Latest / BZ am Ohr / So hat der neue Freiburger Feuerwehrchef den Großbrand in Hochdorf erlebt
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- In dem Moment sah das drumherum alles dunkel aus und in der Mitte hinter den Mauern lichterloh Flammenrauch, wie es bei einem Grossbrand ist. In dem Fall natürlich ein sehr großer Brand, ein extrem großer Brand aufgrund der riesen Abmaße. Ja, das ist natürlich jetzt ein nationales Ereignis, was schon relevant ist. Ein lebenslanges Lernen ist bei uns Grund für sicheres Arbeiten. Wenn wir damit aufhören, dann wird es für uns richtig gefährlich. Richtig gefährlich kann seine Arbeit werden. Christian Emrich ist der neue Chef der Freiburger Feuerwehr. Und es ging für ihn direkt heftig los. An seinem ersten Arbeitstag ist in einem Industriegebiet in Freiburg-Hochdorf einer der größten Brände der Stadtgeschichte ausgebrochen. Die Rauchsäule war kilometerweit zu sehen. Und mittendrin war Christian Emrich. Der 41-jährige Rettungsingenieur kommt aus Schwanau im Ortenau-Kreis. Nach dem Studium in Offenburg und Köln war Emrich viele Jahre in München, bevor er 2024 wieder zurück in die Heimat wechselte. Erst ans Regierungspräsidium Freiburg. Seit Oktober ist er nun der neue Leiter des Freiburger Amtes für Brand- und Katastrophenschutz und Kommandant der Freiburger Feuerwehr. Im Interview hat er mir erzählt, wie sich das anfühlt, mitten in einem Großbrand. Wie er damit umgeht, jetzt für die Sicherheit der Menschen in Freiburg verantwortlich zu sein. Er spricht darüber, wie die Feuerwehr der Zukunft aussieht und warum die Freiburger Feuerwehr keine eigenen Drohnen braucht. Mein Name ist Dora Schölz, ich bin Redakteurin der Badischen Zeitung. Und ihr hört BZ am Ohr, den Podcast der Badischen Zeitung. Viel Spaß beim Zuhören. Ja, herzlich willkommen im BZ-Podcaststudio, Christian Emmerich. Hallo und danke für die Einladung. Sehr gerne. Herr Imrich, Sie sind der neue Chef der Freiburger Feuerwehr. An Ihrem ersten Arbeitstag, am 1. Oktober, ist in Freiburg-Hochdorf einer der größten Brände in Freiburgs Geschichte ausgebrochen. Nehmen Sie uns doch mal mit, wie war das an dem Abend? Wie haben Sie überhaupt erst von dem Brand erfahren? Wie muss ich mir das vorstellen? Wurden Sie zu Hause angerufen, weil irgendwie klar war, es brennt und es ist was Größeres. Da muss jetzt der Chef kommen. Wie war das? Dank der professionellen Vorbereitung der Kolleginnen und Kollegen für meinen Einstieg war ich ab Mittags komplett ausgerüstet mit Schutzkleidung, aber auch Alarmierungseinrichtungen, dem Piepserweber auf Badisch gern sagen. Und dadurch habe ich abends die Alarmierung direkt mitbekommen, dann auch die schnellen Alarmstufenerhöhungen. Dann kurzes Telefonat mit Ralf Hohloch als Diensthabender und auch Vorgänger als Feuerwehrkommandant. Und dann hat er gesagt, ja, er würde jetzt gleich losfahren, wir treffen uns auf der Wache, das hat zeitlich genau gepasst, ich schnell die Llamotten geholt und dann sind wir zusammen rausgefahren. Und was haben Sie da gedacht in dem Moment? Also ich meine, Ihren ersten Arbeitstag haben Sie sich sicherlich anders vorgestellt. Ich bin sehr offen in meinen ersten Arbeitstag und habe mich da einfach drauf eingelassen. Natürlich in der Situation geht bei mir dann wieder das Sportlerdenken durch. Dann ist einfach Spieltag, Crunchtime und dann funktionieren wir professionell, je nach Rolle, was es braucht im Sinne der Sachen. Und genau so ist es im Grunde dann auch abgelaufen. Also keine Aufregung, oh Gott, oh Gott, was passiert jetzt der erste Tag und gleich so ein großer Einsatz, sondern wirklich einfach direkt voll im Fokus? Genauso. Keine negativen Nervosie, sondern voller Fokus und der natürlich dann 100 Prozent. Bei aller Neuheit, die natürlich noch kommt, weil ich in den Detailabläufen natürlich noch nicht eingewiesen bin. Dennoch die Abläufe im Feuerwehreinsatz natürlich relativ ähnlich sind. Ich von früher schon als Studentsein sehr viele Kollegen kennen darf, aus meiner Ausbildungszeit viele Kollegen der Berufsfeuerwehr, aber auch der Freilugsfeuerwehr kenne. Und daher ist das Einblickkontakt, kurze Absprache und dann geht es los. Und wie ging es dann weiter? Sie haben gesagt, Sie haben sich dann mit Herrn Holoch auf der Wache getroffen. Genau. Und sind dann direkt zusammen nach oben. Von unseren beiden Standorten, wie wir zum Zeitpunkt des Telefonats hatten, hat es genau gepasst. Und also hat er gesagt, wir treffen uns auf der Wache und dann fahren wir da zusammen raus. Haben uns auf der Anfahrt grob abgesprochen, haben am Funk dann gehört, die höchste Alarmstufe wird jetzt schon ausgerufen, obwohl wir noch gar nicht da sind mit B6, Brand6, die höchste Alarmstufe. Da hat er noch kurz gezuckt, wie so jetzt schon Brand 6. Als wir dann um die Kurve gefahren sind, wussten wir genau, dass das genau richtig war und alles nach Maß gelaufen ist. Weil Sie da die riesige Rauchsäule gesehen haben? Zu dem Zeitpunkt eher Feuer und Rauchsäule. Zu dem Zeitpunkt hatten wir ja 30, 40 Meter hohe Flammen und massive Wärmestrahlung. Und dann ausgestiegen. Scheinbar sehr synchron wird von Augenzeugen berichtet, das lag alles keine Absicht. Ja, aber das war klar, da stellen wir das Fahrzeug hin, raus. Da könntest du einmal drumherum schauen, vorne, dass wir sehen, was da stand. Er geht direkt zum Einsatzleitwagen, holt