Latest / Rambo Zambo – Der Merz-Podcast / Wüste Spekulation
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- Es wird das ganz große Fass aufgemacht. Wer jetzt solche Sachen spielt und solche Sachen beflügelt, spielt im Grunde die Karte der AfD. Also das war schon für eine Kanzleramtsaussage massiv. Wir haben diese Bundestagswahl 2025 gewonnen. Jetzt darf auch mal Rambo Zambo im Adal. Das ist Rambo Zambo, der März-Podcast. Das Format, das ihr vielleicht nie wolltet, aber jetzt braucht. Mit euren Hosts Carlotta Richter und Julia Emrich. Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Rambo Zambo, dem Podcast, in dem wir immer einmal in der Woche über unseren Bundeskanzler Friedrich Merz sprechen und mit und für euch einordnen, was in der Woche so in der Bundespolitik alles passiert ist. Mein Name ist Carlotta und die beste Nachricht der Woche ist eigentlich, dass Julia wieder da ist und mir hier im Studio gegen übersetzt. Hallo Carlotta, sehr liebes Intro. Und die andere Nachricht ist, dass auch unser Kanzler noch da ist und in dieser Woche sah es nicht immer danach aus. Zumindest konnte man, wenn man der Berliner Gerüchteküche so richtig trauen würde, tun wir natürlich nicht, prüfen wir alles nach. Aber es gab eine Phase, wo plötzlich alle meinten, die Zeit des Kanzlers sei abgelaufen. Ich bin beeindruckt, dass du es geschafft hast, das jetzt positiv zu framen und zu sagen, die gute Nachricht ist, dass er noch da ist. Ansonsten, glaube ich, gibt es gerade für ihn nicht ganz so viele gute Nachrichten. Definitiv nicht. Und klar, man kann immer sagen, die Kritik an Friedrich Merz ist groß. Sie ist auch berechtigt groß und es ist wirklich kein besonders erfolgreicher Kanzler. Definitiv nicht. Die Umfragen sind schlecht. Auf den Beliebtheitsrankings ist er im Keller. Die Diagnose haben wir hier auch schon häufiger geführt. Und trotzdem persönliche, ehrliche Meinung. Ich bin froh, dass er noch da ist, dass wir noch einen Kanzler haben. Alles andere wäre eine krasse Regierungskrise. und alle Alternativen und alle Varianten, die daraus folgen könnten, muss man sich eben auch einmal in Ruhe vorstellen. Dass es so einen Reflex gibt, mehr muss weg, ist nachvollziehbar. Aber die Folgen, und da ist es auch immer, die Sachen vom Ende her denken. Sind eben nicht so, dass man sich das jetzt unbedingt wünschen könnte. Daher sage ich, ja, das ist eine gute Nachricht, dass aus diesem Gerücht zunächst mal nichts anderes geworden ist, als ein dann aufgelöstes Gerücht. Lass uns gleich mal trotzdem über diese Folgen sprechen. Das hätte in welcher Konstellation auch immer man sich jetzt überlegen könnte, wie man Friedrich Merz als Bundeskanzler absetzen könnte. Aber lass uns vielleicht erst noch mal ganz kurz schauen, woher denn jetzt eigentlich dieses Gewabere, dieses Geraune, was wir jetzt diese Woche hatten im politischen Berlin. Merz muss weg, er muss ersetzt werden. Schon länger haben wir ja auch dieses Geraune von wegen Minderheitsregierung. Aber woher kam das jetzt diese Woche? Weil da wurde ja auch ganz konkret plötzlich über einen in Anführungsstrichen möglichen Nachfolger von Merz gesprochen. Was ist da passiert? Genau, also du hast es ja gerade schon sehr richtig gesagt. Es gibt so eine anschwellende Bewegung. Am Anfang hieß es, Merz muss, um wieder ein bisschen nach vorne zu kommen, muss Personal austauschen, muss im Kanzleramt möglicherweise Leute austauschen. Dann hieß es, er muss das Kabinett umbilden, also seine Ministerinnen und Minister möglicherweise nochmal darauf hin prüfen, sind das die richtigen oder nicht. Dann hieß es, vielleicht muss er über seinen Koalitionspartner noch mal ernsthaft nachdenken und die SPD rauswerfen. Aber auch da, du hast es gesagt, was ist die Folge Minderheitsregierung? Dann wurde gesagt, na gut, er sollte zumindest aber mal eine