Latest / Digital Sense – The Human Side of AI / Folge 18: Psychologische Sicherheit – der unterschätzte Erfolgsfaktor
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- Dr. Lucien André Reuter: Ohne Sicherheit keine Fragen, ohne Fragen kein Lernen, ohne Lernen keine Zukunftssicherheit. Und genau daran scheitern gerade viele Unternehmen. Nicht an der KI, sondern an der Angst davor. Und damit ein herzliches Ali-Hallo-Hallöle bei Digital Sense, der Human Side of AI. Wie immer mit dabei die liebe Yvonne. Hallo Yvonne. Yvonne. Yvonne Faoual: Hello! Dr. Lucien André Reuter: Wir hatten ja bereits in Staffel 1 schon mal das Thema Ängste gehabt und in der letzten Folge das Thema Gebiet Kontrollverlust. Yvonne Faoual: Mhm. Mhm. Dr. Lucien André Reuter: Ja, wir wiederholen uns da heute vielleicht ein bisschen. Ich möchte aber da noch ein bisschen tiefer reingehen, weil es doch ein sehr wichtiges Thema ist. Unsere heutige Folge heißt der psychologische Sicherheit, der unterschätzte Erfolgsfaktor. Und gerade für uns Führungskräfte möchte ich das noch ein bisschen handfester vielleicht ausarbeiten heute mit dir. ja, haben wir jetzt schon oft genug geklärt. Unternehmen investieren gerade massiv in KI, Tools, Automatisierungen, Effizienz. Haben wir zu Genüge gehört, unter anderem auch von Dominik? bei LIDAS OF AI war ja ein super spannender Gast. Wir jetzt aber in der Zwischenzeit natürlich auch noch den Alex dabei gehabt, der ahnt war bei uns schon im Studio, da ist die Folge noch gar nicht draußen zum jetzigen Zeitpunkt. Aber auch nochmal Thema Klimawandel hatten wir da intensiv angeschnitten. Man muss es wirklich angeschnitten nennen, weil das ist so ein großes Thema. Da konnten wir jetzt gar nicht in der Hülle und Fülle in alle Details reingehen. Aber... Yvonne Faoual: Mhm. So, tschüss, Dr. Lucien André Reuter: Ja, wir können das machen, was wir die ganze Zeit schon tun. Wir können Themen anschneiden, können Awareness Raising betreiben und wer tiefer und mehr hören möchte dazu muss dann letztendlich zu uns in die Workshops kommen oder sich woanders informieren. Ein Thema, was aber in dem ganzen Rahmen meistens nur in der Zeitung benutzt wird, oder in den... Medien benutzt wird, ist das Thema Angst und zwar eigentlich immer als negativen Hebel. Warum wird das gerade in der Presse vielleicht so durch den, wie sagt man, durch den Sauhund? Wie die Sau durchs Dorf gejagt? Und warum ist denn aus deiner Sicht auch als Psychologin diese Sicherheit gerade so entscheidend? Yvonne Faoual: Die Sau durchs Durf gejagt. Also grundsätzlich ist es ja so, dass wir alle immer in irgendeiner Art und Weise in der Sicherheit leben wollen. Wir Menschen, wir sind ja, wir brauchen ja eine gewisse Sicherheit, ⁓ uns entfalten zu können, ⁓ leben zu können, ⁓ denken zu können. wenn wir jetzt diesen Switch zu dieser psychologischen Sicherheit, von der du sprichst, in die Unternehmen reinmachen. Übrigens ein spannendes Thema, weil das war Schwerpunkt meines Psychologiestudiums, Arbeits- und Organisationspsychologie. Daraus entsteht das Ganze, ja. Psychologische Sicherheit in den Teams und mit Führungskräften. Und Angst ist etwas, was wie ein fauler Apfel in der Kiste ansteckend ist. Genauso wie Freude ansteckend ist, ist auch Angst ansteckend. Und wenn unsere Führungskräfte selber in der Angst sind, können sie keine psychologische Sicherheit geben. Dr. Lucien André Reuter: Na cool. Yvonne Faoual: Und ich habe heute Morgen erst in LinkedIn auf einen Artikel reagiert, den ein Coachkollege von mir gepostet hatte zum Thema KI und Führung und wann denn die KI die Führungskräfte ersetzen wird. Und ich glaube, das ist so der springende Punkt, dass nicht nur die Mitarbeiter Angst haben, sondern dass tatsächlich auch Führungskräfte Angst haben, ersetzt zu werden, weil das ja immer mehr kommt. Und der Dominik hat ja selber auch gesagt, Dr. Lucien André Reuter: Mhm. Ne. Yvonne Faoual: in seinem Podcast mit uns, dass es mittlerweile KI-Agenten gibt, die ganze KI-Agenten führen. Aber nichtsdestotrotz fehlt uns ja auch die Empathie als Führungskräfte. Also als KI-Agent Führungskraft, so muss man sagen. Und diese Empathie wird ein KI-Agent niemals haben. Aber das kommt im Moment bei den Führungskräften noch nicht an, weil Führungskräfte, da muss man jetzt auch wirklich mal ehrlich sein, zu 98 Prozent aus klassischen, wirklich sehr, guten Fachkräften entstanden sind. So. Und jetzt ist es natürlich so, dass die immer noch dieses Fachkräfte-Denken auch drin haben. Natürlich gibt es Führungskräfte, die auch führen. Die führen alle in irgendeiner Art und Weise. Aber ganz, ganz viele sind immer noch in den Fachgebieten verhaftet und machen fachliche Themen. Und ganz viele fachliche Themen. Und natürlich sind es auch ganz normale Mitarbeiter. Und dementsprechend haben die natürlich auch Angst, durch einen KI-Agenten eine Führungskraft ersetzt zu werden. Soll dein Unternehmen tatsächlich Führungskräfte durch KI-Agenten ersetzen, haben Sie ein ganz großes Problem. Dr. Lucien André Reuter: Es gibt ja auch ganz viele Führungskraftrollen, die ja gar nicht unterscheiden zwischen disziplinarischer und fachlicher Führung, wobei das zusammengeschmissen ist, was dann teilweise bei immer größer werdenden Teams sowieso schon grenzwertig genug ist. Wenn ich heute so bisschen hin und her rolle, wundert euch nicht für die, es auf YouTube gucken. Ich habe ein Gymnastikball unter mir, weil mir mein Rücken ein bisschen weh tut. Das heißt, es kann gut sein, dass ich heute hier so bisschen wie ein Gummiball durch die Gegend springe. Yvonne Faoual: Ja. Ja, absolut. Haha. Solange es dich nicht runterschießt. Dr. Lucien André Reuter: Kann auch passieren, das hörst du dann. Das schneiden wir dann aber raus. ⁓ nochmal zum Thema zurückzukommen, das heißt, ein bisschen Problematik ist das Verhalten der Führungskräfte derzeit. Allerfach aufgrund von Informationsmangel oder Zeit, sich mit der Thematik richtig zu beschäftigen. Yvonne Faoual: Nöööö Ich glaube, sind mehrere Faktoren. glaube wirklich, sind zum einen die Ängste, selber ersetzt zu werden. Zum anderen fehlende Informationen. Das Dritte ist, wie gehe ich denn überhaupt zukünftig damit ⁓ Es wird KI-Agenten in den Teams geben. werden zukünftig hybride Teams haben. Keiner weiß, wie es momentan weitergeht oder welche Ausmaße das Ganze noch annimmt. Übrigens mal so auf Topic. Es gibt ja jetzt gerade so diesen Cloud Code, der jetzt gerade so überall, ja wie sagt man dazu, publiziert wird. Ich habe mich selber damit jetzt beschäftigt. Das Ding ist wirklich mega. Ich habe wirklich hier mal mein ganzes Coaching-Business da einmal durchlaufen lassen und habe mir da mal was zusammenschustern lassen. Also wenn sogar ich als Psychologin sowas kann, dann muss man schon überlegen. Was kann eine KI zukünftig sonst noch alles ersetzen? Früher