Latest / Anonym Suchthilfe – KI-gestützte Selbsthilfe / #4 Folge 153: Die Welle surfen: Wie du Suchtdruck (Craving) überlebst
Transcript
- 0:00Hallo und herzlich Willkommen bei nelix Berlin.
- 0:02Ich freue mich riesig, dass du heute wieder eingeschaltet hast,
- 0:05um dir Zeit für dich und deine Themen zu nehmen, bevor wir so
- 0:08richtig loslegen, ist uns was ganz Wichtiges zu sagen hinter
- 0:12Nelix Berlin, da steckt Gabriel und das Besondere ist Gabriel
- 0:16ist selbst von sucht und ja auch psychischen Themen betroffen.
- 0:20Er teilt auf seiner Webseite wirklich ganz offen und ehrlich
- 0:22seine eigenen Erfahrungen warum? Na ja, er will damit ne echte
- 0:26Verbindung zu dir aufbauen. Wir zeigen, Hey, du bist nicht
- 0:29allein mit deinen Kämpfen okay lass uns das heutige Thema
- 0:33genauer ansehen. Heute geht's um Suchtdruck oder
- 0:36auch Craving, wie man oft sagt, Kennst du vielleicht oder dieser
- 0:40krasse Drang, der einen packt und ja einfach nicht mehr
- 0:42loslässt. Gabriel beschreibt das in seinem
- 0:45Artikel und auf dem basiert unsere Besprechung heute als so
- 0:48einen richtigen Sturm, körperlich und psychisch, der
- 0:51schreit dir quasi ins Ohr konsumieren und für Rückfälle.
- 0:55Wir wollen heute zusammen verstehen, was dein Gehirn
- 0:57abgeht und welche Werkzeuge dir helfen können, diese Wellen des
- 1:02Verlangens ja zu meistern. Ja, dieser Begriff Craving
- 1:06Suchtdruck, das sagt ja schon viel.
- 1:09Wir reden hier über ein wirklich intensives Verlangen, oft
- 1:13zwanghaft, scheinbar unkontrollierbar nach einer
- 1:16Substanz oder einem Verhalten. Ist halt nicht einfach nur so
- 1:20ein Gedanke, so och jetzt hätte ich Lust auf nee, das ist ein
- 1:23Kernsymptom der Abhängigkeit, kommt direkt aus dem
- 1:26Suchtgedächtnis. Aus dem Suchtgedächtnis.
- 1:28Okay man kann es vielleicht so auf 3 Punkte bringen.
- 1:32Erstens, es ist viel mehr als nur ein Gedanke, eher so ein
- 1:36neurochemischer Alarmzustand im Hirn, das spüren viele ja auch
- 1:40körperlich, diese innere Unruhe, Anspannung, vielleicht
- 1:43Herzrasen, schwitzen. Ja, kenne ich.
- 1:45Zweitens. Der Druck kommt nicht einfach
- 1:48so, er wird getriggert, also ausgelöst durch bestimmte Dinge,
- 1:52die das Gehirn halt mit dem Konsum verknüpft hat.
- 1:55OK, und drittens, das ist ganz wichtig, Suchtdruck ist oft
- 2:00nicht logisch, dein Verstand sagt vielleicht nein, lass das,
- 2:04aber dieser Drang, der kann die rationale Kontrolle einfach ja
- 2:08überfahren. Neurochemischer Alarmzustand.
- 2:12Das klingt echt heftig. Was passiert denn da genau im
- 2:15Gehirn bei diesem Sturm, von dem Gabriel schreibt?
- 2:18Stell dir vor, deine Amygdala, das ist so das Emotionszentrum,
- 2:23die erkennt einen Trigger, ein Geruch, ein Ort, ein Gefühl,
- 2:28irgendwas, das mit früherem Konsum zu tun hat, und die
- 2:31schlägt sofort Alarm, wieso ein Rauchmelder quasi?
- 2:34Okay Alarmstufe rot im Kopf. Und dann?
- 2:37Dann kommt das Belohnungssystem ins Spiel.
