Latest / Friedrich Nietzsche Podcast in Deutsch / Menschliches, Allzumenschliches I - Achtes Hauptstück - 452-460
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- 0:00Unterkapitel 452 Besitz und Gerechtigkeit ne Nietzsche setzt
- 0:08sich hier mit der Kritik der Sozialisten am Eigentum
- 0:10auseinander. Die Sozialisten behaupten, dass
- 0:13die heutige Verteilung von Besitz ungerecht sei, weil sie
- 0:16auf Gewalt und Betrug in der Vergangenheit beruht.
- 0:19Deshalb lehnen sie die Verpflichtung gegenüber diesem
- 0:21Besitz ab. Nietzsche sagt dazu, sie sehen
- 0:25nur einen kleinen Teil, die gesamte alte Kultur.
- 0:28Alles, was wir haben, ist auf Gewalt, Sklaverei, Betrug und
- 0:33Irrtum aufgebaut. Wir können uns aber nicht
- 0:36einfach von dieser Vergangenheit lösen, denn wir sind die Erben
- 0:39dieser Zustände, man kann nicht einfach ein einzelnes Stück wie
- 0:43den Besitz herausziehen und verdammen, ohne alles andere
- 0:47auch zu verdammen, zudem ist die Gesinnung derer, die nichts
- 0:51besitzen, nicht besser als die der Besitzenden, auch die Armen
- 0:55haben keinen moralischen Vorrang.
- 0:58Irgendwann waren auch ihre Vorfahren vielleicht besitzende.
- 1:01Nietzsche lehnt gewaltsame Umverteilungen ab.
- 1:04Er sagt, was wir brauchen, ist keine Gewalt, sondern eine
- 1:08langsame Umwandlung des Geistes. Die Gerechtigkeit muss in allen
- 1:11Menschen größer werden und der gewalttätige Instinkt muss
- 1:14schwächer werden. Unterkapitel 453 der Steuermann
- 1:21der Leidenschaften. In diesem Abschnitt beschreibt
- 1:25Nietzsche, wie ein Staatsmann Leidenschaften in der
- 1:28Bevölkerung erzeugt. Um davon zu profitieren.
- 1:31Er nutzt die Emotionen der Menschen wie ein Steuermann das
- 1:34Segel, als Beispiel führt er an wie ein deutscher Staatsmann,
- 1:38gemeint ist Bismarck, ein Interesse daran hat, Hass gegen
- 1:41die katholische Kirche zu schüren, warum um zu verhindern,
- 1:46dass sich die Katholiken in Deutschland mit einem anderen
- 1:48Land, zum Beispiel Frankreich, verbünden, indem er die Menschen
- 1:52gegen die Kirche aufbringt. Macht er die politische Macht
- 1:55der Kirche zu seinem Feind und zwingt sie in eine Position, die
- 1:58für seine eigene Politik nützlich ist?
- 2:01Der Staatsmann will also bewusst die Köpfe von Millionen Menschen
- 2:04verdunkeln und sie in Leidenschaft versetzen, nur um
- 2:07daraus einen politischen Vorteil zu ziehen.
- 2:10Auch die Unterstützung von bestimmten Regierungsformen in
- 2:12Nachbarländern geschieht oft nur aus dem Grund, weil man glaubt,
- 2:15dass diese Form das Nachbarland schwächer und unfähiger zum
- 2:18Krieg macht. Es geht also nicht um Werte,
- 2:21sondern um kalte Berechnung. Und die Manipulation von
- 2:25Gefühlen, Unterkapitel, 454 die gefährlichen unter den
- 2:31umsturzgeistern Nietzsche unterteilt die Menschen, die
- 2:36einen Umsturz der Gesellschaft, also eine Revolution, planen.
- 2:40In 2 Gruppen die erste Gruppe sind diejenigen, die Vorteile
- 2:44für sich selbst, für ihre Kinder und Enkelkinder erreichen
- 2:47wollen. Diese Gruppe hält Nietzsche für
- 2:50weniger gefährlich, warum? Weil man sie zufriedenstellen
- 2:53kann. Die herrschende Gesellschaft ist
- 2:56meist reich und klug genug, um diesen Menschen etwas abzugeben
- 3:00und sie so zu beruhigen. Die zweite Gruppe ist viel
- 3:03gefährlicher, das sind Menschen, die nicht an ihren eigenen
- 3:06Vorteil denken, sondern an unpersönliche Ziele, wie zum
- 3:09Beispiel eine ideologische Idee der Gerechtigkeit.