hat das wirklich ein GitHub gemacht oder was auch immer, dass du wirklich programmieren können musstest, damit du solche Tool nutzen kannst und jetzt musst du nicht mal mehr programmieren können. Natürlich brauchen wir die Programmierer irgendwie noch, klar logisch. ⁓ das Beispiel einfach mal zu verdeutlichen, wenn wirklich einer, der nichts mit IT zu tun hat, solche Dinge... Dr. Lucien André Reuter: Ja. Yvonne Faoual: umsetzen kann, solche Dinge nutzen kann, für sich selber implementieren kann, dann macht das natürlich auch was mit den Führungskräften. Und das sind viele Faktoren, die da jetzt reinspielen. Erstens diese Zukunftsängste, diese persönlichen Ängste. Dann haben wir ja momentan auch eine sehr instabile Weltsituation, wo keiner weiß, was passiert da in naher Zukunft. Was ich aber immer ganz schlimm finde in der aktuellen Phase, und da habe ich auch erst ein Post letztens dazu gemacht, dass wir den Fokus dadurch verlieren. Wir verlieren komplett den Fokus auf die wirklich wichtigen Dinge, weil wir uns komplett von unserer Angst steuern lassen. Und diese Angst tragen wir ins Team rein, die tragen wir ins Unternehmen rein. Und dementsprechend verlieren alle den Fokus. Dr. Lucien André Reuter: Ja. Vielleicht ein paar Worte zur KI-Nutzung mit Claw oder mit Clawbot oder auch Cloud Code oder Copilot in der Programmierung. Ich finde es mega geil, dass jetzt jeder eine Chance hat seine Idee zu verwirklichen. Auch gerade die Leute, die keine Programmierkindnis haben. Auf der anderen Seite sehe ich es zum jetzigen Entwicklungsstand sehr kritisch. Warum sehe ich es kritisch? Aus einem einfachen Grund. Es ist ein unglaubliches Werkzeug. Und wie bei allen Werkzeugen, ich nehme immer das Yvonne Faoual: Vielen Dr. Lucien André Reuter: Beispiel der Kettensäge. Ich als Laie kriege mit der Kettensäge ein Baumgefällt, was ich vorher nicht mit ohne Kettensäge, vielleicht mit einer Handsäge mit viel, Aufwand übernimmt bekommen hätte. Das Problem ist, wenn ich anfange Baum zu sägen, weiß ich nicht, weil ich die Erfahrung nicht habe, wie ich den anschneiden muss, damit er mir nicht aufs eigene Haus fällt. Und ungefähr so ist es auch mit Claude Coat. Wenn man fachfremd den Aufgaben gibt, erzeugt der was. Aber Yvonne Faoual: Mhm. Dr. Lucien André Reuter: Was erzeugt der? Er erzeugt nachher den umgefallenen Baum. Aber wenn ich Pech habe, da Sicherheitslücken drin, sind Datenschutzlücken drin, gerade wenn wir von Programmierung sprechen oder sind einfach grobe Fehler drin in der Benutzerführung, UX Design oder sonstiges, was einem Programmierer oder einem Designer oder wie jemand, der damit schon mal Kontakt hatte, nicht passieren würde. Das ist sicherlich auch eine Frage der Zeit. Je mehr Leute es nutzen, desto mehr lernt das System auch, desto mehr Yvonne Faoual: sofort auffallen würde. Dr. Lucien André Reuter: werden sich auch andere Programme angeguckt werden und es wird zukünftig immer besser. Zum jetzigen Zeitpunkt finde ich es unglaublich stark, ⁓ Prototypen zu entwickeln. Dafür ist es einfach ein Tool, wo ich vorher drei, vier Wochen für den Prototyp gebraucht habe. Geht das an einem Tag mit genügend Tokens? Das ist auch immer eine Frage der Kosten. Viele private Nutzer oder semi-private Nutzer haben vielleicht das Standardmodell 30 Euro im Monat oder vielleicht mal 100 Euro im Monat, Pro-Variante. Aber wenn man sich anguckt, was Firmen da verbrennen. es gab wohl, hatte ich gestern gelesen, ein Entwickler, hat innerhalb von einem Monat 180.000 Dollar an Token durchgebrannt. Yvonne Faoual: Hahaha! Dr. Lucien André Reuter: Das ist halt dann einfach noch mal eine andere Ebene. Und du hast das schöne Wort orchestrieren genannt. Der orchestriert 10, 20, 30, 50 Agenten parallel, die in seinem Programm arbeiten. Das funktioniert aber nur, weil er von der Grundidee weiß, wie so ein Programm strukturiert arbeiten muss und wo kann ich welchen Agenten draufschicken, ohne dass ich am Ende einen riesen Chaos habe, weil die sich gegenseitig blockieren oder auf gegenseitige Sachen zuschreiben. Das wird sicherlich in den nächsten Monaten oder Jahren wegfallen, Problematik. Yvonne Faoual: Mhm. Dr. Lucien André Reuter: Ich finde es trotz allem einfach ⁓ den Satz mal zu beenden. Man soll das mit Vorsicht genießen. Auch diese ganzen Bots, jetzt auf meinem eigenen Computer laufen können, die ich wirklich schön mit einem Windows-Installer starten kann, wo ich nicht nachher noch irgendwelche Datenbanken aufbauen muss und noch was in der Sandbox starten muss und und und und ist cool, weil man kann das benutzen. Ist nicht cool, wenn man nicht weiß, was es bedeutet. Weil wenn die auf alles Zugriff haben, haben die auf alles Zugriff. Und wenn die auf alles Zugriff haben, aber die ganze Zeit nach Hause telefonieren, weil es keine lokale Anwendung ist, dann warten sie nur darauf, dass der... Host zu Hause sagt hier, jetzt machst du aber bitte mal was Böses. Oder, mein Gott, sind im Zeitall des Internets, nicht nur wir als produktive Leute können KI nutzen, auch die Hacker können es oder die böswilligen Leute können es. Das heißt, die können sich auch viel leichter, weil sie in Chat-Spitze eingeben, wie kann ich denn WLAN hacken? Yvonne Faoual: Ja. Dr. Lucien André Reuter: Klar sind Sicherheitsvorkehrungen da, dass es nicht so leicht geht, aber wer weiß wie kann man es auch missbrauchen. Kommt in der W-Line rein, knackt in jedem W-Line wo er gerade mit dem Auto vorbeifährt und sagt hier bitte alle Daten die du findest folgendes Konto reinpacken, auf OneDrive hochladen, Link schicken etc. und alles von dir ist weg. Bankdaten, Logins etc. Also wirklich vielleicht der Tipp, wenn ihr sowas ausprobiert gesicherte Umgebung, bewusst was ihr tut und im Zweifel lieber einmal mehr hinterfragen ob ihr das versteht was da läuft oder nicht. Kommen wir zum Thema Sicherheit oder Unsicherheit in dem Fall. Psychologische Sicherheit geht ja einher mit Unsicherheiten. Unsicherheiten führen ja gerade bei uns Zügungskräften ganz gerne mal zum Schweigen. Weil bevor wir uns blamieren oder angreifbar machen, sagt man ja vielleicht dann doch eher lieber gar nichts. Und das würde ich bisschen aufbauen gerne mit dir. Yvonne Faoual: Zum Thema Sicherheit. Hey! Dr. Lucien André Reuter: Vielleicht aus zwei sichten, aus der Sicht, woran erkennt die Führungskraft im Alltag, dass das Team einen Mangel an psychologischer Sicherheit hat und woran erkennt vielleicht die Führungskraft selbst, dass sie gerade vielleicht nicht das macht, was sie machen wollen würde, weil sie sich unsicher fühlt. Yvonne Faoual: Also woran erkennt die Führungskraft, dass im Team Unsicherheit herrscht? Ich glaube, das sind ganz einfache Faktoren. Es wird nicht mehr offen miteinander gesprochen. Es werden keine Ideen mehr eingebracht. werden keine Vorschläge mehr gemacht. wird nichts