Latest / Das Periodensystem der Elemente / 50. Zinn (Sn) – Das Metall der Bronzezeit
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- 0:00Willkommen zu einer neuen Folge von Wissensreise durch das
- 0:03Periodensystem der Elemente, deinem Podcast zum Entspannen,
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- 0:15produzieren. Kennst du schon unsere anderen
- 0:18Podcastreihen wie Wissensreise durch die Uhrzeit?
- 0:23Heute wenden wir uns einem Metall zu, das auf den ersten
- 0:27Blick unscheinbar wirkt und das doch wie kaum ein anderes den
- 0:31Lauf der menschlichen Geschichte verändert hat.
- 0:34Es ist ein Metall, das einer ganzen Epoche der Menschheit
- 0:38ihren Namen lieh, einer Epoche, in der sich Gesellschaften
- 0:42wandelten, Handelswege über Tausende von Kilometern
- 0:46entstanden und die ersten großen Zivilisationen aufstiegen.
- 0:51Die Rede ist von Zinn, dem Element mit der Ordnungszahl 50,
- 0:56jenem weichen, silbrig glänzenden Metall, das selbst
- 1:00unscheinbar bleibt und doch gemeinsam mit dem Kupfer die
- 1:05Bronze hervorbrachte, jenen Werkstoff, der einem ganzen
- 1:08Zeitalter seinen Namen gab. Ohne das Zinn hätte es die
- 1:13Bronzezeit nicht gegeben, und die Geschichte der menschlichen
- 1:16Technik, des Handels und der Macht wäre eine andere geworden.
- 1:21In dieser Folge wollen wir das Zinn aus der Perspektive der
- 1:25Chemie, der Geschichte und der Kulturwissenschaft betrachten,
- 1:29seine Eigenschaften ergründen, seinen Weg durch die
- 1:32Jahrtausende verfolgen und schließlich fragen, welche
- 1:36Bedeutung es bis heute für uns besitzt.
- 1:39Beginnen wir mit der Geschichte, denn sie ist beim Zinn besonders
- 1:43eindrucksvoll, die Menschheit kannte schon vor dem Zinn einige
- 1:47Metalle. Gold und Kupfer etwa kommen
- 1:50gelegentlich in gediegener, also reiner Form in der Natur vor und
- 1:55konnten daher schon früh genutzt werden.
- 1:58Doch reines Kupfer ist weich und für viele Werkzeuge und Waffen
- 2:03wenig geeignet. Der entscheidende Durchbruch
- 2:06kam, als die Menschen entdeckten, dass sich Kupfer mit
- 2:09einem anderen Metall vermischen ließ, um einen weit härteren und
- 2:14beständigeren Werkstoff zu erhalten.
- 2:17Dieses andere Metall war in der wichtigsten und verbreitetsten
- 2:21Variante das Zinn. Mischt man etwa 9 Teile Kupfer
- 2:26mit einem Teil Zinn und schmilzt sie zusammen, so entsteht die
- 2:31Bronze, eine Legierung, die deutlich härter ist als reines
- 2:35Kupfer, die sich gut gießen lässt und die scharfe, haltbare
- 2:40Schneiden ermöglicht. Diese Entdeckung, die sich vor
- 2:44etwa 5000 Jahren in verschiedenen Regionen der Welt
- 2:47vollzog, läutete die Bronzezeit ein, eine Epoche, die im
- 2:51Vorderen Orient etwa um 3300 vor unserer Zeitrechnung begann und
- 2:57die menschliche Kultur grundlegend prägte.
- 3:01Mit der Bronze konnten die Menschen bessere Werkzeuge
- 3:04herstellen, schärfere Sicheln zum Ernten, robustere Äxte zum
- 3:09Roden, haltbarere Pflugscharen für den Ackerbau.
- 3:13Mit der Bronze entstanden aber auch wirkungsvollere Waffen,
- 3:18Schwerter, Speerspitzen und Helme, und so verschob das neue
- 3:22Metall die Machtverhältnisse zwischen den Völkern.
- 3:26Wer über Bronze verfügte. War im Vorteil und werden Zugang
- 3:31zu Zinn kontrollierte. Besaß eine strategische
- 3:34Ressource von höchstem Wert, hier liegt eine der
- 3:37bemerkenswertesten Eigenheiten der Bronzezeit, denn das Zinn
- 3:42ist in der Erdkruste weit seltener und Ungleichmäßiger
- 3:46verteilt als das Kupfer, während Kupfererze an vielen Orten zu
- 3:52finden waren, gab es nur wenige Regionen mit bedeutenden
- 3:56Zinnvorkommen. Das bedeutete, dass das Zinn oft
- 4:00über gewaltige Entfernungen herangeschafft werden musste.
