Latest / Rambo Zambo – Der Merz-Podcast / Merz und die Töchter
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- Als Kanzler muss man sich erklären und darf nicht auf die Töchter verweisen. Er hat sowieso keine guten Umfragewerte bei Frauen und bei jungen Frauen. Wir haben diese Bundestagswahl 2025 gewonnen. Jetzt darf auch mal Rambo Zambo im Adler aus. Das ist Rambo Zambo, der März-Podcast. Das Format, das ihr vielleicht nie wolltet, aber jetzt braucht. Mit euren Hosts Carlotta Richter und Julia Emmerich. Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Rambo Zambo, dem Podcast, in dem wir immer einmal in der Woche über die Bundesregierung und vor allen Dingen unseren Bundeskanzler Friedrich Merz sprechen. Heute wieder mit mir, Carlotta, und mir gegenüber sitzt zum Glück auch Julia. Julia, was denkst du, dieses Wochenende wird Friedrich Merz sagen. Das war eine gute Woche oder, boah, es lief echt gar nicht gut? Weder noch wahrscheinlich. Ich kann mir vorstellen, dass er seine Wanderschuhe anzieht und erstmal ein paar Kilometer durch Sauerland läuft, beziehungsweise sich aufs Fahrrad schwingt und irgendwie den Brass, den er wahrscheinlich angesammelt hat, mal abtrainiert. Denn es war, glaube ich, für Friedrich Merz eine sehr anstrengende Woche. Gar nicht, weil er jetzt wahnsinnig rumgeflogen ist oder sonst was gemacht hat. Er war nur in Europa unterwegs, dazu gleich mehr, sondern weil er, glaube ich, etwas getan hat, was er nicht gerne tut. Nämlich im Grunde sichtbar zu machen, dass er sich an ein paar Punkten vergaloppiert hat. Lass uns vielleicht erstmal kurz auf die wichtigsten Ereignisse dieser Woche gucken. Jetzt gerade ist Friedrich Merz in Brüssel, denn es beginnt der EU-Gipfel. Genau, es ist jetzt Donnerstag, wir nehmen am Vormittag auf, die EU-Staats- und Regierungschefs kommen zusammen. Am Anfang dieser Woche dachten wir noch, dass es möglicherweise in Kürze schon ein neues Treffen zwischen Donald Trump und Wladimir Putin gibt, bei dem Versuch eine Perspektive für die Ukraine zu finden. Das ist nun in weite Ferne gerückt, wenn nicht sogar komplett abgesagt. Das weiß man bei Trump ja nie. Aber im Moment sehen die Zeichen nicht mehr auf einem baldigen Treffen. Die EU-Regierungschefs wollten natürlich dieses Treffen auch ein Stück weit mit vorbereiten. Jetzt ist es aber so, dass sich alle auch nach diesem abgesagten Treffen darauf vorbereiten, dass der Krieg noch sehr lange gehen wird. Und die Frage ist, wie kann man die Ukraine so munitionieren in jeder Hinsicht, dass sie das noch lange durchhält. Und bei diesem EU-Gipfel geht es jetzt vor allem um die Frage, wie kann man sie auch finanziell unterstützen. Und da geht es darum, ganz am Ende russisches Geld für die Verteidigung der Ukraine zu aktivieren. Das ist der Schwerpunkt heute. Dann gibt es ein Datum, auf das Friedrich Merz sich sehr wahrscheinlich freut. Keine Ahnung. Er wird nämlich am 11. November 70 Jahre alt und eine Person wird schon mal nicht da sein, um mit ihm zu feiern. Ja, das ist Angela Merkel, wobei es da auch ein bisschen Verwirrung gab in dieser Woche um die Frage, hat er sie überhaupt eingeladen oder ist das Tischtuch zwischen den beiden so zerschnitten, dass er sie auf gar keinen Fall bei der Party haben will? Ja. Die Party findet auf Einladung der Unionsfraktion im Bundestag statt. Tatsächlich auch im Gebäude