Latest / Erstklassisch mit Mischke - Klassik hautnah / Dirigentin Marie Jacquot: „Ich mag überhaupt keine Konzerte“
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- 0:00Diese Sternen, die sie in den Augen gehabt haben, diese Liebe,
- 0:04diese Energie, die sie mir zurückgegeben haben und das Publikum,
- 0:09das Orchester gegeben haben, werde ich eben nie im Leben vergessen, weil,
- 0:14diese Verbindung war wirklich,
- 0:17einmalig.
- 0:18Und Sie sehen jetzt, wenn ich darüber spreche, werde ich auch emotional.
- 0:25Erstklassisch mit Mischke, der musikalische Podcast des Hamburger Abendblatt.
- 0:36Schönen guten Tag zu einer neuen Folge. Ich nehme mal ein bisschen Anlauf.
- 0:39Mein Gast hat ein bewegtes Vorleben. Mit der Musik haben ihre beiden Eltern
- 0:44nichts zu tun, aber jedes von den drei Kindern musste sich für einen Sport und
- 0:47ein Instrument entscheiden. Sie hat sich für Tennis, Klavier und mit zehn für
- 0:50die Posaune entschieden.
- 0:51Mit 15 war sie eine der besten Tennisspielerinnen in Frankreich.
- 0:54Dann hat sie den Schläger buchstäblich weggeworfen, ist dann in Wien durch die
- 0:58Aufnahmeprüfung gefallen für Posaunen und hat zwei Wochen später dann die Dirigierklasse geschafft.
- 1:02Sie hasst neue Musik und hat um die 100 Uhr Aufführung dirigiert.
- 1:05Sie hasst die Oper angeblich und leitet heute die Oper in Kopenhagen.
- 1:09Seit kurzem ist sie Chefdirigentin beim WDR, als erste Frau an der Spitze von
- 1:13einem ARD-Klangkörper.
- 1:15Am 25. Oktober ist sie in der Elbphilharmonie damit und sie hat einen Satz gesagt,
- 1:18den man eher selten hört von Dirigentinnen oder auch von Dirigenten.
- 1:21Ich strebe nicht nach Perfektion, sie interessiert mich nicht.
- 1:23Wir haben also wohl so einiges zu bereden, aber erst mal Bonjour Marie Jacot, schön, dass Sie da sind.
- 1:29Was für eine Kurzfassung, glaube ich. Ja, gern geschehen.
- 1:33Gut, dann ich nehme mal ein klein bisschen Anlauf weiter noch,
- 1:36weil ich habe mich gefragt, Sie sind damals mit Ihren Eltern zwölf Stunden von
- 1:41Chartres nach Wien gefahren und haben da die Aufnahmeprüfung gehabt,
- 1:43dann sind Sie durchgefallen. Wie war denn so die Stimmung auf der Fahrt zurück?
- 1:49Ich glaube, die Stimmung war nicht so schlecht, weil ich bin ein Mensch,
- 1:54die in dem heutigen Tag sehr lebt und nicht wirklich an die Vergangenheit oder die Zukunft denkt.
- 2:01Und ja, als ehemalige Tennis-Spielerin habe ich sehr, sehr viele Matcher verloren.
- 2:08Und ich glaube, das war eben nicht eine Niederlage, sondern eine Möglichkeit, sich zu verbessern.
- 2:16Und das Licht zwei Wochen später hat es funktioniert, denn die Regieraufnahmeprüfung.
- 2:23Geklappt hat. Ja, war das dann der Moment, wo Sie gedacht haben,
- 2:27jetzt ist mein Leben doch noch gerettet?
- 2:29Also Tennis ausgehört, Posaune versägt und dann womöglich noch beim Dirigieren
- 2:33durchfallen, dann bleibt Ihnen nichts mehr außer Bank leere.
- 2:38Ich würde es nicht so sagen. Ich habe einfach Sachen gemacht,
- 2:43die mich Freude verbreitet haben und es hat tatsächlich funktioniert.
- 2:50Und wenn es nicht funktioniert hätte, hätte ich wahrscheinlich was anderes gemacht.
- 2:55Also was hat sich leider oder zum Glück nicht gestellt, aber ich hätte was anderes
- 3:02gefunden auf jeden Fall.
- 3:03Gut. Wann haben Sie denn das letzte
- 3:05Mal eine Posaune nicht nur in der Hand gehabt, sondern auch gespielt?
- 3:09Das war, glaube ich, vor drei Jahren, als das Orchester der Oper in Kopenhagen,
- 3:19575 Jahre alt geworden ist.
- 3:22Und ich durfte mit meinem Brass-Kollegen ein kleines Stück mitspielen.
- 3:31Ich habe die Spiele gelassen und so getan, als ob ich noch spielen konnte.
- 3:35Also vor drei Jahren ungefähr. Na gut.
- 3:39Von Ihnen habe ich ein Zitat gefunden, nämlich Ich mag das Wort Erfolg nicht.
- 3:43Jeder Tag ist es wert, gelebt zu werden. Das ist interessant von einer Frau,
- 3:49die eine Karriere gemacht hat, die durchaus senkrecht war.
- 3:54Also so ganz kann das doch nicht stimmen mit dem Erfolg und ihnen.
- 3:59Und was ist Erfolg, wissen Sie? Ich denke, das Erfolg habe ich eigentlich schon,
- 4:08hinter mir, indem ich es geschafft habe, eine Stelle als Dirigentin zu bekommen.
- 4:14Meine erste Stelle war in Würzburg als Kapellmeisterin.
- 4:17Und da habe ich danach meine Mutter angerufen und gesagt, alles,
- 4:20was ab jetzt dazukommt, alle Engagements mit neuen Orchestern oder Orchester,
- 4:25die ich schon kenne, werde ich als Geschenk entnehmen.
- 4:31Und so empfinde ich das immer noch.
- 4:34Also ich sehe es als kein Erfolg. Ich sehe es als die Opportunität,
- 4:41schöne Musik machen zu können, tolle Orchester, tolle Menschen,
- 4:45verschiedene Kultur kennenzulernen.
- 4:48Und was ist Erfolg?
- 4:51Wie kann man Erfolg abmessen? Es ist nicht wie im Sport.
- 4:56Ich finde, Musik hat nicht mit Hochleistungssport im Vergleich zu tun.
- 5:03Erfolg heißt was besser als der andere zu sein oder die Berliner Philharmoniker
- 5:07dirigiert zu haben und was ist danach?
- 5:10Die Berliner Philharmoniker und was ist dann danach?
- 5:14Also ich finde, meinen Erfolg habe ich schon bekommen, als ich eben diese erste
- 5:19Stelle geschafft habe in Würzburg und ich bin sehr dankbar dafür,
- 5:25und wie gesagt, jede Opportunität, schöne Musik zu machen, ist für mich ein Geschenk.
- 5:31Das wollte ich nämlich auch wissen, weil beim Tennis ist es relativ übersichtlich,
- 5:34der Ball ist drin oder er ist nicht drin.
- 5:37Der Punkt ist gemacht oder nicht, aber haben Sie eine Beethoven-Sinfonie verstanden
- 5:41oder haben Sie die nicht verstanden? Man weiß es nicht.
- 5:44Man weiß es nicht, ja. Also Kunst hat es eben mit Geschmack zu tun.
- 5:48Was ist ein guter Musiker, eine gute Musikerin? Ist das jemand,
- 5:52der perfekt Technik spielt? Oder wie kann man einen guten Musiker und eine gute Musikerin abmessen?
- 6:00Vielleicht beim Klavierspielen eben eine gute Technik, aber dann,
- 6:03wie bewertet man die Musik? Es ist sehr subjektiv, es hat eher mit Geschmack zu tun.
- 6:08Vielleicht mögen sie das Bild da von Picasso und ich mag die nicht.
