Latest / Hinreichend verdächtig / Ein Streit eskaliert zur Fahrt in eine Menschenmenge
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- Diese Episode von Hinreichend Verdächtig wird präsentiert von Hörgeräte Wasserfuhr in Solingen. Besser hören für mehr Lebensfreude. Ich kann mich noch daran erinnern, wie mir zu einem sehr frühen Zeitpunkt seitens der Polizei die Videoaufnahmen der Haltestelle übermittelt wurden. Und da konnte man sehr deutlich sehen, wie Amar mit überhöhter Geschwindigkeit durch die Innenstadt gerast ist, muss man sagen. und Luan eben auf die Motorhaube aufgeladen hat und dann so gleich wieder runtergeschleudert wurde. Und wenn man das sieht, ist das doch schon sehr eindrücklich. Also das brennt sich dann ein. Hinreichend verdächtig. Der True Crime Podcast der Rheinischen Post und der Staatsanwaltschaft Duisburg. Und damit Hallo zurück bei hinreichend verdächtig. Mein Name ist Lili Stegner und in diesem Podcast gehen wir nicht nur echten Kriminalfällen auf den Grund, sondern wir tauchen richtig tief ein. Wir beleuchten die Ermittlungen, die zur Anklage geführt haben und wir untersuchen, was die Gesetzestexte dazu sagen. Dafür habe ich wie immer zwei Gäste, einmal aus der Staatsanwaltschaft hier in Duisburg und einmal einen Gerichtsreporter aus unserer Lokalredaktion. Die Fälle, die wir hier betrachten, die sind immer bereits abgeschlossen und damit rechtskräftig entschieden. Wir analysieren, wie der Fall öffentlich wahrgenommen wurde und wie die Staatsanwaltschaft ermittelt hat und die Anklage formulierte. Und ganz nebenbei werden wir so auch die juristischen Fachbegriffe diskutieren, die man vielleicht immer mal wieder hört, aber nicht immer so ganz genau versteht, was sie eigentlich meinen. Wie zum Beispiel auch bei dem Begriff hinreichend verdächtig. Heute zu Gast sind Jill McCuller, Staatsanwältin hier in Duisburg und Alexander Trisch, Redakteur in der Lokalredaktion. Der Fall, über den wir heute sprechen, der dreht sich um einen Mordversuch, bei dem der Angeklagte versucht hatte, Menschen mit einem Auto zu überfahren. Falls euch das also belastet, dann hört die Folge lieber nicht alleine an. Wie immer starten wir aber erstmal mit der Beschreibung des Falls. Was ist passiert? Es ist ein Samstagnachmittag im Februar 2020 in Duisburg-Hochfeld. Ein zunächst banaler Streit in einem Café eskaliert und endet in einer Fahrt mitten durch die Fußgängerzone, die zwei Menschen beinahe das Leben kostet und eine 13-Jährige schwer verletzt. Doch der Reihe nach. Es ist der 29. Februar 2020, ein Samstag. Gegen 17 Uhr herrscht im besagten Café in Duisburg-Hofeld eine entspannte Stimmung. Unter den Gästen ist auch Amar, ein junger Mann, der in der Theke sitzt und Jägermeister trinkt. Später stößt ein Bekannter von ihm dazu, Malik, den er erst wenige Tage zuvor kennengelernt hat. Die beiden unterhalten sich. Es wirkt alles recht normal. Dann erhält Amar einen Anruf. Er zieht sich auf die Toilette zurück, um zu telefonieren. Kurz darauf betritt auch ein anderer Gast die Herrentoilette, Luan. Was folgt, ist ein Konflikt, der zunächst völlig harmlos beginnt. Amar sitzt am Waschbecken und telefoniert. Luan möchte sich die Hände waschen. Amar macht keinen Platz. Die Stimmung kippt. Amar fragt provokant, ob Luan Albaner sei. Dieser antwortet schlagfällig, jedenfalls kein Chinese. Amar schlägt zu. Sein bekannter Malik, der in der Theke Geräusche von der Toilette hört, eilt dazu und versucht zu schlichten. Doch als die beiden zurück in den Gastraum kommen, ist die Auseinandersetzung noch lange nicht vorbei. Luan greift zu Getränkeflaschen und wirft sie auf Amar. Dann folgen Stühle, sogar ein Barhocker. Andere Gäste gehen dazwischen, versuchen die Männer zu trennen. Luan wird schließlich aus dem Café geschickt, einer seiner Begleiter gibt Amar noch eine Kopfnuss. Als auch er das Café verlässt, scheint erst einmal Ruhe einzukehren. Amar und Malik bleiben noch kurz. Amar wirkt entspannt, schlendert durchs Café, zieht sich seine Jacke an, wischt sogar noch etwas Blut vom Boden auf. Dann verlassen die beiden ohne Eile das Café. Doch das, was dann geschah, zeigt, Amar ist eigentlich alles andere als ruhig. Er setzt sich ans Steuer seines schwarzen