Latest / BZ am Ohr / Female Leadership: Wie Frauen Mut zum Führen & Gründen schöpfen und was sie verändern (Live-Podcast)
Transcript
- Herzlich willkommen zum zweiten Mal hier heute bei der Live-Podcast-Bühne auf dem Capsule Innovation Festival in Freiburg. Ich freue mich mega, dass ihr alle da seid. Ich freue mich, dass ihr zuhört. Ich freue mich über die Frauen und Männer, die da sind. Denn wir sprechen heute darüber, wie noch mehr Frauen Mut zum Gründen und Führen schöpfen. Was konkret uns Frauen hilft, aber was das auch konkret nützt für die Unternehmen, die Wirtschaft, für unsere Gesellschaft. was eigentlich alle davon haben. Und darüber spreche ich heute mit Verena Hauser. Verena ist Unternehmerin, Business Coach. Sie hat fünf Jahre lang ein Software-Startup geleitet und sie gibt ihr Wissen auch weiter in Freiburg bei Futur F, einem Netzwerk für Gründerinnen und Frauen mit Gründungsidee. Und Christine Rittner ist bei mir. Christine ist Business Angel und Mentorin für Startups und Frauen. Sie hat so viele interessante und spannende Ämter und Jobs-Innen, dass ich nur so eine Handvoll mal mitgebe. Sie ist Aufsichtsrätin bei Green Force, Verwaltungsrätin bei Denner und hat eine 19-jährige Karriere bei Lidl hinter sich, global. Und war da unter anderem Global Chief Human Resources Officer. Ja, genau. Ich war im Vorstand bei Lidl. Und Vorständin. Und war dort für 300.000 Mitarbeitende in 32 Ländern verantwortlich. Genau, um das mal mitzugeben. Und wenn ich hier diese geballte Expertise von euch gerade mal sitzen habe, würde ich die gerne zum Start mal so kurz und knapp abgreifen. Und zwar mit drei Sätzen, die ich anfange und ihr dürft sie beenden. Christine, wären die Hälfte aller Führungskräfte und Unternehmerinnen in Deutschland Frauen, dann hätten wir, glaube ich, kein Fach- und Führungsproblem mehr. Dann wären wir wieder Innovationsführer auf der Welt. Frauen, die führen oder gründen wollen, haben den größten Respekt vor? Ich wollte nicht Angst sagen, aber Respekt. Respekt, den die Frauen, wovor sie Respekt haben? Ja, wovor sie Muffensausen haben, sag ich mal. Es wirklich alles unter einen Hut zu bringen. Du meinst auch das Thema Privat- und Unternehmertum. Ich meine, okay, ich dachte, ich sollte nur kurz und knapp antworten. Ja, nur Verständnisfragen. Ja, ja, nee, also damit meine ich wirklich alles unter den Hund zu bringen. Und das ist wirklich diese herausfordernde Zeit einer Gründung, die alles von dir abfördert. Dann, dass du entweder, du hast einen Partner und willst dich ja auch gerne um den kümmern. Oder du suchst ihn noch und hast vielleicht gar keine Zeit dafür. Dann aber auch Familiengründung oder auch das Thema, dass deine Eltern vielleicht in der Pflege sind. Also einfach dieses alles, was damit zusammenhängt. Also einfach alles kommt, alles breit auf sich ein. Ich würde noch ergänzen, wirklich in die Sichtbarkeit zu gehen mit seiner Idee und mit dem eigenen Gesicht in die Öffentlichkeit zu gehen, dafür zu stehen, es zu verkaufen, zu vermarkten. Das ist was, was, glaube ich, Respekt einflößt. Das ist super. Da gehen wir auch noch ganz intensiv drauf ein, auf genau diese Themen. Letzter Satz für euch zum Vollenden. Vor meinem ersten Elevator-Pitch habe ich. Power-Posing gemacht. Kannst du das gut zeigen? Wenn ich danach wieder hinter mein Mikrofon komme, gerne. Also du musst dann beschreiben, was ich gerade tue. Okay, sieht super aus, oder? Könnt ihr mal klatschen? Ist tatsächlich eine Methode, die nachweislich, also über Spiegelneuronen nicht immer funktioniert, dass das eigene Selbstbewusstsein in der Situation oder die Selbstwirksamkeit in der Situation sich erhöht, sodass ich eben in den Pitch gehen kann mit einem anderen Mindset. Und nicht klein und gebeugt, sondern ich mache quasi erst meinen Körper groß, um dann mein Hirn nachziehen zu lassen. Mir fällt spontan jetzt gerade was ganz ganz anderes ein, weil ich überhaupt nicht weiß wann mein erster Elevator Pitch war. Wahrscheinlich war das irgendwann mal in der Grundschule. Als ich wahrscheinlich ein Gedicht aufsagen musste oder so, da wurde ich einfach nur knallrot und habe Angst gehabt. Das ist eine total nachvollziehbare Situation und Grundschule kann ich mir auch super vorstellen. Genau, und dann braucht man jemanden, der einen eigentlich bestärkt oder der einem sowas sagt wie, hey, mach doch mal Powerposing. Wie war das bei euch? Also euch eint ja ein bisschen die Mission, dass ihr sagt, wir wollen eigentlich Menschen in ihrem Wachstum bestärken. Frauen im Besonderen, ja, oder die begleiten und denen vielleicht auch ein Role Model sein oder Dinge an die Hand geben, die sie woanders nicht bekommen. Wer hat denn euch bestärkt auf dem Weg, dass ihr heute hier sitzt? Also wer hat euch bestärkt oder bestärkt euch? Also gerne fange ich an. Und meine Karriere ist ja doch jetzt ein bisschen unterschiedlich. Du hast es ja am Anfang gesagt, ich war fast 20 Jahre lang im Konzern und bin ja jetzt erst seit den letzten fünf Jahren mehr im Startup-Bereich. Und ich würde wirklich sagen, was mich gestärkt hat, ist zum einen mein Elternhaus. Ich bin in Stralsung groß geworden. Ich bin zu