- 4:04Und so entstanden in der Bronzezeit weitreichende
- 4:07Handelsnetze, die ganze Kontinente miteinander
- 4:11verbannten. Eine der wichtigsten Zinnquellen
- 4:14der Antike lag im fernen Westen Europas, in der Region des
- 4:19heutigen Cornwall im Südwesten Englands und in der Bretagne.
- 4:25Von dort gelangte das begehrte Metall über lange See und
- 4:29Landwege bis in den Mittelmeerraum zu den Kulturen
- 4:33der Phönizier, der Griechen und später der Römer.
- 4:37Die Geheimnisumwitterten Zinninseln, die in antiken
- 4:40Quellen erwähnt werden und deren genaue Lage lange Zeit ein gut
- 4:45gehütetes Handelsgeheimnis war, dürften sich auf diese
- 4:48westeuropäischen Vorkommen bezogen haben.
- 4:52Auch in Zentralasien, etwa im Gebiet des heutigen Afghanistans
- 4:56und Usbekistans, gab es bedeutende Zinnvorkommen, die
- 5:01über die alten Karawanenwege gehandelt wurden.
- 5:05Die Bronzezeit war damit, so paradox es klingt, bereits ein
- 5:09Zeitalter der wirtschaftlichen Verflechtung über große
- 5:12Distanzen. Ein frühes Beispiel dafür, wie
- 5:15der Bedarf an einem seltenen Rohstoffmenschen und Kulturen
- 5:20über Grenzen hinweg miteinander in Beziehung setzte.
- 5:24Forschende konnten in jüngerer Zeit mit Hilfe der Analyse von
- 5:28Isotopen im Zinn sogar nachweisen, dass Bronze.
- 5:32Aus dem östlichen Mittelmeerraum tatsächlich Zinn, aus weit
- 5:36entfernten Lagerstätten enthielt, was diese erstaunliche
- 5:40Reichweite des bronzezeitlichen Handels eindrucksvoll bestätigt.
- 5:46Gerade weil das Zinn so selten war und über so weite Wege
- 5:50herangeschafft werden musste, machte es die Hochkulturen der
- 5:54Bronzezeit zugleich verletzlich. Ihre gesamte Werkzeug und
- 5:58Waffentechnik beruhte auf einem Rohstoff, der nur an wenigen
- 6:02entlegenen Orten gewonnen wurde und dessen Nachschub von einem
- 6:07fein gesponnenen, störanfälligen Netz aus Handelsbeziehungen
- 6:11abhing. Viele Forschende sehen darin
- 6:14einen der Gründe, weshalb um etwa 1200 vor unserer
- 6:18Zeitrechnung mehrere große Zivilisationen des östlichen
- 6:22Mittelmeerraums fast gleichzeitig in eine schwere
- 6:25Krise gerieten und teilweise zusammenbrachen.
- 6:29Ein Vorgang, den die Geschichtswissenschaft als den
- 6:32Zusammenbruch der späten Bronzezeit bezeichnet.
- 6:36Wanderungsbewegungen, Naturkatastrophen, innere
- 6:40Unruhen und der Zusammenbruch der Fernhandelswege wirkten
- 6:44dabei vermutlich zusammen. Und der Abriss der
- 6:47Zinnversorgung dürfte eine Rolle gespielt haben.
- 6:51Es ist eine frühe und eindringliche Lehre darüber, wie
- 6:54die Abhängigkeit von einem einzigen knappen Rohstoff ganze
- 6:58Gesellschaften gefährden kann, eine Lehre, die.
- 7:02Die in unserer heutigen Welt der seltenen und kritischen
- 7:05Rohstoffe nichts von ihrer Aktualität verloren hat.
- 7:10Wenden wir uns nun den Eigenschaften des Zins zu, denn
- 7:14sie erklären vieles von dem, was das Metall für die Menschen so
- 7:18wertvoll machte. Zinn steht im Periodensystem in
- 7:22der 14 Gruppe gemeinsam mit dem Kohlenstoff, dem Silizium, dem
- 7:27Germanium und dem Blei. Es ist ein silbrig weißes,
- 7:32weiches Metall, das man bei Zimmertemperatur fast mit dem
- 7:35Fingernagel ritzen kann und das sich mit dem Messer schneiden
- 7:39lässt. Sein Schmelzpunkt liegt bei
- 7:42vergleichsweise niedrigen 232 Grad Celsius, was bedeutet, dass
- 7:47es sich schon mit den bescheidenen Mitteln der Antike
- 7:50leicht schmelzen und gießen ließ.
