Latest / Rambo Zambo – Der Merz-Podcast / Der Kanzler fremdelt mit Berlin
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- Wir haben diese Bundestagswahl 2025 gewonnen. Jetzt darf auch mal Rambo Zambo im Adler. Das ist Rambo Zambo, der März-Podcast. Das Format, das ihr vielleicht nie wolltet, aber jetzt braucht. Mit euren Hosts Carlotta Richter und Julia Emrich. Herzlich willkommen bei Rambo Zambo, dem Podcast der Funke Mediengruppe über den Bundeskanzler. An dieser Stelle reden wir einmal in der Woche über Friedrich Merz und seine Regierung. Was ist passiert? Was muss man über den Bundeskanzler wissen? Mein Name ist Jan Dörner. Ich vertrete in dieser Folge die Rambo-Zambo-Gastgeberin Julia Emrich und Carlotta Richter. Ich bin Chefreporter in der Berliner Zentralredaktion der Funke Mediengruppe und verfolge den Kanzler ganz genau. Mein Gast ist heute jemand, der die Hauptstadt im Blick hat, Der Berlin kennt und lebt Peter Schink, Chefredakteur der Berliner Morgenpost. Ich freue mich, dass du heute hier bist. Hallo Peter. Ja, hallo Jan, freut mich hier zu sein. Leben ist in Berlin ja besonders wichtig. Auf jeden Fall. Wir wollen heute über das Verhältnis von Friedrich Merz zur Hauptstadt sprechen. Du weißt alles über die Berliner Landespolitik, bist ein Beobachter des regierenden Bürgermeisters von Berlin, Kai Wegner. Die Beziehung von Merz und Wegner wird später noch eine Rolle spielen. Peter, erstmal zum Verhältnis von Friedrich Merz zu dieser Hauptstadt. Wie gut passt der Sauerländer Friedrich Merz nach und zu Berlin? Ja, man vergleicht ja die Kanzler gerne untereinander. Also Friedrich Merz ist mal mindestens genauso trocken wie Olaf Scholz in meiner Wahrnehmung. Aber wenn du mal die beiden Vorgänge vielleicht nimmst, oder Scholz, Angela Merkel, die hatten schon ein Verhältnis zu dieser Stadt aufgebaut. Und Friedrich Merz ist hier gefühlt noch nicht angekommen. Es ist in Berlin ja nicht einfach. Man sagt, Berlin ist ein hartes Pflaster. Aber er bleibt irgendwie gefühlt eher so im Sauerland. Ja, was ich auch ganz interessant finde, du hast die Vorgänger angesprochen. Scholz lebte immerhin in Potsdam. Das ist eine gewisse lokale Nähe, hat er auch mitten in der Stadt gewohnt. Angela Merkel wohnte wirklich hier in Berlin mittendrin zwischen Brandenburger Tor und dem Roten Rathaus und zwar nahe der Museumsinsel. Man konnte sie beim Edeka in der Friedrichstraße shoppen sehen, auch mal in einem einen oder anderen Restaurant. Friedrich Merz wohnt am Potsdamer Platz. Was sagt uns das? Wer wohnt da so am Potsdamer Platz? Unweit vom Bundestag und vom Kanzleramt entfernt jedenfalls. Ich glaube nicht mal ganz ein Kilometer. Der Potsdamer Platz ist ja quasi ein künstlich neu geschaffenes Viertel, wenn du so willst. Und wirkt auch ein bisschen abweisend, finde ich. Friedrich Merz hat sich schon bevor er Kanzler geworden ist mit Zitaten über Berlin, vielleicht hier in der Hauptstadt nicht den besten Ruf erworben. Er hat einmal in Bayern gesagt, nicht Kreuzberg ist Deutschland, Giller Moos ist Deutschland. Was sagt das über Friedrich Merz und seine Beziehung zu so einem bunten Viertel wie Kreuzberg? Ja, da hast du jetzt das prägnanteste Zitat auch gleich herausgegriffen. Also das hat man ihm hier übel genommen. Also ich glaube übrigens nicht nur Wegner hat ihm das übel genommen. Die Bezirksbürgermeisterin von Kreuzberg hat anschließend