Latest / Beyond expectations - the art of mastering life and business / #86 Alle reden, keiner hört zu
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- Bianca-Maria Klein: Ganz herzlich willkommen zu einer neuen Folge meines Podcasts Beyond Expectations. Heute wieder mit einer Solo-Folge zu einem Thema, was mich schon viele Jahre begleitet und was ich gewünscht hätte, viel, viel früher erkannt zu haben oder mir wäre gut gewesen, wenn es mir vorher begegnet wäre. Nämlich das Zuhören, aktives Zuhören bzw. echtes Zuhören. Vielleicht verdreht jetzt der ein oder andere die Augen und sagt, das ist so Thema, das hört man oft im Zug von Coaching. ja, ist so dieses Nicht-unterbrechen. Und manche kennen das sogar aus dem NLP. Ja, da müssen wir uns spiegeln und so was Zeug. Mega interessant. Wir kennen den Begriff. Ich kannte ihn damals in meiner Karriere tatsächlich nicht. Aber viele kennen den Begriff und meinen es auch zu können. Aber ich beobachte immer wieder, wir können es eben nicht. Und es geht ja darum, dass wir jeden Tag eigentlich Gespräche führen mit Teams, unseren Bekannten, mit Kunden, mit Partnern, mit Freunden, mit unseren Familienmitgliedern. Also immer mit Menschen, die uns nahe sind. Und das muss nicht emotional nahe sein, das kann auch einfach nur manchmal räumlich oder ja, sozusagen geographisch nahe sein. Und dieses Thema, wie gesagt, ich wünsche dir, mir wäre das vorher begegnet, denn das ist unglaublich wertvoll, wenn es ⁓ Beziehungen geht. Und bevor ich tiefer einsteige, möchte ich euch etwas vorlesen. Und zwar einen Buchausschnitt aus dem Buch Momo von Michael Ende. Wie ich finde, ein großartiges Buch, gehört tatsächlich zu einem meiner Lieblingsbücher, lege ich euch wirklich ans Herz, wenn ihr das noch nicht kennt. Es ist eigentlich ein Kinderbuch, wie so viele von Michael Endes Büchern. sind es aber eigentlich Bücher für Erwachsene. Denn die Messages, also die Botschaften, da drinstecken, sind so tief und trotzdem so einfach gemacht, dass man da ganz viel rauszieht. Und in dem Buch Momo geht es ⁓ dieses kleine Mädchen Momo, eigentlich ein Weißen Kind. Man erfährt eigentlich gar nicht, warum sie ein Weißen Kind ist. Und es lebt mitten in der Stadt in einer Art Amphitheater, wie in so einer kleinen Höhle. Und die Menschen, die dort leben, besuchen sie. Und weil sie eben diese Fähigkeit hat zuzuhören. Die Geschichte geht dann noch weiter mit den grauen Herren, die den Menschen die Zeit klauen. Also wirklich, ich könnte da stundenlang darüber reden. Das ist wirklich ein richtig, richtig tolles Buch. Und weil ich es so spannend finde, dass wir glauben, zuhören zu können, es aber gar nicht wirklich tun, lese ich auch oft diese Passage in meinen Workshops vor. Und warum? Weil auch gerade in meinen Workshops oft mir diese Sätze begegnen. Ja, mein Chef hört mir nicht zu oder meine Mitarbeitenden hören mir nicht zu oder tatsächlich in auch Gesprächen. Du hörst mir nicht richtig zu oder ich habe den Eindruck, du interessierst dich nicht für das, was ich sage. Also das sind Sätze. Da geht es immer darum, dass irgendjemand meint, nicht gehört zu werden oder dass ihm nicht zu oder ihr nicht zu gehört wird. Und Deswegen ist eines meiner Lieblingspassagen aus diesem Buch so wertvoll, weil es genau das beschreibt, was echtes Zuhören bewirken kann. Und ich lese einfach mal diese Textpassage vor. Ihr müsst gar nicht den großen Kontext des Buches kennen. Was die kleine Momo konnte, wie kein anderer, das war Zuhören. Das ist doch nichts Besonderes, wird nun vielleicht mancher Leser sagen. Zuhören, das kann doch jeder. Aber das ist ein Irrtum. Wirklich zuhören können nur ganz wenige Menschen. Und so wie Momo sich aufs Zuhören