Vertrauensfrage stellen, um sich sozusagen auch den Rückhalt im Parlament wieder zu sichern. Also die Welle ging immer höher und endete eben diese Woche mit der Frage, vielleicht kann ja auch März gehen. Also große Lösung. Ja. Was ist passiert? Woher kommt das? Auf der einen Seite gibt es natürlich eine maximal frustrierte CDU, eine maximal frustrierte Bundestagsfraktion und ein maximal frustriertes Land. Und alle gucken auf diesen Kanzler und denken, warum ist er so unbeliebt? Warum macht er so viele Fehler? Warum läuft das nicht? Also es gibt eine Grundstimmung, die inzwischen wirklich beim März angekommen ist und nicht mehr die Koalition oder so. Also seine persönlichen Werte sind sehr schlecht. Das ist das eine. Das ist sozusagen die Basis, auf der das passiert. Und dann... Gibt es irgendwann so einen Moment, wo die Ersten, ich habe natürlich auch mit vielen Leuten darüber geredet und da hieß es immer so beim dritten Bier, also im Sinne von, wenn mal alle Kontrolle weg ist und man mal Stunde der Wahrheit hat, die dann beim dritten Bier sagen, ja, wer könnte es denn besser? Oder wen haben wir denn? Und was gäbe es denn für Modelle? Lass uns doch mal frei denken. Und natürlich gibt es immer die üblichen Verdächtigen. Wir haben hier im Podcast schon viel darüber gesprochen, welche Rolle Jens Spahn spielt, der Fraktionschef, welche Rolle Markus Söder spielt, der Allzeitrivale aus Bayern. Und jetzt tauchte plötzlich wieder sehr vehement ein Name auf, um den es in den letzten Monaten überraschend still geworden war. Und das ist Hendrik Wüst, Ministerpräsident, Regierungschef in Nordrhein-Westfalen, größtes Bundesland, CDU-Politiker, 20 Jahre jünger als Merz, aber gleicher Landesverband, ähnliche Sozialisation auch. Die beiden sind sich also eigentlich gar nicht so richtig fremd, aber Wüst steht für ein ganz anderes Politikmodell. Wüst führt eine schwarz-grüne Regierung in Nordrhein-Westfalen. Relativ geräuschlos. Wenn man genauer hinguckt, machen die auch ihre Fehler, haben die auch ihre Themen. Aber so der Außenblick ist immer noch so, Wüst kriegt das ganz gut hin. Die Umfragen sind auch noch vergleichsweise gut. Und Wüst hat einen ganz interessanten Wandel von einem wirklichen CDU-Hardliner zu einem Merkelianer gemacht. Also Wüst ist inzwischen Merkel-Fan. Hätte ich jetzt Merz-Fan gesagt. Nein, Merz-Fan ist er definitiv nicht. Und damit ist er ein Gegenmodell. Und sowas beflügelt die Fantasie. Und jetzt kam noch on top. Dass Wüst eine Reise gemacht hat, auch erstmal auf den ersten Blick unspektakulär nach Polen, hat auch das ehemalige Konzentrationslager Auschwitz besucht, es war also eine sehr staatstragende Reise und hat eine ganze Truppe Hauptstadtjournalisten mitgenommen. Und aus dieser Reise heraus gab es dann plötzlich Berichte, die so einen Spin hatten, wäre Wüst nicht der Bessere. Und lass mal kurz überlegen, was passieren müsste, damit Wüst jetzt März ablösen könnte. und würde das nicht viele Probleme auf einmal sein. Also es entstand plötzlich so eine Welle, dass das passiert. Aber auf welcher Ebene bewegt sich das? Also war das quasi die Ebene, Hauptstadtjournalisten haben jetzt hier mal spekuliert oder war das die Ebene, auch in der Partei munkelte man möglicherweise und denkt da so ein bisschen drüber nach. Also wie ernsthaft ist so ein Geraune, dass dann da durch das politische Berlin geht? Also geraune ist genau der richtige Begriff, weil so viele Faktoren in dieses geraune spielen. Henrik Wüst ist jemand, der Kanzler werden will eines Tages. Henrik Wüst sieht sich als potenzieller März-Nachfolger. Aber er ist jetzt keiner, der sagt, morgen stürze ich den Kanzler. Aber für die Zeit nach März, wann immer sie anbricht, ist Henrik Wüst qua Amt, Regierungschef des größten Bundeslands, ist er ein Kandidat und er sieht sich auch so. Er sagt nicht, das