Mercedes, obwohl er keine gültige Fahrerlaubnis besitzt. Keine 30 Meter vom Café entfernt, streift er bereits ein geparktes Auto, ein Volvo, beschädigt ihn und fährt einfach weiter. Malik sitzt auf dem Beifahrersitz. Amar biegt in eine Straße ein. Eine Tempo-30-Zone im Herzen von Duisburg-Hochfeld, gesäumt von Geschäften. Es ist Samstagnachmittag. Viele Menschen sind unterwegs. An einer Kreuzung steht die Ampel für Autos auf Rot. Ein silberner Obel Vectra wartet ordnungsgemäß an der Haltelinie. Fußgänger überqueren bei Grün die Straße. Und dann sieht Amar ihn. Luan, den Mann aus dem Café. Er ist gerade dabei, die Straße zu überqueren. Und in diesem Moment fasst Amar einen Entschluss. Aus Wut über die Demütigung im Café will er Luan mit dem Auto rammen. Also drückt er aufs Gaspedal und fährt los. Vorbei an dem Opel, über die rote Ampel und direkt in die Menschenmenge hinein. Mindestens zehn Fußgänger sind in diesem Moment auf dem Überweg. Amar lenkt gezielt auf Luan zu. Dabei erfasst er mit der linken Fahrzeugfront die 13-jährige Anna, die gerade vom Einkauf in der Drogerie kommt. Sie wird am Unterschenkel getroffen, in eine Drehung versetzt und stürzt zu Boden. Amar scheint die Kollision nicht einmal zu bemerken. Dann trifft er sein eigentliches Ziel. Luan wird frontal mit mindestens 33 kmh erfasst, auf die Motorhaube geschleudert, sein Kopf schlägt mit voller Wucht auf, dass sich die Motorhaube großflächig einbeult. Amar fährt weiter über den Gehweg, rammt zwei Metallpfosten, die abknicken. Luan wird von der Motorhaube runtergeschleudert, überschlägt sich mehrfach und bleibt auf den Straßenbahnschäen liegen. Amar setzt die Fahrt unbeirrt fort, biegt in die nächste Straße ab, kollidiert frontal mit einem Peugeot und rammt ihn noch mehrmals. Dann steigen Amar und Malik aus und fliehen zu Fuß. Anna, die 13-Jährige, erleidet eine Kopfplatzwunde, einen komplizierten Unterschenkelbruch und einen Kreuzbandriss. Sie muss zwei Tage auf der Intensivstation verbringen, dann noch vier Wochen im Krankenhaus. Bis heute ist sie auf Gehhilfen angewiesen und leidet unter Albträumen. In die Drogeriemärkte traut sie sich nicht mehr allein. Luan trägt eine Schulter-Ecke-Lenksprengung, ein Schädel-Hirntrauma und viele Hämatome davon. Auch er ist psychisch gezeichnet. Und jetzt eine kurze Pause. Vielleicht mit etwas Werbung. Ab wann war der Angeklagte hinreichend verdächtig? Amar wurde ja noch am gleichen Tag festgenommen. Was waren so eure ersten Schritte? Also das Besondere an dem Fall war, dass die Tatörtlichkeit ja sehr weitläufig war. Das heißt, wir haben den Ausgangspunkt, wie du es eben auch beschrieben hast, in einem Café und dann am Marsfahrt, die sich über mehrere Straßen im innerstädtischen Bereich erstreckt hat. Und das hat uns natürlich auch vor besondere Schwierigkeiten gestellt bei der Spurensicherung. Zudem war es so, dass wir, und das ist auch üblich in Fällen, in denen ein Auto beteiligt ist, einen DEKRA-Sachverständigen zur Rate gezogen hat, der dann auch sich eben die Tatöffentlichkeit anschaut. Und letztlich haben wir unseren Fokus darauf gelegt, dass wir Kameraaufzeichnungen sichern. Denn man hat oft Glück, und so war es in dem Fall auch, dass man gerade im innerstädtischen Bereich irgendwelche Kiosk hat oder Läden, Haltestellen, die eben videoüberwacht sind. Und da können wir dann vielleicht immer irgendwelche Erkenntnisse draus ziehen. Was war denn Amar für ein Typ? Wie wirkte er auf dich so? Also Amar war zur Tat seit 26 Jahren alt. Er hatte in Deutschland keinen festen Wohnsitz. Er war auch schon strafrechtlich in Erscheinung getreten, aber eher mit kleineren Delikten, wobei auch ein Körperverletzungsdelikt dabei war. Und er stand zudem unter laufender Bewährung. Also er war jetzt nicht unbedingt ein unbeschriebenes Blatt. Was vielleicht auch erklärt, dass er völlig unbeeindruckt war von seiner Festnahme. Das heißt, er hat da keine große Reue gezeigt von Anfang an. Überhaupt nicht. Hat er denn was ausgesagt, nachdem er festgenommen wurde? Auch das nicht. Er hat sich dann erst in der Hauptverhandlung geäußert. Und wir haben es ja eben schon gesagt, das Ganze begann ja mit einer eigentlich erstmal harmlosen Auseinandersetzung in diesem Café. Wie habt ihr