Latest / Im Krisenmodus / Drohnenkrieg in der Ukraine: Eine Nacht mit der „Luftwaffe"
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- 0:00Mitten in der Nacht auf einem Feld in der Region Saporizhia.
- 0:03Ukrainesche Soldaten bereiten eine Angriffsdrohne vor.
- 0:07Die Maschine trägt 40 Kilogramm Sprengstoff. Sie ist für einen Flug ohne Rückkehr vorgesehen.
- 0:14Die Soldaten tragen Materialkisten aus Transportern. Ihre roten Helmlampen sind
- 0:18die einzige Beleuchtung.
- 0:20Weißes Licht könnte sie für russische Beobachter viel zu sichtbar machen.
- 0:26Der Kommandant der Staatmannschaft trägt den Rufnamen Wahabit,
- 0:30der zum schwarzen langen Bart, deswegen der Name.
- 0:34Während seine Leute arbeiten, prüft er auf seinem Monitor, ob russische Drohnen näher kommen.
- 0:42Natürlich ist unsere Arbeit gefährlich.
- 0:44Die größte Bedrohung sind für uns feindliche Aufklärungsdrohnen.
- 0:47Wenn sie uns entdecken, werden die Russen uns angreifen, mit Iskander-Raketen
- 0:50oder anderen Waffen. Sie werden keine Waffen sparen, um uns zu treffen.
- 0:56Wahhabid und seine Männer bereiten einen Angriff vor. Gleichzeitig müssen sie
- 1:00darauf achten, nicht selbst entdeckt zu werden.
- 1:03Ich begleite sie bis zum Start.
- 1:08Im Krisenmodus, der Podcast aus Krisen- und Kriegsgebieten aller Welt mit Journalist Jan Jessen.
- 1:17Hallo, ich bin Jan Jessen, Politikchef der NRZ und Kriegs- und Krisenreporter
- 1:20für die Funko Mediengruppe.
- 1:22Ich war vor wenigen Wochen in Saporizia im Süden der Ukraine bei einem Regiment,
- 1:26das Drohnen gegen russische Truppen einsetzt und vor allem auch gegen die russische Logistik.
- 1:32Von Drohnenangriffen sehen wir oft kurze Videos. Eine Kamera nähert sich am
- 1:36Fahrzeug, dann folgt der Einschlag.
- 1:38Ich wollte wissen, was vorher passiert. Wer plant diese Einsätze?
- 1:41Wer startet die Drohnen? Und welchen Risiken sind die Soldaten dabei ausgesetzt?
- 1:46Dafür habe ich zwei Männer auf demselben Regiment getroffen.
- 1:49Major Mikola Koleschnik, den Regimentskommandeur, und Wahabit,
- 1:54der eine Startmannschaft führt.
- 1:57Vier Stunden vor dem Start stehe ich in einer Baumreihe, dutzende Kilometer
- 2:00entfernt vor mir, Major Mikola Koleschnik.
- 2:04Er führt das 422. ukrainische Drohnenregiment. Seine Einheit hat einen Namen,
- 2:09der in Deutschland sofort auffällt. Luftwaffe.
- 2:12Das ist kein Zufall.
- 2:14Koleschnik sagt, er und seine Leute wollten sich damit für die deutsche Unterstützung
- 2:18bedanken, für Flugabwehrsysteme wie Patriot und Gepard.
- 2:22Und dann grinst er. Der Name ärgere die Russen. Auch das gefalle ihm.
- 2:28Koleschnik kennt Deutschland auch aus eigener Erfahrung. Als sowjetischer Soldat
- 2:32war er früher im Raum Magdeburg stationiert.
- 2:35Angefangen hat alles viel kleiner, mit ihm und zwei IT-Leuten.
- 2:38Direkt nach der russischen Invasion im Februar 2022 war das.
- 2:43Richtige Nerds seien das gewesen, mit denen er da zusammengearbeitet hat, sagt er.
- 2:47Aus den drei Männern wird erst ein Zug, dann eine Kompanie, ein Bataillon und
- 2:52schließlich ein eigenständiges Regiment, eine Eliteeinheit der ukrainischen Streitkräfte.
- 2:58Inzwischen setzt die Einheit sehr unterschiedliche Drohnen und unbemannte Bodenfahrzeuge ein.
