Latest / FRAUENQUARTETT / Folge 6 | Rythmen & Wertfreiheit
Transcript
- Birgit: Hallo liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, das Frauenquartett ist zurück und heute wieder als ein Frauentrio. Ich darf euch begrüßen, ich Birgit, spreche aus Wien. Sophie, hallo Sophie, bist du da? Sophie: Hallo? Ja, ich bin da. Freue mich. Birgit: Du sprichst aus Hamburg. Sophie: Ja? Birgit: Und Bianca. Hallo Bianca. Magst du erzählen, wo du bist, wenn du aus der Sprache? Bianca: Wenn ich mal den Kopf hebe, ich rechts und links und vor mir lauter Berge. Ich bin in Südtirol. Birgit: Schön, schön. Ja, ich mag an der Stelle ganz kurz erwähnen und anmerken, weil es mir so auffällt, dass du diejenige bist, die immer wieder an anderen Orten ist. Ich spreche aus Wien, jedes Mal, Sophie du eigentlich auch jedes Mal aus Hamburg Sophie: Hamburg! Birgit: und Bianca du scheinst unsere Reisende zu sein. Bianca: Ich habe die Tage mit meiner Tante telefoniert, da geht es gerade nicht so gut. Dann war es hier beeinflusst, wie sagte Bianca, du hast halt immer Hummel im Hintern. Birgit: Ja, Ja, wie dem auch sei. Es ist schon ein bisschen Zeit vergangen, dass wir uns das letzte Mal gesprochen haben. Sophie, du warst ja krank. Ja, und jetzt sind wir da. Und wir beginnen wie immer mit der Frage, was bewegt euch heute, was bewegt uns? Sophie: Ich mache mal den Anfang. Also was mich gerade bewegt neben der Tatsache, dass es mir nicht so richtig gut gelingt, gesund zu werden. bewegt mich tatsächlich in dem Zusammenhang ein bisschen das Thema, vielleicht ist es das Thema, ich weiß es nicht, älter werden. Weil ich hatte, also ihr wisst ja, dass ich letzte Woche in der Eifel Seminare gegeben habe oder ein Seminar gegeben habe und da schon etwas angeschlagen hingefahren bin. Und... wie deutlich ich das gemerkt habe, dass ich angeschlagen bin. Und mich dann an früher zurück erinnert. Wo ich das schon durchaus auch mal hatte, dass man mal so ein bisschen mit einer Schniefenade irgendwie trotzdem arbeiten gegangen ist. ganz, also ich eigentlich unter der Ägide groß geworden bin, stell dich nicht so an. Und das bisschen schnupfen, das macht ja nichts. Mal abgesehen davon, dass ich glaube oder dass ich so erfahren habe, dass vor Corona ist auch so bisschen in dem... in unserem Leistungsprinzip eingepreist war, dass man durchaus auch krank ins Büro geht und manchmal vielleicht dann sogar noch der etwas größere Held oder die etwas größere Heldin war. Jedenfalls beschäftigt mich das seit letzter Woche sehr, wie sehr ich das gemerkt habe, dass ich angeschlagen bin. Ich trotzdem das Seminar durchgezogen habe und es mich unfassbar viel mehr Kraft und Energie gekostet hat, als ich meine, mich zu erinnern, dass es früher war. Und es hat mich zu den zwei Fragen gebracht. Liegt es daran, dass ich älter werde, dass die Wechseljahre vielleicht auch noch mit reinspielen, die mich sowieso anstrengen, muss ich sagen, streckenweise? Oder liegt es daran, dass es früher auch immer schon so war und ich es einfach weggedrückt habe? Und seitdem ich mir sehr viel bewusster werde und geworden bin, auf mich selber und auch auf meinen Körper zu hören, dass es mir jetzt einfach bewusster ist und ich da achtsamer bin und der Selbstfürsorge zumindest beginne ein Stück mehr Raum zu geben, als das vielleicht noch früher war. Und das ist so die Frage, die mich so beschäftigt, auch wo ich jetzt zurück bin und natürlich auch die inneren Stimmen in mir höre, die sagen, naja gut, jetzt ist auch mal gut, Du könntest noch dies und du musst noch das und mach doch mal. und meinen Körper und meine Gesundheit aber ganz eindeutig sagen nein. Dass ich mir jetzt für diese Woche Ruhe verordnet habe. Und dass mir das leichter fällt als noch vor zwei, drei Jahren, aber immer noch nicht wirklich leicht fällt. Und mich würde interessieren, ob ihr das auch so empfindet. Also ist es eher das Älterwerden oder ist es die größere