Ostzeiten, also bevor der Wende, aufgewachsen und da natürlich auch mit einem gewissen Mindset und auch mit einem sehr großen Leistungsdruck. Und hatte dann natürlich meine Eltern schon auch als Vorbilder, so wird es gemacht oder wurden mir viel vorgegeben. Ich muss aber sagen, ich hatte auch während meiner Zeit bei Lidl immer ganz, ganz, ganz tolle Mentoren. Und das war am Anfang, waren es Männer, es waren nicht die Frauen, die mich aber immer wieder an die Hand genommen haben, die mich befördert haben, bevor ich es überhaupt gesehen habe. Also ich habe bei Lidl nie um eine Beförderung gefragt, sondern ich wurde befördert und bin manchmal danach rausgegangen. Also ich kann mich da an diese eine Situation erinnern, bin danach rausgegangen und habe wirklich für mich nur gedacht, auf dem Weg runter, als ich die Treppe runtergegangen bin, scheiße, meinen die mich? Wenn die rausfinden, was ich wirklich eigentlich kann, oh Gott, oh Gott, oh Gott, mir ist das Herz fast stehen geblieben. Das war, glaube ich, 2006, da bin ich Geschäftsführerin geworden mit 26, 27 Jahren, war zuständig für 1.000 Mitarbeitende und ich habe nur gedacht, sind die denn eigentlich verrückt? Die können doch nicht so eine junge Frau da hinsetzen. Und so habe ich aber wirklich immer ganz, ganz tolle Personen an meiner Seite gehabt, die immer mehr in mir gesehen haben. Und ich muss ehrlich sagen, das ist genau das, was ich jetzt versuche, auch bei anderen immer so wieder mitzugeben. Schaffst du es denn ganz kurz, genau diese Funktion heute auch für dich selbst besser einzunehmen? Also ich meine im Sinne von, dass du nicht mehr fragst, oh Gott, was sehen die hier in mir, sondern dass du sagst, ja, sehe ich in mir. Das habe ich komplett abgelegt. Also das habe ich komplett abgelegt. Ich wäre, glaube ich, nicht Vorständin bei Lidl geworden, wenn ich weiterhin dieses Mindset gehabt hätte. Und das ist auch ganz, ganz wichtig. Und das gebe ich immer auch als Tipp mit, wenn euch ein Vorgesetzter, wenn ein Mentor, wenn irgendjemand euch sagt, ihr kriegt die nächste Beförderung oder ihr schafft das, dann schafft ihr das auch und man wächst da auch rein. Also das habe ich komplett abgelehnt. Danke dir. Verena, wie war es bei dir? Wer bestärkt dich? Hat dich bestärkt? Ich möchte es auch. Ich denke, gerade am Anfang ist es natürlich die Familie. Es fängt eigentlich schon sozusagen in der Kindheit an. Wir sehen, dass schon im Kindergartenalter Frauen oder Mädchen und Jungs unterschiedlich groß träumen, was ich total schockierend finde. Also man kann nicht früh genug eigentlich Kinder fördern, groß zu denken, sich zu trauen, Dinge auszuprobieren, vielleicht dann auch mal hinzufallen, wirklich im wahrsten Sinne des Wortes und weiterzumachen. Und ich möchte aber auch nach vorne springen und eine spezielle, gerade in dem Bereich Gründung, auch wirklich spezielle Organisationen hervorheben, wie es eben zum Beispiel Futur F ist, wenn ihr eine Gründungsidee habt oder eben startet in die Gründungsphase. Ich selbst bin in einer ein bisschen späteren Startup-Phase, als wir dann die ersten InvestorInnen bekommen haben, habe ich sehr profitiert zum Beispiel von Encourage Ventures, wo Christine auch engagiert ist. Das heißt, es ist auch sehr wichtig, einfach zwischendrin sich Unterstützung zu holen von Organisationen, die speziell Gründerinnen oder Führungskräfte oder was man eben werden möchte, fördert und sich da einfach mit anzudocken. Sowohl kann es finanziell ein Vorteil sein, aber eben auch, da findet man plötzlich diese Role Models. Also es ist nicht so leicht, Business Angelinnen in Deutschland zu finden und wenn man sich eben an solche Netzwerke wendet, da sind sie plötzlich, das ist halt sehr schön. Ja, also ich habe das Gefühl, da in der Zeit, wo ich, sag ich mal, angefangen habe in meiner Karriere, da gab es ja noch kein LinkedIn, da gab es kein Instagram, ich hatte gar nicht das Netzwerk, Ich hatte, glaube ich, auch gar nicht diese Umgebung, wo ich mir gedacht habe, ich schaue mal, was machen denn so andere. Und das ist so toll, was es heutzutage alles gibt. Es gibt ja teilweise gefühlt ein Überangebot an Mentor, Mentorinnen, an den Netzwerken. Aber es kann davon gar nicht genug geben. Und wichtig ist halt, dass man jetzt wirklich da auch darauf zugeht, dass man das alles mit nutzt, dass man sich darauf einlässt, dass man die richtige Person findet, weil am Ende ist es total wichtig, wer begleitet uns in unserem Leben. Und ein wichtiges Thema ist zum Beispiel auch immer auch die Partnerwahl. Das kann man nicht oft genug sagen. Kann man nicht oft genug sagen. Also auch immer, ich sage immer, Ladies, Augen auf bei der Partnerwahl. Also total wichtig, wer bestärkt uns in dem, was wir machen wollen. Und mein Mann zum Beispiel, der ist mein absolut größter Fan. Jedes Jahr zum Geburtstag kriege ich ein neues T-Shirt mit Wonder Woman oder Superwoman oder irgendwas drauf. Und das ist einfach so cool, sich so eine Umgebung zu schaffen, wo die Leute einen auch immer wieder so anfeuern und immer wieder ermutigen. Auch wenn, ich habe erzählt, ich war Personalvorständin, jetzt bin ich erfolgreiche Business Angel. Aber