gesagt, in Kreuzberg würden 152.000 Menschen leben. und im Übrigen würden im Sauerland auch nicht weniger Leute Fahrrad fahren als in Kreuzberg. Und ich glaube, was er damit ja eigentlich sagen wollte, war, dass die Hauptstadt quasi nicht den deutschen Durchschnitt repräsentiert. Und das ist ihm, glaube ich, so rausgerutscht und da kann man jetzt aber noch viel mehr reininterpretieren natürlich. Und was das natürlich auch sagt, ist, dass diese Stadt so bunt und divers, wie sie ist, natürlich gar nicht wirklich wahrnimmt. Er kommt hier mit seinem Privatjet angeflogen, darf er, glaube ich, nicht mehr. Aber er fliegt rein und wieder raus. Er ist in dieser Stadt nicht angekommen. Und das ist ja jetzt vielleicht für einen Bundeskanzler auch okay, weiß ich nicht, musst du sagen. Aber natürlich ist die Stadt, die hat da so ein bisschen auch ein Trauma, bei dem in den 90er-Jahren zur Hauptstadt geworden ist. aber Deutschland selber nie wirklich ein Verhältnis zu seiner Hauptstadt entwickelt hat anschließend. Und deswegen bleibt Berlin als Hauptstadt ja so ein Stück weit auch technokratisch in der Anlage. Und Merz repräsentiert das, wenn du so willst. Ja, mein Eindruck ist, dass wenn Bundespolitiker über Berlin sprechen, dann hat sich eingebört, dass sie vor allem schlecht über Berlin sprechen. Berlin ist entweder zu chaotisch, Zu dreckig, zu woke, vielleicht auch mal zu links. Aber man muss ja auch sagen, Berlin ist ja ganz vieles, Berlin ist ja alles. Berlin ist ja auch bürgerlich, Berlin ist ostdeutsch und bisher hat man Friedrich Merz nicht unterwegs gesehen in Berlin, oder? Eigentlich könnte er ja ganz Deutschland hier auf der Fläche einer großen Stadt erleben, aber das tut er nicht. Nee. Und das Spannende ist zum Beispiel, der Wahlkampfendspurt der CDU hat ja in einem sehr großartigen Haus hier stattgefunden, im ehemaligen Gasometer in Schöneberg. Das ist eine Kulisse, die nimmt März dann gerne. Aber trotzdem ist es für ihn nur eine Bühne. Es ist nicht eine Stadt, die er irgendwie auch wahrnimmt. Und dabei ist Berlin ja, um jetzt mal eine Lanze für Berlin zu brechen, eine Metropole, die weltweit Anziehungskraft hat, wo ganz viele Menschen hinkommen, die einen unheimlichen Esprit hat, wo sehr viele kreative Menschen leben, die also auch ein Motor ist, auch für Deutschland, glaube ich. Deswegen würde ich mir ja von so einem Kanzler schon auch erwarten, dass er mal irgendeine Beziehung zu dieser Stadt entwickelt. Aber sie ist natürlich auch kompliziert. Also Berlin ist ja sowohl hip und vogue. Berlin ist auch kleinbürgerlich. Also Kai Wegner selber kommt aus Spandau, jetzt nicht aus so einem typisch hippen Stadtteil, Bezeichnet sich selber ja gerne auch als Hausmeister dieser Stadt. Und deswegen, die Stadt ist total divers im besten Sinne. Und ich bin mal gespannt, ob Merz noch irgendwann ein Verhältnis da zu diesem ungewöhnlichen Arbeitsort entwickelt. Dann greifst du ein Zitat auch von ihm auf. Er hätte, glaube ich, mal gesagt, ich arbeite in Berlin oder Berlin ist mein Arbeitsort. Er hat Berlin als seinen Arbeitsort bezeichnet. Und ich glaube, er verbringt hier vermutlich mehr Zeit als im Sommerland. Du merkst aber, jetzt ist ja auch gerade Wahlkampfendsport in NRW. Wenn er da auftritt, da ist er zu Hause. Das ist seine Heimat und das charakterisiert sein Verhältnis schon ganz gut. Ja, ich fand es auch ganz schön in dem