Latest / Schwarze Akte - True Crime / #310 Wehe du redest - Wer bricht zuerst das Schweigen? (Corinna M.)
Transcript
- Diese Episode enthält explizite Details über einen wahren Kriminalfall. Weitere Infos in der Folgenbeschreibung. Der Morgen des 2. Oktober 1987 beginnt in Central City eigentlich wie jeder andere. Die kleine US-amerikanische Stadt in Kentucky schläft noch halb, während über den schmalen Straßen langsam die Sonne aufgeht. Ein paar wenige tausend Einwohner leben hier. Auf dem Betriebsgelände der Stadt beginnt gleich der Arbeitstag. Die ersten Mitarbeitenden sind schon unterwegs, Motoren springen an und irgendwo klappern Werkzeuge über Beton. Central City ist kein Ort, an dem viel passiert. Man kennt sich und begegnet denselben Menschen jeden Tag wieder. Die Leute merken also schnell, wenn plötzlich etwas anders ist als sonst. Und genau das passiert an diesem Morgen. Am Rande des Betriebsgeländes steht ein Auto, das dort eigentlich gar nicht stehen sollte. Ein älterer Chevrolet Caprice Classic, leicht schräg abgestellt zwischen Bäumen und Schotter. Ganz verlassen in der morgendlichen Stille. Der Wagen wirkt irgendwie fehl am Platz. Fast so, als hätte ihn jemand einfach zurückgelassen. Einer der Mitarbeitenden bemerkt das Fahrzeug, als er dort vorbeikommt und schaut mal genauer hin. Vielleicht denkt er erst noch, dass das Auto gestohlen wurde oder jemand es nachts dort kaputt abgestellt hat. Von vorne sieht eigentlich alles ganz normal aus. Mit wenigen Schritten umrundet er das Auto und blickt hinein. Auf der Rückbank kann er merkwürdige Flecken erkennen. Dann fällt der Blick des Arbeiters auf die Rückseite des Wagens. Dunkle Schlieren ziehen sich hier über den Lack. Aus der Entfernung sind sie kaum zu erkennen. Es sieht in dem schwachen Morgenlicht fast aus wie Schmutz oder Öl. Doch je näher er kommt, desto klarer wird, was er da eigentlich vor sich hat. Die Spuren verlaufen über den Kofferraum, sind verschmiert über das Metall bis hinunter zur Stoßstange. Es handelt sich um Blut. Und nicht nur um ein paar Flecken. Später wird der Mann sagen, dass es eine Menge Blut gewesen ist. Nicht ein einzelner Tropfen irgendwo am Auto. Die morgendliche Ruhe auf dem Gelände kippt mit einem Schlag in etwas Bedrohliches, etwas Unheimliches. Der Mitarbeiter ruft sofort die Polizei. Als sich die Polizei mit Blaulicht auf den Weg macht, weiß noch niemand, dass dieser rote, verlassene Wagen zum Mittelpunkt eines Falls wird, der Central City noch über Jahrzehnte lang beschäftigen soll. Denn als die Ermittler den blutigen Kofferraum öffnen, finden sie darin etwas, das selbst erfahrene Polizisten nie vergessen werden. Und damit ganz herzlich willkommen zu einer neuen Folge der Schwarzen Akte, mir gegenüber mit Anne Luckmann und mit Patrick Strohbosch. Hallo. Für unseren heutigen Fall sind wir im Südosten der USA. Central City liegt im Westen von Kentucky, mitten in den alten Kohleregionen. Ende der 80er Jahre leben hier gerade mal 5000 Menschen. Es ist eine kleine Bergarbeiterstadt mit Kirchen, einem Footballfeld und Schotterstraßen. Viele Familien kennen sich hier schon seit Generationen. Das heißt, wer hier lebt, der weiß genau, was bei den Nachbarn so passiert. Die Haustüren werden oft gar nicht erst abgeschlossen. Central City wirkt ruhig, konservativ und überschaubar, wie das typische Amerika der 80er Jahre. Aber es gibt auch eine andere Seite. Central City ist eine Stadt, in der Gerüchte schnell die Runde machen, Menschen sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser halten und Gewalt, Drogen und Alkohol keine unbekannten Themen sind. Auch nicht an einem Oktobermorgen im Jahr 1987. Zu der Zeit ist Ronald Reagan Präsident im Weißen Haus und die USA stecken mitten in den letzten Jahren des Kalten Krieges. Im Kino laufen Filme wie Full Metal Jacket oder Dirty Dancing. Patrick Swayze wird damit zum Star einer ganzen Generation. In den Radios laufen Songs von Bon Jovi, Whitney Houston und George Michael. Die Menschen lieben auffällige Klamotten. Die Jeans sitzen hoch, Männer tragen Lederjacken und Frauen toupierte Haare. In Kleinstädten wie Central City unterscheiden sich die meisten Tage kaum voneinander. Doch der 2. Oktober 1987 ist anders. Während die Sonne langsam aufgeht, fahren am Betriebsgelände der Stadt die ersten Polizeiautos vor. Dort steht ja das verlassene Auto mit den Blutspuren drauf. Den Polizisten fällt neben den offensichtlichen Blutspuren noch etwas anderes Außergewöhnliches auf. Nämlich das Nummernschild. Vorne am Wagen hängt keine normale schlichte Frontplatte, sondern eine bunte. In den USA ist das ziemlich verbreitet. Viele Menschen hängen sich individuelle Schilder mit Spitznamen, Motiven oder persönlichen Designs an ihre Autos. Auf der Platte des roten Chevrolet am Betriebsgelände hängt auch so ein Schild. Darauf sind Palmen, türkisfarbenes Wasser und ein Strand zu sehen. Fast wie eine Airbrush-Postkarte. Darauf steht in geschwungenen Buchstaben der Name Rini. Und in einer Kleinstadt wie Central City erkennt man sowas natürlich sofort wieder. Gerade die Polizisten sind mit den Autos der Leute in der Stadt vertraut. Man kennt die Familien und ihre Spitznamen. Rini ist der Spitzname der 20 Jahre alten Coroner. Und viele der Polizisten, die gerade um das Auto herumstehen, die kennen Coroner sogar persönlich. Denn sie arbeitet sogar für die Polizei in Central City. Corinna ist aber keine Polizistin, sondern wirkt eher im Hintergrund, erledigt Schreibarbeiten und Büroaufgaben. Sie kümmert sich also um organisatorische Dinge. In einigen Quellen heißt es, dass das im Zusammenhang mit Sozialstunden bzw. Mit einer Geldstrafe stand. Ganz klar nachvollziehen lässt sich das aber nicht mehr. Sicher ist nur, viele der Polizisten kennen Corinna persönlich, denn sie ist Teil des Alltags der Polizeistation. Und jetzt steht ihr Auto, das vielleicht kurz vorher noch auf dem Parkplatz der Wache gestanden haben könnte, hier, auf dem Betriebsgelände. Verlassen und mit Blutspuren verschmiert. Aber das Auto ist verschlossen. Anstatt es sofort aufzubrechen, fahren die Beamten erstmal zu Coronas Wohnung. Wahrscheinlich hätte die Polizei den Wagen relativ schnell aufbrechen können. Gerade bei älteren Autos der 80er Jahre wäre das technisch kein großes Problem gewesen. Aber mit den Blutspuren ist das Fahrzeug möglicherweise ja ein Tatort. Vielleicht versuchen die Beamten deswegen, möglichst wenig zu verändern. Außerdem wissen sie ja, wem das Auto gehört und fahren deshalb direkt zu Corinna nach Hause. Vielleicht ist sie ja da. Vielleicht hoffen sie dort auch den Autoschlüssel zu finden. Vielleicht wollen sie aber auch einfach herausfinden, warum Coronas Auto so verlassen in der Nähe des Betriebsgeländes steht. Und das auch noch mit Blutspuren auf der Rückbank und am Kofferraum. Aber Coroner selbst treffen die Beamten in ihrer Wohnung nicht. Was sie aber in ihrer Wohnung entdecken, macht die Situation nur noch schlimmer. Coronas Apartment liegt in einem schlichten Backsteingebäude. Es ist zweistöckig und hat außen verlaufene Treppen. Die kleinen Wohnungen sind dicht nebeneinander. Es ist eins der typischen amerikanischen Apartmenthäuser der 80er Jahre. Praktisch gebaut, etwas anonym mit