das kommt ja nicht von irgendwo her. Und auch ich sitze manchmal da und denke mir so, oh Gott, und ist das jetzt alles richtig? Und sollte ich nicht was anderes machen und da die beste freundin einen tollen mentor oder coach auch großer unterschied einen tollen partner zu haben ganz ganz wichtig. Obwohl es all diese Möglichkeiten heute gibt, dieser Unterstützung, ist es so laut Female Founders Monitor, dass der Gründerinnenanteil im Start-up-Ökosystem das erste Mal nach fünf Jahren wieder rückläufig ist, bei knapp 19 Prozent. Und wenn man sich mal die Studie dazu anschaut, dann sagen die Gründerinnen und auch Gründer, die da befragt werden, dass die größten Hebel dafür wären, dass mehr Frauen aktiv werden in dem Bereich, sind die Vereinbarkeit von Familienunternehmertum und Role Models. Sind es so, könnt ihr das bestätigen aus eurer Arbeit als Mentorinnen? Sind es die Pain Points, die sich mit euren Erfahrungen decken? Also ich würde sagen, ja. Mir fallen spontan noch ein paar mehr ein, die ich ergänzen würde. Zum Beispiel, ja. Das wäre zum Beispiel das Thema Vertrieb zu lernen. Vielleicht ist es auch ein Role Model Thema. Also ich denke, die meisten Gründer und Gründerinnen kommen mit einer Idee, weil sie getrieben sind vom Produkt, weil sie ein Problem lösen wollen. Aber diese Mechanismen zu erlernen, wie ich die eben verkaufe und vielleicht auch ein kleines oder ein großes, völlig unterschiedlich auch im Unternehmen verkaufe und mich hinstelle und sie pitsche, der Begriff kam ja auch schon, also sie vorstelle in kurzen, prägnanten Worten. Das sind alles Kompetenzen, die man sich neu erlernen muss, weil die meisten GründerInnen kommen aus, zu Recht ja auch, also ich selbst bin Psychologin, vielleicht aus den Naturwissenschaften, aus allen möglichen Fachbereichen und das ist eben so ein bisschen das Handwerkszeug, was man sich dann aneignen muss. Also ich denke, das ist so ein bisschen was, was auch Frauen und vielleicht auch Männer abschreckt. Ich würde vielleicht einmal auf den Punkt eingehen, Vereinbarkeit auch mit Familie. Ich habe gerade in meinem Portfolio, ich investiere in elf Startups. In den letzten zwei Monaten haben mir drei Gründerinnen gesagt, dass sie schwanger sind. Und im ersten Augenblick ist es für mich natürlich super. Über jedes weitere Baby freue ich mich absolut. Das ist sowas Tolles, das ist das Schönste im Leben. Und auf der anderen Seite denke ich mir nur, oh holy shit, wie machen wir das? Und ganz ehrlich, wir Frauen, wir sind einfach Superwomen und wir kriegen das alles hin. Und das sehe ich gar nicht mal so als das große Thema. Das ist zwar im Mentoring, ist das bei mir immer wieder ein Thema, dass die Frauen zu mir kommen und sagen, oh Gott, Christine, soll ich das machen und ich habe zwei Kinder zu Hause und dies und das. Die kriegen das aber sehr, sehr gut in. Eins der größten Themen, das größte Problem sehe ich, dass die Frauen nicht das Kapital bekommen. Weil es ist einfach die Männer, die auch wirklich oft die Business Angels sind, wir reden jetzt gerade in der Frühphase. Oder ich sehe auch teilweise, wie Business Angels manchmal auf die Frauen zugehen, was auch was da erwartet wird, welche Fragen gestellt werden. Und leider ist diese Biases, die im Kopf sind, und dass halt wirklich männliche Business Angels investieren in männliche Teams und diese 18, 19 Prozent, das geht doch nicht. Es kann doch nicht sein, weil wir Frauen, wir haben genauso tolle Ideen, wir können genauso gut gründen. Vielleicht denken wir manchmal nicht ganz so groß wie die Männer. Ja, vielleicht trauen wir uns auch manchmal nicht so viel zu, aber dafür gibt es ja uns auch Mentorinnen, die immer gerne, also das mache ich immer gerne, da nochmal ein bisschen, komm, wir denken größer. Aber das größte Problem ist immer wieder auch Geld und das Kapital. Und das müssen wir einfach ändern. Und das ist auch ein Grund, warum wir vor vier Jahren Encourage Ventures gegründet haben. Wir sind ein Netzwerk, was diverse Startup-Teams unterstützt und auch fördert, dass es mehr weibliche Business Angels gibt. Ich glaube, in Deutschland die Zahl ist bei 11 Prozent, 13 Prozent irgendwie. Das kann doch auch nicht sein. Es gibt doch mehr Frauen, die auch wirklich Kapital haben. Aber auch da ist hier dieses Thema Mut, dass man wirklich sagt, okay, ich bin unternehmerisch tätig und ich werde mein eigenes privates Geld in Startups investieren. Und ja, es ist tatsächlich auch so, dass Frauen in Pitches häufiger nach den Risiken gefragt werden und Männer eher nach den Chancen. Und das ist jetzt was, da können wir natürlich, müssen natürlich beide Seiten irgendwie darauf reagieren. Das heißt, wir Frauen müssen vielleicht proaktiver die Chancen und diese große Vision, was Christina hat gesagt, think big, kommunizieren. Und gleichzeitig ist es aber auch was, was sich im Ökosystem einfach ändern muss und wo ich auch appellieren möchte an alle Menschen, wenn sie Pitches sehen von Frauen und vielleicht denken, ach, die Idee ist jetzt nicht so groß. Ladet sie trotzdem ein, fragt sie explizit, erst danach entscheidet, wie groß die Idee wirklich ist. Weil meine Erfahrung auch