sich das aktuelle Bild. Und dann bin ich die mehreren hundert Meter zurückgerannt, um mit ihm dann die Absprache am Einsatzleitwagen zu machen. Das ist sehr zügig gegangen, weil das schneller ist und weniger Fehler macht, wie hektisch rumrennen. Und am Einsatzleitwagen, schau her, das und das sind die Informationen. Kannst du den Abschnitt West übernehmen? Wenn es da ran wird, ja, klar, kann ich machen. Also Absprache lief gut. Zum Thema Absprache und vielleicht auch Entscheidungen treffen können wir gleich nochmal sprechen. Vielleicht bleiben wir gerade erstmal vor Ort in Hochdorf. Gebrannt hat ja so ein Gebäudekomplex, in dem mehrere Firmen, ein Dutzend Firmen eingemietet waren. Beschreiben Sie doch mal, wie sah das Areal in dem Moment aus? Wie muss man sich das vorstellen? In dem Moment sah das drumherum alles dunkel aus und in der Mitte hinter den Mauern lichterloh Flammenrauch, wie es bei einem Großbrand ist. In dem Fall natürlich ein sehr großer Brand, ein extrem großer Brand aufgrund der Riesenabmaße. Einfach weil das Gebäude so groß ist? Aufgrund der Größe des Objekts, genau. Und waren da auch Sachen gelagert, die irgendwie explodieren könnten, die besonders schnell brennen? Da gab es die ganze Zeit Explosion. Das ist bei so einem Lagergut auch normal. Das ist ja von der möglicherweise Spraydosen, Farben, Deo, was auch immer. Da war verschiedenstes Lagergut beinhaltet. Oder auch Campinggasflasche gibt es bei so Großbränden immer. Damit muss man rechnen. Und das kann auch sein, dass man die dann durch die Luft fliegen sieht, die Gasflaschen oder Kartuschen. Das ist soweit normal, auch wenn Großbränden natürlich keine normale Situation ist. Sie haben gesagt, Sie haben sich relativ direkt abgesprochen. Du machst das, du machst das. Herr Hohloch hat ja von außen den Einsatz geleitet und Sie haben aktiv drin mit gelöscht. Entschieden haben Sie das, wie Sie gesagt haben, relativ zügig. Sie haben zum Thema Entscheidungen ja auch ein Buch geschrieben, das letztes Jahr erschienen ist. Die Acht-Minuten-Entscheidungsmethode waren damit tatsächlich auch schon mal bei BZ am Ohr zu Gast. Die Folge packe ich auf jeden Fall in die Shownotes, die könnt ihr dann noch nachhören. In diesem Buch haben Sie ja beschrieben, dass man Entscheidungen möglichst vorbereiten sollte und vorher gut durchdenken sollte, damit man dann in dem Moment schnell entscheiden kann. Aber geht das bei so einem riesigen Einsatz, bei so einem Großbrand, geht das überhaupt? Der zeigt genau, wie das funktioniert und warum man dann genau das braucht. Die Alarmstufenerhöhungen sind vorbereitete Einsatzplanung, wo die Prozesse durchdacht sind, die Einsatzmittel, also die Fahrzeuge, wie auch das Personal durchdacht ist. Und deswegen hat der Einsatzleiter, der erste Eintreffende, so schnell erhöht, damit er Material und Personal in dem Maße bekommt, wie er es für diese Abmaße des Objekts, das komplett umfahrbar war, bekommt und wusste auch, wenn er auf Alarmstufe, auf die jeweilige erhöht, bekommt er zum Beispiel auch so viel Wasserversorgungseinheit dazu. Muss ich nicht so überlegen, wen forder ich an, sondern weiß, wenn ich die Stufe ziehe, dann kommt automatisch das Team, was mir Wasserversorgung herstellt, für die Wassermenge, die ich hier jetzt brauche. Und das macht es für den ersten Einsatzleiter so einfach, in Anführungszeichen, weil er weiß, ich muss die Stufen gut überlegen, weil das heißt auch Traffic und da kommt richtig Personal und Material. Aber wenn er es braucht, dann sagt er nur noch Alarmstufenerhöhung B5 und weiß genau, was dahinter steckt. Und bei der nächsten Entscheidung, Alarmstufenerhöhung B6, ist klar, dass da die nächsten Einheiten kommen mit noch mehr Wasserversorgung, mit noch mehr Löschmaßnahmen, mit noch mehr Schläuchen einfach ausgedrückt. Und auch noch mehr Atemschutz, damit ich einfach alle Maßnahmen einleiten kann, die er für sich in der ersten Einsatzidee sieht oder aufgrund der Lage, die ja eindrucksvoll und eindeutig war, benötigt. Und Sie sind dann reingegangen. Wie war das da drinnen? Also können Sie uns das mal beschreiben für Menschen, die noch nie irgendwie was mit Feuerwehr, mit Brand zu tun? Sie haben ja da, wenn ich das richtig verstanden habe, versucht eine Wand zu halten, damit das Feuer nicht auf den angrenzenden Gebäudeteil übergeht. Und das haben Sie ja auch geschafft. Die Wand ist dann erst zusammengestürzt, als da keine Flammen mehr waren. Oder wie war das? Da waren noch voll Flammen, als sie eingestürzt ist. Aber durch unsere Maßnahmen und das Vorausdenken, was passieren könnte mit aller Gefährdung, waren wir im Innenangriff bereit mit mehreren Teams, die Wasser da hatten, die Wand kontrollierten. Und als sie dann teil eingestürzt ist, konnten wir direkt auf die Flammen, die hinter der Wand noch lichter loderten, einwirken und dadurch den Feuerüberschlag auf die andere Halle verhindern. Wären aber nicht die Teams schon eine Stunde vorher, vor Versagen der Wand, dort reingeschickt worden, hätten die nicht schon an die 100 Meter Innenangriffsleitung verlegt, was aufgrund der Gesamtsituation einfach notwendig war. Also Leitung verlegen mit Wasserschläuchen. Wasserschläuche, genau. Aber in einem Bereich, wo ich nur mit Atemschutz arbeiten kann, weil die Verrauchung schon zu stark ist und zu giftig und ich ohne Atemschutz, wir beide jetzt da nicht