Latest / Gemeinsam g'scheit wirtschaften / #04 Kann eine Seilbahn auch sorgsam gondeln? Mit JOHANNES ALDRIAN
Transcript
- 0:00Johannes Aldrian: Es ist immer besser, etwas Bestehendes, was funktioniert, zu erhalten, als dass man's niederreißt und neu baut. Es trifft jetzt eben die Frage von vorher auch ein bisschen mit den großen Skigebieten. Es ist halt in Österreich üblich, dass man Seilbahnanlagen 30, 40 Jahre lang betreibt und dann werden sie abgerissen und neu gebaut, weil dann mehr Kapazität erforderlich oder ist oder mehr Komfort und so weiter. Und da sind wir entschiedene Gegner davon, weil wir sagen, unsere schöne Altersseibern erfüllt alle Erfordernisse natürlich. Sie ist charmant, sie ist klein.
- 0:34Warum sollten wir was, was gut funktioniert, kaputtmachen?
- 0:37Marco Schreuder: Gemeinsam g'scheit wirtschaften. Der Podcast vom Kreativnetzwerk Oberösterreich mit Marco Schröder. Der Podcast Gemeinsam g'scheit wirtschaften ist ein Podcast, in dem wir über kreatives und nachhaltiges Wirtschaften und Business mit Verantwortung sprechen wollen. Und das heutige Gespräch war besonders fein, weil ich saß mit meinem Gast in 1 Gondel, in 1 Seilbahn Gondel und wir schauten runter ins Tal. Und deswegen werdet ihr auch einige Geräusche hören, die man sonst in einem Podcast nicht hört.
- 1:24Wir saßen nämlich nicht in einem Studio. Heute geht's nämlich ein Unternehmen, das seit über 65 Jahren Menschen auf einen Berg bringt und dabei ganz bewusst nicht größer, schneller oder lauter werden will. Seilbahnen haben, muss man ehrlich sagen, oft ein sehr schwieriges Image. Naturferner wird oft vorgeworfen, Beschneiungsanlagen gibt's, Skigebietsausbau, manche sagen Raubbau und das jeden Preis hat man manchmal den Eindruck. Mein heutiger Gast zeigt, dass das auch anders geht.
- 1:55Mit Retrochick, Handarbeit und dem Mut kleiner bleiben zu wollen und nicht immer nur wachsen zu wollen. Und nebenbei bemerkt, das war meine 1. Seilbahn, in der ich als ganz kleiner Bub eingestiegen bin. Es hatte also auch was Persönliches. Und wir beginnen immer mit derselben Frage.
- 2:14Wie ist dein Name?
- 2:15Johannes Aldrian: Mein Name ist Johannes Aldrian. Wo arbeitest und wirkst Du? Ich arbeite bei der Katrin Seilbahn in Bad Ischl.
- 2:23Marco Schreuder: Und was machst Du so den ganzen Tag?
- 2:25Johannes Aldrian: Ich bin dafür verantwortlich, dass wir Leute entspannt auf den Berg hinaufbringen.
- 2:32Marco Schreuder: Und warum machst Du deine Arbeit so, wie Du es machst?
- 2:35Johannes Aldrian: Weil's einfach eine unheimlich schöne alte Seilbahn ist und mit der kann man einfach extrem gut arbeiten.
- 2:47Marco Schreuder: Ja, ich freue mich sehr, dass Du heute bei uns bist, Johannes ALDRIANN. Ich hab auch einen persönlichen Bezug. Das war die 1. Seilbahn, in der ich als kleiner Junge, das waren auch diese Space Age Silbergondel, nenn ich sie einfach mal. Und Du hast mit 29 diese Seilbahn übernommen in durchaus schwierigen Zeiten.
- 3:09Was hat dich überhaupt dazu gebracht, dass Du gesagt hast, ich werde jetzt Seilbahnchef?