gerade, man braucht ein bisschen drei, vier, fünf Sätze mehr vielleicht mit den Gründerinnen, bis man das volle Potenzial ihrer Ideen auch wirklich versteht. Ja, ihr habt spannende Sachen gesagt. Gender Investment Gap, kommen wir auch noch drauf. Das ist genau ein großer Schmerzpunkt. Und ich wollte aber nochmal nachfragen an einem anderen Thema, was du jetzt gerade angesprochen hast, nämlich dieses Großdenken, weil wir haben uns auch vor diesem Podcast schon mal unterhalten und da kam dieses Thema auch schon hoch. Es gibt ja so, ich sage mal, mindestens zwei Erkläransätze dafür, dass Frauen in entscheidenden Positionen unterrepräsentiert sind. Das sind einmal strukturelle, zum Beispiel, dass sowas wie Kinderbetreuung immer noch häufig so den Müttern in die Schuhe geschoben wird, also das ganze Vereinbarkeitsthema Müttern in die Schuhe geschoben wird und dann aber auch sowas wie, ich nenne es mal Prägungen, die tendenziell bei Frauen häufiger vorkommen, genau, ich traue mir mal nicht so viel zu, ich bin mal eher zufrieden und Christine, du hast in dem Vorgespräch gesagt, die denken alle viel zu klein. Gib mir doch mal bitte ein Beispiel, wie denkt man denn groß und kannst du das mal an einem Beispiel vielleicht kurz erklären? Ja, und das hört sich eigentlich immer so banal an, aber ich mache das fast mit jeder Gründerin, die ich bei mir im Mentoring auch habe. Wir sitzen zusammen, also so ist meistens so das Mentoring, was wir zu machen, wir sitzen zusammen und sagen, okay, mach mal deinen Pitch. Dann höre ich mir das an und dann steht ja da oft drin, wo sind sie denn in den nächsten drei Jahren? Und dann denke ich mir, das ist schon gut. Also das ist schon richtig, richtig cool. Und ich nutze meistens eigentlich die Methode, das ist total einfach, wenn ich dir jetzt einfach so, ich gebe dir eine Million Euro, einfach so. Ich möchte keine Anteile haben, du musst mir nicht zurückzahlen. Ich schenke dir das Geld. Wie würde dein Unternehmen aussehen? So, und dann versuchen wir zusammen einfach mal richtig, richtig groß zu denken und schreiben das, also diese typische Nordstern, ja, und schreiben das einfach mal auf. Und dann nutzen wir die Backcasting-Methode. Das heißt, wenn du da in drei Jahren, in fünf Jahren bist, lass uns mal zurück überlegen, welche Schritte müsstest du dann machen, um da hinzukommen. Weil meistens ist das so, und ich weiß nicht, ob wir hier heute auch Gründerinnen unter uns haben, oft ist es so, es werden im Pitch Deck gezeigt, okay, in den nächsten drei Monaten mache ich das und das. Oder nächstes Jahr mache ich das und dann gehe ich da hin und dann gehe ich da hin. Und das ist auch wichtig, aber lasst uns mal zurückdenken. Und dann schauen wir ja, wo wir rauskommen und dann sage ich, okay, und dann sind wir wieder heute im Hier und Jetzt und jetzt lass uns im Detail jetzt wieder nach vorne planen. Und dann auf einmal kommt was ganz anderes raus und ich weiß gar nicht, ob wir jemals das erreichen, aber das ist auch egal, das ist gar nicht Sinn der Übung, sondern es ist einfach nur dieses, hey, mach dich mal komplett frei von diesem ganzen, oh Gott und ich weiß nicht und da könnte noch und da ist noch der andere Wettbewerber. Nee, du hast eine mega geile Idee und die machen wir jetzt richtig groß. Und dann passiert manchmal was total krasses und mit der Hälfte der Gründerinnen passiert irgendein Pivot und auf einmal kommt mal wieder was ganz anderes raus, was aber richtig gut funktioniert. Wenn man sich diese Freiheit quasi mal erlaubt, also eine Million Euro, das ist schon ein Ding, wo man denkt, okay, da muss mir jetzt erstmal kurz was einfallen, oder? Ja, also diese Reaktion ist erstmal so, Moment, habe ich noch gar nicht überlegt. Aber es ist eigentlich bei jedem von uns. Überlegt mal jeder von euch, ihr würdet jetzt eine Million Euro bekommen. Was würdet ihr machen? Wie würdet ihr das Geld investieren? Und also bei mir sind es zum Beispiel auch, ich würde viel mehr noch in meine eigene Weiterbildung stecken. Ich würde vielmehr irgendwelche tollen Kurse oder Sachen machen, die manchmal so teuer sind, wo ich mir denke, oh Gott, das kannst du dir gar nicht leisten. Aber wenn man dann überlegt, wie könnte man das dann machen, wenn das dann irgendwie in einem drin ist, dieser Traum, und dann muss man das auch verwirklichen. Ich glaube, das liegt auch auf so einem Glaubenssatz, der in uns drin ist. Ich muss ja klein anfangen, wenn ich eine Idee habe. Und das muss man nicht unbedingt, insbesondere wenn ich eine Idee habe, die relativ, sage ich mal, viel Wettbewerb hat, ist das was, was man sehr schnell groß machen sollte und das schaffe ich eigentlich organisch fast nicht. Also das heißt, es ist schon nach Geschäftsmodell, sollte man sich solche Fragen schon sehr bewusst stellen oder die sind wirklich entscheidend für den Erfolg. Ein anderes Thema, was auch so ein bisschen ein Pain-Point ist oder zumindest einer, der oft so ein bisschen sträflich vielleicht bedacht wird, habe ich auch von dir gehört, das ist das Thema Geld. Du hast mir erzählt, dass in deinen Beratungen oft so eine super motivierte angehende Gründerin und dann kommt