mache ich niemals, nie, sondern er sagt. Im Moment ist mein Platz in NRW. Also das ist so die Faktenbasis. Und Wüst ist auch bekannt dafür, dass er manchmal, wenn er das Gefühl hat, da ist schon mehrere Monate lang nicht über ihn gesprochen worden, mal wieder so den mit dem Finger zeigt und sagt so, hallo, ich bin noch da, ihr habt mich bitteschön weiterhin auf der Rechnung. Wüst hat aber eben auch den Fall, dass er im nächsten Frühjahr eine Landtagswahl gewinnen muss. Das heißt, NRW ist schon im Moment sein Fokus. Das ist so die eine Ebene. Die andere Ebene ist, natürlich gibt es, das ist diese berühmte nach dem dritten Bier, in der Union viele, die sich mal befreien wollen im Denken, sagen so, was machen wir denn? Und vor allem, Karl-Heute, der Punkt ist ja auch der, was ist denn, wenn die nächsten Landtagswahlen verloren gehen? Also wenn die Sachsen-Anhalt-Wahl verloren geht, über die wir hier schon viel gesprochen haben, wenn möglicherweise dann auch in Mecklenburg-Vorpommern als zu wirklich katastrophalen CDU-Ergebnissen kommen sollte, wenn dann am Ende auch noch der regierende Bürgermeister, ebenfalls CDU in Berlin, als Job wegfallen würde für die CDU, fürs Image der Gesamtpartei. Was passiert denn dann? Kommt dann nicht möglicherweise wirklich so eine Welle auf, wo es heißt. Wäre das möglicherweise ohne den Kanzler Merz alles besser? Also sowas kann Fahrt aufnehmen. Das ist zweite Ebene. Und die dritte eben ist natürlich, viele fragen sich, wieso läuft jetzt der Wüst mit so einem Tross Hauptstadtjournalisten herum? Klar, kann man auch immer sagen, es ist eine interessante Figur, es ist ein interessanter Ministerpräsident. Aber da entstehen natürlich dann auch im Hintergrund Gespräche und es gibt Fragen und es gibt dann Antworten im Off und im On-On. Und plötzlich hat man so eine Geschichte. Das ist passiert. Du hast ja gerade schon gesagt, Wüst ist Merkel-Fan, kein Merz-Fan. Diese Rivalität, wenn man es so bezeichnen kann, zwischen Wüst und Merz, die ist ja nicht neu. Also das besteht ja schon länger zwischen den beiden. Also das ist jetzt ja dann wieder hochgekocht, aber jetzt nicht wirklich was Neues, oder? Das ist nicht wirklich neu, aber man muss schon sagen, dass Wüst in den letzten Monaten, man kann eigentlich sagen, fast eigentlich in dem ganzen ersten Regierungsjahr von März, sich relativ zurückgehalten hat und relativ solidarisch sich verhalten hat und zwar sicherlich klar positioniert hat, wo er Sachen gerade auch in Stilfragen anders machen würde, aber es gab jetzt keine so richtigen Breitseiten. Und auch dies... Und formal noch keine Breitseite, weil Wüst hat sich nicht geäußert. Wüst hat nicht gesagt, der März schafft es nicht oder der kann es nicht und warte mal, wer könnte es denn besser? Ach, huch, ich vielleicht. Also das hat es nicht gegeben. Wir sind auf der Ebene von geraune, du hast es sehr klar gesagt. Interessant ist, dass das Kanzleramt sehr, sehr angefasst reagiert hat auf diese ganze Sache. Und Wüst noch auch am selben Tag, nachdem er so richtig hochkochte, auch nochmal sich hingestellt hat und gesagt hat, der Kanzler hat meine volle Unterstützung. Also es war schon ein Case am Ende. Wir haben das Kanzleramt selber als Redaktion angefragt, weil wir natürlich auch wissen wollten, wie reagiert Merz, wie reagiert das Kanzleramt auf diese Spekulation. Und die haben uns dann tatsächlich ein sehr, ich fand, ein überraschend hartes Statement gegeben, in dem dann so Sätze fallen wie diese Idee eines Kanzlertausches jetzt mitten in der Legislaturperiode sei. Also eine naive Idee sowieso. Wir können leider noch mal darüber reden, warum. Also es sind auch technische Fragen einfach dahinter. Aber es sei Ausdruck einer gefährlichen Lust an der Zündelei. Es sei eine, Achtung Sprachwitz, Wüste, Spekulation. Sie würde diese Stabilität gefährden