- 3:15Johannes Aldrian: Also ich muss ganz ehrlich sagen, da bin ich reingestolpert. Ich bin grundsätzlich Touristiker und zufällig in Badischl aufgeschlagen. Ich bin eigentlich aus Graz Und dann hat sich auf einmal diese Möglichkeit ergeben. Die Seilbahn gehört der Stadtgemeinde Bad Istel und die Geschäftsführung war ausgeschrieben. Und es hat damals finanziell nicht besonders gut ausgesehen, aber da war ich 29 und hab mir gedacht, das probier ich einfach mal und da spring ich rein.
- 3:42Marco Schreuder: Was war denn die Herausforderung damals mit 29? In welchem Zustand waren die Seilbahn noch
- 3:47Johannes Aldrian: wirtschaftlich? Ja, wie schon angesprochen, die Seilbahn gehört der Stadtgemeinde und hat jedes Jahr ein deutliches Defizit produziert. Die Stadtgemeinde musste jedes Jahr ein Haufen Geld zuschießen. Und wie es bei den Gemeinden halt ist, da ist jetzt halt auch nicht zu viel Geld da. Und da ist auch das Land Oberösterreich schon mit am Tisch gesessen und hat gesagt, da ist eigentlich eine Exit Strategie zu entwickeln.
- 4:13Also ich bin hergekommen und hab einmal geschaut, ob das überhaupt möglich und machbar ist, diese Seilbahn kostendeckend zumindest zu betreiben.
- 4:24Marco Schreuder: Du sagst heute, weil ich hab ein bissel recherchiert natürlich, bevor wir uns hier treffen, in einigen Interviews, dass Du eigentlich gar nicht die Absicht hast, groß zu wachsen und immer größer zu werden, sondern dass dieses Kleinbleiben, diese kleine Hausbergsseil über ein Bad Ischles bleiben zu wollen, das klingt für viele Großunternehmen ja fast wie eine Provokation, würde ich mal sagen.
- 4:47Johannes Aldrian: Das darf's auch ruhig sein. Die Großen machen das, was sie wollen. Die werden sich auch mit mir nicht abgeben. Das ist auch in Ordnung so, aber bei uns geht's einfach darum, dass wir sagen, wir haben da eigentlich was sehr Schönes. Das ist von der ganzen Kapazität, angefangen Parkplatz, Kassa, Seilbahn, Wanderwege, Gastronomie, Toilettenanlagen.
- 5:07Das ist alles auf eine gewisse Größe ausgelegt und wenn wir größer werden wollten, müssten wir alles ausbauen und dann würden wir, glaube ich, unheimlich viel Scham verlieren und es stellt sich eben die Frage, ob das überhaupt notwendig ist. Und deswegen haben wir uns bewusst dazu entschlossen, klein bleiben zu dürfen.
- 5:27Marco Schreuder: Auch das Ganze, also die die die Grafiken, die Du verwendest, das hat ja alles son retrochick, würde ich mal sagen, ja? Das war bewusste Entscheidung.
- 5:35Johannes Aldrian: Das war absolut bewusste Entscheidung und dieses Retrofit haben wir uns zum sechzigsten Geburtstag selber geschenkt, weil wir auch gesagt haben, wir dürfen das, weil unsere Seilbahn die 1. Ist von neunzehnhundertneunundfünfzig und genau da kann man eben mit diesen Illustrationen und so wirklich auch arbeiten. Also wir wollten uns da jetzt nicht irgendwie was aufzwingen, was gar nicht zu uns passt, sondern das ist eigentlich was, was bei uns sehr authentisch ist.
- 6:00Marco Schreuder: Unser Podcast ist ja vor allem für Unternehmerinnen und Unternehmer, die denken natürlich oft ans Wachsen. Ist ist klein bleiben wollen und nicht der größte werden zu wollen, vielleicht auch ein guter Tipp, das man manchmal machen sollte oder darüber zumindest als Alternative nachdenken soll?