irgendwann so der Part mit dem Finanzplan für dieses Jahr, nächstes Jahr. Im besten recht zügig, ja. Genau und dann findet so eine gewisse Entzauberung statt. Also was passiert da? Ja, das ist meistens so ein Moment der Ernüchterung sozusagen oder wo es dann wirklich real wird. Das ist aber was, das spreche ich meistens mit den Gründerinnen vorher schon an. Ich sage, okay, wir machen den Finanzplan. Erschreck dich nicht, wenn plötzlich diese Emotionen kommen. Wir gehen da durch und wir kommen auch wieder andere Zeiten. Wo du diese Energie wieder zurückspülst. Aber das ist so ein Moment, weil einfach auch die Kosten, glaube ich, oft unterschätzt werden. Also wenn ich auch wieder think big, es sind oft Gründerinnen, die selbstständig sein wollen, freiberuflich. Aber auch die müssen eben daran denken, was ist denn mit der Rentenversicherung oder mit meiner Vorsorge fürs Alter? Was ist denn mit meiner Krankenversicherung? Was muss ich an Steuern zahlen? Und so weiter und so weiter. Und dann wird dieser Finanzplan doch ein bisschen komplexer, als sie im ersten Moment im Kopf haben. Und wichtig ist dann eben, am besten in das Mindset zu kommen, Flucht nach vorne, das ist mein Partner immer. Also eben dann auch think big im Umsatz zu überlegen, wie komme ich dahin, eben diesen Umsatz zu machen, dass ich auch diese Ziele erreiche. Und ein anderer Tipp ist auch, macht, auch glaube ich, wir Frauen machen immer auch den Finanzplan ein bisschen kleiner erst mal. Das ist wichtig, weil man braucht so ein bisschen einen, ich sage mal. Ja, so ein Plan B oder auch mal einfach zu wissen sozusagen, was muss ich denn wirklich holen oder den Worst Case vielleicht als Sicherheitsanker. Aber macht noch einen zweiten Finanzplan. Macht den Finanzplan ein bisschen in dem Mindset, was Christine gerade gesagt hat. Also was wäre denn, wenn ich gerne mit das Leben leben würde, was ich gerne leben würde und was bräuchte ich dafür und wie komme ich zu diesen Umsätzen dann? Christine will schon unbedingt auf jeden Fall einschreiten hier noch. Ich will unbedingt was zum Thema Finanzen sagen. Wenn Frauen gründen, dann kommen verschiedenste Arten von Startups raus. Also ich sehe da verschiedenste Arten. Also wir haben ganz tolle KI-Tech-Startups, wie auch immer. Und auch ganz viel, was mit dem Herzen zu tun hat, ganz viel Impact-Startups. Ganz viel, ich werde die Welt ein bisschen besser machen. Und das ist toll und das benötigen wir auch. Und dann sitze ich auf dem Mentoring mit den Gründerinnen zusammen. Und er so, Christine, wirklich, das liegt mir so am Herzen und ich möchte das unbedingt machen. Und nee, komm, wir machen das auch kostenlos und wir geben das so raus, weil wir machen da wirklich was ganz, ganz Tolles mit. Und die haben ja auch kein Geld und wie auch immer. Und dann denke ich so, ja, du hast, das ist wirklich eine ganz tolle Idee, du hast recht. Aber, aber, wenn du selber kein Geld verdienst und kein Unternehmen aufmachst und nicht größer denkst, kannst du auch nicht noch mehr Menschen helfen. Also dieses, ich finde das so toll und ich habe auch dieses, ich habe auch ganz, ganz doll dieses Helfer-Syndrom und das ist toll, dass wir Frauen das auch haben, dass wir das auch viel machen. Aber es ist ganz wichtig, dass wir für unsere Arbeit auch bezahlt werden. Und das sind so Sachen wie auch Speaking-Auftritte. Ich mache das mal kostenlos, ich nehme dafür nicht so viel. Oder auch Mentoring. Und es ist auch so, Sachen, die nichts kosten, ist bei Menschen oft so, sind auch weniger wert. Und dieses Thema, den Frauen Mut zu machen, du bist mehr wert. Du bringst deinen Preis nach oben. Du darfst und musst auch mehr verdienen. Du hast auch eine Familie zu ernähren. Das merke ich so, das fällt ganz vielen Frauen ganz schwer. Wir haben es auch vorhin in der Keynote gehört, also wirklich auch für alle UnternehmensvertreterInnen hier, Piloten nicht kostenfrei machen, bitte. Wie lupft man sich denn dann über diese, es ist ja auch eine Mindset-Barriere, dass man irgendwie genau diesen Schritt macht und sagt, ja, was ich mache, ist total geil und es hilft vielen. Und obwohl es eine dienende, helfende Tätigkeit oder Dienstleistung ist, natürlich kostet es Geld. Also gibt es da so einen kleinen Hack zur Überbrückung, sage ich mal zum Beispiel, habe ich schon gehört, naja, wenn du schon denkst, du bist es nicht wert oder so, dann denk mal, wenn du Unternehmerin bist, du musst ja deine Familie finanzieren, dann mach es für die, doof gesagt. Oder halt, hol dir vor Augen, wer von diesem Business leben muss. Also wenn man vielleicht an die eigenen Kinder denkt, denkt man so, ja, nee, würde schon gerne den neuen Schulranzen für den Sohn kaufen oder sowas. Also gibt es da so kleine An-die-Hand-nehm-Schritte, die einen erstmal über diese erste Reaktion, oh, darf nichts kosten, hinweg helfen. Ja, also spontan würde ich einfach sagen, wirklich Business denken. Es ist ein Business. Wir sind kein, oder du bist niemand, der einfach Milliarden auf dem Konto hat und irgendwie alles frei weg gibt, aber auch gerade die Personen wahrscheinlich denken an alles Business. Nee, wirklich, was auch immer die