Latest / DAZWISCHEN Der Sachsen-Anhalt-Podcast / Mitmachlokal: Begegnung am dritten Ort
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- 0:00Also manchmal wünsche ich mir schon ein bisschen mehr Offenheit, auch von
- 0:03Politik und auch von Verwaltung, zu sagen, es braucht diese Orte und
- 0:07auch dafür müssen wir Geld in die Hand nehmen. Es ist ja
- 0:10auch nicht zu verachten, wie viel soziales Kapital durch solche dritten
- 0:13Orte erwirtschaftet wird. Das ist Katrin Hinze. Sie ist die Initiatorin des Mitmach
- 0:18Lokals in Dessau-Roßlau, ein Ort, der dazu da ist, dass Menschen
- 0:22sich wieder mehr begegnen und ihre Ideen einbringen und vor allem auch
- 0:26umsetzen können. Ein Ort, von denen es immer weniger gibt, sagt sie
- 0:30aber auch andere. Warum es solche Orte braucht und warum sie etwas
- 0:34ganz Zentrales für unsere Demokratie sind, darüber wollen wir heute sprechen bei
- 0:38Dazwischen. Wir freuen uns, dass ihr wieder dabei seid und heute sind
- 0:50wir wieder auch am Anfang zu dritt, aber mit einer neuen Person.
- 0:54Genau, denn unser Redakteur Leonard ist endlich an Bord. Hallo Leonard! Hallo!
- 0:58Ja, ich freue mich auch. Vielleicht nimmst du uns nochmal so ein
- 1:01bisschen mit: Wie bist du denn zum Podcast-Team gestoßen? Ja, ich
- 1:06lebe seit fast zehn Jahren in Sachsen-Anhalt, also genauer gesagt in
- 1:09Magdeburg. Da bin ich mal für mein Studium hergezogen und seit 2020
- 1:13arbeite ich dort auch als Journalist beim MDR. Und ich war dann
- 1:17super viel im Land unterwegs, für den Job, aber auch privat bei
- 1:20Fahrradtouren und überhaupt. Und da habe ich mit super vielen Menschen gesprochen
- 1:25und ich fand es Wahnsinn, was es alles zu entdecken gibt. Also
- 1:28man denkt ja manchmal, das ist irgendwie viel Weite, viel Nichts,
- 1:31aber irgendwie überall gab es total spannende Projekte. Und ich fand es
- 1:36ein super vielfältiges Land und die Leute können extrem herzlich sein
- 1:40und haben sehr, sehr viel zu erzählen, wenn man einmal an sie
- 1:42rankommt. Und ich habe auch gemerkt, dass ganz viel von dem, was
- 1:45da passiert, findet aber eigentlich überhaupt nicht so richtig statt oder eher
- 1:49oberflächlich in der Medienlandschaft. Darum habe ich mich dann total gefreut,
- 1:53als ich gelesen habe, dass es diesen Podcast geben soll, in dem
- 1:56Platz eben genau für solche Geschichten ist und dazu den auch mit
- 1:59ein bisschen Tiefgang nachzugehen. Weil letztendlich geht es ja auch darum, wie
- 2:03wir in Sachsen-Anhalt zusammenleben wollen und gerade jetzt im Jahr der
- 2:06Landtagswahl, in dem ganz viele Weichen für die Zukunft gestellt werden. Und
- 2:10da habe ich gedacht, super, da will ich mitmachen. Und das eben
- 2:14nicht nur als Redakteur hinter den Kulissen. Du wirst auch immer mal
- 2:18wieder genau hier vorne zu hören sein an der Stelle des Podcasts.
- 2:21Du hast auch nämlich das Feedback im Blick. Was kam da so
- 2:25rein seit letzter Woche? Ja, ich habe erstmal gesehen, über 1000 Leute
- 2:28haben den Podcast schon abonniert. Das freut mich natürlich sehr, dass schon
- 2:32so viele Leute das anhören wollen, was wir zu sagen und zu
- 2:35erzählen haben oder auch die Menschen im Land. Und wir haben auch
- 2:38schon Feedback bekommen. Detlef hat uns eine Mail geschrieben und zum Beispiel
- 2:41sich für den Podcast bedankt. Er hat die zwei bisherigen Folgen angehört
- 2:45und findet sie sehr gelungen. Und außerdem hat er uns gleich auch
- 2:48noch ein paar Themenideen dargelassen. Oder Michael, der hat uns ebenfalls geschrieben,
- 2:52dass ihm die erste Folge sehr gut gefallen hat, weil sie Themen
- 2:55behandelt hat, die er eher vom Hörensagen kennt, nämlich wie die Geschichte
- 2:59des Landes auch für tiefe Risse zwischen den Menschen gesorgt hat. Und
- 3:03er wünscht sich mehr davon. Kann er haben. Und Lisa aus der
- 3:07Börde hat uns geschrieben, dass wir uns doch gerne mal den Themen
- 3:10soziales Engagement und freiwilligen Agenturen widmen könnten. Und darin kratzen wir in
- 3:14dieser Folge ja immerhin schon mal so ein bisschen. Denn es geht
- 3:17ja um Begegnungsorte. Ja, und ich glaube, wir verraten, glaube ich, auch
- 3:20nicht so viel, wenn wir schon mal sagen, dass das Thema Ehrenamt
- 3:23natürlich auch nochmal eine Extrafolge bei uns bekommt. Wenn ihr was loswerden
- 3:28wollt, Lob, konstruktive Kritik oder auch spannende Hinweise, dann schreibt uns einfach
- 3:32eine Mail an dazwischen@detektor.fm. Ihr könnt uns aber auch
- 3:36beispielsweise im dezentralen sozialen Netzwerk Mastodon erreichen. Da findet ihr uns als
- 3:41dazwischen@social.detektor.fm. Und ihr erreicht uns auch bei Facebook
- 3:46oder Instagram. Sucht da einfach nach detektor.fm. Katja, jetzt schließ mal
- 3:57deine Augen. Ich nehme dich jetzt mit. Das erfordert viel Vertrauen. Warte
- 4:03Gut. Wir stehen an einer Straßenkreuzung in Dessau-Roßlau. Die Sonne beginnt
- 4:11unterzugehen. Schräg rechts von uns ist das Bauhausmuseum und vor uns ist
- 4:16eine Glastür. Die öffnet automatisch und wir gehen einfach mal rein. Links
- 4:23führt eine Treppe nach oben zu einem Raum, in dem schon ein
- 4:27bisschen Salzer getanzt wird. Rechts wird der Eingangsbereich ja so ein bisschen
- 4:32länglich. Es gibt eine Theke und Tische, die direkt an einer großen
- 4:37Fensterfront stehen. Jetzt bin ich quasi schon total dabei. Aber verrat mir
- 4:44wo sind wir gerade? Wir sind im Mitmachlokal, beziehungsweise so hört sich
- 4:50das Mitmachlokal an einem Mittwochabend an. Da trifft sich nämlich die Salzerschule,
- 4:55und zwar nicht zu einem normalen Tanzkurs. Elke Röglin und Orlando Camona
- 5:02Garcia beschreiben es so: Hier ist es anders, dass man nicht unter
- 5:06Druck steht, dass man das, was man kann oder denkt, man kann,
- 5:11einfach hier austobt. Ja, man kann sich unterhalten, man kann sich mit
- 5:15den anderen Leuten, die ein bisschen Erfahrung haben mit dem Tanzen, unterhalten.