letzten TV-Sommer-Interview, das er gegeben hat, hat er sich keine Berliner Kulisse ausgesucht für den Hintergrund, nicht das Brandenburger Tor, den Reichstag oder was auch immer, sondern er saß vor einem See im Sauerland. Das ist natürlich auch ein Zeichen. Und ich habe mich gefragt, was ist das für ein See? Also was ist das für eine Kulisse? Man kannte das jetzt erstmal gar nicht. Also irgendein Ort mit Symbolkraft hätte ich mir für den Kanzler natürlich anders vorgestellt. Ja, und anders gesagt, der Wannsee hätte es auch getan. Der ist ja auch sehr schön und der hat übrigens auch sehr historische Kulissen. Also das alte Strandbad Wannsee, das ist auch eine tolle Kulisse tatsächlich. Da hast du recht. Ich habe mich halt gefragt, ein Regierungschef, der so mit der Hauptstadt fremdelt, das könnte man sich jetzt bei Macron in Paris oder bei Starmer in London gar nicht vorstellen, oder? Dass die so Fremdkörper in ihren eigenen Hauptstadtmetropolen sind. Also da ist Merz dann schon in gewisser Weise ein Unikum. Total. Also ich habe gerade gesagt, Merz ist, finde ich, fast so ein Spiegelbild, wie das Land auch nach wie vor ein merkwürdiges Verhältnis zu seiner Hauptstadt hat. Die Jungen ja übrigens gar nicht. Also die Jungen, alle wollen zum Studieren nach Berlin, die Startup-Gründer gehen nach Berlin, die Stadt ist sehr international. Also das hat Strahlkraft, aber in unserem Deutschland irgendwie bleibt das ein Fremdkörper. Und was ich auch ganz spannend finde, dass sich zum Beispiel von Angela Merkel da auch nichts übertragen hat. Also Angela Merkel ist ja schon seit Studienzeiten da beim Bode-Museum beheimatet. Und lebt diese Stadt ja auch auf ihre ganz eigene Art und Weise. Angela Merkel ist ja jetzt auch nicht hip und vogue. Da hätte man sich natürlich schon auch ein bisschen was abgucken können, wie man vielleicht auch seinen eigenen Berlin-Flair für sich selber entdeckt. Aber vielleicht ist er auch Arbeitstier. Ich weiß nicht, das kannst du dann besser sagen als ich. Aber er kommt wie jemand rüber, der eigentlich gar nicht hier lebt. Er ist natürlich ein Arbeitstier und wir wissen auch, er ist viel im Ausland gewesen in seinen ersten Wochen und Monaten und war dann weder im Sauerland noch in Berlin. Aber du hast gerade gesagt, deine Worte waren, Er hat ein merkwürdiges Verhältnis zu Berlin, er hat aber auch ein merkwürdiges Verhältnis zum regierenden Bürgermeister, oder? Ja, also dieses Verhältnis hat auf jeden Fall eine sehr lange Historie. Die haben sich früher sehr gut verstanden und die kennen sich sehr lange und irgendwann kippte dann das Verhältnis. Kannst du das irgendwie nachvollziehen, wann und warum das gewesen ist? Ja, es gibt da nur Vermutungen, aber es gab tatsächlich zwischendrin mal das Gerücht, dass Jens Spahn sich eine Direktkandidatur in Berlin vorstellen könne, als Kai Wegner eigentlich schon gesetzt war, diese Spitzenkandidatur anzutreten. Und dann gehen die Meinungen schon auseinander, was eigentlich genau passiert ist. Eine Rolle spielt auch Mario Czaja, CDU-Generalsekretär damals, der noch aus JU-Zeiten eine gewisse Feindschaft mit Kai Wegner verbindet. Also es war eine Strippenzieher-Geschichte. Kai Wegner musste damals Angst haben, dass quasi gegen ihn entschieden wird. Und irgendwann in dieser Zeit kippte das Verhältnis. Und jetzt kannst du sehen, es gibt auch inhaltlich ganz viele Differenzen