denn rekonstruiert, was dort wirklich passiert ist? Denn ich meine auch da, es war in der Toilette, es war im Gastraum, es waren verschiedene Leute beteiligt. Das ist ja alles wahnsinnig kompliziert. Wir hatten auch da das Glück, dass das Café im Innenraum wieder überwacht war, also die Toilette natürlich nicht, aber zumindest der Innenraum und wir hatten mehrere Gäste, die auch vor Ort waren, die dann eben als Zeugen vernommen wurden. Das Hauptbeweismittel war aber eigentlich der geschädigte, also Luan, der da wirklich sehr schlüssige und auch glaubhafte Angaben für uns gemacht hat und denen sind wir dann auch letztlich gefolgt und deswegen konnten wir das anhand seiner Angaben letztlich dann rekonstruieren. Jetzt hat Amar sie später ja auf Notwehr berufen und hat behauptet, dass Luan in der Toilette ein Messer gezogen hätte. Du hast es gerade gesagt, Toiletten sind natürlich nicht videoüberwacht. Wie geht ihr denn dann mit diesen Behauptungen um? Die müssen wir natürlich auch erstmal kritisch prüfen. Es war aber so, dass alle Zeugen nicht etwa den Geschädigten als Aggressor bezeichnet haben, sondern sich ja eigentlich alle einig waren, dass das von Amar ausging. Also wir hatten da erstmal schon mal keine Anhaltspunkte dafür, dass der Geschädigte da irgendwann Streit hervorgerufen hat. Zudem war es so, dass auch keiner von einem Messer gesprochen hat. Also es sprach eigentlich alles gegen die Schilderung des Beschuldigten. Und dann ist es natürlich auch immer bei der Frage nach dem Beweiswert einer Einlassung oder einer Aussage, kann man auch immer den Zeitpunkt, zu dem diese Einlassung abgegeben wird, mit bewerten. Und hier war es so, er hat erst in der Hauptverhandlung etwas von Notwehr erzählt. Und ich glaube, es ist ja schon nachvollziehbar, dass wenn jemand in Notwehr handelt, er das vielleicht gleich äußert. Da gibt es ja gar keinen Grund, das zurückzuhalten. Und auch der Zeitpunkt seiner Einlassung war dann irgendwie klar, dass das nicht stimmen kann. dass das höchstens eine Taktik ist. Ja, oder eine Schutzbehauptung einfach. Du hast schon von den Videoaufnahmen in der Tatörtlichkeit gesprochen, aber es gab ja auch an der Straße, wo dann diese Verfolgungsjagd passiert ist, einige Videoaufnahmen. Wie wichtig sind solche Aufnahmen denn für die Rekonstruktion von so einem Tatablauf? Also Videoaufzeichnungen sind super wichtige und dankbare Beweismittel. Das liegt ja allein an der Tatsache, dass sie eben das Geschehen genau so abbilden, wie es sich ereignet hat. Bei Zeugenaussagen gibt es ja immer die Gefahr, dass sie entweder bewusst oder unbewusst gefärbt sind und das ist bei Videoaufzeichnungen halt letztlich nicht der Fall. Deswegen sind die für uns immer sehr, sehr wichtige Beweismittel und so war es in dem Fall auch. Ich kann mich noch daran erinnern, wie mir zu einem sehr frühen Zeitpunkt seitens der Polizei die Videoaufnahmen der Haltestelle übermittelt wurden. Und da konnte man sehr deutlich sehen, wie Amar mit überhöhter Geschwindigkeit durch die Innenstadt gerast ist, muss man sagen. Und Luan eben auf die Motorhaube aufgeladen hat und dann so gleich wieder runtergeschleudert wurde. Und wenn man das sieht, ist das doch schon sehr eindrücklich. Also das brennt sich dann ein. Das glaube ich. Amar hatte ja auch einen Beifahrer, Malik, der wurde zunächst ebenfalls festgenommen und in Untersuchungshaft genommen, aber später dann freigesprochen. Wir wollen uns deswegen jetzt auch gar nicht so sehr mit ihm aufhalten und mit ihm befassen, aber weiß man denn, woher sich die beiden kannten? Scheint ja nicht so eine enge langfristige Freundschaft gewesen zu sein. Nee, die beiden, die kannten sich flüchtig. Die hatten sich kurze Zeit vorher durch Bekannte kennengelernt, also waren jetzt nicht befreundet oder sowas. Malik war Beifahrer im Auto von Amar und wurde auch als solcher erstmal festgenommen und saß dann in Untersuchungshaft. Es war nämlich so, dass wir wussten, Amar hat das Auto gefahren, aber wir konnten eben nicht ausschließen, dass auch Malik als Beifahrer irgendwie an der Tat beteiligt war. Beispielsweise, indem er Amar angefeuert hat oder ihn aufgefordert hat, auf Luan eben zuzufahren. Und deswegen wurde er auch in Untersuchungshaft