- 5:20Das ist mehr so wie ein Treff. Die Leute treffen sich, die
- 5:25Salzer tanzen gerne, die, die nicht getanzt haben, Leute, die hier einfach
- 5:29vorbeilaufen, hören das und kommen einfach aus Neugier rein und auf einmal
- 5:32bleiben die hängen. Und dann ist das sehr interessant. Also ich höre
- 5:36so ein bisschen raus: Es geht nicht nur ums Tanzen. Es geht
- 5:39vor allem um Begegnungen, um vielleicht auch so Austausch und Miteinander.
- 5:43Ganz genau. Das Mitmachlokal wird von ganz verschiedenen Menschen und Gruppen, wie
- 5:49eben der Salzerschule, genutzt. Es ist ein Begegnungsort, in den sich Menschen
- 5:53ja ganz aktiv einbringen können. Es gibt keine großen Hürden für die
- 5:58Ideen. Und Orte wie diese sind extrem wichtig für eine funktionierende Stadtgesellschaft.
- 6:05Es gibt sie aber immer weniger, auch in Sachsen-Anhalt. Und warum
- 6:08das wichtig ist, darüber sprechen wir in dieser Folge. Wir gehen rein.
- 6:17Dritte Orte. Diesen Begriff haben wir ganz am Anfang unserer Folge schon
- 6:21einmal gehört. Ich kannte den tatsächlich noch gar nicht, bevor ich dazu
- 6:25recherchiert habe. Hast du schon mal davon gehört? Ich habe zumindest mal
- 6:29gehört, dass wir alle drei Orte im Leben brauchen, um ein erfülltes
- 6:34Leben zu führen. Das erste ist, glaube ich, das Zuhause und dann
- 6:37als zweites eben Arbeitsplatz oder Schule. Und das dritte, nehme ich jetzt
- 6:41an, sind eben so Orte wie das Mitmachlokal. Genau. Also dritte Orte
- 6:45sind eben so etwas wie das Mitmachlokal, aber auch Bibliotheken, Kulturzentren. Das
- 6:50sind offene Räume, die Begegnung und gesellschaftliche Teilhabe fördern. Dahinter verbirgt sich
- 6:55ein ganzes soziologisches Konzept, das viel besser als ich Reinhard Mante erklären
- 7:00kann. Er ist Soziologe und hat das Buch "Demokratie fehlt Begegnung" geschrieben.
- 7:06Dritte Orte sind ein Konzept vom amerikanischen Soziologen Ray Oldenburg. Er unterscheidet
- 7:11dritte Orte von den sogenannten ersten und zweiten Orten. Der erste Ort
- 7:15das ist das Zuhause, das Einfamilienhaus, in seinem Buch, wo der Mensch
- 7:19meistens der Mann mit dem Auto hinfährt. Er fährt von dort zum
- 7:24zweiten Ort, der Arbeitsstelle. Was fehlt, so bemängelt es Ray Oldenburg, sind
- 7:28eben dritte Orte, Orte, an denen Menschen Anregung bekommen, an denen sie
- 7:32irritiert sind durch andere Menschen. Ich finde das eigentlich ganz schön, irritiert
- 7:37werden durch andere und dadurch ins Denken kommen. Vielleicht auch nachfragen, was
- 7:42für eine Perspektive sie haben, was für ein Leben. Wir wachsen ja
- 7:46sozusagen nur auch durch Impulse von außen. Ich finde das eigentlich total
- 7:50schlüssig. Hast du denn so einen dritten Ort für dich? Ich habe
- 7:54darüber nachgedacht beim daran Arbeiten. Ich habe, würde ich sagen, einen dritten
- 7:57Ort. Das sind für mich quasi eher so kulturelle Freiräume, vielleicht auch
- 8:01Clubs. Wobei ich dann wieder finde, ich werde nicht so stark irritiert,
- 8:05wie Reinhard Mante das erklärt. Weil ich ja dann doch mich dann
- 8:08auch irgendwie mit Menschen umgebe, die mehrheitlich dann sehr ähnlich sind wie
- 8:12ich. Und du? Ich habe seit noch gar nicht so langer Zeit
- 8:17einen eigenen Chor, mit dem ich mich einmal in der Woche treffe.
- 8:21Und das ist für mich tatsächlich genau so ein Ort, weil da
- 8:24Menschen zusammenkommen, mit denen ich sonst ehrlicherweise nicht zusammenkommen würde, jedenfalls nicht
- 8:28mit allen. Und natürlich singen wir da gemeinsam und das verbindet. Aber
- 8:32wenn man ins Gespräch kommt, merkt man schon, da sind natürlich ganz
- 8:35verschiedene Lebensrealitäten auch irgendwie miteinander vereint. Und das ist tatsächlich so. Da
- 8:40findet dann manchmal Irritation statt, aber auch ganz viele Impulse, um ins
- 8:43Denken zu kommen. Und total wertvoll finde ich. Ja, wobei ich auch
- 8:47finde, in diesem Job, den wir haben, begegnen wir wirklich außergewöhnlich vielen
- 8:51Menschen. Deshalb ist vielleicht Irritation auch schon grundlegend immer da, die man
- 8:55so braucht. Zurück zu den Begegnungsorten: Reinhard Mante sagt, dass eben diese
- 8:59Orte, dazu gehören auch Schwimmbäder oder eben die klassische Dorfkneipe, dass sie
- 9:03verloren gehen. Und das hat verschiedene Gründe. Weil die Menschen individualistischer geworden
- 9:09sind und sich ihre Freizeitbeschäftigung selbst zusammensuchen. Weil der Staat sich zurückgezogen
- 9:14hat, vor allem aus den sogenannten freiwilligen kommunalen Leistungen. Das sind etwa
- 9:17Schwimmbäder, Bibliotheken, Kultur und so weiter. Und weil die Menschen mehr unter
- 9:22sich wohnen. Bei Innenstädten kommt noch hinzu, auch ein verändertes Einkaufsverhalten, weil
- 9:27viele Leute zum Beispiel online bestellen. Sind wir deshalb dann wiederum weniger
- 9:31in den Innenstädten unterwegs, nutzen dort weniger öffentliche Räume, sei es die
- 9:35Bank vorm Brunnen auf dem Marktplatz oder eben auch die Cafés drumherum.