verstand, war es ganz und gar einmalig. Momo konnte so zuhören, dass dummen Leuten plötzlich sehr gescheite Gedanken kamen. Nicht etwa, weil sie etwas sagte oder fragte, was den anderen auf solche Gedanken brachte. Nein, sie saß nur da und hörte einfach zu, mit aller Aufmerksamkeit und aller Anteilnahme. Dabei schaute sie den anderen mit ihren großen dunklen Augen an und der Betroffene fühlte, wie ihn ihm auf einmal Gedanken auftauchten, von denen er nie geahnt hatte, dass sie in ihm steckten. Sie konnte so zuhören, dass ratlose oder unentschlossene Leute auf einmal ganz genau wussten, was sie wollten. Oder dass Schüchterne sich plötzlich frei und mutig fühlten. Oder dass Unglückliche und Bedrückte zuversichtlich und froh wurden. Und wenn jemand meinte, sein Leben sei ganz verfehlt und bedeutungslos und er selbst nur irgendeiner unter Millionen, einer, auf den es überhaupt nicht ankommt, und er ebenso schnell ersetzt werden kann wie ein kaputter Topf. Und er ging hin und erzählte alles das der kleinen Momo. Dann wurde ihm noch während er redete auf geheimnisvolle Weise klar, dass er sich gründlich irrte, dass es ihn, genauso wie er war, unter allen Menschen nur ein einziges Mal gab und dass er deshalb auf seine besondere Weise für die Welt wichtig war. So konnte Momo zuhören. Und während ich das jetzt hier vorgelesen habe, hab ich schon Gänsehaut. Also es ist irre, wie jedes Mal mich dieser Text so berührt. Und vielleicht geht es dir genauso. Und vielleicht wünschst du dir ja auch gerade, so gerne möchte ich auch so zuhören können. Oder aber ich wünschte mir, würde jemand so zuhören. Aber was ist denn eigentlich das Problem mit dem Zuhören? Und wieso können das viele gar nicht wirklich? Nochmal, die meisten meinen, zuhören zu müssen, und jetzt beschreibe ich mal ein bisschen das Problem dahinter, die meisten meinen, zuhören zu müssen, ⁓ eigentlich dann selbst zu erzählen, ⁓ zu reagieren, ⁓ zu antworten und nicht, ⁓ wirklich den anderen zu verstehen. Und ganz wirklich, von meinem ganzen Herzen sage ich, ich weiß, dass das nie oder fast nie aus böse Absicht ist. Also jedenfalls in den allerselbsten Fällen macht das jemand ganz, ganz bewusst. Und ich höre ganz oft, dass Leute sagen, ja Moment mal, aber das ist doch eigentlich Sinn einer Unterhaltung, dass man sich die Bälle zuspielt, auf das Gesagte eingeht und reagiert und sagt, ja Mensch, das verstehe ich und das geht mir auch so. Und ja, das Bälle zu werfen ist eine Unterhaltung, aber es stimmt eigentlich nur bedingt, dass das zuhören ist. In einer Unterhaltung geht es ⁓ Austausch von Information, Meinung oder Haltung. Aber selbst wenn ich nur eine Information loswerden möchte oder etwas erzählen möchte, was mich bewegt, passiert das oft. auf so beidseitiger Ebene. das ist sozusagen, es ist einseitig, dass jemand eigentlich etwas loswerden will und nur einer kommt sozusagen wirklich zum Mitteilen und zum Wahrgenommen werden. Das ist eigentlich erstmal die Grundvoraussetzung, dass einer vermittelt und wahrgenommen wird. Und was aber Oft passiert ist, dass eigentlich zwei Leute vermitteln und zwei Leute wahrgenommen werden wollen und gesehen werden wollen. Dann passiert es, wenn beide das wollen, dass eigentlich niemandem richtig zugehört wird und dass niemand von den beiden das Gefühl hat, gesehen zu werden. Wenn man lernt, diese gewohnte Weise der Unterhaltung sein zu lassen und wirklich zuzuhören, erkennt man, und das ist so bisschen dieses Konzept von Momo, dass es viel schönere Unterhaltung und vor allem auch respektvollere Unterhaltung sind, weil wir dem, der erzählen möchte und sich mitteilen möchte, den Raum geben, ganz und gar zu sein und die Möglichkeit zu haben, beim