- 3:13Diese Revolutionäre haben ein gutes Gewissen, weil sie
- 3:15glauben, uneigennützig zu handeln, sie fühlen sich
- 3:19moralisch überlegen. Die Verteidiger des bestehenden
- 3:22Staates hingegen kämpfen für ihren eigenen Besitz und ihre
- 3:25Stellung. Deshalb wirken die Verteidiger
- 3:27immer so, als hätten sie ein persönliches Interesse, während
- 3:30die Revolutionäre scheinbar für eine höhere Sache kämpfen.
- 3:34Diese moralische Überlegenheit macht die zweite Gruppe so
- 3:36gefährlich für den Staat Unterkapitel 455 politischer
- 3:43Wert der Vaterschaft. In diesem Abschnitt sagt
- 3:48Nietzsche, dass ein Mann, der keine Söhne hat, eigentlich kein
- 3:51volles Recht haben sollte, über die Zukunft des Staates
- 3:54mitzureden. Nietzsche begründet das so, man
- 3:57muss selbst etwas Persönliches und Liebes riskieren, um sich
- 4:00wirklich mit dem Staat verbunden zu fühlen.
- 4:03Wer Kinder hat, muss an deren Zukunft denken, er muss sich
- 4:07überlegen, wie die Welt aussieht, wenn er selbst nicht
- 4:09mehr da ist. Das zwingt den Menschen dazu,
- 4:12langfristig zu denken und sich für stabile Einrichtungen
- 4:15einzusetzen. Wenn jemand Söhne hat, wird sein
- 4:18Egoismus, also seine Eigenliebe, erweitert.
- 4:21Er denkt über seine eigene Lebenszeit hinaus diese Sorge um
- 4:25die Nachkommen ist die Grundlage für eine höhere Moral und für
- 4:28ernsthaftes politisches Handeln. Wer kinderlos ist, denkt oft nur
- 4:32bis zu seinem eigenen Tod Unterkapitel 456 Ahnenstolz
- 4:41Nietzsche spricht hier über den Stolz auf die eigene Herkunft.
- 4:45Er sagt, es ist berechtigt, stolz auf eine ununterbrochene
- 4:48Reihe von guten Vorfahren zu sein, bis hinauf zum Vater.
- 4:52Aber man sollte nicht einfach stolz auf die Reihe an sich
- 4:55sein, denn jeder Mensch hat Vorfahren, der wahre Adel, also
- 5:00die echte Vornehmheit, entsteht nur durch gute Eigenschaften der
- 5:04Ahnen, wenn es in der Familiengeschichte auch nur
- 5:07einen einzigen bösen Vorfahren gab, ist dieser Geburtsadel
- 5:10zerstört, man sollte jeden, der von seinem Adel spricht, Fragen.
- 5:15Gab es unter deinen Vorfahren keinen gewalttätigen, gierigen,
- 5:18ausschweifenden oder boshaften Menschen?
- 5:22Wenn er diese Frage mit gutem Gewissen mit Nein beantworten
- 5:25kann, dann darf man ihn bewundern und seine Freundschaft
- 5:28suchen, Unterkapitel, 457, Sklaven und Arbeiter in diesem
- 5:38Unterkapitel vergleicht Nietzsche das Leben antiker
- 5:40Sklaven mit dem moderner Arbeiter.
- 5:42Er stellt fest, dass Menschen mehr Wert auf ihre Eitelkeit
- 5:45legen als auf ihr wirkliches Wohlbefinden.
- 5:48Zum Beweis führt er an, dass fast jeder die Sklaverei ablehnt
- 5:52und es schrecklich findet, Menschen in diesen Stand zu
- 5:54versetzen, aber wenn man genau hinschaut, lebten Sklaven in der
- 5:58Vergangenheit oft sicherer und glücklicher als der moderne
- 6:01Arbeiter heute die Arbeit der Sklaven war oft weniger hart als
- 6:05die Fabrikarbeit der moderne warum protestieren die Menschen
- 6:09dann gegen Sklaverei? Sie tun es im Namen der der
- 6:12Menschenwürde. Das ist für Nietzsche aber nur
- 6:15ein anderes Wort für Eitelkeit. Der Mensch leidet nicht an der
- 6:19Arbeit selbst, sondern daran, dass er öffentlich als ungleich
- 6:23oder weniger wertvoll angesehen wird.
- 6:26Das ist das härteste Los für ihn.