- 9:40Innenstädte veröden. Das stellt nicht nur Reinhard Mante fest. Ja klar, weil
- 9:44natürlich auch Innenstadtmieten ziemlich hoch sind. Und dann gibt es auch diese
- 9:49Förderungen für solche Orte eben immer weniger. Und in einer Stadt wie
- 9:52Dessau-Roßlau, das stelle ich mir schon ganz schön krass vor. Weil
- 9:55wir haben ja in der letzten Folge darüber gesprochen, dass der Altersdurchschnitt
- 9:57in Sachsen-Anhalt ziemlich hoch ist. Also so bei 48,3 Jahren.
- 10:01Und ich glaube mich zu erinnern, dass Dessau-Roßlau da auch quasi
- 10:04so zur oberen Spitze gehört hat, was den Altersdurchschnitt angeht. Ja, auf
- 10:08jeden Fall zur oberen Spitze. 2025 lag der Altersdurchschnitt laut Statistischem Landesamt
- 10:14bei 50,3 Jahren. Also Überalterung ist eine Herausforderung, aber eben nur
- 10:20eine. Denn gerade in den Jahren nach der Wiedervereinigung sind sehr viele
- 10:24Menschen weggezogen. Die Stadt ist stark geschrumpft. Heute leben dort nun noch
- 10:28etwas mehr als 74.000 Menschen. Vielleicht mal zum Vergleich: In dem
- 10:31Jahr, in dem ich dort geboren wurde, 1991, waren es etwas mehr
- 10:35als 95.000. Das ist natürlich zu sehen. Wegzug bringt Leerstand, der
- 10:41eben lange das Stadtbild auch geprägt hat. Wobei ich an der Stelle
- 10:44sagen muss, da ist gerade jetzt in den vergangenen Jahren wirklich auch
- 10:47viel getan worden. Und dann gibt es ja noch die gesellschaftliche Entwicklung,
- 10:51die Reinhard Mante ja schon angesprochen hat. Wir leben individualisierter, wir ziehen
- 10:55uns immer mehr ins Private zurück. Und Begegnungen außerhalb dieser privaten Welt
- 11:00finden eben auch noch weniger statt. Ja, genau. Und diese Beobachtung
- 11:03macht auch Katrin Hinze. Sie haben wir schon ganz am Anfang
- 11:06der Folge gehört. Und sie ist nicht irgendwer. Sie ist die Beauftragte
- 11:09für Engagement und Projektförderung in Dessau-Roßlau. Und sie sagt das:
- 11:14„Ich glaube einfach, Begegnung und das miteinander Reden und auch das miteinander
- 11:18Zuhören und Hinhören ist ganz, ganz wichtig, gerade in der heutigen Zeit.
- 11:22Also ich glaube, einen Ort, wo ich mich in ganz einfacher Art
- 11:26begegnen kann. Und sei es, weil es da einen Kaffee gibt und
- 11:29ich kann mich da hinsetzen und komme mit den Leuten ins Gespräch.
- 11:32Ich glaube, das braucht es viel mehr, dass wieder die Menschen miteinander
- 11:35ins Gespräch kommen und nicht jeder vor seinem Handy hängt oder nur
- 11:39am PC hängt und denkt, das ist die wahre Welt. Also vielleicht
- 11:43auch so ein bisschen rauskommen aus der eigenen Bubble oder aus der
- 11:46eigenen Blase.“ Auf jeden Fall. Katrin Hinze ist es auch, die
- 11:50die Idee für das Mitmachlokal hatte. Wobei sie auch gesagt hat, dass es
- 11:54den Wunsch nach so einem Ort wohl schon immer mal wieder gegeben
- 11:57hat. Durch einen Zusammenschluss von verschiedenen Vereinen und Initiativen gab es auch
- 12:02mal so ein Projekt durch die Berlitzmann Stiftung. Und da wurde sozusagen
- 12:06rauskristallisiert, was braucht man denn für Engagement und Ehrenamt. Und da gab
- 12:09es unter anderem die Idee, ja, es braucht unbedingt eine feste Ansprechperson
- 12:14in der Stadt. Es braucht einen Anlaufort. Es braucht eine Übersicht der
- 12:19Angebote, die wir haben. Und es braucht eine anständige Würdigung und
- 12:23Anerkennungskultur. Im Kern wäre das die Grundlage für eine Freiwilligenagentur, sagt sie.
