Latest / ntv Wirtschaft / Streit um Arbeitszeit: Können wir uns die 35-Stunden-Woche noch leisten?
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- 0:02Die Wirtschaft debattiert über die 35-Stunden-Woche. Bei den Mieten geht es weiter nach oben.
- 0:08Und wer Gold verkaufen will, sollte genau hinschauen.
- 0:11In diesem Podcast verwandeln moderne KI-Systeme journalistische Inhalte,
- 0:15die auf unseren NTV-Plattformen publiziert wurden, in ein neues Hörformat.
- 0:21Text und meine Stimme wurden mithilfe künstlicher Intelligenz erzeugt.
- 0:25Vor der Veröffentlichung werden alle Folgen nach strengen journalistischen Standards
- 0:29geprüft. Viel Spaß beim Zuhören.
- 0:33Ist die 35-Stunden-Woche noch zeitgemäß? Der Unternehmer Nikolas Stiel hat über
- 0:39diese Frage eine neue Debatte angefacht.
- 0:42In einem Interview erklärte der Aufsichtsratschef des Kettensägenherstellers
- 0:46Stiel, in guten Zeiten habe sich Deutschland die 35-Stunden-Woche leisten können.
- 0:52Aktuell könne man das nicht mehr.
- 0:54Eine Verlängerung der Arbeitszeit würde die Arbeitskosten relativ schnell senken.
- 0:59Ähnliches hatte zuletzt auch ein Chefaufseher von Mercedes-Benz angeregt.
- 1:04In der Autoindustrie ist die 35-Stunden-Woche bei den tarifgebundenen Unternehmen Standard.
- 1:10Gesetzlich vorgeschrieben ist sie aber nicht. Jörg Böker hat darüber mit Michael
- 1:14Hüther gesprochen, dem Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft.
- 1:18Hat Herr Stiel recht, können wir uns die 35-Stunden-Woche eigentlich nicht mehr leisten.
- 1:25Wir haben zwei Argumente, die hier zusammenkommen. Das eine sind die Arbeitskosten
- 1:29und in der Tat müssen wir darauf achten, dass bei den Arbeitskosten wir in ein
- 1:33Feld der Wettbewerbsfähigkeit zurückkehren, denn mit allen anderen Standortkosten
- 1:37ist das einer der belastenden Faktoren und das merken wir beim Export.
- 1:40Das zweite Argument ist, in einer demografischen Übergangssituation,
- 1:44die wir uns seit letztem Jahr befinden, 60 Jahre nach dem Beginn des Pillenknicks,
- 1:48bis etwa Mitte der 30er Jahre, sehen wir, dass die Babyboomer massiv aus dem
- 1:52Arbeitsmarkt ausscheiden.
- 1:54Am Ende der Legislatur verglichen mit dem Beginn werden etwa 3,1 Millionen Menschen
- 1:58weniger im Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, als wir es vorher hatten.
- 2:02Und insofern haben wir eine Verknappung und wir haben ein Arbeitskostenproblem
- 2:06und beides argumentiert in die gleiche Richtung.
- 2:09Darüber muss in der Tat vernünftig diskutiert werden. Jetzt ist ja auffällig,
- 2:13dass gerade da, wo 35 Stunden, Wochen angesagt sind, im Druck,
- 2:17beim Metall und so weiter, die Wirtschaft besonders große Herausforderungen hat.
- 2:21Könnte man das tatsächlich ein bisschen abfedern, abdämpfen mit dem alten 40-Stunden-Modell?
- 2:29Nun, wenn man das so macht, wie hier gefordert, nämlich ohne Lohnausgleich,
- 2:32in der Tat, dann hätte man eine höhere Arbeitszeit verfügbar zum gleichen Kostenvolumen.
- 2:38Und das bedeutet natürlich, dass die Stückkosten sinken und dass man damit auch
- 2:41bei den Preisen auf den internationalen Märkten leichter mithalten kann.
- 2:45Wir müssen einfach zur Kenntnis nehmen, dass die Angebote von anderen Anbietern
- 2:50der Welt, ob das nun aus China ist oder sonst, aber gerade China,
- 2:53ja nicht nur preislich, sondern auch technologisch mittlerweile aufgerückt sind,
- 2:56manchmal sogar uns überrundet haben.