Erzählen eventuell noch andere Dinge zu erzählen und vor allem auch Dinge zu fühlen. Nochmal, was passiert im inaktiven Zuhören, wenn es nicht echtes Zuhören ist? Und wie gesagt, ich bin da auch nicht frei von, ich ertappe mich da auch immer wieder. Also der andere spricht und wir sind abgelenkt. Also das fängt ja schon bei unseren Handys an, dass wir unsere Handys daneben legen. und irgendwo schon signalisieren, hier könnte gleich noch irgendwas anderes kommen. Wenn dann auch was kommt, greifen wir manchmal auch während der andere erzählt zu unserem Handy und gucken nach. Das alleine schon ist ja eigentlich total respektlos. Beziehungsweise gibt dem anderen das Gefühl, kommt eventuell noch was Wichtigeres. Also dann, während der andere spricht, sind wir innerlich schon entweder beim nächsten Termin oder bei unseren eigenen Themen und Wir müssen dann irgendwie schon gleich in unserem Kopf wissen, was wir darauf antworten wollen, was wir darauf reagieren wollen. Und eines Phänomen ist auch, wir meinen eigentlich schon zu hören, was der andere meint aus unserer Perspektive. Ja, dann glauben wir oft, wir müssen helfen. Wir müssen hier irgendwie ein effizientes Gespräch führen. Wir wollen irgendwas Kluges sagen. Wir wollen schnellstmöglich dann halt unseren Standpunkt rüberbringen. weil wir meinen, der sei jetzt besonders relevant. Wir wollen Teilnahme zeigen, aber eher eigentlich irgendwie vermitteln, das haben wir auch erlebt und das verstehen wir und wir haben eine Lösung. Ja und genau dadurch verpassen wir genau das, was da so schön beschrieben wird, dass andere eigentlich die Möglichkeit haben, sich selber auch mehr zuzuhören und wir verpassen die Chance zu hören, warum es dem anderen in seiner Erzählung eigentlich wirklich geht. Das heißt also echtes Zuhören ist Stillsein. Also auch nicht nur ohne zu sprechen, sondern auch innerlich Stillsein und den Gedankengang, der in unserem Kopf abgeht, zu unterbinden und dem anderen volle Aufmerksamkeit zu schenken. Und wie immer in meinen Solo-Folgen möchte ich eigentlich auch mal dazu Tipps geben. Also ich habe einfach mal fünf Tipps mitgebracht und so beschrieben. Das heißt, also was passiert ist, unser Gegenüber erzählt gerade und wir formulieren eigentlich innerlich unsere nächste Aussage. Wir überlegen, was wir entgegenbringen wollen, also entgegnen wollen, welches Beispiel wir nennen können oder wir bewerten eigentlich schon unbewusst die Situation des anderen. Und Wie gesagt, das Problem ist ja eigentlich offensichtlich. Wir hören dann halt nicht richtig zu. Deswegen mein erster Tipp ist, konzentriere dich. Konzentriere dich so, als wenn du alles, was gesagt wird, irgendwie wiedergeben müsstest. Also du versuchst dich wirklich auf Einzelheiten zu konzentrieren, was der andere sagt. Du nimmst dir ganz bewusst vor, nicht selber beim Zuhören schon die Antworten zu formulieren, sondern du konzentrierst dich stattdessen auf die Frage, was will mir mein Gegenüber wirklich sagen? Und ich konzentriere mich so darauf, dass ich es rein theoretisch wiedergeben könnte. Die Frage ist dann also in deinem Kopf nicht, was antworte ich, sondern was meint mein Gegenüber gerade wirklich? Also überleg dir mal auch da, ich nehme immer so gerne das Bild von so einem Kriminalpolizisten, der auch nicht in die Wertung geht, der so ganz aufmerksam zuhört, ⁓ eventuell vielleicht noch irgendwelche Dinge rauszuhören, die auf einen Täter oder so hinweisen könnten. Also so echtes Zuhören, auch mal zwischen den Zeilen. Das ist der erste Tipp. Konzentrier dich. Ganz bewusst konzentrieren auf das, was der andere sagt. Der zweite Tipp ist nicht unterbrechen. Wir sagen ganz nett, ja, nochmal, die Absicht ist ja