mehr hinterfragt. Es werden keine Diskussionen mehr geführt aus Angst davor, irgendwas falsch zu sagen. Vielleicht tatsächlich auch die ganze Stimmung im Team, die da einfach kippt. Jeder... denkt sich nur noch seinen Teil und sagt nichts mehr. Man muss ja verstehen, dass die meisten Teams ja... Ja, jetzt muss ich aufpassen, was ich sage. Aus meinen Erfahrungen heraus sind Teams in der Regel immer sehr homogen. Weil eine Führungskraft natürlich auch einfach nur ein Mensch ist. Und Menschen stellen die Menschen ein, die zu einem passen. Weil alles andere ist... Ja, teilweise... Ich sage jetzt nicht unmenschlich, aber für die Führungskräfte schwierig, weil wenn du selber ein sehr ruhiger Mensch bist, sehr harmonischer Mensch bist, willst du keinen Querulanten haben. Und auch keiner, der ständig alles hinterfragt. Was grundsätzlich mal falsch ist, aber das ist eine komplett andere Thematik, weil heterogene Teams nachweislich viel, effektiver und viel, produktiver sind. Aber das ist ein anderes Thema. Aber gerade in solchen Themen wie, woran erkenne ich das? Also es sind wirklich solche klassischen Punkte, keiner sagt mehr was, es wird nicht mehr diskutiert, es wird nichts mehr hinterfragt. Dr. Lucien André Reuter: Nope. Yvonne Faoual: Die Leute haben Angst, im Team in der großen Runde auszutauschen. ist ⁓ ganz arg oft, dass über dann Probleme diskutiert wird, statt Lösungen gefunden wird. Ja, die Stimmung kippt im Allgemeinen. Ich glaube, das sind so ganz typische... Entschuldigung, ich bin ja auf dem Kabel gestanden. So ganz typisch... Ja, genau. So ganz typische Anzeichen. Dr. Lucien André Reuter: Ich steh jetzt mal wieder auf der Leitung, ne? Yvonne Faoual: Und woran merkt eine Führungskraft selber, dass sie Unsicherheiten hat oder Unsicherheit ist? Ich meine, eine Führungskraft, es kommt immer drauf an. Wenn sie jetzt selber Teil eines Führungskräfte-Teams ist, kann sie sich ja einfach mal reflektieren, wie verhält sie sich denn im Team. Es ist jetzt eine Führungskraft, wie beispielsweise ein CEO, der eben keine Hierarchie mehr über sich hat. Dann ist es auch völlig normal, wenn da auch Unsicherheiten sind, aber dann darf ich die auch einfach ansprechen. Dann kann ich auch als CEO transparent sein und sagen, okay, pass auf, ich weiß nicht, es gerade ist. Ich kann euch aber versprechen, dass ich euch immer mitnehmen werde, dass ich transparent sein werde, dass wir keine Mitarbeiter ersetzen, wie auch immer. Also ich glaube, man muss von den Hierarchiestufen einfach ein bisschen differenzieren, von welchen wir da gerade reden. Das macht mich ein bisschen nervös, was du da machst mit deinen Turnübungen. Dr. Lucien André Reuter: Es tut mir auch schrecklich leid, aber mir tut mein Rücken so weh, dass ich mich jetzt entschieden habe, mich mal hinzustellen. Yvonne Faoual: Ist völlig in Ordnung, ich hab nur gedacht so, ⁓ mein Gott, was kommt jetzt? Dr. Lucien André Reuter: Ja, ich muss mich wirklich mal hinstimmen. Ich muss heute bisschen hibbelig durch die Gegend tanzen. Lass dich davon nicht zu sehr ablenken. Yvonne Faoual: Alles gut. Genau. Also beantwortet es deine Frage, oder? Dr. Lucien André Reuter: Ja, das beantwortet meine Frage, zeigt mir aber letztendlich auch so bisschen, wenn du ja sagst, das wird, ja, so wie dieser Widerspruch fehlt in den Homogeen-Teams, alles wirkt klats, kann man ja dann fast sagen, dass... Yvonne Faoual: Ja, Zustimmung, es wird immer nur zugestimmt. Dr. Lucien André Reuter: Genau, also mir fehlt eigentlich mein Counterpart dann als Führungskraft sozusagen, mal ein bisschen Gegenwind. Das heißt aber, ⁓ es bisschen provokant zu formulieren, wenn ich in den Meetings immer nur Stille habe und kein Gegenwind habe, ist das ein schlechtes Zeichen oder kann das ein schlechtes Zeichen sein? Yvonne Faoual: Ja. Also ich würde fast behaupten ja, weil es kann ja nicht sein, dass meinetwegen ein Team mit 12 Leuten grundsätzlich alle 12 immer einverstanden sind mit allen Themen. mit Sicherheit gibt es Themen, wo man sich einig ist. Aber wenn Stille in Meetings ist, es gibt ja immer jemand, der anders denkt. Es gibt immer jemand, der andere Fragen stellt. Und ich sage immer 8 Milliarden Menschen, 8 Milliarden Meinungen. Also ist es völlig unrealistisch, dass in einem Team Dr. Lucien André Reuter: Ja. Yvonne Faoual: immer zu 100 % Zustimmung zu allem herrscht. ich glaube, daran erkennt man schon, dass das eigentlich nicht gesund sein kann. Weil es es spiegelt halt auch ein Stück weit nicht Ignoranz, aber so ein bisschen, wie sagt man, jetzt fehlt mir das Wort, verdammt, Resignation, das war das Wort, was ich gesucht habe. Also es spiegelt halt auch eine Resignation wieder, wenn Dr. Lucien André Reuter: Das heißt dann... Ja. Yvonne Faoual: Mitarbeiter einfach nicht mehr engagiert sind. Und Mitarbeiter, die engagiert sind, die motiviert sind, die Bock haben, die werden im Meetings den Mund aufmachen. Weil sie wollen ja selber was bewegen, sie wollen ja etwas erreichen, sie wollen ja selber auch einen Sinn bei der Arbeit haben. Dr. Lucien André Reuter: Ja man versucht noch zu kämpfen, versucht etwas zu bewegen, irgendwann vielleicht weil man danach angeschnautzt worden ist, fühlt man sich unsicher und weiß nicht ob man sich überhaupt einbringen soll und das führt dann irgendwann zu dem resignierten Zustand, zu dem stillen Kündigen, was ja 2023 ein ganz großer Trend war. Silent quitting. Wo man einfach sagt, ich brauch zwar das Geld, aber ich mach jetzt nur noch Daily Business und das so low wie möglich. Yvonne Faoual: Yep. Dr. Lucien André Reuter: Ja, und das alles ausgelöst durch letztendlich Unsicherheiten und Unzufriedenheit letztendlich dadurch ausgelöst. Tja, also kann man sagen, dass gar nicht mal so ein Konfliktenproblem ist. Also Konflikte in Teams vielleicht auch Möglichkeiten sind, je nachdem wie weit sie ausarten natürlich und was für eine Maßnahme, das muss man ja auch dazu sagen. Heißt jetzt nicht, dass ihr alle alle miteinander streiten sollt jeden Tag. Yvonne Faoual: Ja. gesunde Konflikte. Gesunde Konflikte, ich sag immer gesunde Konflikte. Dr. Lucien André Reuter: gesunde Konflikte. Gibt es ja bekannterweise auch in jeder Ehe oder in jeder Beziehung. Yvonne Faoual: Es kann ja auch gar nicht anders sein. meine, gesagt, jeder Mensch ist ja anders geprägt, hat eine andere Kultur, hat andere Erziehungen erlebt. Jeder Mensch hat ja seine eigene Welt. Von daher kann es ja gar nicht sein, dass da keine Konflikte entstehen. Und das ist ja auch in Ordnung. Man kann ja auch an Konflikten wachsen und Konflikte können Dr. Lucien André Reuter: Ja. Yvonne Faoual: natürlich auch ganz andere Ergebnisse hervorbringen, wenn jemand andere Fragen stellt. Dr. Lucien André Reuter: Auf jeden Fall. Wir hatten in Staffel 1 ja schon mal so bisschen angeschnitten gehabt, was Führungskräfte tun