- 6:14Und das Dirigieren vielleicht ist noch schlimmer, weil wir produzieren überhaupt keinen Klang.
- 6:20Wir tun so, als ob wir einen Klang produzieren würden.
- 6:23Also was wir tun, hat einen Impact auf, wie das Orchester spielt.
- 6:29Aber es ist eigentlich nur Schein.
- 6:31Ich sage oft, wir sortieren eigentlich Luft.
- 6:34Es ist ein bisschen wie Mime. Wir mimen oder wir malen die Musik und dann geben
- 6:40wir einen Andruck oder einen Charakter.
- 6:44Aber am Ende spielen die Musiker eigentlich und nicht wir. Also,
- 6:51Ja, in dem Fall Erfolg ist schwierig abzumissen, finde ich. Es hat auch nicht mit Gewinnen zu tun.
- 7:00Beim Sport, beim Tennis, eben, ich habe den Mann gewonnen oder verloren.
- 7:05Ich habe das Turnier gewonnen oder verloren.
- 7:08Beim Musizieren habe ich jetzt die Beethoven 5 gewonnen oder nicht.
- 7:14Das ist das Publikum überlassen. Haben Sie denn im Laufe der Jahre,
- 7:18die Sie das jetzt machen, gemerkt, dass es Musik gibt, mit der Sie klarkommen,
- 7:22die Sie tatsächlich gerne dirigieren,
- 7:24und was ist, wenn in Programmen Stücke auftauchen, wo Sie denken,
- 7:28ja meine Güte, das hätte es jetzt
- 7:29nicht gebraucht, ich mache es jetzt halt mal, weil ich muss es machen,
- 7:33wie ist denn da so die Quote von, finde ich gut und tut mir leid, geht nicht anders.
- 7:39Ja, also Sie haben es am Anfang schon so gut erzählt.
- 7:43Ich habe Neumusik und Oper nicht ganz in meine Herzen getragen und ich habe
- 7:47meine Karriere mit Duscht, Neumusik und Oper angefangen.
- 7:52Und ich bin ewig dankbar, eben nicht so stur gewesen zu sein,
- 7:56wie ich gedacht hatte, eben neue Sachen probiert zu haben, indem diese Sachen
- 8:01mich eben meine Karriere erlaubt haben.
- 8:05Ja, insofern versuche ich, offen zu bleiben und auch mit den Menschen und mit
- 8:14Stücken, mit Kunst überhaupt nicht zu früh, zu schnell zu beurteilen.
- 8:19Es ist tatsächlich manchmal so, ich fange ein neues Stück an und denke mir,
- 8:23ach, das ist nicht so meine Musik.
- 8:25Und dann nach ein paar Stunden allein am Tisch oder nach ein paar Stunden mit
- 8:29dem Sänger und dem Orchester denke ich mir, eigentlich ist das Stück viel besser, als was ich dachte.
- 8:35Aber umgekehrt, es passiert auch, ja. Also manchmal verlieben wir sich in einem
- 8:41Stück, was wir wirklich davor nicht verstanden haben.
- 8:45Es hat auch mit dem Jahresabschnitt zu tun, glaube ich. Ich kann mich erinnern,
- 8:48vor zehn Jahren habe ich Strauß Zaratustra nicht ganz verstanden und habe das Stück verstanden.
- 8:54Ich habe über zehn Jahre gehört und ich habe es neulich wieder gehört und ich
- 8:59bin fasziniert und ich finde es ein der besten Stück überhaupt.
- 9:02Ich könnte das Stück jetzt momentan jeden Tag dirigieren, so gut ich das finde.
- 9:06Also, wie gesagt, es ist eine Entblickung, glaube ich.
- 9:11Natürlich, es gibt ab und zu Stücke, die eben nicht gerade in meinem Herzen
- 9:17sind, aber wie gesagt, es kann sich vielleicht in zehn Jahren, 20 Jahren noch ändern.
- 9:23Das Wichtigste ist, dass man dazu steht, weil wir müssen das vermitteln am Ende
- 9:29und wir müssen überzeugend genug sein, das Stück verteidigen zu können.
- 9:37Sonst spürt es das auch gestern und spürt auch das Publikum.
- 9:40Ich habe noch ein schönes Zitat von Ihnen gefunden. Sie sollen wohl mal gesagt
- 9:43haben über Oper. Das Modell oder das Prinzip bei der Oper ist,
- 9:46dass jemand sagt, ich liebe dich, ich liebe dich auch, sagt dann wer anderes,
- 9:50und jetzt sterben wir alle.
- 9:54Ganz so einfach ist es ja nicht immer. Eben, ich war sehr jung.
- 10:01Mit 15, 16, 17, 18 hat man, glaube ich, große Präkonzeption,
- 10:08was Kunst und Musik oder das Leben gehört.
- 10:14Und wie gesagt, ich bin glücklich, nicht so stur geblieben zu sein,
- 10:18denn Opa jetzt einen großen Teil meines Lebens gehört. Ich könnte mir meine
- 10:25Karriere ohne Oper überhaupt nicht mehr vorstellen.
- 10:28Und ja, Sie haben recht, es gibt unglaubliche tolle Geschichten und Libretti
- 10:33mit viel sichtigerer Geschichten als Ich liebe dich und am Ende sterben wir alle.
- 10:42Ich glaube, das ist auch der Grund, warum ich am Anfang Oper nicht so sehr in
- 10:46meinem Herzen getragen habe. Erstens, Sie haben es auch erzählt,
- 10:49ich komme von kein Musikerfamilie.
- 10:51Ich war nie in der Oper, als ich ein Kind war.
- 10:54Das erste Mal war Wurzseck mit 15 Jahren alt. Und ja, das war vielleicht mal
- 11:00das Abschreck im Moment, wo ich gedacht habe, Opa ist nicht für mich und ich
- 11:03liebe dich, ich liebe dich nicht und ich sterbe am Ende.
- 11:06Also Carmen auch, das war meine zweite Oper. Ich habe es auch nicht so gern
- 11:11gemoht, auch weil die Geschichte mir zu einseitig war.
- 11:14Ich habe Literatur studiert und es hat irgendwie nicht ganz mit diesen tollen
- 11:20französischen Schätzen der Literatur gepasst.
- 11:24Die ich mir vorgestellt habe. Aber wie gesagt, es gibt unglaubliche Operngeschichte.
- 11:29Ich finde Rosenkablier so fantastisch von Hofmeister. Ich bin ganz begeistert.
- 11:34Oder Peter Grimes, finde ich sensationell. Die Geschichte ist,
- 11:37also es gibt endlose Schätze in der Operngeschichte.
- 11:43Gut. Von Ihnen ist auch das Zitat angeblich, Sie hatten mal ein Konzert mit
- 11:49einem Amateurchor in Duisburg und haben dann gesagt, es war musikalisch so schlecht,
- 11:52die Intonation war so schlecht und es waren wahrscheinlich die besten Konzerte
- 11:56meines Lebens. Wie geht denn das zusammen?
- 11:59Ach, das war ein Erlebnis. Es war Mendelssohn Walpurgisnacht mit dem Duisburger
- 12:04Philharmoniker und eben einen Amateurchor.
- 12:07Und ein paar Musiker haben mich schon im Voraus ein bisschen vorgewarnt,
- 12:12ein paar Monate zuvor. Achtung Marie, das Chor ist nicht gerade das Beste.
- 12:17Ja, schauen wir mal, es kann eine Herausforderung werden.
- 12:21Und dann komme ich am Sonntagvormittag, weil der Jahresdurchschnitt eben ein
- 12:28bisschen höher war und Sonntagvormittagproben war angemessen.
- 12:33Und ja, das war erstaunlich, die Qualität.