- 12:29Die gab es aber damals überhaupt gar nicht in Dessau-Roßlau. Der
- 12:33Gedanke, so einen Ort zu entwickeln, auch in einer Innenstadt, dass wir
- 12:36die Innenstadt ein bisschen so belebt kriegen, war dann so die Idee,
- 12:40die immer bei mir im Hinterkopf so rumschwang oder so im Hinterkopf
- 12:45war. Und als ich dann mal an der Ampel stand, die dort
- 12:49im Zentrum in der Kavalierstraße ist, habe ich gesehen, dass diese ehemalige
- 12:53Bäckerei leer geräumt wurde. Und dann habe ich gedacht, genau, das wäre
- 12:57doch der zentrale Ort. Da kümmerst du dich jetzt mal drum, ob
- 13:00das vielleicht was wäre. Ich finde das so cool, dass es manchmal
- 13:04so kleine Zufälle braucht, um eben aus so einer Idee was Reales
- 13:08werden zu lassen. Aber es braucht natürlich auch jemanden, der das dann
- 13:11auch macht und in die Hände nimmt. Ja, in dem Fall war
- 13:13das Katrin Hinze. Und nochmal zum Verständnis: Also da, wo heute das
- 13:17Mitmachlokal drin ist, war ganz lange eine Bäckerei. Und an dieser leer
- 13:21stehenden Bäckerei ist sie eben spontan vorbeigekommen und hat dann erst mal
- 13:24versucht herauszufinden, wem gehört das denn überhaupt. Und das war überraschend einfach
- 13:30für sie, denn in dem gleichen Gebäude sitzt die Stadtmagazin Gesellschaft. Da
- 13:35bin ich einfach hingegangen und habe gesagt, wer ist denn jetzt hier
- 13:38euer Vermieter? Kurzer Dienstweg quasi. Kurzer Dienstweg, genau. Könnt ihr mir mal
- 13:42die Kontaktdaten nennen? Ich würde da gerne mal anrufen. Und das haben
- 13:46die dann auch gemacht. Und dann habe ich da eine E-Mail
- 13:48hingeschrieben, habe die verantwortliche Mitarbeiterin da also kontaktiert, habe das Anliegen geschildert,
- 13:54was uns so ein bisschen so vorschwebt und ob man sich dann
- 13:57überhaupt mal die Räumlichkeiten angucken kann. Und da hat mich dann nicht
- 14:00die Mitarbeiterin zurückgerufen, sondern da hat mich dann gleich der Chef des
- 14:03Ganzen angerufen, weil der gesagt hat: „Frau Hinze, das finde ich eigentlich
- 14:07cool, was Sie da vorhaben. Ich bin dann und dann in Berlin
- 14:10auf dem Rückweg, komme ich hier vorbei, dann gucken wir uns das
- 14:13an.“ Ja, manchmal muss man auch einfach Glück haben. Also klingt auf
- 14:17jeden Fall so, als hätte Katrin Hinze da schon mehr Glück gehabt
- 14:20als viele andere. Jetzt wird natürlich dieser Vermieter wahrscheinlich auch nicht gesagt
- 14:25haben: „Die Idee ist so toll, ich gebe euch das alles kostenlos.“
- 14:28Und über Miete reden wir nicht. Richtig, genau, so hat er das natürlich nicht
- 14:31gesagt, obwohl er, was die Miete betrifft, ihr da sehr entgegengekommen sein
- 14:36soll. Es blieb trotzdem ja ein Problem. Ich meine, sie arbeitet für
- 14:38die Stadtverwaltung. Wo kommt jetzt das Geld her? Gibt ihr das die
- 14:41Stadt? Ja, die Kommunen haben ja sowieso knappe Kassen, die müssen sparen.
- 14:45Ich habe da auch in Vorbereitung dieser Episode mal nachgeschaut. Die Kommunen
- 14:48in Sachsen-Anhalt hatten Ende 2024 über 6 Milliarden Euro Schulden. Das
- 14:53ist schon ganz schön viel. Wie hat es Katrin Hinze denn dann
- 14:56trotzdem geschafft, das Geld für die Miete aufzutreiben? Sie hatte gewissermaßen einen
- 15:00Ass im Ärmel, was auch für den Vermieter interessant war. Denn genau
- 15:03auch Dessau-Roßlau hat nicht genug Geld und in dem Moment einfach
- 15:07sagen können: „Kommt hier, Katrin Hinze, bitteschön, hier hast du die Miete,
- 15:10setzt diese tolle Idee mal um.“ Nein, Dessau-Roßlau hatte sich zu
- 15:13diesem Zeitpunkt auf ein Förderprogramm beworben. Und zwar zukunftsfähige Innenstädte und Zentren.
- 15:18Das ist vom Bund. Und da geht es tatsächlich darum, Projekte, aber
- 15:22auch Maßnahmen in der Stadt zu finanzieren, die alles ein bisschen schöner
- 15:27machen, die es wieder beleben sollen. Und tatsächlich hat Dessau-Roßlau auch
- 15:30den Zuschlag erhalten: fast 3,5 Millionen Euro. Und ein Teil davon
- 15:35ging auch ans Mitmachlokal. Und dann war aber natürlich die kleine Hürde:
- 15:40Für mich gibt es ja keine großen Hürden, sondern nur kleine Hürden.
- 15:44Die Stadt darf das nicht anmieten, sondern es muss ein Verein sein
- 15:48oder eine gemeinnützige Organisation. Ansonsten könnten die Fördermittel eben nicht ausgegeben werden.
- 15:55Also ich finde, Katrin Hinze klingt wirklich wie so eine richtige Macherin.
- 15:57Es gibt keine großen Hürden, es gibt nur kleine. Das gefällt mir
- 16:00richtig gut. Die hat das wahrscheinlich auch irgendwie easy geschafft, das dann
- 16:03aufzutreiben. Richtig. Sie ist ja aufgrund ihres Jobs sehr gut vernetzt in
- 16:08der Stadt. Sie hat dann natürlich auch sofort Leute gefunden, die mitmachen.
- 16:11Sie haben den Verein gegründet, sie konnten dann die Fördermittel abrufen und
- 16:15am 1. Oktober 2023 ist dann das Mitmachlokal eröffnet worden. Jetzt will
- 16:25ich aber doch noch mal wissen, Marie, wie ist denn dein Salzerabend
- 16:29im Mitmachlokal dann weiter verlaufen? Ja, ich habe, als ich ankam, mich
- 16:33dann erst mal an einen Tisch gesetzt zu einer kleinen Gruppe. Die
- 16:38saßen da auch schon ganz nett mit einem Rotwein und ein paar
- 16:41Cracker. Zwei haben im Hintergrund auf dem oberen Bereich schon getanzt und
- 16:44dann sind wir einfach schon mal ins Gespräch gekommen. Eine dieser Personen
- 16:48am Tisch war Olaf Bülow. Auch er arbeitet, wie Katrin Hinze, bei
- 16:52der Stadtverwaltung. Er ist aber auch eben der Ansprechpartner der Salzer Schule
- 16:56und sowieso ziemlich gut vernetzt und bei vielem in der Stadt dabei.