- 2:58Und dann ist in der Tat schlicht und ergreifend die Ableitung,
- 3:01dass wir uns manche Kostenniveaus so nicht mehr leisten können und dass da Abstriche
- 3:05gemacht werden können. Ansonsten werden die Arbeitsplätze nicht zu halten sein.
- 3:09Jetzt haben wir ohnehin die Diskussion, später in Rente gehen,
- 3:12jetzt auch noch länger arbeiten.
- 3:14Und ganz ehrlich, viele Menschen empfinden ja das Modell der 40-Stunden-Woche
- 3:17als viel zu starr, da einfach nach acht Stunden Arbeit am Tag ziemlich wenig
- 3:22Zeit für Familie, Hobbys und Erholung bleibt. Spielt das am Ende keine Rolle?
- 3:28Natürlich spielt das auch eine Rolle. Und insofern ist die Frage,
- 3:31wie man ein höheres Arbeitsvolumen mit höherer Flexibilität des Einsatzes der
- 3:35Arbeit und damit auch höhere Souveränität bei den Beschäftigten kombinieren kann.
- 3:39Befragungen, die wir gemacht haben, sagen 77 Prozent der Beschäftigten,
- 3:43dass sie durchaus bereit sind, mehr zu arbeiten.
- 3:46Aber es muss dann ein paar Bedingungen auch mit in den Blick genommen werden.
- 3:49Zum einen beispielsweise, dass vom Brutto zu wenig Netto übrig bleibt.
- 3:53Insofern ist es nicht nur eine Geschichte der Tarifvertragsparteien,
- 3:57die natürlich die hier entscheidenden Regeln treffen, aber der Staat mit seinem
- 4:01hohen Steuer- und Abgabenkalk, gerade im mittleren Bereich
- 4:05und das, was Herr Klingbeil jetzt vorgelegt hat, ist ja nur ein Tropfen auf
- 4:08dem heißen Stein, hat einen Beitrag zu leisten.
- 4:11Hier muss mehr Leistung dann auch sich lohnen, indem vom Brutto Netto mehr übrig
- 4:15bleibt. Also das sind alles Bedingungen, die damit hineingehören.
- 4:19Insofern ist es auch keine einfache Debatte.
- 4:21Aber wir werden in einer Situation der demografischen Alterung und des verschärften
- 4:25internationalen Wettbewerbs an ihr nicht vorbeikommen.
- 4:28Sie haben die Tarifparteien gerade schon angesprochen, Herr Hüther.
- 4:30Wie werden die reagieren, wenn die Gespräche beginnen? Ich glaube,
- 4:33Vorfreude sieht wahrscheinlich jetzt schon ziemlich anders aus, oder?
- 4:38Ja, ich glaube, auch die Gewerkschaften erkennen natürlich, dass die Lage brenzlig
- 4:43ist, dass wir fortlaufende Industriearbeitsplätze verloren haben,
- 4:48dass vieles davon natürlich auch,
- 4:50aus dem chinesischen Wettbewerb sich erklärt, aber dass wir darauf antworten müssen.
- 4:55Das Problem ist ja immer bei einer Debatte, die über Jahrzehnte nur eine Richtung
- 4:58kannte, nämlich die Verkürzung der Wochenarbeitszeit, die Verkürzung auch der Lebensarbeitszeit.
- 5:03Die zu drehen unter veränderten Bedingungen, das ist natürlich besonders schwierig.
- 5:07Das erfordert viel Vernunft, viel Einsicht, viel Bereitschaft,
- 5:11auch die Tatsachen anzuerkennen und das schlicht und einfach auch zu vermitteln in die eigenen Gruppen.
- 5:16Da werden beide Seiten natürlich Kompromissbereitschaft zeigen müssen,
- 5:20aber eine Blockadehaltung, das können wir uns im Grunde nicht leisten und das
- 5:24ist die Botschaft dieser Debatte.
- 5:25Von Arbeitszeiten weiter zu hohen Mieten.
- 5:28Die ziehen angesichts fehlender Wohnungen kräftig an. Das zeigen jetzt Daten
- 5:32des Verbands Deutscher Pfandbriefbanken.
- 5:35Demnach stiegen die Neuvertragsmieten in Mehrfamilienhäusern im zweiten Quartal
- 5:39um 3,2 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
- 5:43Die Preise von Büros und Handelsobjekten gaben hingegen etwas nach.