dünnen Wänden und kleinen Zimmern. Vor dem Haus gibt's ein paar Parkplätze, eine kleine Grasfläche, aber ansonsten ist da nicht viel. Corinna lebt hier erst seit wenigen Wochen, zusammen mit ihrer Mitbewohnerin Angela. Laut der Doku American Monster freunden sich die beiden relativ schnell miteinander an. Sie haben nämlich viel gemeinsam. Beide sind junge Mütter und versuchen irgendwie allein klarzukommen. Ihre Kinder sind fast im selben Alter. Angela und Corinna verbringen viel Zeit miteinander, helfen sich gegenseitig, reden über ihre Probleme und Pläne für die Zukunft. Coroner hatte gehofft, in Central City neu anfangen zu können. Sie wurde am 1. September 1967 in Kirkwood im Bundesstaat Missouri geboren, etwa vier Stunden Autofahrt entfernt. Obwohl Coroner ursprünglich aus Missouri stammt, lebt ihre Familie Ende der 80er Jahre schon in der Gegend um Central City. Sie wächst zusammen mit ihren Geschwistern auf der Farm ihrer Eltern Claude und Patricia auf. Sie beschreiben Coroner als lebensfrohe und normschöne junge Frau. Mit auffallend blauen Augen, langen, blonden Haaren und einer offenen Art. In der Doku American Monster erzählt ihre Familie, dass Corona Musik liebt, gerne tanzt, Motorrad fährt und schwimmen geht. Corona ist 18, als sie ihre eigene Tochter zur Welt bringt. Jetzt ist die kleine Stephanie schon zwei Jahre alt. Über den Vater des Kindes ist öffentlich kaum was bekannt. Die meisten Quellen erwähnen lediglich, dass Corona alleinerziehend ist. Genau deshalb scheint die Nähe zu ihrer Familie auch so wichtig für sie gewesen zu sein. Wo Corona unmittelbar vor 1987 gelebt hat, das geht aus den Quellen allerdings nicht genau hervor. Klar ist nur, dass sie im Frühjahr 1987 nach Central City bzw. Zurück in die Gegend zieht, in der ihre Familie inzwischen lebt. In mehreren Berichten steht, dass dieser Schritt ein bewusster Neuanfang ist. Coroner hofft dort auf Unterstützung ihrer Eltern und Geschwister, während sie gleichzeitig versucht, sich ein eigenes Leben aufzubauen. Sie denkt wohl sogar darüber nach, im medizinischen Bereich zu arbeiten. Erst einmal braucht sie allerdings vor allem Geld, Stabilität und einen geregelten Alltag für sich und ihre Tochter. Corona zieht deshalb in die Hillwood Village Apartments, am nördlichen Rand von Central City. Dort lebt sie ja mit der 21-jährigen Angela zusammen, die auch alleinerziehend ist. Die beiden Frauen wohnen noch nicht lange zusammen, als Corona plant, wieder zurück zu ihrer Familie zu ziehen. In der Doku Unusual Suspects wird beschrieben, dass ihre Taschen schon gepackt im Flur der Wohnung standen. Die kleine Stephanie ist zu diesem Zeitpunkt bereits bei den Großeltern auf der Familienfarm, etwas außerhalb der Stadt. Corinna selbst plant, am 2. Oktober 1987 nachzukommen. Doch dort wird sie nie ankommen. Als die Polizei an diesem Morgen ihre Wohnung betritt, wird sofort klar, dass hier etwas Schreckliches passiert ist. Auf Tatortfotos sind Blutspuren zu sehen. Die Ermittler verstehen schnell, dass diese Wohnung möglicherweise auch der Tatort ist. Corinna selbst finden sie hier ja nicht und ihre Autoschlüssel auch nicht. Also kehren die Beamten zurück zu ihrem Auto auf dem Betriebsgelände. Dort wird nun endlich der Kofferraum von einem Schlüsseldienst geöffnet. Die Klappe fährt nach oben und in diesem Moment wird aus einer düsteren Vorahnung traurige Gewissheit. Denn dort im Kofferraum liegt die Leiche von Corona, nackt und zusammengerollt in einer Decke. Die traurige Nachricht scheint sich in der Gegend schnell zu verbreiten. Ein Mann, der damals in Central City gewohnt hat, schreibt auf einem Blog, das Zitat bis zum Mittag fast jeder in der Stadt entweder wusste oder behauptete zu wissen, was passiert war. Tagelang sprechen die Menschen in Central City über kaum etwas anderes. Alle reden an Tankstellen darüber, im Supermarkt, vor Kirchen oder auf Parkplätzen. Jeder kennt jemanden, der Coroner kannte. Jeder kennt jemanden, der in dieser Nacht vielleicht etwas gesehen haben könnte. Aber noch niemand ahnt, dass dieser Mord die Stadt noch für Jahrzehnte verfolgen wird. Am 2. Oktober 1987, noch am selben Tag, sichern Ermittler erstmal das Auto auf dem Betriebsgelände und Coroners Wohnung in den Hillwood Village Apartments. Der eigentliche Tatort befindet sich ja wahrscheinlich dort. Der Täter hat Coroners Leiche vermutlich im Kofferraum ihres eigenen Wagens abgelegt und das Auto dann auf dem Gelände abgestellt. Im und am Fahrzeug finden Ermittler zwar Blutspuren, Haare sowie Erde und Kies auf Coroners Körper, Doch alles deutet darauf hin, dass die Tat in ihrer Wohnung stattgefunden hat. Einer der ersten am Auto ist damals Lieutenant Billy. In Central City kennt praktisch jeder seinen Namen. Billy arbeitet schon seit Jahren bei der Polizei und gilt als erfahrener und ruhiger Polizist. Auch er kennt Corona, denn sie arbeitet ja auf dem Polizeirevier. Genau deshalb wirkt der Fall auf viele Beamte fast schon persönlich. Auch für sie muss der Anblick von Coronas kleinem Schlafzimmer, das voller Blut ist, ein riesiger Schock gewesen sein. Dort zeigt sich erst das ganze Ausmaß der Gewalt. Blut klebt am Türrahmen, an den Wänden, auf dem Boden und auf dem Bett. Auf Fotos vom Tatort wirken einige Spuren so, als wären sie verschmiert. Als hätte sich dort ein brutaler Kampf abgespielt. Die Ermittler finden außerdem Kleidung, eine Jeans und Männerunterwäsche, die verteilt im Raum herumliegen. Besonders auffällig ist, dass es keine Hinweise auf einen Einbruch gibt. Denn die Türen und Fenster sind unbeschädigt. Für die Polizei bedeutet das, dass Corona ihren Täter gekannt haben könnte und ihn freiwillig in ihre Wohnung gelassen hat. Insgesamt sammeln die Ermittler laut Berichten 23 einzelne Beweisstücke aus der Wohnung und aus Coronas Auto. Gleichzeitig befragt Lieutenant Billy die ersten Zeugen. Eine der wichtigsten Personen ist dabei natürlich Coronas Mitbewohnerin Angela. Sie erzählt den Ermittlern, dass sie und Corona am Abend noch gemeinsam unterwegs waren. Die beiden waren feiern, haben Alkohol getrunken und kamen gegen Mitternacht zurück in die Wohnung. Hier haben sie noch ein bisschen zusammen fern gesehen. Angela ist dann irgendwann ins Bett gegangen. Aber Corinna hat noch darum gebeten, die Wohnungstür offen zu lassen, weil ihr Freund später noch vorbeikommen sollte. Angela ist eingeschlafen und hat dann nichts mehr gehört. Die Polizisten sind nach dieser Aussage skeptisch. Die Wohnung ist klein und die Schlafzimmer liegen direkt nebeneinander. Die Spuren in Coronas Zimmer deuten auf einen extrem gewaltsamen Angriff hin. In der Doku Unusual Suspect sagt Coronas Schwester Heather dazu folgendes. Man stirbt nicht so brutal und niemand hört was. Das ist unmöglich. Mitbewohnerin Angela erklärt das damit, dass sie total betrunken gewesen sei und zusätzlich noch Schmerzmittel genommen habe. Aber genau mit dieser Aussage kommen neue Widersprüche. Denn bei der Obduktion kommen neue grausame Details ans Licht. Der Gerichtsmediziner stellt fest, dass Corona massive Verletzungen erlitten hat. Laut Gerichtsunterlagen hat sie schwere Gesichtsverletzungen, Stichwunden sowie Schnittverletzungen am Hals. Ihre Arme, Hände und Finger weisen Abwehrverletzungen