Achtsamkeit? Ich habe noch keine Antwort gefunden für mich. Birgit: Für mich ist es tatsächlich so, dass ich auch keine Antwort auf das habe und beide Erfahrungen auch kenne. Und wahrscheinlich oder vielleicht ist es ja tatsächlich ein Mix aus beiden. Bianca: Ich glaube auch die Wahrnehmung verändert sich. Birgit: Wir werden, dass unsere Kräfte schwinden. Ich vermute, dass wir Frauen durch die Wechseljahre, die bei uns wirklich, ich glaube es gibt auch die Theorie, dass Männer auch Wechseljahre haben, aber nicht so hart, nicht so stark, die uns wirklich Energie kosten. die uns an andere Stelle fällt. Ja, und die Achtsamkeit im Umgang mit mir selbst, mit meinen Kräften, tut da schon auch was dazu. Also, ich denke, ein Mix aus beiden. Wie siehst du das, Bianca? Bianca: Ich musste erst mal kurz schmunzeln, weil ich letzte Woche auch in der Podcastaufzeichnung saß und da war einer dabei, die ist deutlich, deutlich jünger als ich, als wir. Und dann auch erzählt, ja, sie heilt einfach nicht mehr richtig. Wo ich dachte, die Süße, du bist so jung. Also wo kommt die Haltung her? Und deswegen ist die Frage, hat es was mit dem Alter zu tun? Ich möchte nicht aufschließen, ja, die Wechseljahre verändern uns. Ich möchte nur nicht tief eingehen, nur sagen, ist auch die Frage, natürlich verändert sich viel. Wie gehen wir mit der Veränderung Also ich wünsche mir, dass wir einen besseren Draht zu uns selber finden und nicht im Kopf haben, naja, wir sind halt nicht mehr so leistungsfähig, weil das ist nicht so. Da verändert sich nur viel und wie verändern wir uns im Außen? da gibt es genug andere, die das in der Tiefe erklären können und es muss uns nicht schlecht gehen, nur weil wir die Wechseljahre haben. Aber die Frage ist zum einen, nehmen wir uns anders wahr? Männlein, Weiblein dahingestellt? über die Bewusstheit. Aha, ich gehe da jetzt nicht drüber weg. Ich nehme wahr. Ich bin schwach. Ich überspiele es nicht. Ich überblende es nicht. Also ich glaube, auch am Ende die Summe der Dinge. Und auch wie stehen wir mental dazu. Früher haben wir es vielleicht gerne gerockt. Früher war vielleicht gern die Heldin. ja, die ist geil. Die steht jetzt da auch mit 38 erhöhter Temperatur auf der Bühne. Die rockt es ja mal wirklich. Und heute stehen wir dann und sagen, ich will eigentlich gar nicht. Und fühle uns deswegen dann vielleicht auch etwas schwächer. Also ich glaube, ist sehr vielschichtig und sehr vielfältig. Und ja, wir verändern uns immer wieder. Die Frage ist in welche Richtung und wohin? Und wo ist unser Fokus? Sophie: Ja, da stimme ich dir voll zu. Was ich eben wahrnehme bei mir, das ist jetzt aber ein gutes Beispiel dafür, ist, mir bewusst zu sein, dass ich eine Haltung dazu entwickeln darf. Mir bewusst zu sein, dass die Wechseljahre Veränderungen haben und dass ich dieses zyklische Aus... viel Energie und Kraft spritzend und aber auch eben dem auch bisschen zurückgenommen und weniger Energie. Dass die Erkenntnis alleine wichtig ist, sozusagen für die Veränderung, man anstreben, die sozusagen passieren darf und der man sich öffnen darf. Und gleichzeitig die Erkenntnis, aber ja nicht gleich, also bei mir zumindest nicht, diese uralte Prägung, die, glaube ich, nicht nur meine persönliche ist, sondern auch eine gesellschaftliche, deswegen nicht gleich aushebelt. Also es ist wirklich, ich da letzte Woche, dann Gott sei Dank war das ein sehr interaktives Seminar, die mussten viel sozusagen untereinander arbeiten, das waren für mich dann immer so bisschen kurz durchatmen und Pausen. Und da ist mir wieder bewusst geworden, wie stark doch auch, obwohl ich versuche da achtsam zu sein. Und obwohl ich da viel drüber nachdenke, wie schnell dann doch so diese alten Prägungen im Kopf sind. Also dieses, was ich vorhin eingangs sagte, dieses früher stell dich nicht so an geht schon, ist so tief verwurzelt, dass... Also, keine Ahnung, es stemmt sich so ein bisschen gegen die Erkenntnis