- 6:19Johannes Aldrian: Im Nachhinein ist immer gescheit reden. Das ist einfach das, was ich angefangen hab, war es jetzt nicht die Überzeugung, wir bleiben klein, sondern da ist es schon darum gegangen, dass wir sagen, okay, wir müssen auf jeden Fall Umsätze steigern und und die Beförderungszahlen steigern, damit einfach wirtschaftliches Überleben überhaupt möglich ist. Das Thema ist dann, wenn der Erfolg da ist, wie geht man dann damit und wächst man dann eben immer weiter oder wo wo ist dann die Bremse? Wo wo möchten wir dann bleiben oder muss es immer mehr werden? Und da eben haben wir gesagt, da da dürfen wir ruhig kleiner bleiben.
- 6:54Aber in der anfänglichen Situation wär das überheblich gewesen zu sagen, wir wir wir machen das so.
- 7:01Marco Schreuder: In der öffentlichen Wahrnehmung haben ja Seilbahnbetreiber, manchmal Betreiberinnen, aber doch vorwiegend Betreiber einen durchaus schlechten Ruf, zumindest für diejenigen, die für Nachhaltigkeit, Klimaschutz, Umweltschutz und dergleichen einsetzen, weil sie son son son Ruf haben. Leidest Du dann auch darunter manchmal, dass, wenn Du sagst, ich ich hab eine Seilbahn, dass die sagen, ah, Du machst alles kaputt oder kann man da auch ganz bewusst gegensteuern oder stimmt dieses dieser Vorteil vielleicht auch gar nicht?
- 7:33Johannes Aldrian: Also ich glaub, dass es gar nicht so schlimm ist, wie es oft dargestellt wird, das muss ich ganz ehrlich sagen. Es sind halt Seilbahnen, speziell die größeren Skigebiete, muss man ganz ehrlich sagen, sind halt sehr mächtige Unternehmen und die machen halt große Projekte, die dann die dann ja sehr dominant sind. Und die Seilbahnindustrie selber ist halt einfach auch eine, die ja nach außen hin sehr gewaltig wirkt. Ich glaub trotzdem auch, dass bei Seilbahnen oft einmal nachhaltige Projekte sehr wohl gemacht werden, aber es wirkt eben nach außen anders. Also das einmal zu meiner grundsätzlichen Haltung.
- 8:12Wir unterscheiden uns halt vollkommen. Wir sind keine Winterseilbahn, also wir haben keinen Winterschiller auf keinen Alpinen. Das heißt, es fallen für uns ganz viele große Projekte wie Beschneiung, Speicherteiche, solche Sachen. Das fällt alles bei uns weg. Das heißt, da ist es für uns sehr viel angenehmer zum Arbeiten.
- 8:31Wir arbeiten einfach mit dem, was da ist und nicht mehr.
- 8:34Marco Schreuder: Ärgert dich dieser schlechte Ruf manchmal auch?
- 8:38Johannes Aldrian: Nein, überhaupt nicht, weil's mich nicht betrifft, ganz ehrlich. Okay.
- 8:45Marco Schreuder: Früher, ich kann mich erinnern, in meiner Schulzeit war ja die Katrin Seilbahn durchaus auch ein Winter, eine Winterbahn. Da gab's eine Abfahrt hinunter. Das hat sich ja massiv geändert. War das auch eine 1 Entscheidung von dir oder war das auch sozusagen naturgemäß gar nicht anders machbar?
- 9:02Johannes Aldrian: Na, das ist diese Entscheidung der zur Einstellung vom Winterbetrieb ist vor meiner Zeit getroffen worden 2010. Ich hab dann 2013 die Geschäftsführung übernommen und 2014, also ein Jahr später dann den Winter wieder aufgesperrt, allerdings nicht mehr zum Skifahren. Und das war, glaub ich, eine ganz gute Entscheidung, weil wir dadurch einen Ganzjahres sind, natürlich den Fokus am Sommer haben, aber im Winter auch da sind. Das hilft beim Personal, das hilft bei den Gastronomiepächtern, dass wir einfach das ganze Jahr über da sind.