- 12:38Und ich habe nicht aufgegeben, indem ich keinen Unterschied gemacht habe,
- 12:45ob sie Amateur waren oder professionell. Und ich habe geprobt,
- 12:49genauso geprobt, wie ich es mit einem professionellen Orchester gemacht hätte.
- 12:54Und ich habe die gepresst wie Zitronen, aber lieb.
- 13:00Und ich glaube, sie waren begeistert und dankbar, dass ich mich eben nicht an
- 13:04deren Niveau gestellt habe, sondern dass ich versucht habe, das Niveau ganz,
- 13:10ganz, ganz, ganz nach oben zu treiben.
- 13:14Und das war vielleicht nicht eben die Perfektion, die Fantonation nicht so richtig
- 13:20gut und manchmal die musikalische Richtung hat nicht ganz gestimmt.
- 13:26Aber diese Begeisterung, die sie gestrahlt haben, diese Freude,
- 13:30die sie gestrahlt haben, diese Sterne, die sie in den Augen
- 13:34gehabt haben, diese Liebe, diese Energie, die sie mir zurückgegeben haben und
- 13:39das Publikum, das Orchester gegeben haben,
- 13:42werde ich eben nie im Leben vergessen.
- 13:44Weil diese Verbindung war wirklich einmalig. Und Sie sehen jetzt,
- 13:50wenn ich darüber spreche, werde ich auch emotional.
- 13:54Ja, und seitdem habe ich auch kapiert, dass die Perfektion eigentlich überhaupt
- 13:58nicht das Wichtigste ist. Das Wichtigste ist eben diese Verbindung,
- 14:02die wir miteinander haben.
- 14:04Und diese Verbindung, dieses Glücksmoment oder dieser magische Moment passiert selten.
- 14:11Aber wenn die passiert, man lebt, glaube ich, und man strebt weiter als Musiker
- 14:16und Musikerinnen, diese Momente zu erleben.
- 14:20Wenn Sie Verbindung sagen, dann bin ich gleich bei dem Thema Bindung.
- 14:23Nämlich, Sie sind ja zweifach verheiratet gewissermaßen. Sie haben den Job beim
- 14:29WDR und Sie haben den Job in Kopenhagen bei der Oper. Sie haben also zwei Korsette,
- 14:32in denen Sie sich bewegen müssen.
- 14:35Ja, und verheiratet sind Sie auch noch.
- 14:39Aber Sie haben zwei Korsette, in denen Sie sich bewegen müssen,
- 14:42zwei Anforderungen, die Sie erfüllen müssen.
- 14:45Wenn Sie eine Freelance-Dirigentin wäre, könnten Sie sagen, ich gehe dahin und
- 14:49ich möchte gern das machen, das ist ein schönes Programm, da komme ich mal vorbei,
- 14:52das interessiert mich nicht, das muss wer anderes machen.
- 14:54Wie ist denn das mit diesem Gefühl von persönlicher Freiheit,
- 14:57wenn man nicht nur einen Posten hat, sondern gleich zwei und einem ständig versagt,
- 15:01was man machen muss, wann man wo sein muss, was so ansteht, wie kommen Sie damit klar?
- 15:09Es war mir sehr wichtig, eben die Möglichkeit, eine Chefposition zu bekommen,
- 15:16indem ich die Jahre zuvor auch das Glück hatte, Gastdirigentin sein zu dürfen.
- 15:24Und ja, es ist ganz toll, Gastdirigentin zu sein und verschiedene Kulturen und
- 15:29Flankkörper kennenzulernen und sein Repertoire zu erweitern und tolle Menschen kennenzulernen.
- 15:37Aber wir kommen einmal, es hat gut geklappt und dann die nächsten Termine werden
- 15:42wahrscheinlich erst in drei Jahren oder es hat nicht so gut geklappt und die
- 15:46nächsten Termine werden wahrscheinlich erst in 15 Jahren.
- 15:50Also ich sage es ein bisschen in dem Vergleich beim Gastronomie.
- 15:54Ein Gastdirigat ist ein bisschen wie ein bisschen Salz, ein bisschen Pfeffer.
- 15:59Schön aussortieren mit den Farben und dann am Abend Freude haben beim Genießen.
- 16:06Aber etwas durchgedacht und in die Tiefe.
- 16:11Man hat keine Zeit dafür. Man muss erst mal das Orchester kennenlernen.
- 16:15Es ist immer ein bisschen Ausregung.
- 16:17Mögen wir die Dirigentin oder mag ich das Orchester oder nicht?
- 16:21Erst mal, wir verlieren ein bisschen Zeit, uns kennenzulernen.
- 16:24Und wenn wir uns kennengelernt haben, dann ist es schon vorbei.
- 16:28Und die nächste Möglichkeit ist erst in drei Jahren, so ungefähr.
- 16:34Und es war mir eben wichtig, diese Schritte irgendwie nicht mehr machen zu müssen,
- 16:40ein Orchester zu haben, in dem wir uns kennen.
- 16:43Und das habe ich mit dem Wiener Symphoniker angefangen, als ich erste Gastdirigentin, drei Jahre lang.
- 16:49Und es war so eine Freude, zurückzukommen und zu wissen, sie kennen mich,
- 16:55ich kenne sie, wir kennen unsere gute Seite, unsere weniger gute Seite und können
- 17:01damit sehr gut umgehen und wir brauchen nicht diese Schnickschnack da am Anfang.
- 17:07Nein, wir gehen einfach direkt.
- 17:11In das Wichtigste, nämlich die Musik und in die Ziele der Musik und wir brauchen
- 17:16uns nicht mehr kennenlernen oder verstehen wir den Auftakt nicht oder was will sie sagen,
- 17:22wir kennen uns halt und diese eben ganz, ganz, ganz,
- 17:28Zielführend in das Wichtigste zu gehen, war für mich, jetzt ist für mich die
- 17:34Priorität und das kann ich eben gestalten in Kopenhagen, in dem ich.
- 17:41Einen fünfjährigen Vertrag habe, wo wir viele Oper und Konzerte zusammen machen
- 17:46und jetzt seit September mit dem WDR Sinfonieorchester.
- 17:50Sie sind ja jetzt so gerade aus den Flitterwochen da raus. Ich stelle es mir
- 17:54auch schwierig vor, weil man dann ja auch weiß, ist, wir sind jetzt ein paar Jahre zusammen.
- 17:59Wir müssen uns jetzt also irgendwie zusammenraufen. Es ist nicht eine Woche
- 18:01Proben und Tschüss, schon schönes Leben, sondern das ist ja dann eine andere Art von Ansage.
- 18:06Wie geht man denn eigentlich oder wie gehen Sie dann an so ein Orchester ran,
- 18:09wenn man dann anfängt, erst mal eine Lokalrunde schmeißen oder sich die Stammesältesten
- 18:14raussuchen und die überzeugen und auf seine Seite kriegen?
- 18:18Wie ist diese Gruppendynamik dann, wenn man sagt, so, ich bin jetzt nicht nur
- 18:21für drei Tage hier, ich bin jetzt der Chef oder die Chefin?
- 18:24Ja, wir haben uns füreinander entschieden. Es ist schon drei Jahre her ungefähr.
- 18:29Meine erste Woche mit WDR Sinfonieorchester war 2022. Das ist schon ein paar Jahre.
- 18:35Jetzt war die erste Woche als Chefdirigentin, aber eigentlich war es unser fünftes
- 18:40Zusammenkommen miteinander.
- 18:43Also wir wissen, was wir voneinander haben.
- 18:46Was ich jetzt versuche herauszufinden, ist eben, was wir...
- 18:52Besonders gut zusammen machen können. Das ist auch der Grund,
- 18:56warum ich mein Spielzeitrepertoire als einen weiten Fächer.