und das Geschäft der AfD betreiben. Also es wird das ganz große Fass aufgemacht. Wer jetzt solche Sachen spielt und solche Sachen beflügelt, spielt im Grunde die Karte der AfD. Also das war schon für eine Kanzleramtsaussage massiv. Daran sieht man eben aber auch, wie gereizt die Stimmung ist und wie angespannt. Das wollte ich gerade sagen. Also das zeigt es ja irgendwie auch und das klingt irgendwie auch so ein bisschen, natürlich ist es eine Antwort aus dem Kanzleramt, aber ich höre auch so ein bisschen den Merz, der da irgendwie auch einfach so ein bisschen eingeschnappt ist und sich denkt so, ja und jetzt wird auch noch gleich darüber diskutiert, wie ihr mich irgendwie absetzen könnt. Und wir wissen ja, dass er da eher ein bisschen impulsiver ist, emotionaler reagiert. Also man muss einfach davon ausgehen, dass solche Statements, dass die jetzt nicht so komplett an Merz vorbeigehen. Also Merz steht schon hinter genau einer solchen Reaktion. Aber interessant, was du sagst. Ich habe natürlich jetzt viel mich umgehört, nochmal auch so bei diesen Einschätzungen nachgehört in seiner Partei. Und es gibt natürlich schon den einen oder anderen, der sagt, genauso wie du sagst. Die Nerven von Friedrich Merz sind möglicherweise Stahlseile, aber dem Mann ist auch zuzutrauen, dass er irgendwann sagt, wisst ihr was, ich brauche das hier alles nicht. Ich bin 70, ich habe Enkel, ich habe ein schönes Leben, ich kann auch anders. Das ist die eine Deutung. Die andere Deutung ist, was auch wiederum viele sagen, ja, aber der Mann weiß auch, in welcher Verantwortung er steht. Der ist gewählt worden und ein Friedrich Merz spielt mit einem Amt nicht und macht daraus auch sicherlich nicht ein Ding der persönlichen Befindlichkeit. Also da gibt es so beide Lager, die sagen so, Achtung, vergesst nicht, wen ihr da habt. Dem kann auch die Hutschnur mal platzen. Aber viele eben auch sagen, ja, aber das ist jetzt noch nicht der Case. Das ist noch nicht der Grund für ihn. Das ist ja schon noch ein bisschen der Hintergedanke bei diesem Wüstgeraune, oder? Also, dass man diesen März vor sich hat. Wir haben über diverse Äußerungen von ihm geredet, die auch mal ein bisschen aus dem Ruder gelaufen sind, die viele, viele Leute in Deutschland gegen sich aufgebracht haben und auch im Ausland. Zum Beispiel Donald Trump. Da gab es ja ganz, ganz viel. Und das ist doch auch so ein bisschen diese Wüste-Idee, dass man denkt, so einer, der vielleicht nicht immer so draufhaut, der nicht so impulsiv ist, der alles ein bisschen ruhiger macht, über den nicht die ganze Zeit geredet wird. Oder kommt das da auch so ein bisschen durch, so ein Wunsch nach einem Kanzler, der etwas ruhiger alles macht und weniger impulsiv ist? Unbedingt. Und wenn Hendrik Wüst für etwas berühmt ist, dann, dass er extrem darauf achtet, wie er kommuniziert, wo er was sagt. Wüst ist ein absoluter Stratege bei sowas. Er wechselt am Tag mehrmals den Ton, je nachdem, mit wem er spricht und ist da sehr, sehr, sehr vorsichtig und berühmt. Sehr kontrolliert. Das ist das eine. Das andere ist aber, selbst wenn ich diese Sehnsucht nachvollziehen kann und ich höre jetzt auch bei dir raus so, mein Gott, es ginge doch auch anders. Was hieß dir das denn? Was hieß dir denn ein solcher Kanzlerwechsel, jetzt mal abgesehen von den technischen Problemen, über die wir vielleicht gleich nochmal kurz reden sollten, denn das ist ja nicht trivial, du wechselst ja nicht mal eben den Kanzler aus. Dass auch ein möglicher Einwechsel, Kanzler Henrik Wüst, hätte kein Geld, hätte eine SPD, die bei vielem sagt, nee, können wir uns so nicht vorstellen, hätte einen Ukraine-Krieg und hätte einen, ja, im Moment irgendwie so auf Hohl stehenden Iran-Krieg, hätte Energieprobleme, Inflation, schwache Wirtschaft. Wüst hat es ja nicht, also... Der hat ja nicht irgendwie einen