Latest / Augstein & Blome / AfD und Linke: Ein Fest der Demokratie?
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- 0:03Hallo Blome, schönen guten Abend ins Hauptstadtstudio von RTL.
- 0:07Ich bin zu Hause, wie es sich gehört, vor dem Fernseher. Sie sind bei der Arbeit.
- 0:10Wir werden gleich über diesen Wahlabend reden.
- 0:13Kleiner Hinweis für unsere Hörerinnen und Hörer zu Hause. Wir nehmen dieses
- 0:16Gespräch am Sonntagabend, dem 20. September, 20.35 Uhr auf. Es ist der erste
- 0:22Tag vom Anfang des Endes der alten Bundesrepublik, aber dazu mehr gleich nach dem Intro.
- 0:47Ja, lieber Kollege Augschein, ich melde mich hier aus dem Fernseher quasi,
- 0:52derweil Sie vor dem Fernseher sitzen und habe zunächst einmal eine Frage, viele Fragen.
- 0:58Und zwar 48 Prozent der 24- bis 35-Jährigen haben in Berlin die Partei Die Linke gewählt.
- 1:07Meine Kinder befinden sich alle drei in dieser Altersgabel und ich habe Fragen.
- 1:14Ich habe Fragen. Ich habe Fragen.
- 1:17Gut, ich bin aus dieser Altersgruppe raus, das wissen Sie. Ich bin zwar jünger
- 1:21als Sie, aber so viele Jünger dann doch nicht.
- 1:24Okay, das ist interessant. Das ist das Erste, womit Sie anfangen wollen.
- 1:26Sie wollen nicht damit anfangen, dass der Bundeskanzler gesagt hat, es ist ein Desaster.
- 1:30Sie wollen nicht damit anfangen, dass ich eben gesagt habe, das ist der Anfang
- 1:32des Endes der alten Bundesrepublik.
- 1:34Sie wollen jetzt anfangen damit, dass in Berlin die jungen Leute links sind.
- 1:37Sie wissen schon, dass Churchill gesagt hat, wer mit 18 nicht links ist,
- 1:41hat kein Herz und wer mit 19 immer noch ist, hat keinen Verstand oder so.
- 1:47Ja, was soll ich denn sagen? Meine Kinder haben alle links gewählt,
- 1:49so wie es sich gehört. Jawohl.
- 1:52Die durften auch die 15- und 16-Jährigen wählen. Aber na klar,
- 1:55es geht um den Bundeskanzler und sein Schicksal.
- 1:57Und in Mecklenburg-Vorpommern sind die letzten Hochrechnungen,
- 2:03in dem Augenblick, wo wir hier sprechen, gerade wieder so, dass die CDU mit
- 2:075,0 auf der Netzkante liegt.
- 2:09Also das ist offenkundig alles noch nicht so ganz gegessen. Aber es ist schon
- 2:14beinahe egal, ob die CDU aus dem Landtag von Mecklenburg-Vorpommern fliegt oder nicht.
- 2:19Und das beschreibt ja die Tiefe des Einschlages, die der Bundeskanzler versucht hat aufzufangen.
- 2:29Indem er sich sofort um 18.05 Uhr, also unmittelbar so ungefähr nach der ersten
- 2:34Prognose, 18.10 Uhr hingestellt hat und so eine Art Rede gehalten hat.
- 2:39Ich weiß gar nicht an wen, aber es war eine Rede, wo er sein persönliches politisches
- 2:45Schicksal eins zu eins mit den Reformen verbunden hat und versucht hat, die Reformen,
- 2:51zu überhöhen als den wahren Kampf gegen das Autoritäre und sich damit auch selbst
- 2:57ein bisschen zu erhöhen, nämlich mindestens mal über diese garstigen Niederungen,
- 3:02der beiden Landtagswahlen, die ja beide sehr schlecht ausgegangen sind für die
- 3:06CDU. Glauben Sie, das funktioniert?
- 3:11Ich fand diese Rede beeindruckend, weil sie so ehrlich war und auch so verzweifelt
- 3:20und irgendwie hatte sie so was Churchill-haftes, ja, we shall never surrender,
- 3:25we will fight them on the beaches, landing grounds in fields,
- 3:29in streets and on the hills, praktisch so,
- 3:32das war so ein bisschen so der Tenor.
- 3:36Aber er konnte auch entweder nur diese Rede halten oder die andere,
- 3:39die ja auch denkbar gewesen wäre, okay Leute, mit mir geht es nicht mehr und
- 3:42ich glaube, ich haue jetzt meinen Sack und das muss ein anderer weitermachen.
- 3:46Darf ich vielleicht eins ganz kurz einschieben, nur aus der Perspektive des
- 3:51Nachrichtenflusses am Nachmittag.
- 3:53Also als, naja, man so ahnte,
- 3:57das wird jetzt aber doch ganz schön schlimm ausgehen und dann plötzlich es hieß
- 4:01am Nachmittag, am späteren, der Bundeskanzler kommt sofort nach der ersten Prognose
- 4:06so ungefähr raus und sagt was.
- 4:08Das haben wir alle gedacht, habe ich auch echt einen Moment lang gedacht,
- 4:11oh wow, wenn etwas Präpariertem kommt, dann tritt er von einem der beiden Ämter
- 4:15oder gar von beiden zurück.
- 4:16Ich hätte auf den Parteivorsitz Rücktritt gewettet, habe mich geirrt,
- 4:22er hat mit beidem festgehalten, aber so weit waren wir hier alle schon.
- 4:27Na gut, ich meine, ich fand es interessant, der Spiegel hat das als Eilmeldung
- 4:31für wichtig gehalten, Merz will Kanzler und CDU-Chef bleiben.
- 4:34Also offensichtlich war die Stimmung so, dass man auch eins von beiden,
- 4:37Stand zur Debatte vielleicht beides.
- 4:39Also wie gesagt, Merz hat gesagt, Kinnriemen enger schnallen,
- 4:42Arschbacken zusammenkneifen und weiter, weil wir keine andere Alternative haben.