können, ⁓ gegen diese Ängste einzuwirken. hatten wir uns sehr viel darauf bezogen, ja, oder haben uns sehr viel auf diese Thematik mit KI ersetzt uns als Angst ausgelöst. Aber das ist ja nicht der einzigste Angstpunkt, den es in Teams gibt. Das können wir auch weit fassen mit allgemeinen Ängsten, die so entstehen oder auch Digitalisierungsängste, was ja nicht immer durch KI ausgelöst ist. Yvonne Faoual: Hmpf Ja. Dr. Lucien André Reuter: Deswegen vielleicht mal ganz konkret, was kann denn so eine Führungskraft tun, ⁓ Sicherheit in dem Team aufzubauen, dass die Leute sich trauen, ins Gespräch reinzugehen, sich trauen, in einem Meeting auch mal was zu sagen, sich auch trauen, mal kritisch zu hinterfragen, was meine Führungsposition, mein Vorgesetzter da überhaupt gerade verzapft, ob das überhaupt gut ist. Yvonne Faoual: Also ich glaube das Beste ist immer wirklich einfach komplett andere Fragen zu stellen. Also wirklich Fragen ins Team zu geben, ⁓ das Team auch anzuregen, mitzudenken und zwar keine Ja-Nein-Fragen, sondern tatsächlich offene Fragen. was ist eure Idee dazu? Keine Ahnung. Und selber vor allem auch das Thema Unsicherheit zugeben. Also auch eine Führungskraft darf transparent sein und sagen, okay, Ich fühle mich gerade auch unsicher, aber irgendwie kriegen wir das Kind schon geschaukelt. Und dann tatsächlich einfach andere Fragen stellen. Offene Fragen stellen. Fragen stellen im Sinne von, welche Lösungsmöglichkeiten haben wir? Welche Ängste habt ihr? Also wirklich auch offen über das sprechen, was die Mitarbeiter beschäftigt. Und tatsächlich auch die Punkte ansprechen von wegen im Sinne von, ja, ich sehe hier ist gerade irgendwie in den letzten Wochen sehr viel Ruhe eingekehrt. Wir haben keine... Keine Berührungspunkte mehr, wird alles nur noch stillschweigend hingenommen. Ich würde gern wissen, woran liegt es. Und da auch offen sein für das, was dann kommt. Ganz klar. Dr. Lucien André Reuter: Und gibt es, ja wir nutzen ja ganz gerne Leitplanken oder gibt es richtige Tools, Methoden, Beispiele, die du uns nennen kannst, was so eine Führungskraft proaktiv machen kann. Also zum Beispiel sagen, ich mache einen Tag der offenen Tür, ihr könnt am Montag von 10 bis 11 Uhr jedenzeit in mein Büro kommen oder Kleinigkeiten wie in jeder E-Mail zu sagen, wenn ihr Probleme habt, kommt zu mir oder hier ist ein Obstkorb, fühlst du dich sicherer dadurch. Was haben wir in unserem Werkzeugkasten, was wir nutzen können? Yvonne Faoual: Also ich glaube, die Liste ist unendlich lang, was du da nutzen kannst. Die Frage ist immer, wann setze ich was ein? Diese Obstkorbgeschichte ist immer alles schön und gut. Ich kenne mich selber aus Unternehmen, inklusive den Fliegen im Sommer, die dann da drin wohnen. Aber ich glaube, wirklich der größte Faktor meiner Meinung nach ist einfach die Empathie. Die Empathie wahrzunehmen, wie geht es meinem Team? Die Empathie wahrzunehmen, wie geht es meinen Mitarbeitern? und dann wirklich tatsächlich auch anbieten. Wie du schon richtig sagst, der Open Door Policy. Keine Ahnung, kommt auf mich zu. Wer sich nicht im Team traut zu sagen, geht dann im Nachgang oder kommt im Nachgang auf mich zu. Ich glaube, die Liste ist wirklich unendlich lang. Aber für mich ist immer noch der wichtigste Faktor Empathie. Dieses Gefühl, dieses Wahrnehmen, dass hier gerade irgendwie Ängste da sind und dann einfach herausfinden, woran liegt. Das klassische Beispiel ist immer ein Workshop, ja, am besten außerhalb vom Unternehmen. wirklich irgendwo in eine völlig neutrale Umgebung und dann dort einfach mal vielleicht auch zwei Tage wegschließen und wirklich mal die Karten auf den Tisch, wovon ich persönlich überhaupt kein Freund bin, Dinge nicht direkt anzusprechen. Also ich habe selber schon in einem Unternehmen früher gearbeitet, wo Dinge nie direkt angesprochen worden sind, wo immer nur gesagt wurde, okay, wir schauen uns mal an, welche Lösungen haben wir. Aber es sind nie die Sachen direkt auf Tisch gekommen. Also sprich Sachen im Sinne von Hey, Dr. Lucien André Reuter: Mhm. Yvonne Faoual: Diese zwei Kollegen können sich eigentlich auf den Tod nicht ausstehen, müssen aber permanent in einem Projekt zusammenarbeiten und keiner redet drüber. Das sind zum Beispiel für mich Dinge, die direkt angesprochen gehören. Und es ist ja in Ordnung, wenn Menschen sich nicht verstehen. Und wenn ich das als Führungskraft weiß, dann kann ich die zwei Jahre aus dem Projekt rausnehmen und lasse sie nicht einfach weiter arbeiten. Die können ja trotzdem im Team bleiben, aber dann setze ich den einen unten an den Tisch und den anderen oben an den Tisch und dann ist auch eine Ruhe. Aber sowas gehört meiner Meinung nach angesprochen und für mich ist... Kommunikation, Empathie, Zuhören, aktives Zuhören, die drei Schlüsselfunktionen überhaupt als Führungskraft. Dr. Lucien André Reuter: Ich würde noch eins ergänzen, zuhören und reagieren nutzen wir Menschen ja meistens ein beliebtes Medium, nämlich die Sprache als solches. Und ich finde, mit der Sprache, wie ich etwas sage, kann ich einen unglaublichen Hebel auslösen. Und du hast es ja vorhin schon mal kurz angesprochen als Führungskraft zu sagen, ich weiß auch nicht immer alles, kann schon mal ein Punkt sein. Aber auch vielleicht wirklich ganz konkret zu sagen, hey, passt auf, diese Unsicherheit, die wir gerade haben, die ist erlaubt. Yvonne Faoual: Hmpf Dr. Lucien André Reuter: uns geht es allen so. Wirklich proaktiv mit den Leuten sagen, wir wissen das, ich weiß das, ich spüre das auch. Ich nehme dich wahr, ich nehme die Situation wahr. Egal, ob es jetzt Krieg, Weltwirtschaft, Privates, Arbeit ist. Ich meine, es gibt viele Firmen, haben momentan Schwierigkeiten, die entlassen Leute, die wissen nicht, was kommt. Da ist es auch wirklich einfach mal gut, gehört zu werden oder das Gefühl zu haben, gehört zu werden. Yvonne Faoual: Ja. Dr. Lucien André Reuter: Gibt es denn Rituale, die man einführen kann? Oder was andersrum formuliert, was hältst du denn von Ritualen in dem Kontext? Yvonne Faoual: Was halte ich von Ritualen? für mich persönlich sind ja Rituale etwas ganz, ganz wichtiges. Also ich habe mein Morgenritual, ich habe mein Abendritual, wie starte ich in den Tag. Wenn das Team sich einig ist und wenn die Rituale tatsächlich von allen auch angenommen und verabschiedet worden sind, dann kann das natürlich ein unglaublich mächtiges Werkzeug sein. Aber dann muss man es halt auch konsequent durchziehen und nicht sagen, heute ist ein super stressiger Tag, heute lassen wir es mal weg. Weil es gibt Menschen, brauchen dann das. Also wir Menschen brauchen immer wieder Wiederholungen. Dinge, die uns gut tun, weil durch Wiederholungen bekommen wir Sicherheit. Und wenn wir immer wieder ein Ritual wiederholen, dann gibt uns das auch ein Stück weit Sicherheit, dass wir gehört worden