- 3:03Koleschniks Regiment nutzt kleine Fluggeräte, die direkt über den Stellungen fliegen.
- 3:08Das sind diese Kamikaze-Drohnen, über die wir in diesem Podcast schon oft gesprochen
- 3:11haben, die also mit Sprengladung ins Ziel gesteuert werden, auf eine Entfernung
- 3:15von maximal 13, 14 Kilometer.
- 3:17Dann haben sie außerdem noch Aufklärungsdrohnen, große Kopter,
- 3:20die Bomben abwerfen, die nennen sie Bomber, und Maschinen, die hunderte Kilometer
- 3:25weit fliegen und beim Einschlag selbst zerstört werden.
- 3:28Eine davon werde ich in dieser Nacht sehen. Sie heißt Sozulia.
- 3:32Sie ist aus Holz gebaut, hat 5,5 Meter Spannweite und trägt jene 40 Kilogramm Sprengstoff.
- 3:38Aber warum schickt die Ukraine solche Maschinen so weit hinter die Front?
- 3:42Die Antwort hat unter anderem mit einer Straße zu tun. Die Fernstraße R-280
- 3:46führt vom russischen Rostov am Don entlang des Asoschen Meeres in Richtung Krim,
- 3:51also durch die von Russland besetzten Gebiete.
- 3:56Und sie ist eine wichtige Verbindung für die Truppen Moskaus im Süden der Ukraine.
- 4:01An der Front braucht jede Armee jeden Tag Treibstoff, Munition,
- 4:04Ersatzteile. All das kommt auf Lastbahn.
- 4:07Wer diese Transporte trifft, greift nicht unmittelbar einen Schützengraben an.
- 4:11Er versucht, die russischen Einheiten dort trotzdem zu schwächen.
- 4:14Koleschniks Regiment nimmt nach seinen Angaben genau solche Fahrzeuge ins Visier,
- 4:19Tanklastwagen und Transporter mit militärischer Ladung.
- 4:22Auch russische Treibstofflager und Munitionsdepots werden angegriffen.
- 4:25Das Regiment hat Videos solcher Einsätze veröffentlicht. Wir haben ihn also
- 4:29getroffen, als gerade eine Operation kurz vor dem Ende stand.
- 4:33Die haben sie Schwarzer Vogel genannt.
- 4:35Wie groß die Wirkung der Angriffe insgesamt ist, lässt sich daraus aber nicht einfach ablesen.
- 4:40Ich frage Koleschnik, ob der Druck auf die russische Versorgung irgendwann einen
- 4:43Rückzug der Besatzer erzwingen könnte.
- 4:51Wissen Sie, ich bin Realist. Was immer ich als Prognose sagen würde,
- 4:54wäre wie Fantasie oder Kaffeesatzleserei.
- 4:57Ich weiß aber eines. Ich habe die Aufgabe, die Mittel, mit denen wir ausgerüstet
- 5:01sind, so umfassend und so wirksam wie möglich einzusetzen.
- 5:08Koleschnik ist schon ein sehr imposanter Mensch, also groß, breitschulterig,
- 5:14Bart und macht einen sehr, sehr selbstbewussten Eindruck und war offensichtlich
- 5:21ziemlich stolz auf das, was sein Regiment leistet.
- 5:23Auch, dass er das überhaupt so aufgebaut hat. Wie gesagt.
- 5:27Wir haben angefangen mit drei Leuten, aber das ist eben häufig so in der Ukraine.
- 5:31Gerade diese Drohneneinheiten sind entstanden ganz, ganz häufig aus irgendwelchen,
- 5:36freiwilligen Verbänden, Leuten, die sich zusammengetan haben und die dann im
- 5:41Laufe des Krieges eben immer mehr Freiwillige angezogen haben.