oft ganz, positiv, ja, wir signalisieren, wer das hier zuhört, indem wir nicken und so. Das ist absolut in Ordnung, aber wir sagen dann Sachen, ja, ich weiß genau, was du meinst oder ja, klar, verstehe ich. obwohl es nett gemeint ist, ist es wirklich nicht hilfreich. Denn wenn du unterbrichst, sendest du trotzdem eine Botschaft. Dieses Ich verstehe und ich weiß, was du meinst ist. Ich habe eigentlich schon längst verstanden, was du mir sagen willst. Und du musst eigentlich gar nicht weiterreden. Und das irritiert. Ja, manchmal gibt es auch Leute, die sagen das auch total ungeduldig. Ja, ja, ich weiß, was du meinst. Also ja, ja. Und man spürt in der Stimme schon, dass es eigentlich darum geht. Jetzt möchte ich mal reden. Das ist unterbrechen, nicht nur das krasse unterbrechen, wo Leute dann sofort das Gespräch an sich ziehen, sondern Alleine solche kleinen Sätze stören das Gespräch. Wenn du es schaffst, dich während des Konzentrieren nicht eventuell nur auf Kopfbewegungen zu fokussieren oder wirklich das als Minimum zu machen oder sogar ... Das machen wir oft unbewusst am Telefon, weil wir dem anderen signalisieren wollen, wir sind noch da. Aber belass es nur bei dem, nicht dass du das sagst. Ja, das ist der ... Zweite Tipp. Warum ist das noch mal so wichtig? Weil das ist ja auch in diesem Ausschnitt von Momo beschrieben. Wir denken ja oft auch beim Sprechen. Das heißt, vielleicht fangen sie an, dir etwas zu erzählen, haben aber selber noch gar nicht diese Klarheit. Also da kommen kluge Gedanken während wir reden, weil wir uns dann plötzlich ja laut auch zuhören müssen. Und wenn du dann unterbrichst und sagst, ja, ich weiß, was du meinst. Nehmen wir genau diesen Gedankenfluss vielleicht. Wir unterbrechen vielleicht gerade einen Gedankengang, der im Hintergrund läuft, während die Personen etwas anderes sagen. Und deswegen halte es einfach mal aus, wenn jemand auch nach Worten ringt oder versucht, irgendwas anders zu formulieren oder tatsächlich, und das ist so, so, so herausfordernd, wenn eine Stille entsteht und jemand nicht gerade perfekt auf den Punkt kommt, sondern nach Worten vielleicht gerade noch sucht oder in seinem Kopf sind solche Gedanken, dass die erst mal irgendwie bei ihm ankommen müssen und in Worte gefasst werden sollen. Also das gute, aktive, echte Zuhören gibt genau diesen Raum und hält dann auch solche Momente der Stille aus. Ganz, ganz interessant am Telefon, weil man dann sofort glaubt, ja bist du noch da? Und manchmal irritiert das so. Aber es gibt bestimmte Leute, wenn man das trainiert, dann weißt du das auch, dass die so eine Ruhe dir vermitteln, weil sie dir genau zuhören. Dann der dritte Tipp. Biete keine Lösung. Und vielleicht schmunzelt jetzt der eine oder andere, denn das ist ein ganz häufiger Reflex, gerade im beruflichen Kontext, dass wir auch gerade oft Männer, das ist jetzt gar nicht so klischeehaft gemeint, sondern das steckt, ich, in unserer Evolution drin, dass Männer oft Lösungen anbieten wollen. Die wollen sofort in Aktion gehen und was machen. Aber auch das hindert einen guten Gesprächsfluss. Sobald jemand irgendwie darstellt, er hat ein Thema, Problem, irgendwas stört ihn, bieten wir den Lösungsmodus oder gehen wir in den Lösungsmodus und bieten Lösungen. Wir machen dann Vorschläge, wir analysieren, wir geben Tipps und wir übernehmen eigentlich gedanklich sofort das Steuer und vermitteln dann irgendwie auch, ja, ich weiß das besser und irgendwie hast du es ja überhaupt nicht durchblickt, also ich biete dir hier mal meine Sichtweise und am besten helfe ich dir noch. Obwohl der andere vielleicht gar nicht danach gefragt hat. Und genau darum geht es. Manches Anliegen braucht überhaupt gar