- 5:48Woran liegt das und welche Lösungen gibt es für die hohen Mieten?
- 5:52Das hat Jörg Böker mit Jens Tolk mitbesprochen, dem Hauptgeschäftsführer des
- 5:56Verbands Deutscher Pfandbriefbanken.
- 5:58Sinkende Preise bei Gewerbeimmobilien, leicht steigende Preise bei Wohnimmobilien.
- 6:03Wo sehen Sie die Hauptursachen für diese beiden Trends?
- 6:08Ja, guten Morgen, Herr Böker. Die Hauptursachen liegen wohl in dem allgemeinen
- 6:14Umfeld, geopolitischen Umfeld, in einem Zinsanstieg, der sich aufgrund gestiegener
- 6:19Inflationserwartungen materialisiert hat.
- 6:21Wir liegen heute bei den Zinsen etwa 30 Basispunkte oder 0,3 Prozent höher als noch vor einem Jahr.
- 6:28Das hat alles Auswirkungen auf die Nachfrage nach Immobilien.
- 6:31Und natürlich die Konjunktur in Deutschland, die schwächelt.
- 6:34Und das wirkt sich, genau wie die anderen Faktoren, tendenziell stärker auf
- 6:38Gewerbeimmobilien aus als auf Wohnimmobilien und deswegen auch die Zweiteilung in diesem Markt.
- 6:45Ist das eigentlich eine überraschende Entwicklung, eine gute oder eine schlechte
- 6:49Entwicklung? Wie ordnen Sie das ein?
- 6:52Wir haben seit mehreren Quartalen darauf hingewiesen, dass wir es für möglich
- 6:56halten, aufgrund der Rahmenbedingungen, die wir in Deutschland speziell wirtschaftlich,
- 7:01aber auch global vorfinden, mit Rückschlägen oder Rückschritten am Immobilienmarkt rechnen müssen.
- 7:06Das materialisiert sich jetzt ein wenig, insbesondere bei Gewerbeimmobilien.
- 7:10Insofern ist es für uns nicht wirklich überraschend.
- 7:13Bei Wohnimmobilien ist, wie gesagt, die Verbindung zu diesen Rahmenbedingungen
- 7:19nicht ganz so stark. Und da dominiert weiterhin die große Knappheit an Wohnraum,
- 7:24also die Übernachfrage nach Wohnraum.
- 7:26Und das lässt die Preise weiter steigen.
- 7:29Das würde ich sagen, erklärt es und war in dieser Form absehbar.
- 7:32Vielleicht hätte man sogar sagen können, in den letzten Quartalen eigentlich
- 7:36überraschend, dass die Preise doch mit einem veränderten Zinsumfeld seit 2021
- 7:42so stark gestiegen sind.
- 7:45Jetzt normalisiert sich das. Kann man eigentlich aus Ihrer Sicht aus der Not eine Tugend machen?
- 7:49Oder anders gesagt, wenn die Gewerbeimmobilien immer günstiger werden oder weniger
- 7:54teuer, könnte man die nicht umwandeln in Wohnimmobilien? oder ist das am Ende
- 7:59viel zu teuer und lohnt sich nicht?
- 8:03Tatsächlich scheint es so, dass die Umwandlung von Gewerbeimmobilien in Wohnimmobilien
- 8:07eine Option sein kann. Sicherlich nicht die einzige.
- 8:10Der Umbau von Gewerbe in Wohnen ist teuer. Es gibt völlig andere Anforderungen
- 8:15an Wohnimmobilien. Auch die Räumlichkeiten.
- 8:20Wenn Sie an Großraumbüros denken, die Räumlichkeiten eignen sich nicht immer,
- 8:23sodass die Baumaßnahme größer ist.
- 8:25Also ja, ein Element und hoffentlich eines der Elemente, die dann irgendwann
- 8:30auch an Fahrt gewinnen, aber nicht das alle glücklich machende Element,
- 8:35um die Wohnraumknappheit zu reduzieren.
- 8:38Und jetzt wird es goldig. Ein Erbstück, Schmuck oder eine Münze.
- 8:43Viele Menschen haben kleinere Wertgegenstände aus Gold zu Hause.
- 8:47Und der eine oder andere hat sicherlich auch schon mal darüber nachgedacht,
- 8:50etwas davon zu Geld zu machen.