- 17:00Die Salzer Kurse finden eigentlich nicht im Mitmachlokal statt, sondern in der
- 17:05Villa Krötenhof. Aber Olaf Bülow und die anderen waren vor allem auch
- 17:09im Sommer auf der Suche nach einem Ort, an dem sie sich
- 17:13einfach so treffen und tanzen können. Es ist die Vielfalt. Es geht
- 17:18wirklich nicht nur ums Tanzen. Auch bei den Damen und Herren, die
- 17:21jetzt schon hier sind, haben sich in Kollaboration mit dem Mitmachlokal und
- 17:25den Akteuren schon ganz andere Ideen und Projekte ergeben oder wurden Kontakte
- 17:30geknüpft. Da sind Damen und Herren dabei, die zum Beispiel in Schulen
- 17:34als Lehrkräfte tätig sind, die dann für ihre Schülerinnen und Schüler nach
- 17:39Optionen suchten, mit unseren Tanzlehrern zum Beispiel, die auch musikalisch im Percussion
- 17:44Bereich aktiv sind, Angebote zu machen. Und so schließt sich meines Erachtens
- 17:49wieder der Kreis, dass es am Ende ein Stück weit Netzwerken ist,
- 17:53was uns allen hilft, hier in so einer Stadt wie Dessau aktiv
- 17:56zu sein. Netzwerken funktioniert ja nur, wenn viele Leute mit dabei sind.
- 18:01Wer nutzt denn das Mitmachlokal sonst noch so? Also das ist sehr
- 18:05unterschiedlich. Die Salzer Schule ist eine Gruppe, die quasi sehr oft dort
- 18:10ist. Es gab aber auch schon Angebote, die quasi nur für einen
- 18:13bestimmten Zeitraum oder auch einmalig dort waren, wie ein Café International. Es
- 18:17gibt einen Architektenstammtisch. Es wurde aber auch schon einfach eine Jugendweihe dort
- 18:21gefeiert, weil die einen Ort gesucht haben. Es hat schon Workshops dort
- 18:25gegeben. Also es ist sehr vielfältig, was dort wann wie stattfindet. Das
- 18:29klingt jetzt aber erstmal alles ganz wunderbar. Also als gäbe es da
- 18:32jetzt kein Problem. Ja, wenn es so wäre, könnten wir jetzt an
- 18:34dieser Stelle den Podcast beenden. Wir machen hier einen Punkt. Schön wär's.
- 18:38Genau, aber so einfach ist es natürlich nicht. Und gerade auch in
- 18:41der Anfangszeit, hat mir Katrin Hinze erzählt, gab es natürlich Herausforderungen mit
- 18:46diesem Verein, der da dahinter stand. Und verschiedenen Personen gab es natürlich
- 18:49auch die Frage: Wer putzt das hier eigentlich? Wer hat eigentlich einen
- 18:52Schlüssel? Wer schließt denn auf, wenn die Leute hier etwas umsetzen wollen?
- 18:57Welche Angebote lassen wir überhaupt rein? Vor allem in den ersten Monaten
- 19:00wurden sie quasi überrannt mit Ideen. Und wer strukturiert denn das und
- 19:04wer trifft Entscheidungen? Also sehr große Herausforderungen, vor allem am Anfang. Gut,
- 19:09ich meine, wenn sich so ein Projekt bildet, gibt es, glaube ich,
- 19:11am Anfang immer so ein bisschen Irritationen und es muss sich neu
- 19:14sortieren. Wie sieht es denn heute aus? Konnten die diese Probleme sozusagen
- 19:17lösen? Ja, in Teilen schon. Also ich habe es ja gerade schon
- 19:20ein bisschen anklingen lassen. Es nutzen immer noch verschiedene Gruppen diesen Ort.
- 19:24Und die Idee ist ja eigentlich auch, dass er offen ist für
- 19:27alle. Also er soll auch ein Raum für spontanes Begegnen und Mitmachen
- 19:32sein. Nicht nur für diejenigen, wie jetzt bei der Salzer Gruppe, die
- 19:35sagen: „Mittwochabend treffen wir uns dort.“ Und Elke Röglin ist eine von
- 19:40denjenigen, die von Anfang an auch bei der Salzer Schule dabei ist.
- 19:43Und sie hat mir auf die Frage, wie es mit dieser Spontanität
- 19:46ausschaut, ja eine sehr ehrliche Antwort gegeben. Es liegt in der City.
- 19:52Es ist für jeden sichtbar: Hier ist irgendwas. Es könnte jetzt jeder
- 19:55reinkommen und gucken, was ist denn hier los? Also wir wollen eigentlich
- 19:59alle ansprechen, die Lust haben zu tanzen oder einfach nur zu
- 20:04erzählen, in Wasser trinken, sich begegnen und ja. Und funktioniert es? Eher
- 20:10selten. Wirklich selten. Ich kann Ihnen gar nicht sagen, warum. Keine Ahnung.
- 20:17Vielleicht, weil jeder mit sich selbst beschäftigt ist oder ja, vielleicht, weil
- 20:21es auch nicht offensichtlich dran steht: „Kommt einfach rein.“ Keine Ahnung. Hakt
- 20:28also noch so ein bisschen beim spontanen einfach reinschauen. Im Herbst 2023
- 20:32ist das Mitmachlokal eröffnet worden, hast du gesagt. Und zwar durchaus auch
- 20:37deshalb, weil es Fördermittel dafür gab. Jetzt haben wir April 2026. Wie
- 20:41lange reicht denn die Förderung noch? Gar nicht. Die ehrliche Antwort ist
- 20:44gar nicht, denn die Förderung ist ausgelaufen. Katrin Hinze und die anderen
- 20:49haben also ziemlich schnell vor einem neuen Problem gestanden. Und dieses Problem
- 20:53haben auch ganz allgemein ja andere Orte. Förderung gibt es, die schiebt
- 20:57das an. Aber wie geht es weiter? Wenn du jetzt aber bei
- 21:01diesem Salzer Abend warst, dann heißt das ja, sie haben offensichtlich irgendeine
- 21:04Lösung gefunden. Ja, haben sie. Katrin Hinze hat im Interview mit mir
- 21:08immer über einen Unternehmer gesprochen, der bereit war einzuspringen, also die Miete
- 21:12übernimmt, um das Mitmachlokal zu halten und zu retten. Und ich nehme
- 21:15an, du hast herausgefunden, wer dieser Unternehmer ist? Ja, es klang für
- 21:19mich anfangs ein bisschen mysteriös. Aber dieser Unternehmer, das ist Frank Lehmann.
- 21:23Und der war am Salzer Abend auch dabei. Er ist in diesem
- 21:25Fall kein Unbekannter. Und ich habe ihn natürlich direkt gefragt, was treibt
- 21:29ihn an, da jetzt mitzumachen und einzuspringen? Ja, was treibt mich an?