keine Lösung und fragt eigentlich auch gar nicht nach Lösung, sondern manchmal möchten Menschen einfach nur gehört werden. Sie wollen einfach nur erzählen und vielleicht beim Erzählen ihre eigenen Gedanken sortieren und das Erzählte spüren. Und oftmals und das sage ich oft und beim Zuhören geht es darum, dass der andere Mitgefühl zeigt und nicht irgendwie das Gespräch managen muss oder das Problem lösen muss. Deswegen ist dieser Tipp so wichtig. Frag dich lieber früher im Gespräch, was braucht dieser Mensch gerade? Ist das eine Lösung oder ist das einfach erst mal nur Verständnis? Und wenn du dir nicht sicher bist, und das habe ich gerade heute Morgen in einem Coaching vorgeschlagen, einer Kundin, die auch diese Tendenz hat, gleich Lösungsvorschläge zu machen, dann Wenn du dir unsicher bist, frag aktiv nach. Du, was brauchst du jetzt gerade von mir? Möchtest du gerade, dass ich dir einfach erst mal nur zuhöre oder soll ich dir mit dir gemeinsam auf eine Lösung schauen oder soll ich dir meine Perspektive auf das Thema sagen? Viele sagen dann Ja, ja, am besten gleich. Aber das würde ich versuchen, erst mal zu vermeiden. Erst mal aktiv zuhören. Man kann auch sagen, du, ich höre dir jetzt erst mal nur zu und dann können wir gemeinsam besprechen, was du jetzt von mir brauchst. Klingt vielleicht ein bisschen holprig, aber es ist so wertvoll. Und wie gesagt, wenn Menschen gerade vielleicht abends nach der Arbeit zu dir kommen und dich ja sowieso einnehmen mit ihren Geschichten, versuch dich mal darauf einzulassen. Denn auch in Beziehungen beobachte ich immer so sehr, die Zeit, die wir uns nicht fürs Zuhören nehmen, müssen wir hinterher oft aufwenden, weil Konflikte, Ralberalen oder Streit entsteht. Weil beim Zuhören geht es manchmal nur darum, Raum zu bekommen. Der vierte Tipp ist, bleib bei dem anderen. Ja, also auch da. Konzentrier dich, unterbrich nicht, biete keine Lösungen. Und dann bleibst du einfach da. Wenn jemand das etwas erzählt und wir dann sagen, ja, ja, das kenne ich, mir ist auch mal was Ähnliches passiert, entsteht sowieso eine Pause, weil der andere dann meint, okay, jetzt muss ich aufhören zu reden, jetzt bist du an der Reihe. Und natürlich kann das liebgemeint sein, verbindend gemeint sein. Du willst im Prinzip vermitteln, du kein Problem, ich kenn das und mir ist das auch passiert, es muss dir nicht unangenehm sein oder ja, vielleicht ist es was Lustiges und man will gleich vermitteln, was an selbst passiert ist. Aber meistens steckt eigentlich der Wunsch dahinter, ich verbinde mich mit dir und gebe dir jetzt sozusagen meine Geschichte. Und deswegen verschiebt sich dann der Fokus von dem, erzählt hat, auf dem der sozusagen erzählen möchte. Und dann geht es nicht mal ⁓ den anderen, sondern halt ⁓ uns selber, weil wir ja gerade unterbrochen haben und jetzt unsere Perspektive, unsere Geschichte, unser Dilemma oder so mitteilen wollen. Also gute Intention, aber oftmals nicht zum richtigen Zeitpunkt. Ja, vielleicht wollte der andere gar keine Parallele hören. Also vielleicht will er gar nicht hören, dass dir das auch passiert ist, sondern er will eigentlich erstmal nochmal vielleicht das ja ausweiten. Vielleicht will er ja auch irgendwie noch was anderes dahinter erzählen. Also es geht nicht ⁓ Vergleichen. Es geht einfach erstmal nur ⁓ Mitteilen und Zuhören. Und da lade ich euch wirklich ein, das mal zu beobachten, wie oft übernehmen wir das Gespräch, obwohl wir eigentlich dachten, wir wollen eigentlich irgendwie zuhören. Aber dann plötzlich reden wir dann doch mehr. Und deswegen bleib so lange wie möglich beim anderen, auch wenn du den Wunsch danach hast, selbst zu erzählen. Weil vielleicht hast du ja trotzdem noch