genommen. Später in der Hauptverhandlung war es dann so, dass er sich eingelassen hat und zwar sehr glaubhaft, dass er das eben gerade nicht wollte. Ganz im Gegenteil, er hat dann wohl auf Amar eingewirkt, hat ihn angeschrien, er soll anhalten und das war so nachvollziehbar, wie er das gestillert hat, dass letztlich das dann auch als Grundlage für den Freispruch genommen wurde. Verstehe. Dieser Vorfall, ich kann es mir nur vorstellen, das muss ja für einen relativ großen Aufruhr gesorgt haben. Wenn man so an einem geschäftigen Samstag ein Auto in eine Menschenmenge reinfahren sieht, unbeteiligte Menschen da zu Schaden kommen, dann bleibt das ja nicht unbemerkt. Hat das bei euch für einen erhöhten Druck gesorgt, dass die Tat so öffentlich stattgefunden hat wie hier? Also druckwürdig das jetzt nicht bezeichnen, aber es ist natürlich so, dass das dazu führt, dass die Öffentlichkeit sofort Kenntnis von dieser Tat eben erlangt und das ruft natürlich dann auch immer die Presse auf den Plan und nachvollziehbarerweise möchten dann die Vertreter der Presse schnell Informationen. Das kann dann dazu führen, dass es für uns eher problematisch ist, aus mehreren Gründen. Also zum einen natürlich, weil es immer die Ermittlungen gefährden kann, dass wir deswegen Informationen nicht rausgeben können. Und gerade in so einer Anfangsphase einer Mordkommission sind wir halt die ganze Zeit nur am Arbeiten. Wir besprechen Dinge, wir telefonieren, wir stellen Anträge, also wir haben super viel zu tun und dann müssen wir parallel noch die Presse bedienen und deswegen fällt es dann manchmal hinten unter, beziehungsweise wir müssen dann einfach die Pressevertreter etwas vertrösten und sagen, okay, wir müssen jetzt erstmal unsere eigentlichen Aufgaben, nämlich die Ermittlungen voranzutreiben in der wichtigen Anfangsphase wahrnehmen und danach die Presse quasi über das Ereignis informieren. Als ich von dem Fall gelesen habe, ist mir bei Februar 2020 natürlich wie den meisten Leuten direkt eins in den Sinn gekommen. Das war ganz, ganz kurz vor den ersten Einschränkungen in der Corona-Pandemie. Inwiefern hat es denn eure Arbeit und eure Ermittlungen beeinflusst, dass wir hier in Deutschland und in der Welt kurz vor so einem maßgeblichen Einschnitt standen? Tatsächlich gar nicht. Also in keinster Weise. Also ich kann mich da an wirklich keine einzige Einschränkung erinnern. Wir haben letztlich ganz normal unsere Arbeit gemacht und hatten da auch keine Probleme, die durch die Pandemie irgendwie verursacht wurden. Fernsehen. Alex, der Fall, wie gesagt, ereignete sich am Samstagnachmittag mitten in der Innenstadt. Habt ihr auch so schnell davon erfahren? Wie seid ihr an die ersten Informationen gekommen? Tatsächlich muss man sagen, dass wir erst knapp 24 Stunden nach der Tat überhaupt davon erfahren haben. Und eigentlich gibt es im Grunde nur zwei Möglichkeiten, wie das passiert. Entweder wir werden von der Polizei oder Staatsanwaltschaft darüber informiert, dass eben irgendwo eine Straftat passiert ist. Oder die Straftaten sind so in einem Ausmaß in der Öffentlichkeit passiert, dass es vielleicht Fotos oder Videoaufnahmen gibt, die irgendwo im Internet viral gehen und wir dann darauf stoßen. Und beides war halt erstmal nicht der Fall und für die Information durch die Behörden ist dann auch so der Samstag einer der schlechtesten Tage, wo sowas passieren kann, weil viele Pressestellen gar nicht besetzt sind oder nur in einem Notdienst besetzt sind und wir dazu nichts erfahren hatten. Viele Medien und auch wir haben dann auch samstags eine eher dünnere Besetzung als in der Woche und ja, dann kam die erste Meldung 24 Stunden später. Und man muss auch sagen, es waren keine Fotografen von uns vor Ort, keine Fotografen von irgendjemand anderem, keine, weiß ich nicht, Hobbyfotografen, die das irgendwie dokumentiert hätten. Und das heißt, wir hatten auch gar keinen richtigen Einblick, wie das da halt ausgesehen haben muss nach dieser Tat. Und ja, und auf Social Media ist dazu auch überhaupt nichts passiert. Und deswegen hat das ein bisschen gedauert, bis das überhaupt dann mal in den Medien war. Und so eine Fahrt mitten in der Fußgängerzone, bei der mehrere Leute zu Schaden kommen, die unbeteiligt