- 21:33Ich bin seit 35 Jahren in dem Bereich tätig. Ich habe, Frau
- 21:39Hinze wird es vielleicht gesagt haben, 1990 die Beschäftigungsgesellschaft der Stadt gegründet. Die
- 21:44DABS habe über zehn Jahre lang arbeitspolitische Maßnahmen hier realisiert. Ich habe
- 21:51danach ein Veranstaltungszentrum betrieben. Ich bin also vom Prinzip her immer in
- 21:57Aktion gewesen und immer mit und für die Stadt. Er hat auch
- 22:01bei der letzten Oberbürgermeisterwahl kandidiert. Er ist der Geschäftsführer der Wertstoffzentrum GmbH.
- 22:06Und das ist ganz wichtig: Als dieser Verein gegründet wurde für
- 22:10das Mitmachlokal, da war er auch schon dabei. Deshalb konnte er so
- 22:13als Hintergrund die Idee nicht einfach gehen lassen. Okay, ich meine, es
- 22:17ist natürlich immer super, wenn Menschen sich für so einen Ort oder
- 22:20so eine Idee engagieren. Aber du hast ja gesagt, Frank Lehmann ist
- 22:23Unternehmer. Da kommt ja schnell auch mal die Frage auf, ob es
- 22:26da nicht auch finanzielle Interessen gibt. Ja, das habe ich ihn natürlich
- 22:29auch gefragt. Und ich wollte von ihm wissen, wie viel er da
- 22:31jetzt investiert, wenn er einspringt. Na, über Geld, über Summen möchte ich
- 22:36nicht sprechen, was sicherlich verständlich ist. Ich muss sie ja trotzdem fragen.
- 22:40Ja, natürlich dürfen Sie fragen. Ich habe mit dem Eigentümer des Objekts
- 22:46oder des Hauses hier haben wir eine gute Vereinbarung getroffen. Und an
- 22:51Zeit messe ich das nicht. Es wird investiert, was notwendig ist. Und
- 22:56das ist das Wichtige. Und da finden sich natürlich dann auch wieder. 00:22:59.000 --> 00:23:05.000 Mitstreiter. Zweimal in der Woche, außerhalb der Ferien, gibt es hier dienstags
- 23:05und donnerstags von 15 bis 17 Uhr Nachhilfeunterricht für ukrainische Kinder. In
- 23:10Eigenorganisation der Flüchtlingseltern durch eine Lehrerin aus der Ukraine, um die Kinder
- 23:17zu stabilisieren. Und das ist mir ein Herzenswunsch, das zu unterstützen. Also
- 23:23Frank Lehmann sammelt die Ideen und ermöglicht, das umzusetzen. Ich muss aber
- 23:27an der Stelle auch sagen, gerade ist es tatsächlich so, dass er
- 23:29dafür jedes Mal hinfährt, aufschließt und auch zuschließt. Also wirklich sehr
- 23:34viel private Zeit auch reinsteckt. Und prinzipiell ist es so, dass sich
- 23:38wirklich alle mit einer Idee an ihn wenden können. Und dann wird
- 23:42gemeinsam geschaut, wie lässt sich das umsetzen, auch mit Blick auf die
- 23:46Zeit. Und was ich total interessant finde: Zwingen in Dessau-Roßlau
- 23:50muss man dafür nicht, hat er gesagt. Also ich könnte jetzt zum
- 23:53Beispiel, auch wenn ich in Wittenberg oder Zerbst wohne, mich bei ihm
- 23:57mit einer Idee melden, wenn ich die zum Beispiel mit MachLokal umsetzen
- 24:00möchte. Genau, da wäre er total offen. Und das ist tatsächlich auch
- 24:04so, dass zum Beispiel bei den Mitgliedern der Salzer Schule, da kommen
- 24:07auch gar nicht alle aus Dessau-Roßlau. Also da gibt es sowieso
- 24:10schon Verknüpfungen in die Region hinein, also über die Stadtgrenze von Dessau
- 24:15Roßlau hinaus. Und er sagt auch, was das Finanzielle betrifft, da
- 24:19würde er nach eigener Aussage auch immer Lösungen finden. Denn klar ist,
- 24:24komplett for free sind die Räume jetzt so natürlich nicht mehr. Beim
- 24:28Salzerabend lösen sie das so, dass sie 5 Euro pro Teilnehmenden einnehmen.
- 24:32Davon geht dann ein Teil als eine Art Miete an Frank Lehmann.
- 24:36Mit dem anderen werden dann zum Beispiel Musiker wie Orlando Camona Garcia
- 24:40bezahlt, den wir ganz am Anfang schon mal gehört haben. Ich muss
- 24:43aber sagen, 5 Euro finde ich super fair. Also da geht es
- 24:46ja am Ende irgendwie auch um Wertschätzung dem Gegenüber, die da in
- 24:49ihrer Freizeit sowas für andere möglich machen. Was mich noch interessieren würde,
- 24:54Marie, wie war es denn bei dir mit dem Tanzen? Hast du
- 24:57dich getraut, zur Salzer Musik dich zu bewegen? Vielleicht haben wir eher
- 25:01so einen Deal gemacht: Ich tanze mit gegen eine Beantwortung einer Frage
- 25:05von mir. Ja, ich habe es mir mal von Orlando Camona Garcia
- 25:10erklären lassen. So, wir machen jetzt am Anfang die Grundschritte. Man fängt da
- 25:17mit dem rechten Fuß an. Sie machen jetzt mit dem linken, weil sie mehr gegen ihm stehen.