- 9:37Marco Schreuder: Noch einmal über diese Nachhaltigkeit gesprochen. Wie wie wirkt sich das in deiner Arbeit, in deiner alltäglichen Arbeit aus, ne? Energiegewinnung, Du man braucht ja auch eine Schneise natürlich, dass man da aufkommt und lauter solche Fragestellungen. Wie wie arbeitest Du mit diesem Thema?
- 9:55Johannes Aldrian: Also zum Thema Energie, da haben wir, glaube ich, ganz was Nettes inzwischen geschaffen. Ich hab eine Bürgerenergiegemeinschaft gegründet und hab in der Nähe ein Wasserkraftwerk und ein großes PV Kraftwerk, wo wir praktisch unsere gesamte Energie abdecken können. Das, was übrig bleibt an Energie, verteile ich an die gemeindeeigenen Betriebe. Das ist ein schönes Konstrukt, das gut funktioniert. Wir planen natürlich auch, wenn dann in Zukunft oben Umbauten und so weiter sein, dass wir in Richtung PV, Windkraft, Speicher uns da auch was überlegen.
- 10:30Aber das kommt nach und nach. Also das muss nicht alles auf einmal sein. Ich bin kein großer Freund von, bumm, großes Projekt muss jetzt gemacht werden, sondern Politik der kleinen Schritte. Das funktioniert für uns deutlich besser. Und das trifft eben auch oben den Berg.
- 10:43Also alles, was was oben ist, wird erhalten, instand gehalten, vielleicht auch verbessert, aber in Summe wollen wir keine großen Akzente oben setzen, weil der Berg selber so wie er ist, funktioniert. Und das Gleiche gilt natürlich auch für die Seitmann. Es ist immer besser, etwas Bestehendes, was funktioniert, zu erhalten, als dass man's niederreißt und neu baut. Das trifft jetzt eben die Frage von vorher auch ein bisschen mit den großen Skigebieten. Es ist halt in Österreich üblich, dass man Seilbahnanlagen 30, 40 Jahre lang betreibt und dann werden sie abgerissen und neu gebaut, weil dann mehr Kapazität erforderlich oder ist oder mehr Komfort und so weiter.
- 11:24Und da sind wir entschiedene Gegner davon, weil wir sagen, unsere schöne Altersseiban erfüllt alle Erfordernisse natürlich. Sie ist charmant, sie ist klein. Warum sollten wir was, was gut funktioniert, kaputtmachen?
- 11:36Marco Schreuder: Man fällt ja auch hinauf für ein Naturerlebnis, ja. Inwieweit ist Naturschutz jetzt auch für für sone Arbeit hier wichtig?
- 11:46Johannes Aldrian: Es ist ganz wichtig. Also grundsätzlich ist oben der gesamte Bereich ausgewiesenes Naturschutzgebiet. Das heißt, mit allen Vor- und Nachteilen oben irgendwas zu ändern, ist schwierig und es ist auch richtig so, weil man muss halt einfach auch auf die Natur aufpassen. Und andererseits ist es auch so, dadurch wurden auch immer Projekte auch zum Teil verhindert, die ja das bedingt eben jetzt, dass oben alles naturbelassen ist. Und das ist ein riesengroßes Asset für uns und das mögen unsere Gäste auch sehr gerne.
- 12:20Marco Schreuder: Wir haben ja schon über diesen Retro Charme gesprochen, den diese Seilbahn ja auch irgendwie ausstrahlt, ja, grafisch, aber auch in ihrer Kleinheit und eben nicht so ein so ein Riesending ist wie sonst wo. Jetzt setzen sehr viele Seilbahnbetreiber und auch natürlich die die Regionen dann auf große Events und Eventisierung des alpinen Raums. Ist das bei dir auch ein Thema?
- 12:47Johannes Aldrian: Überhaupt nicht. Das ist genau unser Konzept, dass wir sagen, wir machen nichts. Nicht, dass wir faul sind, sondern weil wir uns genau auf das draufsetzen, dass wir sagen, es darf so bleiben, wie es ist. Wir erhalten das Schöne, das Ruhige. Wir verzichten auf Erlebnisinszenierung, weil's auch nicht unbedingt erforderlich ist.