des Reichstags, also auf der Präsidialebene, wird gefeiert. Rund 300 Gäste sind eingeladen. Es kommen auch die Fraktionsspitzen der Grünen und der SPD. Ein paar Ministerpräsidenten werden wahrscheinlich da sein. Und auf der Einladungsliste formal standen natürlich auch alle ehemaligen Fraktionschefs. Diese Party wird ja formal dem ehemaligen Fraktionschef Friedrich Merz ausgerichtet. Und deshalb ist auch Angela Merkel grundsätzlich auf der Liste. Aber wir haben schon gehört, die Einladung ist zwar rausgegangen, aber sie wird nicht dabei sein. Sie hat sich entschuldigt, sie ist im Ausland. Und ich glaube auch, das tut beiden gut, denn das Verhältnis ist wirklich schwierig geworden wieder, nachdem es zwischendurch mal ein bisschen besser war. Und dann war Merz nicht nur in Europa unterwegs, sondern auch ein bisschen im Land, in mehreren Bundesländern bei Antrittsbesuchen. Genau, das macht er jetzt. Nach ein paar Monaten nimmt er sich jetzt praktisch jede Woche so ein Bundesland vor. Also ich glaube, er hat inzwischen sieben von den 16 Bundesländern bereist. Er war natürlich bei sich zu Hause in NRW. Er war in Brandenburg letzte Woche und in dieser Woche in Baden-Württemberg. Und wie, glaube ich, inzwischen jeder in diesem Land mitgekriegt hat, ist ihm in Brandenburg die Stadtbildgeschichte. Was soll ich sagen? Passiert? Wir wissen es nicht. Wir wissen es nicht. Und dieses große Wir wissen es nicht hat ihn eben verfolgt und hat ihn dann eben auch bis zu seinem Antrittsbesuch in Baden-Württemberg verfolgt. Und damit würde ich sagen, sind wir bei dem Thema, was auf der Hand liegt, worüber wir diese Woche unbedingt nochmal sprechen müssen. Das hat die Woche dominiert. Ich glaube, man muss es so sagen. Überall wurde darüber diskutiert, was auf der Hand liegt. Hat Friedrich Merz mit dieser Stadtbild-Aussage gemeint? Was hat er damit ausgelöst? Es hat auf jeden Fall diese Woche die Schlagzeilen dominiert. Definitiv. Und du sagst es, genau diese große Frage, was konkret hat er gemeint, war Teil des Problems und Teil der Debatte. Weil natürlich ganz viele gesagt haben, der Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland kann nicht einfach sowas hinwerfen, er muss sich erklären. Das Problem wurde dadurch größer, dass Merz mehrmals Gelegenheiten gehabt hätte, sich zu erklären. Er ist auch immer wieder gefragt worden, am Montag nach der Präsidiumsklausur, dann auch in Baden-Württemberg. Und dann hat er immer gesagt, nee, dazu ist alles gesagt. Oder aber er hat auf die Töchter verwiesen, die man doch bitte fragen solle. Also er hat entweder selber ziemlich pampig reagiert und gesagt, dazu ist alles gesagt. Das sei auch deutlich erklärt worden. Oder man sollte eben andere fragen, die das angeblich für ihn besser oder überhaupt konkret erklären könnten. Und das hat natürlich viele... Unabhängig davon, wie sie konkret zu dem stehen würden, was er vielleicht erklären möge, schon irritiert. Und das ist, glaube ich, auch bei allen als extrem ungewöhnlich und einfach auch unpassend für einen Bundeskanzler aufgenommen worden. Erklär dich, Friedrich Merz, war das große Signal, was eigentlich aus jeder Richtung am Ende kam. Was meinst du denn, warum hat er zumindest in den ersten Tagen, als diese Debatte schon ziemlich groß war, nicht selbst das Gefühl gehabt, er müsse sich jetzt erklären, sondern eher ja so