- 25:21Das ist das Schwere, das ist andersrum. Ja, genau. Dann machen sie jetzt mit dem linken Fuß
- 25:23einen Schritt zur Seite. Eins, das ist die Eins. Dann machen sie
- 25:26mit dem rechten Fuß ein Tap und dann mit dem rechten wieder
- 25:31zurück. Und das ist eine Pause dazwischen, das ist die Vier. Das
- 25:40wäre so: eins, zwei, drei, Pause. Eins, zwei, drei und wieder ein
- 25:50Tap, drei, Pause. Ich sage mal so, andere Formen von Tanz liegen
- 25:55mir vielleicht besser als Salzer. Also halten wir nochmal fest: Es braucht
- 26:04eine Idee, einen Ort, Menschen, die engagiert sind, natürlich Geld und in
- 26:09diesem Fall auch noch einen Verein. Abgesehen vom Geld sind das doch
- 26:12eigentlich keine so schlechten Voraussetzungen. Trotzdem gibt es von diesen Orten nicht
- 26:17so viele, ist zumindest mein Eindruck. Warum ist das so? Also die
- 26:20Essenz von dem, was Kathrin Hinzel mir erzählt hat, ist fehlendes Bewusstsein
- 26:26plus klamme Kassen. Also manchmal wünsche ich mir schon ein bisschen
- 26:31mehr Offenheit, auch von Politik und auch von Verwaltung, zu sagen, es
- 26:35braucht diese Orte und auch dafür müssen wir Geld in die Hand
- 26:38nehmen. Auch wenn es eine freiwillige Leistung ist, trotz der Konsolidierungen, die
- 26:42wir haben müssen und die es ja auch braucht. Aber dann einfach
- 26:47mal zu gucken, welchen Mehrwert erreichen wir denn dadurch? Es ist ja
- 26:51auch nicht zu verachten, wie viel soziales Kapital durch solche dritten
- 26:55Orte erwirtschaftet wird. Wie viele Menschen können davon partizipieren, fühlen sich dann unter
- 27:01dem Aspekt Einsamkeit vielleicht nicht mehr einsam, weil sie da den Kontakt
- 27:04haben. Sie unterstützen wieder andere, weil es da Begegnungen gibt. Leute werden
- 27:09willkommen geheißen, die nach Dessau ziehen. Also ihre Erfahrung ist einfach,
- 27:14dass in vielen Bereichen von Verwaltung das leider nicht so gesehen wird,
- 27:19aus den verschiedensten Gründen. Und ein wesentlicher Grund ist oft eben auch
- 27:22Geld. Wir haben dafür kein Geld. Es gibt auch andere Orte. Warum
- 27:26sollen wir jetzt noch so einen schaffen? Also dieser Mehrwert wird nicht
- 27:28gesehen und das ist aber eben sehr wichtig. Und wie wichtig beschreibt
- 27:33der Soziologe Reinhard Mante. Er sagt nämlich, diese Orte sind nicht nur
- 27:37essentiell für unsere Begegnung und zum Austausch, sie sind essentiell für unsere
- 27:41Demokratie. Eine Demokratie lebt davon, dass die allermeisten Menschen sich als legitime
- 27:46Mitglieder einer Gemeinschaft oder einer Gesellschaft verstehen. Als legitime andere, wie wir
- 27:51in der Soziologie sagen. Und dieses Empfinden von anderen Menschen, die irgendwie
- 27:56anders sind, anders denken, anders riechen, anders kaufen und essen, das ist
- 28:00in den letzten Jahren weniger geworden. Das ist weniger geworden durch ganz
- 28:04verschiedene Prozesse. Aber es ist eben wichtig, dass es doch ein bisschen
- 28:07wieder zurückkehrt. Und dieses Wahrnehmen und Ernstnehmen als legitime andere, als legitime
- 28:12Mitglieder der Gesellschaft findet auch durch Begegnung statt. Weil wir Menschen, wenn
- 28:16sie vor uns stehen, erst einmal ernster nehmen. Also Begegnung schafft Verständnis
- 28:21oder zumindest mehr Verständnis für die andere Perspektive. Ich glaube, das haben
- 28:26wir alle irgendwo schon einmal erlebt. Und Reinhard Mante sagt eben auch,
- 28:30dass Städte und Gemeinden deshalb diese Begegnungsorte fördern sollten. Dabei können diese
- 28:35sehr unterschiedlich aussehen oder gestaltet werden, weil er eben sagt, dass ein
- 28:39Ort in der Altmark vielleicht etwas ganz anderes benötigt als Magdeburg. Wichtig
- 28:44ist für ihn, dass die Menschen beteiligt werden, wie diese Begegnung gefördert
- 28:49wird. Bei MitmachLokal ist es eben durch das Einbringen eigener Ideen und
- 28:53die Möglichkeit, auch ganz spontan vorbeizukommen. Mein Eindruck ist, nach allem, was
- 28:57du heute erzählt hast, es hängt aber ganz, ganz häufig von einzelnen
- 29:01und sehr engagierten Personen ab. Auf jeden Fall. Und das ist auch,
- 29:06finde ich, ein Problem. Und nicht nur ich, auch Olaf Bülow von
- 29:10der Salterschule sieht das als eine der ganz großen Herausforderungen an. Die
- 29:15Herausforderung bei uns allen, die wir das ja in gewisser Weise ja
- 29:20in diesem vielstrapazierten Ehrenamt tun, ist halt zu gucken, dass wir uns
- 29:24daran nicht verschleißen. Dass die, ich sag mal, die wichtigen Menschen in
- 29:28unseren Netzwerken, die kreativen Leuchttürme, zum Beispiel die heute Musik machen, die
- 29:34sich ums Tanzen kümmern, die die Leute animieren, bespaßen, unterhalten, dass die
- 29:38am Ende nicht auf der Strecke bleiben. Ja, das finde ich auch
- 29:42total wichtig, weil ich merke auch immer wieder: Ohne Ehrenamt geht einfach
- 29:46so vieles nicht. Ich habe es vorhin schon gesagt, wir werden diesem
- 29:49Thema auf jeden Fall auch nochmal eine eigene Podcast-Folge widmen. Mir
- 29:53ist die ganze Zeit schon so ein Projekt aus Magdeburg im Kopf
- 29:55rumgespuckt, während du hier von deinem Projekt aus Dessau erzählt hast. Es
- 29:59gibt nämlich in Magdeburg die Initiative Platz machen. Und da hat man
- 30:03eigentlich ähnliches versucht. Man wollte den Haselbachplatz, das ist so einer der
- 30:07zentralen Plätze in Magdeburg, wieder attraktiver machen, auch eben zu so einem
- 30:11Begegnungsort werden lassen. Und ist deshalb dort in ein Ladengeschäft eingezogen, hat
- 30:17da ganz regelmäßig Veranstaltungen angeboten, also eben ganz niederschwellig von, ich sag
- 30:21jetzt mal so Nachbarschaftsbrunch, aber auch eben Fahrradwerkstatt. Also eben genau so
- 30:26die Idee, da können sich Menschen einfach relativ niederschwellig begegnen. Da ist
- 30:31aber eben jetzt folgendes passiert: Man hat denen zum Ende letzten Jahres
- 30:35den Mietvertrag gekündigt und jetzt haben die da eine Zwangspause und müssen
- 30:40sich erstmal neu sortieren, müssen erstmal gucken, wie es weitergeht. Also das
- 30:44finde ich krass, dass solche Orte dann eben einfach gefühlt so von
- 30:47heute auf morgen auch wegbrechen können, weil es eben diese Absicherung nicht
- 30:50gibt. Wenn ihr dazu mehr wissen wollt, dann lest auch unseren Newsletter.