sind, die in keiner Verbindung zu dem Fahrer stehen, das erinnert natürlich schnell auch an andere Fälle. Gab es Anfangsspekulationen darüber, dass es vielleicht auch einen terroristischen Hintergrund haben könnte? Tatsächlich nicht. Also es kann natürlich für die Zeugen und alle, die das da beobachtet haben, so gewirkt haben im ersten Moment. Aber als der Fall dann öffentlich wurde, wurde er auch dann mit fast allen Informationen schon öffentlich. Also es wurde dann gesagt, dass die beiden Männer sich kannten, dass das ein gezielter Angriff auf das Opfer war und nicht jetzt einfach wahllos irgendwelche Leute zu Schaden kommen sollten. Und ja, da das Motiv dann sofort klar war, war gar kein Platz dafür, dass diese Spekulationen hätten entstehen können. Gab es denn irgendwie Augenzeugen von vor Ort, Menschen, die darauf reagiert haben? Also ich stelle mir das als wahnsinnig eindrücklichen Moment vor, wenn da so viele Menschen über eine Ampel laufen und... Jemand fährt in diese Menschenmenge rein. Ja, auf jeden Fall. Jetzt gab es niemanden, der sich da konkret dann bei uns gemeldet hat. Das ist auch total unüblich eigentlich. Also kann man sich ja vorstellen, wenn man irgendwie Zeuge einer Straftat wird, dann wird man wahrscheinlich die Polizei anrufen und sich mit denen irgendwie in Verbindung setzen und jetzt nicht irgendwie in irgendeiner Form mit den Medien. Das passiert vielleicht, wenn die das Gefühl haben, dass sie da nicht ernst genommen werden oder dass die irgendwie vielleicht eine andere Geschichte erzählen wollen, als die Ermittler bekannt geben und das irgendwie nicht zusammenpasst und dann kann das mal passieren, aber in dem Fall war das jetzt nicht so. Und auch an dich die Frage, in der Zeit waren wir alle sehr mit diesem neuartigen Virus beschäftigt. Hattet ihr überhaupt so richtig die Zeit und die Kapazität, um euch mit diesem Fall zu befassen, wo gerade so viele andere Spekulationen und, Dinge durch die Welt gingen? Ja, ehrlich gesagt nicht so wirklich. Also wir waren dann ja erst Montag wieder, war ja dann so der richtige Werktag wieder. Und klar waren auch Sonntag Leute im Dienst, aber dann so das ganze Team war dann natürlich erst Montag wieder zusammen. Dann sind schon wieder ganz viele andere Sachen passiert. Es hat sich ja damals mit Corona, gab es ja jeden Tag im Prinzip neue News. Ich weiß noch, habe ich mal nachgeschaut, dass an diesem besagten Montag war dann das Riesenthema, dass die Krankenhäuser massive Probleme mit ihren Desinfektionsmittelvorräten hatten, weil die zum Teil von Patienten und Besuchern gestohlen wurden, die das dann wegschließen mussten. Das war ein Riesenthema und es ging dann schon die Diskussion los, was mit den Schulen ist, was mit den Geschäften ist, ob man vielleicht irgendwie einen Lockdown braucht oder nicht. Also das hat dann noch ein paar Wochen gedauert, aber ja, im Prinzip kam das halt wirklich absolut da zur Unzeit. Und das war das allbeherrschende Thema mit der Pandemie. Was macht das auf? Jill, ein zentraler Punkt in eurer Anklage war ja der Vorsatz, also dass Amaluan nicht nur verletzen, sondern möglicherweise auch töten wollte. Wie konntet ihr denn diesen Vorsatz nachweisen? Ich habe ja eben schon mal das Video erwähnt und ich glaube, jeder, der das Video gesehen hat, dem war klar, dass er zumindest billig in Kauf genommen hat, dass Luan durch diese Aktion auch sterben können wird. Vorliegend war es ja so, dass Amar das Auto als Tatwaffe eingesetzt hat und das Auto hat ja an sich schon mal ein erhebliches Eigengewicht und dann wird dieses Auto gegen einen ungeschützten Körper eingesetzt und wenn dann auch noch eine erhöhte Geschwindigkeit dazu kommt, ich glaube, dann kann keiner mehr in Zweifel ziehen, dass man zumindest billigt. Dass die Person tödliche Verletzungen davon trägt. Und letztlich war es auch genau so. Das war unsere Argumentationskette. Deshalb habt ihr am Ende am Mar wegen versuchten Mordes angeklagt. Und zwar mit den Mordmerkmalen Heimtücke und gemeingefährlicher Mittel. Kannst du uns noch mal erklären, was hinter diesen Begriffen in dem Fall konkret steht? Ja, also die Heimtücke hatten wir schon des Öfteren. Das ist eigentlich auch so eines der gängigen Mordmerkmale. Das