- 5:44Auch bei Koleschnik im Regiment, die Leute, die da dienen, sind so 90 Prozent,
- 5:51vorher in ihrem Berufsleben Zivilistinnen und Zivilisten gewesen und ja,
- 5:56das hat ihn wohl sehr, sehr stolz gemacht, auch diese Erfolge,
- 5:58von denen er berichtet hat,
- 6:00das fand ich ganz spannend und wie gesagt, also er war als,
- 6:04einer der wenigen mit militärischem Background, eben in Magdeburg stationiert,
- 6:08wir haben dann auch ein bisschen über den AfD-Erfolg in Sachsen-Anhalt gesprochen
- 6:12und da musste er dann noch lachen, weil ich gesagt habe, naja,
- 6:14gerade da, wo du früher immer warst,
- 6:17hat jetzt eine Partei die Wahl gewonnen, die der Ukraine sämtliche Unterstützung
- 6:21entziehen will und der Meinung ist, man müsse gegen die Hetze,
- 6:26gegen Russland vorgehen.
- 6:28Da hat er nur gelacht und meinte, das Problem könnten wir theoretisch auch lösen,
- 6:32aber wie gesagt, das war ein Spaß.
- 6:34Koleschnik sagt, mehr als drei Viertel seiner Mittelfreckenangriffe seien erfolgreich.
- 6:38Unabhängig bei Prüfen kann ich das natürlich nicht und selbst wenn ein Ziel
- 6:42getroffen wird, Russland kann Routen ändern, Fahrzeuge ersetzen, Lager verlagern.
- 6:48Auf einen Angriff folgt oft eine Anpassung. Auch das hat er sehr deutlich gemacht.
- 6:52Er sagt, die Russen sind definitiv kein Feind, mit dem man unterschätzen sollte.
- 6:58Sie lernen, sagt er, genauso wie wir lernen und sie lernen dem schnell.
- 7:03Aber ein Angriff auf ein Transport und ein Depot kann die Versorgung der russischen Truppen stören.
- 7:08Und darüber haben wir auch in diesem Podcast schon gesprochen,
- 7:10als wir mal das Schicksal der Stadt Kherson im Süden der Ukraine beleuchtet
- 7:15haben, die ja direkt am Ufer des Nepro liegt, also ein Fluss,
- 7:19an dem größten ukrainischen Fluss.
- 7:22Und auf der anderen Seite dieses Flusses liegen eben noch russische Besatzungstruppen,
- 7:25die jeden Tag in die Stadt hineinschießen.
- 7:27Die Folgen zu Kherson können wir euch auf jeden Fall in die Schonungs reinpacken.
- 7:32Und da wäre es natürlich sehr, sehr sinnvoll, wenn die Russen da gezwungen würden,
- 7:39den Rückzug anzutreten.
- 7:40Das hat damals eben geklappt übrigens, also Kresson war die einzige Regionalhauptstadt,
- 7:44in der Ukraine, die von den Russen nach ihrer Invasion im Februar 2020 besetzt wurde,
- 7:49und im Herbst 2022 ist die Stadt befreit worden und eben aus diesem einfachen
- 7:55Grund, dass die Ukrainen das damals geschafft haben, mit Heimars-Raketen den
- 8:00russischen Nachschub so zu stören, dass die Soldaten eben gezwungen waren,
- 8:03den Rückzug anzutreten.
- 8:0430.000 russische Soldaten sind damals abgezogen.
- 8:07Die Stadt konnte also relativ kampflos damals befreit werden.
- 8:11Und das erhoffen sich jetzt die Ukrainer eben mit ihren Angriffen mit Mittelschreckenraketen
- 8:16und Langstreckenraketen auf den russischen Nachschub.
- 8:20Spektakulär, die Angriffe tief hinter der Front sein müssen.
- 8:23Koleschnik lenkt das Gespräch aber auch zu den ukrainischen Soldaten,
- 8:26die direkt an der Front kämpfen. Ihnen soll sein Regiment vor allem helfen.
- 8:33Die wichtigste Aufgabe unseres Regiments ist, unsere Infanterie und unsere Sturmtruppen zu unterstützen.
- 8:39Dafür setzen wir kleine Angriffsdrohnen ein, Aufklärungsdrohnen und große Drohnen, die Bomben abwerfen.
- 8:46Das ist schon fast Infanteriearbeit. Und es ist unglaublich anstrengend.
- 8:50Unsere Männer bleiben nicht nur ein oder zwei Tage auf ihren Stellungen,
- 8:54auch nicht nur ein oder zwei Wochen.
- 8:56Kolesnik nennt drei weitere Ziele für seine Drohnen. Russische Drohnenpiloten,
- 9:01Artillerie und Nachschub direkt hinter der Front.