- 4:45Ich finde, das ist aus seiner Position richtig und nachvollziehbar.
- 4:49Ich fürchte nur, dafür ist es zu spät. Ich meinte das vorhin nicht als polemischen.
- 4:54Aufreger und Kleinschlagzeile.
- 4:57Das hier ist der Anfang des Endes der alten Bundesrepublik. Die Volkspartei
- 5:02SPD gibt es schon nicht mehr.
- 5:05Also Leute wie ich sagen schon seit vielen Jahren, dass die SPD dabei ist,
- 5:08sich als Volkspartei aufzulösen und abzuschaffen.
- 5:13Und sie wird eben abgelöst durch eine andere neue Volkspartei.
- 5:16Und der CDU droht jetzt das gleiche Schicksal. Das ist eine Entwicklung,
- 5:21glaube ich, deren ganze Tragweite noch nicht so richtig erkannt ist.
- 5:24Am Wochenende war in der FAS ein wirklich fantastischer Leitartikel,
- 5:30der versucht hat, das einmal zusammenzuschreiben, was das eigentlich bedeutet
- 5:33für Deutschland, wenn in der Mitte eben ein Loch klafft,
- 5:38und die Volksparteien keine Bindung mehr haben in ihre sogenannten Stammwählerschaften,
- 5:43weil es gibt keine mehr. Es gibt diese Stammwählerschaften nicht mehr.
- 5:46Bei der CDU sind es nur noch die über 70-Jährigen und bei der SPD die letzten
- 5:51Boomer-Leute, die noch das Aufstiegsversprechen des alten Sozialstaats genießen konnten.
- 5:57Dieses Land ist im Umbruch, nicht nur wirtschaftlich, nicht nur die Geopolitik,
- 6:01die Zeitenwende ist nicht nur in der Verteidigungspolitik, sie ist eben auch
- 6:04in der politischen Politik und das erleben wir jetzt.
- 6:06Und was ich so irre finde daran, Entschuldigung, da gebe ich dann jetzt auch
- 6:09gleich an Sie weiter, dass die sogenannten arrivierten Medien die allergrößte
- 6:14Mühe haben, mit diesem relativ klar zu Tage liegenden Umstand zurecht zu kommen.
- 6:18Man merkt das an der ganzen Art, wie Ihre Kolleginnen, Entschuldigung,
- 6:22auch heute Abend wieder sich dieses Themas annehmen.
- 6:27Also bei Medienkritik finde ich immer ein bisschen vorsichtig.
- 6:29Das ist Wohlfall für jemanden, der sehr bequem am Sofa sitzt und dann klüge
- 6:34Sprüche macht, um das jetzt mal zurückzugeben.
- 6:39Machen Sie das nicht? Erleben wir das Ende der Volksparteien als Modell?
- 6:46Oder erleben wir.
- 6:50Eine Veränderung der Form und Art und Weise, Wahlkampf zu machen gegen Populismus
- 6:55von rechts, den wir bislang nicht kannten?
- 6:57Dass es eine Umwälzung ist, glaube ich, so weit waren wir schon,
- 7:01lieber Kollege Augstein, dass es sich massiv was verändert, kommend aus dem Osten...
- 7:06Ich glaube immer noch nicht, dass es in dieser Form auch den Westen erreicht,
- 7:09aber das wird man erleben, dass sich was verändert, wenn eine Partei,
- 7:13die mit niemandem koalieren will, also nicht regieren kann, an die 40,
- 7:16gar über 40 Prozent in Landtagswahlen macht.
- 7:19Ist doch klar, aber ich finde, der interessantere Ausfluss des heutigen Abends ist doch,
- 7:28wenn man so will, die interessantere Botschaft und die auch viel relevantere
- 7:31Botschaft als das Gemöhre Nachgedenke über Volksparteien, ist doch,
- 7:37dass es zweimal eine linke Mehrheit gegeben hat.
- 7:40Eine klassische linke Mehrheit aus SPD, Linken und Grünen und zwar in unterschiedlicher
- 7:45Reihenfolge in den verschiedenen beiden Wahlen und was heißt das jetzt für einen
- 7:50Reformkurs des Bundeskanzlers? Wie weit muss er oder kann er dem entgegenkommen?
- 7:55Das ist doch ein Missverständnis. Entschuldigung, auch das ist doch wieder altes.
- 8:00Denken aus dem Springer Verlag, dass die SPD eine linke Partei ist.
- 8:03Das glauben sie doch wirklich selber nicht. Ich meine das jetzt wirklich nicht
- 8:06böse, aber die SPD ist keine linke Partei. Die SPD gehört nicht zum linken politischen
- 8:11Lager. Das stimmt einfach nicht.
- 8:13Vielleicht ist das schlecht, vielleicht nicht. Vielleicht wollen die das auch
- 8:15gar nicht. Aber die jetzt mit dazu zu rechnen, ist wirklich ein echter Unsinn,
- 8:20wenn sie sich sozusagen den Track
- 8:22Record der SPD in den letzten 25 Jahren angucken. Also wenn ich, ja...
- 8:28Dann formulieren wir es anders, wenn Sie mit dem Begriff links nicht mehr können,
- 8:30was mich überrascht, weil Sie ja eigentlich immer ein Linker sind.
- 8:33Okay, aber dann sagen wir Anti-Reform-Kurs. Also diese Art von Politik,
- 8:38die diese Bundesregierung eingeschlagen hat, ist in diesen beiden Wahlen abgestraft worden.
- 8:44In Berlin durch die Linke und im Beiboot dann ein bisschen nach SPD,
- 8:49kann man gleich vergessen.
- 8:50Aber das wird ja eine Mehrheit ergeben müssen.
- 8:53Und in Mecklenburg-Vorpommern ist dieser Kurs von Friedrich Merz und der Koalition
- 8:57in Berlin abgestraft worden durch die SPD selber, durch Manuela Schwesig,
- 9:01die früh erkannt hat, die einzige Chance in diesem Bundesland,
- 9:05zu gewinnen oder zumindest nicht krachend zu verlieren, ist sich gegen die Bundesregierung,
- 9:10gegen Friedrich Merz, gegen die Reformen zu stellen.