- 7:53Diese leichte Verarbeitbarkeit war einer der Gründe für seine
- 7:57frühe Nutzung. Reines Zinn ist außerdem gut
- 8:01dehnbar und lässt sich zu dünnen Folien auswalzen, jener Stanniol
- 8:06genannten Zinnfolie, die früher zum Verpacken von Lebensmitteln
- 8:10und Tabak diente, bevor sie weitgehend durch die billigere
- 8:14Aluminiumfolie ersetzt wurde. Eine besonders merkwürdige
- 8:19Eigenschaft des Zinns ist sein Verhalten bei Kälte, ein
- 8:22Phänomen, das man als Zinnfest bezeichnet.
- 8:26Zinn kommt nämlich in verschiedenen Erscheinungsformen
- 8:29vor, die Chemiker als Modifikationen bezeichnen.
- 8:33Bei normalen Temperaturen liegt das vertraute, silbrig glänzende
- 8:37und gut verformbare weiße Zinn vor, sinkt die Temperatur jedoch
- 8:43unter etwa 13 Grad Celsius und bleibt sie über längere Zeit
- 8:47niedrig, so kann sich das weiße Zinn allmählich in eine andere
- 8:51Form umwandeln, das graue Zinn. Dieses graue Zinn ist kein
- 8:57zusammenhängendes Metall mehr, sondern ein sprödes, pulvriges
- 9:00Material, das zerfällt und zerbröselt.
- 9:04Der Übergang beginnt oft an einzelnen Stellen und breitet
- 9:08sich von dort wie eine Krankheit über das ganze Stück aus,
- 9:12weshalb man von der Zinmpest spricht, historische Berichte
- 9:16erzählen von zerfallenden Zinnorgeln in kalten Kirchen.
- 9:20Von Zinnknöpfen, die an strengen Wintertagen zu Staub zerfielen.
- 9:25Und es gibt die vielleicht legendenhafte, aber lehrreiche
- 9:29Geschichte, dass die zinnhaltigen
- 9:31Ausrüstungsgegenstände bei kalten Feldzügen Schaden
- 9:35genommen hätten. Ob diese Geschichten in jedem
- 9:39Detail zutreffen, ist umstritten.
- 9:41Doch das Phänomen selbst ist chemisch real und ein
- 9:44eindrückliches Beispiel dafür, dass selbst ein scheinbar
- 9:48beständiges Metall unter bestimmten Bedingungen seine
- 9:51Gestalt grundlegend verändern kann.
- 9:55Bemerkenswert ist auch ein Blick auf die Isotope des Zinns, denn
- 9:59hier hält das Element einen besonderen Rekord, kein anderes
- 10:04Element besitzt so viele stabile Isotope wie das Zinn, nämlich 10
- 10:09an der Zahl. Diese ungewöhnliche Vielfalt
- 10:13hängt mit einer Eigentümlichkeit der Kernphysik zusammen.
- 10:17Der Zinnkern enthält genau 50 Protonen und die Zahl 50 gehört
- 10:22zu den sogenannten magischen Zahlen, jenen besonderen
- 10:26Anzahlen von Kernbausteinen, bei denen der Atomkern eine erhöhte
- 10:31Stabilität besitzt, ähnlich wie eine vollständig gefüllte Schale
- 10:36dem Atom in seiner elektronenhülle Beständigkeit
- 10:39verleiht. Diese kernphysikalische
- 10:42Besonderheit macht das Zinn zu einem dankbaren Studienobjekt
- 10:46der Wissenschaft und ist ein schönes Beispiel dafür, wie tief
- 10:51verwurzelte Gesetzmäßigkeiten der Materie sich in den
- 10:54scheinbar zufälligen Eigenschaften der Elemente
- 10:58widerspiegeln. Wie alle Elemente, die schwerer
- 11:02sind als das Eisen, verdankt das Zinn seine Entstehung den
- 11:06gewaltigen Vorgängen im Universum.