Zauberstab und schwupp ist alles gut. Was mich wirklich ein bisschen geärgert hat an der Debatte, ist allerdings wirklich dieser Punkt, dass es so klang wie, man kann den mal eben austauschen. Ich glaube, wir müssen mal einmal erklären, wie so ein Prozess ginge und wie schwierig das wäre. Also das Modell heißt, hieße konstruktives Misstrauensvotum und das ist wirklich nicht trivial. Es gibt ja quasi mehrere Möglichkeiten, mit denen ein Bundeskanzler theoretisch abgesetzt werden könnte. Wir erinnern uns an die Vertrauensfrage bei Olaf Scholz. Das ist quasi das Modell der Bundeskanzler selbst. Von dem geht die Initiative aus. Der fragt den Bundestag, die Abgeordneten, ob sie noch hinter ihm stehen, ob eine Mehrheit hinter ihm steht oder eben nicht. Und dann gibt es das konstruktives Misstrauensvotum, bei dem quasi die Initiative vom Bundestag ausgeht. Also der Bundestag sagt, wir glauben nicht mehr, dass dieser Bundeskanzler für uns der Richtige ist. Da braucht es dann ein Viertel der Abgeordneten, die einen Antrag stellen. Und, und das ist das Wichtige, deswegen heißt es konstruktives Misstrauensvotum. Es muss eben direkt schon einen anderen Kandidaten geben. Und deswegen ist das jetzt auch das Modell, was bei so einer Wüstenspekulation in den Hinterköpfen ist. Weil man braucht quasi einen neuen Kandidaten, der dann direkt den früheren Bundeskanzler ersetzt. Dafür braucht es dann eine Abstimmung im Bundestag und eine absolute Mehrheit. Und dann käme der Bundespräsident, der dann den alten Bundeskanzler ernennen würde und den neuen Bundeskanzler ernennen würde. Aber... Das würde ja nicht heißen, dass einfach nur ein Bundeskanzler einfach ausgetauscht ist und danach geht alles so weiter wie bisher. Das würde eben zum Beispiel auch bedeuten, dass das gesamte Kabinett ausgetauscht wird. Also mit dem Bundeskanzler würden auch alle Ministerinnen und Minister abgesetzt werden. Dann bräuchte es erstmal wieder ein neues Kabinett. Also es würde ein riesengroßes Chaos auslösen, jetzt einfach nur zu sagen, okay, wir tauschen einfach mal schnell den Bundeskanzler aus. Zumal auch ein Hendrik Wüst, auch wenn er vielleicht die Fantasie vieler beflügelt, gar nicht sicher sein könnte, dass er die Mehrheit der beiden Regierungsfraktionen bekommen könnte. Und möglicherweise würde er die CDU-Stimmen bekommen. Aber ob er die CSU-Stimmen bekommen könnte? Große Frage. Es gibt ziemlich viel Unmut zwischen Bayern und NRW und zwischen Söder und Wüst. Und ob das so glatt ginge, ist die eine Frage. Und dann sind wir noch bei der SPD. Auch die hat möglicherweise null Interesse, Wüst zu wählen. Wenn dann unsere Mehrheit dadurch zustande käme, dass AfD-Leute ihn wählen würden, hätte Wüst wiederum ein Riesenproblem. Also da sind so viele Wenns und Abers, Klippen und Probleme. Am Ende hätten wir einen riesen Scherbenhaufen statt einer eleganten Lösung Kanzlerwechsel. Und das ist das, was natürlich manchmal so ärgert, dass dann so ein Wort in den Raum geworfen wird und man denkt, ah klar, easy-beasy-Lösung, netter Kerl gegen Merz, mit dem wir irgendwie gerade alle hadern. Nee, wäre nicht so. Und das muss man ja sagen, das gilt ehrlicherweise für alle Modelle, die in irgendeiner Weise jetzt in Spekulationen vorkommen. Also sei es eine Minderheitsregierung, die die Dinge ja nicht leichter machen würde, sondern eigentlich de facto nur noch komplizierter und die Wahrscheinlichkeit von darauffolgenden Neuwahlen eigentlich noch erhöhen würde, weil also mit einer Minderheitsregierung, das ist ja nicht das Ziel, sondern das ist ja bisher eher passiert durch vorhergegangene Krisen. Und wie möchte man mit der dann diese riesengroßen Reformen durchs Land bringen, die jetzt theoretisch anstehen? Das gilt auch für die Vertrauensfrage, die durchgehend in den sozialen Medien gefordert wird, wenn man da mal