hinterher genug Zeit. Und wenn du auch etwas ähnlich erlebt hast, bedeutet das so lange nicht, dass du es sofort mitteilen musst. Also stell dir lieber noch mal zum zweiten Mal die Frage, warum erzählt der andere mir das genau? Und du kannst auch nachfragen, wenn du nach der Stille wirklich den Eindruck hast, jetzt ist die Geschichte vorbei, kannst du immer noch sagen, wie war das denn aber genau für dich? Oder aber was beschäftigt dich jetzt am meisten an dieser Situation? Oder was war in dem Moment am schwierigsten für dich? Also mit ein paar Nachfragen bist du weiterhin bei dem anderen. Also es geht immer noch ⁓ den anderen, sodass du ihm eigentlich die Möglichkeit gibst, die Geschichte noch zu vertiefen. Ja, damit du nicht vermittelst, hey, ja, und jetzt bin ich dran. Ja, also das ist der vierte Tipp. Und der fünfte Tipp ist, klingt vielleicht ein bisschen komisch, aber höre auf die Gefühle des anderen. Ja, wir wollen ja irgendwas vermitteln, indem wir Worte aussprechen. Aber oftmals ist dann der Tonfall wichtig, das Tempo ist wichtig, die Lautstärke, ob wir Pausen machen, wie unsere Körpersprache beim Erzählen ist. Da transportieren wir ja auch ganz, ganz viel. Also Gefühle meistens oder Bewertung oder Interpretation. Und Jemand kann dann sagen, ja, ja, es ist alles okay und macht nichts und ist egal, ja, dieses ist egal, kommt mir ganz, oft vor. Und die ganze Körperhaltung und der Tonfall sagt aber eigentlich aus, dass es überhaupt nicht egal ist. Und wenn du dann also nur auf der Sachebene hörst, würdest du ja dann sagen, ja, okay, wenn es egal ist, dann kann ich ja jetzt erzählen. Ja, aber du verpasst eigentlich. eigentliche Botschaft und die Tiefe in dem, was der andere aussagen möchte. Denn hinter diesen Aussagen liegen wahrscheinlich Gefühle, Bedürfnisse, Unsicherheiten, Enttäuschung oder, und das ist ja mein Thema, Erwartungshaltung. Ja, die sie vielleicht selber während des Erzählens überhaupt noch gar nicht registriert haben oder auch noch nie ausgesprochen haben. Und deswegen ist dieses aktive und echt Zuhören auch so eng mit Verbindungen, oder, Entschuldigung, mit Beziehung verbunden, weil wenn du dich nicht gehört fühlst, fühlst du dich ja auch gar nicht gesehen. Manchmal fühlt man sich dann gar nicht ernst genommen, nicht wichtig, weil der andere unterbricht und es selber erzählt. wenn man sagt, na ja, ist egal, dann sagt er, dann nimmt er das wörtlich. Also das kenne ich auch von früher, dieses eigentlich will ich so gerne, dass jemand mir diesen Raum gibt und dann sage ich, ach ja, ist ja nicht so schlimm. Ist nicht so gut, nicht so schlimm. Ja, ach irrelevant. Und erzähl du doch mal. Ja, und deswegen ist das so wichtig, dass du nicht auf das Was nur hörst, sondern auch wirklich dich so bisschen trainierst, das Wie wirklich wahrzunehmen. Ja, also wie klingt die Person gerade? Was schwingt da mit? Was sagt er oder sie vielleicht nicht direkt? Aber trotzdem eigentlich sehr deutlich. Also geh da mal ein bisschen in die Empathie und auch eine Intuition, die du in dir hast. Und Manchmal hilft es dann auch, das genau auszusprechen. Ich mache das oft in meinen Coachings, da ist es auch mein Auftrag, dass ich sage, ja, das berührt dich gerade sehr oder ich spüre gerade, dass da vielleicht noch mehr dahinter liegt mit dem, was du sagen willst. Das sind ganz wunderbare Formen, dem anderen zu signalisieren. Ich sehe gerade, da kommen Gefühle hoch. Ich sehe und es hat Raum hier, dass du darüber reden darfst. Und in solchen Momenten werden Gespräche tiefer und noch echter und vor allem ehrlicher. Ja, weil wenn ich merke, jemand bekommt glasige Augen und ich ignoriere das komplett, kann es auch dazu kommen, dass dem anderen