ist dann immer gegeben, wenn der Täter die Arg- und Wehrlosigkeit des Opfers in feindseliger Willensrichtung. Und wobei die Arglosigkeit immer dann bejaht werden kann, wenn sich das Opfer keines Angriffs auf sein Leben oder seine körperliche Unversehrtheit versieht. Und die Wehrlosigkeit des Opfers muss gerade auf dieser Arglosigkeit beruhen. Jetzt heißt ja aber arg und wehrlos auch irgendwie, dass man, wie du sagst, eben nicht damit rechnet, angegriffen zu werden. Luan hatte ja aber, nur relativ kurz vorher, eine Auseinandersetzung mit dem Angeklagten, das auch in der Prügelei geendet ist in diesem Café. Wie arg und wehrlos ist man denn noch so kurz nach so einem heftigen Streit? Das ist tatsächlich ein ziemlich guter Punkt, den du da ansprichst. Der muss nämlich auch immer diskutiert werden, wenn wir eine Streitigkeit zwischen dem Täter und dem Opfer hatten, die eben der eigentlichen Tat vorausgeht. Da muss man immer sich die Frage stellen, ist denn das Opfer überhaupt noch arglos? Das ist nicht so, dass jegliche Streitigkeit die Arglosigkeit beseitigt. Arglos ist das Opfer zumindest dann, wenn es sich keines erheblichen Angriffs auf sein Leben oder körperliche Unversehrtheit versieht. Muss man sich natürlich immer im konkreten Fall anschauen. Vorliegend war es ja so, dass die Auseinandersetzung im Café stattgefunden hat. Dann war die Auseinandersetzung beendet. Beide haben das Café verlassen und auch fand noch eine örtliche Verlagerung statt. Also wir haben dann eine Fahrt über mehrere Straßen. Wir haben eine örtliche und auch zeitliche Diskrepanz. Und da muss man ganz klar sagen, für Luan war das ja auch beendet. Er ist aus dem Café gegangen, wollte nach Hause laufen. Und dann kommt für ihn auch völlig aus dem Nichts dieses Auto. Und eben unter diesen Voraussetzungen kann man sagen, dass er definitiv arglos war. Das heißt, das Mordmerkmal der Heimtücke ist nach eurer Ansicht schon mal gegeben gewesen. Wie sieht es denn aus mit diesen gemeingefährlichen Mitteln, von denen wir noch gesprochen haben? Was bedeutet das denn? Also das ist immer dann gegeben, wenn der Täter ein Tötungsmittel, nämlich hier eben das Kraftfahrzeug einsetzt, das seiner Natur nach erstmal nicht gemeingefährlich ist, aber das Mittel wird eben in der konkreten Tatsituation so eingesetzt, dass eine Mehrzahl von Menschen an Leib oder Leben gefährdet werden können, weil der Täter die Ausdehnung dieser Gefahr nicht mehr beherrschen kann. Er hat sie quasi nicht mehr in seiner Gewalt. Maßgeblich ist, dass der betroffene Personenkreis für den Angeklagten nicht berechenbar ist. Also der Umfang dieser Gefährdung ist für ihn überhaupt nicht beeinflussbar und er hat es letztlich nicht in der Hand, wie viele Menschen dann tatsächlich von dem von ihm geschaffenen Gefahrenbereich in diesen Gefahrenbereich geraten oder von dieser Gefahr erfasst werden. Das entzieht sich völlig seiner Beherrschbarkeit und das ist dann eben das Mordmerkmal des Handelns mit gemeingefährlichen Mitteln. Hier lag der Fall genau so, denn er hat ja eigentlich Luan anvisiert als Opfer. Es waren aber, wie du das ja auch geschildert hast, ganz viele Menschen in diesem Bereich, in diesem Gefahrenbereich. Und ein Mensch, also die kleine Anna, wurde ja tatsächlich auch von dem Auto erfasst. Also diese Gefahr hat sich ja auch realisiert in einer Person, die Amar ja gar nicht auf dem Schirm hatte und auch gar nicht erstmal verletzen wollte, zumindest nicht absichtlich. Und dass Luan diesen Mordversuch überlebt hat, ist, glaube ich, mehr Glück als Amars Einlenken gewesen. Du hast eben gesagt, das Video von diesem Anschlag auf Luans Leben war ziemlich eindrücklich. Hätte Amar denn überhaupt noch bremsen können? Gab es so einen Punkt, an dem er hätte umkehren können? Weiß man das? Ja, wenn man es gesehen hat, er hätte definitiv. Er hätte umkehren können, hätte er bremsen können, hätte er zur Seite fahren können. Also er ist ja direkt auf Luan zugesteuert. Also das war ja ein ganz bewusster Vorgang, der da stattgefunden hat. und den hätte er jederzeit unterbrechen können. Und du hast jetzt eben schon die 13-jährige Anna erwähnt, die auch in Mitleidenschaft gezogen wurde. Der Eingeklagte scheint sie überhaupt nicht wahrgenommen