zwischen den beiden. Gehen wir nochmal zu diesen Machtspielchen zurück. Man muss dazu sagen, hätte Jens Spahn sozusagen den Move gemacht, Kai Wegner zu verdrängen, dann nur mit Rückendeckung von Friedrich Merz, das muss man so annehmen. Und Friedrich Merz hat Mario Czaja zum Generalsekretär gemacht. Und das hätte Kai Wegner dann auch als eine Personalentscheidung deuten müssen, die sich gegen ihn richtet. Wie würdest du die Berliner CDU im Vergleich zu anderen CDU-Landesverbänden politisch einordnen? Die Berliner CDU ist ja traditionell eine, die in der CDU eher auch ein sehr kleiner Landesverband mit wenig Bedeutung ist. Und Kai Wegner hat immer versucht, seine Berliner CDU dahin zu bringen, eigene Städte. Punkte zu setzen, wo die CDU dann tatsächlich aus Berliner Perspektive einen Impuls bekommt. Also die Schuldenbremse ist so ein Beispiel. Kai Wegner hat, weil das Land Berlin klamm ist, sich sehr schnell zum Vorreiter derjenigen gemacht, die gesagt haben, wir müssen an der Schuldenbremse was ändern. Und wie du weißt, Friedrich Merz hat eisern dafür gekämpft, dass die Schuldenbremse nicht aufgeweicht wird. Da hat Wegner, und das muss man ihm quasi persönlich zugestehen, einen eigenen Standpunkt vertreten, wo er wusste, er weicht da tatsächlich von der Mehrheitsmeinung in der CDU ab und hat den aber natürlich auch klar begründet für sich. Und was Wegner dann gemacht hat, war sehr öffentlich aufzutreten. Er hat das nicht intern diskutiert, er hat öffentlich gesagt, die Schuldenbremse muss reformiert werden. Und das trug natürlich am Ende auch zum problematischen Verhältnis der beiden bei. Was man dann ja auch einmal in einer Bundestagssitzung vor zwei Jahren sehr deutlich gesehen hat, da hat dann Friedrich Merz auf Kai Wegner und dessen Äußerungen zur Schuldenbremse reagiert und hat gesagt, Entscheidungen zur Schuldenbremse werden hier im Deutschen Bundestag getroffen und nicht im Rathaus von Berlin. Das war eigentlich eine öffentliche Ohrfeige für Kai Wegner, oder? Ja, es war sogar noch schlimmer. Merz hat gesagt, es gibt ein Bundesland, das eine abweichende Meinung hat. Ach nein, es gibt einen Bürgermeister. Und hat damit Wegner noch quasi öffentlich diskreditiert. Der sei ja quasi gar nicht so ein richtiger Ministerpräsident. Der sei ja eher sowas wie ein Bürgermeister von Brunot. Und das hat Wegner natürlich gehört. Und das kann natürlich keinem gefallen, der so öffentlich diskreditiert wird. Das Spannende ist ja, dass Wegner ja gar nicht alleine steht oder stand. Man hört ja durchaus in Gesprächen mit anderen CDU-Ministerpräsidenten, dass sie für eine Reform der Schuldenbremse sind. Wie groß sie nun ausfallen mag, das ist immer eine Diskussionssache. Aber wenn Merz behauptet oder zu dem Zeitpunkt behauptet hat, es gäbe nur einen Bürgermeister, dann stimmte das einfach nicht, sondern es gibt durchaus Mitstreiter von Kai Wegner in der Frage. Und wie man jetzt gesehen hat, war ja Merz auch nach der Wahl durchaus zur Änderung einer Schuldenbremse bereit. Das war jetzt ein Einzelfall. Da geht es erstmal um die Verteidigungsausgaben. Aber wir haben jetzt auch eine Reform der Schuldenbremse. Da versucht die CDU jetzt schon wieder zu bremsen. Aber man könnte sagen, vielleicht ist am Ende Kai Wegner derjenige, der von Anfang an Recht hatte, oder? Ja, absolut. Also ich glaube, inhaltlich hatte er da einen Punkt. Ja, so und er hat