das total unangenehm ist, weil man dann so das Gefühl hat, das hat hier keinen Platz. Also diese fünf Tipps, ja noch mal rückwärts, höre auf die Gefühle des anderen, bleib bei dem anderen, unterbrich nicht, biet keine Lösungsvorschläge und konzentriere dich. Diese fünf Tipps sind mir wirklich ganz, ganz wichtig, denn ich glaube, dass in unserer heutigen Welt und auch gerade in dieser Social Media Welt, wo wir einfach immer weiter scrollen und es ganz schnell gehen muss, ja und wir oftmals auch die Videos gar nicht zu Ende gucken und hören. Wir verpassen so viel und es fehlt so viel an diesem aktiven, echten Zuhören und an sich Zeit und Raum geben und nehmen in einer Konversation. Also wir wollen schnell sein, wollen effizient sein, wir wollen Lösungen. Aber Menschen, genau so wie du und ich, wollen eigentlich was ganz anderes. Wir wollen verstanden werden, wir wollen gesehen werden. Und wenn du Führungskraft bist und den Wunsch hast, auch nicht nur als Führungskraft, sondern als Kollegen, als Freunde, als Partner, dass man dich als wertvoll auch empfindet in Beziehungen. Versuche immer zu verstehen, was dahinter steckt. Weil wer gut zuhört, führt besser, weil du viel mehr Informationen bekommst, die du als gute Führungskraft brauchst. Wer gut zuhört, klärt Konflikte viel früher. Wenn du richtig zuhörst, bekommst du viel mehr mit, was eigentlich manchmal hinter dem Problem wirklich steckt. Oder hinter einem Streit oder hinter irgendwelchen aggressiven Aussagen, hinter flapsigen Bemerkungen. Zuhören, bevor man reagiert, löst oft ganz, ganz, ganz klar Konflikte. Wer gut zuhört, schafft natürlich Vertrauen. Weil wenn ich dir den Raum gebe, vertraust du mir auch, weil du das Gefühl hast, hier kannst du dich öffnen. Wer gut zuhört, erfährt oft Dinge, die in einem ganz oberflächlichen Gespräch niemals sichtbar geworden wären. Und da sind wir wieder bei der Geschichte von Momo. Da kommen Gedankengänge hoch, die erst hochkommen, weil der andere sie ausspricht und weil er das Gefühl hat oder sie da Raum zu haben. Und deswegen glaube ich, dass aktives Zuhören tatsächlich nicht nur eine Form von Kommunikation ist, sondern das ist ein echtes Beziehungstool, ein Werkzeug, ⁓ wirklich gesunde und verbindende Beziehungen zu führen. Und diese Folge ist wirklich eine Einladung an dich. Ganz einfache Einladung eigentlich an dich. Erst mal nur beobachte dich in deinen nächsten Gesprächen. Bist du jemand, schnell antworten will oder wo willst du schnell antworten? Wo unterbrichst du? Wo gibst du sofort Lösungen? Wo ziehst du das Gespräch auf dich und hast du das Bedürfnis, selber zu erzählen? Und wo hörst du zwar Worte, aber eigentlich nicht die Gefühle? Ich möchte wirklich diese Folge jetzt, das ist keine Belehrung, das ist auch keine Verurteilung, wenn man das nicht kann. ich möchte gerne einladen zu dem bewussten Wahrnehmen, wie schön es sein kann, der Zuhörende auch zu sein und zu entdecken, was bei anderen Menschen passiert, wenn wir ihnen zuhören. Und dieses Bewusstsein ist der erste Schritt, ⁓ dann auch selber in Gesprächen vielleicht sich diesen Raum dann zu nehmen und der aktiv Erzählende zu werden. Ja, denn grundsätzlich glaube ich, gute Gespräche entstehen nicht durch kluge oder schnelle Worte, sondern sie entstehen dort, wo Menschen sich gehört fühlen. Ja, und das ist das, was ich vermitteln wollte. Fünf Tipps plus der Tipp tatsächlich, das Buch Momo noch mal zu lesen oder es zum ersten Mal zu lesen. In diesem Sinne ganz liebe Grüße, vielen, vielen Dank für euer Zuhören. Falls ihr Fragen habt oder Kommentare habt, einfach mir schreiben oder in die Kommentar-Möglichkeiten schreiben. Ja, danke fürs Zuhören. Tschüss, bis zum nächsten Mal.