- 19:04Konzipiert habe, von Neumusik bis zu Barockmusik, bis zu französischer Musik und,
- 19:11deutsch-romantischer Musik, weil ich eben herausfinden möchte,
- 19:15was ist das, was Marie Jaco und das WDR Sinfonieorchester zeichnet.
- 19:21Und wenn wir eben nach zehn Jahren oder 15 Jahren oder so lange,
- 19:26wie wir miteinander bleiben, dann nach hinten schauen,
- 19:31dann will ich sehen, dass es diesen Stempel, den wir zusammen hatten.
- 19:37Und ich freue mich irrsinnig dadurch. Erstmal, ich bin super gespannt, weil,
- 19:42ich bin der Meinung, ich habe eine Vorliebe für Deutschromantik,
- 19:46auch wenn ich aus Frankreich komme, meine ganze musikalische Laufbahn habe ich
- 19:51in Österreich und in Deutschland gemacht.
- 19:54Ich habe in Österreich studiert, meine erste Karriere, also meine ersten Stationen
- 19:58waren in Würzburg und in Düsseldorf als Kapellmeisterin.
- 20:02Ich habe Deutschromantik und auch als Pulsalistin bin ich mit Wagner und Mahler
- 20:06und Strauß und Brahms irgendwie aufgewachsen.
- 20:12Also ich würde mich freuen, wenn das deutsch-romantische Repertoire mit dem
- 20:15Veneer-Sinfonie-Orchester eben das ist, was uns zeichnet zusammen.
- 20:19Aber ich bin auch offen und ich bin auch sehr selbstkritisch genug zu sehen,
- 20:24ah, nee, das ist nicht, was uns passt und wir versuchen mal was anderes.
- 20:29Vielleicht französische Musik oder neue Musik oder was anderes.
- 20:34Und Darauf bin ich sehr gespannt.
- 20:36Gut. Ich glaube, Sie waren noch nicht in der Elbphilharmonie. Doch, war ich.
- 20:42Doch, tatsächlich, dann habe ich das verpasst. Ja, zweimal, glaube ich.
- 20:48Auf jeden Fall, worauf ich hinaus wollte, ist, Sie haben zwar in Köln jetzt
- 20:51die Oper schön neu restauriert, aber die Spielstätten vom WDR-Orchester sind
- 20:55nicht ganz so dekorativ und repräsentativ wie das, was die Kollegen vom NDR hier haben.
- 21:01Kommt da so leichter Neid auf, wenn Sie dann da in diesen Saal kommen und sagen Sie, ach Gott, ja?
- 21:10Der Endphilharmonie ist schon sensationell. Also das Architektur,
- 21:15Architektonisches, finde ich ganz, ganz gelungen.
- 21:21Man kann flüstern und man hört es bis Ende der Saal. Es ist sehr durchsichtig.
- 21:30Man fühlt sich sehr nackt auf der Bühne irgendwie und sehr beobachtet.
- 21:34Es kann auch eine irrsinnige Intimität schaffen.
- 21:39Ich kann mich erinnern, ich glaube, mit dem Wiener Sympholika,
- 21:41dass es nicht so angenehm war auf der Bühne, eben auf diesem Grund,
- 21:45diesem Intimitätsgefühl und dass wir jedes Geräusch in dem Saal hören.
- 21:52Ich glaube, auf der Bühne ist es auch nicht so einfach, sich richtig gut zu
- 21:55hören, aber es gehört natürlich zu einer prägender Konzertsäle in Deutschland.
- 22:04Ich muss aber sagen, wir haben nichts...
- 22:07Uns nicht so sehr zu scheuen in Köln. Die Elbphilharmonie ist zwar langsam sanierungsbedürftig.
- 22:15Schauen wir mal, wie viele Jahre es dauert wird oder ob es überhaupt anfangen wird.
- 22:23Auf jeden Fall, ich finde die Akustik beim Kölner Philharmonie wirklich ganz, ganz toll.
- 22:31Und wir haben ein Glück, auch in dem Saal proben zu können.
- 22:35Und unser Zuhause zu haben, was nicht alle Orchester haben können.
- 22:41Das ist wirklich ein Riesenvorteil.
- 22:48Wie gesagt, es ist zwei verschiedene Akustik und es ist auch der Grund,
- 22:51warum wir Tournee machen.
- 22:53Es ist so, wie sie ein anderes Instrument in der Hand haben und sie müssen das
- 22:57Instrument anders bespielen. Das Orchester ist besonders reizend,
- 23:01in anderen Sälen zu sein, weil die müssen sich anpassen an die Akustik.
- 23:05Ah, ich muss ein bisschen länger kürzen, weil es gibt weniger Nachklang.
- 23:08Oder ich muss kürzer spielen, weil der Nachklang viel größer ist.
- 23:13Oder ich muss ein bisschen vorsichtiger spielen, weil ich höre die Häuspläser nicht so gut.
- 23:18Also es fördert eine extreme Flexibilität, die uns alle wirklich nach oben treibt,
- 23:25eben bessere Musiker und Musikerinnen zu werden.
- 23:29Gibt es denn so eine Art ARD-Ehrgeiz unter den Orchestern? Also wenn Sie die
- 23:33Berliner Philharmoniker nehmen, die sagen dann, ja, die Wiener Philharmoniker,
- 23:36ganz nett, aber die können wir ja nicht ernst nehmen und umgekehrt.
- 23:39Und wie ist das bei den ARD-Orchestern? Weil Sie haben den NDR als Konkurrenz,
- 23:42Sie haben den BR als Konkurrenz.
- 23:44Wo sortieren Sie sich da ein und wollen Sie unbedingt auf Platz 1 oder juckt Sie das alles gar nicht?
- 23:49Das tut mich überhaupt nicht, indem ich das alles schon erlebt in meinen jungen Jahren.
- 23:57Eben diese Wettbewerb, diese Competition, der Beste zu sein,
- 24:01interessiert mich überhaupt nicht.
- 24:03Ich bin nicht jemand, der gerne nach links und rechts schaut.
- 24:06Ich bin jemand, der gerne bei sich bleibt und eben versucht, das Beste zu machen.
- 24:14Ich kann nur uns alle ermutigen, eben das Beste erstmal für sich selber,
- 24:20für die Musik und fürs Publikum zu geben und wenn es dazu kommt,
- 24:23dass wir mehr Follower haben oder dass wir,
- 24:27sehr gute Quoten beim YouTube haben, dann toll, aber es ist ein Bonus für alle,
- 24:32eigentlich wir sind alle in dem gleichen Boot, oder?
- 24:35Ich finde unsere Kulturszene ist schon so klein geworden und Und es gibt so
- 24:41viele eben andere Kunstmittel wie Popmusik oder,
- 24:47die Elektroszene und so weiter.
- 24:52Ich finde es schade, wenn wir jetzt anfangen, in der klassischen Musik uns einander in Konkurrenz.
- 24:58Zu legen, obwohl wir eigentlich alle am Überleben sind.
- 25:03Also ich finde, wir sollten uns eigentlich zusammenschließen und uns miteinander stärken, dass wir,
- 25:10eben präsent sein, eine große Kulturidentität und eben nicht anfangen zu sagen,
- 25:18ich bin besser als der andere.
- 25:19Nein, und was ist noch einmal besser?
- 25:21Ja, also wie können wir das messen?
- 25:24Wie Sie am Anfang gesagt haben, das hat mit Geschmack zu tun.
- 25:28Okay, wir müssen jetzt mal auf das Wort Dirigentin kommen.
- 25:34Von Ihnen gibt es das Zitat, wahrscheinlich habe ich ein paar Engagements bekommen,
- 25:37weil ich eine Frau bin und dieser Gedanke nervt mich kolossal.
- 25:40Sie sind jetzt die erste Frau bei einem ARD-Orchester.
