Latest / Gin And Talk / Joe Bausch über Gewalt, Missbrauch und alte Wunden
Transcript
- 0:00Speaker 0: Ich habe keine blutende Wunde mehr gehabt, die ich verpackt hätte.
- 0:04Speaker 0: Aber es war Narben und wenn man Narben anfasst dann kommt natürlich auch eine sehr präzise Erinnerung wieder hoch.
- 0:11Speaker 0: Und das war intensiv aber es fühlte sich für mich richtig an.
- 0:20Speaker 0: Ich war das geborene Opfer weil ich war arglos, ich war froh über jede Zuwände und auch über Zärtlichkeit Und da ich nicht aufgeklärt war, wusste ich auch nicht genau was das zu bedeuten.
- 0:35Speaker 0: Ich wusste nur, es sollte besser nicht bin meinem Vater zu überregen... Das verrückte ist wenn man darüber redet, lernt man plötzlich dass es viele gibt die ähnliche Geschichten zu erzählen haben.
- 0:50Speaker 0: Ich kann sagen, ich hatte keine Vorurteile!
- 0:52Speaker 0: Ich war auch nicht nachtragend, ich habe keine Voruteile.
- 0:56Speaker 0: Ich hatte nun meine besondere Erfahrung.
- 0:59Speaker 1: Herzlich Willkommen, mein Name ist Daniel Fürg und ich freue mich sehr euch heute zu einer neuen Episode Gen & Talk an unseren Badresen begrüßen zu dürfen.
- 1:09Speaker 1: Mein heutiger Gast ist Joe Bausch.
- 1:11Speaker 1: Der Schauspieler Autor und Arzt ist den allermeisten als Gerichtsmediziner Dr.
- 1:16Speaker 1: Rode aus dem Kölner Tatort bekannt – den Spiel der inzwischen nämlich schon seit siebenundzwanzig Jahren.
- 1:22Speaker 1: Parallel zu seiner schauspielerischen Tätigkeit war Bausch über dreißig Jahre lang als Anstallsarzt in der Justizvollzugsanstalt Wehrl tätig.
- 1:30Speaker 1: In seinem aktuellen Buch Verrücktes Blut beschreibt er seine eigene Lebensgeschichte, dabei geht er auch offen mit sexuellem Missbrauch und physischer Gewalt um die einschneidender Teil seiner Kindheit und Jugendwahn.
- 1:42Speaker 1: Ich wollte von ihm wissen, wie er zu dem wurde der Erhäute ist.
- 1:46Speaker 1: Wie er die Hürden seines Lebens überwinden konnte und wie viel Know-how aus dem echten Leben in seine Tatortrolle fließen konnte.
- 1:54Speaker 1: An dieser Stelle eine Triggerwarnung zu dieser Episode.
- 1:57Speaker 1: Wir sprechen sehr offen und direkt über sexuellen Missbrauch, physische Gewalt und Suizid.
- 2:02Speaker 1: Solltest du dich mit diesem Themen unwohl fühlen solltest du dir diese Episode besser nicht anhören.
- 2:08Speaker 1: Solltest du akut Hilfe benötigen, wende dich bitte an eine entsprechende Einrichtung oder kontaktiere die Telefonseelsorge.
- 2:14Speaker 1: unter nullachthundert hunderteilf nullhundert elf.
- 2:18Speaker 1: Wenn dir diese Episode von Gen & Talk gefällt folge uns bei Spotify Apple Podcasts oder wo auch immer du gerne Podcast hörst.
- 2:26Speaker 1: Diese und viele weitere Episoden findest Du auch als Videopodcast auf unserem YouTube Kanal.
- 2:32Speaker 1: Jetzt aber viel Spaß beim Zuhören!
- 2:34Speaker 1: Schön dass ihr alle wieder mit dabei seid.
- 2:37Speaker 0: Zwei Menschen, eiskalte Drinks und eine Menge Zeit für ein persönliches Bargespräch.
- 2:45Speaker 0: Herzlich willkommen an unseren Bartresen!
- 2:49Speaker 0: Herzlich Willkommen zu einer neuen Folge Gin & Talk.
- 2:54Speaker 0: Mach es dir gemütlich, lehne dich zurück und tauche ein in die verrucht düstere Atmosphäre unserer Studio-Bar.
- 3:11Speaker 1: Lieber Joe, ich freue mich sehr, dass du heute hier bist und wir ein wenig über dein aktuelles Buch besonders aber über deinen Leben sprechen können.
- 3:19Speaker 1: Dass du darin so ein bisschen verarbeitet hast.
- 3:21Speaker 1: herzlich willkommen!
- 3:22Speaker 1: Ja
- 3:23Speaker 0: ganz lieben Dank, dass ich hier sein darf und das Angebot der Getränke ist ja schon überwältigend schön.
- 3:31Speaker 1: Du hast irgendwo erzählt, dass du eigentlich vor zehn Jahren schon mal darüber nachgedacht hast das alles aufzuschreiben und du dich damit aber noch nicht so richtig wohlgefühlt hast oder auch noch nicht.
- 3:40Speaker 1: So offen mit dieser ganzen Geschichte über die wir gleich noch reden werden umgehen wolltest und konntest was hat sich denn seitdem verändert dass du heute sagst okay jetzt ist es mir egal jetzt gehe ich raus mit allem und bin komplett schonungslos zu mehr selbst in meiner Vergangenheit.
- 3:58Speaker 0: Naja, ich sage das mal so vor zehn Jahren, elf Jahren hätte der Verlag es wahrscheinlich auch noch nicht irgendwo in seinem Portfolio genommen.
- 4:07Speaker 0: Die wollten erstmal, sag' ich mal was anderes von mir haben, dass sicher verkäuflich war.
- 4:13Speaker 0: Gut!
- 4:14Speaker 0: Das nächste ist natürlich... Ich habe Geschichte immer im Buch vom Gewalt, vom Missbrauch oder auch vom Kiffen.
- 4:25Speaker 0: In meiner Zeit als aktiver Anstaltsarzt in einem Gefängnis entweder immer Vorhaltungen von Kindesmissbrauchern.
- 4:36Speaker 0: Also hätte ich dem was abgeschlagen, was sich ohnehin abgeschlagen hat?
- 4:39Speaker 0: Ja ja klar!
- 4:41Speaker 0: Kein Wunder... Ich habe das von Ihnen gelesen.
- 4:44Speaker 0: Umgekehrt hätte ich Sympathie bekommen von Kiffern die gesagt haben, dass du auch gekifft hast auf Verständnis dafür, die nicht realisiert hätten.
- 4:55Speaker 0: Das ist eine Geschichte, die vor fünfundsiebzig spielt.
- 4:59Speaker 0: Da war es halt noch erlaubt solche Geschichten zu machen und zu erzählen.
- 5:04Speaker 0: Also ich fand jetzt... Es ist eine gute Zeit!
- 5:06Speaker 0: Ich fand auch in Alter von knapp über siebzig den richtigen Zeitpunkt für die Biografie.
- 5:13Speaker 0: Dann ist man so ein bisschen, hat man Abstand zu manchen Sachen gewonnen?
- 5:17Speaker 0: Und dann war nur noch die Entscheidung zu treffen wie weit öffne ich die Hinterbühne?
- 5:25Speaker 0: Und ich will dir das so sagen.
- 5:28Speaker 0: Ich glaube, die Menschen, meine Leser schätzen mich bei meinen Lesungen aufgrund von Authentzität.
- 5:35Speaker 0: Die sagen, der redet zu wie er denkt und ist klar in der Diktion.
- 5:41Speaker 0: Wenn man so ist wie ich bin dann ist man dem auch verpflichtet die Hose runterzulassen.
- 5:49Speaker 0: Ich habe das früher auf der Bühne getan, weil ich dachte, ich spiele eine Zehner und die wird im richtigen Leben nicht angezogen gemacht.
- 5:57Speaker 0: Dann hatte ich die Hosen unten auch im Theater.
- 6:00Speaker 0: Und wenn ich etwas von mir erzähle, kann ich nicht hingehen, kann sagen, Herr Haakbot, das gefällt mir nicht!
- 6:05Speaker 0: Das mache ich anders... Also wenn ich meine Biografie schreibe um eine Legende von mir zu erzählen, dann nenne ich es auch die Legenden von Joe Bausch und nicht meine Biographie.
- 6:17Speaker 1: Jetzt musstest du ja um diese ganzen Dinge aufzuschreiben auch noch mal ganz tief in deine eigene Gedanken und Erinnerungswelt einsteigen.
- 6:27Speaker 1: Wie hat sich das für dich angefühlt?
- 6:28Speaker 1: Weil ich könnte mir vorstellen, gerade die schlimmeren Dinge über die wir dann gleich nochmal im Detail reden packt man vielleicht irgendwann nicht in.
- 6:36Speaker 1: so eine habe ich vergessen Kiste Das funktioniert nicht aber zumindest hüllt man sie irgendwie einen Vielleicht so ein bisschen Luftpolsterfolie, man weiß es ist da aber man versucht vielleicht nicht die ganze Zeit daran zu denken und erst recht nicht aktiv daran zu danken.
- 6:50Speaker 0: Na ja natürlich ist wenn man sich konzentriert mit dem eigenen Leben beschäftigt weil man jetzt eine Buch fetcht alleine die Tatsache dass man einen Abgabetermin hat.
- 7:00Speaker 0: und irgendwann gibt's den Startschuss oder gibt's ein Abgabettermin ist das verdichtet und was im Leben alles nacheinander über viele Jahre stattgibt Funden hat oder stattfindet, das wird jetzt alles irgendwo verdichtet auf wenige Monate.
- 7:14Speaker 0: Man geht dann in diesen Tunnel hinein und taucht ab und es ist dann intensiv.
- 7:20Speaker 0: aber da ich manche Geschichten halt natürlich ... Du hast es so schön gesagt vielleicht schon in eine Bubblefoil gepackt habe.
- 7:31Speaker 0: Er musste sie nochmal aufmachen und so... Aber das Aufmachen das ist natürlich so.. Ich hab keine Blutende Wunde mehr gehabt, die ich verpackt hätte.
- 7:40Speaker 0: Aber es war Narben und wenn man Narben anfasst dann kommt natürlich auch eine sehr präzise Erinnerung wieder hoch.
- 7:47Speaker 0: Und das war intensiv aber es fühlte sich für mich richtig an.
- 7:56Speaker 0: also es war jetzt nicht so dass ich das Gefühl hatte oh Gott nein!
- 8:02Speaker 0: So ist es, so wie ich mich an der Figur angenehrend habe als Schauspieler.
- 8:08Speaker 0: Da hab' ich ja auch versucht alles irgendwie aufzusaugen, alles zu wissen und mir vorzustellen was hatte der für ein Leben?