reinlaufen konnte. Ich konnte am Anfang noch 15 Meter in die Halle laufen, eine Viertelstunde später nicht mehr. Und daher waren die Maßnahmen extrem wichtig, dass wir parat waren. Die langen Wege, was ein sehr hohes Risiko ist, weil wenn ein Kollege auch nur einen Unfall hat, umknickt, sonst was, dann ist es ein sehr langer Weg, ihn da rauszuholen. Wir waren uns aber zu jeder Zeit bewusst, was wir machen, welches Risiko wir fahren und wie wir uns selber dafür schützen für den Fall eines Unfalls. Und gleichzeitig auch, als das erste Team meldet, dass die Wand sich wölbt und damit instabil erscheint oder instabil wirkt, Auch nochmal die Sensibilisierung der ablösenden Teams, die wir dann verdoppelt haben, dass wirklich die Wand der kritische Punkt ist, um das Feuer nicht in die andere Halle laufen zu lassen. Gleichzeitig natürlich eine massive Unfallgefahr, wenn es zu einem Einsturz kommen würde, der Wandteile. Deswegen auch entsprechend Abstand zu halten und mit den Wurfweiden der Strahlrohre zu arbeiten, um das Feuer dann zurückzuhalten, wenn da Löcher oder Brocken rausfallen. Sie haben gesagt, einem ist da die ganze Zeit bewusst, die Wand kann einstürzen, da ist ein Risiko. Und was macht das dann emotional mit einem? Also ich meine, Sie sind ja auch Familienvater. Diese Gefahr die ganze Zeit irgendwie im Hinterkopf. Wie fühlt sich das an? Die Gefahr nehmen wir bewusst wahr, bewerten sie aber professionell, objektiv und sind uns dann sehr schnell einig, das ist das Ziel, das ist die Marschrichtung und wägen ab, ist es vertretbar oder nicht. Das war aus meiner Sicht zu jeder Zeit vertretbar. Es ist aber auch alles passiert und jetzt sind wir wieder beim Zeitstrahl und der Prognose, was passieren könnte, weil die Wand teilweise auch gewisse Minuten hält, brandschutztechnisch, gegen ein Feuer. Nur es war klar, wir sind deutlich über 90 Minuten Branddauer. Und damit muss mit den Bauteilen mit allem gerechnet werden. Und dadurch war das ein völlig individuelles Arbeiten. Das hat wenig mit Standards zu tun gehabt. Aber genau dafür sind wir da und sind professionell ausgebildet, hauptamtlich wie auch ehrenamtlich, um solche Situationen angehen zu können. Und es ist auf vielen glücklichen Umständen, das muss man unterschreiben, und einer herausragenden Teamleistung aus Rufzeichen zu verdanken, dass wir das so geschafft haben, wie wir es geschafft haben. Denn da spielen schon sehr, sehr viele Ketten ineinander, damit diese Kraft erzeugt werden kann, um das zu schaffen. Ja, also das war wirklich beeindruckende Leistung. Sie haben gesagt, in dem Moment ist für Emotionen da gar kein Platz. Man geht dann einfach professionell damit um und schiebt einfach die Emotionen, die Gefahr beiseite. Wie ist das denn jetzt so im Nachhinein? Wir sprechen jetzt eine gute Woche später. Was bleibt für Sie emotional jetzt von diesem Einsatz? Ich meine, das ist natürlich sowieso was Besonderes, weil der erste Einsatz in Ihrer neuen Rolle als Chef hier in Freiburg. Aber ist das auch der Brand, der Ihnen von Ihrer Karriere bisher am eindrücklichsten in Erinnerung bleiben wird? Es ist sicher einer der eindrücklichsten Einsätze, aber da gibt es noch einige andere, die andere Herausforderungen haben, wo es genauso knifflige Entscheidungen zu treffen galt oder bewusster Rückzug, bewusster Angriff. Das müssen wir in vielen Einsätzen. Aber manchmal und oft ist es schwieriger zu entscheiden, wenn wir nicht die Flammen sehen, wenn wir entscheiden müssen, gehen wir da jetzt noch tiefer rein oder nicht, könnte da noch was kommen, könnte nichts kommen, eine Rauchentwicklung in der Klinik gemeldet, dann ist da ein Brandgeruch, aber der Klinikbetrieb läuft und es gibt keine technischen Ausfälle. So was machen sie jetzt? OPs stoppen, Gebäude evakuieren oder räumen. Ist das verhältnismäßig oder nicht? Oder sie kommen zu einem Theater mit voller Besetzung, mehrere tausend Zuschauer, Premieren aufführung, sieben Minuten vor Start, alle Künstler bereit, die Anmoderation läuft und dann wird Brandgeruch bestätigt aus dem Zuschauerraum. So was machen sie jetzt? Also daher, ja, es gibt immer wieder diese kniffligen Entscheidungen. Aber deswegen werden wir dafür trainiert, vor allem die Führungskräfte, aber auch die Mannschaft, um das dann handwerklich umzusetzen oder dann auch eben in der strategischen Einsatzentscheidung. Und gab es in Ihrer Laufbahn auch mal einen Moment, wo Sie so dachten, boah, warum tue ich mir das eigentlich an? Ich für mich eigentlich nicht, weil für mich ist es einfach Hobby zum Beruf gemacht und damit Berufung. Und wir machen das mit voller Überzeugung, brennen dafür, um dem Bürger die Sicherheit zu ermöglichen, die möglich ist. Es gibt nicht 100 Prozent, das muss klar sein. Aber wir versuchen unser Bestes zu geben, wie jetzt am Beispiel Hochdorf. Diese Halle, rein theoretisch gibt es die nicht mehr, weil 90 Minuten hält die eine Wand und dann ist sie weg. Die Brandeinwirkung war deutlich darüber aufgrund der Ausmaß des Ereignisses. So sind wir nicht, das ist nicht Feuerwehr, wir sind da zum Helfen. Und du hast keine Chance und nutze sie. Auch dieses Motto gilt regelmäßig in Einsätzen und genau so sind wir vorgegangen und wurden in dem Fall glücklich und mit der Gesamtteamleistung Haupt- und Ehrenamt mit dem glücklichen Umstand des Erfolgs belohnt. Ja, auf jeden Fall. Im Vorgespräch