auf. Das sind deutliche Hinweise darauf, dass sie verzweifelt versucht hat, sich zu verteidigen. In den Akten wird außerdem beschrieben, dass Corona brutal sexuell misshandelt wurde. In der Zeitung Messenger Inquirer heißt es, Corona sei am ganzen Körper mit stumpfer Gewalt geschlagen worden. Ihre Nase wurde gebrochen und hat letztlich ihre Atemwege blockiert. Der offizielle Bericht kommt zu dem Schluss, dass sie an ihrem eigenen Blut erstickt ist. Für die Menschen in Central City sind diese Details natürlich ein Schock. Viele Bewohnerinnen und Bewohner können kaum begreifen, dass eine derart brutale Tat mitten in ihrer kleinen Stadt passiert sein soll. Die Zeitungen fragen sich in den Tagen danach, ob ein gefährlicher Killer noch immer frei herumläuft. Gleichzeitig wächst intern der Druck auf Lieutenant Billy und sein Team enorm. Die Menschen wollen antworten, und zwar schnell. Der Bericht aus der Gerichtsmedizin bringt aber neben Antworten eben auch neue Fragen und Widersprüche. Besonders als die Ermittler die Aussagen von Mitbewohnerin Angela mit den toxikologischen Ergebnissen vergleichen. Angela hat ja behauptet, Corona und sie seien in der Tatnacht total betrunken gewesen. Doch laut Gerichtsmedizin gibt es überhaupt kein Alkohol in Coronas Blut. Für Lieutenant Billy entsteht dadurch natürlich der Eindruck, dass Angela nicht die Wahrheit sagt. Oder zumindest nicht die ganze Wahrheit. Und was noch merkwürdiger ist, die Polizei findet niemanden, der Coroner in der Bar gesehen hat, in der sie und Angela feiern gewesen sein sollen. Und dann geraten plötzlich weitere Personen in den Fokus der Ermittlungen. Besonders Einnahme taucht immer wieder auf. Jeffrey. Der gilt in Central City als gefährlicher Mann. Mehrere Dokus beschreiben ihn als einschüchternden, lokalen Dealer mit Verbindung zur Drogenszene der Gegend. Die Polizei erfährt von einem Zeugen, dass Jeffrey Koriner kurz vor ihrem Tod mit einer Waffe bedroht haben soll. Laut seiner Aussage soll Jeffrey zu Koriner gesagt haben, du stirbst heute Nacht. Für einen kurzen Moment wirkt es, als könnten die Ermittler damit eine erste konkrete Spur haben. Doch am Ende fehlt etwas Entscheidendes. Beweise dafür. Lieutenant Billy überprüft die Aussagen des Zeugen, aber seine Geschichte scheint nicht ganz glaubwürdig zu sein. Jeffrey ist der Polizei in Central City zwar bekannt, aber der leitende Ermittler kann ihn erstmal nicht direkt mit dem Mord an Coroner in Verbindung bringen. Währenddessen richtet sich der Blick von Lieutenant Billy auf einen anderen Mann, nämlich Coroners Freund Jimmy. Denn mehrere Dinge sprechen gegen ihn. Coroner soll laut verschiedenen Aussagen kurz davor gewesen sein, sich von Jimmy zu trennen. Und er selbst erzählt der Polizei, dass er in der Nacht auf den 2. Oktober 87 tatsächlich zu Coronas Wohnung gefahren ist. Laut Mitbewohnerin Angela sollte die Haustür für ihn ja offen bleiben. Jimmy erzählt der Polizei weiter, dass er in der Wohnung sogar das Blut an der Schlafzimmertür gesehen habe. Aber die Tür sei verschlossen gewesen. Danach, so behauptet Jimmy, sei er durch die Stadt gefahren und habe nach Corona gesucht. Wenn ihr jetzt die Stirn runzelt, geht es euch so wie uns und den Ermittlern damals. Alle fragen sich doch, warum Jimmy die Blutspuren nicht sofort der Polizei meldet. Blutspuren an einer verschlossenen Tür. Warum fährt er angeblich einfach wieder weg? Niemand würde doch einfach gehen, wenn an einer abgeschlossenen Tür der Freundin Blutspuren zu sehen sind. Schauen wir uns diesen Jimmy also mal genauer an. Jimmy ist 19 Jahre alt und laut Gerichtsunterlagen schon seit mehreren Monaten mit Corona zusammen. In den Dokus wird er als eher ruhiger, junger Mann beschrieben, groß und kräftig. Er hat Gelegenheitsjobs und arbeitet zeitweise in einem Hotel in Nashville. Laut dem Messenger-Enquirer pendelt er damals sogar regelmäßig von Kentucky nach Tennessee zur Arbeit. Mit dem Auto sind das pro Strecke ungefähr zwei Stunden. Die ungewöhnlich lange Pendelzeit ist aber nicht das, was die Ermittler beschäftigt, sondern die Aussagen von Coronas Freunden und ihrer Mitbewohnerin Angela, dass die Beziehung zwischen Coroner und Jimmy zuletzt eher schwierig geworden ist. Auch Coroners Familie scheint Jimmy kritisch gesehen zu haben. In der Doku Unusual Suspects erzählt Coronas Schwester Heather, dass Coroner ihren Eltern von Streits erzählt hat. Einmal soll Coroner sogar mit stark gerötetem Gesicht zu ihren Eltern nach Hause gekommen sein. Jimmy soll ihr während eines Streits mit einem Waschlappen das Make-up aus dem Gesicht gerieben haben, weil er nicht wollte, dass sie sich schminkt. Ihre Eltern sollen Corona damals geraten haben, wieder zu ihnen zu kommen. Und das passt ja zu etwas anderem, das die Ermittler inzwischen wissen. Dass Corona wieder zurück zu ihrer Familie ziehen wollte. Ihre Taschen standen ja schon gepackt im Wohnungsflur. Und ihre kleine Tochter Stephanie war schon bei den Großeltern auf der Farm. Die Spannungen mit Jimmy könnten bei der Entscheidung, zu ihren Eltern zu ziehen, vielleicht eine Rolle gespielt haben. Bewiesen wird das allerdings nie eindeutig. Für Lieutenant Billy scheint sich das Bild trotzdem relativ früh zusammenzufügen. Und wie bei vielen Tötungsdelikten richtet sich der erste Verdacht häufig auf den Partner. In der Doku American Monster heißt es, bei so einer Tat ist in neun von zehn Fällen der Freund der Hauptverdächtige. Coroners Freund Jimmy bestreitet allerdings von Anfang an, ihr etwas angetan zu haben. Er erzählt der Polizei, dass er in der Nacht vom 1. Auf den 2. Oktober 1987 erst mit Freunden unterwegs war. Wie ihr schon wisst, fährt er später noch zu Coronas Apartment. Angeblich, weil Coroner nicht so happy war, dass er mit Freunden ausgegangen ist. Er wollte also nach ihr sehen. Als er bei Coroner ankommt, ist die Haustür nicht abgeschlossen. Das passt zu Angelas Aussage. Jimmy habe noch Coroner gerufen, die Blutspuren bemerkt und sei dann durch Central City gefahren, um sie zu suchen. Er kann sie aber nicht finden und verbringt die Nacht schließlich bei Freunden. Für die Ermittler ergibt dieses Verhalten überhaupt keinen Sinn. Und dann melden sich zwei Zeuginnen bei der Polizei. Sie sagen, dass sie Coroners Auto in der Tatnacht gesehen haben. Zwei Frauen sitzen gegen 1.30 Uhr nachts auf einem Parkplatz in Central City, als Coroners Wagen an ihnen vorbeifährt. Am Steuer erkennen sie einen Mann. Beide Zeuginnen sagen, dass es Jimmy gewesen sein könnte. Auch noch andere Dinge machen Jimmy verdächtig. Die Ermittler bemerken, dass Jimmys Knöchel verletzt sind. Er erklärt es damit, mit Holz gearbeitet und sich dabei verletzt zu haben. Die Wunden könnten aber auch zu einem Kampf passen. Und dann erzählen Menschen aus Coronas Umfeld der Polizei noch von Eifersucht und Jimmys aggressiven Verhalten. Am 30. November 87, fast acht Wochen nach Coroners Tod, wird Jimmy schließlich festgenommen und wegen Mordes angeklagt. Der Messenger-Enquirer berichtet damals groß über seine Verhaftung. Interessanterweise wird die Verhaftung aber nicht direkt durch neue Beweise innerhalb der Mordermittlung selbst ausgeführt. Stattdessen gerät Jimmy wegen eines Diebstahls bei der Arbeit im Hotel ins