwei, drei Vögel, mit Anführungszeichen, sage ich jetzt mal, im Kollegium, wo jeder weiß, die sind speziell, aber man kriegt sie einfach nicht weg. Und also das ist ja blöd, weil in einem freien Unternehmen, da würden diese Leute sofort gekündigt werden, weil sie nicht, oder was heißt sofort, es gibt ja auch Kündigungsschutz und so, aber trotzdem, diese Leute würden versucht wegzukriegen. Und hier ist das Problem, dass wir einfach dadurch, dass halt Leute, die so weit weg sind, von der Schule darüber entscheiden, wer an dieser Schule arbeitet, dass sich so Dinge einschleichen. Und ich glaube auch, das hat auch ganz viel mit unserer Schulqualität zu tun. Und vielleicht halt so dieser, also noch als weiterer Verbesserungspunkt eben vielleicht auch mal die Leute zu einem Bewerbungsgespräch erstmal kommen lassen, dass man sich da vorstellt oder meinetwegen auch ein kleines Assessment Center. Aber. Natürlich ist das wieder mehr Aufwand, das muss auch wieder jemand durchführen. Die Schulleiter haben eh schon genug zu tun, aber es wird ja auch schon öffentlich diskutiert, ob man vielleicht auch solche Verwaltungskräfte direkt an die Schulen setzt, die schon unterstützen. Und das könnten ja auch die durchführen, dass man da einfach so ein gewisses Personalmanagement direkt an der Schule etabliert oder auch vielleicht am Schulamt noch mehr in dieses Personalmanagement investiert, Damit wir da einfach die Leute auswählen, die vielleicht unabhängig von ihrer Note andere Qualitäten mitbringen, die auf jeden Fall die Schule oder auch das ganze Bildungssystem in Baden-Württemberg weiterbringen. Ich weiß natürlich, das ist alles nicht ganz so einfach umzusetzen. Das ist so leicht dahergesagt, aber das wären so die Ideen, wie man das vielleicht besser machen könnte. Es sind viele Ideen auf jeden Fall, die ihr da anspricht. Welche Ratschläge würdet ihr den anderen Lehrkräften mitgeben, die vielleicht gerade noch im REF sind oder die im Studium stecken oder vielleicht gerade im Studium anfangen, überlegen, welche Fächerkombi für sie denn passend wäre? Was würdet ihr ihnen empfehlen für diesen langen Weg, der ihnen im Prinzip noch bevorsteht? Ich würde zurückblickend auf meine Karriere sagen, ich habe den großen Fehler gemacht, im Master kein interesses Fach dazuzunehmen. Das Referendariat wird dann auch anstrengender, weil man drei Fächer hat, aber man ist viel flexibler mit drei Fächern. Und man kann auch die Fächer, also zum Beispiel Wirtschaft und Gemeinschaftskunde passt ja sehr gut zusammen und da hatten jetzt auch viele in REF diese Kombi. Und mit dieser Kombination hätte ich jetzt schon, würde ich sagen, vier bis zehn Stellen mehr mich bewerben können, weil ich einfach noch Gemeinschaftskunde dabei habe. Also ein drittes Fach ist auf jeden Fall ratsam. und generell bei der Fachkombination ist ein Hauptfach auch immer wichtig, weil ein Hauptfach hat halt viel mehr Stunden und durch ein Hauptfach kriegt man dann auch eher eine Stelle, weil wenn man jetzt so schaut, was ausgeschrieben ist, dann ist schon viel Deutsch und Mathe ausgeschrieben und also wer jetzt Deutsch und Mathe hat, der hat, also so denke ich, auf jeden Fall eine Stelle bekommen. Ja, Hauptfächer sind auf jeden Fall wichtig, die auch schulformübergreifend unterrichtet werden. Ich habe mir damals nie, oder ich habe das nicht in Erwägung gezogen, in einer anderen Schulform als einem Gymnasium zu unterrichten und bin eines Besseren belehrt worden. Deswegen Deutsch, Mathe, Englisch würde ich auch sagen, guck, dass ein Hauptfach dabei ist. Ich weiß nicht, Augen auf bei der Fächerwahl tatsächlich. Ja, also vielleicht auch da so über den eigenen Schatten springen und vielleicht ein Fach wählen, das einem richtig Spaß macht und ein anderes Fach ein bisschen ökonomisch wählen, damit man dadurch die Stelle bekommt. Und wie schafft man es, nicht durchzudrehen, wenn man jetzt die Schule startet und man hat noch keine Stelle? Wie bleibt man vielleicht optimistisch? Also ich bin in der Woche drei, vier