- 6:28Nietzsche erwähnt hier den Kyniker ein Kyniker ist ein
- 6:32Anhänger einer philosophischen Richtung der Antike, die
- 6:35Bedürfnislosigkeit predigt und gesellschaftliche Normen
- 6:38verachtet. Ein solcher Kyniker denkt anders
- 6:40über die Sklaverei, weil ihm die Ehre und das Ansehen bei anderen
- 6:44Menschen egal sind. Deshalb konnte zum Beispiel der
- 6:47Philosoph Diogenes zeitweise als Sklave und Hauslehrer leben,
- 6:51ohne darunter zu leiden, Unterkapitel, 458, leitende
- 6:58Geister und ihre Werkzeuge Nietzsche beschreibt hier, wie
- 7:02große Staatsmänner und Führer andere Menschen benutzen, um
- 7:06ihre Pläne durchzusetzen. Es gibt 2 Methoden.
- 7:09Die erste Methode ist sehr fein und sorgfältig.
- 7:12Der Führer sucht sich genau die Menschen aus, die zu seinen
- 7:15Plänen passen. Er lässt diesen Menschen dann
- 7:18viel Freiheit, er weiß nämlich, dass diese Menschen von ihrer
- 7:22eigenen Natur aus genau das tun werden, was er will, er nutzt
- 7:26also ihre natürlichen Antriebe. Die zweite Methode ist
- 7:30gewaltsamer, der Führer nimmt irgendwelche Menschen, die
- 7:33gerade da sind und formt sie sich zurecht, damit sie für
- 7:36seine Zwecke taugen. Erpresst sie in eine Form.
- 7:40Diese Methode erfordert weniger Menschenkenntnis, sondern mehr
- 7:43Verachtung für Menschen. Aber die Maschall die Maschine,
- 7:47die der Staatsmann aus diesen geformten Menschen baut,
- 7:50funktioniert meistens besser und fehlerfreier als bei der ersten
- 7:53Methode, weil die Menschen wie Werkzeuge gehorchen,
- 7:58Unterkapitel, 459 willkürliches Recht notwendig hier geht es um
- 8:05die Frage, wie Gesetze gemacht sein sollten.
- 8:08Juristen streiten darüber, ob ein Rechtssystem bis ins letzte
- 8:11Detail logisch durchdacht sein muss oder ob es so sein soll,
- 8:14dass das Volk es leicht verstehen kann.
- 8:16Das römische Recht gilt als Muster für ein logisches,
- 8:19durchdachtes System für den normalen Menschen wirkt es aber
- 8:22oft unverständlich, alte Volksrechte wie die der Germanen
- 8:27waren oft unlogisch und voller Aberglaube, aber sie entsprachen
- 8:30den Sitten und Gefühlen des Volkes Nietzsche sagt nun.
- 8:35In unserer heutigen Zeit ist das Recht nicht mehr Sitte oder
- 8:38Tradition. Wir haben das Gefühl, für das
- 8:40alte herkömmliche Recht verloren, deshalb muss das Recht
- 8:44heute befohlen werden, es ist zwang, wir müssen akzeptieren,
- 8:49dass es willkürliche Gesetze gibt, einfach weil es überhaupt
- 8:52Gesetze geben muss, das Logischste recht ist dann das
- 8:55Beste, weil es am Unparteiischsten ist, auch wenn
- 8:59die Festlegung, welche Strafe auf welches Vergehen folgt, im
- 9:02Grunde willkürlich festgelegt ist.
- 9:05Unterkapitel 460 der große Mann der Masse Nietzsche gibt hier
- 9:12ein Rezept, wie man für die breite Masse zu einem großen
- 9:16Mann wird. Man muss der Masse etwas
- 9:18verschaffen, das ihr sehr angenehm ist, oder man muss ihr
- 9:22zumindest einreden, dass das, was man ihr gibt, angenehm sei,
- 9:26aber man darf es ihr nicht sofort geben, man muss es sich
- 9:29scheinbar schwer erkämpfen. Die Masse muss den Eindruck
- 9:32haben, dass da jemand mit einer mächtigen, unbesiegbaren
- 9:35Willenskraft am Werk ist. Jeder Mensch bewundert einen
- 9:38starken Willen, weil kaum jemand ihn selbst hat.
- 9:41Wenn dieser starke Wille dann auch noch etwas Gutes für die
- 9:43Menge bewirkt, feiert sie den Mann als groß, wichtig ist aber
- 9:48noch etwas, dieser große Mann muss auch Eigenschaften haben,
- 9:52die die Masse gut kennt, wie zum Beispiel Gewalt, Neid oder
- 9:57Intrigen, er darf nicht zu edel sein.
- 10:01Wenn er auch diese niederen Eigenschaften hat, muss sich die
- 10:04Masse vor ihm nicht schämen. Er ist einer von ihnen, nur
- 10:07stärker.