- 9:12Und das ist der gemeinsame Nenner. Wir haben zweimal die Botschaft,
- 9:15wir wollen diese Reform nicht. Nicht in dieser Form und nicht von diesem Mann.
- 9:19Und was bedeutet das jetzt? Was bedeutet das für die CDU und diesen Mann?
- 9:24Und die Reformen vor allen Dingen.
- 9:27Blume, ich verstehe Sie gar nicht. Sie brauchen keine linke Mehrheit,
- 9:30um gegen diese Reform zu sein.
- 9:31Sie müssen sich klar machen, dass alle AfD-Wähler gegen diese Reform sind.
- 9:35Die müssten Sie ja noch dazunehmen. Dann bleiben echt nicht mehr viele Leute,
- 9:39die sozusagen im Moment an den Wahlurnen, wenn sie das so interpretieren wollen,
- 9:43diesen Reformen ihr Okay gegeben haben. Das ist natürlich, da brauchen sie die
- 9:48Linken nicht. Die AfD ist auch gegen diese Reform.
- 9:52Deshalb fand ich ja Merzens Rede wirklich beeindruckend und richtig,
- 9:56weil er im Prinzip gesagt hat, und mein Churchill vergleicht, der,
- 9:59habe ich jetzt auch nicht aus Spaß gesagt, weil er wirklich im Grunde gesagt
- 10:02hat, okay Leute, das ist jetzt hier ernst, das ist jetzt hier wie Krieg,
- 10:05wir ziehen das jetzt durch, scheißegal, was es uns kostet.
- 10:09Wir müssen das durchziehen, es ist wichtig, wir haben keine Wahl,
- 10:12sondern wir ziehen es jetzt durch.
- 10:14Und im Grunde sagt er, ist ja eh klar, dass er beim nächsten Mal nicht mehr
- 10:17antritt und dann ihn auch keiner mehr wählen will und so.
- 10:20Er schmeißt jetzt sein politisches Gewicht, wie groß auch immer das ist,
- 10:24in die Waagschale, um diese Reform, die er für richtig hält, durchzuziehen.
- 10:28Da muss ich sagen, Respekt, Herr Bundeskanzler, finde ich echt.
- 10:32Also weil, wenn schon, denn schon. Das ist jetzt so sein Motto.
- 10:35Angesichts dieses Desasters, Oton Merz.
- 10:39Ja, aber es liegt eben nicht mehr in seiner Kraft. Also wenn wir jetzt Churchill
- 10:43nochmal weiter bemühen, konnte Churchill ja sagen, ich regiere hier mit einer Mehrheit.
- 10:50Und solange das der Fall ist, wird nicht aufgegeben. Und solange ich das Königshaus
- 10:53hinter mir habe, und was man dafür alles so brauchte.
- 10:57Das ist nicht die Rolle von Friedrich Merz. Er kann eine Schweißblut und ich
- 11:01weiß nicht was Tränenrede halten oder wie jetzt heute Abend geschehen,
- 11:06sehr ernst vor die Leute treten und sagen,
- 11:09das muss sein, das ist richtig, es ist das beste Mittel gegen die Autoritären,
- 11:14aber er hat halt einen Koalitionspartner.
- 11:17Und der ist jetzt gerade Teil von zweimal einer linken Mehrheit geworden,
- 11:20die es anders haben will. In Berlin ganz anders und ich bin sehr froh,
- 11:23dass ich das jetzt nicht als Bürger der Stadt, sondern nur als Beobachter der
- 11:27Stadt erleben darf oder muss.
- 11:31Und in Mecklenburg-Vorpommern eben mit Frau Schwesig, die das Kommando in der
- 11:34SPD jetzt übernehmen wird.
- 11:35Ob sie jetzt im Koalitionsausschuss sitzt oder nicht, die beiden anderen Vorsitzenden
- 11:39der SPD, Deberbel Baas und insbesondere Lars Klingbeil, der mehr Schröder wagen
- 11:45wollte, sind jetzt in die zweite oder in den fünften Rang zurückgestuft.
- 11:50Und jetzt hat Manuela Schwesig das Sagen.
- 11:53Und an dieser SPD, die ja, wenn man ehrlich ist, im Bund so weit wohnt ist,
- 11:59wie ganz lange nicht mehr, hängt es jetzt, ob Friedrich Merz seine Reformen durchsetzen kann.
- 12:05Und das ist jetzt das System, und da bin ich jetzt bei Ihnen,
- 12:07Entschuldigung, unter dem Eindruck dieses Wahlabends, der noch ganz schön volatil zu werden scheint.
- 12:14Muss man sagen, jetzt kommt das Kompromiss- und Konsenssystem parlamentarischer
- 12:18Art in Deutschland tatsächlich an seine Grenzen.
- 12:22Ganz lustig, wie Sie eben gesagt haben, Sie sind froh, dass Sie dieses Berliner
- 12:25Ergebnis nicht als Bürger dieser Stadt miterleben müssen.
- 12:29Sie wohnen im Speckgürt dieser Stadt, Sie arbeiten in dieser Stadt.
- 12:33Jeder Tag führt Sie sozusagen Ihr Arbeitsweg durch diese Stadt.
- 12:38Also wenn die roten enteignenden Horden durch die Stadt ziehen,
- 12:44werden Sie davon auch nicht unbescholten sein. Man wird auch Ihren Fiat 500
- 12:48dann dem Volksvermögen hinzufügen, lieber Kollege Blume.
- 12:51Ja, aber das steigert das Volksvermögen, möchte ich sagen, nicht in dem Maße,
- 12:56wie es nötig sein wird, um mehrere hunderttausend Wohnungen zu enteignen und
- 13:00dabei ja dann bezahlen zu müssen. Das geht so in die zweistelligen,
- 13:03deutlich zweistelligen Milliardenbetrag.