Mal auf dem Sportplatz und ich habe da auch so meine Jungs, die ich trainiere und das macht mich wirklich glücklich. Und ich kriege das auch von den Jungs zurück. Das ist auch Lehrer oder Trainer, das ist ja sehr, sehr viel Beziehungsarbeit. Und das ist was, was mich beruhigt. Da habe ich mir jetzt auch, gestern stand ich wieder auf dem Sportplatz und habe mir gedacht. Ach so eine, dass ich keine Stelle habe. Aber wenigstens habe ich die Jungs hier, weil die halten mich hier über Wasser, weil die zeigen mir, ich bin eigentlich für diesen Beruf gemacht und es macht mir auch Spaß. Und natürlich muss man auch das Umfeld nennen. Ich habe ein sehr gesichertes Umfeld. Wenn ich das jetzt nicht hätte, dann wäre ich vielleicht schon echt am Boden. Und da muss man echt auch dankbar sein für die Menschen, die man um sich herum hat, dass die einem da so helfen und auch Verständnis haben, weil ich glaube, ohne die wäre das echt gerade eine richtig, richtig schlimme Zeit. Würdet ihr denn überlegen, einen anderen Job jetzt zu machen anstelle vom Lehrer-Dasein, wenn ihr jetzt weiterhin nichts bekommt? Also ich war schon bei der Bundesagentur für Arbeit und im Vergleich zu Simon habe ich ein paar Länze mehr auf dem Buckel. Und bei mir ist es tatsächlich jetzt so, dass ich, es macht mich unfassbar traurig, dass ich jetzt aufgrund der Situation und aufgrund dieses Systems dazu gezwungen werde, sukzessive, dass ich den Beruf des Lehrers oder der Lehrerin eben wahrscheinlich an den Nagel hängen werden muss, weil es für mich keine Zukunft hat, weil ich nicht alt werde mit befristeten Verträgen. das möchte ich nicht. Ich würde wahnsinnig gerne als Lehrerin arbeiten, aber die Situation zwingt mich dazu, meine Fühler in andere Richtungen auszustrecken. Und zu gucken, wie ich mich entweder weiterbilden kann oder sozialpädagogisch, irgendwie in die Richtung Jugendarbeit irgendwie mehr gehe oder ich weiß es noch nicht, aber ich werde mich umschauen müssen, weil das für mich nicht mehr so lange eine tragbare Situation ist. Ich habe mir auch so gesagt, ich kann jetzt den September noch überleben, Oktober wird schon kritisch, aber dann muss ich was haben. Und dann ist mir egal, wenn es kein Beruf als Lehrkraft ist, weil dann geht es darum, um meine Existenz und ich muss was machen. Und ich kann es mir nicht vorstellen, zu Hause zu sitzen oder einen kleinen Minijob zu machen und darauf zu warten, irgendwann mal eine Stelle zu bekommen, weil das ist für mich keine Option. Ich bin jemand, der muss was arbeiten. Und ich habe ja auch Wirtschaft studiert. Das heißt, da gibt es auch die Möglichkeit, in Betrieben einzusteigen. Natürlich würde ich da längst nicht das verdienen, was ich jetzt als Lehrkraft verdiene. Und ich muss auch noch wahrscheinlich irgendwelche Zusatzqualifikationen machen. Aber das würde ich dann auf mich nehmen, wenn es jetzt halt wirklich nichts gibt. Und das stimmt mich halt traurig, weil ich schon weiß, das ist schon der richtige Beruf für mich und ich würde ihn auch gern machen. Und dass einfach dieses System oder auch einfach die Situation gerade uns dazu zwingt, etwas anderes zu nehmen, das ist wirklich schade und das ist sehr, sehr traurig. Ich frage mich auch, ob es sich das Land Baden-Württemberg leisten kann, die Lehrer, die es schon hat, einfach gehen zu lassen oder weiterziehen zu lassen. Schweiz ist für mich auch immer noch ein Thema. Von Freiburg aus pendelt man relativ schnell in die Schweiz. Da werden Lehrer auch dringend gesucht. Und man wird gut entlohnt. Und das ist auf jeden Fall auch nochmal ein Punkt. Und ich würde aber lieber in Baden-Württemberg arbeiten. Also muss, glaube ich, da wirklich was passieren, um das Land, die Lehrer, die es schon hat, zu halten. Letzte Frage. Würdet ihr rückblickend nochmal den Beruf der Lehrerin oder des Lehrers wählen? Definitiv ja. Mit einer anderen Welcher-Kombination. Und eine andere Schulform. Genau, also andere Schulformen würde ich nicht sagen. Ich merke auch so bei den kleinen 5- und 6-Klässern, dass