- 8:14Speaker 0: Wie hatte er?
- 8:15Speaker 0: Warum bist du so geworden?
- 8:16Speaker 0: Und genau so bin ich an mich selber rangegangen.
- 8:20Speaker 0: Ja also mit dem Skalpell manchmal muss man dann... Man muss auch schneiden wenn man operiert wird in der Regel auch geschnitten und so muss man sich das vorstellen.
- 8:32Speaker 1: Du bist neunzehnt dreieinfünfzig auf die Welt gekommen, kurz nach dem Krieg.
- 8:37Speaker 1: Bist im Westerwald aufgewachsen in Ella dein Vater Landwirt?
- 8:41Speaker 1: Du bist auf einem Ruf groß geworden wurde es da natürlich auch direkt quasi in die Arbeit sozusagen hineingeschubst warste eigentlich auch in den Augen deines Vaters derjenige, der diesem Hof mal übernehmen sollte.
- 8:56Speaker 1: und dann sind einige Dinge passiert.
- 9:00Speaker 1: was für mich so ein eindrücklicher Moment oder so eine eindrückliche Beschreibung in deinem Buch war, ist als du beschrieben hast oder erklärt hast dass dein Vater zwar alle Tiere beim Namen genannt hat und aber die Kinder nicht.
- 9:17Speaker 0: Daher waren Frida schon öfter also als ich habe es nicht vermisst sag' ich mal Es ist mir viel später erst aufgefallen.
- 9:30Speaker 0: Vielleicht hat es etwas damit zu tun gehabt, ich bin zur Hause geboren wie das damals üblich war.
- 9:38Speaker 0: Das war ein Hausgeburt, das war Sonntag und mein Vater wurde halt eben zum Standesbeabten geschickt und hatte von meiner Mutter den Auftrag diesem Kind.
- 9:49Speaker 0: Damals war man natürlich froh dass er Junge war, das konnte man früher in dieser Zeit nur nicht vorher gucken.
- 9:55Speaker 0: dass der sollte Wolfgang oder Gerd heißen.
- 9:59Speaker 0: Das war jedenfalls der Wunsch meiner Mutter, oder sogar die vorherige Absprache mit meinem Vater.
- 10:05Speaker 0: Mein Vater ging zum Standesbeamten und er ist Hermann mit Vornamen und mein Vater ist Josef Und kam zurück und das Kind hieß Hermann-Josef ohne Bindestrich.
- 10:15Speaker 0: Meine Mutter hat dann später einen Bindestrech dazu gemacht weil sie irgendwie das noch schöner fand.
- 10:19Speaker 0: ich fand es noch schlimmer.
- 10:21Speaker 0: Ich fand meinen eigenen Vornamen wirklich nicht so, dass ich ihn gerne gehört hätte.
- 10:25Speaker 0: Fakt ist natürlich, die Tiere hatten Namen.
- 10:29Speaker 0: Die hießen halt die Pferde hatten ihre Namen... ...die Kühe hießen Susi und Bjorn Hansy und wie sie alle hießen, die Prerde hatten schöne Namen.
- 10:37Speaker 0: Ich hatte halt einen Namen der ich selber nicht mochte und den vielleicht auch meinen Vater nicht so sonderlich mochte.
- 10:43Speaker 0: Jedenfalls, ich war entweder der Große, das fand ich schon toll im Unterschied zu meinem kleinen Bruder war ich der Groß, aber es schickte ein Großen mal raus.
- 10:52Speaker 0: Manen Vater hat mich so gut wie nie mit dem Vornamen angesprochen.
- 10:57Speaker 0: Vielleicht war er schuldbewusst, dass er den Fehler gemacht hat und vielleicht mochte er den Namen auch nicht.
- 11:02Speaker 0: aber ich glaube es hatte auch eine gewisse Nachlässigkeit.
- 11:06Speaker 0: Es war ja nicht so wichtig weil das Verrückte war in dieser katholisch geprägten Gegend, dass man zum Namenstag wurde man beklügt wünscht.
- 11:17Speaker 0: Man bekam ein Geschenk zum Geburtstag.
- 11:21Speaker 0: Herzlichen Glück und Joshua der Geburtstag, das war es.
- 11:24Speaker 0: Das war für was?
- 11:27Speaker 0: Also wie auch immer ich habe später halt eben mir in der Pubertät den Spaß gemacht beim Vater zu sagen okay ihr habt mir die Namen von Hermann Göring und von Josef Gümbels gegeben.
- 11:42Speaker 0: Fand er nie so witzig weil da war definitiv kein alter Nazi.
- 11:47Speaker 1: Würdest du sagen, wenn wir da so mal ein bisschen analytisch in deinen Vater hineingehen?
- 11:52Speaker 1: Ihm hat ja scheinbar so'n bisschen ein bisschen Empathieverständnis da.
- 11:58Speaker 1: Gefehlt, würdest du sagen er hat durch diese ganzen Kriegs-Wirren und die Schrecken des Krieges einfach aus ein bisschen den Glauben an die Menschen verloren.
- 12:08Speaker 1: Und hat sich da so'n Stück weit für sich selbst distanziert von Emotionen, die dann irgendwie auch mit Menschen zusammenhängen weil er sich vielleicht auch nicht mehr darauf einlassen wollte?
- 12:18Speaker 0: Ich habe noch andere Erklärungen dafür, die das ergänzt was Du gesagt hast.
- 12:22Speaker 0: ich glaube... Die Generation meines Vaters ist Durchweg sag ich mal lieblos, ohne Zärtlichkeit oder große empathische Geste groß geworden.
- 12:37Speaker 0: Also mein Vater ist im Jahr und dreizehn geworden war einer der ältesten von insgesamt vier Söhnen.
- 12:47Speaker 0: Und sein Vater wiederum, also mein Großvater kam aus dem ersten Weltkrieg mit einer Schussverletzung hatte ein offenes Bein, eine ewig schwere Wunde.
- 12:57Speaker 0: War ein gebrochener Mann auch traumatisiert und mein Vater hat auch nichts anderes kennengelernt.
- 13:04Speaker 0: Als er zwölf dreizehn war, hat der im Endeffekt schon seinen Vater ersetzen müssen und war halt, sagt sich mal, der Älteste auf dem die Arbeit, die Last und die Verantwortung ruhte und erkannte nix anderes.
- 13:16Speaker 0: Und woher sollte er es kennen?
- 13:20Speaker 0: Von seiner sehr streichen Mutter meiner Buch her auch beschrieben an etwas harschen Großmutter Maria, da hatte er ja auch nichts zu lachen.
- 13:29Speaker 0: Also der musste spuren, der musste funktionieren.
- 13:32Speaker 0: die Tiere um ihn herum, die Pferde, die Geule alles musste irgendwo das tun was schnell und zügig zu tun war.
- 13:39Speaker 0: und jedes Sperren oder jedes Zögern oder jedes... Ne mach ich nicht.
- 13:47Speaker 0: Das musste sanktioniert werden, also der Kante ist nicht besser.
- 13:52Speaker 0: Und das was er dann erlebt hat den Krieg und die Gefangenschaft und danach wieder das Kämpfen darum wieder, sage ich mal Existenz auf dem Bauernhof zu sichern und die Alten auch mit durchzuziehen – das war ja nunmal die Aufgabe – das verlangte unendliche Fleiß Und der hat sich wirklich auch selber nie geschont.
- 14:21Speaker 0: Der ging immer voran und das Bild ist so dass, also ich kam mir immer so vorher noch mit Pferden da konnte auf wunderbar mit Pherden eigentlich umgehen wobei es hatte mit pferdeflüstern nichts zu tun.
- 14:35Speaker 0: Das war totale Disziplinierungsakte!
- 14:39Speaker 0: So ging man halt um.
- 14:40Speaker 0: Das war ja auch das Gesetz der Zeit, also was wir heute als Schwarze Pädagogik begreifen.
- 14:49Speaker 0: Das war damals die Anerkante offiziell nicht... Also das war so der Weg!
- 14:55Speaker 0: So macht man das.
- 14:57Speaker 0: Heute sagt man, nee gewaltlos und zärtlich und empathisch.
- 15:01Speaker 0: Damals waren hier die Paaren, was hinter die Löffel.
- 15:04Speaker 0: Der wird in die Schuhe gestellt, dann wird er in die Stur gebracht, da war Aufzucht sag ich mal eher als erziehen, aufziehen auch.
- 15:14Speaker 0: Erziehen klar... Wir sollten rechtschaffende kottesfürchtige Menschen werden gar keine Frage.
- 15:21Speaker 0: aber das passiert halt eben in der Methodik dieser Zeit und der Krieg hatte die Leute ja nicht an es besseren Belehrt sondern sie kämpften knarnlos darum wieder auf die Beine zu kommen.
- 15:36Speaker 0: und also weil das war ja nochmal ein Trauma Und sie hatten erlebt, dass das Leben nichts wert ist.
- 15:43Speaker 0: Nichts!
- 15:44Speaker 0: Gar nix.
- 15:45Speaker 0: Und dass manchmal das Leben eines Menschen weniger wert ist als das Leben von der Kuh oder sonst was?
- 15:52Speaker 0: Weil die kannst du ... Wenn du Hunger hast, können Sie die schlachten und fressen.
- 15:58Speaker 0: Das kannst du mit den Menschen nicht wollen so fahren.
- 16:02Speaker 0: Ich kann die Haltung meines Vaters gut erklären auf die meiner Mutter Aber natürlich ist das nichts, woran man jetzt was Tolles finden muss.
- 16:15Speaker 0: Erklären ja!
- 16:17Speaker 0: Aber dann kannst du schon sagen und hat es dir geschadet?
- 16:22Speaker 0: Das ist so immer der Satz.
- 16:23Speaker 0: und hat's dir geschaded?
- 16:25Speaker 0: Nein aber es hat mich auch nicht weitergebracht.
- 16:28Speaker 0: Es hätte mich vielleicht anders weitergebracht.
- 16:30Speaker 0: Es gab andere die haben ähnliches erlebt wie mein Vater aufgrund ihrer Erlebnisse besonders zurückhalten, besonders zärtlich, besonders aufmerksam mit ihren Kindern umgegangen.
- 16:44Speaker 0: Weil sie wussten wie wertvoll das Leben ist.
- 16:47Speaker 0: Gar keine Frage!
- 16:48Speaker 0: Die haben eine andere Konsequenz draus gezogen.
- 16:51Speaker 0: aber mein Vater kannte halt diese bäuerliche Harte die es da hat auch im Umgang mit den Elementen und mit den Tieren usw.
- 17:01Speaker 0: Da musste Strenger und Klarheit sozusagen sein.
- 17:06Speaker 0: Das war halt eben auch das Leben von selbstständigen Bauern.