sind. Dr. Lucien André Reuter: Mhm. Yvonne Faoual: die Dinge, die wir ausgearbeitet haben, umgesetzt werden. Aber es müssen natürlich alle mitgenommen werden. Dr. Lucien André Reuter: Thema Rituale. Du weißt ja, in der Softwareentwicklung Thema Agilis Project Management und Scrum gibt es ein Ritual, das nennt sich Daily. Vielleicht für die Zuhörer, die nicht Softwareentwicklungsbezug haben. Es ist ein richtig starkes Tool, wenn es richtig angewendet wird. Also dieses Wir treffen uns jeden Tag morgens, bevor die Arbeit losgeht, sprechen eigentlich im Kern über drei Sachen. Was mache ich gerade? Yvonne Faoual: Ja, ⁓ ja. Dr. Lucien André Reuter: Oder vielleicht, was habe ich gestern gemacht? Was mache ich gerade? Und wo habe ich Probleme? Und durch diese drei Punkte, manche machen vier, manche machen fünf, manche nehmen andere Punkte, sei mal dahingestellt. Yvonne Faoual: Mhm. Dr. Lucien André Reuter: kann man einen unglaublichen Hebel machen, weil man merkt, was macht der Kollege? Dann kommt zu dem Punkt, was brauche ich denn gerade überhaupt oder was braucht der andere gerade? Wo habe ich denn vielleicht eine Idee? Wo kann ich denn mein Disk mit anbringen? Weil wenn der Kollege mir erzählt, der macht einen Look-In-Seite gerade und ich habe erst gestern einen gemacht, dann sage ich, hier pass mal auf, im Projekt ABC steht das und das drin, was er vielleicht gerade gar nicht so mitbekommen hat, weil vielleicht war er im Urlaub oder sonst wo. Das heißt, das Team intern ist immer up to date. Was machen die anderen gerade? Welche Tickets werden gerade bearbeitet? Yvonne Faoual: Okay. Dr. Lucien André Reuter: Probleme auf, braucht vielleicht ein Junior-Entwickler, ein Senior-Entwickler, der mal sagt, hier guck mal so und so kannst es machen oder wo braucht vielleicht mal ein Senior-Entwickler, ein Junior-Entwickler, der ihm einfach einen Berg von Tickets abnimmt, weil er die eigentlich schon erledigen kann und der Senior gerade untergeht, weil er strategische Entscheidungen treffen müsste, also Programm strategische Entscheidungen treffen müsste. Nur so als konkretes Beispiel aus der Softwareentwicklung. Das heißt... Bei den Ritualen können wir verschiedene Wege gehen. können Dailies machen, können Sprachräume machen, wir Fehlerbesprechungen ohne Schulzuweisungen einführen, wir Feedback-Räume extra uns wahrnehmen als geschützt Umgebung, wo man einfach weiß, hier, ist ein Raum, der nicht der Standardraum ist. Man kennt es, ist zwar ein bisschen gemein, aber ich vergleiche sehr, viel von der Kindererziehung gerade mit meinem Sohn, mit der Hundererziehung, weil ich finde, gibt es unglaubliche Parallelen und ich habe halt zuerst einen Hund gehabt und dann ein Kind, wird es bei mir vermutlich andersrum mit der Verbindung. Man weiß in der Hundeschule, dass wenn du im Hundetraining bist auf dem Übungsplatz, klappen bestimmte Sachen hervorragend, wie zum Beispiel ein Apportier und du gehst mit ihm nach Hause, es klappt nicht mehr. Du gehst mit ihm aufs Zelt, es klappt auch nicht, weil du eine Verbindung zwischen dem Ort Yvonne Faoual: Ja. Dr. Lucien André Reuter: und dem Lernen gemacht hast. Also man kennt es auch vielleicht als Student, wenn er in der Bibliothek gehockt hat und gelernt hat, hat es funktioniert und in der Klausur war es weg oder zu Hause. Oder wenn du immer beim Lernen Kaugummi kaust und in der Klausur auch Kaugummi kaust, kann das dir helfen, diesem Wissen wieder ranzukommen. Yvonne Faoual: Ja, psychologische Anker. Dr. Lucien André Reuter: Ja, da bist du die Expertin, da kannst du sicherlich mehr dazu sagen als ich. Gibt es denn dazu, was du psychologisch ankannst, was du gerade noch ergänzen kannst oder wie das funktioniert? Vielleicht ganz kurz angerissen. Yvonne Faoual: Hahaha! Aber ich... Ja. Also psychologische Anker sind ja meiner Meinung nach immer, da muss ja jeder für sich seinen eigenen finden. Das ist ja wie mit den Ritualen letztendlich auch. Was mir aber jetzt andere, ich wollte dich gerade noch bisschen unterbrechen, weil du gerade gesagt hast, ja mit den Orten. Was ich immer auch sehr gut finde, ist den Mitarbeitern selber den Raum zu geben, ohne Führungskraft. Also wirklich auch Mitarbeitern den Raum zu geben, sich über ihre Ängste auszutauschen, ohne dass die Führungskraft dabei ist. Das finde ich immer super wichtig, weil wir Menschen sind hierarchisch erzogen. Wir denken in Hierarchien und wenn eine höher gestellte Person dabei ist, auch wenn sie, selbst wenn es unser bester Kumpel ist, wir antworten trotzdem nicht ehrlich und nicht auf Augenhöhe. Und in dem Moment, wo ich in derselben Hierarchiestufe bin, Dr. Lucien André Reuter: Ja. Yvonne Faoual: kann ich natürlich auch mit ganz anderen Themen sprechen, dass ich Angst haben muss, also unser Unterbewusstsein steuert das ja automatisch, ohne dass ich Angst haben muss, mir im Nachgang irgendwas passiert oder schief ausgelegt wird oder irgendwann in meiner Leistungsbewertung oder wo auch immer mit drin ist. da kann man zum Beispiel genau in solchen Räumen oder auch in Feedbackräumen oder in Workshops, whatever, kann man für sich selber psychologische Anker basteln. Dr. Lucien André Reuter: Ja. Yvonne Faoual: Also man kann beispielsweise, was ich, also ich bin ja auch Aromatherapeutin, was ich zum Beispiel mega genial finde, ist, wenn du dir einen bestimmten Duft, bestimmtes Öl oder irgendein Geruch beispielsweise auf deinem Schreibtisch stehen hast. Also Gerüche können unfassbare, tolle psychologische Anker sein, ⁓ mich wieder sicher zu fühlen, ⁓ mich wohl zu fühlen. Weil dieser Geruch mich beispielsweise an Urlaub erinnert, weil mich dieser Geruch beispielsweise an meine Kindheit erinnert. Irgendwas, wo ich mal Sicherheit gespürt habe. Dr. Lucien André Reuter: Mhm. Ja. Yvonne Faoual: Das sind zum Beispiel auch so kleine Anker oder, keine Ahnung, irgendein Mitbringsel aus dem Urlaub, was du auf dem Schreibtisch stehen hast. Also alles Dinge, die dich einfach wohlfühlen lassen, kannst du natürlich auch mit ins Unternehmen bringen. Und du kannst natürlich auch Dinge aus dem Unternehmen, die dich wohlfühlen lassen und sicher fühlen lassen, als Anker nutzen. Und sei es nur die beliebte Kaffeetasse, die da jeden Morgen rüber zur Kaffeemaschine wandert, bevor der Rechner überhaupt gestartet wird. Dr. Lucien André Reuter: Hm? Yvonne Faoual: Oder die Kaffeemaschine selber. die Kaffeemaschinen im Büro sind ja sowieso die größten, besten, psychologischen Anchor ever. Also wenn ein Gespräch geführt wird, dann ist es an der Kaffeemaschine. Oder in der Kaffeeküche. Dr. Lucien André Reuter: Das ist ganz häufig so, ja das stimmt. Ich fand die, der Punkt mit dem Raum ohne Führungskraft sehr spannend, weil mir direkt genügend Führungskräfte von meinen Kunden eingefallen sind, die das niemals durchführen würden, weil denen selbst der