haben Sie mir erzählt, dass jetzt auch andere Feuerwehren bei Ihnen anfragen und fragen, wie lief das in Hochdorf und dass man da versucht, Erkenntnisse daraus zu gewinnen. Können Sie das nochmal ein bisschen erzählen? Ja, das ist natürlich jetzt ein nationales Ereignis, was schon relevant ist, weil diese Situation von alten Gebäuden oder älteren Gebäuden, Hallen, Lagerhallen in Industriegebieten, die gibt es überall. Und die Kunst ist ja, solche Gebäude jetzt in die Zukunft zu führen und auch da wieder zeitgemäß, aber verhältnismäßig ausreichend sicher zu machen. Und ausreichend heißt nicht nach aktuellen Normen 100 Prozent wie bei einem Neubau, weil das geht einfach nicht, weil die Bauart ist eine andere, die Glasscheiben sind andere, die Trennwände sind andere. Aber durch gutes Engineering kann man eben Lösungen erarbeiten, die es verhältnismäßig machen, kostenmäßig, aber auch entsprechende Schutzziele erreichen, damit Einsatzkräfte sicher vorgehen können oder eben entsprechende Flächen möglicherweise besser begrenzt werden können. Und da ist die Fachwelt sensibilisiert und jetzt wieder ein großes Beispiel eines Riesenschadenfalls, wo man natürlich jetzt alle gemeinsam in den Expertenrunden lernen möchte. Und dafür gibt es eben die strukturierten Einsatzstellenbegehungen, der gemeinsamen Fachausschuss des Deutschen Feuerverbandes und der Arbeitsgemeinschaft der Berufsfeuerwehren deutschlandweit, die sämtliche Brandeinsätze sammeln, die begangen werden durch Feuerwehren und mit den erst eintreffenden Kräften gesprochen wird, um die Erkenntnisse zu bündeln. Das waren meine ehemaligen Kollegen in München zufällig. Und daher sind auch da die Träte kurz und über die werden wir auch entsprechend berichten. A in die Statistiken, aber auch nochmal in Fachmedien, sobald die Ermittlungsarbeiten der Polizei abgeschlossen sind. Also im besten Fall ist zwar jetzt ein riesiger Schaden finanziell materiell entstanden, aber die Feuerwehrwelt kann daraus ein bisschen Erkenntnisse ziehen und lernen. Müssen wir. Ein lebenslanges Lernen ist bei uns Grund für sicheres Arbeiten. Wenn wir damit aufhören, dann wird es für uns richtig gefährlich und deswegen ist es völlig normal, dass jetzt sehr, sehr viele Kollegen und Kollegen im vorbeugenden Brandschutz auf Feuerwehrseite, als Brandschutzdienststelle, aber natürlich auch im Ingenieursbereich, in den Ingenieurbüros. Großes Interesse haben, die Informationen zu bekommen, was war da, mit welchem Prozess war der, wie lief das, um einfach voneinander zu profitieren und zu lernen. Während wir jetzt heute sprechen, ist ja die Ursache des Brands in Hochdorf noch nicht bekannt, noch unklar. Man weiß bisher aber zum Beispiel, dass eine Sprinkelanlage nicht richtig funktioniert hat und dass jemand vor Ort war als Brandwache, der dann auch tatsächlich Alarm geschlagen hat, der zum Glück nur leicht verletzt wurde. Aber da wird jetzt eben ermittelt und das wird wohl auch noch eine Weile dauern. Können Sie uns mal so ein bisschen beschreiben, wer ermittelt da, wie läuft das, was genau wird da jetzt gemacht? Ja, das sind die normalen Abläufe nach so einem Ereignis. Die Polizei, Kriminalpolizei ist dafür zuständig, die Brandermittlung zu übernehmen, die Brandursache herauszufinden und sucht sich jetzt alle Informationen, die es gibt über das Gebäude, über die Abläufe, über den Tag, über die Personen, die sich da bewegt haben und so weiter. Technischen Einrichtungen, Betriebsabläufe. Das macht die Polizei teilweise unterstützt mit externen Gutachtern, um wirklich möglichst neutrale, objektive Ermittlungsergebnisse zu bekommen. Wir Feuerwehr sind da komplett raus. Wir sind zuständig für die Gefahrenabwehr, bedeutet einfach ausgedrückt das Löschen des Brandes und wenn der gelöscht ist, dann sind wir raus. Genau, deswegen kann ich auch nicht mehr zur Brandursache sagen. Stand heute laufen die Ermittlungen und wir werden irgendwann davon hören, dass hier ein besonderer Druck drauf ist, aufgrund der riesigen Schadenssummen, ist auch klar. Also aktuell 50 Millionen Euro wahrscheinlich drüber. Ja, irgendwo zwischen 50 bis 100 schwanken momentan. So die Aussagen, die Grobschätzung, die Feinzahlen werden jetzt dann kommen. Auch die Versicherer gehen das mit Gutachtern durch, um dann wieder ihre Auszahlungen festzulegen, wie das Ganze bewertet wird. Aber mit all dem haben wir als Feuerwehr nichts mehr zu tun. Wie ist es, wenn man am Löschen ist? Macht man sich dann schon Gedanken darüber, boah, was ist denn hier passiert? Wie konnte das denn ausbrechen? Oder interessiert Sie das in dem Moment gar nicht? In der abklingenden Phase, wenn wir wirklich alles unter Kontrolle haben, dann ich persönlich schaue mir das schon an und habe so ein bisschen den Blick oder auch so die Brandursachenermittlung interessiert natürlich oder habe ich auch mal Kurse dazu belegt zu Studentenzeiten. Daher ist es hochinteressant, wenn man da im Thema steckt, aber es ist nicht unser Job und trotzdem geht es darum zu verstehen, wie hat sich das Feuer ausgebreitet, wo kommt es her, zu welchem Zeitpunkt. Aber jetzt im Fall Hochdorf, also schneller kann die Feuerwehr nicht da sein, denn die Hochdorfer freilige Feuerwehr hat eine Besprechung gehabt, die war gerade zu Ende. Die war mit zehn Mann im Geräthaus, was wenige hundert Meter weg ist. Deswegen waren die so schnell da, wie es