- 17:11Speaker 0: Die Freiheit, die man hatte, war aber begründet, dass man Land hatte, aber das verpflichtete ein Knarrenlos zu immerwährender Arbeit.
- 17:22Speaker 0: Urlaub gab es nicht und an Sonntagen wird gearbeitet
- 17:25Speaker 0: usw.,
- 17:27Speaker 0: insofern habe ich heute Alles Verständnis der Welt, weil ich kann mich in diese Zeit hineinversetzen.
- 17:37Speaker 0: Aber es gehört auch zur Wahrheit, dass man, wenn man eine Entwicklung beschreibt wie man angefangen hat als Kind und wo man dann erst mal lang gegangen ist bis man zu dem wurde, der man heute ist.
- 17:50Speaker 0: das schon auch eine ziemliche Freise ist für mich.
- 17:56Speaker 1: Ich bin selbst auch viele Jahre später aber durchaus mit Gewalt aufgewachsen.
- 18:05Speaker 1: Ich habe die Erfahrung gemacht, es gibt zwei Wege wie man damit umgeht als Kind.
- 18:09Speaker 1: der eine Weg man knickt ein und wird so einen sehr in sich zurückgezogener Mensch der auch durchaus eine gewisse Furcht vor dem da draußen hat eigentlich niemanden so richtig vertrauen kann.
- 18:24Speaker 1: Oder aber man fängt an zu rebellieren und sucht sich seine Ventile, sucht seine Ausflüchte um aus dieser Situation herauszukommen oder zumindest in den Situationen wo man nicht in dieser Situation gefangen ist.
- 18:38Speaker 1: Auszubrechen.
- 18:40Speaker 1: welcher Typ warst du denn da?
- 18:41Speaker 0: Ich war schon auch eher der Rebellich am Anfang als Kind.
- 18:47Speaker 0: In meiner Kindheit war ich nicht rebellig Da war ich dann eher, habe ich die kleinen Fluchten gesucht.
- 18:53Speaker 0: Ich hab mich in die Bücher vertieft und mich zurückgezogen im Endeffekt.
- 18:59Speaker 0: Ich war immer glücklich über Momente, wo ich mit dem Buch irgendwo eine Scheune verstecken konnte oder bei Tantéries ins Zimmer.
- 19:06Speaker 0: Und keiner hat mich sozusagen erst mal sofort ... Wo ist er?
- 19:10Speaker 0: Da habe ich gelernt auch selbst aufm Klo mit dem Bruch, mich zurückzuziehen.
- 19:17Speaker 0: Weil da bist du auch nicht sordiert.
- 19:19Speaker 0: Wo bleibt denn der?
- 19:21Speaker 0: Also das war eher Rückzug, also das erste was du genannt hast.
- 19:26Speaker 0: Der Situation aus dem Wege zu gehen und ein bisschen auch zu verstecken bis du merkst Du musst dich auch wehren können.
- 19:37Speaker 0: in meiner Geschichte sind so ein paar Erlebnisse in der Schule wo man dann anfängt irgendwo Dich auch.
- 19:44Speaker 0: da bist du gefordert Da musst du dann Platz suchen entweder ...knickst du ein und ziehst dich auch da zurück, aber das kannst du nicht.
- 19:52Speaker 0: Du musst ja weiter hin in die
- 19:53Speaker 0: Schule.".
- 19:54Speaker 0: Da hab ich mich gewährt!
- 19:56Speaker 0: Da hab' ich rebelliert.
- 19:57Speaker 0: wenn du so wirst... Und ich habe dann gemerkt dass mir Rebellion besser tut als Rückzug.
- 20:06Speaker 0: also ich kenne beide Sachen... Rückzug in mich hinein bis hin, dass man nichts mehr spürt.
- 20:14Speaker 0: Das ist auch eine Geschichte, so was dissoziativ ist von wegen.
- 20:18Speaker 0: Ich glaube ja mir tut keiner weh das ist so.
- 20:20Speaker 0: diese Haltung an mir perlt alles ab.
- 20:23Speaker 0: ich bin wie Teflon.
- 20:24Speaker 0: ich bin nicht zwar nicht aber ich gebe mich so dass hilft.
- 20:28Speaker 0: das hat mir auch geholfen ein Stück weit.
- 20:31Speaker 0: Aber auch die Rebellion im Sinne von Was das war dann ungefähr somit mit der Pubertät kam da ist dass wir bestimmte mir gab, mich von irgendeinem Prügeln zu lassen.
- 20:44Speaker 0: Von irgendeim Vater auf die Flasche kloppten zu
- 20:47Speaker 0: lassen.".
- 20:48Speaker 0: Ich hab auch in der Schule mich etwas weiß ich gegen manchen Pauker rebelliert.
- 20:57Speaker 0: Spänestens nach Woodstock, nach diesem wahnsinnigen Film irgendwo neun in sehzig da war ich ja auch schon sehzehn über der fünften.
- 21:10Speaker 0: Ich war mir klar, hey so!
- 21:12Speaker 0: Das war für mich ein extra-toologisches Erlösungserlebnis.
- 21:15Speaker 0: Ich habe da Leute gesehen und bin zehnmal in den Film gegangen.
- 21:18Speaker 0: Ich fand die Musiker als Freedom der erste Sorgen alleine.
- 21:22Speaker 0: Dann diese Leute, die nackt tanzen und also dieses ganze Biggottel was um mich herum tobte wurde konterkariert dort.
- 21:30Speaker 0: Da waren Menschen, die waren Pazifisten, sie waren gegen Vietnam, die Waren für eine andere Musik, die wahren nacktt und waren trotzdem friedlich.
- 21:39Speaker 0: Da war keine Gewalt.
- 21:41Speaker 0: Das hat ja nicht nur mich verplüft, das hat auch ganze Gesellschaften damals verplüpft.
- 21:47Speaker 0: Die haben gesagt hey was ist los mit dem?
- 21:48Speaker 0: Was kommt da für eine Gefahr?
- 21:52Speaker 0: Ja die lachen uns aus!
- 21:53Speaker 0: Die spotten und verspotten.
- 21:55Speaker 0: Und so wurde das ja empfunden, die haben ja nur darauf gewartet dass es knallt.
- 21:59Speaker 0: Also das war dann wirklich meine große Erlösung und der Beginn eines Ja, was heißt Trapellieren?
- 22:07Speaker 0: Ich habe natürlich klar.
- 22:08Speaker 0: Ich hab mir die Haare wachsen lassen ich habe gekifft und das demonstrativ gemacht.
- 22:13Speaker 0: Ich habe mich in den Schulhof gesetzt und habe die ganz großen Jones gebaut nicht treibplättig sondern mit fünf Blättern also dicke Krummer Und natürlich habe ich mehr jünger gesucht die mir halt einfach gefolgt sind sozusagen oder nur bei der standen war sie fassungslos erzeugt wurden eines tabu bruches und des brechen von tabus.
- 22:34Speaker 0: Das habe ich dann auch weiter später beibehalten, bis in meiner Theaterzeit.
- 22:38Speaker 0: Da habe ich auch weiter geguckt.
- 22:40Speaker 0: welches Tabu gibt es noch was wir jetzt offiziell und auf dem Bühne brechen konnten oder könnten?
- 22:47Speaker 0: Insofern beides also zurückzug hart zu sich selber werden unnarber werden unangreifbar werden souveräner wirken als man ist und auf der anderen Seite aber auch der Klugheit des Rebellierens und auch die Sympathie dafür, beides hat mich bewegt.
- 23:08Speaker 1: Als du sechs Jahre alt warst kam ein Pflegesohn in die Familie mit dem Namen Uwe, der dann auch recht schnell erst dir gute Dinge getan hat dich auch so'n bisschen vielleicht rausgezogen hat aus dem Stress der Familiensituation Und dann aber auch angefangen hat, dich sexuell zu missbrauchen.
- 23:32Speaker 1: Du beschreibst in dem Buch das dir sehr schnell klar war dass sich das falsch anfühlt, dass es nicht das Richtige ist was ja in dem Alter schon mal ein großer Schritt ist weil man es ja oft dann auch irgendwie gar nicht so wahrnimmt wenn man gar nicht merkt oder es gar nicht einschätzen kann wenn man garnicht weiß.
- 23:48Speaker 1: ist das jetzt richtig oder ist es falsch?
- 23:49Speaker 1: Es ist normal und es ist nicht normal!
- 23:51Speaker 1: Wann kam denn da der Schmerz dazu?
- 23:54Speaker 0: Man musste es noch mal etwas anderes erklären.
- 23:57Speaker 0: Also Uwe war als Pflegekind schon in unserer Familie aufgenommen, bevor ich geboren wurde.
- 24:04Speaker 0: Da hat der Mutter gesagt, er ist neun und danach stellte sich aus, er war elf.
- 24:10Speaker 0: aber es ist egal... Das Pflegekind, da bekam meine Mutter der Klassiker, bekamen sie mich nach vielen Fehlgeboten.
- 24:18Speaker 0: Dann noch mal ein Bruder und meine Mutter war immer sehr dankbar.
- 24:21Speaker 0: Dann ging Uwe vom Hof weil er war dann schon vierzehn und musste halt einfach sein eigenes Geld verdienen.
- 24:30Speaker 0: so war das damals als Pflegekind.
- 24:32Speaker 0: So kehrte aber nach ungefähr anderthalb Jahren wieder zurück, war gescheitert.
- 24:39Speaker 0: Amt hat gesagt, bitte nehmen Sie ihn wieder.
- 24:41Speaker 0: Natürlich haben meine Eltern das getan und er kam wieder und dann fing halt eben sozusagen diese Erfahrung an die du beschrieben hast dass mir einer auf der einen Seite vorgelesen hat ich war so vierundhalb fünf vor gelesen hat aus dem kosmos lexikon in der welt und es fand ich toll ist horizontal dass er zärtlich zu mir war, mich gespreichelt hat.
- 25:04Speaker 0: Im Bett mit mir lag.
- 25:05Speaker 0: natürlich habe ich noch keinen Plan davon gehabt, dass da irgendwas was weiß sich in seiner Hose oder im Rätgültel was ja mehr umschraubte.
- 25:14Speaker 0: das hab ich irgendwo nicht überhaupt nicht realisiert am Anfang aber Mit der Zeit wurde das alles strengender.
- 25:22Speaker 0: Irgendwann war mir klar, dass es nicht in Ordnung ist wenn er mich zum Spazierengehen mit am Sonntag zum Spatziergang mitnimmt, Spatziergänge in die Gegend, in die Wälder und auf die Wiesen und den schönen Plätzen.
- 25:36Speaker 0: Und zwei, drei Mal stellte sich ein Baum, lässt die Hose runter und wünschte, dass ich ihn befriedige.
- 25:43Speaker 0: Das war mir Klar!
- 25:44Speaker 0: Aber ich wusste nichts was los ist.