zu haben und auch deshalb ist dieses Mordmerkmal der gemeingefährlichen Mittel eben hier anwendbar. Spielt es denn eine Rolle, dass Anna so jung war, 13 Jahre alt? Wäre es was anderes gewesen, wenn sie eine erwachsene Frau gewesen wäre? Also Annas Alter spielt in dem Zusammenhang überhaupt gar keine Rolle. Sie war leider zur falschen Zeit am falschen Ort und ist deswegen eben Opfer dieser Straftat geworden und das ist, wie du es gerade auch schon gesagt hast, eben Ausdruck dieses Mordmerkmals, was ich eben beschrieben habe, aber ihr Alter an sich ist da nicht von Relevanz. In diesem Fall war jetzt das Auto die Tatwaffe. Kommt sowas häufiger vor? Also habt ihr damit oft zu tun? Häufig ist immer so schwer zu sagen, aber es ist auf jeden Fall nicht selten der Fall. Wir haben immer mal wieder Fälle, in denen Täter ihr Auto als Waffe einsetzen. Das birgt halt auch ein krasses Gefahrenpotenzial, muss man sagen. Also es ist jetzt nicht selten der Fall. Wir haben immer mal wieder Fälle, in denen das vorkommt. Und Amar hatte keinen in Deutschland gültigen Führerschein. Er wurde wegen Mordes angeklagt, aber alleine das Fahren ohne Fahrerlaubnis ist ja eigentlich schon verboten. Spielt das denn dann noch in dieser Mordanklage eine größere Rolle oder ist das dann so unter ferner Liefen? Ja, also wir nehmen das auch immer mit auf in die Anklage, also den Tatbestand des Fahrens ohne Fahrerlaubnis. Aber man kann sich ja vorstellen, dass ein Fahren ohne Fahrerlaubnis gegenüber dem Hauptverwurf des versuchten Mordes eher hinten runterfällt. Wir nehmen es aber deswegen mit auf, um eben auch den Sachverhalt in Gänze rechtlich abzubilden und deswegen werden diese Tatbestände auch genannt, aber letztlich hat es natürlich keine Relevanz, wenn das Hauptdelikt ein versuchter Mord ist. Ist das auch so mit dem Alkohol, den Amar ja nach eigener Aussage auch im Café konsumiert hat, war das für euch relevant? Ein Alkoholkonsum ist natürlich immer relevant, weil es auch was über die Schuldfähigkeit oder möglicherweise eingeschränkte Schuldfähigkeit des Angeklagten aussagen kann. Hier im vorliegenden Fall war es so, dass Amar gesagt hat, er hätte Alkohol konsumiert, aber ohne genaue Angaben zu den Konsummengen. Malik, der ja auch im Café war, hat geäußert, dass er Kaffee und Jägermeister konsumiert hätte, aber konnte eben auch nicht sagen, wie viel Amar davon konsumiert hat. Und letztlich war es auch so, dass wir keine Ausfallerscheinungen feststellten konnten. Wir hatten ja Videoaufzeichnungen auch aus dem Café, weshalb wir dann eben mangels konkreter Mengen des Alkohols, den er konsumiert hat und auch mangels Ausfallerscheinungen davon ausgegangen sind, dass er voll schuldfähig war. Verstehe. Ja. Alex, solche Fälle führen ja oft zu Diskussionen über die Sicherheit im öffentlichen Raum. Gab es nach dieser Tat auch Forderungen nach Veränderung, also bauliche Veränderungen, wie zum Beispiel Poller und Fußgänger überwegen, um solche Dinge zu verhindern? Ja, soweit ich das mitbekommen habe, nicht so wirklich. Das liegt sicherlich auch daran, dass der Fall ja dann auch relativ schnell wieder so aus der öffentlichen Debatte weg war. Und das sicherlich hier auch deutlich komplizierter ist als in der Fußgängerzone in der Innenstadt. Also das Café, wo das den Ursprung genommen hat, alles liegt auch so ein bisschen abseits in einer kleineren Straße und dann hat sich das ja über viele Straßen hingezogen und da handelt es sich jetzt auch nicht um eine normale Fußgängerzone, sondern auch um Bereiche, wo man natürlich mit dem Auto fahren darf. Und ja, das wäre wahrscheinlich viel zu kompliziert. Und wenn man sich mal überlegt, dass es diese Poller gibt es ja in Duisburg in der Innenstadt und auch in vielen anderen Innenstädten, was ja ursprünglich mal eine Reaktion auf den islamistischen Anschlag auf dem Breitscheidplatz am Weihnachtsmarkt in Berlin 2016 war. Und es hat dann ja wirklich Jahre gedauert, bis diese ganzen Poller überall installiert wurden. Die haben am Anfang nicht so richtig funktioniert. Es gibt immer wieder Probleme, auch in anderen Städten damit. Und ja, das wäre, glaube ich, einfach überhaupt nicht realisierbar. Von Jill haben wir gerade gehört, dass das Alter einem der