eigentlich nicht geht. Auch das ist einer der extrem glücklichen Umstände, dass da Löschmaßnahmen schon eingeleitet werden konnten zum Zeitpunkt, wo eigentlich noch gar keine Feuerwehr da sein kann. Also die haben das dann direkt sofort mitbekommen und sind rüber? Genau, die sind so schnell wie die Berufsfeuerwehr ausgerückt und hatten nur wenige hundert Meter Anfahrt. Daher waren die lange alleine gefühlt. Die mussten das Feuer auch erst suchen, weil das war am Anfang noch klein und auf dem rückwärtigen Bereich, auf dem Gelände, durch das Riesengelände. Und als sie dann den Brand gesehen haben, war der auch noch nicht so groß. Aber als sie die Schläuche gelangstlich umgedreht haben, dann ist wirklich ein Großteil der Halle auf einmal explodiert, würden wir jetzt im Fernsehen sagen, durchgezündet in der Fachsprache. Und das beschreiben die Kollegen als extrem eindrucksvoll. Der Brand jetzt in Hochdorf war ja einer der größten in der Stadtgeschichte Freiburgs. Kannst du mal so ein bisschen einordnen, was hat den Brand so besonders gemacht? Also vielleicht auch ein bisschen im Vergleich zu anderen Großereignissen in der Vergangenheit. In der Berichterstattung war jetzt immer wieder auch Hinweis auf Gruninger, eine Metzgerei, die 2008 war. Abgebrannt ist. Das haben viele wahrscheinlich auch noch sehr eindrücklich in Erinnerung, weil es da auch so eine riesige Rauchsäule gab. Genau, ähnliche Bilder. Können Sie da mal so ein bisschen den Brand jetzt einordnen und vergleichen? Ja, also absolut. Das ist eines der größten und einschneidendsten Brandereignisse in der Freiburger Stadtgeschichte. Über 20.000 Quadratmeter sind abgebrannt. Das ist eine Fläche, das muss man sich wirklich mal am Sonntag Mittag am Fußballplatz entlang gehen, wie groß das ist, wie lang man da spaziergehend entlangläuft, bis man überhaupt ob man diese Fläche umrundet hat. Und gleichzeitig konnten wir knapp 20.000 Quadratmeter schützen. Wenn man jetzt nur nach Theorie vorgeht, ist der Brand eigentlich doppelt so groß, wenn wir es nicht geschafft hätten, diese Wand zu halten. Das muss auch jedem bewusst sein. Und daher ist es schon diese Schwierigkeit und das Risiko, was alle gemeinsam eingegangen sind, auch die Sonderfahrzeuge, die da waren, auch diese Entwicklung, die da Ralf Hohloch angeschoben hat und die Rückende vom Gemeinderat, wie auch Verwaltung bekommen hat, für diese Entwicklungsschritte. Vor 15 Jahren wäre die Brandbeker mit den taktischen Maßnahmen, wie wir es machen konnten, nicht möglich gewesen. Weil einfach diese Entwicklungen, die die letzten 15 Jahre passiert sind, extrem notwendig waren und jetzt gerade in dem Fall massiv dazu beigetragen haben, dass überhaupt dieser Erfolg zustande kam. Also weil man mehr weiß darüber, wie sich so ein Brand ausbreitet oder weil Ihre Einsatztechniken andere sind? Ja, weil die Ausstattung personell wie auch materiell der Feuerwehr, der freiwilligen Feuerwehr, die Sanierung der Gerätehäuser Hochdorf ist frisch eröffnet worden dieses Jahr. wieder auch, dass das Ehrenamt gefördert wird. Deswegen sitzen die da abends, machen Besprechungen, sonst wäre da vielleicht auch keiner, weil man es nur so irgendwie macht. Aber auch die, jede Abteilung steht da voll mit Herzblut dahinter. Und das ist dann der Faktor, warum die so schnell da waren, die ersten Maßnahmen auslösen konnten. Die Hub-Arbeitsbühne, eines der größten Löschgeräte für die ganze Region. Voll im Einsatz, über Stunden, mit der man gezielt Wasser an Stellen bringt, was mit Drehleitern nicht funktioniert oder nur bedingt. Durch das kleineren Maßstab. Und daher viele Faktoren, die Berufsfeuerwehr mit mehreren Fahrzeugen ausrücken kann, statt Sonderfahrzeuge übersetzen, was vor 15 Jahren noch der Fall gewesen wäre. Da auch da die Schlagkraft, die dann aufs Gelände kam, innerhalb der ersten 10 Minuten ausrücken, Deutlich höher, wie das, was noch damals war. Und daher muss man da einen großen Hut ziehen, oder ziehe ich den großen Hut, was da strategisch vorgedacht wurde. Auch politisch die Akzeptanz mit großem Dank schon jetzt von meiner Seite in Richtung Gemeinderat und Stadtspitze. Denn die Maßnahmen waren nie ein Wunschkonzert, sondern immer notwendig und ausreichend. Keine Vergoldung von irgendwas, sondern einfach nur das Ausreichende machen, damit die Leistungsfähigkeit erhalten und zeitgemäß angepasst wird. Zeitgemäß heißt dem Technologiewandel folgend, dem Bauwesen folgend und aber auch den personellen Anforderungen im Haupt- und Ehrenamt folgend. Eine technische Neuerung, die Sie ja auch eingesetzt haben jetzt, die Ihnen wahrscheinlich allein aufgrund der Größe des Areals wahnsinnig geholfen hat, waren Drohnen. Die sind da geflogen, damit Sie einen Überblick haben über das Gelände. Das waren aber gar nicht Drohnen der Freiburger Feuerwehr, wenn ich das richtig verstanden habe. hat Freiburg selber gar keine Drohnen. Wie kann denn das sein? Das waren Freiburger Drohnen, denn durch die interkommunale Konzeption und Zusammenarbeit ist das genauso vorgesehen. Auch das ist eine Maßnahme von Ralf Hohlhoff, der nicht sagt, wir brauchen auch Drohnen, sondern wenn hier eine professionelle Drohnengruppe in akzeptablen Umfeld ist. Dann brauchen wir das nicht selber kaufen, sondern wir machen das gemeinsam im Landkreis und diese Kooperation, die zahlt sich sehr aus und zeigt aber auch, dass man