- 25:50Speaker 0: Wann sind wir aufgeklärt?
- 25:51Speaker 0: Ich würde nie aufgeklären!
- 25:53Speaker 0: Ich wusste es aus einem ganz einfachen Grund, weil ich hatte als Bauernjunge gesehen dass da irgendwie wenn die Kühe zum Ochsen oder zum Bullen gepacht wurden dann haben wir schon mal... Wir durften nicht aber natürlich haben wir durch die Löcher geguckt und haben gesagt so also ich wusste das ist irgendwas was nicht in Ordnung ist.
- 26:12Speaker 0: Es passiert hier auch.
- 26:14Speaker 0: Es passiert ja nur, wenn wir alleine waren.
- 26:16Speaker 0: Das passierte in den Wald.
- 26:17Speaker 0: Es passierte irgendwo später dann in der Scheune wo wir irgendwo gemeinsam Heuer runtergeschmissen haben.
- 26:23Speaker 0: also die Frequenzen nahmen zu mit der Zeit und Für mich war es aber die Kombination als wie gesagt Zuwendung, Zärtlichkeit zu ein besonderes Geheimnis.
- 26:35Speaker 0: Das hat er ja nur mit mir gemacht.
- 26:36Speaker 0: das macht der nicht mit meinem Bruder vorzulesen und dass ich in seinem Bett geschlafen habe und so weiter weil ich vorweg hatte eben was Schönes vorgelesen bekam an Eltern hatten da keine Zeit für.
- 26:49Speaker 0: Ich hab irgendwo in einem Ecke im Buch geschrieben ich war das geborene Opfer weil ich war arglos froh über jede Zuwende und auch für Überzehrlichkeit.
- 27:01Speaker 0: Und da ich nicht aufgeklärt war, wusste ich auch nicht genau was hat das zu bedeuten?
- 27:06Speaker 0: Ich wusste nur, es sollte besser nicht bin meinem Vater zu überregen.
- 27:11Speaker 0: Was hätte ich mehr erklären sollen?
- 27:13Speaker 0: Ich wüsste auch gar nicht wie ich das erkläre.
- 27:15Speaker 0: also später ja aber dass erst wenn ich mir überlege Als meine Tochter so alt war, da wussten die schon wahnsinnig viel.
- 27:28Speaker 0: Die hatte uns schon nackt gesehen in der Badewanne oder mehr.
- 27:33Speaker 0: Die wusste viel, viel mehr mit fünf Jahren.
- 27:36Speaker 0: Schon spielerisch und mit Zuwendung als ich mit fünf.
- 27:40Speaker 0: Für mich war mit fünf, sechs Jahren was Sexualität.
- 27:43Speaker 0: Fui!
- 27:44Speaker 0: Das durfte man... das kannte man gar nicht.
- 27:48Speaker 0: Also ich habe ja noch mal ungefähr zehn Jahre warten müssen, bis dann irgendwo während meiner Pubertätfilme wie Helga und Oswald Kolle uns langsam irgendwo mit diesem furchtbaren Thema konfrontiert haben.
- 28:04Speaker 0: Und ansonsten war es etwas wo ich aus meinem Ministrantenunterricht oder aus meinem Kommunionunterricht wusste es gibt das sechste Geburt war ich ungeschirmhaft allein oder mit anderen.
- 28:18Speaker 0: Und das war immer etwas, du hattest das Gefühl, dass könnte was damit zu tun haben?
- 28:24Speaker 0: Aber hey!
- 28:26Speaker 0: Das erzähle ich doch diesen Typen dann nicht diesem Wütterich in Beihstuhl.
- 28:32Speaker 0: Also ich glaube... Ich würde heute sagen die Ahnungslosigkeit, die damals halt eben jemanden in meinem Alter bezüglich Sexualität hatte gepaart mit dem Mangel an Zärtlichkeit plus jedem Natürlich dem, was diese Täter haben, die das machen.
- 28:51Speaker 0: Dass sich schon mal das Vertrauen, die Intimität zu nutzen machen.
- 28:59Speaker 0: Das ist gar keine Frage!
- 29:01Speaker 0: Ich wurde nicht bedroht, das Maul halten zu müssen, sondern es war das unausgesprochene Geheimnis lange Zeit.
- 29:10Speaker 0: und das ging so lange bis er irgendwann mal, wie gesagt immer mehr verlangt.
- 29:15Speaker 0: und irgendwann mal als ich merkte jetzt reiste die Hose runter und versuchte sich zu penetrieren.
- 29:20Speaker 0: Das hat mir Angst gemacht das hat mir auch wehgetan und dann bin ich halt einfach aus dieser Scheune oben wo das ganze Passierte losgegangen wird gesprungen und haben ja sehr weh getan.
- 29:31Speaker 0: aber er hat mich danach nicht mehr angefasst weil er wahrscheinlich gedacht habe wenn ich das nochmal mache passieren schreckliche Dinge.
- 29:41Speaker 0: Die Alternative, die er dann angefangen hat, der war ja schon doch deutlich älter war.
- 29:47Speaker 0: Bis er halt einfach angefangen hatte das Saufen und damit wurde natürlich zum Problemfall bei uns auf dem Hof.
- 29:55Speaker 0: Er war gesoffen, er hat gearbeitet irgendwo auf den Bau, er ist gesoffene.
- 30:00Speaker 0: hat zu Hause bei mir, war mein Eltern nicht mehr geholfen.
- 30:03Speaker 0: Mein Vater ab und zu sogar beklaut und irgendwann mal konnte meine Mutter ihre schützenden Hände die sie immer über ihn gehalten hat.
- 30:10Speaker 0: Sie hatte ihn wirklich gemocht weil sie sozusagen der bliebend Gott das Versprechen gegeben hat.
- 30:15Speaker 0: dieser Junge und meine Liebe zu dem Junge um meinen Fürsorge hat dazu geführt dass ich zwei gesunde Kinder danach bekommen habe.
- 30:23Speaker 0: also diese Hand die sie über ihn gehalten hat Das hat nicht mehr gereicht, mein Vater vom Hof geschickt.
- 30:30Speaker 0: Ich sagte, so geht das nicht mehr!
- 30:34Speaker 0: Da war er damals volljährig und da hatte sich versucht mit Traktengift irgendwo zu vergiften.
- 30:41Speaker 0: also alles sehr dramatisch Und für mich war es besondere dass ich nie vergessen werde bis heute weiß ich noch wo ich stand Also in diesem Bett lag und der Haus hat eben den Magen ausgepumpt.
- 30:53Speaker 0: Damals kam man mit sowas nicht ins Krankenhaus.
- 30:56Speaker 0: Das machte man vor Ort Und ich stand da und habe mir kurz und das erste und einzige Mal in meinem Leben gewünscht, dass er stirbt.
- 31:08Speaker 0: Das hat mich viel länger beschäftigt.
- 31:10Speaker 0: Diese Zehne dieser Gedanke und das ich mir gewünschte, dass jemand stirbt nur weil er mir irgendwo so war.
- 31:19Speaker 0: Bis dahin nichts passiert was es gerechtfertigt hätte sondern das war jetzt vorbei und ich bin safe sozusagen.
- 31:29Speaker 0: Aber dieser Wunsch, dass jemand stirbt, das habe ich nie wieder gehabt.
- 31:33Speaker 0: Ich hab in meinem ganzen Leben auch sogar als Arzt natürlich nie den Wunsch gehabt, sondern auch nie billigend zu sagen ist so egal.
- 31:42Speaker 0: Billigen den Kauf nehmen?
- 31:43Speaker 0: Nein!
- 31:44Speaker 0: Das hat mich lange mindestens genauso beschäftigt wie der Missbrauch und... ...das ist im Endeffekt eine wichtige Konsequenz aus dieser Erfahrung.
- 32:01Speaker 1: Zehn Jahre warst du alt als diese Eskalation in der Scheune mit dem damit verbundenen Befreiungsschlag sozusagen passiert ist.
- 32:09Speaker 1: Du hast vorhin über Verständnis für deinen Vater gesprochen, für die Situation deines Vaters.
- 32:15Speaker 1: ich habe irgendwann Für mich gelernt Man kann ganz viel begründen man kann verständnis haben für die lebenssituation für die umstände aber es entschuldigt am ende nicht das was die andere Person getan hat.
- 32:30Speaker 1: Wie hast du da irgendwann auch deinen eigenen Frieden mit deinem Vater, mit deiner Mutter, mit diesem Uwe gemacht?
- 32:38Speaker 1: Wie hast Du dir am Ende für dich
- 32:40Speaker 1: einsortiert?".
- 32:41Speaker 0: Also gut, wenn Uwe braucht ich kann Ende mehr zu machen der hat sich man selber disqualifiziert in dem er halt einfach... Wahrscheinlich, ich fass es nicht genau.
- 32:50Speaker 0: Irgendwann war er weg und ist aus meinem Blickfeld verschwunden.
- 32:55Speaker 0: also die Chance oder die Gelegenheit das mit ihm zu besprechen.
- 32:58Speaker 0: Ich hatte sie auch glaube ich nicht gesucht, ich war fertig damit.
- 33:03Speaker 0: Bin das los geworden weil ich darüber reden konnte?
- 33:05Speaker 0: Ich habe relativ früh schon mit neunzigundzwanzig an sich die erste längere Freundin hatte wo man halt eben auch sag ich mal, über die Sexualität gemerkt hat.
- 33:17Speaker 0: Wo ist das los?
- 33:18Speaker 0: Konzertlichkeit zu schlechte Aushalten.
- 33:21Speaker 0: Denkst immer... Und dann kommst du drauf und redest so drüber.
- 33:26Speaker 0: Das hat mir natürlich geholfen, weil das einzusortieren, zu benennen wie es gewesen ist, sich den Artharan konkret zu erinnern und dann wieder darüber zu reden hat sicherlich auch einen selbst-eigentereportischen Effekt.
- 33:41Speaker 0: Ich hab nie wirklich professionelle, therapeutische Hilfe für das gesucht.
- 33:45Speaker 0: Weil ich habe das sortiert und ich habe auch.
- 33:49Speaker 0: das Verrückte ist wenn man darüber redet lernt man plötzlich dass es viele gibt die ähnliche Geschichten zu erzählen haben.
- 33:58Speaker 0: Wenn du nicht darüber redest erfährst du's nicht aber wenn du selber erstmal sozusagen auch diese Sache von dir diese Seite von dir beleuchtest und da Sobald es dann kommen andere auf Arme auch, so kenne ich auch.
- 34:11Speaker 0: Und dann auf einmal entwickelt sich A. Die Situation ist ein Antrag, die darüber erzählt und man gemeinsam sich austauscht.
- 34:20Speaker 0: Auch das hilft ungemein einzusortieren warum weshalb und wie weit es ging aus.