- 11:08Dem langsamen Einfangen von Neutronen in den tiefen
- 11:12alternder Sterne, durch das die schweren Atomkerne über lange
- 11:16Zeiträume aufgebaut wurden, ehe sie schließlich in den Weltraum
- 11:21hinausgeschleudert wurden und Teil jener Materie wurden, aus
- 11:25der unsere Erde entstand. Ein weiteres charakteristisches
- 11:30Merkmal des Zinns ist der bereits erwähnte Zinnschrei
- 11:34verbiegt man einen Stab aus reinem Zinn.
- 11:38So gibt er ein leises, knisterndes Geräusch von sich.
- 11:42Dieses Knistern entsteht, weil sich beim verbiegen die feinen
- 11:45Kristalle im Inneren des Metalls gegeneinander verschieben und
- 11:49dabei brechen. Es ist ein hörbares Zeugnis der
- 11:54inneren Struktur des Metalls. Chemisch tritt Zinn vor allem in
- 11:582 Oxidationsstufen auf der Stufe plus 2 und der Stufe plus 4.
- 12:05An der Luft überzieht es sich mit einer dünnen, schützenden
- 12:09Oxidschicht, die das darunterliegende Metall vor
- 12:12weiterer Korrosion bewahrt, was das Zinn vergleichsweise
- 12:15beständig und damit für viele Anwendungen geeignet macht.
- 12:20In der Natur kommt Zinn fast ausschließlich in Form eines
- 12:23einzigen wichtigen Erzes vor, des Zinnsteins, der chemisch
- 12:28betrachtet Zinndioxid ist und auch unter dem Namen Cassiterid
- 12:34bekannt ist. Dieses Erz findet sich häufig in
- 12:38Form schwerer, dunkler Körner, die durch die Verwitterung des
- 12:41Gesteins freigesetzt und von Flüssen davongetragen werden.
- 12:46Weil die Zinnsteinkörner schwerer sind als die meisten
- 12:50anderen Mineralien, sammeln sie sich am Grund der Flussläufe an,
- 12:55wo sie sich mit einfachen Mitteln auswaschen lassen,
- 12:58ähnlich wie man Gold wäscht. Diese sogenannten
- 13:02Seifenlagerstätten waren in der Frühzeit besonders wichtig, weil
- 13:06sie ohne aufwändigen Bergbau zugänglich waren.
- 13:10Aus dem Zinnstein lässt sich das Metall durch Erhitzen mit Kohle
- 13:14vergleichsweise einfach gewinnen, ein weiterer Grund für
- 13:17die frühe Nutzung des Zins die wichtigsten Förderländer sind
- 13:22heute China, Indonesien, Myanmar, Peru und Bolivien.
- 13:27Ein bedeutendes und zugleich problematisches Fördergebiet
- 13:31liegt im Osten der Demokratischen Republik Kongo,
- 13:34wo der Zinnabbau ähnlich wie der anderer begehrter Metalle
- 13:38mitunter mit gewaltsamen Konflikten und schwierigen
- 13:41Arbeitsbedingungen verbunden ist.
- 13:43Ein Umstand, der die ethische Dimension der Rohstoffgewinnung
- 13:48bis in die Gegenwart hinein vor Augen führt.
- 13:51Über die Bronze hinaus hat das Zinn im Laufe der Geschichte
- 13:55viele weitere Verwendungen gefunden.
- 13:57Die Bronze, die das Zinn ermöglichte, war nicht nur ein
- 14:01Werkstoff, der Werkzeuge und Waffen, sondern auch ein
- 14:04Werkstoff der Kunst und der Erinnerung.
- 14:07Schon in der Antike gossen die Menschen aus Bronze prachtvolle
- 14:11Standbilder, Glocken, Spiegel und Gerätschaften und die
- 14:16Technik des Bronzegusses entwickelte sich zu einer hohen
- 14:20Kunst im sogenannten verlorenen Wachsverfahren formte man
- 14:23zunächst ein Modell aus Wachs. Umhüllte es mit einer Gussform
- 14:27und schmolz das Wachs heraus, so dass der entstehende Hohlraum
- 14:31mit flüssiger Bronze ausgegossen werden konnte.
- 14:35Auf diese Weise entstanden über die Jahrtausende hinweg Werke
- 14:39von außerordentlicher Feinheit, von den antiken Götterstatuen
- 14:43bis zu den großen Glocken der Kirchen, deren Klang über die
- 14:47Dörfer und Städte hallte und das Leben der Menschen
- 14:50rhythmisierte. Eine Glocke ist im Übrigen ein
- 14:55eindrückliches Beispiel für die Bedeutung des richtigen
- 14:58Zinnanteils. Denn erst ein vergleichsweise
- 15:01hoher Gehalt an Zinn verleiht der Glockenbronze jenen
- 15:05besonderen, lange nachschwingenden Klang.