- 25:44Es ist doch eigentlich ein Unding, dass es diese Instanzen gibt,
- 25:47diese Rundfunkorchester. Und es braucht die Jahrzehnte, bis da auch mal eine
- 25:50Frau an die Spitze gelassen wird. Also nicht nur kommt, sondern auch gelassen wird tatsächlich.
- 25:55Wie sehr nervt Sie das, immer wieder darauf angesprochen zu werden?
- 25:59Vielleicht nervt es Sie auch gar nicht. Oder wie sehen Sie das?
- 26:02Ist es vielleicht wichtiger, die zweite Frau zu sein, statt die erste Frau zu
- 26:05sein? Weil die erste macht den Weg frei für die zweite und dann wird es normaler.
- 26:09Ich weiß nicht, wie Sie das beurteilen. Ja, das ist eine gute.
- 26:18Sehensweise. Perspektive. Perspektive, danke. Eine gute Perspektive.
- 26:23Wissen Sie, wie gesagt, als ich noch ein bisschen jünger war,
- 26:28hatte ich mehr Präpositionen und so einen Satz hätte ich sagen können.
- 26:32Denn ich bin so dankbar für alle Frauen, die vor uns und vor mir gekämpft haben, die,
- 26:43eben nicht die gleichen Chancen hatten wie ich oder wie meine Generation.
- 26:47Ich glaube, meine Generation waren schon extrem privilegiert.
- 26:53In dem es eben darauf aufmerksam geworden ist, dass es auch möglich ist,
- 27:00eine Dirigentin zu sein oder eine Posernistin zu sein oder eine Komponistin
- 27:05zu sein oder eine Chirurgin zu sein oder Politikerin zu sein.
- 27:09Und ich bin gerade in dieser Phase gelandet und dafür bin ich sehr dankbar.
- 27:16Ich bin auch sehr dankbar eben für alle anderen, die diesen Weg betrachtet haben.
- 27:20Und ich sehe mich auch als jemand, der vielleicht auch die Zukunft,
- 27:27helfen wird, in dem es vielleicht in 15 Jahren komplett selbstverständlich wird,
- 27:32eine Dirigentin zu sein. Noch ist es nicht selbstverständlich.
- 27:36Und gut, wenn ich die erste Frau beim WDR Sinfonieorchester bin und eben in,
- 27:44ein paar Monaten oder in den nächsten Jahren noch die zweite Frau irgendwo anders
- 27:48wird, Das finde ich toll.
- 27:50Das darf sein. Ich kann auch die erste Frau sein und die zweite und die dritte.
- 27:55Es ist mir eigentlich egal, wissen Sie, weil es hat meiner Meinung nach nicht
- 28:00mit Frau zu tun, es hat mit Qualität zu tun. Sie können eine Frau sein,
- 28:06ein Mann oder ein Transgender oder irgendwas, was sie wollen.
- 28:10Am Ende geht es nur um, was sie können und vor allem um, wer sie sind.
- 28:17Und ich identifiziere mich nicht mit meinem Gender, ich identifiziere mich als Marie.
- 28:23Und wenn ich mit jemandem spreche, ich spreche nicht mit einem Gestalt,
- 28:28ich spreche mit einem Mensch. Und was mich interessiert, ist diese Person, ist der Mensch.
- 28:33Ob es eine Frau ist oder ein Mann, es ist doch egal meiner Meinung nach ich
- 28:40bin nicht so schwarz-weiß wie damals wo ich,
- 28:44Ich dachte, ja, ich finde es nicht gut, angeladen zu sein, weil ich eine Frau
- 28:48bin, weil eben es sollte um Qualität gehen.
- 28:51Aber es ist eben noch nicht selbstverständlich, weil es gibt immer noch Menschen,
- 28:55die sich wundern, dass es Dirigentinnen gibt.
- 28:59Und solange es noch nicht in den Köpfen angekommen ist, dass es eigentlich überhaupt,
- 29:06kein Thema mehr sein sollte, dann sollten wir es weitermachen.
- 29:09Und wenn WDR Sinfonie Orchester schreibt, ich bin die erste Chefin und es hilft
- 29:15die Causa, dass es in Zukunft eben keine Rolle mehr spielt, dann ist es gut.
- 29:20Okay. Jetzt, wo Sie Chefin sind beim WDR, haben Sie ja einiges an Rechten, die Sie nutzen können.
- 29:27Wenn jetzt so die Wunschfee käme und sagen würde, so Marie, du hast jetzt drei
- 29:31Wünsche frei, was würde denn jetzt ganz dringend bei Ihnen auf dem Zettel stehen sollen?
- 29:37Ach Gott, so gut. An Repertoire, an Zyklen, an, keine Ahnung,
- 29:40ich möchte gerne alle 15 Schlosser-Kopfits-Sinfonien aufnehmen und das in einem
- 29:44Jahr oder was auch immer. Oder ist das alles noch zu früh für Sie,
- 29:47weil ich denke, ich weiß da auch noch nicht, was ich möchte,
- 29:49ich versuche es jetzt mal.
- 29:53Und sie befreuen mich an eine Sache, die mit meinem Kern nicht wirklich zusammenpasst.
- 29:59In dem ich mir am Anfang gesagt habe, ich bin jemand, der sehr in die Gegenwart lebt.
- 30:07Und ich bin, wie gesagt, auch immer noch am Raussuchen, was wir miteinander
- 30:11gut können. Wir haben, glaube ich, einen guten Siklus angefangen mit Ruckner.
- 30:18Also das wäre ein Wunsch von mir, solange ich beim WDR Sinfonieorchester bleiben,
- 30:24kann oder zusammenarbeiten kann, eben die Brückner Sinfonien aufnehmen zu können.
- 30:33Ich finde es, was das WDR Sinfonieorchester schon macht, extrem wichtig für
- 30:39die nächste Generation, sich zu einsetzen,
- 30:44zu investieren, eben für die Zukunft der klassischen Musik. und.
- 30:53Es ist ein großes Wort und es gibt keine Potion Magique dafür,
- 30:58dass das WDR Sinfonieorchester in der Region, aber vor allem in der Stadt als,
- 31:04absolut notwendig angesehen wird. Dass wir,
- 31:10eben ein Orchester unsere Stadt ist und dass die Menschen gern zu uns kommen
- 31:18wollen mit verschiedenen,
- 31:23Repertoire, wo sie sich ansprechen.
- 31:28Sollten, also fühlen sollten. Es kann eben Bruchner-Sinfonie sein,
- 31:32es kann ein Crossover-Programm sein, es kann neue Musik sein,
- 31:36es kann Unterrichtungsmusik sein, es kann Wiener Klassik mit Mozart und Haydn sein,
- 31:43und ich möchte versuchen, dass ich niemals mehr hören sollte.
- 31:52Klassische Musik ist editär.
- 31:55Ist für Leute, die Geld haben oder es ist im geschlossenen Kreis und es gehört mir nicht dazu.
- 32:05Nein, es ist nicht elitär. Klassische Musik ist für alle Menschen auf dieser
- 32:12Erde, die gern spüren und fühlen wollen.
- 32:18Und wenn diese Menschen bereit sind, Emotionen zu erleben, dann ist klassische
- 32:22Musik das Richtige für diese Menschen. Und ich glaube, es gibt keinen Menschen
- 32:26auf dieser Erde, die nicht bereit ist, Emotionen zu erleben und zu haben.
- 32:32Insofern finde ich, dass das WDR-Symphonieorchester überhaupt nicht elitär ist
- 32:38und für jede da ist, sein sollte. Okay.
- 32:44Sie sind ja inzwischen in einer komfortablen Situation, dass Sie eben auch mal
- 32:48Nein sagen können. Das können viele noch nicht, weil wir haben die Posten noch nicht.