- 2:40Das schüttet Dopamin aus und. Und hier ist wichtig, Dopamin
- 2:43ist in dem Moment weniger Glücksgefühl.
- 2:46Sondern. Es ist ein extrem starkes
- 2:48Motivationssignal, es schreit quasi, das ist wichtig, hol's
- 2:52dir sofort. Ah, also weniger Juhu Belohnung
- 2:56als los, los, los, eher so n Antrieb.
- 2:59Ganz genau, das ist der Punkt und gleichzeitig feuert noch ein
- 3:03anderer Botenstoff Glutamat. Der sorgt für eine massive
- 3:08Erregung im Gehirn. Glutamat ist wieso n Verstärker
- 3:12der macht den Gedanken an den Konsum lauter, aufdringlicher,
- 3:16zementiert den richtig fest. Und während dieser ganze Alarm
- 3:20läuft, dieses Lossignal und die Verstärkung, was macht denn der
- 3:25Teil vom Gehirn, der für Vernunft zuständig ist?
- 3:28Die Bremse sozusagen. Ja, genau das ist der
- 3:30Knackpunkt. Der präfrontale Cortex, das ist
- 3:33unsere rationale Bremse, die Impulskontrolle, der wird in dem
- 3:37Moment quasi lahmgelegt. Einfach ausgeschaltet.
- 3:40Die Verbindung wird gekappt, sozusagen die Bremse versagt,
- 3:45die Kontrolle bricht zusammen. Du kämpfst also nicht nur gegen
- 3:48einen dummen Gedanken, du kämpfst gegen einen tief
- 3:51verankerten biologischen Impuls, den dein Gehirn falsch
- 3:55interpretiert und mit höchster Dringlichkeit verfolgt.
- 3:59Und deine Fähigkeit, bewusst gegenzusteuern, ist dabei massiv
- 4:03eingeschränkt. Wow okay Alarm, lossignal
- 4:10Verstärker und die Bremse fällt aus.
- 4:14Das erklärt, warum sich Cravings so überwältigend und
- 4:18unkontrollierbar anfühlen kann. Du hast erwähnt, dass Trigger
- 4:22das auslösen. Klingt, als könnten die ja
- 4:24überall sein. Worauf muss man da achten?
- 4:26Absolut. Die sind total vielfältig und
- 4:29auch sehr individuell. Gabriel unterscheidet in seinem
- 4:33Artikel grob zwischen äußeren und inneren Triggern.
- 4:36OK, was sind äußere Trigger? Das sind Dinge in deiner
- 4:39Umgebung. Können bestimmte Personen sein,
- 4:42alte Konsumkumpels zum Beispiel. Orte sind ganz klassisch die
- 4:47Stammkneipe, der Bahnhof, vielleicht sogar die eigene
- 4:51Wohnung. Ja, auch Gegenstände,
- 4:53Utensilien, Flaschen, sogar Geld oder bestimmte Musik kann
- 4:58triggern und natürlich Situationen, Partys, Stress,
- 5:03Streit, aber auch positive Sachen wie feiern.
- 5:06Und die inneren Trigger, das sind dann Gefühle.
- 5:09Oder wie genau Zustände in dir selbst?
- 5:12Vor allem negative Gefühle, Stress, Angst, Wut, Trauer,
- 5:17Einsamkeit, Langeweile, Scham. Puh.
- 5:20Die ganze Palette. Ja, aber auch Achtung, positive
- 5:24Gefühle, Freude, Aufregung, oft verbunden mit dem Gedanken, so,
- 5:29jetzt habe ich mir aber was verdient.
- 5:30Oh ja, der Belohnungsgedanke. Und was man nicht unterschätzen
- 5:34darf, körperliche Zustände, Müdigkeit, Schmerz, Hunger,
- 5:39Durst. Das kann das Verlangen auch
- 5:42ordentlich anheizen. Lass uns mal einen äußeren
- 5:44Trigger Rausgreifen, der ist ja oft besonders heikel.
- 5:47Sozialer Druck, dieser Satz, och komm nur ein Glas oder nur ein
- 5:52Zug, den kennt ja jeder oder hat sich ja schon viel ins Wanken
- 5:55gebracht. Was rät Gabriel da?