abwehrend reagiert? Und man muss ja auch sagen, mit dieser zweiten Äußerung, mit diesem Satz Fragen Sie Ihre Töchter, den er ja dann bei der Pressekonferenz nach der CDU-Präsidiumsklausur gesagt hat, hat er die Debatte ja nochmal sehr viel weiter angefeuert. Er hat ja eigentlich nochmal irgendwie Kohle ins Feuer geworfen. Warum, wie kannst du dir das erklären? Hat er erstmal so abwehrend reagiert? Er hätte die Debatte ja schon sehr viel früher einfangen können eigentlich. Also wenn ich es gut mit ihm meine, gebe ich folgende Antwort. Ich glaube, dass er dachte, die Leute wissen doch, was ich meine. Die Leute wissen doch, dass wenn ich das Thema Migration adressiere und wenn ich dann Stadtbild sage und dass wir da noch was tun müssen, dann meine ich, dass sich viele unsicher fühlen, dann meine ich, dass das mit Zuwanderung zu tun hat, dann meine ich, dass wir da mit mehr Maßnahmen für die innere Sicherheit, auch mit Abstimmung und so weiter etwas tun müssen. Wenn ich es nicht so gut mit ihm meine, lautet die Antwort so, ich lasse es mal im Wagen und jeder kann seine Sorgen, seine Ängste, seine Ressentiments, seine Fremdfeindlichkeit, all das da reingießen und fühlt sich irgendwie verstanden. Das Problem ist, dass es eine Melange war aus genau all diesen Dingen und das wurde immer größer und dagegen hat sich dann ja auch massiver Protest auch in den eigenen Reihen geäußert. Auch in den eigenen Reihen und auch soweit, dass gestern auch der Vizekanzler sich auch noch dazu geäußert hat, Lars Klingbeil, der auch gesagt hat, ich möchte in einem Land leben, bei dem nicht das Aussehen darüber entscheidet, ob man ins Stadtbild passt oder nicht. Und kurz danach hat Friedrich Merz sich dann nochmal geäußert. Ja, dann ist was passiert, was passiert. An sich schon sehr ungewöhnlich ist. März war gestern am Mittwoch in London. Internationaler Termin ging um die Westbalkanstaaten. Und das, was man eigentlich nicht macht, nämlich als Journalist den reisenden Kanzler auf einer Auslandsreise nach Innenpolitik zu fragen, genauso aber für den reisenden Kanzler im Ausland über innenpolitische Themen groß zu reden. Diese ungeschriebene Regel hat er mal einfach kurz beiseite gelegt und hat genau auf diesen Punkt, auf diese Debatte, also auf die Frage innere Sicherheit, Innenstädte, Stadtbild, Migration. Doch endlich, muss man sagen, etwas konkreter geantwortet. Und interessant war, dass er das ganze Statement, was er da abgegeben hat, versucht hat, natürlich trotzdem in einen europäischen Kontext einzuordnen. Das haben alle Länder das Problem, so wie auch Deutschland. Aber man merkte, er hat sich entschieden, ich nutze diese Gelegenheit jetzt und versuche mal ein paar Sachen klarzustellen. Ich betone das so mit diesem Versuchen, weil auch in diesen Sätzen ist für meinen Geschmack noch nicht wirklich restlos Klarheit entstanden. Aber ich will ihm zugutehalten, dass er eine Lernkurve hinter sich hat und dass er gesagt hat, ich kann das nicht weiter laufen lassen. Ich muss mich als Bundeskanzler erklären, ich muss vor allem konkret sagen, wen ich meine und genauso konkret, wen ich nicht meine mit meiner etwas Wagensorge um das Stadtbild. Genau, wir können es ja vielleicht nochmal kurz sagen. Merz hat gesagt, ja, wir brauchen auch in Zukunft Einwanderung. Das gilt für Deutschland wie für alle Länder der Europäischen Union. Wir