nicht meint, als Berufsfeuerwehr alles selber haben zu müssen, sondern vertraut auf das Ehrenamt im Umfeld. Die Drohnengruppe hat sich völlig autark abgelöst, organisiert, jegliche Bilder, die die Einsatzleitung gewünscht hat, zur Verfügung gestellt. Und das war ein absoluter Selbstläufer und maximal professionell. Und genau das ist für mich auch zukünftig aktive Kooperation, interkommunale Synergien schaffen, Kosten reduzieren, um Wirkung dennoch zu verbessern und zu erzielen. Und daher ist das ein Musterbeispiel für mich, warum Freiburg keine Drohnen hat und aber ganz schnell verfügbar sind für solche Brandereignisse. Und zukünftige Entwicklungen im Drohnenbereich sind extrem. Wir kriegen das im ganzen Umfeld mit und auch militärisch, was das inzwischen bedeutet. Klar, Drohnen sind in aller Munde. Da wird auch nicht der Stillstand sein. Und das heißt nicht, dass das ewig so bleibt, wie es ist. Das ist genau diese konsequente Weiterentwicklung, die wir alle brauchen, die wir auch in Zukunft brauchen werden. Denn Stillstand ist Rückstand, heißen sie ja so oft. Und das ist an dem Beispiel des Brandes sehr, sehr gut zu sehen, wenn man es vergleicht mit den Fähigkeiten 2005 oder 2010. Wenn man da 15, 20 Jahre zurückblickt, als jetzt auf Ralf Horloch bezogen angefangen hat. Das heißt, Sie wollen dann auch in Ihrer Zeit jetzt als Freiburger Chef einen Schwerpunkt legen auf die Zusammenarbeit mit anderen Feuerwehren im Umland? Also möchten, das ist ein Muss für mich, weil ohne Kooperation werden wir keinen Erfolg haben und die wirtschaftlichen Zwänge werden noch deutlich härter werden die nächsten Jahre. Dennoch wird sich die Welt weiterentwickeln. Wir bauen anders, wir bauen enger. Unsere Einsatzfläche, wenn man die Geschossflächen vergleicht durch die Verdichtung im städtischen Bereich, ist enorm. Die Schäden, die bei einem Brandengin sind, sind so groß wie noch nie durch die ganze Technologie, die inzwischen in einem Gebäude steckt. Smartes Gebäude beispielsweise als Schlagwort. Dadurch ist es umso wichtiger, dass wir effektiv, aber eben auch effizient Brände bekämpfen können, Unfälle und sonstige Krisen- und Notfalllagen bearbeiten. Und dafür braucht es entsprechende Entwicklungen, sei es im technischen, personellen, aber auch IT-Bereich. Denn wir müssen die Werkzeuggleichheit herstellen, so wie die Welt arbeitet, müssen wir auch arbeiten. Sonst laufen wir hinterher. Und das geht dann bis in die Krisenkommunikation und das Screening von Online-Medien, damit wir wissen, welche Stimmung, welche Information hat die Öffentlichkeit, denn dass Paniksituationen entstehen. Wenn schlecht kommuniziert wird oder zu langsam durch die öffentliche Hand, bedeutet in unserem Fall die Stadt Freiburg oder die Feuerwehr Freiburg, dann kann das Lagen erzeugen, die es eigentlich gar nicht gibt. Und deswegen müssen wir in der digitalen Welt, wie in der analogen, parat sein und uns dort konsequent weiterentwickeln. Das heißt, die Feuerwehr der Zukunft geht insgesamt mit den gesellschaftlichen Entwicklungen mit und passt sich da an. Genau. KI muss Selbstverständnis sein in verschiedensten Anwendungen. Führt keinen Weg dran vorbei, denn die Daten, die zur Verfügung stehen, können wir super nutzen. Und deswegen, ja, sonst haben wir teilweise keine Chance mehr, muss man so deutlich sagen, bei gewissen Situationen. Und Freiburg speziell jetzt ist ja eine Stadt, die enorm wächst. Also wenn ich da an kleinen Escholz denke, an Dietenbach, überall wird gebaut. Wir haben auch gerade schon gesagt, es wird enger gebaut. Genau. Da muss sich die Feuerwehr wahrscheinlich auch anpassen. Genau, da kommen dann wieder Fahrzeugtechnik, Ausbildung, Trainingsformate dazu, die wir brauchen, um eben auf diese Situation vorbereitet zu sein. Gleichzeitig haben wir aber eine tolle Altstadt, die Herausforderungen bringt. Wir haben moderne Industriegebiete, wir haben Neubaugebiete. Dort haben wir kulturell neue Entwicklungen, die alle auf uns zukommen. Und damit wird es uns sicher nicht langweilig die nächsten Jahre. Und es ist ganz wichtig, dass wir da mit offenen Augen, aber eben immer mit Maß und Ziel weiter vorangehen. Gibt es weitere Schwerpunkte, die Sie noch setzen wollen? Gibt es Dinge, die Sie vielleicht auch anders machen wollen als die Vorgänger? Also mein Credo ist, dass ich jetzt sehr, sehr viel zuhöre, sehr, sehr viel verstehen will, die ersten klassischen 100 Tage. Die Organisation dahin bringen will, gemeinsam mit den Kollegen und Kollegen, die schon sehr viel vorgearbeitet haben, weil es schon vorgelagerte Projekte gab. Die werde ich jetzt Ende Oktober sehen. Und dann werden wir da relativ schnell Umsetzungen machen, so dass es optimal ist für alle. Denn nur wenn gutes Personal gut arbeiten kann, können auch gute Ergebnisse kommen. Und vor allem Synergien entstehen zwischen Fachabteilung intern, aber eben auch externen Organisationen und interkommunaler Zusammenarbeit in der Region bis hin zu grenzüberschreitend, wenn man in Richtung Schweiz-Basel hier mitten als Hauptstadt, deutsche Hauptstadt im Dreiländereck das Ganze beblickt. Sie sind jetzt als neuer Feuerwehrkommandant in Freiburg ja für gut tausend Einsatzkräfte oder Menschen in Ihrem Amt sozusagen zuständig. Sie haben aber ja auch Verantwortung für die Stadt, für die Sicherheit der Menschen in der Stadt. Wie geht man denn damit um? Wie