aber natürlich auch genüsslich den Finger in die Wunde gelegt da. Im Übrigen Finger in die Wunde legen ist ein gutes Stichwort. Am Wahlabend, als Friedrich Merz Rambo-Zambo gerufen hat, war Wegner der Erste oder einer der Ersten, der gesagt hat, wir müssen das Ergebnis deutlich aufarbeiten. Aufarbeiten, was auch damit zu tun hatte im Übrigen, dass die CDU hier bei der Bundestagswahl in Berlin gar nicht so gut abgeschnitten hat. Und dann hat Wegner aber auch sich sofort hingestellt und öffentlich gesagt, das war kein Ergebnis, für das man sich so freuen kann, das muss aufgearbeitet werden. Ja und vor allem, was man ja auch sagen muss, das Ergebnis von Friedrich Merz in den ostdeutschen Bundesländern war dramatisch schlecht. Er hat die Wahlen nicht im Osten gewonnen, sondern im Westen. Im Osten hat die AfD vorne gelegen. Und jetzt ist Berlin ein Sonderfall, immer auch was die politische Einbettung in den ostdeutschen Bundesländern angeht. Aber natürlich gibt es auch ostdeutsche Bezirke, die sicherlich auch von der Einstellung her vielleicht eher Brandenburg als Kreuzbergleichen. Und da muss man dann auch annehmen, dass Friedrich Merz auch dort nicht ankommt. Und dieses Verhältnis zur AfD ist doch auch ein Punkt. An dem sich Merz und Wegner trennen, oder? Ja, absolut. Also mal vorneweg, in Marzahn-Hellersdorf hatte die AfD in bestimmten Wahlbezirken knapp 40 Prozent der Stimmen bekommen. Also das ist Ostdeutschland. Vielleicht auch ein bisschen was für Friedrich Merz zu kompliziert ist, dass Berlin Vogue und Ostdeutschland alles in einem hat. Aber um zu dieser AfD-Frage zu kommen, also Wegner war derjenige, der ganz klar gesagt hat, es gibt keine Zusammenarbeit mit der AfD. Nachdem Merz gesagt hätte, naja, so auf kommunaler Ebene, da könnte man ja vielleicht mal sehen. Und Wegner hat dann eine ganz klare Position bezogen und wiederum einen Punkt gegen Merz gemacht. Also der zweite Fall tatsächlich, wo die beiden ganz klaren inhaltlichen Dissens hatten und wegen aber auch aus Berliner Sicht einen sehr klaren Standpunkt hat, weil du kannst dich in Berlin nicht hinstellen und sagen, wir arbeiten mal so ein bisschen mit der AfD zusammen. Das ist in dieser Stadt ein absolutes No-Go. Einen besonderen Moment gab es auch kürzlich zum Thema Christopher Street Day. Friedrich Merz hatte sich auf die Seite von Bundestagspräsidentin Klöckner geschlagen, die eine Vertraute von Friedrich Merz ist, die diesen Job hat, weil Friedrich Merz dafür gesorgt hat, dass sie ihn hat. Und Julia Klöckner hatte gesagt, zum Christopher Street Day in Berlin soll nicht die Regenbogenflagge auf dem Reichstag gehisst werden. Sie hat damit für Kontroversen gesorgt. Friedrich Merz hat sie unterstützt und hat gesagt, er hat schließlich kein Zirkuszelt. Kai Wegner, regierender Bürgermeister in einer Hauptstadt mit einer großen Queering-Community, hat auf seine Art und Weise reagiert und hat sich ein T-Shirt vor die Brust gehalten. Erzähl doch mal, was da drauf war. Ja, weißt du schon mal beim Christopher Street Day? Also der Christopher Street Day ist etwas, was in dieser Stadt großartig ist, weil es Party und Politik verbindet, wenn du so willst. Also es ist natürlich eine riesige Party, wo 500.000 Menschen bis eine Million Menschen jedes Mal sind. Und zugleich geht es natürlich um was. Es ist nicht nur Party, sondern es geht wirklich um die rechte Career-Menschen. Und