- 9:04Das soll den eigenen Soldaten helfen, ihre Stellung zu halten und bei Angriffen vorzurücken.
- 9:09Im Gespräch beschreibt er auch, wie schnell seine Leute reagieren müssen.
- 9:12Manche Ziele sind bekannt und bleiben an Ort und Stelle, also beispielsweise
- 9:16so ein Munitionsdepot oder eine Treibstofflage, das kann ja nicht schnell auf-
- 9:22und abgebaut werden und dann eben kilometerweit verschoben werden.
- 9:27Also da kann man sich ein bisschen Zeit lassen mit der Missionsplanung.
- 9:31Taucht dagegen aber plötzlich ein Raketenwerfer oder eine Radaranlage auf,
- 9:34hat das sofort Priorität.
- 9:36Die Einsatzplanung laufe deshalb ständig weiter, sagt er.
- 9:40Auf beiden Seiten werden neue Drohensysteme und Gegenmaßnahmen eingesetzt.
- 9:43Wie gesagt, wir haben in dem Podcast ja häufig schon über das Thema Drohnen gesprochen.
- 9:47Da packen wir euch auch das eine oder andere in die Shownotes rein.
- 9:51Kolechnik sagt, die russischen Schreitkräfte lernten schnell und könnten neue
- 9:55Entwicklungen rasch in größerem Maßstab nutzen.
- 10:00Russland ist ein ernstzunehmender Gegner. Ich habe unseren Feind auf dem Schlachtfeld nie unterschätzt.
- 10:06Sie lernen schnell und können neue Technik schnell in großem Umfang einsetzen.
- 10:10Manches entwickeln wir zur gleichen Zeit. Am Ende hat derjenige auf dem Schlachtfeld
- 10:14den Vorteil, der über die bessere Technik verfügt oder dessen Kommandeure schneller
- 10:19denken und entscheiden.
- 10:22Ein technischer Vorteil kann deshalb schnell an Bedeutung verlieren.
- 10:25Das ist in diesem Krieg ständig so, dass mal die eine Seite nach vorne geht,
- 10:29mal die andere, was jetzt die technologische Entwicklung angeht.
- 10:33Das ist ein Wettrennen, wo es immer einfach darauf ankommt, wie innovativ die
- 10:39Walk an anderer Seite ist.
- 10:41Koleschnik erzählt mir, dass die Russen auf ukrainische Angriffe reagieren.
- 10:44Sie setzen inzwischen selbst verstärkt Abfangdrohnen ein, die andere Drohnen
- 10:49in der Luft zerstören sollen.
- 10:50Außerdem verstärken sie ihre Flugabwehr und mobilen Einheiten,
- 10:53die Drohnen vom Boden aus bekämpfen. Für die ukrainischen Besatzungen wird es
- 10:57dadurch deutlich schwieriger, ihre Ziele zu erreichen.
- 11:00Und einige Stunden nach meinem Gespräch mit Koleschnik, dem Kommandeur dieses
- 11:04Regiments, war ich dann schließlich bei seiner Startmannschaft,
- 11:09also einer Startmannschaft des 422. Drohnenregiments.
- 11:12Und ihr Kommandant, der hatte, wie gesagt, schon den Rufnamen Wahabit.
- 11:18Wie gesagt, habe ich ja eingangs schon gesagt, der Mann hatte einen relativ
- 11:21grüner Typ, der hatte einen langen Bart, einen langen schwarzen Bart und war ihm aus.
- 11:27Man hätte auch meinen können, er ist ein Islamist, war er natürlich nicht,
- 11:29aber deswegen haben sie ihm den Rufnamen Wahabit gegeben. Koleszek,
- 11:33der führt das Regiment und Wahabit, der leitet die Vorbereitung und überwacht
- 11:38die Sicherheit seiner Soldaten.
- 11:40Als wir da angekommen sind wir sind also von Saporizia aus da hatten wir dann
- 11:44abgeholt im Auto sind wir gut zwei Stunden gefahren,
- 11:49bis wir dann da waren das war mitten in so einer Steppenlandschaft also man
- 11:52hat nicht mehr viel gesehen, wir sind auch bei so einem Feldweg gehuppelt mit,
- 11:56gedämmtem Licht damit wir eben aus der Luft nicht gesehen werden können und,
- 12:02das war schon relativ abenteuerlich wie gesagt, dieser Feldweg war ultra holprig und.