brauchen sie auch und vor allem für unsere Arbeitsmärkte. Dann hat er weiter noch betont, schon heute seien Menschen mit Migrationshintergrund unverzichtbarer Bestandteil unseres Arbeitsmarktes. Wir können auf sie eben gar nicht mehr verzichten, ganz gleich, wo sie herkommen, welche Hautfarbe sie sind und ganz gleich, ob sie erst in erster, zweiter, dritter oder vierter Generation in Deutschland leben und arbeiten. Das ist ein ganz klares Signal an diejenigen Menschen, die aus Zuwanderungsfamilien kommen. Euch meine ich nicht pauschal. Ich glaube, das muss man ihm zugestehen, dass er ein Signal an alle richtet, die jetzt dachten, hübs, meint der mich, passe ich nicht ins Stadtbild. Ich meine, wenn man auf Social Media geguckt hat, gab es ja wunderbare, auch wunderbar humorvolle Posts, wo man sah, dass Menschen, die ganz offen war, aus Familien kommen, die nicht immer schon in Deutschland gelebt haben, sagten, Entschuldigung, meint der jetzt echt mich? Kann ja wohl nicht wahr sein. Also ich glaube, es war ein Signal in diese Richtung. Und ich glaube, es war auch ein Signal vor dem Hintergrund eines ganz bestimmten Datums, nämlich Anfang März nächsten Jahres wird in Baden-Württemberg gewählt, Landtagswahlen. Und Baden-Württemberg ist von den Flächenländern das Land, das mit am meisten Menschen mit Migrationshintergrund beherbergt. In Baden-Württemberg haben wir eine starke Automobilindustrie. Da gibt es seit Jahrzehnten Menschen, die dort wegen der guten Arbeit in Deutschland leben und arbeiten, vollkommen integriert sind. In diesem Land, glaube ich, war die Sorge besonders groß, wenn Friedrich Merz jetzt so pauschal andeutet oder zumindest nicht präzise bleibt, er hat Probleme mit Menschen mit Migrationshintergrund, dann geht diese Wahl nicht. Wirklich für die Union in ein ganz gefährliches Fahrwasser. Und deshalb hat auch der Spitzenkandidat der Union an einer Stelle nochmal ganz klar gesagt, darum kann es hier nicht gehen. Das sind Menschen, die hier hervorragend integriert sind. Das sind Menschen, die hier ein ganz bürgerliches Leben, dem wahr anzumerken, dass er seine Felle schwimmen sieht. So, jetzt entscheidet sich Friedrich Merz in London, diesen Menschen ein ganz klares Signal zu setzen, euch meine ich nicht, euch brauchen wir. Aber wenn man zwischen den Zeilen liest, merkt man oder ich finde, dass man merkt, dass Friedrich Merz davon weit herkommt, dass er sich bemühen muss, die Dinge so zu formulieren. Denn sagen wir mal so, Friedrich Merz kommt aus dem Sauerland. Das ist ein paar Kilometer entfernt vom Ruhrgebiet. Und das Ruhrgebiet ist der Melting Pot seit Jahrhunderten, kann man fast sagen. Aber vor allem ist er in den letzten Jahrzehnten deswegen stark gewesen, weil sehr, sehr viele Menschen aus der Türkei, aus Italien, aus Jugoslawien als Gastarbeiter dahin gekommen sind. Und dass er da noch sagt, dass es heute so ist. Ohne mal einen kurzen Schwenk dazu zu machen, dass das Wirtschaftswunder der Bundesrepublik, dass überhaupt unser Wohlstand an diesem Mensch liegt, das finde ich schon zumindest eine vertane Chance. Man hätte sagen können, nicht ihr seid uns willkommen oder ihr seid toll für unseren Arbeitsmarkt, sondern wir. Das sind wir. Ihr seid in diesem Wort eingemeindet. Nicht die und wir, sondern wir sind ein Einwanderungsland. Und ich gemeinde die Menschen aus Zuwandererfamilien