und die Achtsamkeit und die Wahrnehmung, dass die Wechseljahre Dinge verändern. Bianca: Ich glaube, was sich tatsächlich ganz dramatisch in und durch die Wechseljahre verändert, ist der Rhythmus. Also ich merke das bis heute, wann ich meine Tage habe, wo ich Nestbau und Nestpflege betreibe, dann wird der Staubsauger wieder geschwungen, kann ich die Uhr nachstellen, ja wirklich. So und wenn jetzt dieser Zyklus, dieser Rhythmus wegfällt, wo finden wir dann halt Und wir sind rhythmische Wesen, vor allem wir Frauen. Ich glaube, das macht es uns dann auch zu schwer zu haben. Okay, jetzt bin ich krank, aber wie lange darf ich eigentlich krank sein? Wie ist denn jetzt dieser normale Zyklus zu wieder gesund werden? Also ich glaube, da verlieren wir einfach so ein bisschen Orientierung, die wir vorher hatten, über den Körper. Sophie: Ja, ja, sein. Also ich versuche das zu erforschen in mir. ob sich der körperliche Rhythmus verändert, gar keine Frage. Wenn der frühere Zyklus aus Nestbau und rausgehen, wenn sich das irgendwie verändert. Und ich versuche, in mir zu erforschen... Woran ich jetzt eigentlich, und da hast du recht, im Innen diesen neuen Rhythmus festmachen kann. Und dann wird irgendwie auch bewusst wie... Wie selbstverständlich und natürlich das war. Also wie sehr ich früher mit meinem Zyklus geflossen bin. Und es stimmt, ich fühle mich so bisschen desorientiert an der Stelle. Ich weiß recht. Birgit: Super spannend, Bianca, was du das sagst, weil ich habe die Wechseljahre schon deutlich hinter mir. Oder zumindest, ich weiß gar nicht, ob ich sie hinter mir habe. Das ist vielleicht auch gar nicht das Thema. Was ich so spannend finde, dass ich mir noch nie Gedanken darüber gemacht habe, dass ein Rhythmus verloren geht. Und dass es da vielleicht, wir haben schon mal über die Lehre gesprochen, dass es da eine Lehrstelle gibt. Das nicht. Halt findet oder Orientierung findet. Ja, ich bin angefasst jetzt gerade durch das, was du da aufs Parkett bringst, aufs Tablet. Bianca: Ja, wir unterschätzen die Rhythmik. Wir sind so Birgit: Ja, total. Bianca: extrem von Rhythmen vorgegeben. Arbeitszeiten, Gleitzeit, was gibt es da nicht alles? Ja, wenn man im Familienverbund ist, Schule, aufstehen, Mittagessen. Wir kriegen von außen wahnsinnig viel Rhythmik vor und sind viel mehr nach außen orientiert, was Rhythmen angeht. Gleichzeitig versuchen wir uns gegen diese Rhythmen fast ein bisschen wie zu wehren, weil vielleicht esse ich ja mal einen ganz das viel lieber oder es passt nicht zu uns, aber wir müssen, wie oft höre ich das von Familien auch, weiß ich, dass die die Festsportzeit nicht mit den Essenszeiten der Kinder übereinstimmt und man kann sich ja sehr viele Gedanken machen. Die Frage ist aber, wo gibt uns Rhythmus Halt und meistens sind es die Rhythmen, die wir gar nicht wahrnehmen, bewusst, die uns tief im Inneren Halt geben und wenn die dann wegbrechen, ist es so orientierungslos. Wie du sagst Sophie, ich stell das ja gerade fest, ich hab hier gar keinen Rhythmus. Also doch, die Sonne geht auf, die Sonne geht unter. So, Ende Gelände, ja. Ich darf das einmal alles neu aufstellen und wie anstrengend es ist. Und ich kann mich noch erinnern, nachdem ich mit der Schule fertig war, wartest du das erste Loch. Wie strukturier ich mir jetzt meinen Tag und ich erlebe das bei meinem mittleren Sohn auch gerade. Wenn von außen keine Strukturen vorgegeben sind, keine Rhythmen. Rhythmen sich selber neu zu erschaffen ist unheimlich anstrengend. Birgit: Das stimmt, dass ich immer zum Beispiel auch immer die ersten schwierigen Tage in den Sommerferien bei Schulkindern erinnere, die wirklich erstmal nichts mit sich anzufangen wussten und gestritten haben und Mama mir ist langweilig und was der Teufel was. Und dann plötzlich haben die wieder einen Rhythmus gefunden. Ja Sophie, ist es dieser Rhythmus, der dir fällt, wenn du auf das, was du in deinem Seminar und mit deinem