Visier. Sicherheitsmitarbeiter haben während eines Gesprächs gehört, wie Jimmy Aussagen über Coroners Tod gemacht hat. Das hat sie misstrauisch werden lassen. Was er genau gesagt haben soll, das weiß man leider nicht. Aber es führt dazu, dass die Polizei Jimmy in Central City festnimmt. Kurz darauf wird er wegen Mordes angeklagt. Für Coronas Familie ist die Festnahme ein Durchbruch. Endlich gibt es einen Verdächtigen. Doch als der Prozess im Juli 1988 beginnt, da zeigt sich schnell, wie dünn die eigentliche Beweislage gegen Jimmy wirklich ist. Ungefähr neun Monate nach Coronas Tod ist der Gerichtssaal in Greenville total überfüllt. Das öffentliche Interesse ist riesig. Menschen werden am Eingang sogar wieder weggeschickt, weil es keinen Platz mehr gibt. Sowohl Coronas als auch Jimmys Familie sitzen im Saal. Und dort prallen zwei völlig unterschiedliche Erzählungen aufeinander. Die Staatsanwaltschaft versucht vor allem, Jimmys Verhalten in der Tatnacht verdächtig wirken zu lassen. Die Geschichte mit den nicht gemeldeten Blutspuren, seine angeblichen Verletzungen, die schwierige Beziehung zu Corinna oder die beiden Zeuginnen, die ihn als Fahrer des Autos gesehen haben wollen. Es sind Indizien, aber richtige Beweise gibt es kaum. Es gibt keine Fingerabdrücke oder eindeutige Blutspuren, die Jimmy direkt mit der Tat verbinden. Jimmy selbst beteuert vor Gericht, dass er Coroner geliebt habe. Er beschreibt den besagten Abend, erzählt von Freunden, von Bars und Autofahrten. Seine Freunde bestätigen große Teile seiner Aussagen. Und als die Staatsanwaltschaft ihn fragt, warum er trotz der Blutspuren einfach gegangen ist. Antwortet Jimmy, es war nicht so viel Blut. Seine Verteidigung erhebt gleichzeitig schwere Vorwürfe gegen die Ermittler. Jimmy behauptet, man habe ihn während der Verhöre auf der Polizeiwache immer wieder unter Druck gesetzt und versucht, ein Geständnis zu erzwingen. Besonders problematisch ist auch, dass die Polizei die ersten Gespräche mit Jimmy weder aufgenommen noch ordentlich dokumentiert hat. Das macht es natürlich schwierig, seine Aussage zu stützen oder zu widerlegen. Nach einem nur zweitägigen Prozess berät sich jetzt also die Jury. Und die kommt überraschend schnell wieder zurück. Laut einem Zeitungsbericht beraten die Geschworenen gerade einmal etwas mehr als eine Stunde, bevor sie Jimmy freisprechen. Er ist nicht schuldig. Für Coronas Familie ist das natürlich ein gewaltiger Schock und für die Ermittler eine Niederlage. Für Central City beginnt damit etwas, das fast noch schlimmer ist als die ersten Wochen nach dem Mord. Nämlich die Erkenntnis, dass der Fall möglicherweise für immer ungeklärt bleibt. Denn mit dem Freispruch ist Jimmy juristisch aus der Sache raus. Er darf für denselben Mord nie wieder angeklagt werden. Selbst wenn später neue Hinweise auftauchen sollten, dass er doch Coronas Mörder ist. Mit dem Freispruch endet der Fall erstmal für die Justiz. Für Coronas Familie aber fängt er erst richtig an. Denn sie haben das Gefühl, dass bei den Ermittlungen irgendwas nicht stimmt. Und tatsächlich. Nur wenige Monate später macht Coronas Vater einen Fund, der eine völlig neue Frage aufwirft. Hat die Polizei in diesem Fall einfach nur schwere Fehler gemacht? Oder versucht jemand ganz bewusst etwas zu verbergen? Für Coroners Eltern Claude und Patricia muss der Sommer 1988 und der Prozess gegen Jimmy kaum zu ertragen gewesen sein. Neun Monate lang hatten sie gehofft, dass der Prozess Antworten bringen würde. Stattdessen ist der Mann, den die Ermittler für den Täter halten, wieder auf freiem Fuß. Coroners Familie bleibt zurück mit derselben Frage wie am ersten Tag. Wer hat ihrer Tochter das angetan? Besonders die kleine Stephanie erinnert sie jeden Tag daran, dass jemand fehlt. In einem Zeitungsartikel vom Januar 1989 beschreibt Mutter Patricia, wie schwer der Alltag ist. Sie sagt, ich kann gar nicht in Worte fassen, wie sehr wir sie vermissen. Ich verstehe einfach nicht, wie jemand auf diese Weise sterben kann und trotzdem niemand dafür verantwortlich gemacht wird. Die kleine Stephanie lebt mittlerweile bei ihren Großeltern auf der Familienfarm. Sie ist jetzt dreieinhalb Jahre alt. Coronas Vater Claude erzählt der Zeitung, dass Stephanie manchmal morgens noch von ihrer Mutter spricht. Aber auch auf der anderen Seite hinterlässt der Prozess Spuren. Jimmy habe das Vertrauen ins Justizsystem verloren. Früher hätte er mal Respekt vor dem Gesetz gehabt, aber jetzt nicht mehr. Seine Familie beschreibt die Monate bis zum Prozess als Albtraum. Trotzdem sagen Jimmys Angehörige öffentlich, dass ihnen besonders Coronas Eltern leidtun. Jimmys Mutter bewahrt sogar ein Foto von Corona im Schlafzimmer auf. Während die Menschen in Central City langsam zum Alltag zurückkehren, hört Coroners Vater nicht auf, nachzufragen. Claude ruft ständig bei den Ermittlern an, fordert Antworten, spricht immer wieder mit Lieutenant Billy und anderen Beamten. Billy sitzt sogar regelmäßig bei der Familie am Küchentisch. Er verspricht der Familie jedes Mal, dass er nicht aufgeben wird, dass sie den Täter finden werden. Claude vertraut Billy und der Polizei. Doch genau dieses Vertrauen beginnt nun Stück für Stück zu bröckeln. Schon während des Prozesses gegen Jimmy wurden ja erste Ermittlungsfehler öffentlich. Die falsch dokumentierten Aussagen zum Beispiel. Und dann sagt eine Mitarbeiterin des Labors aus, dass sie Blut- und Haarproben aus Coroners Auto und von ihrem Körper bekommen hat, aber die Polizei offenbar nie Vergleichsproben von Jimmy oder anderen Verdächtigen eingeschickt hat. Das bedeutet, die Spuren konnten gar nicht richtig verglichen werden. Der Staatsanwalt verteidigt die Ermittler zwar öffentlich und spricht von Fehlern, die man im Nachhinein immer leichter erkennen könne, aber in Central City beginnt sich langsam ein Gefühl auszubreiten, dass es in diesem Fall mehr als nur kleine Versäumnisse gibt. Und dann passiert etwas, das alles noch merkwürdiger macht. Im Herbst 1988 wird Coronas Auto an ihre Familie zurückgegeben. Ein Jahr nach ihrem Tod. In der Doku Unusual Suspects wird beschrieben, wie Claude den Wagen zu Hause noch einmal selbst durchsucht. Wahrscheinlich in der Hoffnung, irgendwas zu finden, das den Ermittlern vielleicht entgangen ist. Und man glaubt es kaum, aber er entdeckt wirklich was. Unter bzw. Zwischen dem Vordersitz findet Claude ein Messer. Auf der Klinge befindet sich etwas, das aussieht wie getrocknetes Blut. Laut Claude kleben sogar noch Haare auf dem Messer. Wie kann es sein, dass die Polizei dieses Messer monatelang übersehen hat, obwohl das Auto angeblich ja gründlich untersucht worden ist? Der zuständige Polizeichef erklärt, das Messer könnte zwischen den Sitzen eingeklemmt gewesen und deshalb möglicherweise übersehen worden sein. Aber bei Coroners Familie wächst inzwischen ein anderer Verdacht. Wenn selbst so ein wichtiger Gegenstand, die mutmaßliche Tatwaffe, erst Monate später auftaucht, was wurde dann vielleicht noch alles übersehen? Deswegen übernimmt jetzt die Kentucky State Police Teile der Ermittlungen. Das ist die landesweite Polizei Kentuckys. Sie arbeitet unabhängig von den kleinen lokalen Behörden in Central City. Und die stoßen auf immer mehr