gehen Sie damit um mit dieser Verantwortung? Ich gehe damit um, dass ich die Verantwortung habe, ja, dass ich sie aber auch übernehmen darf. Das ist für mich auch eine Ehre, hier in der Heimat in dieser Rolle wirken zu dürfen, mit allen Partnern und Playern und Kolleginnen und Kollegen zusammen. Betonung wieder auf Haupt- und Ehrenamt. Und gleichzeitig durch die enge Vernetzung, die Stück für Stück jetzt erarbeitet wird, genau das Thema verstehen innerhalb der Stadtverwaltung, komme ich tiefer in die Themen rein. Wie läuft es bisher von aktuell schon mittendrin Weihnachtsmarkt und Sicherheitskonzepten, bis hin zu den Münsterplatzkonzerten wieder im Sommer und den inzwischen internationalen Sportereignissen auf grünem Rasen, die wir in der Stadt haben dürfen. Auch das hat alles seine Auswirkung. Aber durch die Vernetzung der verschiedenen Ämter, sei es wenn es um Straßen, Grünflächen oder Absperrungen geht und öffentliche Ordnung, wird auch das wieder als Teamleistung notwendig sein. Zeitgemäß zu gestalten und den Wandel mitzugehen und damit auch Freiburg so weit sicher zu machen, dass die Bürger sich wohlfühlen und glücklich in Freiburg auf Veranstaltungen gehen. Wir sehen jetzt häufiger auch das Ehrenamt betont. Auch in Hochdorf waren ja sehr, sehr viele freiwillige Feuerwehrleute im Einsatz. Sie selber kommen ja auch aus dem Ehrenamt. Ich habe mal bei der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt nachgefragt, wie es so um das Ehrenamt in Deutschland steht. Deren Vorständin Katharina Peranitsch hat mir gesagt. Das Ehrenamt und Engagement ist im stetigen Wandel. Wir merken in Deutschland, dass sich sehr viele Menschen engagieren. Und der Freiwilligen-Survey, der alle fünf Jahre erhoben wird, stellt fest, dass es 28,8 Millionen Menschen sind. Von daher sehe ich nicht, dass das Ehrenamt in der Krise ist. Ich kann aber beobachten, dass es viele Veränderungen gibt. Beispielsweise der Zeiteinsatz, der im Ehrenamt oder im Engagement zur Verfügung gestellt wird, sinkt. Menschen engagieren sich viel stärker in Projekten, also kurzfristig. Für kurzfristige Einsätze ist es sehr einfach, Menschen zu finden, wo es Problematiken gibt. Und das wissen wir aus Studien, aber auch aus eigenen Beobachtungen und aus Gesprächen, ist die Besetzung von Ehrenamtsfunktionen, wie beispielsweise Schatzmeister oder Vorstandspositionen. Aber es gibt nach wie vor fast 40 Prozent der Bevölkerung, die sich in ihrer Freizeit engagieren. Ich habe Frau Piranitsch dann auch gefragt, was man denn tun könnte, um das Ehrenamt zu stärken. Menschen, die sich engagieren, tun dies aus einem ganz eigenen Antrieb. Nichtsdestotrotz empfehlen wir hier auch viel Anerkennung und Wertschätzung zu geben. Nicht nur von den Mitmenschen, sondern eben auch im Verein und eben auch aus der Leitungsebene heraus. Auch ist hier der Staat gefordert, aber auch die Wirtschaft, beispielsweise Arbeitgeber, könnten ihre Mitarbeitenden dabei unterstützen, sich zu engagieren, indem sie ihnen beispielsweise ein monatliches Zeitbudget dafür zur Verfügung stellen. Herr Emrich, die Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt sagt, die Menschen engagieren sich heute vor allem kurzfristig. Was glauben Sie denn, woran liegt es? Das ist genau der Lebenswandel und einer dieser Wandelprozesse, denen wir mitgehen müssen. Ich sage immer, Ehrenamt muss hauptamtlich oder professionell gemanagt werden. Denn wenn ich auch mich ehrenamtlich irgendwo engagiere, dann will ich wissen, wann ich wo sein soll, was ich mache und bis wann. Und dann mache ich das auch sehr gerne. Wenn ich aber irgendwo hinkomme und ja, kannst du mal kommen oder kannst du nicht kommen, dann fühle ich mich vielleicht nur bedingt ernst genommen. Warum soll ich mir jetzt die Zeit nehmen? Könnte ich auch mit den Kindern verbringen oder mit Freunden oder Nachbarn oder zu Hause irgendwas machen? Wenn ich aber weiß, da ist jemand, der hat einen Plan von dann bis dann, das ist mein übersichtlicher Aufwand und das ist nichts, wo man jetzt jahrelang am Fuß hängen bleibt, dann sind die Leute bereit und ich behaupte seit Corona so bereit wie nie. Aber genau das ist Veränderung. Wir müssen diese Organisation so gestalten, dass ich eben diese Übersichtlichkeit habe und dass ich in Projekten denke. Weil zu sagen, von Mai bis Ende Juni wollen wir das und das machen, da sind die Leute dabei. Wenn es heißt, wir fangen im Mai an und dann schauen wir mal, dann wird es schwierig. Und dann wird es auch im modernen Familien- und Arbeitsleben schwierig, weil es nicht mehr abschätzbar ist. Und egal wie die Kindererziehung beispielsweise geteilt wird oder nicht geteilt wird, wird es keine Akzeptanz geben. Wenn aber klar ist, das ist die Wirkung, das ist der Aufwand, dann ist das alles transparent. Und das geht aber nicht von alleine, sondern das muss durch professionelle Organisationen ermöglicht werden. Und dann ist Ehrenamt aus meiner Sicht so leistungsfähig wie noch nie. Das finde ich jetzt spannend, dass Sie sagen, seit Corona haben Sie den Eindruck, sind die Menschen noch einsatzbereiter als vorher. Aber mein Eindruck ist eigentlich eher, dass es so ein bisschen so eine Spaltung in der Gesellschaft gibt, auch nicht nur, aber auch durch Corona und nach Corona und seit Corona. und dass da eigentlich die Leute so ein bisschen auch keine Lust haben, sich da zu