- 13:06Macht aber nichts, auch die Linken können zaubern, ist doch klar.
- 13:10Und ein Wort noch, lieber Kollege Blome, zu Manuela Schwesig,
- 13:13die sich auch heute Abend wieder von der CDU so schlecht gelaunt muffelige Vorwürfe,
- 13:20das ist ein personalisierter Wahlkampf, und kein Wunder, dass wir so verloren haben,
- 13:24wenn die Schwesig das so personalisiert, wo man sagt, Leute,
- 13:27seid ihr eigentlich nicht mehr ganz dicht. So geht es halt, das ist hier kein Kindergarten.
- 13:30So ist es dann halt. Die hat halt einen richtig guten Wahlkampf geführt.
- 13:33Die Frau, die ist halt wirklich wie so eine Löwin, hat sie sich da in dieses Gefecht gestürzt.
- 13:38Politik ist, ich interessiere mich ja gar nicht so doll für Politik.
- 13:41Aber das war wirklich eine echte Show. Das war eine Politik-Show.
- 13:45Und eine Sache, die hier völlig untergeht, die kein Mensch bisher gesagt hat,
- 13:49finde ich, und Sie auch nicht und ich bisher auch nicht.
- 13:51Das hier war ein Festtag der Demokratie. Die Wahlbeteiligung ist in Mecklenburg-Vorpommern
- 13:57noch nie so groß gewesen wie jetzt. Sie ist auch in Berlin wieder gestiegen.
- 14:01Nicht-Wähler, die in Scharen zu Hause geblieben sind bei den letzten Wahlen, sind zur Wahl gekommen.
- 14:06Das ist gelebte demokratie und natürlich haben viele von den afd gewählt ja
- 14:10aber so was das ist halt auch demokratie und all diese leute
- 14:13die immer sagen die afd ist der feind der demokratie da kann ich nur sagen verdammt
- 14:17und zugenäht demokratie ist halt nicht nur das was euch gefällt leute naja aber jetzt,
- 14:23sie haben recht und das sage ich auch immer und mache mir damit wirklich nicht nur freunde.
- 14:28Ein Nichtwähler ist schlechter als ein AfD-Wähler. Bin ich vollkommen dabei.
- 14:34Alle am besten 100 Prozent. Ich war sowieso immer für eine Wahlpflicht,
- 14:37aber sei es drum, 100 Prozent wäre noch besser.
- 14:41Aber natürlich, beide Lager, glaube ich, haben mobilisiert, sowohl die SPD und
- 14:46andere Parteien als auch eben die AfD, die sehr, sehr gut ist im Mobilisieren.
- 14:51Und das ist toll, das ist wunderbar. Ob deswegen automatisch die AfD demokratische
- 14:56Dinge möchte, das wage ich dann mal zu bezweifeln, aber das ist ein anderes
- 15:00Kapitel und das reden wir ein anderes Mal, was die da wirklich vor hätten und
- 15:04wirklich machen würden.
- 15:05Wir können es ja in Sachsen-Anhalt vielleicht demnächst beobachten.
- 15:08Aber ja, Frau Schwesig ist jetzt die AfD-Besiegerin. Gefühlt,
- 15:12sie hat zwar nicht Platz 1 gemacht, aber irgendwie sind alle so fürchterlich
- 15:16erleichtert, dass sie in die Nähe der AfD gekommen ist.
- 15:18Das ist ja auch schon beinahe rührend. Aber als AfD-Besiegerin wird natürlich
- 15:23geguckt, wie hat sie das denn gemacht? Okay, sie hat alle anderen Parteien hinter
- 15:27sich gesogen, beziehungsweise deren Wähler.
- 15:30Und das ist dann eben so, hat Herr Haselhoff vor vier oder fünf Jahren in Sachsen-Anhalt
- 15:34für die CDU ganz genauso gemacht als Ministerpräsident.
- 15:37Und kam dann bei 39 Prozent raus, da wäre die SPD fast rausgekippt aus dem damaligen Landtag.
- 15:43Das ist alles vollkommen okay, aber was passiert?
- 15:46Bedeutet es für Wahlkämpfe gegen die AfD, muss das jetzt immer so gehen?
- 15:52Und kein Wunder, dass die SPD das in Berlin nicht geschafft hat.
- 15:56Ehrlich gesagt, wer war da nochmal der Kandidat? Herr Krach,
- 15:58außer dass er jetzt irgendwie eine Hausdurchsuchung hatte, wegen irgendwelcher
- 16:01Sachen, die er in Hannover gemacht hat, im Sünden-Babylon sozusagen,
- 16:07der SPD in Niedersachsen,
- 16:10kannte und kennt kein Mensch diesen Menschen.
- 16:13Diese Idee der SPD, möglichst funktionärsgenehme.
- 16:20KandidatInnen, mit Gottes Schlag versehene KandidatInnen aufzustellen,
- 16:25die praktisch in den Gremien ganz toll zurechtkommen, weil sie sich da irgendwie
- 16:29so bewegen wie Fische im Wasser. Aber das ist toll für die Institution,
- 16:32aber ehrlich gesagt für die Wähler nicht so toll.
- 16:34Und dass Manuela Schwesig das begriffen hat und ausgeschert ist aus diesem Cordon, ist klug.
- 16:40Und es zeigt, dass sie eine richtige Politikerin ist. Und ehrlich gesagt,
- 16:43falls sie die SPD jetzt irgendwie übernehmen sollte, würde ich sagen,
- 16:47à la Bonheur. Ich meine, wir verlieren mit Herrn Klingbeil und Frau Baas wirklich
- 16:50nichts, dem man hinterher trauern würde.
- 16:54Aber darauf wollte ich ja hinaus, lieber Kollege Augstein. Sie wird die SPD
- 16:58als vermeintliche oder tatsächliche AfD-Besiegerin, als die Frau gegen Blau übernehmen.
- 17:05Sie wird auch die nächste Kanzlerkandidatin werden, wenn sie gerne einen weiten
- 17:09Blick nach vorne nehmen möchten.