Probleme. Es fehlen Beweise, Spuren sind unvollständig dokumentiert und einige Asservate sind plötzlich überhaupt nicht mehr auffindbar. Es heißt sogar, die insgesamt 23 Beweisstücke aus den ursprünglichen Ermittlungen sind nach dem Prozess verschwunden und teilweise niemals getestet worden. Außerdem gibt es Hinweise, dass auch ein Sexualdeliquid nie ordnungsgemäß getestet wurde. In American Monster heißt es, dass bestimmte Beweise zwar ans Labor geschickt, dort aber nie untersucht wurden, weil niemand eine Analyse angefordert hat. Für Coroners Familie klingt das alles unfassbar. Und mit jedem neuen Fehler verdichtet sich langsam ein bestimmtes Gerücht. Was, wenn das alles nicht nur Inkompetenz war? Anfang der 90er Jahre übernimmt Sheriff Wayne neue Ermittlungen. Er hatte bei seinem Wahlkampf sogar öffentlich damit geworben, den Fall wieder aufzurollen. Sheriff Wayne ist entschlossen und kritisiert, dass der Mord seiner Meinung nach längst hätte aufgeklärt werden können, wenn die Ermittlungen von Anfang an richtig geführt worden wären. Doch je tiefer der Sheriff und seine Leute graben, desto unangenehmer scheint der Fall zu werden. Besonders einen Mann lässt der Fall nicht mehr los. Terry. Er arbeitet für Sheriff Wayne und fängt Anfang der 90er Jahre damit an, Corinnas Mordfall neu aufzurollen. In den Dokus wird Terry als extrem hartnäckig beschrieben. Jemand, der nicht locker lässt. Coronas Familie vertraut ihm sehr. Auf einer Gedenkseite für Corinna schreibt die Familie ausdrücklich, dass Terry einer der wenigen Ermittler gewesen sei, die wirklich versucht hätten, Antworten zu finden. Und tatsächlich stößt Terry im Laufe der Jahre immer wieder auf seltsame Dinge. Menschen wollen plötzlich nicht mehr mit der Polizei reden. Termine mit Zeugen werden kurzfristig abgesagt. Der Sheriff und er laufen gegen Mauern. Und dann kommen sogar Drohanrufe. 1991, vier Jahre nach Coroners Tod, gibt Sheriff Wayne Preis, dass ihn anonyme Männer angerufen hätten. Einer soll gedroht haben, dass wenn der Sheriff sich nicht aus dem Fall heraushalte, er im Green River lande. Ein anderer droht indirekt seiner Familie. Der Sheriff antwortet öffentlich, dass ihn nichts von seinen Ermittlungen abhalten werde. Das alles wirkt inzwischen nicht mehr wie ein ungelöster Mordfall innerhalb einer Kleinstadt. Es entsteht ein Netz aus Angst, aus Gerüchten und möglicherweise Menschen, die nicht wollen, dass bestimmte Wahrheiten ans Licht kommen. Und mitten in all diesen Gerüchten fällt immer wieder ein Name. Lieutenant Billy. In der Stadt verbreiten sich über Jahre immer wildere Geschichten über den Polizisten. Darüber gibt es 1992 sogar einen Artikel auf der Titelseite einer Zeitung. Der Artikel wirkt aber nicht wie eine große Enthüllungsstory, sondern es geht darum, wie sehr die Gerüchte inzwischen eskaliert sind. Im Artikel steht, dass Menschen behaupten, Billie hätte Kontakte in die Drogenszene, zum Beispiel zu Jeffrey. Das ist der Mann, der Coroner kurz vor ihrem Tod bedroht haben soll. Die Gerüchte werden irgendwann so massiv, dass Billie Anfang der 90er Jahre sogar berufliche Chancen verliert. Billie selbst äußert sich auch in dem Artikel. Dort steht, ich will einfach nur, dass die Leute mich in Ruhe lassen und mich mein Leben leben lassen. Die Kentucky State Police und auch ehemalige Kollegen verteidigen ihn. Sie hätten nie Beweise gefunden, die die Gerüchte bestätigen würden. Zu dieser Zeit, fünf Jahre nach dem Mord an Coronar, untersucht schließlich sogar das FBI nochmal ihr Auto, und zwar mit moderner Lasertechnik. Beamte sichern blutige Fingerabdrücke vom Kofferraum, Spuren, die offenbar jahrelang unentdeckt geblieben sind. Vater Claude fühlt sich zum ersten Mal seit Jahren wieder hoffnungsvoll. Doch auch diese neue Spur führt zunächst zu niemandem. Und dann vergeht eine lange Zeit. Zeit, in der Sheriff Wayne und Ermittler Terry immer mehr Beweise sammeln, die belegen, dass bei den Ermittlungen einiges schiefgelaufen ist. Doch etwas stoppt den Tatendrang der beiden. Denn Ermittler Terry wird schwer krank. Der Mann, dem Coronas Familie so vertraut hat. 2004 bekommt er die Diagnose Krebs. 17 Jahre nach Coronas Tod. Laut den Dokus arbeitet Terry selbst in dieser Zeit weiter an Coronas Fall. Er stirbt ein Jahr später, 2005, ohne den Fall gelöst zu haben. Doch genau in dieser Zeit passiert wieder etwas Entscheidendes. Fast 20 Jahre nach Coroners Tod meldet sich plötzlich eine Frau bei der Polizei. Und ihre Geschichte ist so unfassbar, dass sie den gesamten Fall komplett auf den Kopf stellt. Wir fassen einmal kurz zusammen, weil da mittlerweile echt viele verschiedene Ermittler und Behörden an Coroners Fall arbeiten oder gearbeitet haben. Zuerst ermitteln die lokalen Behörden aus Central City, also Lieutenant Billy. Dann übernimmt zusätzlich die unabhängige Kentucky State Police Teile des Falls, weil die ursprünglichen Ermittlungen immer stärker kritisiert werden. Anfang der 90er Jahre kommt dann Sheriff Wayne dazu. Sheriff Wayne setzt seinen Ermittler Terry auf den Fall an. Und Terry wird für Coronas Familie extrem wichtig, weil er einer der wenigen Ermittler ist, der über Jahre wirklich nicht aufgibt. Bis kurz vor seinem Tod 2005 hat er eine riesige Akte zusammengestellt. Und genau in diesem Zeitpunkt übernimmt ein neuer Ermittler bei der Kentucky State Police den Fall. Cold Case Ermittler Damon schaut sich alles nochmal an. Das bedeutet, dass er Zugriff auf die alten Ermittlungsakten bekommt, auf Terrys Unterlagen und auf die Information der früheren Ermittlungen. Und er bekommt einen Hinweis auf eine Frau namens Samantha. Sie ist zu diesem Zeitpunkt Mitte 30. Als Coroner stirbt, ist sie erst 16 Jahre alt. Und Samantha behauptet etwas Unfassbares. Sie hat den Mord an Coroner nämlich mit eigenen Augen gesehen. Samantha landet nur durch Zufall bei dem Cold Case Ermittler. Denn sie wird zu einem komplett anderen Fall von der State Police befragt und erzählt aber dabei, dass sie Informationen über den Mord an Coroner habe. So landet sie dann beim Cold Case Ermittler Damon. Was Samantha ihm erzählt, ist keine normale Zeugenaussage. Es klingt wie die Handlung eines Albtraums und gleichzeitig wie die Erklärung für fast alles, was in diesem Fall seit Jahren nicht zusammenpasst. Sie berichtet, dass sie damals in der Nacht vom 1. Auf den 2. Oktober 87 draußen unterwegs war, als plötzlich ein Polizeifahrzeug neben ihr hält. Laut ihrer Aussage sitzen darin zwei Männer, Jeffrey und Lieutenant Billy. Also genau der Polizist, der dann selbst die Ermittlungen Coronas Mord verleitet. Und der Jeffrey, der möglicherweise in Drogengeschäfte verwickelt ist und Coroner vor ihrem Tod mit einer Waffe bedroht haben soll. Die beiden hätten Samantha gegen ihren Willen ins Auto gezogen und mitgenommen. Die Fahrt endet ausgerechnet vor Coronas Apartment. Und dort in der Wohnung sei schon eine Gruppe von Menschen gewesen. Corinna selbst, ihre Mitbewohnerin Angela, Coronas Freund Jimmy und noch zwei andere Männer. Einen kennt Samantha nicht, den anderen aber schon. Er ist 18 Jahre alt und heißt ebenfalls Jimmy, genau wie Coronas Freund. Wer der unbekannte Mann gewesen sein soll und ob und wie er an der Tat beteiligt war, das ist leider nicht klar. Was