- 13:05Weil wenn man rauffährt und sich den Ausblick oben anschaut, traumhafter Ausblick aufs ganze Salzkammergut, dann brauch ich dazu nicht unbedingt noch ein Event dazu machen, sondern einfach nur normal und klein bleiben.
- 13:17Marco Schreuder: Ihr habt's ja sogar mal trotzdem so so Ideen gehabt. Also die Kulturhauptstadt habt's ja auch mittransportiert sozusagen in den Gondeln. Es gab sogar mal eine Beichtgondel, hab ich gehört. Also so ein bissel so kleine Ideen oder kreative Einflüsse lässt es schon zu, ne?
- 13:35Johannes Aldrian: Auf jeden Fall. Das macht's ja auch das Arbeiten hier so lustig, dass man so klein sind, dass wir solche Spielereien einfach gönnen. Und eben Beichtgondel war richtig lustiges Projekt, das ich mit dem damaligen Pfarrer umgesetzt hab und an dem haben wir alle eine große Freude gehabt. Und kannst Du nur noch mal sagen, das macht's Arbeiten einfach lustig.
- 13:56Marco Schreuder: Modern und traditionell. Du hast ja erzählt, Du bist jetzt gerade bei
- 13:59Johannes Aldrian: 1
- 13:59Marco Schreuder: Generalrevision auch mit beschäftigt, wo Du auch gesagt hast, dass Du nicht größer werden willst. Aber was sind jetzt die großen Herausforderungen, wenn Du so eine alte Bahn renovierst? Wo wo hackt's dann vielleicht auch mal oder wo wird's schwierig?
- 14:15Johannes Aldrian: Ja, die Generalrevision ist so ein Thema, das ist so ein Wort, das auf einmal da ist. Das ist eine neue Verordnung, die gibt's noch nicht sehr lange Und so wie's ausschaut, werden wir die einzige Seilbahn unseres Typs sein, die diese Generalrevision überhaupt in der Bergstation. Sollen wir kurz eine Pause machen jetzt oder fangen wir fangen wir gleich wieder ab.
- 14:38Marco Schreuder: Wir fahren jetzt wieder ab, oder?
- 14:41Johannes Aldrian: Ja, fahren wir noch eine Runde. Es wird jetzt nur ein bisschen laut werden wegen dem Dann bleibt man einfach mit dem Durchmesser.
- 14:51Marco Schreuder: Wir bleiben sitzen.
- 14:52Johannes Aldrian: Wir fahren eine Runde.
- 14:55Marco Schreuder: Jetzt sind wir gerade in der Bergstation angekommen. Jetzt habe ich gerade ein schönes, was ist das, Motor? Das ist das Getriebe. Das Getriebe gesehen, schön beleuchtet, ganz bunt, ja. Wir haben gerade von der Generalrevision gesprochen.
- 15:08Du hast mir gerade erzählt, das sind noch Geräte von neunzehnhundertachtundsiebzig.
- 15:11Johannes Aldrian: Genau, also die ursprüngliche Seilbahn wurde hier rauf neunzehnhundertneunundfünfzig gebaut, ist dann bis neunzehnhundertsechsundsiebzig in Betrieb gewesen und neunzehnhundertachtundsiebzig hat man dann eine komplett neue Seilbahnanlage gebaut, allerdings in die alten Gebäude hinein und zum Teil hat man auch noch die Stützen von neunzehnhundertneunundfünfzig weiterverwendet. Und das ist neunzehnhundertachtundsiebzig, könnte man sagen, ist jetzt schon lange her, aber die Seilbahnen, so wie sie damals worden sind, sind halt einfach auch wirklich für die Ewigkeit gemacht worden. Ja. Und das ist für uns jetzt ein riesengroßer Vorteil. Generalrevision ist so ein Thema.