- 17:11Aber was wäre es.
- 17:16Wenn die Reformen, von denen der Bundeskanzler sprach, und das haben sie ja
- 17:20so ernst genommen und gut gefunden irgendwie, wenn diese Reformen wirklich wichtig sind?
- 17:24Wie viele Kompromisse kann die CDU, kann dieser Kanzler noch machen,
- 17:28einer SPD, die sich jetzt unter dem Eindruck dieser Wahlergebnisse auf einen anderen Pfad macht?
- 17:35Das meinte ich eben mit, wir kommen an die Grenze der Koalitions- und Konsens.
- 17:40Demokratie, weil diese Art Kompromisse.
- 17:44Die von der SPD mutmaßlich jetzt gefordert werden unter dem Eindruck von Frau
- 17:48Schwesig und ihrem Wahlsieg oder Wahlerfolg, Sieg ist es ja nicht,
- 17:52diese Kompromisse kann die CDU nicht mehr machen.
- 17:56Obwohl ja eigentlich doch die alten Volksparteien eben genau die sind,
- 17:59die Kompromisse machen müssen und können. Die Antwort liegt doch auf der Hand.
- 18:04Die Antwort, lieber Kollege Blum, liegt doch auf der Hand. Diese Reformen sind
- 18:08nicht das Papierwert, auf den sie geschrieben sind.
- 18:10Sie sind für die Linken zu sozialstaatsfeindlich und für die konservativeren
- 18:16wirtschaftsfreundlichen CDU-Leute zu wenig wirtschaftsfreundlich.
- 18:19Sie sind eben nichts Halbes und nichts Ganzes und sie überzeugen nicht mal die
- 18:23Parteien, die sie tragen und geschweige denn die Menschen im Land,
- 18:27die sie erdulden und umsetzen müssen.
- 18:29Wie soll das funktionieren? Völlig egal, ob in irgendeiner idealen Welt,
- 18:34die sich Friedrich Merz ausdenken kann auf seinem Papier, ob sie da richtig
- 18:40oder falsch werden, das spielt gar keine Rolle.
- 18:41In der Realität werden sie nicht funktionieren, weil niemand sie wirklich will,
- 18:46weil niemand wirklich dran glaubt.
- 18:48Ich habe eben gesagt, Respekt für den Bundeskanzler, dass er sich jetzt mit
- 18:52diesem Verzweiflungsmut dahinstellt.
- 18:54Das ist als Position, als Positionierung sehr respektgebietend.
- 18:58Ich halte es inhaltlich, wird uns das gar nirgendwo hinführen.
- 19:01Was wir brauchen in dem Land, ist das, was Merz versprochen hat,
- 19:05einen Stimmungswechsel.
- 19:06Den konnte er aber nicht herbeiführen und er wird ihn auch nicht mehr herbeiführen
- 19:10können. Vielleicht kann Frau Schwesig das schaffen, was sie in Mecklenburg-Vorpommern
- 19:14geschafft hat, Leute zu begeistern, hinter sich zu versammeln und zu sagen,
- 19:18hier lang, ich weiß, wo es lang geht.
- 19:20Ja, aber dann würde der Satz des Bundeskanzlers von heute Abend,
- 19:25Deutschland ist reformfähig, nicht mehr stimmen.
- 19:30Denn Frau Schwesig, noch einmal, hat Teile ihrer Gefolgschaft ja gesammelt,
- 19:34nicht nur mit dem Kampf gegen die AfD, die Frau gegen Blau, sondern in Wahrheit
- 19:37auch mit dem Kampf gegen Merz, gegen diese Reform.
- 19:41Und meinetwegen, wenn es dafür eine Mehrheit gibt, dann gibt es auch keine Reform.
- 19:44Aber wenn das das Ergebnis ist, dann kommen wir hier wirklich ans Ende.
- 19:48Dann bin ich dabei, mit Ihnen zu glauben, das wird die ganz große Zeitenwende.
- 19:53Denn dann verfrühstücken wir noch das frisch aufgenommene Schuldenvermögen in
- 19:58Anführungsstrichen und dann ist irgendwann Essig, weil dann ersticken wir an
- 20:01den Zinslasten, aber es hat kein Wachstum gegeben, weil es diese Reform nicht gegeben hat.
- 20:05Kann es sein, noch einmal ein letzter Versuch und dann machen wir Schluss für heute Abend.
- 20:09Kann es sein, dass es objektiv notwendig ist, diese Reformen zu machen,
- 20:14so wie eine Zeit lang ja ganz viele Leute argumentierten, es ist objektiv notwendig,
- 20:18viel mehr Klimaschutz zu machen und dann ist das aber in eine Sperre gelaufen.
- 20:24Der Unterschied ist, dass Sie beim Klimaschutz wissen, alles was CO2-Ausstoß verringert, ist gut.
- 20:29Hier ist es aber anders. Hier ist das, was Sie eine Reform nennen,
- 20:32für jemand anderen unzureichendes Flickwerk und für wieder jemand anderen eine
- 20:37sozialstaatsfeindliche, weiß ich nicht was, Manchester-Kapitalistentat.
- 20:41Das Problem ist, sie operieren mit dem Wort Reformen so, als handelt es sich
- 20:44um einen objektiven Begriff und als seien die Reformen, die Merz verspricht,
- 20:49objektiv irgendwie für das Land richtig und unverzichtbar. Das ist natürlich totaler Unsinnblume.
- 20:54Sie merken doch an der Debatte über die Reformen, dass der Weg.
- 21:00Umstritten ist. Er ist strittig und er wird in der Bevölkerung nicht mitgetragen.
- 21:03Wie wollen Sie denn, die Frage, ob das Land reformfähig ist oder nicht,
- 21:07entscheidet sich doch nicht danach, ob man die Märzreformen durchziehen will,
- 21:11sondern ob man vielleicht irgendwelche anderen Reformen durchziehen wird.