- 5:59Ja, der Klassiker Gabriel betont, wie wichtig Vorbereitung
- 6:03ist. Erstens üben, Nein zu sagen,
- 6:06klar und kurz. Ohne große Rechtfertigung, Nein
- 6:10danke. Punkt.
- 6:11Genau. Zweitens vorbereitet sein, wenn
- 6:14du auf eine Party gehst, überleg dir vorher, was du trinkst.
- 6:17Hol's dir vielleicht schon selbst, dann hast du was in der
- 6:19Hand. Drittens such dir Verbündete,
- 6:22sprich mit jemandem auf der Party, der Bescheid weiß, der
- 6:25dich unterstützen kann und viertens ganz wichtig.
- 6:29Wenn der Druck zu groß wird, G die Situation verlassen, ist
- 6:32keine Schwäche, das ist Selbstschutz.
- 6:34Punkt. Ackerak der Selbstachtung ein
- 6:37Statement für die eigene Gesundheit.
- 6:39OK, nehmen wir mal an, trotz aller Vorsicht rollt diese
- 6:43Craving Welle an. Was kann ich denn dann ganz
- 6:47konkret tun? Die wichtigste Botschaft aus
- 6:50Gabriels Artikel ist ja, du musst nicht darauf reagieren.
- 6:54Genau. Stell dir craving wie eine Welle
- 6:56im Meer vor. Sie baut sich auf, erreicht den
- 6:59Höhepunkt. Den Peak.
- 7:00Richtig, den Peak. Und dann ebbt sie von ganz
- 7:03allein wieder ab. Deine Aufgabe ist es, die Zeit
- 7:06am Höhepunkt zu überstehen, ohne zu konsumieren.
- 7:09Und dafür gibt es einen Notfall. Werkzeugkoffer sagst du Skills?
- 7:13Ja genau, Skills. Es geht darum, diese kurze, aber
- 7:17echt intensive Phase zu managen. Was ist denn da so drin in
- 7:21diesem Werkzeugkoffer? Gib mal n paar Beispiele für
- 7:23dieses Wellenreiten. Also erstens ablenken, Lenk
- 7:28deinen Fokus aktiv auf was anderes, das dich fordert.
- 7:31Sport n Spiel Ruf n Freund an aber redet über was anderes,
- 7:35meditiere mach n kniffliges Rätsel.
- 7:37OK, Fokus weg vom Craving. Zweitens.
- 7:41Skills anwenden, also einen starken Gegenreiz setzen.
- 7:44Das unterbricht diesen mentalen Autopiloten.
- 7:46Was wären das für Reize? Denk an Eiswürfel in der Hand
- 7:49zerdrücken, in ne Chilischote beißen, eiskalt duschen, so was
- 7:52holt dich aus dem Kopf zurück in den Körper, ins hier und jetzt.
- 7:55Verstehe. Drittens darüber reden, Druck
- 7:58rauslassen. Ruf deinen Sponsor an, einen
- 8:01Freund, Therapeuten, ich hab gerade massiven Suchtdruck,
- 8:04allein das aussprechen nimmt dem Gefühl oft schon die macht, OK
- 8:08viertens. Die Welle beobachten mit
- 8:11Achtsamkeit betrachte ihn drang wie ein Forscher.
- 8:15Wo spüre ich den im Körper, welche Gedanken kommen da
- 8:18akzeptier, dass er da ist, aber ohne zu handeln, du wirst sehen,
- 8:24er geht vorbei, ehrlich. Das klingt nach Übung.
- 8:28Ja, das braucht Übung. Und fünftens Flucht aus der
- 8:31Situation. Wenn du merkst, du bist in einer
- 8:34Triggerumgebung, geh sofort Schutz, geht vor, keine
- 8:37Diskussion. Das ist klar.
- 8:39Aber was ist danach, wenn man es geschafft hat, dieser Welle
- 8:43widerstanden hat? Gabriel nennt das den Craving
- 8:46Carter, was meint er damit, man hat doch eigentlich gewonnen.