die junge Teenagerin Samantha den Beamten dann beschreibt, ist wirklich schrecklich und kaum auszuhalten. Lieutenant Billy und Corona hätten plötzlich angefangen zu streiten. Samantha glaubt, es könnte möglicherweise um eine Schwangerschaft gegangen sein. Sicher ist sie sich aber nicht. Und dann eskaliert die Situation. Lieutenant Billy hat Corona ins Schlafzimmer gedrängt. Jeffrey schiebt Samantha hinterher. Gleichzeitig hat Billy eine Metallstange oder was ähnliches in der Hand und geht damit auf Corona los. Er attackiert sie und rückt die Stange dann sogar gegen ihren Hals, während Corona laut schreit. Danach wird Corona brutal geschlagen und mehrfach vergewaltigt. Samantha nennt dabei Billy, Jeffrey und die beiden Jimmies. Schließlich wird sie auch selbst Opfer sexualisierter Gewalt. Coronas Mitbewohnerin Angela soll währenddessen im Nebenzimmer gewesen sein. Sie weint, greift aber nicht ein. Corona wird dann irgendwann, entweder noch bewusstlos oder schon tot, in eine Decke gewickelt und in den Kofferraum ihres eigenen Wagens gelegt. Anschließend soll Lieutenant Billy Samantha gezwungen haben, Coronas Auto zum Betriebsgelände zu fahren. Also genau an den Ort, an dem der Wagen am nächsten Morgen verlassen gefunden wird. Jeffrey wartet dort schon. Er könnte mit einem anderen Wagen vorgefahren sein, aber das wissen wir nicht genau. Samantha habe panische Angst gehabt. Nachdem sie das Auto parkt, wirft sie den Autoschlüssel weg, rennt einfach los und flüchtet nach Hause. Und danach schweigt sie. Fast 20 Jahre lang. Samantha erzählt damals nur ihrer Mutter, was passiert ist. Niemandem sonst. Und auch ihre Mutter sagt es niemandem. Wahrscheinlich aus Angst. Angst vor Lieutenant Billy. Der ist ja immerhin Polizist. Billy habe Samantha auch über Jahre hinweg immer wieder am Telefon eingeschüchtert und davor gewarnt, niemals über diese Nacht zu sprechen. Für die Ermittler ist Samantas Aussage ein absoluter Schock. Denn wenn sie die Wahrheit sagt, dann bedeutet das nicht nur, dass Coronas Mörder fast 20 Jahre frei herumliefen. Es würde auch bedeuten, dass ausgerechnet einer der leitenden Ermittler selbst der Täter ist. Der Mann, der Coronas Familie jahrelang Hoffnung gemacht hat, der mit ihrem Vater Claude am Küchentisch saß und versprochen hat, den Täter zu finden. Das wäre wirklich unglaublich. Für Coronas Vater Claude muss das kaum zu begreifen gewesen sein. Denn als das alles herauskommt, ist Lieutenant Billy nicht mehr nur der Polizist, der den Fall bearbeitet hat, er ist möglicherweise auch der, der den gesamten Verlauf der Ermittlungen kontrollieren konnte. Er war nämlich auch für die Beweise verantwortlich. Laut den Gerichtsunterlagen verwaltet Billy Teile der Asservata aus Coroners Fall, darunter einige der Beweisstücke, die Jahre später verschwunden sind. Blutproben, Haare, Bettlaken, die Kleidung aus dem Schlafzimmer. Dinge, die möglicherweise hätten zeigen können, wer wirklich in dieser Wohnung gewesen ist. Besonders auffällig wird dabei ein Dokument aus dem Labor. Cold Case-Ermittler Damon findet Jahre später Unterlagen, die zeigen, dass Billy kurz nach dem Prozess gegen Jimmy insgesamt 18 Beweisstücke persönlich aus dem Labor abgeholt hat. Und zwar ununtersucht. In den Unterlagen steht dazu, auf Wunsch von Lieutenant Billy werden die folgenden Beweisstücke unbearbeitet zurückgegeben. Und genau diese Beweise tauchen ja nie wieder auf. Wenn Billy tatsächlich selbst in den Fall verwickelt gewesen sein sollte, hätte er als leitender Ermittler natürlich eine enorme Kontrolle darüber gehabt, welche Spuren untersucht werden und welche nicht. Dazu kommen nun auch neue Zeugenaussagen. Ein Mann habe Billy und Jeffrey in der Mordnacht gemeinsam nahe des städtischen Betriebsgeländes gesehen. Ein anderer will Jeffrey in den frühen Morgenstunden ebenfalls in der Nähe gesehen haben. Außerdem meldet sich eine Nachbarin, die angeblich damals ein Polizeifahrzeug vor Coroners Apartment gesehen hat. Sie alle haben sich aber nie getraut, etwas zu sagen. Sie tun es erst jetzt, fast 20 Jahre später. Jahrelang hat man sich gefragt, warum niemand etwas gehört oder gesehen hat. Warum Zeugen plötzlich nicht mehr aussagen wollen? Warum Beweise verschwinden? Warum Ermittlungen ins Leere laufen? Und jetzt gibt es dafür möglicherweise eine Erklärung. Angst. Angst vor einem Polizisten. Vor Billy. Einem Mann, der Einfluss hat. Und als respektierter Ermittler galt. Jetzt fangen die neuen Ermittler an, Billys mögliche Verbindung zu Jeffrey und dem Drogenhandel genauer anzuschauen. Dabei taucht ein Detail auf, das fast 20 Jahre lang untergegangen ist. Coronar hat kurz vor ihrem Tod Informationen über mögliche Drogengeschäfte an einen Polizeibeamten weitergegeben. Laut Gerichtsunterlagen informiert dieser Beamte aber ausgerechnet Billy darüber. Und dann gibt es ein zweites Detail, das den Fall noch komplizierter macht. In einigen Quellen heißt es, dass Corona damals behauptet haben soll, schwanger zu sein. Billy habe angeblich geglaubt, dass er der Vater sein könnte. Die Ermittler vermuten deshalb, dass zwischen den beiden möglicherweise eine intime Beziehung bestanden haben könnte. Ob das tatsächlich stimmt, lässt sich heute kaum noch sicher überprüfen. Fakt ist, in den öffentlich bekannten Akten findet sich kein Hinweis darauf, dass Corona schwanger war. Aber plötzlich stehen damit gleich mehrere mögliche Motive im Raum. Eifersucht, Angst vor Enthüllungen, Drogengeschäfte, vielleicht sogar Korruption innerhalb der Polizei. Am 2. November 2006 wird der inzwischen 63 Jahre alte Billy festgenommen. Er ist mittlerweile im Ruhestand. Zusammen mit ihm werden auch der 43-jährige Jeffrey, der andere Jimmy vom Tatort, also nicht Coronas Exfreund, und die 40-jährige Mitbewohnerin Angela angeklagt. Die Vorwürfe lauten Mord, Vergewaltigung, Entführung, sexuelle Gewalt und Manipulation von Beweismitteln. Das alles passiert 19 Jahre nach dem Mord an Coroner. Die Nachricht ist natürlich die Sensation in der Umgebung. Manche können überhaupt nicht glauben, dass der ehemalige Lieutenant Billy etwas mit Coroners Tod zu tun haben soll. Für andere sind die vielen Gerüchte um ihn plötzlich wahr. Für Coroners Familie ist der Moment emotional wahrscheinlich kaum zu beschreiben. Vater Claude beschreibt es so. Er sagt, ich bin überglücklich. Wir haben so viele Jahre darauf gewartet. Und dann sagt er noch etwas, das wahrscheinlich alles über diese Familie erzählt. Nämlich, meine Frau ist vor fünf Wochen gestorben. Das ist das Schlimme. Es war fünf Wochen zu spät. Mutter Patricia erlebt die Festnahmen nicht mehr. Fast 20 Jahre lang hatte sie auf Antworten gehofft. Und jetzt, wo der Fall plötzlich wieder in Bewegung kommt, ist sie nicht mehr da. Und trotzdem entwickelt sich für Coroners Familie wahrscheinlich zum ersten Mal das Gefühl, dass der Fall vielleicht doch noch aufgeklärt werden könnte. Im April 2009, genau 22 Jahre später, sind der Ex-Lieutenant Billy, der Drogenkriminelle Jeffrey und der andere Mann namens Jimmy angeklagt. Coroners Freund Jimmy kann ja wegen seines Freispruchs nicht nochmal angeklagt werden. Die Staatsanwaltschaft versucht deshalb, ihn wegen anderer Delikte anzuklagen, darunter Beihilfe zur Vergewaltigung und