Idee ist, denkt Business und ihr müsst davon überleben können. Ich denke auch, es ist Haltung vor Handlung. Also ich glaube, es muss sich erst im Kopf was verändern, was natürlich leichter gesagt ist als getan. Und da vielleicht auch die Idee, die ich auch hatte, also sich eine Positivvision zu machen. Wie würde ich denn gern leben wollen? Wie oft will ich vielleicht in Urlaub fahren? Was möchte ich mir leisten können? Und dann das als Ausgangspunkt zu nehmen. Das finde ich schön. Und auch das Thema Verkaufen hängt ja mit dem Geld einfach auch zusammen. Darüber hatten wir auch schon mal gesprochen, dass Christina hatte erzählt, dass viele GründerInnen, wenn die dann so ein bisschen größer werden, holen die sich erstmal jemand für einen Vertrieb. Das soll erstmal jemand anderes bitte machen. Du nickst jetzt und lächelst, also dumme Idee, oder? Nee, nicht unbedingt dumme Idee, aber wenn ich mit den GründerInnen spreche, dann sage ich auch mal, Vertrieb ist wirklich eure Aufgabe. Das ist die Aufgabe der Gründer und Gründerin, des CEOs und das egal in welcher Phase. Das Einzige, was sich aus meiner Sicht ändert, ist halt die Größe des Kunden. Also irgendwann gibt man dann vielleicht die kleineren Kunden an einem Vertriebsmitarbeitenden ab, aber die großen, da möchten die Kunden, möchten den Gründer und die Gründerin sehen. Und das ist für mich immer so ein Zeichen auch, Christine, bestell mal jemanden für Vertrieb und so richtig so gerne mache ich das nicht und ich stehe nicht so gerne auf der Bühne und ich pitche nicht so gerne oder nee, dann heißt es üben, üben. Dann such dir eine Mentorin oder einen Mentor und dann übe es zu pitchen, übe es, wie du vor Kunden sprichst und das kann man alles und das kann man üben und das macht auch richtig, richtig Spaß. Und vielleicht zur Ermutigung, also ich bin sicherlich auch gerade nicht in meiner Komfortzone, als ich gefragt wurde für den Podcast, dachte ich, ja, uns unterhalten sehr gerne, habe völlig ausgeblendet, dass das Ganze vor Publikum stattfindet. Also das ist, ja, genau. Ausgeblendet, aber eben vielleicht manchmal auch einfach, ist so eine gewisse Naivität, sage ich mal, oder einfach dann zuzusagen, weil dann steckt man schon drin, ein halbes Jahr vorher dann gut, weil man es dann noch durchzieht und daraus lernt. Immer raus aus der Komfortzone. Und daran lernt man ja auch wirklich am besten. Und sucht euch wirklich ein Umfeld, wo ihr euch wohlfühlt, aus eurer Komfortzone rauszugehen. Und ich gebe jetzt mal wieder zwei, drei Beispiele auch mit. Also zum Beispiel bei Encourage Ventures. Wir machen da Pitch-Trainings und wir üben das miteinander. Und das auch dann, weiß ich auch, wie hältst du den Pitch digital? Das ist ja auch nochmal ein Unterschied, als wenn du das live machst. Ich bin auch bei den Campus Founders tätig und da mache ich regelmäßig viel mehr Founder-Events. Und da hatten wir zum Beispiel letztes Mal eine Schauspielerin eingeladen und haben mit ihr zusammen Präsentationstechniken geübt, aber auf eine ganz andere Art und Weise. Also richtig raus aus der Komfortzone. Jedenfalls für uns Deutsche, wir sind ja dann doch irgendwie alle so ein bisschen starr. Also dass wir einfach mal so anfangen würden, auf der Bühne zu tanzen, das fällt uns ja doch manchmal ein bisschen schwieriger. Und dieses Lockerlassen und Üben und Üben, das ist gut. Und da gibt es wirklich viele Ökosysteme. Ihr macht ja da auch sehr viel und nutzt das einfach. Kommt dazu, meldet euch an. Jetzt haben wir ganz viel darüber geredet, was ihr sozusagen den Frauen oder den diversen Startups selber mitgeben könnt. Wir haben aber auch über sowas wie den Gender Investment Gap gesprochen. Es gibt ja auch tatsächlich auch in dem Bereich strukturelle Probleme. Also wir haben einfach weniger Investitionen für Frauen. Wir haben auch zum Teil zum Beispiel eine Apple KI, die Frauen bei der Kreditvergabe benachteiligt. Ja, also Frauen haben es auch weniger leicht, einfach an Geld zu kommen auf diversen Ebenen. Habt ihr da überhaupt mit eurer Arbeit eine Möglichkeit, ranzukommen? Vielleicht, Christine, wenn du auch nicht nur auf der One-on-One-Ebene denkst, sondern wie du auch sonst vielleicht mit deinem Handeln darauf einwirken kannst in größeren Kreisen? Was ich zum Beispiel, ich persönlich mache, ich investiere nur in Startups, wenn mindestens eine Frau auch im Gründerteam ist. Und das ist bei allen, die bei Encourage Ventures dabei sind, das haben sich alle als Mission so gesetzt. Das heißt, dieses Thema Vorbild sein, drüber sprechen. Und ihr könnt euch gut vorstellen, wie viele Gründer zu mir kommen und sagen, Christine, aber dir geht jetzt gerade die beste Idee des Lebens. Dir geht das nächste Unicorn durch, nur weil du nicht bei uns investierst. Ja, so ist das. Aber wenn nur 18, 19 Prozent unserer Startups weiblich sind und am Ende bekommen nur 1 bis 3 Prozent von weiblichen Startups VC-Capital, das geht doch nicht. Und das müssen wir ändern und das müssen wir strukturell ändern. Und ich finde, dafür ist gerade in Couch Ventures ein absolut großartiges Netzwerk, um das zu unterstützen. Und ich denke, da braucht es auch Bildung bei den