auch sprachlich mal endlich ein. Das ist ihm fremd offenbar. Und das sieht man auch in diesem Statement. Ja, er hat einen Gegensatz aufgemacht zwischen die und wir. Und er hat auch nochmal diesen Gegensatz aufgemacht zwischen in Anführungszeichen guten Migranten und schlechten Migranten. Nämlich denjenigen, die arbeiten, die nützlich sind. Die sind willkommen und aber denjenigen, die nicht arbeiten. Und das finde ich zu einem Teil auch problematisch. Was ist mit Menschen, die hier sind, die aber einen Aufenthaltsstatus haben, die aber Krankheiten haben und gerade nicht arbeiten können, die Care-Arbeit leisten, sich um kleine Kinder kümmern oder um ältere Menschen kümmern, die posttraumatische Belastungsstörungen haben. All die hat er ja ausgeklammert. Er hat jetzt ja nur diejenigen angesprochen, die hier sind und die nützlich sind und die arbeiten und auf die wir in Deutschland angewiesen sind. Grundsätzlich ja, da hast du einen Punkt. Gleichzeitig würde ich ihn an der Stelle jetzt ein bisschen in Schutz nehmen wollen und sagen, er kann natürlich in so einem Statement, nochmal, wir sind in London, wir sind auf einem internationalen Format, kann natürlich jetzt nicht anfangen, sämtliche Gruppen zu adressieren. Natürlich kannst du sagen, er hätte vielleicht nach einer Formulierung suchen müssen, um präziser noch zu sagen. Wen er sozusagen sprachlich aussortiert, wer nicht in seinem Bild dazugehört, sondern also kriminelle Leute, die sich hier nicht an die Regeln halten. Das hat er getan, hat natürlich da mit diesem Schwerpunkt auf Arbeitsmarkt einen Fokus gesetzt. Ich würde sagen, lass uns. Uns mal seine Lernkurve sehen und anerkennen, dass er für jemanden, der sehr überzeugt von sich ist, der, glaube ich, ein sehr starkes Selbstbewusstsein hat für seine Position, dass da, wenn ich sage, eine 180 Grad Wende, aber dass der sich weit bewegt hat. Ich würde das mal anerkennen. Prinzipiell ja. Gleichzeitig, finde ich, hätte das deutlich früher passieren müssen. Ich finde, er hat viel zu lange gebraucht, bis er sich selbst dazu bewegt hat, Und das jetzt so doch wieder einzufangen und sich doch zu erklären. Und er hat es ja eben mit dieser ersten Äußerung, mit den Töchtern, hat er die Debatte ja noch viel krasser angeheizt. Und er hat es ja eigentlich noch viel schlimmer gemacht. Und er hat auch nochmal einen ganz neuen Aspekt aufgemacht, der es aber überhaupt nicht besser gemacht hat. Also diese Töchter damit reinzubringen und irgendwie dieses Bild zu bedienen von kriminellen Männern mit Migrationshintergrund, Und die unsere deutschen in Anführungszeichen Töchter bedrohen, das hätte viel, viel früher das sagen sollen, was er jetzt gesagt hat. Als da nochmal einen draufzulegen und noch weiter draufzuhauen. Aber ich finde es trotzdem sehr spannend, sich mal die Frage zu stellen, was hat ihn jetzt dazu bewegt, dass er es trotzdem gemacht hat? War dann am Ende der Druck einfach zu groß? Auch da wieder zwei Antworten. Der Druck ist definitiv gestiegen und zwar kam der zuletzt eben auch von Seiten, die jetzt für ihn vielleicht gar nicht so vorhersehbar waren. Aus der Wirtschaft, etwa vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung kamen klare Ansagen in Richtung Vorsicht. Wir haben eh schon international einen schlechten Ruf, was die Fremdenfeindlichkeit in Deutschland angeht. Wenn wir international nach