- 34:26Speaker 0: Also mit Uwe war ich schon lange fertig, muss man sagen.
- 34:32Speaker 0: Mit meinem Vater konnte ich mich ein Stück weit Versöhnen, ich sag mal so nach den achtzehn- neunzehnten Lebensjahren hab' ich doch gesehen wie er auch anfing das war sich netter Großvater zu meiner Nichte zu sein und so weiter.
- 34:55Speaker 0: Also wo der Druck weg war.
- 34:56Speaker 0: Wo er einfach nicht mehr jeden Tag in den Himmel gucken musste und hatte Angst oder sonst was, weil er selber halt schon den Hof verpachtet also das Land verpaktet hat eine andere Haltung in sein Leben, also eine Gelassenheit auch zu gelassen.
- 35:12Speaker 0: Da merkte ich, dass er auch ein Getriebener war und selbst auch ein Opfer.
- 35:17Speaker 0: Und das ist ja eine wichtige Erkenntnis des Zumärks, des Menschen die selber Opfe von Gewalt und vom Krieg und von solchen Erfahrungen sind, dass die mühsam lernen müssen, so gute Eltern zu werden und dass wir uns heute auch das eine Konsequenz für unsere Zeit, heute nicht wundern dürfen.
- 35:39Speaker 0: Dass die Kinder von Menschen egal in welchem Regime oder in welchen Land der Welt unter fortgesetzter Krieg und Not und Ehle entleiden, fast schon epigenetisch weitergeben an ihre Kinder.
- 35:57Speaker 0: Das ist auch ein Erkenntnis, den ich gewonnen habe.
- 36:04Speaker 0: auf Länder gucken wie Afghanistan oder auf Palestina, oder auf Israel egal wo überall.
- 36:10Speaker 0: Wo permanente Gewalt und Angst und Not ist entwickeln Menschen nicht die beste Seite von sich oder sie können Sie nichts zulassen weil sie permanent in existenziellen Ängsten und Nöten unterwegs sind.
- 36:23Speaker 0: also das konnte ich einsortieren.
- 36:26Speaker 0: Das Ganze nennt man verzeihen können.
- 36:29Speaker 0: Richtiges Verzeihen bedeutet ja auch, dass du es nicht nur kapierst und so kann ich verstehen sondern der nächste Schritt ist ja... Ich mache meinen Frieden damit weil ich natürlich auch gesehen habe das mein Vater das gemacht hat auch aus Fürsorge.
- 36:44Speaker 0: er wollte dass dieser Laden läuft er wollte das wir allen schönes leben hatten alle drei Generationen die in diesem Bauernhof lebten ja die Alten eher und die Jungen auch und da eine Perspektive ist Wohlstand hat und so was alles.
- 37:01Speaker 0: Das war das, der war ja nicht böse.
- 37:03Speaker 0: Es war kein Sadist!
- 37:05Speaker 0: Und wenn man dann welche kennenler hat die ich mein Buch auch beschreibe bei der Bundeswehr oder hat manche Pauker, die dies prangsaliert haben weil sie die Macht hatten und weil sie Spaß dran hatten Dann merkst du die einen haben es gemacht aus eigener Not und falls sich nicht besser kannten und anderen haben's gemacht weil sie einfach Freude dran hatten und dass ein großer Unterschied und dann fällt es dir leichter ist denen zu verzeihen, die dir auch näher sind bei Blutistika als Wasser zu anfangen.
- 37:34Speaker 0: Und als Kind liebst du deine Eltern egal was sie machen.
- 37:39Speaker 0: In der Pubertät fängst du an sich dich an ihnen abzuarbeiten.
- 37:43Speaker 0: das tut mir alle so egal was Sie gemacht haben.
- 37:45Speaker 0: und dann wirst Du selber Vater und selbst Deine eigenes Päckchen zu tragen und später bist Du ein alter Mann und dann kannst Du überall das reden.
- 37:54Speaker 0: Das ist ja auch schön so.
- 37:56Speaker 1: Du hast grad schon die Bundeswehr angesprochen, du kamst zur Bundeswehr.
- 38:00Speaker 1: Da ging das mit dieser Freundin auch zu Ende.
- 38:04Speaker 1: Du warst nicht unbedingt erfreut darüber, dass du zur Bundeswehren warst.
- 38:08Speaker 1: Du hattest da überhaupt keine Lust drauf.
- 38:11Speaker 1: und dann kam dieser Moment, in dem du quasi ausgerastet bist indem du auf einen Vorgesetzten losgegangen bist den Windel weichgeschlagen hast.
- 38:24Speaker 1: War das so eine Art... Schlüsselmoment, wo alles irgendwie zusammenkam in dir und uns sich so ein Ventil gesucht hat.
- 38:32Speaker 0: Ich glaube das war einfach eine Kumulation von allem was mir wehtut konnte oder sowas.
- 38:40Speaker 0: zum einen ich habe bei der Bundeswehr gelandet.
- 38:43Speaker 0: ich hatte vorweg verweigert.
- 38:45Speaker 0: Die Verweigerung wurde nicht akzeptiert, wie bei vielen nicht.
- 38:48Speaker 0: Also auf die klassische Frage, die heute keiner mehr stellen würde oder bald fängt es auch wieder an, dass die Frage gestellt wird als Russenvergewaltigende Freundin.
- 38:58Speaker 0: Sie haben eine Waffe was macht?
- 38:59Speaker 0: Ich hab gesagt sie brauchen eigentlich weiterreden, die leg ich um.
- 39:02Speaker 0: wo ist das Problem?
- 39:03Speaker 0: ja aber es ist ein Unterschied ob man jetzt individuelle Gewalt ausübt oder ob man organisierte Institutionelle Gewalt, also das haben die sich nur kurz angehört und mich belächelt.
- 39:15Speaker 0: Und ich ladete bei der Bundeswehr.
- 39:16Speaker 0: da wusste jeder dass ich verweigert hatte.
- 39:19Speaker 0: Ich war der einzige Student der in dieser Kompanie unterwegs war und ich wurde vom ersten Tag ganz schikaniert Mit Ansage sozusagen achten sie auf meinen Daumen.
- 39:27Speaker 0: und dann machte er so damit ich schon mal verstanden hatte So ich habe vieles erlitten und vieles Erduldet.
- 39:33Speaker 0: und wenn dir dann irgendwo Einer des Privatfachs aufreißt von meinem Spind, was er nicht hätte machen dürfen als Vorgesetzter der mich ohnehin immer schickernierte und macht zu die Klappe auf vom Privatfach.
- 39:45Speaker 0: Und sieht das Foto von meiner Freundin so mit Afro-Look und sagt dann... Ich weiß nicht ob wir das hier im Podcast sagen dürfen aber ich sage da so.. Was ist denn das für eine Mega-Fotze?
- 39:56Speaker 0: Da war es vorbei.
- 39:58Speaker 0: Ich würde das auch heute genauso machen, da bekäme ich heute wieder auf die Fresse so lange bis man mich von dem
- 40:03Speaker 0: runterzieht.".
- 40:04Speaker 0: Also ich war wütend!
- 40:06Speaker 0: Insofern war meine Gewalt nicht nur was weiß ich weil er jetzt die Freundin beleidigt hat sondern weil's einfach ein ausgemachtes Achschloch war.
- 40:14Speaker 0: Das muss man ganz klar so sagen.
- 40:15Speaker 0: der hatte mehr als verdient Und das war meine erste Erfahrungstrafe.
- 40:20Speaker 0: So, dann hat man sich mehr oder weniger vorgenommen.
- 40:22Speaker 0: den schikanieren wir weiter.
- 40:24Speaker 0: Das war mit Ansage egal.
- 40:26Speaker 0: jede Fütze jedes Schloch jedes Loch in dem sich vor Wechseln Leopardpanzer getreten hatte warte Schloch für mich.
- 40:32Speaker 0: das war mein Spimming Pool sozusagen an diesem Tag.
- 40:36Speaker 0: Kommando galt nur für mich.
- 40:37Speaker 0: alle anderen durften zugucken.
- 40:39Speaker 0: ich wurde wirklich vorgeführt Ich habe da was in Blut gepässt nachts, weil ich Handwechsinfekt hatte durch diese Kälte und diesen ganzen Grab.
- 40:47Speaker 0: Es war eine Situation bei sogar der Arzt bei den Bundeswehr irgendwann mal dem Vorgesetzten gesagt haben sie zu.
- 40:53Speaker 0: Sie hören jetzt auf, sonst haben die ein Problem mit mir und das will einiges bedeuten.
- 40:57Speaker 0: Dann in dieser Zeit wo du dann in der Knast musst im Gefängnis also eben bei der Bundeswehr, du sitzt im Café Fierck alle anderen fahren Mit dem Auto hoopend, tschau bis Montag.
- 41:07Speaker 0: Tschau an dir vorbei!
- 41:09Speaker 0: Das ist ja bewusst zu gewählt dass man genau da inhaftiert wird bei der Bundeswehr wo die alle anderen kommen und geben und du bist wochenlang nicht mehr da deine Freundin betrüg dich hat.
- 41:21Speaker 0: Ist halt einfach woanders unterwegs weil das war eine Art Zeit verdästig.
- 41:26Speaker 0: Du bist bei einer Institution wo du gut demütigt und schickern dir etwas und zwar auf eine andere Weise.
- 41:31Speaker 0: nicht fürsorglich sondern weil wir dich fertig machen wollen Und das Teflon funktioniert nicht mehr.
- 41:37Speaker 0: Denn Teflons ist aufgebraucht, diese Haltung ist per halt ab.
- 41:41Speaker 0: ihr könnt nicht mal.
- 41:43Speaker 0: Das klappt nicht mehr!
- 41:45Speaker 0: Wenn du weißt wenn ich den Blatt mache dann die wollen dass sich entweder desertiere oder ich wollen dass ich einen Versuche wirklich sozusagen Verzeugen anzugehen.
- 41:56Speaker 0: beides führt mich dann dazu dass ich nicht nur disziplinarisch bestraft werde sondern auch strafflechtlich.
- 42:02Speaker 0: Das war der klare Ansage Kann ich nicht machen, sonst ist mein Leben am Arsch.
- 42:09Speaker 0: Und dann implodierst du quasi.
- 42:12Speaker 0: und dann habe ich versucht halt dem ganzen spontan ein Ende zu machen.
- 42:18Speaker 0: Ich war gedehmütig, ich war verlassen.
- 42:21Speaker 0: Ich wüsste nicht mehr weiter, ich fahre eine Institution wo ich nicht hin wollte.
- 42:25Speaker 0: das Studium war auch nicht das was ich wirklich.
- 42:29Speaker 0: dafür lohnt es sich.
- 42:31Speaker 0: Dann bin ich gesprungen vor einem Auto was da entlang kam mit dem Moment, wo ich dachte jetzt will ich nicht mehr.