entsprechenden Stellen, also zum Beispiel das Bewusstsein, dass Frauen auch zum Beispiel oft weniger Eigenkapital mitbringen, weil sie zum Beispiel vorher schon in schlechter bezahlteren Jobs gearbeitet haben, weil über Jahrhunderte die Erbfolge Männer bevorzugt hat gegenüber Frauen. Das ist einfach ein Bewusstsein, was GeldgeberInnen haben müssen. Um eben dann ihre Entscheidungen nochmal in diesem Licht auch zu reflektieren. Oder eben vielleicht dann doch noch eine Frage mehr zu stellen nach den Chancen, um das nochmal rauszukitzeln und bewusst zu sein, welchen Beispiele sie unterliegen. Also ich glaube, es braucht auf Seiten der Geldgeber eben auch eine Veränderung, eine Offenheit dafür, sich damit zu befassen und zu lernen, wie man es besser machen kann. Wenn wir jetzt konkret über Unternehmen, Arbeitgeber, InvestorInnen sprechen, was hat denn ein Unternehmen davon, wenn Frauen mehr Entscheidungen treffen? Also ganz blöd gefragt, wenn du an deine Vorstandsarbeit denkst, wo du wahrscheinlich häufig in einem Gremium saßt, wo du eher in der Unterzahl warst als Frau, wie würdest du denen pitchen, was eigentlich cooler wäre, wenn hier mehr Frauen sitzen würden? Eigentlich brauche ich da gar nicht so groß pitchen. Wenn wir uns mal die Demografie anschauen, wenn wir uns die Zahlen anschauen, in den nächsten zehn Jahren, wie viele Millionen Menschen uns fehlen werden auf dem Arbeitsmarkt. Und ja, da gibt es die eine Hälfte, die dann sagt, okay, die KI wird dann viel übernehmen. Mit Digitalisierung, mit KI werden viele Arbeitsplätze da übernommen. Aber das ist ja nur die halbe Wahrheit. Es fehlen einfach Arbeitskräfte. Und wir Frauen sind so top ausgebildet und das zeigen ja alle Zahlen. Beim Abitur liegen die Frauen absolut weit vorne, also auch von der Leistung her. Beim Studium ist es auch noch alles relativ gut und dann geht es nachher los. Ich hatte damals bei Lidl auch eine schöne Analyse gemacht, wie sieht es dann bei uns aus. Und dann geht das so los ab 25, 30, dass dann die Anzahl auch runtergeht. Und das ist dann auch die Zeit, wo es dann in die Familiengründung geht, wo es dann schwieriger wird. Und du hast ja auch, um ganz kurz einzuhaken, eine Erfahrung gemacht, die du auch mit uns vorab schon mal geteilt hattest, nämlich als du bei Lidl ausgestiegen bist. Und dein Sohn war, glaube ich, noch relativ klein. Da war der Satz, den du aus dem Umfeld gehört hast, ach, ist doch schön, jetzt hast du wieder Zeit für deinen Sohn. Also das ist halt auch, wie lange müssen wir uns noch solche Sätze quasi anhören? Also das hat mich damals ganz schön getroffen. Mein Sohn war drei, als ich bei Lidl ausgestiegen bin. Das war im Mai 2020. Das heißt, da waren die Kindergärten gerade alle geschlossen. Das heißt, ich saß zu Hause mit meinem Sohn und habe dann aus dem Umfeld ja bekommen, ja, Christine, jetzt kannst du dich endlich mal um deinen Sohn kümmern, weil in meiner Vorstandstätigkeit habe ich das ja dann angeblich nicht. Und das ist wirklich, also das fand ich fürchterlich und auch eine Frechheit und auch so ein Eingriff, weil die, die mich kennen, die wissen, ich bin sehr, sehr gut durchorganisiert und habe jede freie Zeit sehr qualitativ toll mit dem Kleinen verbracht. Und ja, das geht einfach nicht. Und das sind, also das merke ich immer wieder, das sind so in Deutschland, das sind so viele so kleine, auch so Sticheleien oder vielleicht merken das die Personen auch gar nicht. Und das kommt von Männern wie von Frauen. Also ein anderes Beispiel ist auch, was ist halt auch unmöglich gemacht, das alles in Vereinbarung zu bekommen. Wir sind umgezogen und der Kindergarten im Dorf hat uns ganz freudig einen Platz angeboten von 8 bis 13.30 Uhr. und um 13.30 Uhr schließen die Kindergärten. Und dann denke ich mir so, okay, ist das der Kindergartenplatz, dass ich dann um 8 Uhr mein Kind in den Kindergarten bringe und in der Zwischenzeit gehe ich dann zum Friseur, mache Sport, gehe einkaufen und koche was und bügel und nähe oder was ist so die Vorstellung. Und habe gesagt, nein, danke, weil das geht gar nicht. Ich hatte zum Glück durch den Arbeitgeber einen Kindergartenplatz, der von um 7 bis um 18 Uhr ging. Und das ist wirklich sensationell, aber das ist super selten. Rar gesät, ja. Also um auf deine Frage nochmal zurückzukommen, bei Frauen hört es ja nicht auf, sondern es geht ja um diverse Teams, die sind innovativer, sind performanter und allen InvestorInnen da draußen möchte ich einfach im Zweifelsfall einfach mit dem harten Geld argumentieren. Diverse Teams bringen den besseren ROI, also den besseren Return on Investment auf ihr Geld. Perfekte Überleitung zu meiner letzten Frage, weil Diversität wird aktuell eher mit sehr spitzen Fingern angefasst, wenn wir uns umschauen, was in der Unternehmenslandschaft passiert. Was wäre denn eure Idee, wie machen wir Diversität wieder sexy? Das ist eine große Frage für eine letzte Frage, aber vielleicht fällt euch noch ein abschließendes Wort ein dazu. Soll ich starten? Sehr gern. Also ich merke das auch, das Thema, und wir lesen es ja alle in den Zeitungen, keiner möchte mehr was irgendwie mit Diversität zu tun haben. Ich