- 32:53Was war denn so Ihr wichtigstes Nein und welches Nein fiel Ihnen am schwersten?
- 32:58Weil womöglich hängt ja hin und wieder auch mal so eine wirklich schöne Möhre
- 33:01vor einem und man möchte zugreifen, denkt sich, nein, es ist noch zu früh oder,
- 33:07wie auch immer. Wie gehen Sie damit um und wie war das?
- 33:12Ja, es gab zwei richtige Nein,
- 33:17für die gleiche Anfrage.
- 33:21Und ich denke mir eben, auch heute habe ich das richtig gemacht.
- 33:28Ich würde es nicht nennen sollten, weil ich möchte auch nicht irgendwie da, wie heißt das, braggen.
- 33:36Ich fand, es war nicht die Zeit. Ich fand, es war zu früh und ich bräuchte noch,
- 33:44eben Erfahrungen mit diesem Repertoire für diese Gelegenheit.
- 33:51Und ich bin auch ein Mensch und manchmal eben schaue ich ein bisschen ins und rechts.
- 33:59Und denke mir, ja, diese Person, die eigentlich zugesagt hat,
- 34:04hat sich weniger Gedanken gemacht als ich.
- 34:08Aber am Ende ich bin froh Nein gesagt zu haben aus dieser Gelegenheit weil ich
- 34:16bin mir treu geblieben und,
- 34:19es geht eben um Qualität und es geht vor allem um die Musik und die Bedeutung
- 34:27dieser Gelegenheit und auch um den Musikern und Musikerinnen die sich dafür,
- 34:35ansetzen und opfern. Und ich finde es nicht gut, wenn man da vorne steht und,
- 34:44eben das Stück vielleicht zum ersten Mal musiziert.
- 34:50Schauen wir, ob ich recht hatte oder nicht. Auf jeden Fall, ich bin mir treu
- 34:55geblieben, indem ich der Meinung bin, wir sollten,
- 35:00die richtigen Schritte setzen und vor allem sich Zeit nehmen,
- 35:06mehr in die Tiefe zu gehen, in was wir machen, sowohl als Chefdirigentin als
- 35:11auch in dem Repertoire und in die Stücke, die ich lerne oder die wir lernen
- 35:15sollten als Musiker und Musikerinnen.
- 35:18Und es kann sein, dass diese Chance vielleicht nie mehr wieder kommen wird,
- 35:22aus verschiedenen Gründen.
- 35:25Oder vielleicht kommt das wieder, ich weiß es nicht. Dann stimmt das also,
- 35:29dieses Prinzip, was ich von Ihnen gefunden habe, dass Sie nirgendwo einspringen,
- 35:33ein Stück zu dirigieren, was sie nicht schon mal gemacht haben.
- 35:37Das ist ja eigentlich legendär als Gelegenheit für den Lebenslauf und so,
- 35:40dass man sagen kann, wie also bis zum extremen Bernstein, der noch so halb betrunken
- 35:44damals in New York da eingesprungen ist und danach ging es mit ihm, ging die Karriere los.
- 35:50Also das ist ja natürlich viel spektakulärer, als wenn man sagt,
- 35:52ja Gott, ich habe das Ding schon achtmal gemacht, als wenn man sagt,
- 35:57noch nie gesehen die Partitur, aber her damit, ich mache das mal.
- 36:01Ich glaube, ich habe es noch nie gemacht. Ich glaube, ich bin angesprungen einmal
- 36:07in Leipzig, Gewandhaus.
- 36:12Mit Bartok Konzert für Orchester. Und ich hatte das Stück schon einmal in dem Studium gemacht.
- 36:16Also ich war schon vertraut mit dem Stück. Und ich hatte es schon einmal in meinem Körper gehabt.
- 36:22Nein, sonst ist es eine Sache, die ich eben nicht möchte, weil ich einfach zu
- 36:27viel Respekt habe für die Musik, für die Komponistinnen und Komponisten.
- 36:31Und vor allem für alle Musiker und Musikerinnen, die zum großen Teil einfach
- 36:36die Stücke hundertmal mehr gespielt haben als ich und auch viel mehr Erfahrung haben als ich.
- 36:42Und ich finde es einfach respektlos und werde es versuchen, auch weiterhin nichts zu machen.
- 36:50Ich habe auch noch nie, glaube ich, ein Engagement abgesagt für etwas Besseres.
- 36:55Ich finde es auch respektlos, weil es eben nicht um die Karriere geht.
- 36:59Es ging bei mir nie um die Karriere. Ich bin dankbar natürlich.
- 37:05Es ist einfach jetzt zu sagen, es ging nie um die Karriere und ich habe eine
- 37:08Karriere. Und ich kann auch Nein sagen, was sie gesagt haben.
- 37:11Aber es geht für mich nie um die Karriere. Ich habe nie die Sachen gemacht für
- 37:17die Karriere und ich habe es auch nie für den Erfolg gemacht.
- 37:21Deswegen finde ich das Wort Erfolg auch ein bisschen fremd im Kunstsinn.
- 37:28Es geht einfach um die Musik.
- 37:32Um die Geschichte dahinter und um die Werte, die wir vermitteln können mit der Musik,
- 37:39und eben es geht nicht um der Beste zu sein und der Berühmste zu sein und ja
- 37:46was bleibt mir übrig, wenn ich im Spital bin,
- 37:50dass ich berühmt bin und dass meine Karriere so gut läuft,
- 37:55nein Meine Karriere ist nicht da, wenn ich im Spital bin.
- 37:58Wer sind die Menschen, die da sind für mich? Eben meine Familie,
- 38:02meine Freunde. Eigentlich...
- 38:05Das ist komplett anders als meine Karriere. Genau.
- 38:09Dann kommen wir mal zu den wirklich wichtigen Fragen. Wie ist das mit Ihnen
- 38:13und den farbigen Schnürsenkeln?
- 38:16Ich habe da was gelesen und konnte das nicht glauben. Es ist meine kleine,
- 38:24Dankbarkeit, Routine, wie heißt das, Prozess.
- 38:31Vor jedem Konzert. Ich habe eine Tasche.
- 38:37Von meiner Mama genäht.
- 38:40Ich glaube schon in Würzburg mit vielen, vielen, vielen verschiedenen farbigen Schnürsenkeln.
- 38:49Und jedes Mal sage ich meiner Mama, es fehlt mir noch eine Farbe.
- 38:52Und jetzt sehen sie, ich habe so viele Farben.
- 38:56Ich habe verschiedene Blauen, verschiedene Grün. Ich habe weiß und verschiedene rote.
- 39:03Und gelb ist Mahler und rot ist Beethoven oder wie? Ja, es kommt darauf an.
- 39:08Manchmal habe ich eine Partitut, die blau ist. Manchmal sind die Sitze rot.
- 39:16Und manchmal kommt meine Agentin und sagt, heute hätte ich gern grün.
- 39:21Es hat überhaupt keine Bedeutung. Es ist nur einfach für mich so eine Routine,
- 39:27dass jetzt etwas Besonderes kommt.
- 39:30Aber wenn der Schnürsenkelbeutel nicht da wäre, wäre Katastrophe,
- 39:33Sie könnten nicht dirigieren.
- 39:35Genau so ist es. Ich glaube, ich müsste abzeigen.
- 39:40Na gut, mal eine kleine Runde mit kurzen Fragen. Da können Sie das eine oder
- 39:44das andere auswählen, um dann rauszukriegen, oder ich kriege dann raus, wie Sie so ticken.
- 39:50Oper oder Konzert? Oper, unbedingt Oper.
- 39:55Oper ist Geschichte und Oper hilft mir, bessere Konzerte zu geben,
- 40:00indem ich Konzerte mit einer Geschichte gestalten möchte. Probe oder Konzert?