Gesundheitszustand erlebst, es der Rhythmus, dir der das ausmacht? Sophie: Vielleicht liegt etwas Rhythmisches darunter oder darin. Ich glaube, ist vielmehr die... Oder das, was mir jetzt spontan dazu in Kopf kommt, ist eigentlich vielmehr die Erlaubnis, mir in meinem Rhythmus gerade nicht so sicher zu sein, also diese Orientierungslosigkeit auch zu erlauben. Und wirklich... Ich merke, dass das besser geworden ist in den letzten paar Jahren. Und dass ich... dass mir das ganz gut, also auch schon bevor ich da eben nach in die Eifel gefahren bin und jetzt auch seitdem, dass es mir schon sehr viel besser gelingt, das anzunehmen, dass es jetzt so ist und auch wirklich fein zu sein damit, dass es so ist. Ich habe für diese Woche alles abgesagt und auch ganz bewusst alles abgesagt und habe gesagt, ich brauche diese Ruhe und die Pause jetzt. Und nichtsdestotrotz, ich glaube, ist diese Orientierungslosigkeit, die... Oder, ja, ist es wirklich Orientierungslosigkeit? Bianca: Vielleicht auch uns ist... Sophie: Ich glaube, es ist einfach dieses Allow, also unterm Strich wirklich fein zu sein damit. Weil das merke ich natürlich schon in mir, dass ich heute Morgen bin ich aufgestanden und dann kommt schon so bisschen auch so dieser Widerstand so nach dem Motto, Gott, kann doch nicht wahr sein, dass ich jetzt immer noch so platt bin. Irgendwann muss es doch mal wieder losgehen. Also ist eher so die Antreiberin in mir, die sagt, ich würde jetzt gerne und ich könnte. und mich da wieder sozusagen zur Ruhe zu rufen. Und ich glaube, ist auch ein bisschen das, was du vorhin sagtest, Bianca, was ja durchaus eine Herausforderung in meinem Leben ist, mir zuzugestehen, dass ich jetzt diese Schwäche habe, also dass ich da schwach bin und dass ich weder performen noch funktionieren kann. Egal wie sehr ich weiß, dass das okay ist, dass es so ist. Also da merke ich diesen kleinen Widerstreit in mir, den ich da habe. Und wahrscheinlich liegt unter dem auch immer wieder diese Rhythmusfrage. Dieses Herausfinden, was ist denn jetzt eigentlich mein Zyklus, nachdem der rein physische Zyklus zu Ende gegangen ist? Wie sortiert sich das in mir? Und es ist ein bisschen eine Frage, wir, zitiere ich dich jetzt, Bianca, weil du das öfters sagst und auch schon hier im Podcast gesagt hast, einfach damit zu sein, dass ich es gerade nicht weiß. und nicht weiß, was es bedeutet. Bianca: Ja, ich erlebe das für mich auch, dass ich dann manchmal unter der Oberfläche mich auch so bisschen streuebe gegen jetzt kommt wieder was von außen. Okay, jetzt sind die Seminare und ich würde mich gerne mich kümmern. Diese, diese, diese Zerrissenheit auch. möchte mich mich kümmern. Aber ich habe Anforderungen im Außen. Ich habe eine Rhythmik von außen vergeben. Diese Termine stehen nun mal fest. Ja, und ich verlagere dann meine Genesung nach hinten. funktioniert halt weiss nicht. Sophie: Ja, hat man ja, hat ich ja, also hat, haben glaube ich ganz viele von uns jahrzehntelang so gemacht und so auch gelernt. Bianca: Unser Körper kann das auch gut. ist das alte Phänomen. sind im Urlaub und Stecker ist weg. Da gibt es auch einen tatsächlichen Fachaufzug dafür, den weiß ich jetzt aber gerade nicht. Dass der Körper sich Stress merkt, sich den aufhebt und die Regeneration nach hinten verschiebt. Und diese Fähigkeit, lässt womöglich im Alter ein bisschen nach. Oder wir wollen es einfach nicht mehr. weiß es nicht. Birgit: Vielleicht ist das gar keine Fähigkeit, sondern einfach ein Mechanismus, von dem es nicht eine verlorene oder schwindende Fähigkeit Wenn man Fähigkeiten verliert, ja auch wieder Bianca: Ja. Birgit: so etwas negativ konnotiert. Das wollen wir nicht. Sondern es ist einfach eine Verschiebung. Der Schwerpunkt legt sich anders. Was ich auch ganz spannend finde ist übrigens Sophie, dass du über diesen Widerstreit zwischen inneren Anteilen auch sprichst, die, die Ruhe will und die, die sagt, nee komm also. Sophie: Ja. Birgit: Geht durch, ja. Sophie: Also ich nehme die wirklich, ich nehme die war ziemlich dolle war und das habe ich früher sicherlich nicht, weil ich mich auch nicht damit beschäftigt habe. Aber das habe ich tatsächlich gelernt, erfahren, als ich den Jakobsweg gegangen bin in 2024. Also in Verbindung mit dem physischen Gehen einen Schritt vor den anderen setzen. Und außer diesem, in Anführungsstrichen, diesem einen Schritt vor den anderen Sätzen gab es ja nichts zu wollen und nichts zu tun. Und das hat mir diese inneren Dialoge so krass bewusst gemacht. Also da habe ich wirklich Anteile von mir kennengelernt, die wahrscheinlich immer schon da waren, die ich aber so vorher nie bewusst wahrgenommen hatte. Und seitdem ist das wirklich so, das hat meine Aufmerksamkeit. und meine Achtsamkeit und Wahrnehmung für meinen inneren Dialoge hart geschult. Manchmal, also ich habe schon auch seitdem übe ich mich darin, das weicher werden zu lassen, den Kampf in mir gar nicht so eskalieren zu lassen, wie das früher ganz oft der Fall war. Und vielleicht kommt mir jetzt gerade so in diesem angeschlagenen Zustand. Haben die vielleicht jetzt gerade so bisschen in mir gerochen, so nach dem Motto, ach die Sophie ist grad nicht so richtig auf der Hülle, jetzt kann ich noch mal richtig aufdrehen. Vielleicht ist es auch das. Birgit: Mhm. Bianca: Ich nehme es auch wahr, wenn ich da nicht so gut aufgestellt bin, dass die strengen Stimmen doch wahnsinnig laut werden. All die unangenehmen Stimmen, die man sonst vielleicht gut im Griff hat. Was heißt im Griff? Also, Gasthaus der Emotionen, die dürfen ja alle sein, aber wer hat den Hut auf? Und wenn das Regiment halt nicht mehr führt gerade, dann übernehmen halt schnell andere. ist wie mit der Bakterienbesiedlung im Darm. Wenn einmal alles sauber ist nach Antibiotikum und kommen die Bösen zuerst, dann machen die sie da halt breiter. So ist das glaube ich auch mit den Emotionen manchmal oder mit den Stimmen, mit den Anteilen. Birgit: Das hört sich ja fast ein bisschen an, ob wir da etwas ausgeliefert wären. Stimmt es? Sophie: Ich glaube, wir sind so lange ausgeliefert, wie wir es uns nicht bewusst machen. Weil das nehme ich schon auch wahr. Wenn ich das in mir wahrnehme und in diesen Dialog einsteige, sozusagen diesen Dialog dahingehend öffne und das sehe und wahrnehme, dann merke ich schon, wie ich wieder den Hut aufbekomme und das auch befrieden kann. Also dann finde ich dieses Bild des Gasthaus der Emotionen ziemlich gut. Weil dann kann ich die mir vielleicht kurz entglittene Gastgeberrolle ganz bewusst wieder einnehmen. Ich empfinde es nicht als ausgeliefert sein, das, wenn ich mich ausgeliefert fühlen würde, das verbindet sich in mir gerade so ein bisschen zu so einer Opferhaltung. Ich armes Opfer, ich bin ja meinen inneren Stimmen ausgeliefert. Und so fühle ich mich aber nicht. Bianca: Ich glaube nicht, dass wir den eben ausgeliefert haben, sie sind nur lauter. Frage ist, wie gehen wir da mit ihnen wenn die sich gerade den Hut aufgesetzt haben? Können wir sie einfach sein lassen, dass sie jetzt am Kopfende hier am Stammtisch sitzen? Oder verlassen wir das Gasthaus. Birgit: Ja, Thema ist ja vielleicht auch, dass jede Stimme ja auch zurecht da ist. Weil am Ende, also das ist zumindest mal so eine Meinung, die ich mir innere Anteile angeeignet habe oder sichtweise auf innere Anteile. Erst einmal haben sie immer gute Absicht. Bianca: Ja, das stimmt natürlich. Aus ihrer Haltung heraus. Birgit: Ja, aus ihrer Haltung und der guten Absicht für ... Für mich entstand es in sicher womöglich. uns zu beschützen oder zu bewahren vor irgendwelchen Gefahren oder Bedrohungen, was auch immer. Oder? Oder verwechsel ich? Jetzt war's. Sophie: Ja, ich glaube, das ist ganz definitiv so. wir haben ja auch... Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber das wirft ja dann erst mal die Frage auf, was ist das, wovor mich diese Stimme bewahren will? Wo ist die entstanden und welchen Zweck hat sie vielleicht mal erfüllt? Und kann mich dann fragen, erfüllt sie den Zweck heute noch? Und ich glaube, das sind... gute und richtige Fragen, aber im Alltag, da komme ich immer mehr dahin, es ist ehrlich gesagt gar nicht mehr so ganz relevant, warum die entstanden ist und wovor die Birgit: Mhm. Sophie: mich beschützen will, sondern ich spüre in mir, für mich ist das eine analytische Betrachtungsweise. Und in dieser analytischen Betrachtungsweise schwingt bei mir dann ganz schnell eine Wertung mit. aufgehört habe, mir diese Frage zu stellen, nehme ich die als das war, was sie jetzt gerade sind und kann in diesem Moment entscheiden, du darfst reden, aber du hast hier nicht den Hut auf, dass das schon zur Beruhigung führt. am Ende geht es doch darum, dass diese Stimmen in uns, warum auch immer sie entstanden sind und wovor immer sie uns bewahren wollen, im Grunde genommen gehört und gesehen werden wollen. Birgit: Genau. gehört, gesehen und womöglich auch wertgeschätzt. Sophie: Absolut. Absolut. Aber eben nicht wertgeschätzt nach dem Motto, ich verstehe woher du kommst und ich weiß du willst mich vor Blablabla schützen und du bist entstanden, sondern eher dieses, hey, schön dass du da bist, gut dass du mich wahrenst oder dass Birgit: Ja. Sophie: du das sagst, aber es braucht es gerade gar nicht. Bianca: ein bisschen über Wertgeschätzt gestolpert gesehen und Wertschätzen. Ja, es sind zweierlei. Und Wertschätzen heißt aber nicht quasi Huldigen. danke, dass du da bist, es Wertschätzung genug. Also, es ist auch eine Wertschätzung. Birgit: Ja. Bianca: Ja. Birgit: Ja, finde ich ganz wichtig. Bianca: Stimmt, ja. Sophie: Ich glaube, was das Wort Wertschätzung an der Stelle in mir auslöst, ist, dieses eben aus der Bewertung rauszugehen und wohlwollend zu bleiben. Egal, ob das jetzt gerade mich behindert, diese Stimme, einfach wohlwollend zu bleiben. Denn alle Teile in mir, alle Stimmen in mir sind gleichgültig. Also das ist eine Gleichwertigkeit. Ich empfinde das als eine ganz schöne Kunst, die mal mehr und mal weniger gelingt, da wirklich in diesem Wohlwollenden und in der Gleichgültigkeit zu bleiben. Nicht im Sinne von, mir egal, sondern im Sinne von, du hast genau das gleiche Recht, hier zu sein und dich zu melden wie meine innere Stimme der Begeisterung, der Motivation. Wo wir gemeinhin denken, das ist gut und das ist nicht so gut. Ich finde, ist schwierig. Ende läuft es immer darauf hinaus, wie gucke ich da drauf? Und wie bewerte ich das? Bewerte ich es überhaupt? Und was in wem oder was in mir gebe ich eigentlich welchen Wert? Bianca: Wie sprichst du eigentlich mit dir? Wie bewertest du, dass du schon wieder eigentlich lieber liegen bleiben würdest? Sophie: Ja. Genau. Bianca: Wieso bewertest du das überhaupt? Sophie: Ich weiß ja nicht, wie erleuchtet Bianca: Und das. Sophie: ihr zwei seid, aber in wie vielen Situationen eures Lebens oder in wie viel Zeit eures Lebens gelingt es euch wirklich komplett wertfrei zu bleiben. Ich finde, ist eine ganz schöne Übung. Bianca: Also mir selber gegenüber schon mal gar nicht. Das finde ich das Schwierigste überhaupt. Anderen gegenüber übe ich mich sehr sehr sehr sehr. Mal klingt's mehr, mal weniger. Sophie: Und das noch mal so bisschen in den Bogen zu schlagen, also mir geht es genauso. Und dann sind wir ja wieder im Außen. Also warum ist das so, dass wir mit diesen Erkenntnissen, die wir gewonnen haben, mit der Achtsamkeit, die wir gewonnen haben, dass die tendenziell immer erst mal im Außen beginnt und dort auch leichter fällt, bevor wir auf uns selber schauen. Warum ist das so? Du sagst, ich übe mich total darin, Außen wertneutral zu bleiben, nicht zu werten. Aber mir selber gelingt es total schwer. Warum ist das so? Bianca: Anderen gegenüber kann ich ein Stück weit sagen, interessiert mich nicht. Deswegen bewerte ich es auch nicht. Es ist ja auch ein Zeichen von