Kai Wegner hat da auch eine sehr klare Position seit Jahren. Er geht da hin. Er ist einmal tatsächlich ausgeladen worden, weil die wiederum sich von ihm zu schlecht vertreten gefühlt haben. Und es ist für ihn ganz klar, dass der regierende Bürgermeister da vor Ort sein muss. Auch das in dieser Stadt eine Selbstverständlichkeit eigentlich. Deswegen ist es auch so schwer, wenn dann auf einmal in diesem UFO-Bundestag eine Debatte losgetreten wird, zumal ja in diesen Zeiten, die da komplett kontra ist. Das passt nicht hierhin. Und wenn du so willst, distanziert sich dann... Frau Klöckner, aber natürlich dann auch Friedrich Merz, auch ein Stück weit von dieser Stadt und was diese Stadt ausmacht, was das Leben in dieser Stadt ausmacht. Und ich kann Wegner sehr gut verstehen, dass er dann da auch wirklich einen Kontrapunkt gesetzt hat. Aber es verbessert natürlich nicht sein Verhältnis zum Bundeskanzler. Genau, also auf dem T-Shirt war Friedrich Merz mit so einer Clownsnase zu sehen und der Bundestag so ein bisschen gezeichnet wie ein Zirkuszelt mit der Flagge wohl, also der Regenbogenflagge sehr wohl obendrauf. Das führt uns zur Kulturpolitik. Der Staatssekretär für Kultur ist Wolfram Weimar, ein zuvor konservativer Verleger. Die Kultur spielt für Berlin eine wahnsinnig große Rolle. Wie ist diese Personalie in Berlin aufgenommen worden? Oh, da muss man jetzt ein bisschen auswählen. Wir haben ja in Berlin einen Kultursenator gehabt, Joe Cialo, der für die CDU auch ein Stück weit Aushängeschild war, weil er nicht deine und meine Hautfarbe trägt, der aber tatsächlich inhaltlich hier in Berlin nicht wohlgelitten war. Und man hätte ihn ganz gerne befördert. Man sagt ja auch gerne wegbefördert. Und es sah einen Moment lang so aus, dass könnte Joe Cialo tatsächlich die Position einnehmen. Friedrich Merz hat sich dann anders entschieden, was aber dann zugleich hieß, dass dieser Post natürlich auch nicht nach Berlin geht. Also wenn du wüsstest, ist es auch ein bisschen eine Entscheidung gegen den Proporz gewesen. Und jetzt darfst du sagen, als derjenige, der hier die Bundespolitik beobachtet, also die Wahrnehmung hier in Berlin war, es war schon auch eine Entscheidung gegen Berlin, gegen Kai Wegener ein Stück weit. Das wäre jetzt sehr weit interpretiert, aber wir haben jetzt natürlich einen deutlich konservativeren Volkang Weimar. da sitzen und nicht Show Cialo. Aber, Am Ende finde ich, für Berlin ist entscheidend, was hinten rauskommt. Also aus Berliner Perspektive jetzt mal, es geht am Ende um Geld. Und der Berliner Kulturbetrieb, der für diese Stadt sehr wichtig ist, der aber auch für das Land natürlich sehr wichtig ist, der kostet viel Geld. Berlin muss sparen und natürlich ist die Rolle von Kai Wegner auch zu gucken, wo denn das Geld herkommt, sodass er in dieser Stadt gebraucht wird. Und dann zeigt Berlin gerne mal auf den Bund im Übrigen, weil natürlich die Kosten in Berlin auch verursacht werden dadurch, doch dass der Bundestag hier in der Stadt ist. Das ist immer so ein bisschen eine komische Beziehung. Die Hauptstadt ist pleite, ist aber trotzdem die Hauptstadt und beherbergt, wie du sagst, das UFO-Regierungsviertel, tritt immer als Bittsteller gegenüber dem Bund auf. Ja, ist jetzt gerade jüngst, dass es wieder passiert. Also es gibt ja tatsächlich, er heißt glaube ich Hauptstadt-Kostenvertrag. Und da bekommt Berlin tatsächlich