hervorragend ausgebildeten Fachkräften suchen und wir hier so eine Debatte, die ihr passt nicht ins Stadtbild haben, dann hilft uns das nicht, um es mal vorsichtig zu sagen. Da kam also so aus Wirtschaftsexpertenkreisen plötzlich so eine Ansage, auf die, glaube ich, Merz schon hört, nicht im Sinne von, dass er sich danach direkt richtet, aber ich glaube, das sind so Alarmzeichen, dass die, Sein Vizekanzler, mit dem er ja echt viel vorhat noch in diesem Herbst, Stichwort jede Menge Reformen, die mit der SPD gehen müssen, wenn sein Vizekanzler jetzt schon sagt, so nicht, Friedrich. Dann kommt da nach und nach einiges zusammen. Und ich kann auch vermuten, dass es im Kanzleramt viele gegeben hat, die gesagt haben, du musst dich erklären. Du musst diesem wabernden Deutungsdebatten-Ding irgendwie mal deine konkrete Position entgegenstellen. Als Kanzler muss man sich erklären und darf nicht auf die Töchter verweisen. Jetzt müssen wir natürlich gucken, was passiert jetzt? Hat Friedrich Merz mit diesem Statement die Wogen geglättet oder lesen viele dieses Statement als immer noch nicht zureichend? Das ist sozusagen die kurzfristige Frage und die langfristige ist natürlich, bei wem zählt eigentlich diese gesamte Debatte ein? Mein Gefühl ist, das ist aber Tatsache im Moment nur ein Gefühl. Dass er in der Mitte, in der liberalen Mitte, in der linken Mitte eher Vorurteile und Urteile über sich bestärkt hat. Dass Menschen, die vielleicht noch eine Zeit lang gedacht haben, naja, ich gewöhne mich an den, er hat außenpolitisch ein paar gute Sachen gemacht, ich weiß auch keine rechte Alternative, gut, dann kann ich Union wählen und ist ja auch wichtig und Bollwerk gegen rechts und so weiter. Aber das glaube ich nach dieser Nummer wieder viele sagen, nein, das ist immer noch im Kern der alte März oder was auch immer in den Köpfen rumspukt. Das ist der mit den Paschas, das ist der mit den Zahnärzten, jetzt mit dem Stadtbild. Nein, nein, das geht nicht so. Also dass er in der Mitte Leute verliert, die in den vergangenen Jahren durchaus bereit waren, Union zu wählen oder zum Beispiel Merkel auch wirklich aktiv unterstützt haben. Die verliert er, würde ich vermuten. Die Frage ist, verliert er möglicherweise aber auch auf der anderen Seite, also am rechten Rand? Denn natürlich könnte man sagen, ihm hilft das Recht. Es hilft bei all denen, die sagen, jetzt sagt er das endlich mal und rechts so und jetzt muss ich ja nicht mehr zur AfD, jetzt kann ich auch die Union, weil der Kanzler ist ja da ganz klar. Ich glaube, dass der Reflex bei vielen jetzt eher sein wird, also bei denen, die eh schon rechts der Mitte gelandet sind. Ach so, jetzt knickt er doch ein, ach so, jetzt sind die Ausländer doch wieder okay für Deutschland. Ja, nee, dann. Kann ich auch die AfD wählen. Meine große Sorge, und das ist jetzt keine Sorge um Friedrich Merz, sondern eigentlich eher eine Sorge um die Stabilität dieser Demokratie und am Ende um die Regierbarkeit dieses Landes ist, dass er auf beiden Seiten verloren hat. Das glaube ich auch und ich würde auf jeden Fall mitgehen, gerade mit deiner ersten Äußerung. Ich glaube, er hat gerade mit diesem Nachlegen nochmal mit den Töchtern, er hat sowieso keine guten Umfragewerte bei Frauen und bei jungen Frauen vor allen Dingen. Auch die CDU hat bei der Bundestagswahl, gerade bei jungen Frauen, sehr, sehr