Verbundenheit. Nee, das stimmt jetzt nicht. Aber ihr ja, was ich meine. Ich muss bewerten, wie sich jemand anders verhält, nur wenn ich es persönlich nehme. Und mich selber nehme ich nur mal verdammt persönlich. Es ist eine Möbiusstelle. Sophie: Ich glaube, dass es Außen leichter fällt, ist das, was du sagst. Ich glaube, hat was damit zu tun, dass es mich nicht so sehr betrifft. Ich kann mich ein Stück weit distanzieren davon, weil es mich nicht in meinem Kern berührt. Im Zweifel. Nicht in meinem Kern berührt. kann mich davon distanzieren, weil es geht eine andere Person. Und von mir selber kann ich mich halt echt nur schlecht distanzieren. Bianca: Ich habe eine Erwartung an mich, an die Person womöglich nicht. Aber von mir erwarte ich verflix noch mal was. Und zwar... Birgit: Genau, und höre ich sie wieder da, die Stimme, sagt, ich erwarte das von dir. Bianca: Genau. Sophie: da noch mal bisschen rein zu piken, frage ich mich gerade, ich erwarte das von mir. Ist das wahrhaftig eine Erwartung von mir? Oder ist es eigentlich eine Erwartung, die ich vermeintlich mir dem Außen in meinem Leben gestellt und beigebracht wurde und ich habe sie mir zu eigen gemacht? Ist das das, was ich wirklich zutiefst wahrhaftig von mir erwarte? Ist das meine Erwartung? Das ist ja auch schon eine spannende Frage, wenn wir sagen, ja ich erwarte das von mir. Ist das wirklich so? Stimmt das? Bianca: schon die frage ist warum wie du sagst wo kommt die wo kommt die prägung her wo kommt die erwartung wirklich wie oft wir hatten wir oft nehmen wir rollen von außen einfach ungefragt an und reflektiert das gehört sich halt so Sophie: Ja. Bianca: alles gesagt und das ist die größte herausforderung wie frei kann ich von welcher rolle denn sein kommt die Birgit, glaube ich, und sagt, vielleicht brauche ich dann eine Rolle. Nee, jetzt habe ich es so. Birgit: Nein, tatsächlich habe ich den Gedanken jetzt gerade nicht, aber ich habe schon auch Gedanken oder sagen wir mal so, in mir steigt eher ein Gefühl auf. Also wenn ich wirklich wirklich reinhöre in dieses wertfrei mir selbst gegenüber zu sein. Es fällt mir schon mal ganz schwer, das über mich zu denken und das in mir zu spüren, das den Wert, die Wertschätzung oder das beobachten. Meine selbst. gibt es wieder keine richtigen Worte für. Also das ist für mich gefährliches Terrain. da richtig tief zu ergründen. Was? ist mein Wert. führt mich eigentlich zu der Stelle, ich mir die Frage stelle, bin ich denn überhaupt liebenswert? Also für mich ist dieses Wertschätzen mit Liebe verbunden. die führt, und da bin ich mir jetzt weder nicht sicher, ob es ein kognitives Ding ist oder ob das etwas ist, was aus meiner Mitte aufsteigt. Ich glaube, das ist sprachlos. Also im Sinne von, da gibt es nicht die Stimme der Mutter des Vaters, stellt ich nicht so an, oder geht doch da durch, oder was auch immer, sondern das ist älter. Also ich fühle mich an eine Stelle gebracht, an der ich kleiner und sprachlos bin. Und dieses, was bin ich wert? Also das scheint mir so ein bisschen etwas ganz Ursprüngliches zu sein. Also ein tiefer Alter. Schmerz oder Sehnsucht, tiefe Bianca: Das Birgit: Sehnsucht. Bianca: Ja, und ich glaube, ist ein Punkt, ich hatte vorhin kurz auf der Zunge, magst dir selber nicht begegnen, magst du dich selber nicht sehen? Ja, so und ich glaube, das geht uns tatsächlich, ich stelle das fest, wir schauen schon wieder im Außen. Wir schauen, schauen, wir schauen, dieses nach innen schauen, sehen wir uns denn selbst, nehmen wir uns denn wirklich wahr? Und Birgit, du bist da meine... Da hast du meine Krone tatsächlich auf. Bianca, wir müssen nichts leisten, wertvoll zu sein. Unser Sein ist die Berechtigung, lebenswert zu sein. Das ist ein Dynamo. Sophie: Ich würde da gerne nochmal zurückkommen oder dich nochmal fragen wollen, Birgit. Ich fand jetzt die Reise nach innen, die du gemacht hast, sehr spannend. Das hat mich sehr berührt. ist oder bedeutet