wurde letztes Mal auch für eine Panel-Diskussion um das Thema Vielfalt angefragt und dann hat der Moderator auch zu mir gesagt, oh Christine, ich freue mich so, dass du jetzt auch zusagst, irgendwie sagen mir alle Reihenweise ab, weil die wollen einfach nicht mal mehr mit dem Wort in Verbindung gebracht werden und auf gar keinen Fall irgendwo auf der Bühne stehen. Und ich denke mir so, aber gerade jetzt müssen wir drüber sprechen. Und ist das nicht eine tolle Chance, die wir auch haben? Weil ich sage mal, Diversität wurde teilweise sehr als, gerade auch in Unternehmen, jetzt machen wir mal alle schön unsere Webseiten toll. Jetzt machen wir alle unsere verschiedensten Netzwerke auf. Und dann gibt es da die Frauengruppe und dann gibt es die Gruppe. Und alles ist so eine klassische Sachen. Und ist es jetzt nicht an der Zeit, dass wir das Thema wirklich strategisch besetzen, mit Kennzahlen besetzen, weil die Unternehmen, die, jetzt reden wir bei Diversität, jetzt rede ich mal rein über Frauen. Wenn die wirklich das Thema irgendwie jetzt wieder so runterspielen, die haben nicht ausreichend Arbeitskräfte. Und wobei ich möchte mich jetzt gerade mal widersprechen zu dem, was ich gesagt habe. Ich finde das nämlich fürchterlich, wenn wir Frauen immer so als Teil von Vielfalt und Diversität am Ende, sorry, wir sind 50 Prozent der Gesellschaft und deswegen möchte ich auch, dass wir dabei sind, überall. Also das ist auch was, der Umgang mit Diversität ist natürlich was, was ich beobachte und was mich auch überhaupt nicht kalt lässt. Was ich mir auch immer wieder die Frage stelle, was heißt das für unsere Arbeit bei FuturF? Und ich glaube, dass das auch eine Chance birgt für uns als Gesellschaft, uns vielleicht zu emanzipieren von dem Vorbild USA. Also ich glaube, dass da wie in anderen Bereichen auch, dass da auch eine Chance dran liegt. Und gleichzeitig, ich selbst empfinde es als, das wird wohl ein Bereich sein, in dem wir auch noch mutig sein müssen und eben weiterhin den Mund aufmachen müssen und ja, widersprechen. Ja, vielen Dank für das schöne Schlusswort. Ich bedanke mich bei euch für das tolle Gespräch, für euren Input. Und ich würde gerne noch dem Publikum die Möglichkeit geben, wenn ihr möchtet, wenn jemand eine Frage hat an Christine oder Verena, dann hebt die Hand und ihr bekommt ein Mikro in die Hand gedrückt. Traut euch. Wir haben jetzt so viel über Mut gesprochen. Oder seid ihr einfach sprachlos? Ja, jetzt kommt eine Frage aus der ersten Reihe. Hallo, ich bin Sonja Dieff. Ich bin Bezirksleiterin und Geschäftsführerin der IG BCE in Freiburg. Und ich bin sehr engagiert in der Frauenarbeit. Ich mache ehrenamtliche Frauenstark für die Mitbestimmung in den Betrieben. Und die Frage, die ich mir tatsächlich stelle, und vielleicht habt ihr da auch eine Inspiration, wie müssen wir es angehen, dass wir die Frauen ins Ehrenamt engagiert bekommen und auch, sag ich mal, motiviert bekommen? Weil das ist gerade jetzt etwas, was auch mein Bezirksfrauenausschuss und das Bezirksfrauennetzwerk umtreibt, die Frauen in den Betrieben zu motivieren und dass sie sich aufstellen für die Kandidatur für die Betriebsratswahlen 2026. Und das ist etwas, wo wir wirklich gucken, was können wir tun. Wir sind bereit, alles Mögliche bereitzustellen. Das Feld liegt total offen und ich räume alles weg, was es nötig ist, damit ich, sage ich mal, nicht nur 27 Prozent der Frauen in den Mitbestimmungen habe, sondern 50 Prozent. Ich würde gleich mal darauf antworten gerne. Ich mache auch viel im Ehrenamt und ich sehe das auch immer wieder, dass das sehr herausfordernd ist. Gerade weil Ehrenamt ja auch oft bedeutet, dass ich vielleicht gar nicht so über die nächsten ein, zwei, drei Jahre sagen kann, schaffe ich das überhaupt? Ich weiß ja manchmal auch gar nicht, was passiert. Was ich aber immer finde, was am meisten hilft, ist Transparenz, ganz klare Erwartungshaltung. Also was ist da? Auch aufzeigen, was ist es, was du bewirken kannst mit deiner Arbeit? Und bei Frauen sehe ich das ganz, ganz oft als persönliche Ansprache. Also diese Aushänge, meldet euch mal, irgendwie hilft das nicht, sondern man muss wirklich auf manche Frauen zugehen, man braucht diese Vorbilder wieder und die Frauen ansprechen und dann einfach wirklich mit dieser Chakka-Mentalität, wirklich da und mit Powerpose, genau, und mit Spaß daran und dann wird das vielleicht auch was. Ja, also erstmal ganz toll, vielen Dank für das Engagement. Gleichzeitig, vielleicht diesen Gedanken möchte ich noch auf den Weg geben. Ich würde mir wünschen, du müsstest es nicht im Ehrenamt machen, sondern dass es eben auch für solche Tätigkeiten eine Bezahlung gibt, die dann eben auch für die Frauen vielleicht zur Verfügung steht. Ja, vielen Dank euch. Gibt es noch eine weitere Frage? Ansonsten gehe ich davon aus, dass eure Fragen super beantwortet worden sind. Meine sind es. Ich danke euch fürs Dabeisein, dass ihr zugehört habt. Lieben, lieben Dank und nochmal einen Applaus für unsere Gäste. Und wir danken dir für die schönen Fragen. Dankeschön. Bitte, bitte. Dankeschön. Viel Spaß noch auf dem Festival und wir sehen uns. Ciao. Danke euch allen.