reinguckt, was da bei Merz kommentiert wird. Auch da, was danach? Also selbst wenn er jetzt die Vertrauensfrage stellen würde, würde er sie gewinnen? Okay, dann würde sich jetzt erstmal nichts ändern, würde er sie verlieren? Müsste der Bundespräsident überlegen, ob er jetzt den Bundestag auflöst oder nicht? dann hätten wir Neuwahlen. Würde das die Sache besser machen? Nein, wahrscheinlich würde es die Sache deutlich komplizierter machen für eine Regierungsbildung danach. Also. Alles, was da jetzt diskutiert wird, wird am Ende eigentlich nur zu mehr Problemen und zu einer größeren Krise führen. Und das ist auch der Grund, warum ich eben gesagt habe, es ist am Ende eine gute Nachricht, dass Friedrich Merz noch da ist. Denn alles andere wäre alles andere, alles das, was du gerade beschrieben hast. Du hast ja schon mal so kurz angeschnitten, die Männer, die jetzt in der vor allen Dingen Union um die Macht kämpfen. Ich glaube, man kann es irgendwie so nennen. Wir haben Wüst, wir haben Merz, wir haben Spahn, den du auch gerade schon erwähnt hast. Und wir haben noch einen Mann in der Union, nämlich der CSU Markus Söder. Und bei dem läuft es gerade irgendwie nicht mehr ganz so gut, oder? Man merkt Söder an, dass er mitten in einem Neuerfindungsprozess ist. Und das macht er nie ohne Not und ohne Grund. Und die Wahrnehmung ist schon so, dass Markus Söder gerade sich überlegt, wie er seine Macht sichern kann. Indem er nicht mehr das macht, was er bislang als sein Erfolgsrezept zumindest eine Zeit lang, glaube ich, auch ganz gut erfolgreich umgesetzt hat. Nämlich Markus Söder, der Unterhaltsame, der Spaßvogel, der Social-Media-Star. Wir erinnern uns an diese ganzen schlimmen Wurstgeschichten. Ich sage schlimm, viele fand es auch cool. Markus Söder, der Bartträger. Markus Söder, der Sänger. Markus Söder, der Polit-Influencer auf allen Ebenen. Ich will nicht sagen, ist weg, aber es nimmt so rapide ab, dass man merkt, er bereitet einen Imagewandel vor oder ist eigentlich mittendrin. Die neue Ernsthaftigkeit des Markus Söder, ich will das eigentlich nicht so nennen, weil er hat so viele Imagewandel in seiner Zeit schon hinter sich, dass man immer denkt, das ist jetzt auch wieder nur eine Phase. Aber es ist natürlich so offensichtlich, zumal er auch inzwischen sich so äußert und auch von vielen anderen so wahrgenommen wird. Also da passiert was. Warum? Weil er unter Druck steht. Die Kommunalwahlen in Bayern sind für die CSU wirklich erschreckend ausgegangen. Also die haben sehr viele Jobs verloren. Die Freien Wähler sind stark geworden. CSU-Leute sind für manche wirklich überraschend aus Ämtern geflogen. Also da ist Druck von der Basis und viele machen das eben an Söder fest. Also wir müssen hier wieder ernsthaft Politik machen, diese Spaß nun mal vorbei. Und Söder sieht das vor allem, weil er weiß, 28 Landtagswahl, da will er wiedergewählt werden. Aber er muss überhaupt erst mal Spitzenkandidat werden. Und es gibt nun die Ersten, die sagen, ist Söder noch unser Mann? Und das kriegt er natürlich mit, das ist ja schlau. Und überlegt natürlich jetzt so, wie muss ich sein, damit die CSU weiter an mich glaubt und meine Macht hier gefestigt ist. Und jetzt kommt es gerade relativ dicke für ihn, das nämlich aus einer Ecke, von der er zwar gewohnt ist, dass es da Kritik gibt, aber in der Massivität es doch mal wieder relativ neu ist. Nämlich von seinem Vize Manfred Weber, Vorsitzender der EVP-Fraktion im EU-Parlament. Von dem kam jetzt so ein Brief an die Funktionsträger in der CSU direkt so zum Beginn der bayerischen Pfingstferien, in dem das Wort Söder nicht auftaucht, der aber eine klare Ansage ist. Und die heißt weniger Spaß, mehr Ernsthaftigkeit, weniger Tralala, mehr Ambition. Also ein klares, weniger Söder, mehr, ja du kannst jetzt sagen, mehr Manfred Weber oder aber eine andere CSU