- 12:08Irgendwo wirklich weit draußen dann haben wir die Startmannschaft getroffen,
- 12:14die waren schon in den Vorbereitungen, hatten da große zwei Transporter stehen,
- 12:18zwei zivile Fahrzeuge, weil die natürlich nicht mit Militärfahrzeugen da rumfahren,
- 12:22denn die würden dann sofort identifiziert werden und zu Zielen werden.
- 12:26Und die Jungs, die haben alle sehr, sehr routiniert da gearbeitet.
- 12:31Man merkte, die waren ein eingespültes Team und alle haben dann,
- 12:36als wir angekommen sind, auch direkt Masken angezogen, damit ihre Gesichter
- 12:39auf Fotos nicht zu erkennen sind.
- 12:41Drohnenpiloten, das muss man wissen, sind oder auch Drohnenmannschaften sind
- 12:45einfach Hochwertziele für die jeweils andere Seite.
- 12:49Mittlerweile hat der Krieg in der Ukraine sich ja zu einem Drohnenkrieg entwickelt.
- 12:53Die Drohnen sind sicherlich die wichtigste Waffengattung aktuell und insofern
- 12:59sind diese Leute dann entsprechend Hochwertziele und schützen sich eben selber,
- 13:03indem sie ihre richtigen Namen nicht sagen, wie Wahabit eben auch,
- 13:07der natürlich nicht Wahabit im richtigen Leben heißt, aber den Namen haben wir
- 13:11auch bekommen von ihm, aber er hat darum gebeten, dass er dann eben nicht genannt
- 13:15wird aus Sicherheitsgründen.
- 13:17Als wir dann angekommen sind, waren sie auch gerade dabei, zum einen eben diese
- 13:21Materialkisten auszuladen, von denen ich eingangs gesprochen habe.
- 13:23Und auf der anderen Seite haben sie den hölzernen Rumpf und die Flügel,
- 13:26der so hier aus einem Transporter geholt.
- 13:29Der Rumpf, der ist ungefähr dreieinhalb Meter lang. Die Flügel haben zusammen,
- 13:33eine Spannweite von fünfeinhalb Metern.
- 13:36Und das Ding sieht eigentlich aus, diese Drohne, wie so ein Flugzeug aus dem Zweiten Weltkrieg.
- 13:42Diese Messerschmitz oder Focker-Wulf, die man ja so aus den Weltkriegsfilmen
- 13:48kennt, so ähnlich sah dieses Ding aus.
- 13:51Die Katapultvorrichtung, die steht bereits, als wir da ankommen.
- 13:55Und die kann man sich so ungefähr vorstellen als eine etwa drei Meter lange Stahlrampe.
- 14:00Und die Maschine selber wird eben zusammengebaut vor Ort.
- 14:05Klar, man kann mit 5,5 Meter Spannweite das Ding über die Straße transportieren.
- 14:09Also die Fühlen müssen angebracht werden.
- 14:11Aber auch die Satellitentechnik. Denn diese Maschine wird am Ende,
- 14:17sobald sie in der Luft ist, von einem Piloten gesteuert, der in Verbindung ist
- 14:22mit der Maschine, über eine Satellitenverbindung.
- 14:26Dafür braucht man natürlich die entsprechende Technik auf der Drohne selbst.
- 14:29Die haben sie dann auch angebracht und ich habe bei Biet natürlich auch gefragt,
- 14:32warum das nicht schon vor dem Transport erledigt worden ist.
- 14:43Normalerweise läuft das anders. Wir bereiten die Drohnen schon vorher in einer Art Lagerform.
- 14:48Heute gab es allerdings ein unvorhergesehenes Problem. Stardink wurde etwas
- 14:51zu spät geliefert, deshalb haben wir es nicht mehr geschafft,
- 14:54das System vorher einzubauen.
- 14:55Normalerweise werden die Drohnen im Lager komplett vorbereitet.
- 14:59Sie kommen vom Hersteller, werden zusammengebaut und überprüft.
- 15:02Anschließend zerlegen wir sie wieder und verladen sie in die Fahrzeuge, die ihr gesehen habt.