- 8:50Ja, du hast gewonnen, aber dieser Kampf kostet enorm viel
- 8:54Energie. Der Craving Carter, das ist die
- 8:57emotionale Erschöpfung danach. Du hast ja quasi einen inneren
- 9:01Ausnahmezustand durchlebt. Dein Nervensystem war auf
- 9:04Hochtouren, da fühlt man sich am nächsten Tag oft ausgelaugt,
- 9:08gereizt, vielleicht auch labil, das ist völlig normal.
- 9:11Okay. Also nicht wundern, wenn man
- 9:14sich schlapp fühlt. Genau.
- 9:15Und dazu kommt oft noch dieses Gefühl der Deprivation, so nach
- 9:18dem Motto, Alle dürfen Spaß haben, nur ich nicht.
- 9:22Dieses Gefühl beraubt zu sein, das kann echt weh tun.
- 9:25Verstehe. Und was hilft gegen diesen
- 9:28Kater? Außer sich schlecht fühlen.
- 9:30Ganz wichtig sei stolz auf dich, klopf dir auf die Schulter, du
- 9:34hast den Kampf gewonnen, Belohne dich gesund, ein gutes Essen,
- 9:38dein Lieblingsfilm, ein Bad, irgendwas gutes für dich, Mhm.
- 9:42Zweitens Rede darüber, teile deinen Erfolg mit jemandem, das
- 9:47verstärkt das positive Gefühl und macht den Erfolg greifbar.
- 9:50Ja, das hilft. Und drittens?
- 9:52Sanfte Selbstfürsorge erwarte keine Höchstleistungen von dir.
- 9:56An so einem Tag sei nachsichtig mit dir, gib deinem Körper und
- 9:59deiner Seele Zeit zur Erholung. Das sind echt wichtige Punkte
- 10:03für Betroffene. Aber Gabriel spricht ja auch
- 10:05Angehörige an. Was können denn Freunde oder
- 10:08Familie tun, wenn jemand gerade mitten im Suchtdruck steckt?
- 10:11Man fühlt sich ja oft so hilflos daneben.
- 10:13Absolut. Gabriel hat ziemlich klare Du's
- 10:16and Don's, was auf jeden Fall hilft, also die du's.
- 10:20Erstens Gefühle anerkennen, nicht den Konsum, wollen es
- 10:23gutheißen, aber den Kampf validieren.
- 10:25Sag sowas wie das muss sich furchtbar anfühlen gerade ich
- 10:28bin für dich da. Das ist wichtig, ja Verständnis
- 10:31zeigen. Zweitens konkrete Ablenkung
- 10:34anbieten. Komm, wir gehen eine Runde
- 10:35spazieren oder lass uns einen Film schauen, etwas aktives
- 10:39vorschlagen und drittens den Notfallplan der Person kennen,
- 10:42wissen, was ihr oder ihnen normalerweise hilft, wen sie
- 10:45oder er anrufen möchte. Mhm und.
- 10:48Was sollte man auf keinen Fall tun?
- 10:49Die Dons. Oh ja, die sind auch wichtig.
- 10:52Erstens moralisieren oder diskutieren so was wie reiß dich
- 10:57doch zusammen oder denk doch mal an uns craving ist nicht
- 11:02rational, das kommt nicht an, das macht nur Druck.
- 11:06Okay also keine Vorwürfe. Nein, zweitens, selbst in Panik
- 11:11verfallen, das überträgt sich und verstärkt nur den Stress bei
- 11:15dem Betroffenen. Ruhig bleiben und drittens ganz
- 11:20wichtig, nicht kontrollieren oder überwachen.
- 11:23Das schafft Misstrauen und erzeugt meistens nur Gegendruck.
- 11:27Verstehe also unterstützen, aber nicht kontrollieren.
- 11:31Genau. Wenn wir das jetzt mal wieder
- 11:33auf die größere Perspektive beziehen.
- 11:36Craving ist ja oft wie gesagt ein fehlgeleiteter Versuch, mit
- 11:40unangenehmen Gefühlen umzugehen, sie zu betäuben.