Arsch auf Grundeis geht, wenn sie nicht mitbekommen, was ihre Mitarbeiter gerade über die sprechen. Also die hätten direkt Vertrauensprobleme, Verlustängste, nicht einbezogen zu werden, nicht die Kontrolle darüber zu haben, was ihre Mitarbeiter da untereinander vielleicht reden, vielleicht bauschen die sich ja gegenseitig auf oder erfinden in der Panik, weil sie nur Teilinformationen haben, ganz neue Szenarien, die gar nicht stimmen. Wie wird es... Yvonne Faoual: Aber das machen die ja so oder so. Das kannst du ja als Führung... Ja, sorry, aber ich meine, wenn du so ein Team hast und diese Möglichkeiten nicht genutzt werden, dann machen die Teams das ja sowieso. Also das ist ja auch Aufgabe der Führungskraft, zu sorgen, nicht... Also als Führungskraft wirst du ja ⁓ nie gemocht. Das ist ja auch mal was Wichtiges. Also, anders gesagt, du wirst gemocht, aber es ist nicht dein Job, gemocht zu werden. So. Dr. Lucien André Reuter: Ja. Damit gehe ich alter Kurier. Yvonne Faoual: Ich muss es ihm so rum sagen. Das heißt, du musst als Führungskraft ja auch eine gewisse Kompetenz haben. musst als Führungskraft ja auch gewisse Befugnis haben. Am Ende des Tages entscheidest du als Führungskraft den nächsten Schritt und nicht deine Mitarbeiter. Also wenn es darum geht Verantwortung zu tragen, Budget zu verwalten, whatever, mit Kosten, Konsequenzen, am Ende des Tages trägst du als Führungskraft die Konsequenzen. Das heißt, es ist schön, wenn man dich mag und wenn alle schön kuschelig miteinander unterwegs sind, aber das ist nicht der Job einer Führungskraft, sich darum zu kümmern, dass sie gemocht wird. Und wenn ich als Führungskraft meinen Mitarbeitern nicht diesen Raum gebe, tatsächlich auch mal einen Frust über mich als Führungskraft loslassen zu können bei einem anderen Mitarbeiter, dann ... lassen sie den sowieso irgendwann los, nur ist es dann auch eine unschöne Art und so kann ich aber den Mitarbeitern den Raum geben. Und einfach sagen, hey, okay, passt auf, Montagvormittag euer Meeting ohne mich. Keine Ahnung. Für eine Stunde euer Meeting ohne mich. Und was ich damit als Führungskraft meiner Meinung nach auch widerspiegelt, ist ja, hey, ich habe Vertrauen zu euch. Ich habe Vertrauen zu euch, dass ihr das ganze Thema wuppt. Ich habe Vertrauen zu euch, dass ihr euch einig werdet und Ihr könnt ja tatsächlich wirklich auch hergehen und sagen, wo ist unsere Führungskraft, wir brauchen sie, dann holt mich dazu. Ganz einfach. Also das Angebot trotzdem da zu sein, einfach hinzustellen, aber auch wirklich zu sagen, okay, hier, ich geb euch den Raum und wir reden jetzt hier nicht von Dingen im Sinne von, ey, ich geb euch den Raum zum Lästern, ja, kotzt euch jetzt mal eine Stunde auf, weil das machen die nach Feierabend. Wenn es so ist, dann gehen die raus, gehen ihr Bierchen trinken oder ihren Wein. Dr. Lucien André Reuter: Ja. Ja. oder an der Currymaschine. Yvonne Faoual: Und genau machen das nach Feierabend oder in der Kaffeeküche. Das ist egal, aber es geht ja wirklich auch darum, den Mitarbeitern zu zeigen, hey, ich vertraue euch. Und das ist ja für mich auch ein Stück weit zu sagen, okay, hier, ich habe die Sicherheit. Ich darf mich hier in diesem Umfeld sicher fühlen, weil ich einfach mich ausprobieren darf. Also da sind wir auch bei dem Thema Fehlerkultur. Wie gehe ich als Führungskraft mit Fehlern ⁓ Auch ein ganz großes Thema zum Thema psychologische Sicherheit. Dr. Lucien André Reuter: Ja. Dann haben wir jetzt schon mal eine ganz konkrete Handlungsmöglichkeit für Führungskräfte, die das vielleicht noch gar nicht in dem Maße nutzen oder vielleicht mal genutzt haben, dann wieder vergessen haben. Ich würde ganz gerne noch mal ein bisschen auf die Thematik KI als ein Beispiel eingehen. Und da wäre für mich eine der Möglichkeiten, die ich in Teams ganz gerne tue, gerade wenn ich als Externer reingehe, mal wirklich sagen Damen und Herren, Butter an die Fische. Wer nutzt aktuell KI und wofür? Das hat dann meistens oder hat für mich erstmal den Ziel zu erkennen, wie die Sicherheit sich im Unternehmen anfühlt. traut sich den Mund aufzumachen? Weil ich erfahre es über die IT-Erteilung sowieso anhand der Protokolle, was für Daten wohin rausgeschickt werden, welche Webseiten aufgerufen werden. Das heißt, darf man nicht. Yvonne Faoual: Möb. Möb. In großen Unternehmen hast du da ein Thema mit sowas. Dr. Lucien André Reuter: Hast du sicherlich ein Thema? Begebe ich dir absolut recht. Auf der anderen Seite darfst nicht vergessen, dass das Unternehmen dafür haftet. Das heißt, Unternehmen, die IT-Abteilung, verwaltet natürlich welche Daten raus und rein in ein Unternehmen, ⁓ welche Seiten aufgerufen werden, gerade in den geschäftlichen Geräten. Das darf man nicht verwechseln mit einer Überwachung der Mitarbeiter, wo es darum geht, den Mitarbeiter zu transallieren oder zu überwachen. Aber das Unternehmen hat die Pflicht, dafür zu sorgen, dass die Kundendaten auch beim Unternehmen bleiben, gerade im Zeitall von DSGVO. Yvonne Faoual: Ja, natürlich. Absolut. Dr. Lucien André Reuter: und niss und sonstigen. Also ist sicherlich berechtigt. Dein Gedanke ist aber auch wieder ein Punkt, wo die Unternehmen erstmal in der Pflicht stehen. Also ist es schon wirklich wichtig, von den Mitarbeitern die Information zuzubegeben. Trauen sie sich überhaupt darüber zu sprechen? Was passiert wirklich? Was man natürlich nicht herausfindet, ist, wenn die Leute ihren privaten Laptop noch mitbringen oder auf dem Handy dann JGPD benutzen und dann rüber tippen. Yvonne Faoual: Ja, guter Hinweis. Dr. Lucien André Reuter: Aber das kriege ich spätestens in den ein, zwei Wochen mit, wo ich den Leuten über die Schulter gucke, wenn auf einmal die Leistungen ganz anders sind von den Leuten oder das Textschreiben ganz anders wird oder einfach die Leute dann im persönlichen Gespräch dann doch rauskommen und sagen, ich wollte es vorher nicht sagen, aber ich benutze das schon ab und zu mal JGPT, ich achte zwar darauf, dass ich keine Firmendaten eingebe, etc. Das ist für mich dann immer ein guter Punkt, weil dann kann ich nachfragen, warum benutze ich einen JGPT? Ja, zum Vorformulieren von Texten. Das ist doch genial, das ist doch ein super Use-Case, den können wir doch auch gesichert mit einer Unpressung Yvonne Faoual: Mhm. Dr. Lucien André Reuter: oder mit, keine Ahnung, entsprechenden angepassten KI-Bot in unserem Unternehmen, der halt dafür sorgt, dass selbst wenn man mal aus Versehen beim Copying und Pasting einen Kundenamen mit rein nimmt, dass der rausgelöscht wird automatisch. Yvonne Faoual: Und was ich in diesem Kontext auch sehr stark finde, ist, dass es ja immer wieder Mitarbeiter gibt, die sehr schnell in solchen Themen unterwegs sind und das auch nutzen und andere so gar nicht, weil sie Angst davor haben. Und ich als Führungskraft kann jetzt