die mir nicht so liegen, weil die schon eher so Jugendliche mir eher liegen. Aber ich würde auch definitiv diesen Beruf wählen. Aber ich finde diese Jugendarbeit und auch so mit einer Jugendgruppe zusammen was erreichen, zusammen Kompetenzen erreichen, das ist was sehr Erfüllendes. Wären die Umstände jetzt nicht so, dann würde ich auch gar nichts gegen den Lehrerberuf sagen, weil das ist einfach ein sehr, sehr schöner Beruf und er erfüllt und ich würde ihn am liebsten mein Leben lang ausüben. Ja, schließe ich mich an. Dann drücke ich euch ganz arg die Daumen, dass ihr euren Traumjob weiter ausüben könnt, dass da noch was kommt, auch wenn es jetzt kurzfristig wird, dann zum Schulstart. Und vielen Dank, dass ihr da wart heute. Danke. Danke. Wie Helen und Simon sind auch viele andere junge Lehrkräfte unzufrieden mit dem Verfahren der Stellenvergabe. Deshalb haben sich einige bei der BZ gemeldet und wollen an dieser Stelle anonym von ihren Erfahrungen erzählen. Ganz ehrlich, der Weg vom REF bis zur Stelle ist psychisch total belastend. Und da es häufig auch nur Stellen sind, die befristet sind, ist es noch viel belastender, denn man weiß, nach einem Jahr geht das Ganze wieder von vorne los. Ich habe nach meinem REF nur ziemlich spontan eine befristete Stelle bekommen und das auch nur über Umwege. Und es fühlt sich ehrlich gesagt nicht wertschätzend an, nicht wertschätzend dafür, dass man fünfeinhalb Jahre studiert, anderthalb Jahre REF durchmacht und dann kommuniziert wird. Man wird so dringend gebraucht und landet dann in einem System, das einfach unsicher ist und das keinerlei Planbarkeit bietet und das diese Wertschätzung null entgegenbringt. Viele Kollegen und Kolleginnen sind frustriert. Das macht etwas mit einem und man fühlt sich alleingelassen und fragt sich irgendwann wirklich, ob es das Ganze wert war und ob das noch sinnvoll ist. Ja, ich habe dieses Jahr im März mein Referendariat beendet, nachdem ich nach einer Pause, in der ich im Mutterschutz und der Elternzeit war, dann wieder eingestiegen bin. Und ja, ich war ganz froh, dass ich mein Referendariat mit Auszeichnung abschließen konnte, weil ich mir dadurch erhofft habe, möglichst schnell eine feste Stelle an einer Schule zu bekommen. Was sich dann aber gezeigt hat, war, dass das gar nicht so einfach ist. Klar, als junge Lehrerin oder als direkt, wenn man aus dem Referendariat kommt, erhofft man sich oder wünscht man sich natürlich etwas ganz anderes, vor allem, wenn man auch noch eine Familie hat. Ja, ich bin Lehrer an einer Gemeinschaftsschule und habe mein REF letzten Sommer beendet. Die Zeit nach dem REF war schwierig, weil es sich relativ früh angedeutet hat, dass ich nicht an der Schule bleiben kann, was auch der Normalfall ist, warum auch immer, was für mich überhaupt keinen Sinn macht. Eigentlich sollte man doch meinen, dass es für eine Schule wie auch für einen Betrieb von Vorteil ist, wenn man die Leute, die man ausgebildet hat, auch übernimmt. Und dann stellt sich eben die Frage, finde ich eine Schule in dem Raum, in dem ich leben möchte? Da ist natürlich, wie immer, alle möchten in die Ballungsräume, aufs Land möchte irgendwie keiner. Deswegen ist es eigentlich auch fast unmöglich, eine Beamtenstelle zu bekommen. Das heißt, du musst den Kauf nehmen für eine Beamtenstelle wegzuziehen oder jeden Morgen eine Stunde Autofahrt auf dich zu nehmen. Oder du arbeitest halt den gleichen Job, aber nicht verbeamtet und bekommst dann, obwohl du die gleiche Arbeit machst, 1000 Euro weniger ungefähr im Monat. Eigentlich müsste das Land solche Engpassregionen attraktiver gestalten, zum Beispiel mit Garantie auf Versetzung und nicht diese ganzen jungen Lehrkräfte verheizen. Denn sonst bleiben diese Regionen für immer Engpass und motivierte Lehrkräfte verlieren irgendwann die Lust. Und es ist nicht richtig, dass die Kinder unsere Zukunft quasi unter diesen ganzen Bedingungen leiden muss. Das war BZ am Ohr, der Podcast der Badischen Zeitung. Jede Woche ein Thema, das Südbaden bewegt.