- 15:09So hat das Zinn nicht nur die Werkzeuge der Menschen
- 15:12verbessert, sondern auch ihre Kunst und ihre Klanglandschaften
- 15:15bereichert, ein stiller Beitrag zur Schönheit der Kulturen.
- 15:20Über die Bronze hinaus hat das Zinn im Laufe der Geschichte
- 15:24viele weitere Verwendungen gefunden.
- 15:26Eine der wichtigsten war das Zinngeschirr über Jahrhunderte
- 15:31hinweg, besonders im Mittelalter und in der frühen Neuzeit, war
- 15:35Zinn das Material der Wahl für Teller, Krüge, Kannen und Becher
- 15:40in den Haushalten des Bürgertums und des wohlhabenderen
- 15:44Handwerks. Diese Gegenstände bestanden
- 15:47meist nicht aus reinem Zinn. Sondern aus einer Legierung mit
- 15:51etwas Blei oder anderen Metallen.
- 15:54Das Zinngeschirr war erschwinglicher als Silber, aber
- 15:57edler als Ton oder Holz, und es prägte die Tafelkultur ganzer
- 16:03Epochen, die Zinngießer bildeten ein angesehenes Handwerk und
- 16:08kunstvoll gearbeitete Zinngegenstände sind bis heute
- 16:12begehrte Sammlerstücke. Allerdings birgt die alte
- 16:16Zinnlegierung mit Bleizusatz eine gesundheitliche Gefahr,
- 16:21denn das giftige Blei konnte in saure Speisen und Getränke
- 16:24übergehen. Ein Problem, das man in früheren
- 16:27Zeiten noch nicht durchschaute. Eine besonders bedeutsame
- 16:32Anwendung des Zins ist der Korrosionsschutz von Eisen und
- 16:36sie führt uns zu einem alltäglichen Gegenstand, den
- 16:39wohl jeder kennt, der Konservendose.
- 16:43Was wir umgangssprachlich Blechdose nennen, ist in
- 16:46Wahrheit eine Dose aus Weißblech, also aus dünnem
- 16:49Stahlblech, das mit einer hauchdünnen Schicht Zinn
- 16:53überzogen ist. Das Zinn schützt das
- 16:56darunterliegende Eisen vor dem Rosten und ist zugleich ungiftig
- 17:01genug, um mit Lebensmitteln in Berührung zu kommen.
- 17:05Die Erfindung der Konservendose im frühen 19 Jahrhundert war
- 17:10eine kleine Revolution, denn sie erlaubte es erstmals,
- 17:14Lebensmittel über lange Zeiträume haltbar zu machen und
- 17:18zu transportieren. Sie veränderte die Ernährung von
- 17:21Heeren, Seefahrern und schließlich ganzer Bevölkerungen
- 17:25und trug dazu bei, Hungersnöte zu lindern und die Versorgung in
- 17:30Städten zu sichern. So steckt in der unscheinbaren
- 17:34Konservendose ein Stück Zinngeschichte, das bis in
- 17:37unsere Vorratskammern reicht. In der modernen Technik spielt
- 17:42das Zinn vor allem in einer Anwendung eine zentrale Rolle,
- 17:46dem Löten lötzinn, also eine Legierung, die hauptsächlich aus
- 17:51Zinn besteht, dient dazu, elektrische und elektronische
- 17:55Bauteile miteinander zu verbinden.
- 17:58Jede Leiterplatte in jedem elektronischen Gerät, vom Radio
- 18:03über den Computer bis zum Smartphone, enthält zahllose
- 18:07Lötstellen, an denen winzige Bauteile durch erstarrtes
- 18:11Lötzinn elektrisch und mechanisch verbunden sind.