- 30:54Also wenn ihr den noch nicht abonniert habt, dann macht das unbedingt
- 30:56noch. Den Link zum Newsletter findet ihr in der Folgenbeschreibung dieser Episode,
- 31:00also in den Show Notes. Ja, und auch bei MitmachLokal in
- 31:03Dessau-Roßlau muss man ja auch an der Stelle sagen, auch dieser
- 31:06Ort befindet sich in einer Umbruchphase. Die Förderung ist ausgelaufen. Frank Lehmann
- 31:10springt ein, aber ob das jetzt wirklich klappen wird, also er einen
- 31:14Ort von Dauer ist, das werden wir erst in ein paar Monaten
- 31:17sehen. Ja, ich sage auf jeden Fall mal: Daumen gedrückt, weil solche
- 31:20Orte eben so unfassbar wichtig sind. An der Stelle möchte ich aber
- 31:24auch ein bisschen Mut machen, sich für solche Orte einzusetzen, denn Reinhard
- 31:28Mante hat mir auch erzählt, dass es eben Durchgangsschiede gibt, die ein
- 31:31sehr großes Bewusstsein haben und hat mir von ein paar Projekten berichtet,
- 31:35die er total spannend findet. Und ich würde an der Stelle einmal
- 31:38Hanau erwähnen. Die Stadt hat tatsächlich das komplette ehemalige Galeria Kaufhof
- 31:44Gebäude für mehrere Millionen Euro gekauft, um dort einen Ort zu schaffen
- 31:48für Kultur, Gastronomie. Es gibt eine ganze Etage für Museen, eine Berufsakademie,
- 31:54Veranstaltungsflächen, also ein multifunktionaler Ort, der Begegnung schaffen soll. Na, das ist
- 31:59doch richtig cool, vor allen Dingen in so einem Ort wie Hanau,
- 32:01wo man jetzt auch nicht sofort darauf kommen würde, dass sowas da
- 32:04gut funktioniert. Ja, kennt ihr vielleicht noch mehr solcher Projekte, Begegnungsorte wie
- 32:10das Mitmachlokal in Sachsen-Anhalt? Dann verratet uns wo und wir stellen
- 32:14euch im nächsten Newsletter eine Übersicht zusammen. Alle Infos gerne per Mail
- 32:18an dazwischen@detektor.fm. Hier im Podcast schauen wir ja in
- 32:29jeder Episode neben unserem großen Thema der Woche immer auch nochmal ein
- 32:33bisschen detaillierter in die einzelnen Regionen von Sachsen-Anhalt. Und dafür gibt
- 32:37es verschiedene Kategorien. Wir hatten schon Lieblingsorte, vergangene Folge, einen Veranstaltungstipp und
- 32:43wir fragen natürlich auch immer mal wieder nach, was euch gerade so
- 32:47beschäftigt. Und bei Annett geht es dabei heute sozusagen um ein Projekt
- 32:51für besondere Projekte. Hallo, mein Name ist Annett und ich lebe in
- 32:56Halle an der Saale. Mich treibt gerade um der Ideenwettbewerb Revierpionier. Gerade
- 33:02ist die vierte Runde des Ideenwettbewerbes gestartet. Unser Team setzt den Wettbewerb
- 33:07für das Land Sachsen-Anhalt um. Bis Mitte April können hier engagierte
- 33:11Menschen noch ihre Ideen einreichen und für ihre Regionen aktiv werden. Also
- 33:17ich finde, das passt heute richtig gut in diese Folge, weil es
- 33:20beim Ideenwettbewerb Revierpionier eben auch darum geht, seine Region positiv und nachhaltig
- 33:25mitzugestalten mit eben tollen Projektideen. Bewerben können sich Vereine und Privatpersonen noch
- 33:30bis zum 14. April. Allerdings, das ist ein kleiner Wermutstropfen, nur wenn
- 33:35sie im südlichen Sachsen-Anhalt liegen, also Mansfeld-Südharz, Burgenlandkreis, Saalekreis,
- 33:40Anhalt-Bitterfeld und die Stadt Halle. Trotzdem richtig cool, auch wenn es nur für
- 33:44den Süden von Sachsen-Anhalt ist. Und an der Stelle noch eine
- 33:47Bitte an euch: Wir würden gern öfter Helden und Heldinnen vorstellen, die
- 33:52sich in ihrer Region so richtig doll engagieren. Gibt es jemanden bei
- 33:56euch? Kennt ihr wen? Dann schreibt uns die Namen oder schickt uns
- 34:00gerne auch eine Sprachnachricht an dazwischen@detektor.fm. Und wenn ihr
- 34:04noch tiefer in Sachsen-Anhalt eintauchen wollt, dann abonniert auch unseren wöchentlichen
- 34:08Newsletter. Da gibt es noch mehr Geschichten, Hintergründe, wie beispielsweise diese Woche
- 34:13zu Platz machen und auch noch mehr Facetten aus Sachsen-Anhalt. Nächste
- 34:17Woche Donnerstag gibt es dann hier im Podcast wie gewohnt die nächste
- 34:20Folge von Dazwischen und da gucken wir mal, wie es mit der
- 34:24Startup-Kultur in Sachsen-Anhalt aussieht. Weil man denkt ja so bei
- 34:27Startups an so große Städte wie Berlin, vielleicht noch an Leipzig, wenn
- 34:31man hier wohnt. Aber ehrlicherweise, Sachsen-Anhalt hätte ich da nicht so
- 34:34auf dem Schirm gehabt, obwohl das ein relativ großer Wirtschaftsfaktor ist. Das
- 34:39wird spannend. Ich freue mich drauf, ihr hoffentlich auch. Und bis nächste
- 34:43Woche. Originalmusik: Florian Sievers. Audioproduktion: Benjamin Serdani, Stendi Baldauf und Tim Schmutzler.
- 35:18Projektleitung: Christian Bollert.