zumindest. Und das schlägt natürlich schon Wellen. Manfred Weber ist bekannt als Söder-Kritiker, aber das passt gerade wirklich in dieses Bild. Söder steht unter Beschuss. Und ich bin sehr gespannt, wie Söder darauf jetzt perspektivisch reagiert. Also ob er diese neue Ernsthaftigkeit sogar noch verstärkt und das noch weiter ausbaut. Er ist ja wirklich sehr erfindungsreich bei solchen Sachen. Oder ob er versucht, einfach mal nichts Spektakuläres zu machen. Einfach seinen Job zu machen. Das dürfte aber vielleicht auf Friedrich Merz gefallen, oder? Also was bedeutet diese neue Söder-Entwicklung jetzt für die Dynamik zwischen Söder und Merz? Also so richtig beruhigt zurücklegen kann sich Merz glaube ich bei keinem Move, den Söder macht, weder in die eine noch in die andere Richtung. Im Moment ist mein Eindruck aber, dass Söder klar nach Koalitionsausschusssitzungen, er hatte immer noch so seine Söder-Momente, aber dass er doch sehr gerade daran interessiert ist, dass es eher läuft und dass Stabilität einkehrt. Also im Moment, glaube ich, muss Merz nicht so große Angst vor Söder haben, aber so richtig einen Haken dran, da passiert nichts mehr in München. Das sollte man bei einem Markus Söder niemals tun. Söder ist ja auch einer derjenigen, die gerade besonders laut vor einem Ende der Koalition warnen, auch vor einer Minderheitsregierung und der ja nochmal betont hat, was eigentlich für aus seiner Sicht dramatische Folgen das hätte, wenn jetzt diese Koalition nicht schafft, das Ruder rumzureißen und diese Reformen über den Tisch zu bringen und zusammenzuarbeiten, sondern dass das in irgendeiner Weise am Ende kaputt gehen würde. Das nehme ich ihm sogar ab. Also diese Sorge nehme ich ihm ab. Also erstens formuliert er die schon sehr lange, zwar immer auch mit so einem Söder-Pathos, also er ist immer mindestens in Weimar und letzte Patrone und sonst was. Aber diese Sorge, die nehme ich ihm ab. Ich nehme ihm auch ab, dass er wirklich massiv vor einem Durchmarsch der AfD an der Stelle warnen will und ja, in Bayern, der auch schon Erfahrung damit hat. Also ja, das nehme ich ihm ab. Tatsache. Wenn man sich diesen ganzen Machtkampf der Männer anschaut und du jetzt das Netz fragen würdest, was die sich wünschen würden, dann würden die sagen, Merkel soll zurückkommen. Es gab jetzt ja diesen einen Auftritt von Merkel. Merkel war in einem Interview des WDR Europa Forums auf der Republika und hat da einen Podcast gegeben und ein Interview gemacht. Und diese Videos sind durchs Netz gegangen. Sie wurde unter anderem gefragt, was denn eigentlich der Ranking wäre, der besten Krisenberufe, die sie jetzt machen könnte. Dieses Video oder Videos davon sind durchs Netz gegangen. Und in den Kommentaren ist ja wieder alles voll mit Mama Merkel. Ich vermisse dich, ich komme zurück. Mama Merkel, rette uns. Und diese Kommentare haben auch wirklich Tausende, also Hunderttausende Likes teilweise, in denen die Menschen sich Mama Merkel zurückwünschen. Ist natürlich anekdotische Evidenz. Aber bei so Machtgerangel von Männern kommt dann irgendwie doch der Wunsch nach Merkel zurück. Das glaube ich. Und ich erinnere mich immer noch an der Stelle mit Grinsen an den krassen Applaus, den der CDU-Parteitag Merkel im Frühjahr beschert hat, als sie auftauchte und gar nicht mehr aufhören wollte. Und wie schwierig das für Merz war. Da müssen wir vielleicht mal drüber sprechen. Über die Beziehung zwischen Merkel und Merz und die Rolle, die Merkel in Zukunft einnehmen könnte. Bundespräsidentin hat sie auf jeden Fall nochmal abgelehnt und hat gesagt, sie war so lange Kanzlerin, sie hat überhaupt keine Energie mehr. Das soll mal jemand machen, der noch mehr Energie hat. Und jetzt die Zahl der Woche. Julia, hast du denn zum Ende dieser Folge eine Zahl der Woche für uns? Ich habe eine Zahl und ich habe noch einen Mann, der um die Macht kämpft. Die Zahl ist 5. 