- 42:38Speaker 0: Aber ich war und habe mich gut trainiert zum ersten Mal im Leben wirklich körperlich so bestellt also fast John Nick Nolteam-Hessig das... Ich hatte wirklich Prellogen und wirklich dicke ein paar Quetschungen aber ich hatte keine schwere Verletzung.
- 42:57Speaker 0: Und aber ich bin an diesem Punkt angekommen.
- 43:01Speaker 0: und insofern später als er oft darüber entscheiden müssen, ist der weiteres wie zittgefährdet.
- 43:14Speaker 0: Der INSAS oder ist das nicht?
- 43:15Speaker 0: Das war eine der häufigsten Entscheidungen die ich mitzutreffen hatte im Gefängnis und da wird es bei jedem Scheiß gefragt.
- 43:22Speaker 0: Da miteinander schreibt wenn du merkst wenn du mehr keine Briefe mal schickst dann bringe ich mich um oder so egal.
- 43:29Speaker 0: also jeden zweiten Tag in den zwei und dreizig Jahren irgendein Vorgang auf dem Tisch gehabt, mit Leuten reden muss man.
- 43:36Speaker 0: Meine eigene Verzweiflung meiner eigenen Bilder die ich im Kopf habe waren wichtig um irgendwie das aus dem Bauch gefühlt ist ja du hast halt was gibt.
- 43:48Speaker 0: wenn einer das machen will dann zieht er es durch.
- 43:50Speaker 0: so ist es ein Knast.
- 43:51Speaker 0: jedenfalls.
- 43:52Speaker 0: aber ich glaube dieses besondere die besonders Antenne für Menschen ob das jetzt wirklich die Verzweiflung ist oder ob es einfach nur ein Spruch war.
- 44:03Speaker 0: Ich glaube, da habe ich auch eine besondere eigene Erfahrung, den mich da toll bestärkt hat und ich lag niedernehmen.
- 44:12Speaker 0: Aber es war sicherlich bis dahin jedenfalls die dunkelste Stunde in meinem Leben.
- 44:19Speaker 0: Da kann man fragen.
- 44:21Speaker 1: Du hast das Studium dann durchgezogen?
- 44:23Speaker 1: Du hast Medizin studiert.
- 44:27Speaker 1: Wie kam das eigentlich mit dem Gefängnisarzt am Ende?
- 44:30Speaker 0: Naja, ich habe das Studium durchgezogen.
- 44:32Speaker 0: Ich habe während des Studiums dann auch wieder angefangen Theater zu spielen.
- 44:36Speaker 0: Ich hab angefangen Filme zu machen und so weiter und sofort.
- 44:39Speaker 0: Dann in der Klinik gearbeitet, dann später in einer Privatklinik und irgendwann war der Plan eigentlich... Ich will allgemein Chirurg werden!
- 44:51Speaker 0: oder Urologie fand ich ein tolles Fach.
- 44:54Speaker 0: Ich hatte positive Erfahrungen gemacht zu Berter Studiums, das waren coole Typen und die waren gut drauf und die haben auch viel Geld verdient.
- 45:03Speaker 0: also alles passte!
- 45:05Speaker 0: Und das war so mein Mein Ding und dann habe ich mich beworben in diesem neu gegründeten Justizkranken aus NRW Nordrhein-Westfalen.
- 45:17Speaker 0: Das eigenes Krankenhaus da war nur für Gefangene des Landes Nordrhein-Westfalen, gab es vorher noch nicht.
- 45:23Speaker 0: War eine Konsequenz aus der RAF Zeit und den Hungerstreiks die damals gemacht wurden.
- 45:30Speaker 0: auch letztlich der Konsequent nach dem Tod von Holger Mainz, der ja im Baden Würdenberg dann einen langen Hungerstreich und nach den Versuchen... in der Zwangsernährung gestorben ist.
- 45:42Speaker 0: Und dann hat die Justiz gesagt, wenn er jetzt noch mehr kommt brauchen wir eine richtige Performance und da kaufen wir jetzt dieses Krankenhaus dort.
- 45:49Speaker 0: Das war E-Marode also war neu aber war krott und machen die Justizen aus.
- 45:54Speaker 0: Die suchten Ärzte.
- 45:55Speaker 0: und ich habe damals gedacht okay ich hab viele Verbrecher gespielt auf der Bühne das ist interessant.
- 46:00Speaker 0: da gehst du hin für ein Jahr oder zwei machst die Weiterbildung und wechselt es dann in einer Stelle in der Urologie und wirst erfolgreicher urologierender Niederlassung.
- 46:10Speaker 0: Und dann kam ich da oben hin, entweder ist es die Justizkranten raus und meine ersten Patientinnen.
- 46:15Speaker 0: Ich bekam die Frauenstation.
- 46:17Speaker 0: weil ich ja schon lebenselter war oder auch souverän nirgte haben wir gesagt die Frauen Station mit diesen ganzen Komplikationen da oben dünn ist der gewachsen.
- 46:26Speaker 0: so warum auch immer?
- 46:28Speaker 0: ich habe die Entscheidung nicht getroffen.
- 46:29Speaker 0: in Adler unterlagen dann die RAF Frauen der zweiten Generation Adler, Schulz, Engelfiet wie sie alle hießen und Hungerten für Zusammenlegungen, Hungerte für Zugang zu Fernsehen.
- 46:42Speaker 0: Zu informationeller Freiheit usw.
- 46:47Speaker 0: Und die Mädels waren härter als die Kerle.
- 46:51Speaker 0: Die Kerle haben nach drei, vier Tagen den Junkie nebenan im Bett den Puddingwerk gefressen.
- 46:56Speaker 0: Man hat nur noch behauptet, dass sie hungern, die Frauen dann eisern.
- 46:59Speaker 0: Das war eine spannende Erlebnis, weil ich die weißen Kittel vor Frauen, die nicht wesentlich älter waren oder genauso alt wie ich.
- 47:08Speaker 0: Die auch aus ordentlichen Verhältnissen kamen, die auch so wie ich mal den langen Weg durch die Instanzen gehen wollten und die Gesellschaft verändern wollten zum Positiven, die aber irgendwann mal halt die Entscheidung für den bewaffneten Kampf getroffen hatten.
- 47:30Speaker 0: Damit war ich ja nicht einverstanden.
- 47:31Speaker 0: Aber mich mit denen auseinanderzusetzen war natürlich spannend.
- 47:36Speaker 0: Das Problem gelöst kamen die alten Männer.
- 47:40Speaker 0: Die Nazi-Verbrecher wurden manchmal da angeliefert.
- 47:44Speaker 0: Alte Männer, auch die kamen aus normalen sozialen Verhältnissen.
- 47:50Speaker 0: Auch sie kamen sich nicht vor wie Verbrecher, sondern es waren ordentliche gestandene Männer, alle nur in dieser besonderen dunklen Zeit ... Furchtbar das getan hatten, aber danach hatten sie offensichtlich es fertiggebracht nicht mehr weiter sadistische Straftaten gegen die Menschlichkeit zu begehen sondern einfach ordentliche Menschen zu werden.
- 48:11Speaker 0: Nette Familienväter zärtliche Väter und ordentlicher Zeitgenossen.
- 48:16Speaker 0: offenbar geht das so und das war spannend weil auch da wieder diese politische Aufmerksamkeit der Gesellschaft auf uns.
- 48:29Speaker 0: So ging es weiter.
- 48:29Speaker 0: Danach kamen die HIV-Positiven, die keine anfassen wollten und die unberührbaren und sagten, geh weg!
- 48:37Speaker 0: Da mussten wir exerzieren, dass das geht.
- 48:40Speaker 0: Kaum war das Problem gelöst.
- 48:42Speaker 0: Kam auf einmal die schwerdrogenabhängigen... Und ich war einer der ersten Ärzte in Nordrhein-Westfalen, der mit Einverständnis seines Chefs die erste Frau in Nordhain-Westfalien mit Polymedon substituiert hat.
- 48:56Speaker 0: Das waren aufregende Zeiten.
- 48:58Speaker 0: Wir waren immer mitten im gesellschaftlichen Wandel und in einer großen Aufmerksamkeit unterwegs als Ärzte, aber wir hatten eine besondere Aufgabe.
- 49:09Speaker 0: Wir haben gesagt, wir leisten unseren medizinischen Beitrag zur Gerechtigkeit wenn du so willst und zu Fairness oder Verbesserung auch Der Medizin im Strafvollzug, weil vorweg war das machen wir uns nix vor.
- 49:24Speaker 0: Es war eine Verweigerungsmedizin so nenn ich das.
- 49:27Speaker 0: es war Knastmedizin und nicht Medizin in Gefängnis.
- 49:32Speaker 0: Und ich war dabei und ich hatte mit auf diesem Pioniergeist.
- 49:38Speaker 0: den habe ich plötzlich irgendwo mehr angeeignet.
- 49:41Speaker 0: und davon stelle ich fest heilig bin ja nicht erst sechs Jahre rum.
- 49:48Speaker 0: Ich bin immer noch kein Urlologe, aber ich bin hier offenbar angekommen.
- 49:53Speaker 0: Und hier begegne ich vielen Menschen... ...ich begegnere Menschen die gescheitert sind, Menschen die Frischbares getan haben was ich nicht erklären kann, aber Menschen die auch an irgendeinem Tag in ihrem Leben eine andere Entscheidung getroffen haben oder dafür jetzt die Konsequenzen zu tragen haben.
- 50:15Speaker 0: vor Wort Es gibt einen unabhängig interessanten Satz, den hat Werner Herzog mal gesagt.
- 50:21Speaker 0: Den ich nie vergessen werde.
- 50:22Speaker 0: lange bevor ich im Knast angefangen habe, hab ich den gehört.
- 50:27Speaker 0: Da sagt er, Werner Hertzog mal.
- 50:29Speaker 0: mich interessiert viel mehr das Leben von gescheiterten als von erfolgreichen, weil vormaturisch gesehen sind es doch die spannenderen Verläufe und das muss man auch so sagen.
- 50:42Speaker 0: ja also es fängt mit Methisto und Faustus an Menschen, die irgendwo was wissen wollen, scheitern Entscheidungen treffen.
- 50:51Speaker 0: Dafür zur Verantwortung gezogen werden.
- 50:53Speaker 0: Da bist du voll im Leben unterwegs und ich war angekommen.
- 50:58Speaker 0: Und ich bin auch nie wieder weggegangen.
- 51:03Speaker 0: Schade!
- 51:04Speaker 0: Ich wäre bestimmt ein guter Orologen geworden, gar keine Frage.
- 51:07Speaker 1: Du hattest ganz am Anfang mal gesagt, wenn du früher über die Geschichte deines Lebens gesprochen hättest gerade den Anfang.