- 15:15Während die Arbeiten also vor Ort weitergehen, schaut Barbit immer wieder auf seinen Monitor.
- 15:20Dort prüft er dann, ob russische Aufklärungsdrohnen näher kommen.
- 15:31Deshalb beobachten wir ständig den Himmel, damit wir nicht entdeckt werden.
- 15:34Wenn eine feindliche Drohne zu nahe kommt, decken wir unsere Fluggeräte ab und
- 15:38verstecken uns unter der Erde. Aus der Luft sind wir dann nur noch schwer zu erkennen.
- 15:47Neben dem Startplatz gibt es einen ausgehobenen Schützengraben.
- 15:51Das ist ein relativ kleines Ding, also ein riesenlanger Schützengraben,
- 15:54wie man den aus Filmen kennt.
- 15:55Sondern mehr so eine größere Grube.
- 15:58Bei Gefahr sollen die Männer die Arbeit abbrechen und dort Deckung suchen.
- 16:02Ihre Startplätze, die wechseln Sie ständig, also der Startplatz,
- 16:05auf dem wir waren, der wird vielleicht zwei, drei, vier und frei benutzt maximal,
- 16:09denn man kann auch identifizieren, woher so eine Drohne kommt und je öfter man
- 16:13diesen Startplatz benutzt, desto lebensgefährlicher wird das natürlich, dieses Arbeiten da.
- 16:19Normalerweise braucht Wahabit fünf Leute für den Start. Jeder hat seine feste
- 16:22Aufgabe. Einer kümmert sich um das Katapult, ein anderer um die Mechanik,
- 16:26einer kontrolliert die Software und ein weiterer bereitet die Sprengladung vor
- 16:30und Wahabit leitet die Mannschaft.
- 16:32Heute waren, als wir da sind, waren allerdings noch ein paar andere Soldaten
- 16:36dabei, die ausgebildet werden.
- 16:39Ich will von Wahabit wissen, wie seine Mannschaft vor russischen Aufklärungsdrohnen
- 16:43gewarnt wird, ob andere Einheiten dabei helfen.
- 16:51Für unsere Sicherheit sind zwei Leute verantwortlich. Einer davon bin ich selbst.
- 16:55Als Kommandeur überwache ich direkt am Startplatz ständig den Luftraum.
- 16:58Meine Aufgabe ist es schließlich, die Sicherheit meiner Besatzung zu gewährleisten.
- 17:02Der zweite Mann sitzt bei den Drohnenpiloten am Steuerpult.
- 17:05Auch er überwacht den Himmel. Dafür nutzen wir spezielle Software.
- 17:08Die Informationen werden zentral gesammelt und den Einheiten zur Verfügung gestellt.
- 17:14Wir haben ein paar Programme, kann man sagen.
- 17:19Fabit und seine Leute, die wirken während dieser ganzen Zeit,
- 17:22als sie diese Vorbereitung machen und als er dann auch seinen Monitor ständig
- 17:27kontrolliert, da wirken sie eigentlich die ganze Zeit sehr, sehr entspannt und ruhig.
- 17:32Das ist erstaunlich, denn wie gesagt, sie sind Angriffsziele,
- 17:37sie sind Ziele für russische Drohnenpiloten, sie sind Ziele für die russische Artillerie.
- 17:42Sie sind aber auch für Raketeneinheiten Ziele.
- 17:46Und trotzdem wirken sie eben die ganze Zeit sehr, sehr ruhig, routiniert.
- 17:51Und unter anderem kommt einer der Soldaten immer wieder an, spricht mit Reto
- 17:56klar, dem Fotografen und Freund, der mit mir immer wieder in der Ukraine ist,
- 18:02weil er selber Hobbyfotograf ist und gerne mal wissen will, wie seine Bilder
- 18:05so sind, ob die wirklich toll sind oder nicht toll sind.
- 18:08Das hätte ihn also wesentlich mehr interessiert, zu dem Zeitpunkt,
- 18:10als wir da waren, als die Frage, ob sie jetzt möglicherweise angegriffen werden
- 18:14oder ob die Maschine jetzt vernünftig da rauskommt.
- 18:18Man merkte den schon an, dass sie das nicht zum ersten Mal machen.