für die anfallenden Kosten jährlich Geld. Und jetzt hat die Innensenatorin neulich ausgerechnet, dass statt der 120 Millionen Euro, die da jedes Jahr fließen, die Summe eigentlich dreimal so groß sein müsste, weil wir natürlich für diverse Veranstaltungen Polizeisicherheit vorhalten. Und da ist Berlin Bittsteller. Natürlich, wir haben auch den Länderfinanzausgleich, auch da profitiert Berlin. Die grundsätzliche Frage, die aber natürlich dahinter ist, Berlin guckt ja gerne mal auf andere Metropolen in Europa, Paris oder London und dann guckst du zum Beispiel nach Paris, wie viel Geld da investiert wird in die Hauptstadt. Und das steht in keinem Verhältnis zu dem, wie wir hier zu unserer Hauptstadt aufgestellt sind. Das heißt, es gibt hier schon auch das starke Bedürfnis sozusagen aus Berliner Perspektive, dass dieses Land mal zu seiner Hauptstadt auch ein Verhältnis entwickelt, wie sehr diese Hauptstadt eigentlich wichtig ist für Deutschland. Also ich meine, dieses stiefmütterliche Verhältnis ist jetzt nicht Friedrich Merz geschuldet, aber bislang hat man wenig Hoffnung, dass das ändern könnte. Siehst du denn auch Gemeinsamkeiten von Friedrich Merz und Kai Wegner? Och ja, doch, doch aus. Also ich glaube, Friedrich Merz hat ja ein sehr ambivalentes Verhältnis zu seiner CDU. Er hat ja einen komplizierten Werdegang in der CDU. Und Kai Wegner ist in der CDU jemand, der auch nicht immer in erster Reihe stand. Und der ja aus Spandau kommend, man sagt ja immer so ein bisschen, Spandau ist ja auch nur so halb Berlin, da natürlich auch in dieser Stadt, auch in diesem Roten Rathaus in Berlin-Mitte auch erstmal ankommen musste. Er macht das ja noch nicht so lange als regierender Bürgermeister und da sind schon Parallelen zwischen den beiden. Aber beide haben natürlich auch schon eine längliche Geschichte in der CDU und ich bin mal sehr gespannt, wie sich deren Verhältnis vielleicht auch noch entwickeln wird. Weil Berlin kann nicht ohne den Bund und Kai Wegner kann natürlich auch nicht ohne Friedrich Merz am Ende. Aber die Berliner CDU führt da durchaus ihr Eigenleben und der regierende Bürgermeister hat auch natürlich die recht gesunde Haltung, dass er das hier in der Hauptstadt macht, egal was der Kanzler der Bundesrepublik tut. So ganz stimmt das aber natürlich nicht. Ja, die Bundes-CDU diskutiert ja im Moment nicht offen, aber im Verborgenen, sagen wir es mal bislang, über ihr Verhältnis zur Linken. Es gibt einen Unvereinbarkeitsbeschluss, den hat mal ein Parteitag gefasst, der besagt, dass es keine Zusammenarbeit geben darf, keine offizielle Zusammenarbeit. Aber aufgrund der Mehrheitsverhältnisse im Bund ist die CDU auf kurz oder lang auch darauf angewiesen, mit der Linken Kompromisse zu finden. Einfach weil es keine Zweidrittelmehrheit mehr in der politischen Mitte im Bundestag gibt. Und Union und SPD kommen selbst mit den Grünen nicht auf die nötige Stimmzahl, um im Bundestag eine verfassungsändernde Mehrheit zusammenzubekommen. Da bräuchten sie die Linken. Da sind wir zum Beispiel beim Stichwort Reform der Schuldenbremse. Wie ist denn das Verhältnis der Berliner CDU zur Linken hier in der Stadt? Auf jeden Fall entspannter als das Verhältnis, was die CDU im Bund zur Linken hat. und das Spannende hier in der Stadt ist, also für die Hörer und Hörerinnen, die nicht in Berlin wohnen, wir haben hier nächsten Herbst Wahl. Also es