- 15:46Es geht jetzt nicht darum, dass man da jetzt extra irgendwie was umbaut oder so. Es geht eigentlich mal grundsätzlich darum, dass man den kompletten Zustand der Seilbahn überprüft, dass man sagt, okay, das sind 36 Punkte, wo man überall Gutachten braucht, wo einfach alles ganz genau angeschaut wird. Schaut, ob das dem Stand der Technik entspricht. Da werden ein paar Sachen zum Nachrüsten sein und ein paar zum Ergänzen. Aber im Grunde genommen gibt's von der Seilbahn Technik her jetzt keinen Grund, dass die selber nicht mehr weiter betreiben können und auf das setzen wir uns drauf.
- 16:21Und dann, wenn wir die Generalrevision geschafft haben, dürfen wir 30 Jahre wieder mit dieser Seilbahn weiterfahren.
- 16:26Marco Schreuder: Aber was muss man dann erneuern?
- 16:28Johannes Aldrian: Na ja, es geht zum Teil Sicherheitseinrichtungen, die gemacht werden müssen. Es wird speziell im Bereich der Statik, Seilrechnungen und so weiter alles noch mal angeschaut, ob das den heutigen Normen entspricht und gegebenenfalls muss man dann ergänzen.
- 16:45Marco Schreuder: Zu deinen Gästen, ja. Wir wissen, dass relativ viele Einheimische herkommen, weil Du hast etwas für die erfunden, was sehr gut angekommen ist, oder?
- 16:56Johannes Aldrian: Erfunden ist jetzt ein bisschen übertrieben und gesagt, nein, wir wir schauen einfach, dass den Einheimischen, denen der Berg ja eigentlich gehört und die Seilbahn auch, dass man denen den das Naherholungsgebiet Kathrin einfach wirklich zu einem zu einem sehr verlockenden Preis zur Verfügung stellt. Das heißt, im im Sommer gibt's die die Saisonkarte im Vorverkauf derzeit 100 Euro und fürs ganze Jahr kostet's 165 Euro. Also das heißt, dass man wirklich sagen kann, es ist einfach 1 1 1 Ding, das als Isla hat man einfach eine 1 Saisonkarte auf die Kathrin.
- 17:29Marco Schreuder: Und wer ist jetzt der wichtigste Gast für dich jetzt, wenn Du so ein bissel ranken würdest?
- 17:35Johannes Aldrian: Der Einheimische auf jeden Fall. Dem Einheimischen gehört der Berg und alle anderen Gäste sind herzlich willkommen. Und das funktioniert auch gut und ich muss sagen, ich genieße das auch immer, wenn ich dann oben am Berg bin und man sieht auch, man hat Stammtische, man hat Jahrgangsausflüge, man hat alles Mögliche. Und dann kommen die Gäste von und die genießen das auch, dass sie mit den Locals sozusagen am Tisch sitzen und da teilhaben. Und das ist ein Konzept, was für uns sehr gut funktioniert.
- 18:04Und ich hab dadurch auch sehr starke sehr starken Rückhalt auch in der eigenen Bevölkerung.
- 18:10Marco Schreuder: Wir haben ja, bevor wir das Mikrofon eingeschaltet haben, ja schon ein bissel miteinander gesprochen und haben auch gesagt, das ist ein bissel so ein Geheimnis auch von Badischlis, dass einheimisches Publikum oder oder Publikum aus der Region und Tourismus sich eigentlich auch in der Stadt und überall recht vermischt und es nicht so so getrennte Felder gibt. Ist das so ein bisschen etwas, wovon Du auch profitierst oder oder wo auch vielleicht andere Städte, gar nicht nur Seilbahnbetreiber, wo man ein bisschen mehr hinschauen müsste, wie das funktioniert?
- 18:38Johannes Aldrian: Ist schwer zu sagen. Es funktioniert hier einfach gut. Also die gleiche Seilbahn, wenn ich's jetzt, was weiß ich, 50 Kilometer woanders hinstellen würde, weiß ich nicht, ob das funktioniert. Aber im im Fall Bad Ischl mit der Bevölkerung gemeinsam muss ich sagen, ist es ein Erfolgskonzept und das macht's Arbeiten auch viel leichter.