- 51:13Speaker 1: Dann hätte man dir vorgeworfen, du wärst voreingenommen bei bestimmten Themen.
- 51:19Speaker 1: Wie war das denn als das erste Mal ein Sexualstraftäter vor dir stand?
- 51:25Speaker 0: Das war genau so wie... Es ist eine andere Gewalttäter vor der Stehe.
- 51:30Speaker 0: Das war manchmal so spannend oder so überraschend.
- 51:36Speaker 0: Dann halt, wenn du mehr kennenlerntest.
- 51:39Speaker 0: Ich hab ja nach Uwe keinen mehr kennengelernt.
- 51:42Speaker 0: Ich habe auch Uwe nicht als Uwe den Kriminell gesehen sondern eher als ein verirrter.
- 51:50Speaker 0: gestrauchelter kann immer.
- 51:52Speaker 0: das war sie eher als sein gescheiterten Menschen und dann standen wie Sexualstraftäter vor mir und die Kernpädophilen, wo du vorma merkst, der ist ja so, er redet mit mehr als alle fünfzehn Also dieses irgendwo in der Persönlichkeitsentwicklung irgendwann mal stehen geblieben zu sein und auch keine Antenne für die.
- 52:17Speaker 0: für die eigene Schuld so zu haben.
- 52:20Speaker 0: Also wenn sie dann so erzählt haben, so etwas bagatellisierend und so weiter, wo ich da manchmal gesagt habe naja komm also bitte schön ein bisschen mehr empathisches Opfer und die sollten vielleicht mal versuchen den Blick ihres Opfers anzunehmen und wie alt das ist
- 52:37Speaker 0: usw.,
- 52:37Speaker 0: das würde vielleicht schon einmal helfen eigenes Versagen oder eigene Schuld auch einzugestehen.
- 52:45Speaker 0: Das habe ich manchmal auch gemacht.
- 52:48Speaker 0: Also ohne zu sagen, ich kenne mich da aus, sondern nur einfach mal eine empathisch-ärztliche Haltung anzunehmen.
- 52:55Speaker 0: Weil dazu fühle ich mich schon verpflichtet.
- 52:58Speaker 0: Ich bin der Arzt und die Inquisition nicht der Richter.
- 53:02Speaker 0: aber zur Resozialisierung gehört auch des sozialen Menschen sage ich mal soziale Kontakte mit den sozialen Verbrechern unter kontrollierten Bedingungen hinter Gittern einüben und immer wieder von Neuem vorleben und machen, damit ist es resozialisierend.
- 53:22Speaker 0: Das machen nicht die Mauer das macht nicht der Stacheldraht sondern das macht nie Menschen da drinnen.
- 53:26Speaker 0: Das habe ich oft erlebt.
- 53:28Speaker 0: des Menschen ankam wo es mir geholfen hat in Montageur-Neuer.
- 53:32Speaker 0: sie sollten das man vielleicht anders sehen weil ich gesehen habe, dass natürlich keine Sexualstraftäter eher im Knast auf eine Ablehnung stoßen.
- 53:41Speaker 0: Apriori!
- 53:42Speaker 0: Also man hört den gar nicht lange zu.
- 53:44Speaker 0: Es war natürlich immer ne wunderbare Geste alleine wenn einer neu kam zur Zugangsuntersuch und ich hab noch gar nicht in die Akte geguckt, interessierte mich aber erst mal nicht sondern erst mal gucken was ist denn dafür?
- 53:57Speaker 0: Was ist das für ein Patient?
- 53:59Speaker 0: Und dann hab' ich so geguckt irgendwo, wenn ich merkte wir es ein bisschen seltsam irgendwo in der Tür einer meiner Krankenpflege und machte nur so im Stehen.
- 54:08Speaker 0: So die Bewegung, wenn jemand mit dem Kind über den Kopf streicht oder sowas.
- 54:13Speaker 0: Es gab ein Satz von einem anderen Krankenpfleger, der sagt ja ich weiß hier haben nur dem Kind das Sand aus der Hose geklopft oder sowwas.
- 54:21Speaker 0: Das war so ein stehender Begriff.
- 54:24Speaker 0: Ich kann sagen, ich hatte keine Vorurteile.
- 54:27Speaker 0: Ich war auch nicht nachtragend.
- 54:31Speaker 0: Ich hatte nur meine besondere Erfahrung und ich hab nie das Gefühl gehabt, dass mich das jetzt in irgendeiner Weise rührt.
- 54:46Speaker 0: Ich habe mich immer nur gefragt häufig warum es so, dass selbst Polizisten Richter Staatsanwälte die ich kennengelernt habe und die mich dann zu meinem Job im Knast befragt haben.
- 55:00Speaker 0: Immer noch so gefragt haben, wie ist das immer noch so?
- 55:04Speaker 0: Dass die Kinderficker ganz unten stehen auf der Rangliste.
- 55:10Speaker 0: Nach dem Gefühl, wir waren uns vor.
- 55:12Speaker 0: den normalen Gesetze reichen nicht aus.
- 55:15Speaker 0: Wir wünschen uns schon eigentlich, dass es dem auch im Knasts richtig schlechter geht als ein Bankräuber.
- 55:20Speaker 0: Und ich hab gesagt warum ist das so?
- 55:22Speaker 0: Warum erklärt ihr Einige, was?
- 55:25Speaker 0: der Zuhälter wird verklärt und der Kinderschänder wird sozusagen verdammt.
- 55:32Speaker 0: Ich finde Leute hey guckt doch mal ohne Emotionalität dahin.
- 55:39Speaker 0: Guckt es euch mal mit dem Blick wie ich ihn dort gelernt habe in einem professionellen Blick an dann seht ihr wie bescheuert das ist.
- 55:51Speaker 0: Nein, ich hab gerade diejenigen ... oft keiner reden wollte.
- 55:58Speaker 0: Oder, ich meine, natürlich, es gab Sexualstraftäter... Die kamen nie in der Sprechdunde, weil sie Angst hatten vor den anderen Gefangenen oder sowas von die Worten und immer dann immer so notwendig, kam immer notwendig.
- 56:10Speaker 0: Und es gab jedes Mal Stress mit meinen Mitarbeitern nach gewissem Akkum.
- 56:14Speaker 0: Hey!
- 56:14Speaker 0: Der kommt jetzt achtmal als Notfall also nur, weil er dann alleine kommt, alleine mit ihnen redet, keine Wartezeiten hat nicht in der Wartezelle sitzen muss
- 56:22Speaker 0: usw.,
- 56:23Speaker 0: das ist doch Quatsch.
- 56:25Speaker 0: Dann habe ich gesagt, okay warum?
- 56:26Speaker 0: Dann redest du jetzt mit dem und fragst.
- 56:30Speaker 0: Weil das Schleppste was du machen kannst in deinem Leben ist es mit Vorurteilen und Vorbehalten auf jemanden loszugehen und dann fährst du gar nichts!
- 56:40Speaker 0: Gar nicht!
- 56:41Speaker 0: Dann macht der zu.
- 56:42Speaker 0: wenn du zu machst hat er längst auch zugemacht so und man sich so interessiert für die Menschen wie ich das tue als Schauspieler, als Arzt Autor als überhaupt jemand, der gerne über Menschen nachdenkt.
- 56:58Speaker 0: Dann bist du gut beraten das vorurteilslos zu versuchen oder wenn du Vorurteile hast dich zu fragen wir hindern sie dich nicht selbst auch gerade in deinem Leben weil nachtragen zu sein bedeutet du bist der einzige der es trägt und aushalten muss.
- 57:18Speaker 0: die anderen wissen schon längst nicht mehr.
- 57:20Speaker 1: Du hast oft auch in vielen Gesprächen gesagt gerade im Zusammenhang mit dem Buch.
- 57:25Speaker 1: Das ist eigentlich viel wichtiger, dass sich die Täter schärmen und nicht die Opfer... Absolut!
- 57:29Speaker 1: ...und die Opfe auch ja sich da nicht die Schuld zuschieben dürfen.
- 57:34Speaker 1: Hattest du denn in all den Gesprächen mit Tätern den Eindruck das die meisten sich schon eher dafür schämen was sie getan haben oder?
- 57:42Speaker 1: Naja
- 57:43Speaker 0: gut einige haben sich natürlich auch natürlich.
- 57:45Speaker 0: einige schäben sich für sich auch schuldig, gar keine Frage.
- 57:51Speaker 0: Andere versuchen ihre Taten zu bagatellisieren.
- 58:00Speaker 0: Ich glaube es ist die ganze menschliche Palette wie man mit Schuld umgehen kann.
- 58:07Speaker 0: Die trifft man natürlich auch da im Gefängnis.
- 58:11Speaker 0: Es gab einige, die haben schon auch... ihre Schuld zugesehen, dass sie sich auch teilweise zum Jahrestag ihres Verbrechen zuizidieren wollten.
- 58:29Speaker 0: Das ist da schon eine heftige Angelegenheit.
- 58:32Speaker 0: Ich erinnere gerade einen Fall vor einem Menschen.
- 58:34Speaker 0: der hatte ein zehnjähriger Jungen brutal missbraucht und anschließend zur Verdeckung der Tat aus dem Elfenstock vom Hochhaus runter gestoßen.
- 58:42Speaker 0: Und der wurde dann irgendwo pünktlich die Woche jedes Jahr immer um diesen Tatzeit, Raum herum.
- 58:50Speaker 0: Schwerdepulsiv und als Arzt in der Gefängnis, im Klass versucht man natürlich Suizide zu verhindern weil das die häufigste Todesart im Gefängnissen ist.
- 59:03Speaker 0: Da wird alles investiert an Kommererüberwachung, unausgesetzte Unterbringungen und so weiter.
- 59:11Speaker 0: Das sind großes Thema.
- 59:14Speaker 0: Dann siehst du schon, dass einige natürlich darunter leiden.
- 59:17Speaker 0: Natürlich leiden sie auch weil es ihr Leben zerstört hat.
- 59:21Speaker 0: Sie haben nicht nur fremdes Lebens zerstörert sondern auch ihr eigenes Leben.
- 59:24Speaker 0: und da muss man manchmal gucken was wird mehr bedauert?
- 59:28Speaker 0: die Tat oder die Konsequenzen die daraus erwachsen sind?
- 59:32Speaker 0: aber ich habe auch gesehen das viele also wie krank das ist.
- 59:40Speaker 0: und ich habe einen anderen Aspekt den mir wichtig ist an dieser Stelle zu erwehren.
- 59:44Speaker 0: Das ist die Tatsache, dass eben ganz viele dieser Taten nämlich so wie ich es erlebt habe im Nahbereich passieren.
- 59:51Speaker 0: Die passieren, da kommt kein Franden von irgendwo her und macht diese bösen Sachen.