schlecht abgeschnitten. Ich glaube aber, er hat da nochmal mehr verloren, gerade in dieser Gruppe, natürlich auch bei migrantischen Menschen in Deutschland, Menschen mit Migrationshintergrund, die vielleicht trotzdem noch versucht haben, auch wenn sie nicht ganz auf Linie waren mit Merz, zu sagen, okay, aber er ist trotzdem unser Kanzler. Und dann hat er aber eine gesamte Bevölkerungsgruppe pauschalisiert und hat einfach den Weg aufgemacht zu Ressentiments gegen eine ganze Gruppe von Menschen, die vielleicht schon seit vielen Generationen in Deutschland lebt, die einen deutschen Pass hat. Und die hat er damit natürlich verloren und die werden sich auch jetzt nicht durch dieses zweite Statement wieder abgeholt fühlen von ihm. Ich glaube, da ist viel kaputt gegangen und ehrlicherweise hat er nicht viel gewonnen. Und bei Frauen... Glaube ich nochmal mehr, das hat man ja gemerkt daran, wie sehr diese Debatte jetzt dann nach dieser Äußerung am Montag auf die Töchter und die Frauen gegangen ist, die er jetzt plötzlich ins Bild geholt hat. Und ich muss sagen, ich finde das auch sehr problematisch, jetzt dann plötzlich Frauen zu instrumentalisieren, um sein Argument zu stärken, nämlich eine ganze Bevölkerungsgruppe pauschal zumindest in die Richtung irgendwie gewalttätig und gefährlich. Und wir müssen sie abschieben und es ist ein Problem zu bringen. Und dafür dann aber die Frauen zu benutzen, für die Friedrich Merz ja auch noch nicht so viel gemacht hat und vor allen Dingen für die Friedrich Merz in dem Augen vieler auch einfach nicht der Kanzler, der sich für Frauenrechte einsetzt und es dann aber doch tut in dem Moment, in dem es seiner eigenen Agenda hilft und seiner eigenen Position, und dieses Bild dann aufmacht. Ich habe es vorhin schon mal gesagt, wir müssen unsere Töchter beschützen vor irgendwie Migranten, die möglicherweise gewalttätig sind. Positiv wäre ja... Wenn ganz am Ende eine ernsthafte Debatte darüber entstünde, was ist denn wirklich los in unseren Innenstädten? Wer ist da? Wer hat Angst? Und was kann man dagegen tun? Und zwar konkret und zwar sinnvoll. Und wenn das dabei rauskäme und wenn die Politik ja ehrlich hinschaut und auch auf die, ich glaube, konkreten Ängste von Menschen Und dass sie da sind, glaube ich, da sind wir uns einig. Es gibt Leute, die Angst haben in bestimmten Situationen, in bestimmten Umgebungen. Das sind Gefühle, aber das sind Fakten. Am Wahltag werden aus Gefühlen harte Fakten. Und ich glaube, da hinzugucken und zu schauen, was können wir wirklich tun, ohne Ressentiments, ohne die und wir und dieser ganze, sagen wir mal. Xenophobe Überbau der Debatte, dann kommen wir weiter. Ich finde, dass jemand wie Dennis Radtke, Sozialflügel, CDU, Europapolitiker, das sehr gut auf den Punkt gebracht hat, indem er sagt, wir sollten nicht über Herkunft reden, sondern über Verhalten. Wer verhält sich wie respektvoll, wem gegenüber in Innenstädten im öffentlichen Raum? Wenn wir an der Stelle angekommen sind, dann war alles nicht umsonst, was wir in den letzten anderthalb Wochen diskutiert haben. Dann müssen wir mehr über Verhalten reden und das ist Respekt und das betrifft jeden. Ja, und es ist ja auch absolut richtig und wichtig, darüber zu sprechen, dass sich vor allen Dingen Frauen oft im öffentlichen Raum unsicher fühlen. Aber die Ursache dafür ist nicht die, die einfach nur