Falschaussage. Aber es kommt letztlich zu keiner vergleichbaren Verurteilung im Mordfall selbst. Auch gegen Mitbewohnerin Angela werden die schwersten Vorwürfe fallen gelassen. Im Gegenzug sagt sie im Prozess gegen Billy, Jeffrey und den anderen Jimmy aus und wird dann wegen Falschaussage verurteilt. Der neue Prozess gegen Billie und die anderen Männer unterscheidet sich aber komplett von dem Verfahren gegen Coronas Freund Jimmy Ende der 80er Jahre. Die neue Theorie ist die. Coroner gerät in ein Umfeld aus Drogenhandel und möglicherweise korrupten Beziehungen innerhalb der Polizei. Und als sie beginnt zu reden, wird sie angeblich zum Problem. Doch obwohl die Anklage jetzt viel größer und detaillierter ist, gibt es ein Problem. Es gibt fast keine brauchbaren physischen Beweise mehr. Die Anwälte der Angeklagten greifen deshalb vor allem Samantha als zentrale Zeugin an. Ihre gesamte Aussage basiert auf Erinnerungen an eine Nacht, die mehr als 20 Jahre zurückliegt. Die Verteidigung betont immer wieder, dass Samantha über Jahre Gerüchte in Central City gehört haben könnte und ihre Geschichte möglicherweise dadurch beeinflusst wurde. Außerdem stellen die Anwälte immer wieder eine Frage. Warum sollte man eine 16 Jahre alte Zeugin entführen, sie alles sehen und sie danach einfach wieder laufen lassen? Einer der Anwälte weist die Jury an, ihr sollt den gesunden Menschenverstand nicht an der Tür abgeben. Und das ist wirklich so. Der gesamte Prozess steht und fällt im Grunde mit Zeugin Samantha. Sie wiederholt ihre Geschichte vor Gericht. Es werden den Geschworenen auch Tatort- und Autopsie-Fotos gezeigt. Auch Coronas Vater Claude sitzt im Gerichtssaal. Einige Bilder seien für ihn kaum auszuhalten gewesen. Gleichzeitig lässt die Staatsanwaltschaft noch mehr Zeugenaussagen, die alte Gerüchte und Aussagen aus den 80ern bestätigen. Zum Beispiel ein ehemaliger Nachbar, der Billy mehrmals bei Coroners Apartment gesehen habe. Eine Zeugin, der Coroner erzählt hat, dass sie glaubt, schwanger zu sein. Mehrere Menschen, die Billys Polizeiwagen damals vor dem Apartment gesehen haben. Zusätzlich sagt ein ehemaliger Mithäftling aus, dass der andere Jimmy im Gefängnis Tatort und Autopsie-Fotos von Coroner herumgezeigt habe und dabei angeblich gesagt hat, schau, was wir ihr angetan haben. Und dazu kommen noch die verschwundenen Beweise. Ein Leitender Ermittler, der Zugriff auf Tatorte, Zeugen und Beweise hatte. Und Beweise, die genau unter seiner Verantwortung verschwinden. Nach fast zwei Wochen Prozess beraten sich die Geschworenen zwei Tage lang. Und dann fällt schließlich das Urteil. Ex-Lieutenant Billy, Jeffrey und der andere Jimmy werden schuldig gesprochen. Für Coronas Familie endet damit ein Kampf, der über 20 Jahre lang gedauert hat. Endlich gibt es eine Art Gerechtigkeit. Billy wird zu lebenslanger Haft ohne Möglichkeit auf vorzeitige Entlassung verurteilt. Auch Jeffrey bekommt lebenslange Haft ohne Aussicht auf Bewährung. Der andere Mann namens Jimmy wird zu insgesamt 60 Jahren Gefängnis verurteilt. Coroners Vater Claude wünscht sich, seine Frau hätte das alles noch erleben können. Für Coroners Familie bleibt ohnehin etwas, das kein Urteil der Welt jemals zurückbringen kann. Coroner selbst. Die kleine Stephanie ist ja gerade einmal zwei Jahre alt, als ihre Mutter ermordet wird. Als die Täter verurteilt werden, ist sie Anfang 20. Sie beklagt in einem Interview, dass sie keine einzige Erinnerung an ihre Mutter hat. Die haben ihr die Täter genommen. Während andere Menschen Fotos, Stimmen oder gemeinsame Momente mit ihren Eltern haben, wächst Stephanie nur mit Erzählungen auf. Mit Geschichten über ihre Mutter, die Tanzen, Schwimmen und Lachen geliebt hat. Laut Coroners Schwester Heather hat die Familie jetzt endlich das Gefühl, wieder atmen zu können. Dass zum ersten Mal seit Jahrzehnten etwas Frieden eingekehrt ist. Vater Claude meint, dass er danach leichter zum Friedhof gehen konnte, dass es einfacher geworden sei, am Grab seiner Tochter und seiner Frau zu stehen, weil endlich jemand zur Verantwortung gezogen wurde. Claude stirbt im Jahr 2011. Und was aus Coroners damaligem Freund Jimmy geworden ist, bleibt bis heute teilweise unklar. Weil er 1988 schon vom Mord freigesprochen wurde, konnte er deswegen nicht nochmal angeklagt werden. Es gibt zwar noch Verfahren wegen möglicher Beteiligung an Vergewaltigung und Falschaussage, aber öffentlich lässt sich kaum nachvollziehen, wie diese Verfahren am Ende ausgegangen sind. In einigen True-Crime-Recherchen und Podcasts heißt es, dass Jimmy in den Jahren danach immer wieder wegen Drogendelikten auffällt und deswegen 2020 wieder im Gefängnis sitzt. Für Coronas Familie ist aber klar, dass kein Urteil der Welt Coroner zurückbringen kann. Aber zumindest hätten sie nach all den Jahren endlich das Gefühl gehabt, dass ihre Tochter nicht einfach vergessen wurde. Ich finde, das ist schon wieder so ein Fall. Das war ja letzte Woche auch so, oder? Wo ich jetzt gar nicht mal so viel zu diskutieren habe, um ehrlich zu sein. Ich weiß nicht, wie es bei dir ist, aber eine Sache will ich auf jeden Fall herausstellen, nämlich den Vater Claude. Ich finde es richtig krass. Ich meine, das hat ja 20 Jahre gedauert, bis die Familie insgesamt Gerechtigkeit bekommen hat. Und dass er aber währenddessen trotzdem auch weiter dahinter stand, dass es zu dieser Gerechtigkeit kommt. Und ich bin mir sicher, da werden jetzt viele dieser Meinung sein. Viele Hinweise haben ja schon dann in diese Richtung gedeutet, dass er nicht einfach Selbstjustiz übt. Finde ich sehr, sehr stark von ihm, dass er gesagt hat, nein, am Ende des Tages lande ich auch noch im Gefängnis und die kleine Stephanie hat niemanden, der ihr irgendwie so den Weg zeigen kann, Fand ich besonders jetzt am Ende nochmal sehr, sehr stark, dass er, aber auch die ganze Familie natürlich so lange auch durchgehalten hat und gewartet hat auf dieses Urteil. Ja, diese Zeitspanne von 20 Jahren kann man sich ja gar nicht vorstellen, oder? Also wir erzählen das jetzt hier in einer knappen Stunde, den ganzen Verlauf des Falls zusammengefasst, muss man ja sagen. Aber so diese reale Zeitspanne von 20 Jahren, das ist ja einfach unglaublich. Und ich bin jedes Mal aufs Neue immer wieder so schockiert und schockiert. Und emotional, ja, werde ich emotional mitgerissen, weil ich mir das einfach gar nicht vorstellen kann und auch natürlich nicht will, dass man weiß, die geliebte Person lebt nicht mehr, die wurde ermordet, aber ja, dass man dieses Gefühl des Friedens in Anführungsstrichen, von dem er ja zuletzt gesprochen hat, dass man das eben so lange mit sich rumträgt und sich wünscht, aber diesen Frieden halt nicht finden kann, solange da niemand verurteilt ist. Auch wenn das die Person nicht wieder zurückbringt, aber man braucht ja in vielen Dingen des Lebens und das muss ja keine so schlimme, furchtbare Sache wie ein Mord sein, aber bei vielen Themen im Leben brauchst du irgendwie einen Schuldigen, damit es dir besser geht. Du brauchst irgendwie eine Person, auf die du das projizieren kannst, damit der Ärger von dir irgendwie weggeht und dieses Gefühl und ja, das ist zum Glück ein Fall, den wir hier erzählen konnten, der aufgeklärt werden konnte und