dauert noch ein Jahr ungefähr, bis wir hier Wahl haben. Berlin ist, glaube ich, das einzige Land, das einzige Bundesland, wo vier Parteien als erste durchs Ziel gehen könnten und. Deswegen musst du in dieser Stadt auch als Regierender Bürgermeister immer ganz genau aufpassen, welche Türen du zumachst. Und es gibt hier tatsächlich das große für Kai Wegner wichtige Prestigeobjekt Verwaltungsreform. Da musste er auch mit den Bezirken zusammenarbeiten. Und da war die Zusammenarbeit sowohl zur Linken wie auch zur Grünen total entspannt, weil die Linke natürlich in dieser Stadt auch sehr pragmatische Flügel hat. So, Kai Wegner hat jetzt tatsächlich in letzter Zeit auch gesagt, kritische Töne, er sieht wachsende antisemitische Tendenzen in der Linken. Aber das zeigt auch, er ist inhaltlich auf einer ganz anderen Ebene. Also hier geht es nicht um den Unvereinbarkeitsbeschluss, sondern hier geht es wirklich um das, was die Linke an realer Politik oder an realen Aussagen macht. Deswegen kann Friedrich Merz da doch nach Berlin gucken, wieso das Verhältnis auch ein anderes sein kann. Und ich bin auch gespannt, aber ich glaube tatsächlich, da macht die Bundes-CDU ihr eigenes Ding und Berlin steht da eher am Rand und guckt zu. Kannst du dir vorstellen, dass Kai Wegner dann hier in Berlin Wahlkampf macht und den Kanzler nicht einlädt? Nein, ich glaube, so weit würde es nicht gehen. Die beiden haben ja, ich würde das mal so als ambivalentes Verhältnis bezeichnen. Also das, wo ich vorhin auch gesagt habe, naja, am Ende braucht Berlin ja den Bund und Kai Wegner braucht auch Friedrich Merz. Und natürlich wird eine Landtagswahl wie nächsten Herbst hier auch durch bundespolitische Stimmung entschieden. Da glaube ich nicht, dass Kai Wegner sich so deutlich von Merz absetzen würde. Das sind eher so die Sticheleien und die sich dann so in so einzelnen Sätzen, manifestieren oder eben in politischen Dingen, wo man sich nicht einig ist, wo du merkst, dass deren Verhältnis wirklich angespannt ist. Am Ende ist, Dann gewinnt man gemeinsam oder verliert man gemeinsam, sagt man, glaube ich. Ich wollte gerade sagen, kommt vielleicht ein bisschen drauf an, wie die bundespolitische Stimmung dann zu dem Zeitpunkt ist. Peter, zum Abschluss eine Frage auf einer Skala von 1 bis 10. Welches, wenn 10 das Größte ist, das Beste, welches Berlin-Potenzial siehst du noch bei Friedrich Merz? Wenn wir jetzt sagen, er ist ja so bei 2. Also wird er noch ein Berlin-Freund und kommt über die 5 oder wird er immer da drunter bleiben? Friedrich Merz bleibt sich ja schon in gewisser Hinsicht auch treu ich glaube so als Typen, wirst du den nicht ändern mal sehen, vielleicht wird sich da tatsächlich im Landtagswahlkampf nächstes Jahr mal nochmal zeigen, ob er sein Verhältnis zur Stadt nochmal erinnern kann und wenn du mich noch nach Skala fragst ich glaube eine 5, es ist doch aus Unentschieden, Friedrich Merz wird uns ja vielleicht ein Weiche noch als Kanzler erhalten bleiben, deswegen hat er noch ein bisschen Zeit und ich glaube tatsächlich eigentlich kommst du in the long run als Bundeskanzler nicht umhin, irgendein Verhältnis zu dieser Stadt zu entwickeln. Okay, wir werden das dann zu gegebener Zeit noch einmal bewerten. Peter, herzlichen Dank, dass du da warst, dass du deine Expertise mit uns geteilt hast. Vielen Dank. Hat Spaß gemacht, mal hier zu sein als Gast. Tschüss. Music.