- 40:08Probe. Ich mag überhaupt keine Konzerte. Das ist du in Ihrem Beruf.
- 40:14Ich mag Proben sehr, weil wir kreieren diese Verbindungen.
- 40:20Ich mag, wenn ich etwas sage in der Probe, keine Ahnung, zu einem Trompeter
- 40:24und aufpassen, jetzt dieses Forzato nicht zu spitzig, ein bisschen runder.
- 40:29Und in dem Konzert, ich schaue mir den Musikern mit genau diesen Gedanken und
- 40:34wir wissen, es ist so ein Austausch.
- 40:38Wir wissen, worüber es geht und das liebe ich sehr beim Konzert,
- 40:42aber nur, weil die Proben da sind.
- 40:45Und ich mag nicht, ich mag nicht der Mittelpunkt sein und es ist ein bisschen
- 40:50schlecht, weil ich gehe.
- 40:53Auch das passt nicht so ganz zu Ihrem Job, zum Arbeitsplatz.
- 40:58Ja, dann doch wieder die Posaune rausholen. Da sind Sie hinten links. Ja, eben.
- 41:02Ja, ich wollte wirklich Posaunistin werden, weil ich gerne im Orchester gesessen
- 41:07bin und einfach alles getan habe, was die Dirigentin oder die Dirigent haben wollte.
- 41:13Und ich war der Meinung, ja, heute mache ich das so und nächstes Mal kommt jemand
- 41:17anders und ich mache es anders. Und ich war bereit dafür.
- 41:21Also bei der Karriere falsch abgebogen.
- 41:24Auswendig oder Partitur? Partitur. Ach Gott, auswendig.
- 41:31Ich habe ein, wie heißt das, ein Störerlebnis manchmal gehabt.
- 41:39Es war meine Abschlussprüfung in Wien. Ich habe Thiel Eulenspiegel von Richard
- 41:44Strauss auswendig dirigiert in dem schönen Musikeransaal mit Radio Sinfonie Orchester in Wien.
- 41:52Und ein Musiker, ein wichtiger Musiker hat gerade einen schlechten Tag und er,
- 42:01hat zweimal seine wichtige Soli verpasst,
- 42:05obwohl ich meiner Meinung nach die Ansätze gegeben hatte und es wäre fast auseinander gewesen.
- 42:14Und seitdem habe ich ein großes Blockage mit auswendig, das ist schon 15 Jahre her.
- 42:23Und, wissen Sie, ich habe auch Boson im Orchester gespielt. Ein bisschen...
- 42:28Jedes Mal, wenn die Dirigenten auswendig dirigiert haben, dachte ich mir, lass mich mal in Ruhe.
- 42:35Nicht die ganze Zeit da Energie und mich anschauen.
- 42:41Weißt du, wenn du da unterschaust, ist es okay. Ich kann auch mal.
- 42:48Insofern, ja, eben lieber mit Partitur und ich entdecke immer neue Sachen.
- 42:53Beim Auswendig würde ich vielleicht in meiner Interpretation zu fest sein.
- 43:01Ich habe mit Dirigenten gesprochen, die sagen, ich nehme am liebsten für jedes
- 43:04Mal eine neue Partitur, die soll komplett leer sein.
- 43:06Ich will komplett von vorne anfangen. Und andere Dirigenten sagen,
- 43:09ich schleppe diese Beethoven 8 schon seit 30 Jahren mit mir rum.
- 43:12Ich weiß selber nicht, was ich da alles reingeschrieben habe.
- 43:14Also Sie nicken heftig bei der Ansage. Ja, bei dem Zweiten.
- 43:19Ich nicke heftig bei dem Zweiten, weil ich lerne so viel von mir auch.
- 43:24Ich denke mir, was habe ich da gemacht?
- 43:26Ah ja, das war gar nicht dumm.
- 43:29Manchmal denke ich, ich schaue in die Vergangenheit und denke mir,
- 43:32ah ja, ich hatte ein bisschen mehr Zeit zu lernen damals.
- 43:38Oder ich denke mir, was habe ich mir damals da gedacht? Musikerisch macht das überhaupt keinen Sinn.
- 43:43Ich bin erstaunt, also immer wieder erstaunt, wie man sich entwickelt.
- 43:49Oder für positiv oder für negativ. Aber ja, ich finde, es ist eine Bereicherung und eben zu sehen.
- 44:03Wo ist man jetzt gerade in seinem Leben.
- 44:08Fragen Sie denn dann auch Kollegen oder Kolleginnen um Rat? Also Dirigenten
- 44:12treffen sich ja nicht ständig, weil meistens dirigiert ja nur einer.
- 44:15Aber gibt es das bei Ihnen, dass Sie einen Kollegen oder eine Kollegin anrufen
- 44:19und sagen, ich verstehe diese verdammte Stelle nicht? Wie geht denn das?
- 44:23Ja, es kann passieren, auf jeden Fall. Ich habe kurz in Weimar studiert und,
- 44:31wir haben eine Signalgruppe, so wie WhatsApp.
- 44:36Mit allen ehemaligen Kommilitonen von Weimar. Das ist eine riesige Dirigentgruppe.
- 44:42Und in dieser Dirigentgruppe gibt es immer Fragen.
- 44:46Hat jemand die Partitur von Dötter Dämmerung, Schott ausgab? Keine Ahnung.
- 44:52Ja, ich habe sie schickt die BPDF. Oder hat jemand mal Erfahrung mit,
- 44:58keine Ahnung, neulich Totungserklärung, eine Reduzierungsfassung für nur eine
- 45:05Harfe. Kennt jemand etwas?
- 45:08Oder hat jemand.
- 45:12Maler 10. schon mal dirigiert und welche Fassung?
- 45:19So rein praktische Fragen. Wie geht das jetzt mit dem Auftakt bei Beethoven
- 45:225? Und wie schnell soll man den letzten Satz von Maler 9 dirigieren und solche Geschichten?
- 45:29Nein, also praktische Sachen eher weniger.
- 45:37Erstens, weil ich schon schnell darauf gekommen bin, dass das praktische Dirigat
- 45:42nicht das Wichtigste ist.
- 45:45Dass die Musiker und Musikerinnen eigentlich ohne Disch musizieren können.
- 45:48Also die technischen Grundlagen des Dirigierens sind wichtig natürlich,
- 45:53aber auch nicht das, was meiner Meinung nach ein guter Dirigent oder eine Dirigentin macht.
- 46:02Aber eher interpretatorisch. Ich verstehe jetzt diesen Teil nicht.
- 46:10Oder die Wiederholung ist anders gestaltet als das Hauptthema,
- 46:16ist das anders gemeint oder eher so interpretatorisches Sagen.
- 46:24Und ich muss auch sagen, und ich bin sehr, sehr, sehr dankbar dafür,
- 46:28dass wir jetzt Zugang haben an so viele Aufnahmen und Videos,
- 46:35dass man seinen Kollegen oder Kolleginnen auch auf YouTube anschauen kann.
- 46:39Da können Sie noch mal bei Günter Wand nachschauen, wie das mit Bruckner war damals. Ja, genau.
- 46:45Wie ist der Auftakt? Oder okay, das ist gar nicht mehr so schlecht.
- 46:49Das ist eigentlich besser, als was ich gedacht habe.
- 46:51Ich finde das so eine große Bereicherung. Ich bin so dankbar,
- 46:55dass wir in dieser Zeit leben können, wo wir Zugang haben zu sehr,
- 47:00sehr, sehr alten Aufnahmen und zu neuen Aufnahmen und zu verschiedener Klang-Ästhetik.
- 47:07Ich finde das ganz spannend.
- 47:10Nochmal eine kurze Frage. Wissen Sie noch, was Sie mit Ihrem ersten professionellen
- 47:13Honorar als Dirigentin gemacht haben?