- 8:53Doch damit das klappt, gibt es einige wichtige Dinge zu beachten.
- 8:56Welche das sind, darüber hat Sibylle Schaar mit Frauke Holzmeier gesprochen,
- 9:01der Leiterin der Wirtschaftsredaktion.
- 9:03Wenn man das jetzt zu Geld machen will, worauf muss ich da eigentlich achten?
- 9:06Wichtig ist natürlich erstmal ungefähr selbst zu wissen, wie viel könnte mein
- 9:10Schmuckstück, der Ring, den ich vielleicht habe, oder auch die Münze denn wert
- 9:13sein, das vorher einmal ausrechnen und dann zum Händler gehen, gut informiert gehen.
- 9:17Also es gibt da eigentlich eine sehr einfache Rechnung, die man machen kann.
- 9:20Man nimmt einfach das Gewicht in Gramm, mal Feingehalt und dann mal den Goldpreis in Gramm.
- 9:27Dann hat man eben den Materialwert. Und ich habe das auch mal ausgerechnet.
- 9:31Jetzt sagen wir mal, wir haben einen Ring, der 10 Gramm wiegt.
- 9:35Und das mit einer 585er-Legierung, auf die muss man ja auch immer schauen,
- 9:39muss man das mal 0,585 nehmen und dann noch den Goldpreis und liegt dann bei über 708 Euro.
- 9:47Das ist immer ganz gut, finde ich, das sich vorher einmal auszurechnen.
- 9:51Aber ganz wichtig, der Händler will verdienen. Man bekommt in der Regel dann
- 9:54nicht den Materialwert, sondern nochmal einen Abschlag, der abgezogen wird.
- 9:57Das kann dann bei 5 bis 20 Prozent liegen, die man nochmal runtergehen muss,
- 10:01je nachdem, was man verkauft.
- 10:03Du sagst es gerade, der Händler möchte natürlich mitverdienen,
- 10:06was ja auch okay ist. Aber woran erkenne ich wirklich einen seriösen Händler,
- 10:10dass der mir ein vernünftiges Angebot macht?
- 10:13Ja, einerseits, dass er dir ein gutes Angebot macht, dass er aber vor allem
- 10:15natürlich transparent ist, also der den aktuellen Goldpreis auch nennt,
- 10:19sich nicht unter Druck setzt, eine Waage vor Ort hat, die zum Beispiel geeicht ist.
- 10:24Aber bloß nicht auf ein Angebot verlassen, lieber mal zwei, drei Angebote einholen
- 10:29und im Zweifel auch verhandeln und sagen, nee, mit dem Preis bin ich noch nicht zufrieden.
- 10:32Jetzt haben wir über den Händler vor Ort gesprochen. Das ist natürlich einfacher,
- 10:35wenn man sich vielleicht auch von Gesicht zu Gesicht sehen kann.
- 10:39Aber es gibt auch die Möglichkeit, das Ganze online zu machen.
- 10:41Das funktioniert natürlich auch.
- 10:44Das kann auch sehr gut funktionieren. Auch da kann man sogar verhandeln per
- 10:47E-Mail. Das haben auch Kollegen von uns schon ausprobiert. Also auch kein Problem.
- 10:51Darauf achten, wo sitzt denn der Goldhändler?
- 10:54Hat er seinen Sitz in Deutschland? Und vor allem natürlich das Päckchen,
- 10:57wenn man dann das Schmückstück versendet, unbedingt versichern lassen.
- 11:01Ist ja eine Menge wert. Und zum Schluss noch dieses Thema.
- 11:04Die anziehenden Preise infolge des Irankriegs belasten einkommensschwache Haushalte
- 11:08in Deutschland deutlich stärker als Wohlhabende.
- 11:11Das zeigt eine Studie des Münchner IFO-Instituts.
- 11:15Man sehe, dass ärmere Haushalte einem Preisschock schlechter ausweichen können, heißt es.
- 11:20Auch ältere Menschen sind stark betroffen. Unter anderem, weil ihnen kein Lohneinkommen
- 11:25als Puffer zur Verfügung steht.
- 11:28Das war unser Blick auf die aktuellen Nachrichten aus der Wirtschaft für den Moment.
- 11:32Wir hören und lesen uns wieder bei NTV, in der App, im TV oder hier im Podcast.