- 18:25Bobby hat uns auch erzählt, dass sie schon über 100 Drohnen in die Luft gejagt
- 18:31haben. Also insofern ist das in dieser Nacht nichts Neues für sie.
- 18:36Die Soldaten prüfen die Sprengladung und füllen Kerosin in die Tanks der Flügel.
- 18:41Dann lassen sie den Propeller probeweise anlaufen.
- 18:44Der Motor klingt wie ein überlautes Mofa.
- 18:50Welches Ziel die Drohne in der Nacht angreifen wird, das erfahren wir nicht.
- 18:55Die Soldaten nennen nur die Richtung Mariupol, die seit 2022 russisch besetzte
- 19:00ukrainische Stadt am Asowschen Meer.
- 19:02Ihr werdet euch vielleicht erinnern, Anfang 2022, als die Russen in der Ukraine
- 19:07einfallen, ist Mariupol einer dieser Schauplätze heftiger Kämpfe.
- 19:13Die Stadt wird monatelang belagert von den russischen Streitkräften,
- 19:18größtenteils auch zerstört.
- 19:20Und am Ende ziehen sich die Verteidiger in das Stahlberg der Stadt zurück,
- 19:25harren da noch wochenlang aus und gehen dann später in Gefangenschaft.
- 19:30Und wie gesagt, in Richtung dieser Stadt soll die Drohne fliegen.
- 19:36Die Männer schieben die Sozzulia auf das Katapult. Habib empfiehlt uns,
- 19:40in den Schützengraben zu gehen.
- 19:42Im schlimmsten Fall, sagt er uns, könnte die Maschine beim Start explodieren.
- 19:46Ist natürlich eine Nachricht, die ein bisschen beunruhigend ist, muss man sagen.
- 19:52Bei 40 Kilogramm Sprengstoffe ist natürlich die Sprengböckung enorm.
- 19:57Und man kann ungefähr ahnen, dass im Umkreis von mehreren hundert Metern,
- 20:04dass es super gefährlich dann ist.
- 20:07Aber sie beruhigen uns dann aber auch sofort und sagen, macht euch mal keine
- 20:12großen Gedanken, das ist nur eine reine Sicherheitsmaßnahme.
- 20:14Bei uns ist also noch nie was passiert. Wir also runter in den Schützengraben,
- 20:20suchen da Deckung, als drei der Soldaten die Maschine starten.
- 20:26Zwei gehen runter in den Schützengraben mit uns und checken auf ihren Monitoren,
- 20:32ob alles richtig läuft, ob die Technik richtig funktioniert und auf der anderen
- 20:37Seite, ob möglicherweise feindliche Maschinen im Anflug sind.
- 20:42Dann löst das Katapult aus. Die Zlochulia verschwindet in der Dunkelheit.
- 20:47Ihr Pilot übernimmt die Steuerung. Wahabit ist zuversichtlich,
- 20:51dass die Mission erfolgreich sein wird. Ob die Drohne wirklich ihr Ziel erreicht
- 20:54hat, das erfahre ich allerdings nicht.
- 20:57Da steht eine Maschine aus Holz mit 40 Kilogramm Sprengstoff.
- 21:00Sie kann Ziele weit hinter der Front erreichen. Fünf Soldaten reichen aus,
- 21:04um sie startklar zu machen. Und der Pilot kann hunderte Kilometer entfernt sitzen.
- 21:09Vor wenigen Jahren beginnt Koleschnik's Einheit mit drei Männern.
- 21:13Heute ist daraus ein Regiment geworden, das mit Drohnen, russische Artillerie,
- 21:16Nachschubtransporte und andere militärische Ziele ergreift.
- 21:19Und Wahhabit, der muss bei jedem Staat vor allem darauf achten,
- 21:24dass seine Mannschaft nicht entdeckt wird.
- 21:27Das war im Krisenmodus. Diesen Podcast hat Alexander Baumeister produziert.
- 21:31Er ist auch Journalist beim Radiosender der Funke Mediengruppe.
- 21:35Schreibt uns, welche Fragen ihr zum Thema Drohnen habt krisenmodus.funkemedien.de,
- 21:41ich danke euch fürs Zuhören erzählt es gerne weiter liked und folgt uns wir
- 21:47hören uns dann beim nächsten Mal bis dann, ciao ciao, macht's gut.