auch das Ausmaß, dass Lieutenant Billy, ein Polizist, hier involviert ist, aber noch am Küchentisch sitzt bei der Familie und verspricht, wir werden das aufklären und der weiß ja ganz genau, ich werde hier gar nichts aufklären, weil ich bin ja der Täter. Das ist auch unfassbar, oder? Also, dass dieses Messer im Auto nicht entdeckt wurde, ergibt jetzt natürlich Sinn, weil er sicherlich alles dafür getan hat, damit das Messer da nicht auffällt. Ja, das ist einfach hinterhältig und durchtrieben. Also, anders kann ich es auch nicht sagen. Und bevor wir in den Schlussteil gehen, wo wir jetzt auch einen Namen für haben, können wir ja gleich sagen, vielleicht noch eine Sache. Was meinst du? Ich finde es nämlich auch sehr interessant, dass all das ja nur durch Samantha möglich geworden ist. Und ich finde, auf den ersten Blick ergibt das ja auch nicht so viel Sinn, warum die beiden Männer sie eingepackt haben, mit zu dem Tatort gemacht haben. Die irgendwie gar nicht sogar, ne? Warum, meinst du, hatten sie mit ihr vielleicht auch noch irgendwas vor, haben sich dann aber doch noch dagegen entschieden? Das wäre so die einzige Idee, die ich jetzt gehabt hätte, weil rein theoretisch, wir haben es ja gesagt, steht und fällt dieser Fall ja mit ihrer Zeugenaussage. Ich meine, Angela hat ja dann auch ausgesagt und das ja auch dann verifiziert, aber eigentlich kommt es ein bisschen random, um ehrlich zu sein, dass sie sie einfach mitgenommen haben. Ja, sie haben sich damit ja irgendwie eine weitere Zeugin ins Boot geholt, wenn man so will. Besonders er als Polizist weiß es ja eigentlich. Ja, und dann auch so ein 16-jähriges Mädchen. Gut, die kannst du vielleicht nochmal besser beeinflussen und manipulieren und zum Schweigen bringen. Aber wenn sie sie gar nicht erst eingesammelt hätten, dann hätten sie sie auch nicht zum Schweigen bringen müssen. Und Samantha sollte ja dann auch den Wagen auf das Betriebsgelände fahren. Also damit hat man ihr ja auch die Möglichkeit gegeben, schnell zu fliehen, als das Auto dann da abgestellt wurde. Also keine Ahnung. Ich habe nicht mal eine Idee, warum man sie eingesammelt hat. Ja, wobei du hast recht, also dass sie das Auto gefahren hat, ist natürlich ein möglicher Grund, aber das hätte auch eine nixbeliebige Person aus dem, ich sag mal, Bekanntenkreis machen können. Da sind ja scheinbar auch noch andere in dem Raum gewesen, die das hätten machen können. Das habe ich auch nicht so ganz verstanden, vielleicht habt ihr da draußen ein paar Theorien, aber ich würde sagen... Jetzt springen wir mal in die Personalakte. Ja. Weil wir haben ja, wir haben ja abgestimmt, aber wir haben auch richtig, richtig geile Vorschläge allgemein von euch bekommen. Wir sind alle durchgegangen. Also erstmal an der Stelle vielen, vielen lieben Dank für all die Einsendungen, die ihr uns geschickt habt. Aber ich finde Personalakte, ich weiß nicht, wie du es siehst. Also im Endeffekt sehen wir es ja gleich, weil wir haben uns ja dafür entschieden. Aber ich dachte auch so, als ich Personalakte gelesen habe, ja klar, das ergibt vollkommen Sinn. Also deswegen, let's go rein in die Personalakte. Ja, let's go. Ich finde den Namen auch ganz toll. Ich fand, viele Gute waren dabei, aber irgendwie bei dem haben wir beide gesagt, ach komm, das passt ja irgendwie am besten. Also kommen wir zur Personalakte, die hier geöffnet wird. Ich habe eigentlich eine Frage. Ich will gar nichts erzählen heute von mir, sondern ich will dich fragen, wie war es vor Gericht? Ja genau, also einige dachten ja, dass ich selbst vor Gericht stehe, das hatten welche geschrieben, aber sowas nicht, ich war ja einfach nur als Teil der Öffentlichkeit da und das kann ich jetzt nachträglich, ich kann euch ein bisschen was erzählen von dem Fall, aber ich kann es allen nur ans Herz legen, besonders all wir hier, die Fans vom True Crime sind. Wenn ihr Zeit vormittags habt oder so in so ein Gericht zu gehen, in Berlin sind auch richtig schöne Gerichte, muss man sagen. Dann macht das gerne, weil ich finde es super, super interessant, wie man vor Gericht sieht, wirklich live, wir, die hier die Fälle hervortragen, das ist ja schon manchmal sehr lange her, aber das ist ja wirklich genau in der Situation, wo du richtig siehst, wie sich versucht wird, an diese Wahrheit immer weiter anzunähern. Wie so eine Zwiebel, ich habe es dir im Vorgespräch auch schon erzählt, wie so eine Zwiebel, die man immer so weiter abzieht und versucht so ein bisschen näher in die Wahrheit zu kommen. Es gab voll viele Zeugenaussagen, es war super interessant, weil dieser Fall auch ganz viele Wendungen eigentlich hatte. Deswegen, ich kann es euch allen nur ans Herz legen, wenn ihr da mal irgendwie Zeit und Lust habt. Man kann als Öffentlichkeit da jederzeit einfach rein, man muss sich da auch nicht großartig anmelden. Und kleiner Funfact noch, geht vielleicht nicht mit Podcast-Ausrüstung rein. Stimmt, du hattest dein ganzes Equipment dabei. Genau, weil ich bin ja direkt vom Podcast gekommen und da gibt es halt so Metalldetektoren, also wie beim Flughafen eigentlich. Und ich dachte so, ja okay, jetzt wird er mich erst mal fragen, vom Flughafen, das habe ich ja auch schon mal erzählt, dann haben die gedacht, das wäre eine Pistole und ich war auf dieses Gespräch vorbereitet. Und dann fragt er mich aber auf einmal so von wegen, ob ich eine Erlaubnis habe, da was aufzunehmen. Und ich war so, nee, nee, warte, ich komme gerade von einem Podcast, ich will hier nichts aufnehmen. Und er so, ja, aber alleine dadurch, dass du es schon dabei hast, brauchst du diese Erlaubnis. Oh, okay. Und dann musste ich das halt nochmal irgendwie, muss ich nochmal raus, muss ich nochmal rausrennen, das ablegen und so. Kleiner Tipp an der Stelle, falls ihr mit Podcast-Ausrüstung unterwegs seid. Und eine Sache, die ich mir dieses Mal aber eingeschrieben habe, nicht so wie letztes Mal, wo du mich an das Event erinnern musstest. Wir haben ja einen Krimi-Dinner die Woche, beziehungsweise oder Spieleabend. Mal gucken, was es wird bei uns auf der Liste. Da freue ich mich schon sehr drauf. Ja, stimmt. Wir machen das ja regelmäßig, unregelmäßig in einer ganz bestimmten Gruppe. Ja, freue ich mich auch schon drauf. Wenn ihr hier noch Spiele-Empfehlungen habt für eine Gruppengröße von, wie viel sind wir? So acht, neun, irgendwie so. Sagen wir mal bis zu zehn Personen. Dann schreibt uns das gerne mal. Also da freuen wir uns doch mal auf so ein paar Spieleinspirationen. Und dann würde ich sagen, schließen wir die Personalakte und die schwarze Akte. Und würden uns super doll freuen, wenn ihr in zwei Tagen am Donnerstag in die Paranormale-Folge reinhört. Denn es ist dann ja wieder der letzte Donnerstag im Monat. Das heißt, es gibt eine paranormale Folge. Dieses Mal auch wieder sehr paranormal, würde ich sagen. Also ihr dürft gespannt sein. Und dann hören wir uns entweder am Donnerstag oder am Dienstag oder wann immer ihr unseren Podcast gerne hört. Bis dann. Wir sind eure Hosts Anne Luckmann und Patrick Strohbusch. Redaktion Johanna Müsiger und wir. Schnitt Anne Luckmann. Produktion Nadine Lenfer-Unterweger und Lea Backes. Die schwarze Akte ist eine Produktion der Julep Studios. Besonderer Dank geht an Falco Schulte.