- 21:14Wie wollen Sie die Leute mitnehmen auf einem Reformweg, an den die Leute ganz
- 21:18offensichtlich nicht glauben? Diese Antwort bleiben Sie leider schuldig, lieber Kollege Blome.
- 21:23Naja, die Antwort könnte lauten, man muss eine Zeit lang diese Wahlniederlagen
- 21:27ertragen, es ins Werk setzen und dann hoffen, dass es schnell genug so sehr
- 21:33wirkt, dass rückwirkend mindestens die Menschen überzeugt werden.
- 21:36So wie die Agenda 2010 Massendemonstrationen auf den Straßen ausgelöst hat,
- 21:42Anfang der Nullerjahre, die SPD in eine Wahlniederlage nach der anderen führte.
- 21:47Im Nachhinein muss man sagen, das hat dem Land schon ganz gut getan, alles in allem.
- 21:52Und darauf will ich hinaus, vielleicht gibt es eben doch so etwas wie objektive Notwendigkeiten,
- 22:03an denen am Ende des Tages sowieso niemand vorbeikommt. Das ist nur die Frage, wann.
- 22:11Aber es kann eben nur Kissinger nach China gehen, lieber Blume.
- 22:14Und Merz ist nicht Kissinger.
- 22:16Nein, Frau Schwesig ist Kissinger in diesem Bild. Und das ist meine These.
- 22:20Es wird an der SPD hängen, ob man diese auf den ersten Blick,
- 22:27nicht linken, sondern eher liberalen Reformen durchsetzen kann.
- 22:31Es wird daran hängen, ob Frau Schwesig den Schröder Pfad gehen will oder lieber,
- 22:38sagt, naja, noch reichen die Schulden ja und nach mir die sind Flut.
- 22:44Aber Sie haben eben gesagt, Sie wollen jetzt schon Schluss machen.
- 22:46Wahrscheinlich haben Sie noch wahnsinnig wichtige Fernsehtermine und müssen
- 22:49noch mit dem Bundeskanzler persönlich praktisch im Kanzleromnibus irgendwo hinfahren und so.
- 22:53Aber was denn jetzt mit Berlin? Wir haben jetzt eine linke Bürgermeisterin in
- 22:56Berlin. Ich habe mir die heute angeguckt, die Frau.
- 22:58Sie ist wahnsinnig sympathisch, sie ist genau das klassische Beispiel.
- 23:02Wir haben in einer unserer letzten Sendungen über den Gen-Z-Socialism geredet,
- 23:06der in vielen Metropolen des Westens wächst.
- 23:11New York ist ein allfälliges Beispiel, aber es gibt auch andere Gegenden in
- 23:14Amerika und andere Städte im Westen, wo moderne Sozialisten sich anschicken,
- 23:22Stadtregierungen zu übernehmen.
- 23:23Das finde ich eine so spannende und bemerkenswerte Entwicklung,
- 23:27weil alle alten roten Sockenkampagnen verfangen natürlich bei diesen Leuten überhaupt nicht.
- 23:33Alle alten Stasi-Hate-Kampagnen gehen natürlich bei Frau Eralb vollkommen ins Leere.
- 23:39Ich finde das wirklich toll und ich freue mich für Berlin. Ich wohne übrigens
- 23:43in Berlin und ich freue mich für diese Stadt, dass jetzt dieses Experiment,
- 23:47das ist natürlich ein Experiment, beginnen kann.
- 23:49Ich würde wesentlich besser mit diesem Experiment leben können, wenn nicht,
- 23:57Mit diesem Wahlerfolg, der ja absolut unbestritten ist und es gibt ein ganz
- 24:01klares Mandat, eine Regierung zu bilden links der Mitte, also da müssen wir
- 24:04uns jetzt nichts vormachen, mache ich mir auch nichts vor.
- 24:07Mit in das hiesige Abgeordnetenhaus, in das hiesige Landesparlament werden aber
- 24:12auch ganz viele Leute geschwemmt werden mit dieser linken Fraktion,
- 24:16die es jetzt mit Israel wirklich ganz anders halten möchten in Zukunft,
- 24:19auch staatlicherseits, städtischerseits als bislang, um es mal ganz,
- 24:24ganz vorsichtig auszudrücken.
- 24:25Mit Israel? Ja, mit Israel. Ich wusste gar nicht, dass es bei der Berlin-Wahl um Israel ging.
- 24:29Nein, ich glaube nicht, dass es bei der Berlin-Wahl um Israel gegangen ist.
- 24:34Aber diese Leute, die jetzt auf die Mandate kommen, über die Liste oder über
- 24:37direkt gewählt, werden die Stimmung in der Staat, in der politischen Stadt zumindest,
- 24:43gegenüber Israel massiv verändern und ich finde nicht zum Besten.
- 24:46Das ist aber nur eine Randbemerkung.
- 24:49Ja wirklich, ich muss ganz kurz unterbrechen. Ich kann das nicht mehr hören.
- 24:54Und es ist eine Folklore, die mir so auf die Nerven geht. Ich habe noch mal
- 24:57geguckt, was man Vanessa Emde vorwirft.
- 25:00Bei Lanz und Robin Alexander und überall in der Welt. Und so wird Frau Emde
- 25:05aus Neukölln dargestellt als große Antisemitin.
- 25:08Es ist echt, ich will das jetzt hier nicht alles, weil es ist zu langweilig.
- 25:12Aber es ist wirklich Hanebüchen. Es gehört zu ihrer Folklore,
- 25:16Blome offensichtlich eben auch, Folklore, diese Leute, die diese Politik des
- 25:21Ministerpräsidenten, der übrigens per Haftbefehl gesucht wird,
- 25:24nicht mehr mitzutragen, als antisemitisch zu geißeln.
- 25:27Ich glaube, das ist echt, das hört, da holen sie auch keine Katze mehr hinterm
- 25:31Ofen vor. Naja, sorry, aber...
- 25:34Ja, Augstein, aber dann müssten sie die Augen aufmachen, was in dieser Partei
- 25:37passiert, was und wie in dieser Partei über Israel diskutiert wird,
- 25:40über Palästina, über die Frage, wem das Land dort eigentlich gehört und wer
- 25:44dort vertrieben werden sollte.