Friedrich Merz impliziert hat und nämlich Menschen mit Migrationshintergrund, Männer mit Migrationshintergrund, sondern vor allen Dingen Männer. Männer machen Frauen im öffentlichen Raum Angst. Wenn man nachts irgendwo langläuft, die Straße ist dunkel, sie ist nicht beleuchtet, es ist sonst niemand da und begegnet einem Mann. Dann hat man Angst, ganz unabhängig davon, ob das jetzt ein Peter ist, der in Deutschland geboren ist und seit Generationen einer deutschen Familie entstammt oder ein Mann mit Migrationshintergrund. Und das einfach so zu verengen, finde ich das Problem. Lass uns darüber sprechen, wie wir Frauen im öffentlichen Raum sicherer machen können. Absolut. Es gibt da einfach eine Gefahr. Viele Frauen fühlen sich unsicher, wenn sie nachts unterwegs sind. Aber eben nicht deswegen, weil seit 2015 noch mehr Männer mit Migrationshintergrund nach Deutschland gekommen sind. Nachts draußen in der Unterführung Angst hatten nach Hause und da sind sie zum Teil dann leider eben auch nicht sicher. Und deshalb enden wir, glaube ich, heute mit einer Zahl. Wir enden mit einer Zahl und meine Zahl heute ist 360. 360 ist die Zahl der Femizide, die es 2023 in Deutschland gab. Das sind Zahlen vom BKA aus dem Lagebild, geschlechtsspezifisch gegen frauengerichtete Straftaten. Das heißt, fast jeden Tag wurde 2023 eine Frau deswegen ermordet, weil sie eine Frau war. Und das ist da einfach sehr wichtig zu erwähnen, 80 Prozent der Tötungsdelikte an Frauen passieren in partnerschaftlichen Beziehungen oder im Zusammenhang mit partnerschaftlichen Beziehungen, also zum Beispiel durch Ex-Partner. Und deswegen fände ich es ganz toll, wenn wir vielleicht mal darüber sprechen würden, wie wir dafür sorgen können, dass Frauen auch zu Hause im eigenen Umfeld, denn das ist statistisch gesehen immer noch der gefährlichste Ort für Frauen, sicherer sein können. Meine Zahl am Ende unserer Folge ist die 70. Wir haben es eben schon gesagt. Friedrich Merz wird 70 am 11.11. Und ich glaube, diese Woche hat gezeigt, und das wäre eigentlich auch meine Hoffnung und das wäre eigentlich mein Geburtstagswunsch an den Kanzler, Oder werde 70, aber lerne weiter und höre denen zu, die vielleicht nicht nur in deiner Bubble Dinge formulieren, sondern... Hör auch allen anderen zu und erkläre dich. Wirf nicht einfach Kampfbegriffe in den Raum, sondern sage genau, wen du meinst und was du dagegen tun willst. Das wäre mein Wunsch für den bald 70-Jährigen. Ich würde mich freuen, wenn er diesen Wunsch sehr ernst nehmen würde, Julia. Vielleicht hört er uns zu und dann machen wir das so. Also, Carlotta, ich fürchte und ich hoffe, dass wir über all das noch weiter reden werden in der nächsten Folge. Schön, dass wir das diese Woche so ausführlich tun konnten und ja, mal sehen, was uns der Kanzler für die nächste Woche beschert. Ich weiß nicht, ob ich mich wirklich darauf freue. Ich freue mich immer. Ich freue mich, aber ich weiß. Dann kann ich mit dir reden. Schauen wir mal, was wird. Auf jeden Fall. Schön, dass ihr zugehört habt. Vielen Dank. Und wenn euch diese Folge gefallen hat, dann lasst uns doch eine Bewertung da oder teilt sie mit euren Familienmitgliedern und Freunden. Wenn ihr Anregungen habt oder Themenvorschläge, dann schreibt uns eine Mail an rambuzambo.atfunkmedien.de oder splidet in unsere DMs auf Instagram oder TikTok. Tschüss. Tschüss.