- 11:43Langfristig geht es also darum, gesündere Strategien zu
- 11:47entwickeln, um mit diesen Gefühlen klarzukommen.
- 11:50Was wären denn solche gesünderen Strategien also langfristig
- 11:54gedacht? Na ja, statt Betäubung braucht
- 11:56es halt die Fähigkeit, Emotionen überhaupt erst mal zuzulassen
- 12:00und dann zu lernen, sie zu regulieren.
- 12:03Das lernt man oft in Therapien. KVT zum Beispiel oder ACT.
- 12:08Also fühlen lernen statt weglaufen.
- 12:10Genau. Gefühle wahrnehmen, aushalten
- 12:13lernen, ohne sofort handeln zu müssen.
- 12:15Genauso wichtig ist Stressmanagement, gesunde
- 12:18Ventile finden, Sport, Meditation, Yoga, Hobbys, was
- 12:23auch immer dir gut tut. Und statt dem künstlichen Kick
- 12:26durch Substanzen kann man lernen, natürliche heiß zu
- 12:29finden. Natürliche heiß.
- 12:32Wie meinst du das? Durch intensiven Sport, das
- 12:34Erreichen von Zielen, die man sich setzt, krasse
- 12:37Naturerlebnisse, echte soziale Verbundenheit, tiefe Gespräche.
- 12:41Das aktiviert das Belohnungssystem ja auch, aber
- 12:44auf eine gesunde, nachhaltige Weise.
- 12:46Es geht letztlich darum, neue, gesunde Autobahnen im Gehirn zu
- 12:50bauen und die alten, schädlichen Pfade immer weniger zu nutzen.
- 12:54Das Gehirn lernt um, das leitet super über zu ein paar konkreten
- 12:58Fragen, die Gabriel in seinem Artikel beantwortet.
- 13:00Wir haben uns mal die rausgepickt, die vielleicht am
- 13:03häufigsten kommen, bereit für eine kleine FAQ Runde.
- 13:06Ja klar, schieß los, OK. Erste Frage, die sich ja viele
- 13:11umtreibt, wie lange dauert so eine craving Attacke eigentlich
- 13:14muss ich da stundenlang durch. Das ist tatsächlich oft kürzer,
- 13:18als man in dem Moment befürchtet, also die akute
- 13:21Welle, der Höhepunkt, der Peak, ja, der dauert meistens nur so
- 13:2615 bis 30 Minuten. Danach flacht die Intensität
- 13:30wirklich wieder ab. Das ist also ein überschaubarer
- 13:33Zeitraum, den man überstehen muss.
- 13:35Wichtig zu wissen, die Welle bricht immer irgendwann, sie
- 13:38bleibt nicht ewig. OK, 15 bis 30 Minuten, das nimmt
- 13:42schon mal ein bisschen den Schrecken, finde ich.
- 13:43Nächste Frage, hört das denn jemals ganz auf, wird man diesen
- 13:48Suchtdruck irgendwann komplett los?
- 13:50Also bei den allermeisten Menschen werden die Attacken mit
- 13:53der Zeit seltener und auch schwächer.
- 13:56Das Suchtgedächtnis verblasst sozusagen ein bisschen, und die
- 14:00neuen Strategien, die man lernt, die Greifen besser.
- 14:04Aber, und da muss man ehrlich sein, es kann sein, dass
- 14:08bestimmte Trigger auch nach Jahren noch Craving auslösen
- 14:11können, das ist nicht ausgeschlossen.
- 14:14Aber. Der riesige Unterschied ist
- 14:16dann, du hast die Werkzeuge, du hast das Wissen, du hast die
- 14:21Erfahrung, um damit umzugehen, ohne rückfällig zu werden.
- 14:25Du bist nicht mehr hilflos ausgeliefert.
- 14:27Verstehe. Es geht also mehr um den Umgang
- 14:30damit. Genau.
- 14:31Frage 3 macht es das Craving schlimmer, wenn ich dagegen
- 14:35ankämpfe? Manchmal fühlt es sich so an.