natürlich die Mitarbeiter, die das nutzen oder gerade jetzt Co-Pilot, sich solche Agenten zu bauen, was ja auch mittlerweile wirklich easy ist. Ich kann diesen Mitarbeitern die Möglichkeit geben, andere Mitarbeiter zu schulen. Dr. Lucien André Reuter: Ja. Yvonne Faoual: Einfach in einem Meeting zu sagen, hey hier, passt mal auf, ich habe mir den und den Agenten gebaut. Der macht das gerade für mich, ja, beispielsweise, keine Ahnung, ich baue mir einen Agenten. Ihr sucht Dinge im Sharepoint hier, ihr könnt den Agenten von Copilot, jagt den da durch, das ist das, was ihr machen müsst, ja, und dann kann er euch alles zusammensuchen, keine Ahnung, beispielsweise, ich muss einen Kontext zusammenbringen von allen Betriebsvereinbarungen, wenn ich einen Betriebsrat beispielsweise habe, ja. Dr. Lucien André Reuter: Auf jeden Fall. Mhm. Yvonne Faoual: Dann sagst du, welche Betriebsvereinbarung haben wir denn überhaupt? Was sind denn da so die Kernpunkte? Dann kannst du denen zeigen, okay, mit so einem KI-Port, mit so einem Agenten kannst du dir das Ding viel leichter die Arbeit erleichtern. Ich kann Mitarbeiter dazu motivieren, anderen Mitarbeitern das zu zeigen. Und somit nehme ich auch wieder Ängste raus, dass ich eben KI nutzen nicht nutzen darf oder ich KI nutzen sollte, wie auch immer. Dr. Lucien André Reuter: Ja, das ist so ein bisschen das Prinzip des Digital Champions, was man so gerne sagt, dass sich bestimmte Mitarbeiter sich freiwillig oder auf Anfrage sowieso fortbilden in neuen Bereichen und man das dann einfach nutzt, den Leuten Zeit und Raum gibt, sich selbst weiterzubilden zum einen, Fuß auf Konzept zu entwerfen, auf der anderen Seite dann aber das Wissen nicht als Silo behandeln, sondern den anderen Mitarbeitern in der gleichen, in anderen Abteilungen zur Verfügung stellen und da teilweise ganz neue Jobs auch mit entstehen. Das muss man auch mal so Yvonne Faoual: Ja. Dr. Lucien André Reuter: ⁓ Es ist ja nicht so, dass KI uns nur Jobs wegnimmt. Gerade solche Jobs entstehen ja genau dadurch, dass es jemanden der sowas orchestriert, zentral verwaltet. Es muss ja auch, das hat mir in letzten Folgen auch gegeben, jemand, der die Leitplanken erstellt. Wie darf denn so ein Agent Unterlagen auslesen? Welche Unterlagen dürfen denn überhaupt ausgelesen werden? Wie stelle ich sicher, dass er nicht andere Sachen auslässt? Wo landen die ausgelesenen Informationen? Wie stelle ich sicher, dass wenn einer in einem Chat sagt, bitte schick mir mal alle Yvonne Faoual: Ja. Dr. Lucien André Reuter: PDF-Dokumente zum Betriebsrat, dass der aber nur die Dokumente sieht, die öffentlich sind und nicht die internen des Betriebsrates auf einmal auslesen kann. Also das ist auch immer wieder ein ganz ganz wichtiger Punkt in dem Kontext. Yvonne Faoual: Ja. Absolut. Dr. Lucien André Reuter: So, jetzt sind wir ein bisschen in meinem Skript gesprungen. Das heißt, muss gerade mal wieder gucken, wo wir waren, technisch. hatten, Führungskräfte haben Angst, dass Chaos entsteht, wenn ich den Leuten... genügend Raum gebe. Wir wissen aber aus unseren letzten Folgen, aber auch aus unseren eigenen Erfahrungen, dass es eigentlich immer das Gegenteil ist, wenn ich den Leuten Raum gebe, reduziert das die Unsicherheit, weil man einfach ins Gespräch kommt, weil man ausprobiert, weil man zusammen was macht, was produziert, was herstellt. Yvonne Faoual: Ja. Und weil die Mitarbeiter, also gerade wenn es ⁓ Unsicherheiten geht, merken, hey, ich bin nicht der Einzige im Team, dem es gerade so geht. Weil in dem Moment, wo die Führungskraft im Raum ist, würdest du dich ja seltenst äußern oder outen und sagen, hey, ich fühle mich nicht wohl bei der Sache. Wenn, dann ist es vielleicht einer, aber es würden nicht alle machen. Und dann im Team selber ohne Führungskraft outen sich die Leute auch viel, schneller und stellen dann fest, Ich bin gar nicht allein mit dieser ganzen Geschichte. Und das Team trägt dann das Team. Dr. Lucien André Reuter: muss ich so zustimmen, ja, richtig. Dann hatten wir das Thema Sprache. haben gemerkt, dass Sprache oder wir haben es kurz angestellt, dass Sprache ein wunderbarer Hebel ist. Das kann ja schon mit anfangen, anstatt beim Mitarbeiter zu fragen, ist das Ergebnis gut? Also bist du zufrieden mit deiner Leistung? Lieber mal fragen, wo warst du denn unsicher? Oder was würdest du jetzt im Nachgang anders machen? Oder Yvonne Faoual: Mhm. Dr. Lucien André Reuter: Was verstehst du noch nicht? Es kann ja sein, dass mein Mitarbeiter am Ende die Aufgabe erfüllt hat, aber immer noch Fragen im Gehirn hat. Wenn er unsicher ist, wird er das niemals sagen, weil das würde ja sagen, er hat schlechte Arbeit gemacht. Was totaler Quatsch ist, nur wenn er fragt, kann man vielleicht noch mal ins Gespräch gehen, gucken, wo er Unterstützung bekommt, vielleicht braucht er noch eine Schulung, vielleicht kann der Kollege ihm noch mal was erklären, vielleicht kann ich als Führungskraft ihm noch mal was erklären, wenn es was mit dem Prozess zu tun hat oder vielleicht auch als fachliche Führung, wenn es fachlich was zu tun hat. Und das sorgt ja dafür, dass er beim nächsten Mal die Aufgabe besser erfüllen kann oder auch Transferleistung bringen kann, wenn es ähnliche oder andere Aufgaben sind. Also das... Yvonne Faoual: Es ist ja auch die Aufgabe der Führungskraft, zu sorgen, einen Mitarbeiter weiterzuentwickeln. Und das kann ich nicht, wenn ich nicht diese Fragen stelle. Das ist im Übrigen eine Führungsaufgabe, die von den wenigsten Führungskräften gemacht wird. Mitarbeiter weiterentwickeln. Dr. Lucien André Reuter: Ich finde, ist ein Kern der ganzen Gesprächskultur eigentlich von Führungskräften. Nur wenn du dir richtigen Fragen stellst, richtig zuhörst vor allem auch, kannst du Leute auf ihrem Weg sinnig begleiten. Unter anderem auch, was du vorhin angesprochen hast, dafür sorgen, dass Fachkräfte vielleicht auch lieber Fachkräfte bleiben, wenn sie das wollen und nicht das Gefühl haben, sie müssen jetzt eine Führungskraft werden, nur ⁓ mehr Geld zu verdienen. Das kann man ja auch. Also ich kenne genügend Firmen, die die Fachkraft deutlich Yvonne Faoual: Ja, sollte es sein. Ja. mehr. Dr. Lucien André Reuter: mehr als die Führungskraft. Also gerade wenn ich so an Softwareentwicklungen in Amerika denke, ja, da hat ein Softwareentwickler ein paar Hunderttausend Dollar Gehälter mitunter, wenn er gut ist und die Führungskraft ist irgendwo bei 100.000 vielleicht. Ja, wie nach dem Kontext. Sind überall Spielrahmen drin. Aber das ist vielleicht auch immer ein Punkt, man einfach mit anbringen kann. Gesprächskultur ändert sich anhand wie spreche ich und welche Möglichkeiten gebe ich. Dann Wir hatten den Umgang mit Fehlern. Fehlermachen sind erlaubt, ist sogar gut, weil nur wenn wir Fehler machen, lernen wir daraus. Was aber nicht gut ist, ist nicht