- 47:20Ich glaube ja, 500 Euro. Okay. Und wo sind diejenigen da? Ich weiß es überhaupt nicht.
- 47:29Ich weiß, also richtig professionell glaube ich.
- 47:36Mein erster Engagement war glaube ich in Sofia mit dem Radioorchester.
- 47:40Das war glaube ich mehr als 500 Euro.
- 47:44Aber auf jeden Fall, ich bin auch Teil des Forum Dirigierens geworden in Deutschland,
- 47:52und die haben einen unglaublich tollen Konstrukt.
- 47:55Man kommt auf eine Liste, das hieß damals Maestro von Morgen und Veranstalter
- 48:02in Deutschland können sich eine Dirigentin oder eine junge Dirigentin aussuchen.
- 48:07Und die zahlen, sagen wir, 500 Euro und dazu zahlt ein Förderverein 1.000 Euro.
- 48:16Und ich finde diese Initiativ, junge Musiker und Musikerinnen zu unterstützen,
- 48:23wirklich ganz besonders schön.
- 48:25Okay, aber ich habe jetzt ein bisschen auf eine Antwort gehofft,
- 48:27wie ich habe mir einen Sack Partituren gekauft oder ich habe Schulden abbezahlt oder keine Ahnung.
- 48:32Partitur kaufen? Immer, immer.
- 48:36Ich glaube, meine erste Partiturrechnung, als ich in Wien kam,
- 48:39war über 600 Euro in Wien für mein Studium.
- 48:42Wir hatten so einen Zettel bekommen mit so allen Stücken, die wir in der Spielzeit
- 48:47lernen müssen. Also einen A4-Zettel voll.
- 48:51Und ich hatte natürlich nichts. Und ja, die Partitur damals war schon teuer.
- 48:57Heute ist alles so teuer geworden.
- 49:00Aber ja, meine erste Rechnung war über 600 Euro.
- 49:04Okay. Dann habe ich mich gefragt, was würden Sie wohl der 16-jährigen Marie
- 49:08sagen, die gerade ihren Tennisschläger weggepackt hat und gesagt hat,
- 49:11das war es jetzt mit mir, mit dem Tennis.
- 49:13Wie würden Sie da ins Leben weiterhelfen wollen?
- 49:19Ich würde mir selber empfehlen, weiter Tennis zu spielen.
- 49:27Ich habe Tag nachher aufgehört und meinen Tennisschlag für Jahre nicht mehr in der Hand gehabt. Und,
- 49:38Ich bin so dumm, dass ich weiterhin keinen Sport gemacht habe.
- 49:42Ich bin mit Sport aufgewachsen. Sport war für mich selbstverständlich. Ich musste nie leiden.
- 49:49Ich bin damit aufgewachsen. Ich habe mich nie wirklich anstrengen müssen.
- 49:57Und jetzt, dass ich es wirklich bräuchte, Sport zu machen, ich schaffe es einfach
- 50:02nicht. Mein Mental ist so schlecht.
- 50:05Ich versuche, Sport zu machen und an dem Moment, wo es wehtut,
- 50:09ich höre auf, weil ich es eben nie gelernt habe, weil es selbstverständlich war.
- 50:17Und das ist ganz, ganz schlimm, weil das Dirigieren ist körperlich nicht ohne.
- 50:23Und ich weiß, wenn ich langsam nicht anfangen würde, Sport zu machen,
- 50:28würde ich eben Probleme kriegen in meinem Beruf.
- 50:34Ich hoffe, ich werde diesen mentalen Schritt mal überwinden können.
- 50:39Ich hatte aber auch nur auf eine große philosophische Lebensweisheit gehofft,
- 50:42dass Sie da noch irgendwas liefern könnten und sagen, ach, alles ist so wild, stell dich nicht so an.
- 50:48Das wird schon. Nein, nein, es ist sehr pragmatisch.
- 50:52Wissen Sie, was hieß das?
- 50:55Als ich jung war, dachte ich mir, Leute, neue Wünsche, Gesundheit. Ja, ja, ja, ja.
- 51:00Aber es ist dort das Wichtigste, oder? Die Gesundheit.
- 51:05Ich meine, wenn ich nicht mehr gesund bin, wenn ich einen krankenen Rücken habe
- 51:10und nicht mehr dirigieren kann, ja, dann ist das vielleicht nicht das Schönste, was passieren kann.
- 51:20Also pragmatisch zuerst, finde ich.
- 51:24Gut, dann kommen wir mal zum Ende, weil Sie haben heute noch eine Probe, ich nicht.
- 51:29Die letzte Frage, die ich mir noch nicht verkneifen kann, ist,
- 51:31was eigentlich für Sie das langweiligste an Ihrem Beruf ist?
- 51:35Das Langweiligste sind die Reisen. Das ist das Langweiligste und das Mühsamste überhaupt.
- 51:43Erstmal Koffer parken und dann Stunden in Reisen zu verlieren und dann noch
- 51:51nach Hause und Koffer ausparken und dann nach drei Tagen wieder anparken und dann wieder reisen.
- 51:58Das ist wirklich schlimm. Aber das ist ja unpraktisch. Sie wohnen in Graz,
- 52:02soweit ich weiß. Das ist jetzt weder um die Ecke von Kopenhagen noch von Köln.
- 52:06Ja, so schlimm ist es nicht. Graz hat einen kleinen Flughafen und ich bin 20
- 52:12Minuten entfernt davon.
- 52:14Es gibt niemanden bei der Security.
- 52:18Ich gehe einfach hin und bin schon im Flieger. Ich würde in Berlin oder in Paris
- 52:22oder in München leben. Ich würde erst mal eine Stunde brauchen,
- 52:26bis ich am Flughafen bin.
- 52:28Und dann, wenn es Sommerferien sind oder Irgenferien sind, dann muss ich besonders
- 52:32früh da sein, weil die Security so lange dauert.
- 52:37Und dann habe ich eigentlich mehr Zeit verbracht als in Graz,
- 52:41weil ich bin dann schon am Flughafen, ich bin schon im Flieger,
- 52:45mein Koffer wird weitergeführt.
- 52:46Ich fliege entweder nach Frankfurt, nach München, nach Berlin,
- 52:50nach Düsseldorf, manchmal direkt.
- 52:52Ja, also, und es ist eine ruhige Stadt, es ist nicht so viel Stress,
- 52:58die Südsteiermark ist wunderschön.
- 53:01Ja, also ich finde es nicht so schlecht erreicht im Gras.
- 53:05Na dann, dann bin ich jetzt mal gespannt, wenn Sie jetzt mit dem WDR von Köln
- 53:10nach Hamburg kommen, mit dem Orchester, dann kann das ja mit der Bahn nur höchstens
- 53:13zwei Tage dauern, dann wird das auch dann hinhauen mit der Reise. und.
- 53:20Sie haben dann am 25. das Konzert mit, jetzt muss ich mal überlegen,
- 53:23was gab es, es gibt Wagner, Eskaich und Saint-Saëns, das ist die Orgelsinfonie,
- 53:28also eine ziemlich bunte Teller.
- 53:31Und ja, ich bin gespannt auf das Konzert und wünsche Ihnen alles Gute für wo
- 53:36immer Sie was auch immer dirigieren und dass das mit dem Tennis und dem Sport
- 53:38auch nochmal irgendwann klappt,
- 53:39dass Sie den inneren Schweinehund dann gebändigt kriegen und sagen,
- 53:42raus mit mir und rauf auf den Platz und erst mal viel Glück und vielen Dank.
- 53:48Dankeschön, das war ein Vergnügen.
- 53:52Ein Podcast von Funke. Weitere Podcasts vom Hamburger Abendblatt finden Sie
- 53:56auf abendblatt.de slash podcast.