- 25:46Das müssten sie dann auch zur Kenntnis nehmen und nicht nur Talkshows gucken.
- 25:50Tatsächlich, sie hat gesagt, wo dann auch noch sich die falschen Leute setzen.
- 25:54Sie hat gesagt, gleiche Rechte für alle Menschen. Das ist wirklich ein echt
- 25:57krasser antisemitischer Satz. Also sagen wir mal so, jetzt warten wir doch einfach
- 26:00ab, welche Leute da in den Landtag, in das Abgeordnetenhaus kommen und dann
- 26:04können wir ja in sechs Monaten mal Kasse stürzen.
- 26:06Was dabei schön ist, rausgekommen ist, mal unabhängig von der Frage,
- 26:11was eine linke Regierung unter Führung von Frau Ehralb dann mit der Flüchtlingspolitik
- 26:16macht, die nämlich nicht mehr abschieben wollen, die mehr Aufnahmeprogramme
- 26:20machen wollen, die schneller einbürgern wollen.
- 26:22Und die möchten eigentlich sofort einbürgern. Und ich hatte es das letzte Mal schon zitiert.
- 26:26Entwürgediegende Prozesse wie ein Sprachtest vor einer Einbürgerung. Kann sie das denn?
- 26:31Kann sie das? Wahrscheinlich kann sie das. Genauso wie die AfD das ja viel stärker
- 26:35verschärfen kann in ihrem Landesvollzug.
- 26:39Ob es bis zu den Sprachtests reicht, weiß ich nicht. Aber es geht ja auch um
- 26:42die Haltung, mit der man da rangeht.
- 26:44Jetzt haben wir viel zu viel über die Linke in Berlin geredet.
- 26:49Denn das Interessante ist ja der Gen-Z-Socialism. Das ist wirklich interessant.
- 26:53Damit kommen wir quasi auf den Anfang.
- 26:56Dass diese Partei in der Gruppe der, was hatte ich gesagt, 25-34-Jährigen,
- 27:0224-35-Jährigen so unfassbaren Erfolg gehabt hat. 48% der abgegebenen Stimmen. Das ist schon krass.
- 27:10Und man wird sehen, und das freut mich jetzt so ein bisschen,
- 27:12dass ich das auch hier mit Blick auf Berlin sagen kann, man wird sehen,
- 27:17was so eine Wahl für Konsequenzen hat.
- 27:20So wie wir sehen werden, was eine Wahl der AfD in Sachsen-Anhalt für Konsequenzen
- 27:25hat. Als ich das für AfD und Sachsen-Anhalt vorausgesagt habe,
- 27:28hieß es, ah, du willst den Wähler bestrafen, der darf gar nicht mehr frei wählen
- 27:31und nur weil er AfD gewählt hat, wird er jetzt kritisiert.
- 27:35Alles worauf ich damals hingewiesen hatte und jetzt noch einmal Hinweise ist,
- 27:39sowas kommt von sowas, Wahlen haben Konsequenzen.
- 27:42Und wenn in dieser Stadt keiner mehr bauen möchte, weil er Schiss hat enteignet
- 27:45zu werden, dann wird eben das die Konsequenz sein.
- 27:48Nicht weniger Wohnungsnot, sondern mehr. Man wird es erleben.
- 27:51Vielleicht finden die auch irgendeinen Wundertrick, wie sie Leuten sagen können,
- 27:55großen Baukonzern baut, wir entweignen alle, aber euch nicht.
- 27:59Und darum könnt ihr jetzt bauen.
- 28:00Und wenn die das glauben, die Baukonzern, dann machen die das. Aber Blumen.
- 28:05Kurz jetzt nochmal eben Temperatur rausnehmen. Der Umstand, den jetzt die sogenannten
- 28:11Mitte-Politiker oder auch Mitte-Journalisten so beklagen, dass die Parteien
- 28:14an den Extremen so stark geworden sind,
- 28:17dieser Umstand ist doch einzig und allein zu verdanken dem Versagen dieser Mitte-Parteien.
- 28:22Die Wohnungsnot in Berlin ist eklatant.
- 28:26Und man kann jetzt nicht sagen, dass die Linken daran schuld sind mit ihrer
- 28:29sozialistischen Wohnungsbaupolitik, sondern es sind irgendwelche tausend Dinge
- 28:33daran schuld, die aber am Ende aufs Konto der hier regierenden Parteien gehen.
- 28:39Das sind nun mal CDU und SPD und deshalb sind die beiden Parteien zu Recht abgestraft
- 28:42worden, denn das Problem ist absolut real und man kann auch,
- 28:45das geht jetzt gegen meine politische Couleur auch sagen, die Leute empfinden
- 28:51das Problem der Migration als real.
- 28:53Sie haben das Gefühl, dass da ein nicht adressiertes Problem ist.
- 28:57Und wenn ich sage Zeitenwende, dann glaube ich, die besteht darin,
- 29:01dass die Wählerinnen und Wähler haben den,
- 29:04klassischen Medien und den klassischen Parteien, und ich muss die immer zusammennehmen,
- 29:08weil die sind ehrlich gesagt ein zusammenwirkendes System, ein Signal gegeben,
- 29:12wir wollen das so nicht mehr.
- 29:13Ihr habt euch in den letzten 25 Jahren irgendwie zusammengerauft und gesagt,
- 29:18wir sind die Mitte und wir bestimmen, wie es läuft.
- 29:20Und auf der einen Seite ist das Migrationsproblem entstanden und auf der anderen
- 29:23Seite ist das Wohnungsproblem entstanden und das Problem von mangelnden Zukunftschancen
- 29:28und ich weiß nicht und so weiter und so weiter.
- 29:29Und diese Probleme werden jetzt adressiert. Und das ist Demokratie.
- 29:33Und das finde ich ehrlich gesagt ein gutes Zeichen, auch wenn das jetzt vielleicht
- 29:37irgendwie der eine oder andere frewoll findet.