5 Prozent. Die FDP will wieder über die 5-Prozent-Hürde rüber und, Einer soll es machen und das ist Wolfgang Kubicki. Ich mag solche Begriffe immer nicht so wie Schlachtross oder andere schlimme Attribute für Politiker. Aber an der Stelle glaube ich, und Kubicki wäre glaube ich auch nicht böse, wenn man ihn so bezeichnen würde. Er hat ja auch keine Scheu, andere Politiker mit diversen Worten zu bezeichnen. Überhaupt nicht. Insofern, also das alte Schlachtross der FDP ist wieder da, war nie wirklich weg. Will jetzt Bundesvorsitzender werden. Wir erinnern uns, Christian Lindner ist weg. Dann hat es Christian Dürr versucht. Es hat alles nicht funktioniert. Jetzt holen sie Wolfgang Kubicki zurück. Am Wochenende ist FDP-Parteitag. Er soll zum Vorsitzenden gewählt werden. Und meine Vermutung ist, dass es ab dem Moment, wo er gewählt ist, er aus allen Rohren feuert und zwar vor allem gegen Friedrich Merz. Wir werden also in nächster Zeit wieder mehr von der FDP hören, ja? Wir werden mehr von Wolfgang Kubicki hören, was daran wirklich FDP ist und ob es jenseits dieser Person noch überhaupt FDP gibt. Ich habe so meinen Zweifel, aber von Wolfgang Kubicki werden wir hören. Sei sicher. Was ist deine Zahl? Meine Zahl kommt aus einem anderen Bereich und ich habe ein bisschen ein Déjà-vu, weil vor ungefähr einem Monat saßen wir hier auch zusammen im Podcast und ich habe eine Zahl auch zu diesem Thema genommen. Aber es muss schon wieder, weil es gibt Entwicklungen. Und zwar meine Zahl, ich nehme jetzt mal 10 für den 1. Oktober, da beginnt nämlich das Wintersemester an den Universitäten. Und eigentlich vor einem Monat habe ich hier angekündigt, dass sich die Koalition geeinigt hat, wie die BAföG-Reform aussehen soll. Die steht ja im Koalitionsvertrag und es gab lange schon Debatten darüber, wie diese Reform aussehen könnte und vor allen Dingen, ob die Reform noch rechtzeitig kommt. Und dann hatte man sich geeinigt Ende April und es sah eigentlich so aus, als würde die Reform jetzt in den Gesetzgebungsprozess gehen und das würde alles so seinen Weg gehen. Aber jetzt ist das schon wieder alles ein bisschen wackelig und das liegt an einer Aussage von einem Mann, über den wir heute auch schon ganz kurz gesprochen haben, nämlich von Jens Spahn. Jens Spahn hat nämlich in einem Interview, das er dem Münchner Merkur gegeben hat, jetzt an diesem Wochenende gesagt, dass staatliche Leistungen wie Bürgergeld, Wohngeld, Elterngeld, BAföG absehbar nicht erhöht werden können und in manchen Bereichen sogar gespart werden müsse. Und das klingt jetzt erstmal so, als wäre auch eben diese BAföG-Reform, für die es ja eigentlich schon eine Einigung gab, aktuell nicht mehr sicher. Und ich glaube, das ist für viele Studierende echt eine sehr, sehr schlechte Nachricht, weil wir alle wissen, dass die Lebenshaltungskosten extrem gestiegen sind, dass die Mieten extrem gestiegen sind und dass das BAföG sowieso schon nicht reicht. Und die Studierenden lange warten auf eine Erhöhung und eine Reform. Wenn die jetzt wieder nicht kommen würde, ich glaube, damit würde sich die Regierung es noch mehr bei einigen jungen Menschen verprellen. Ja, ja. Bitte, aber ja, es muss gespart werden und ich fürchte, dass es noch sehr viele Gruppen gibt, bei denen wir hier wahrscheinlich sagen würden, auf gar keinen Fall, dass sie mit Einschnitten werden rechnen müssen. Ich fürchte, es wird genau so kommen, aber darüber reden wir dann, wenn es dann soweit ist. Und Carlotta, vielen Dank. Danke dir. Schön, dass du wieder da bist. Das war wie immer ein Fest mit dir. Und ich hoffe, auch euch hat diese Folge gefallen. Wenn das so ist, dann lasst uns doch gerne eine Bewertung da. Ansonsten würde ich sagen, hören wir uns in der nächsten Woche wieder. Tschüss. Tschüss. Ein Podcast von Funke.