- 18:16Lange Zeit enthielt das Lötzinn einen erheblichen Anteil an
- 18:19giftigem Blei. Doch aus Gründen des Gesundheits
- 18:23und Umweltschutzes wurde in der Europäischen Union und vielen
- 18:27anderen Regionen bleifreies Lötzinn vorgeschrieben, das
- 18:31überwiegend aus Zinn besteht und durch andere Metalle wie Silber
- 18:35und Kupfer ergänzt wird. Damit ist das Zinn, das schon
- 18:40der Bronzezeit ihren Namen gab, auch im digitalen Zeitalter ein
- 18:45unverzichtbarer, wenn auch verborgener Werkstoff geblieben,
- 18:49der die Bauteile unserer modernen Welt buchstäblich
- 18:52zusammenhält. Daneben findet sich Zinn in
- 18:56zahlreichen weiteren Legierungen in bestimmten
- 18:59Glasherstellungsverfahren, in denen flüssiges Glas auf einem
- 19:03Bad aus geschmolzenem Zinn zu makellos ebenen Flächen erstarrt
- 19:08und in verschiedenen chemischen Verbindungen, die als
- 19:12Stabilisatoren und Katalysatoren dienen.
- 19:16Wenn wir das Zinn betrachten, dann begegnet uns ein Element,
- 19:20das uns viel über den Lauf der Geschichte lehrt.
- 19:23Es erinnert uns daran, dass technischer Fortschritt und
- 19:27gesellschaftlicher Wandel oft an scheinbar unscheinbaren Stoffen
- 19:31hängen und dass der Mensch seit Jahrtausenden auf die Schätze
- 19:35der Erde angewiesen ist. Die weitreichenden Handelswege
- 19:40der Bronzezeit zeigen, dass Menschen schon vor Jahrtausenden
- 19:44über Grenzen und Kulturen hinweg miteinander verbunden waren.
- 19:48Dass Austausch und Zusammenarbeit den Wohlstand und
- 19:52den Fortschritt der Völker beförderten.
- 19:55Zugleich mahnt uns die Geschichte des Zinns, dass die
- 19:58Gewinnung der Rohstoffe, die unsere Zivilisation tragen,
- 20:02niemals folgenlos ist. Sie greift in die Landschaften
- 20:06ein, sie verbraucht endliche Vorräte, und sie ist, wie das
- 20:11Beispiel der heutigen Konfliktregionen zeigt, mitunter
- 20:14mit dem Leid von Menschen verbunden.
- 20:17Ein achtsamer Umgang mit diesen Schätzen, das Bemühen um faire
- 20:21Förderbedingungen und um das Wiederverwerten der wertvollen
- 20:25Metalle ist daher kein Luxus, sondern ein Gebot der
- 20:30Verantwortung gegenüber der Erde und gegenüber den Menschen, die
- 20:34auf ihr Leben. Das Zinn lässt sich übrigens
- 20:39ausgezeichnet recyceln. Und ein erheblicher Teil des
- 20:43heute genutzten Zins stammt bereits aus dem Kreislauf der
- 20:47Wiederverwertung, was Hoffnung macht, dass wir lernen, mit den
- 20:51Gaben der Erde sorgsamer umzugehen, wenn wir am Ende
- 20:56dieser Folge innehalten und über das Zinn nachdenken, dann
- 21:00begegnet uns ein Metall von stiller, fast bescheidener
- 21:04würde. Es drängt sich nicht auf, es
- 21:08glänzt nicht so verführerisch wie das Gold und nicht so edel
- 21:12wie das Silber. Und doch hat es die Menschheit
- 21:15über 5000 Jahre begleitet von den ersten Bronzeschwertern bis
- 21:21zu den Lötstellen unserer Computer, es verbindet.
- 21:25Im wörtlichen wie im übertragenen Sinne, denn es war
- 21:29stets ein Metall der Verbindungen, das Kupfer zur
- 21:32Bronze legierte, das die Völker der Bronzezeit über Handelswege
- 21:37zusammenführte und das bis heute die Bauteile unserer Geräte
- 21:41zusammenhält. Vielleicht können wir aus diesem
- 21:45leisen alten Metall etwas mitnehmen.
- 21:48Nämlich die Einsicht, dass es oft die unscheinbaren Dinge
- 21:52sind, die das Gefüge unserer Welt zusammenhalten.
- 21:55Und dass es sich lohnt, ihnen mit Achtung und Sorgfalt zu
- 21:59begegnen. Lass die Bilder dieses uralten
- 22:03Metalls, der glänzenden Bronzeschwerter und der weiten
- 22:07Handelswege noch einen Augenblick in dir nachklingen.
- 22:11Atme ruhig und gleichmäßig und wenn du magst, lass dich
- 22:15getragen von dem Wissen um die tiefe Verbundenheit der Zeiten
- 22:19in einen erholsamen Schlaf gleiten.
- 22:23Schlaf gut und bis zur nächsten Folge dieser kleinen Reise durch
- 22:27das Periodensystem.