- 14:37Das ist ne gute Frage. Ja, oft ist das Paradox, direkt
- 14:42dagegen ankämpfen, sich dagegen stemmen.
- 14:45Das kann den Druck manchmal tatsächlich verstärken.
- 14:48Und was ist die Alternative? Die Achtsamkeit, die wir vorhin
- 14:51besprochen haben, das Wahrnehmen, das Beobachten ohne
- 14:54zu bewerten und ohne sofort handeln zu müssen, annehmen,
- 14:58dass der Drang da ist und wissen, dass er vorbeigeht, das
- 15:01ist oft hilfreicher als ein direkter Kampf.
- 15:04OK, jetzt ne spezielle Frage. Gabriel spricht ja auch über
- 15:08seine polytox Erfahrungen, die. Sind polytox User, also
- 15:11Menschen, die mehrere Substanzen konsumieren oder konsumiert
- 15:14haben, besonders betroffen von Craving?
- 15:17Ja, das kann man schon so sagen. Bei einer Polytoxikomanie ist
- 15:21das Suchtgedächtnis oft breiter gefächert, es gibt mehr
- 15:24Substanzen, mehr Rituale, mehr Kontexte, die als Trigger wirken
- 15:27können. Also mehr potenzielle Auslöser.
- 15:30Genau das macht den Umgang mit Craving oft komplexer.
- 15:33Man muss auf mehr Dinge achten, braucht vielleicht auch
- 15:36vielfältigere Strategien. Gabriels Erfahrungen sind da
- 15:39sicher sehr wertvoll für andere Betroffene.
- 15:41Nächste Frage, die bestimmt auch viele beschäftigt, wenn ich
- 15:44craving erlebe, heißt das dann meine Therapie versagt oder ich
- 15:48mache was falsch, fühlt sich ja oft wie n Rückschritt an.
- 15:51Nein, absolut nicht. Das ist n ganz wichtiger Punkt.
- 15:55Craving ist ein erwartbares Symptom der Suchterkrankung, es
- 15:59ist kein Zeichen von persönlichem Versagen oder dass
- 16:02die Therapie nicht. Wirkt.
- 16:03Sondern. Im Gegenteil.
- 16:06Erfolg in der Therapie bedeutet ja gerade zu lehren, mit diesem
- 16:10Craving umzugehen, ohne zu konsumieren.
- 16:13Das Auftreten von Craving ist Teil des Weges, der Umgang
- 16:17damit, der zeigt den Fortschritt.
- 16:19OK, das ist beruhigend zu hören. Dann noch der Haltcheck was ist
- 16:24das genau? A halt, das ist ein super
- 16:27einfaches, aber sehr wirkungsvolles Akronym, eine
- 16:30kleine Eselsbrücke. Und wofür stehen die Buchstaben?
- 16:33H steht für Hungry, hungrig, A für Angry, ärgerlich, wütend, L
- 16:38für Lonely einsam und t für Tyat müde.
- 16:42Hungry Angry Lonely Tyat okay. Genau das sind 4 grundlegende
- 16:48Zustände. 4. Massive interne Trigger, die oft
- 16:51übersehen werden, aber einen riesigen Einfluss auf unser
- 16:54Wohlbefinden und eben auch auf Suchtdruck haben können.
- 16:58Der Check hilft dir, kurz innezuhalten und zu prüfen.
- 17:01Ist vielleicht eines dieser Grundbedürfnisse gerade nicht
- 17:04erfüllt? Manchmal hilft es schon, was zu
- 17:06essen, kurz zu ruhen oder jemanden anzurufen, um das
- 17:09Craving zu reduzieren. Simpel, aber effektiv.
- 17:14Wie erkläre ich den Freunden mein Problem mit dem Craving?
- 17:17Die verstehen es ja oft nicht. Ja, das ist schwierig.
- 17:20Gabriel schlägt vor, es einfach und ehrlich zu halten,
- 17:24vielleicht so was wie, hey, ich arbeite gerade daran, meinen
- 17:27Konsum zu ändern, und manchmal habe ich einen sehr starken
- 17:30Drang. In solchen Momenten brauche ich
- 17:33vielleicht eine Unterstützung oder einfach nur Ablenkung.