die Reise, die du gerade gemacht hast. So habe ich es wahrgenommen, dass die eigene Wertschätzung mit sich selbst zu sein scheint ja unmittelbar verknüpft zu sein mit der Frage, wie wertend bist du mit dir selber? Also wie sehr bewertest du dich in dem, was du denkst, fühlst, sagst und so weiter und so fort? Gibt es diesen Zusammenhang? Also dass du sagst, Jedes Mal, wenn ich mich innerlich bewerte und im Zweifel negativ bewerte, ich mal, schneide ich eigentlich den Weg zu diesem ganz ursprünglichen Gefühl von wertvoll sein, mir selber wertschätzend begegnen sein. Schneidet das das ab? Birgit: Das kann ich dir nicht beantworten, weil... nicht direkt sehr. Also ich glaube, das sind zwei unterschiedliche Phasen. Wir sind ja erwachsene Frauen mit Lebenserfahrung und viel Training auch im achtsamen Umgang und in Bewusstheit. Wir strengen uns an. nicht bewertend durch die Welt zu gehen. Und deshalb habe ich den Eindruck, sind zwei unterschiedliche Stufen in mir. Das eine ist das, vielleicht ist einfach ein anderer Körper. Also Mentalkörper von mir. Das eine ist all das, was Gedanken schafft. Was ich denke, was die Logik mir sagt. was ich in meinen Lebenszyklus, meinen Lebenslauf auch einarbeite. Also ich habe in der Vergangenheit die Erfahrung gemacht und daraus erwächst in der Zukunft vermutlich dies und jenes. Das ist das eine und das andere, auch nicht Gefühl, sondern dieses Wissen dieses Ich Bin einfach. Und da drin gibt es keine Bewertung. Also wenn ich gesammelt in dieser Mitte bin, es tatsächlich keine Bewertung. Ich habe keine Ahnung, ob das irgendeiner Art und Weise deine Frage beantwortet. Die habe ich schon wieder aus dem Blick verloren. Sophie: Es hat total meine Frage beantwortet. Ich finde, du hast jetzt das, was ich sozusagen mit meiner Bewegung eingeläutet habe in diesem Gespräch. So was von Glass-Clar sozusagen zusammengefasst auf den Punkt gebracht, dass nämlich das, was du gerade Mentalkörper genannt hast, die Erfahrung, ich gesammelt habe, was habe ich da draus gemacht, wie denke ich darüber, die ganzen Stimmen und so weiter und so fort, das ist die bewegte Oberfläche des Meeres sozusagen, wo Wellen schlagen. Und in unserem Sein spielt das alles keine Rolle. weil es gibt auch ganz tief in mir einen Punkt, den kann ich auch, oder einen Raum nenne ich das immer, betreten, da spielt das alles keine Rolle. Und da bin ich tatsächlich auch wertfrei. Auch mir selbst gegenüber wertfrei. Und ich nehme das unfassbar dankbar als Inspiration und nochmal als Anstoß mit. Jetzt in dieser Zeit vor allen Dingen, während ich mich erhole, noch viel öfter wieder genau in diesen Raum einzutauchen. und aus der wertfreien, aus der Stille, aus der Ruhe, aus dem Friedlichen in mir die Kraft zu schöpfen, wieder gesund zu werden. Ganz gesund zu werden. Danke. Birgit: Danke dir für den Anfangsimpuls. sind wir wieder in einer Tiefe gelandet. Bianca: Und am Ende bleibt es mal die Betrachtung. Eine Grippe dauert 14 Tage und mit Medikamenten zwei Wochen. Birgit: Das finde ich wunderschön. Ja. Sophie: In diesem Sinne, ohne Medikamente und mit dem tiefen Eintauchen in meinen Seilen, wo die Stimmen zur Ruhe kommen dürfen, bin ich mir ganz sicher, dass ich mich erholen werde. Bianca: wenn du die zweitlebendste Birgit: Genau. Bianca: wieder verbrauchst. Birgit: mit allen Veränderungen, anstehen. Ganz gegenwärtig. Danke euch. Danke Sophie, danke Bianca. Danke fürs Zuhören. jenen, die uns immer auch zuhören, danke schön. Und bis in 14 Tagen, wenn sich das Frauenquartett wieder trifft. Und dann vielleicht auch wieder zu viert. Und an der Stelle mag ich noch ganz kurz einen Gruß an Marietta schicken. Wir haben für mein Empfinden ein sehr schönes Gespräch gehabt. und trotzdem habe ich die Marietta vermisst. Ich freue mich, wenn sie wieder dabei ist. Bianca: Wie uns auch, wie ich mich auch. Sophie: Ich auch. Birgit: So, das ist gut. Bianca: Tschüss! Sophie: Tschüss, ihr Lieben!