- 29:38Aber Augstein, Mann, Sie wollten doch den Druck rausnehmen.
- 29:44Sie haben halt keine Emotionen mehr, ich habe aber noch Emotionen.
- 29:47Nein, nein, nein, stopp.
- 29:49Die älteren Parteien, CDU, SPD zuvorderst, haben diese Probleme nicht gut genug
- 29:58gelöst. Gar keine Frage.
- 30:00Das heißt jetzt aber noch nicht, jenen Kurzschluss vornehmen zu müssen,
- 30:04den Sie gerade vorgenommen haben, um zu sagen, darum muss die Lösung der Linkspartei
- 30:09die richtige sein, weil die anderen ja keine richtigen hatten oder ihre richtigen
- 30:12Lösungen nicht richtig umgesetzt gekriegt haben.
- 30:14Deswegen also muss die Lösung der AfD bei der Migration die richtige sein oder
- 30:19aber die Lösung der Linkspartei bei der Wohnungsnot namens Enteignung die richtige
- 30:23sein. Das ist doch viel zu kurz gedacht.
- 30:26Ich glaube, es gibt objektive Lösungen. Sie haben nur die Altparteien,
- 30:30wenn man sie einmal so nennen darf, haben es nicht geschafft,
- 30:33sie umzusetzen. Und das hat auch tausend Gründe, die keine guten sind.
- 30:37Aber deswegen muss man doch nicht automatisch AfD wählen bei der Migration oder
- 30:41automatisch Linkspartei wählen bei der Wohnungsnot.
- 30:46Naja, gut, das ist jetzt offensichtlich, sehen Sie das so, die Leute draußen
- 30:51im Land haben das aber anders gesehen, weil sie sich wahrscheinlich gedacht
- 30:54haben, warum soll ich jetzt meine,
- 30:57Stimme nochmal SPD oder CDU geben, die in den letzten 35 Jahren diese Probleme
- 31:02nicht in den Griff gekriegt haben.
- 31:03Da müssen Sie doch auch als Journalist oder als Politikbeobachter sagen,
- 31:08ja sowas kommt halt von sowas.
- 31:10Haben Sie ja gerade gesagt, wenn man halt versagt, wird man eben abgestraft.
- 31:13Ob dann das, was dann kommt, besser oder schlechter ist, hat damit gar nichts
- 31:16zu tun. Ehrlich gesagt, Entschuldigung, ehrlich gesagt ist es auch nicht die
- 31:19Verantwortung des Wählers.
- 31:21Der Wähler ist nicht verantwortlich jetzt dafür, dass ob die AfD oder die Linken
- 31:25oder sonst wer eine bessere oder schlechtere Politik machen werden,
- 31:28sondern dafür sind dann diese Parteien schon selbst verantwortlich.
- 31:30Das ist nicht der Wähler. Der Wähler muss nur nicht dauernd aufgefordert sein,
- 31:34seine Stimmen in der sogenannten Mitte zu poolen, wenn sich diese Mitte als
- 31:38große Versagerunion herausgestellt hat und das hat sie.
- 31:41Aber jetzt haben sie wirklich jetzt, also jetzt wird es, ich glaube es ist ein
- 31:44bisschen spät und das merkt man auch an manchen Äußerungen. Der Wähler ist nicht
- 31:49dafür verantwortlich, was die Parteien, die er wählt, tun. Hä?
- 31:55Das ist doch keine Blackbox. Diese Menschen haben, die so in großer Zahl Linksparteien,
- 31:59die Linke hier gewählt haben oder die AfD in Mecklenburg-Vorpommern,
- 32:05denen unterstelle ich zumindest, dass sie nicht aus Versehen ihr Kreuzteil gemacht
- 32:09haben oder weil sie mal was anderes machen wollen, sondern weil sie das Gefühl
- 32:13hatten, mit denen fahre ich jetzt besser, das ist für mich die bessere Wahl.
- 32:18Und nun wird man sehen, ob sich das in ein besseres Berlin, ein besseres Mecklenburg-Vorpommern
- 32:22zu übersetzen versteht.
- 32:24Ich glaube, das ist jetzt noch nicht so ganz, aber man wird es ja erleben.
- 32:27Nur, wenn es schief geht, dann möchte ich nicht hören, das konnte ja keiner ahnen.
- 32:33Es konnte ja keiner ahnen, dass die Linke die Stadt an die Wand setzt.
- 32:37Doch, das konnte man ahnen. Sekunde mal.
- 32:40Warum ist die Linke jetzt in einem höheren Rechtfertigungsdruck als die CDU?
- 32:43CDU und SPD haben ganz offensichtlich den Wohnungsmarkt in Berlin an die Wand
- 32:46gesetzt. Das ist bereits ein Faktum.
- 32:48Warum müssen die sich dafür weniger verantworten jetzt als die Linke?
- 32:52Warum steht die jetzt unter einer besonderen Beobachtung? Das verstehe ich jetzt nicht.
- 32:55Weil sie eine gänzlich andere Lösung vorschlägt, vor der ganz viele Leute warnen
- 33:01und sie möchte es trotzdem tun.
- 33:02Man wird sehen, ob sie sich damit durchsetzen kann, weil sie muss ja auch eine
- 33:05Regierung bilden, beziehungsweise eine Mehrheit zusammenschrauben.
- 33:08Die Grünen sind dabei, die SPD noch nicht. Mal gucken, wie das ausgeht.
- 33:12Blume, ich lasse mir von Ihnen die gute Laune heute Abend nicht verderben.
- 33:15Für mich war das ein Fest der Demokratie, auch wenn mir manche Ergebnisse nicht gefallen.
- 33:19Aber ich finde, als Demokrat muss man das aushalten können und das kann ich.
- 33:23Und in diesem Sinne gehe ich jetzt feiern und tschüss.
- 33:26Dann feiern Sie mal schön und wir werden sehen, wie lange der Bundeskanzler
- 33:30sich mit seinen Durchhalteparolen durchhalten kann.