- 18:57Marco Schreuder: Du hast unten mittlerweile auch ein Hotel gegründet. Wie kam's denn dazu?
- 19:01Johannes Aldrian: Ja, das unser Hotel ist das Bett und Berg. Das war früher die Skischule, die neben der Seilbahn Talstation gebaut wurde 2004. Nachdem 2010 der Skibetrieb eingestellt wurde, war das Gebäude dann lange Zeit ohne richtigen Nutzen. Und da haben wir uns dann überlegen müssen, was wir was wir damit tun. Und zum Glück ist da jetzt was, glaub ich, ganz Gutes entstanden, und zwar ein 1 Self Check in Hotel, ein kleines mit 30 Betten.
- 19:29Aber es funktioniert, funktioniert gut.
- 19:31Marco Schreuder: Ja. Ich ich ich hab das schon mal übernachtet. Ich kenn's, ja. Wie viele Mitarbeiterinnen hast Du eigentlich hier so? Wie viele Mitarbeiterinnen braucht eine kleine Seilbahn wie die Katrin?
- 19:40Johannes Aldrian: Also wir sind derzeit 16 Angestellte. Das braucht man einfach, weil unsere Sommersaison dauert im Schnitt so 220, 230 Tage. Und wir fahren natürlich jeden Tag. Das heißt, wir müssen gewisses Radl haben und dann eben noch dazu und Kassa. Und dann kommt man eben mit mit 16 Leuten grade so aus.
- 20:01Marco Schreuder: Genießt Du eigentlich manchmal selber auch eine Fahrt hier oben und gehst Du dann manchmal da oben wandern und selbst noch einmal zu spüren, was was Du hier eigentlich anbietest?
- 20:12Johannes Aldrian: Also ich bin jetzt seit 13 Jahren Geschäftsführer und ich genieße es wirklich jedes Mal, raufzufahren. Ich hab das Privileg, dass ich hin und wieder auch tatsächlich mal Termine oder so irgendwas absichtlich beim schönen Wetter auf dem Berg oben lege, weil erstens ist das für meinen Terminpartner dann auch angenehm und ich hab selber auch die größte Freude.
- 20:32Marco Schreuder: Na ja. Wenn jetzt ein neunundzwanzigjähriger Mensch zuhört, der sich überlegt, in den Seilbahn zu übernehmen, gibt's sicher auf, weil sie Menschen da draußen. Aber wenn sich jemand das sich überlegt, was wäre dein erster Tipp, den Du geben würdest?
- 20:50Johannes Aldrian: Politik der kleinen Schritte, nicht alles auf einmal niederreißen.
- 20:54Marco Schreuder: Okay. Wir haben 3 Fragen am Schluss, die stellen wir jeden. Kannst auch mit einem Wort oder mit einem Satz beantworten. Bist siehst Du dich eher gemeinsam oder einsam? Gemeinsam.
- 21:06Was bräuchtest Du Gescheites für die Zukunft? Mehr Gelassenheit. Was ist Wirtschaft für dich?
- 21:14Johannes Aldrian: Wirtschaft ist das, was zu produzieren, etwas zu machen, etwas Sinnstiftendes zu machen.
- 21:22Marco Schreuder: Ich hab heute viel gelernt, nämlich dass man raufgondeln kann, runterzukommen, ja. Und dass man nicht immer wachsen muss, gut wirtschaften zu können. Vielen Dank, Johannes Altrian. Danke für das nette Gespräch. Gemeinsam g'scheit wirtschaften, das kannst Du bei gut im Geschäft, der gescheiten Workshopreihe live oder online am HP 23 in Linz ist bei grüne Wirtschaft und die Anmeldung und Website sind unten verlinkt in den Shownotes.
- 21:56Und wenn euch diese Episode gefallen hat, dann gerne den Podcast abonnieren, eine Bewertung hinterlassen und gescheit weitererzählen.