- 17:35Also keine lange Erklärungen über Neurobiologie.
- 17:38Nee, das ist meist nicht nötig. Echte Freunde werden versuchen,
- 17:42es zu verstehen, auch wenn sie es nicht selbst nachfühlen
- 17:46können. Es geht um Offenheit und darum,
- 17:49klar zu sagen, was du brauchst. Letzte Frage, die ganz oft im
- 17:52Raum steht, gerade am Anfang. Kann ich jemals wieder normal
- 17:56oder kontrolliert konsumieren? Vielleicht nur am Wochenende
- 17:59oder zu besonderen Anlässen? Puh, das ist die Millionen Euro
- 18:02Frage quasi. Und die ehrliche Antwort für die
- 18:06allermeisten Menschen, die eine Abhängigkeit entwickelt haben,
- 18:09lautet leider nein. Warum nicht?
- 18:12Weil das Suchgedächtnis und die Veränderungen im Gehirn, über
- 18:16die wir gesprochen haben, die scheinen dauerhaft zu sein.
- 18:20Dieser Mechanismus, diese Anfälligkeit, die bleibt.
- 18:24Der Versuch des kontrollierten Konsums ist für die allermeisten
- 18:27Betroffenen der direkte und oft sehr schnelle Weg zurück in den
- 18:31Kontrollverlust und die Abhängigkeit.
- 18:32Also ist Akzeptanz wichtig. Ja, diese Akzeptanz, so schwer
- 18:37sie auch fällt, ist oft ein ganz entscheidender Schritt in eine
- 18:40stabile und zufriedene Abstinenz.
- 18:42Wow, das war jetzt wirklich eine, ja intensive
- 18:46Auseinandersetzung mit dem Thema Suchtdruck.
- 18:48Danke für die vielen Einblicke und dann dich da draußen.
- 18:52Wenn dir diese Besprechung gefallen hat und du die Arbeit
- 18:54von Neelix Berlin wertvoll findest, dann würde sich Gabriel
- 18:57riesig über deine Unterstützung freuen.
- 18:59Du kannst Gabriel helfen, indem du diesen Beitrag oder die ganze
- 19:03Seite auf Social Media teilst oder indem du diese Besprechung
- 19:06hier auf Plattformen wie Spotify oder Apple Podcast bewertest und
- 19:10Likest. Das hilft ungemein, das Projekt
- 19:12Neelix Berlin wird nämlich komplett allein von Gabriel
- 19:15finanziert und erstellt das. Jede Form der Unterstützung
- 19:18hilft ihm mit diesem Projekt, sich selbst und gleichzeitig
- 19:21anderen Betroffenen zu helfen. Gabriels persönliches Motto, das
- 19:24ihn dabei antreibt, lautet, aus allem schlechten in seinem Leben
- 19:27etwas Gutes zu machen. Ja, und vielleicht anknüpfend an
- 19:30dieses Fazit, jede Welle geht vorbei.
- 19:33Noch ein Gedanke zum Mitnehmen für dich.
- 19:36Die Frage ist ja nicht, ob die nächste Welle kommt, die wird
- 19:39wahrscheinlich kommen, die Frage ist wie du ihr begegnest.
- 19:43Siehst du sie als diesen unüberwindbaren Tsunami, der
- 19:46dich einfach unter sich begräbt, oder siehst du sie vielleicht
- 19:49eher als eine Gelegenheit, eine Gelegenheit, dein Surfbrett,
- 19:53also deine Skills, deine Stärke, dein Wissen zu schnappen und dir
- 19:57selbst zu beweisen, wieviel besser du schon darin geworden
- 20:01bist, diese Wellen zu reiten? Wieviel stärker du schon bist?
- 20:04Ein starkes Bild zum Schluss. Vielen Dank, dass du dir die
- 20:07Zeit genommen und zugehört hast. Pass gut auf dich auf und bis
- 20:10zum nächsten Mal.