- 59:55Speaker 0: Das ist das was wir jeden Tag im Fernsehen oder in den Nachrichten erleben.
- 59:59Speaker 0: Böse Menschen kommen irgendwoher, entführen ein Kind, bringen das um, brauchen es.
- 1:00:04Speaker 0: Das sind die Geschichten, die wir erzählen aber... ...achtzig Prozent der Fälle spielen sich im engen Umfeld Nachbarschaft, Familie und Verwandtschaft ab.
- 1:00:17Speaker 0: Das sollte man nicht vergessen.
- 1:00:20Speaker 0: Unser permanentes Entsetzen darüber oder unser besonderes Entsetzen darüber ist auch in dem begründet dass wir auf dem linken Auge lieber etwas blind sind und auf dem rechten ganz entsetzt und bestürzt
- 1:00:31Speaker 1: gucken können.
- 1:00:33Speaker 1: Zum Abschluss noch mal eine kleine Schleife hin zum Tatort machen.
- 1:00:36Speaker 1: Ja!
- 1:00:55Speaker 0: Ja gut, vielleicht muss ich erst mal sagen wie es dazu gekommen ist.
- 1:00:59Speaker 0: Ganz einfach einige Leute wussten das sich ja als Schauspieler schon auf der Bühne unterwegs war und hatten mich im Fahnder oder auf Axel oder in irgendeinem Vorabendformat schon mal gesehen oder in einem Fernsehfilm.
- 1:01:13Speaker 0: Und dann gab's einen Anruf und hieß es wir tränen.
- 1:01:16Speaker 0: ein Kölner Tato hat jetzt ein neues Format.
- 1:01:21Speaker 0: Da ist eine Zähne, da wird dann eine Leiche gefunden.
- 1:01:25Speaker 0: Teilweise verbrannt in einem Auto aber stellt sich raus der ist mit einem Hirschfänger erstochen worden.
- 1:01:30Speaker 0: Das ist das einzige Fall, den ich wirklich noch erinnere.
- 1:01:34Speaker 0: Und die wollten gar nicht mehr, dass ich das spiele weil sie sagten die Rolle ist so klein und du bist Arzt oder Schauspieler.
- 1:01:42Speaker 0: vielleicht könntest du die Rolle mal auch das Coaching bei einem noch auszusuchenden Schauspieler und kannst auch viel leicht ein bisschen beraten.
- 1:01:55Speaker 0: Kostüm, Maske wie sieht das aus?
- 1:01:58Speaker 0: Wie muss man sich das vorstellen?
- 1:01:59Speaker 0: weil so... Und ich habe dann erzählt und erzählt und erzählt und du kriegst wahrscheinlich einen Eindruck davon.
- 1:02:05Speaker 0: wenn ich erstmal losgelassen werde fange ich an zu erzählen dass jemanden anschließend die Ohren klühen und das Ergebnis war Jo bitte tun sie eingefallen kommen her und spielt das.
- 1:02:16Speaker 0: Dann haben wir alles in einem unter sind safe und bitte Ich hab das natürlich dann gemacht.
- 1:02:21Speaker 0: Und danach noch mal, bis Dietmar Bär sagt, der Typ ist jetzt schon siebte oder achtmal hier und alle anderen haben Namen... ich will jetzt dass er auch einen Filmname bekommt.
- 1:02:32Speaker 0: Dann bekam ich den Namen Dr.
- 1:02:33Speaker 0: Rot.
- 1:02:34Speaker 0: Kurz knackig so wie der Rot ist, er kennt ja auch keinen Schachtelsatz anders als ich sondern er raus und schluss und etwas bär bei sich.
- 1:02:43Speaker 0: Egal!
- 1:02:44Speaker 0: Du hast gefragt, wie viel von meinen Erfahrungen aus dem Umgang mit verbrechern konnte ich da abliefern.
- 1:02:50Speaker 0: Gut!
- 1:02:50Speaker 0: Ich habe es geschafft, mal eine ganze Reihe von Erfahrungen loszuwerden, ziemlich am Anfang indem mich einigen Schauspieler die böse spiele.
- 1:03:01Speaker 0: Man muss gesagt haben, kommt man zu Besuch?
- 1:03:03Speaker 0: Ich füge euch gerne mal runter gehen einfach durch den Knast spazieren Und dann, ich sag nix und dann gehen wir hallo.
- 1:03:11Speaker 0: Wir unterhalten uns mit meinen Patienten wenn wir den so begegnen.
- 1:03:15Speaker 0: Und dann guckst du die an und ich sage dir später mal, wen du alles vegetalien fans du heute kennengelernt hast.
- 1:03:22Speaker 0: Mort, Vergewaltigung, Tutschlag ja?
- 1:03:25Speaker 0: Und wo sagt hey!
- 1:03:28Speaker 0: Der war doch ein netter gut aussehender junger Mann und die Vergewaltung und der war das ein ganz freundlicher Opa Totschlag.
- 1:03:37Speaker 0: und der da hinten, der nach nix aussieht ist ein furchtbarer Sexualstraftäter.
- 1:03:45Speaker 0: Ja, sag ich bitte also ah das hat vielleicht ein bisschen dazu beigetragen die Darstellung ein bisschen noch in eine etwas andere Richtung zu lenken wobei typecasting Kannste nicht ganz verhindern aber es ist ja spannend dass so das habe Ich gemacht war manchmal Ganz lustig was so getippt wurde und was dann wirklich war.
- 1:04:06Speaker 0: Ich habe natürlich auch einen Aspekt mit in die Arbeit gebracht.
- 1:04:10Speaker 0: Also als Schauspieler einfach die Tatsache, dass ich Arzt bin.
- 1:04:14Speaker 0: Das kann ich nicht verleugnen.
- 1:04:16Speaker 0: und wenn ich manche Texte lese, wo ich sage bitte, das hat der Auto gegoogelt aber weiter ist er noch nicht gekommen wie auf die erste oder zweite Seite ja?
- 1:04:24Speaker 0: Ist es einfach unverfrorenne Scheiße!
- 1:04:26Speaker 0: Das ist schmachsinnens kann man so nicht sagen... Und dann ändere ich das Oder versuche es.
- 1:04:32Speaker 0: jedenfalls, natürlich kann ich das Buch nicht total umschreiben.
- 1:04:35Speaker 0: Aber ich gucke... Aha!
- 1:04:37Speaker 0: Und dann telefoniere ich mit der Produktion oder mit der Regie und manchmal wisst... Einige Regisseure wissen schon, die rufen an und sagen du hast das Buch gelesen?
- 1:04:48Speaker 0: Ist okay so?
- 1:04:49Speaker 0: Oder ist dir was aufgefallen?
- 1:04:51Speaker 0: Dann versucht man das... Zumindest ist er mal wieder hinzukriegen.
- 1:04:57Speaker 0: Man kann nicht, wenn der eine schreibt aus dem Mageninhalt den Todeszeitpunkt berechnete muss die Uhr mit verschluckt werden oder einer sollte dabei gewesen sein.
- 1:05:10Speaker 0: also das sieht beim Essen und auch beim Töten dabei war.
- 1:05:15Speaker 0: Das ist oftmals hochspekulativ und wenn ich das dann lesere, werde es verbessert oder so geändert.
- 1:05:21Speaker 0: Wenn die Regie sagt, wir wollen das, wird's halt so rausgehauen.
- 1:05:26Speaker 0: Aber ich bin auch ein bisschen stolz darauf, dass echte Rechtsmediziner mit denen ich manchmal sogar eigene Auftritte habe im Sinne Fiktion trifft Realität, dass sie mir sagen, was du da machst, das ist immer noch am nächsten an der Realität im Vergleich zu vielen anderen.
- 1:05:44Speaker 0: Das ist schön.
- 1:05:46Speaker 0: Diesen Beruf fühle ich mich auch ein Stück weit verpflichtet.
- 1:05:48Speaker 0: und Erkenntnisse natürlich, wenn ich mit Kollegen die Verbrecher spielen rede oder so habe ich das, sie wollen das von mir wissen.
- 1:05:59Speaker 0: Die sagen du kennst doch solche.
- 1:06:00Speaker 0: wie sind die?
- 1:06:01Speaker 0: Manchmal ruft mich an und sagt ich muss jetzt hier einen Kindesmissbraucherspielen und so weiter.
- 1:06:08Speaker 0: da bin ich der richtige.
- 1:06:11Speaker 0: Ich sage da nicht, kenne ich mich mit aus.
- 1:06:12Speaker 0: Sondern ich sage dann, komm, lege ihn halt freundlich an.
- 1:06:18Speaker 0: Lege ihn sympathisch an!
- 1:06:20Speaker 0: Das perfideste dabei ist, wenn einer unheimlich schnell drüber kommt aber die miesesten Absichten hat und die natürlich nicht erkennen lässt.
- 1:06:31Speaker 0: das ist ja auch spannend Und es muss natürlich immer für den Schauspieler interessant sein dass man was zum Spielen hat, man macht uns nichts vor.
- 1:06:38Speaker 0: Also am Ende, du kannst dir schon Sachen überlegen.
- 1:06:42Speaker 0: Es gab einen wunderbaren Satz von Peter Zaddeck, der sagt, hey, schön gesprochen aber hätte man es schon mal gespielt.
- 1:06:51Speaker 0: Das ist auch wieder eine andere Realität des Filmes.
- 1:06:57Speaker 0: und die Realität also das habe ich natürlich wunderbar auch gelernt dass ein Film immer bigger than life plus Leben ist Klau, hoffig, trostlos.
- 1:07:10Speaker 0: Aber im Film sollten wir es größer machen, besser machen, schöner machen, spannender machen.
- 1:07:17Speaker 0: und auch eine wichtige Erfahrung die ich gemacht habe ist das meiste Verbrechen.
- 1:07:23Speaker 0: was ich kennengelernt habe ist furchtbar banal entsetzlich banal.
- 1:07:28Speaker 0: manchmal soll mir dankbar sein dass es tolle Autoren gibt die sich tolle Geschichten ausdenken mit Verdächtigen Gesichtern mit falschen Spuren, mit Rechtsmedizin an die plötzlich neue DNA-Spuren sich finden oder irgendwas finden was dem Ganzen doch mal einen ganz anderen Trift gibt.
- 1:07:47Speaker 0: Es ist alles viel schöner, nochmals verbrechen.
- 1:07:51Speaker 0: Ist scheißbar nahe!
- 1:07:55Speaker 1: Das ist doch ein wunderbares Wort.
- 1:07:57Speaker 1: Ich danke dir sehr
- 1:07:59Speaker 0: gerne.
- 1:08:00Speaker 0: Hat mir Freude gemacht.
- 1:08:06Speaker 0: Das Gespräch zu Ende.
- 1:08:09Speaker 0: Vielen Dank fürs Zuhören!