engagieren. Woher kommt da Ihr Eindruck? Es ist genau dieser Knackpunkt Qualität. Wenn ich qualitativ gut organisiert bin, alle Organisationen, sei es Sportvereine, Kirchen, wer das sehr professionell macht, Hauptamt hat, das zu organisieren, die Markenbildung dazu auch betreibt, der hat Zulauf ohne Ende. Wer das vor sich hin blänkeln lässt und so macht, wie schon immer, der blutet aus. Und das ist auch bei uns in der Feuerwehrwelt sehr deutlich zu beobachten. Aber wenn da eine klare Linie ist mit ordentlicher Ausstattung, sauberer Onboarding-Prozesse und die Leute haben direkt ihr Trikot in der Hand... Ziehen die mit. Und wenn die dann in einer adäquaten Zeit ausgebildet werden, die wollen helfen und es geht nicht mehr zwei, drei Jahre und ich muss auf einen Lehrgang warten, sondern dann ist klar, fang an, schau es dir an, wenn wir uns alle verstehen, dann kannst du heute kommen und im Januar geht der Lehrgang los, dann kannst du den Urlaub planen oder mit deinem Arbeitgeber sprechen oder die Freistellung beantragen. Dann hat man Lösungen und man hat klare Schritte und dann sind die Leute dabei. Und ich habe ja selber auch verschiedene Projekte in den letzten Jahren hier in der Region schon gemacht. während meiner Zeit am Regierungspräsidium und es wird angenommen. Genau diese Formate sind überbucht, wo es kompakt, sauber, professionell, aber mit hauptamtlichen Ausbildern beispielsweise gearbeitet wird. Nicht, weil Ehrenamt schlecht ist, sondern weil Ehrenamt morgens um 8 bis mittags um 4 einfach im Hauptjob ist. Und das macht dann den Unterschied und da müssen wir einfach weitermachen und dann ist es kein Problem, die Leistungsfähigkeit des Ehrenamts da zu halten, wo es ist und sogar zu spezifizieren und auch neue Zielgruppen zu gewinnen, insbesondere im IT- oder Medienbereich, die bisher nie bedient wurden, weil das Feuerwerk klassisch aus dem Handwerk kommt, das auch braucht. Aber inzwischen müssen wir auch Social Media bedienen, wir müssen Pressearbeit machen. Wir müssen IT-Systeme und Feuerwehrverwaltung machen, weil die Normen so viele Vorschriften machen, dass die Geräte sicher sind. Die sollen auch sicher sein, damit wir diese tiefen Angriffswege machen können, wie in Hochdorf. Wenn wir jetzt nochmal einen Schritt zurückgehen, bevor die Feuerwehr kommt, was sind denn so die häufigsten Brandursachen im Privathaushalt oder im Büro? Worauf sollte ich unbedingt achten, um Brand zu vermeiden? Früher war es ja der klassische elektrische Defekt. Das heißt, die Kaffeemaschine, die Filterkaffeemaschine ist heiß gelaufen. Oder der Mehrverstecker, das gibt es nach wie vor, irgendwann überlastet. bzw. Mehrfachstecker an Mehrfachstecker, sowas macht man einfach nicht und das ist auch nicht geeignet. Heute haben wir aber zum Beispiel die Akkuthematik, jeder hat zig Akkus dabei, die super unser Leben verändert haben, super helfen, aber mein Handy sollte ich eben nicht auf der Couch liegen lassen und möglichst noch ein Kissen drüber, weil dann kann der Akku überhitzen und dann kann Brand entstehen, weil der Akku den Sauerstoff in sich schon gespeichert hat und auch sehr starke, schnelle Brandentwicklung verursachen kann. Auch sowas haben wir vor 20 Jahren nicht gebraucht, weil da gab es keine Lithium-Ionen-Akkus, zumindest nicht in der Massenanwendung in der Bevölkerung. Und damit sind wir wieder beim Thema Technologiewandel aktiv begleiten, aber eben auch Brandursachen, völlig andere Thematik und Brandschäden, was ich vorhin schon mal kurz angerissen hatte, völlig andere Dimensionen aufgrund der Technologie, die in Gebäuden, Wohnungen oder auch Arbeitsplätzen integriert und eingebaut ist. Und wenn ich jetzt zu Hause oder im Büro oder wo auch immer Rauch sehe, ein Feuer entdecke, wie sollte ich reagieren? Genauso wie der Erstmeldende in Hochdorf, weil der hat es extrem schnell gemeldet, das war sensationell und sofort die 112 rufen, sagen wo man ist, die Adresse und dann kann die Leitstellen, Kolleginnen und Kollegen sofort alarmieren und Rettungskräfte hinschicken. Abschließend hätte ich noch eine Kinderfrage. Sie sind ja selber auch Vater. Viele Kinder finden ja Feuerwehr total spannend und wollen selber vielleicht auch Feuerwehrmann, Feuerwehrfrau werden. Was war denn Ihr Bild, Ihre Vorstellung als Kind von einem Feuerwehrmann und hat sich diese Vorstellung bewahrheitet? Im Dorf wurde ich geprägt von richtigen Schaffern, auf Badisch gesagt, die anpacken, die da sind, wenn irgendwo ein Problem ist. Und das ist, glaube ich, auch wirklich die Grundmentalität, die Feuerwehr ausmacht und das Ganze eben immer gemeinsam und nicht ein allein, weil ein allein ist nichts. Und daher ist das Team auch da im Vordergrund mit gutem Handwerkswissen und verschiedensten vorgelagerten Kenntnissen, die jeder mitbringt mit seinen Stärken und Schwächen. Und so bin ich aufgewachsen, so durfte ich aufwachsen und so komme ich auch hier in Freiburg an. Etwas fulminant, aber genau dieselbe Teamleistung, die mal wieder extrem beeindruckend war. Ja, und so wollen Sie jetzt auch Ihre Zeit hier an der Spitze der Freiburger Feuerwehr gestalten. Absolut. Im Team. Herr Emrich, ich danke Ihnen sehr, dass Sie da waren. Vielen, vielen Dank fürs Gespräch. Sehr gerne. Danke für die Einladung. Und euch vielen Dank fürs Zuhören. Bis zum nächsten Mal. Das war BZ am Ohr, der Podcast der Badischen Zeitung.