darüber zu sprechen. Das heißt, wenn ich einen Fehler nur für mich alleine mache, weil ich Angst habe, dass es negativ aufgenommen ist das Wissen nur bei mir gebündelt, aber nicht dem Unternehmen zur Verfügung gestellt. Das heißt, eine Führungskraft muss sich dafür einsetzen, dass die Fehler, die entstehen, behandelt werden. Yvonne Faoual: Mhm. Dr. Lucien André Reuter: gelobt werden auch mal und dann verarbeitet werden. Yvonne Faoual: Ich sag immer, nimm das Wort Fehler, schüttel es einmal durch und dann kommt das Wort Helfer raus. Dr. Lucien André Reuter: Ja. Yvonne Faoual: Man muss ja auch immer berücksichtigen, warum entstehen denn Fehler? Fehler entstehen ja in der Regel aus Unwissenheit. Kein Mensch macht ja absichtlich Fehler. Das wäre ja vorsätzlich so. Und Fehler entstehen ja in der Regel aus Unwissenheit. Fehler entstehen, weil nicht klar kommuniziert worden ist. Fehler entstehen, weil nicht klare Erwartungshaltungen kommuniziert worden sind. Fehler entstehen, weil Mitarbeiter nicht zu 100 % abgeholt worden sind. Das sind Gründe, warum Fehler entstehen. Natürlich gibt es auch Fehler, aufgrund von Unnachsichtigkeit oder Übermüdung oder was auch immer, aber im Großen und Ganzen entstehen ja Fehler wirklich in der Regel aufgrund von Kommunikationsschwierigkeiten. Nicht klar kommunizieren, dem Mitarbeiter ist nicht klar gesagt worden, was eigentlich erwartet worden ist. Ich kenne das ja selber aus meiner früheren Tätigkeit in den Unternehmen. Du kriegst einen Report auf den Tisch und dann heißt es, oder eine Anfrage von wegen, wir brauchen da ein die und die Zahlen. Ja, für wen, warum, wieso, weshalb. Und dann machst du halt irgendwas fertig und dann heißt es ja, aber das ist nicht das, was wir gebraucht haben. Weil es nicht klar kommuniziert worden ist. Anderesrum ist natürlich auch der Mitarbeiter in Pflicht, danach zu fragen. Und das ist immer was, wo sich Menschen nicht trauen, zu fragen, für wen ist es und warum machen wir das? Weil manchmal kann auch da eine Führungskraft geführt werden. Auch Mitarbeiter dürfen ihre Führungskraft führen, indem sie einfach mal hinterfragen, wofür brauchen wir das denn? Und dann kann es gut möglich sein, dass die Mitarbeiter ⁓ die Ecke kommen und sagen, du, pass mal auf, das brauchen wir gar nicht, weil wir haben das und das ist schon fertig. Das hab ich dich wieder rausgebracht, Dr. Lucien André Reuter: Ich hatte gerade einen Gedanken, den ich super gut fand und den ich damit einschmeißen wollte, aber ich suche ihn gerade, ich finde ihn nicht mehr. Das war irgendwas, ich zu dem ersten Teil von dem, was du gesagt hast, sagen wollte, weil ich dachte, es passt sehr gut. Yvonne Faoual: Ich hab das mit dem Fehler, wenn du das Wort Fehler nimmst und schüttelst, dann kommt der Helfer raus. Und warum Fehler entstehen? war also, woraus entstehen, warum entstehen denn Fehler überhaupt? Dr. Lucien André Reuter: Ja und danach? Was hast du danach noch gesagt? Yvonne Faoual: Danach habe ich aufgezählt, warum Fehler entstehen. Dr. Lucien André Reuter: Ach genau, das ist der Punkt. Wenn man über Fehler spricht, beziehungsweise dort ist ja gesagt, dass wenn man dann übermüdet ist und dann passiert halt mal ein Fehler. Das finde ich ein ganz guter Punkt, weil als Führungskraft kann man jetzt natürlich auf der einen Seite hinnehmen, okay, der war müde. Der hat halt mal geschustelt, alles gut, passiert, easy peasy. Oder wenn es halt was Dramatisches war, halt nochmal zur Rede stellen und sagen, hier soll nicht wieder vorkommen. Viel spannender finde ich dann aber wieder das Thema Zuhören. Warum war die Person denn müde? Vielleicht sitzt die gerade in drei Projekten parallel, weil das irgendwie untergegangen ist und die braucht eigentlich eine Entlastung. Oder es ist ein familiärer Notfall gewesen und die könnte man Urlaub haben. Oder die letzten zwei Urlaube wurden abgelehnt, weil warum auch immer, wir sind seit fünf Monaten landunter. Also ich finde da immer den Kontext unglaublich wichtig als Führungskraft im Hinterkopf zu haben oder zu erfragen. Und nach meiner Erfahrung, wenn man das ein bisschen macht und dann auch einfach mal fragt, ja, was ist Yvonne Faoual: Hmpf Ja. Dr. Lucien André Reuter: Da passiert ja, ich war müde. Und dann nicht einfach darauf beruhen lässt, dass er müde war, sondern fragen, ey, was ist denn gerade los? Warum bist du denn so müde? kann ja auch sein, dass du einfach durchgezecht hast. Dann passiert das ja, weil vielleicht ist er rund ⁓ Geburtstag gewesen, whatever. Ja, oder kann ja immer mal auch. Alle unsere Mitarbeiter haben Privatleben. Ist so, soll so sein und ist auch wichtig so. Aber manchmal hat es auch einen guten Grund. Und wenn man mit dem umgehen kann. Yvonne Faoual: Ja. Haha! Dr. Lucien André Reuter: kriegt man einfach ein unglaubliches Vertrauen auch zu den Mitarbeitern. Und Vertrauen ist ein Schlüssel in der Kooperation. Yvonne Faoual: Ja. Definitiv. Dr. Lucien André Reuter: So dann würde ich sagen, kommen wir, wenn du nichts Großes noch dazu zu sagen hast, langsam Richtung Ende. Das heißt unser übliches Mini-Impuls würde jetzt kommen. Gibt es etwas, was du unseren Zuhörern, unsere Führungskräfte heute mitgeben wollen würdest, wenn es nur ein zwei Sätze sind. Yvonne Faoual: Psychologische Sicherheit ist absolut kein Nice-to-have, sondern das Betriebssystem für Innovationen. Dr. Lucien André Reuter: Das finde ich gut. Das hast du dir aber gut überlegt. Spontan wie immer. Tja, Kai nice to have ist ein gutes Stichwort, ist die Grundlage für das Lernen, die Grundlage für Zusammenarbeit, Grundlage für unsere sinnvolle KI-Nutzung und letztendlich der Hebel, warum unsere Arbeit sich verändern kann. Yvonne Faoual: Nein. Dr. Lucien André Reuter: mit der Technologie zusammen sich verändert. ja, warum können wir wachsen? Wir können wachsen, wenn wir Sicherheit haben oder so viel Sicherheit haben, wie es nun mal gerade möglich ist in unsicheren Zeiten. Damit würde ich mich herzlich bedanken fürs Zuhören, Yvonne für deine Impulse und kann noch dazu sagen, dass wir uns in der nächsten Folge Yvonne Faoual: Sehr gerne. Dr. Lucien André Reuter: ⁓ das Thema, was wie so oft oft unterschätzt wird, nämlich Selbstführung beschäftigen wollen. Was bedeutet Selbstführung überhaupt und wieso ist das für mich als Führungskraft wichtig? Was darf ich nicht vernachlässigen, wenn ich eine Führungskraft sein möchte und andere Leute anleiten möchte, zu ja weiterbilden möchte, zu neuen Höhen befähigen möchte? Denn... Yvonne Faoual: Das ist super. Hmpf Dr. Lucien André Reuter: Bevor wir Sicherheit in einem Team schaffen können, wir lernen mit unserer eigenen Unsicherheit umzugehen. Denn ohne Sicherheit trauen Menden sich nicht zu experimentieren und ohne Experimente keine Innovation. Vielen Dank fürs Zuhören und bis zur nächsten Woche. Ciao! Yvonne Faoual: dann