zufälligen Opfer, der 13-jährigen Anna, zumindest juristisch gesehen keine größere Rolle gespielt hat. Wie ist das denn für euch? Also wenn das Schicksal eines so unbeteiligten Opfers auch mit zum Fall gehört, wie geht ihr damit um in der Berichterstattung? Also wir versuchen natürlich, wenn es jetzt minderjährige Opfer sind oder auch Opfer, die eigentlich noch im Kindesalter sind. Dass wir jetzt nicht versuchen, die irgendwie identifizierbar zu machen oder dass wir jetzt irgendwie, weiß ich nicht, eine Geschichte mit denen machen würden oder so und die in die Öffentlichkeit zerren. Und hier kann man vielleicht sagen, ist es dir vielleicht auch ein bisschen zugute gekommen, dass der Fall nicht so ganz prominent in den Nachrichtenkanälen gelaufen ist, dass sie da jetzt nicht auch noch im Nachhinein irgendwie da retraumatisiert wird, dass sie jetzt irgendwie auch noch ganz viele Geschichten zu diesem Fall dann noch lesen muss. Du hast es gerade eben schon gesagt, die Tatsache, dass die Pandemie gerade in Deutschland am Aufflammen war, hat dafür gesorgt, dass es ganz viele andere Dinge gab, über die es zu berichten sich lohnte. Glaubst du, dass die Aufmerksamkeit für den Fall auch deshalb so vergleichsweise gering war in der Öffentlichkeit, weil eben so viel anderes anstand? Ja, auf jeden Fall. Also das war ja nicht nur die Pandemie. Es war ja ein paar Tage vorher, war ja gerade Karneval in NRW auch passiert. Es gab den Anschlag in Hanau, was eine Riesendebatte in Deutschland losgetreten hat. Also da ist ja einiges passiert. Und dann muss man natürlich noch sagen, wenn man das jetzt so liest und hört, ja, da hat jemand mit einem Messer in einem Café hantiert, dann klingt das natürlich total krass. Ist es auch. Muss man aber auch sagen, es ist jetzt nicht so das klassische Café, was man so unter einem Café verstehen würde, sondern auch, wo wahrscheinlich im Endeffekt mehr Alkohol als Kaffee irgendwie getrunken wird. Und ja, also das war jetzt nicht so leicht und Hochfeld der Stadtteile, in dem das passiert ist, gilt ja auch seit Jahren schon als eine Art Brennpunkt, weil es da viel Armut gibt, die Polizei da viel unterwegs ist, da passieren viele Straftaten und ich finde das jetzt nicht gut, aber leider ist es halt so, dass gerade in den Stadtteilen Gewalttaten medial ein bisschen weniger wahrgenommen werden. Es gibt ja so diese Nachrichtenwerttheorie, dass man sagt, ja, Ereignisse sind dann besonders berichtenswert, wenn sie so unerwartet und überraschend passieren. Und es gibt halt so, ja, sag ich mal, dann das Problem, dass man sagt, okay, da hat sich vielleicht die Gewalt schon irgendwie normalisiert. Und dann finden das die Leser eigentlich gar nicht mehr so krass, wie wenn das jetzt irgendwie, weiß ich nicht, mitten in der Innenstadt oder in einem wohlhabenden Viertel passiert wäre. Es gab also neben der Pandemie noch ganz andere Gründe deshalb, warum der Fall medial nicht so besonders beachtet wurde. Wie geht es aus? Wie lautet denn das Urteil gegen Amar? Amar wurde wegen versuchten Mordes zu einer Freistrafe von 11 Jahren verurteilt. Und daneben wurde noch eine sogenannte Sperrfrist von drei Jahren ausgesprochen. Was bedeutet das? Also eine Sperrfrist wird immer dann ausgesprochen, wenn, wie in Amars Fall, der hatte ja keine Fahrerlaubnis mehr. Und durch die Tat hat er auch gezeigt, dass er ungeeignet ist, Kraftfahrzeuge im Straßenverkehr zu fahren. Und dann ist es so, dass man immer eine sogenannte isolierte Sperrfrist ausspricht. Und damit der Fahrerlaubnisbehörde quasi, ich sage jetzt mal, verbietet in Anführungszeichen. Amar vor Ablauf dieser Frist eine neue Fahrerlaubnis zu erteilen. Das heißt, erst müssen dann diese drei Jahre vergehen und erst dann ist er in der Lage überhaupt wieder eine neue Fahrerlaubnis zu erwirken. Oder in seinem Fall die erste in Deutschland gültige. Wie würdest du denn das Urteil bewerten? Ich würde sagen, dass es ein absolut gerechtes und richtiges Urteil war. Malik, der Beifahrer, wurde wie vorhin schon gesagt freigesprochen. Er erhielt sogar eine Haftentschädigung für über acht Monate in Untersuchungshaft. Was heißt das denn? bekommt er dann so einen bestimmten Geldsatz pro Tag, den er in den Haft verbracht hat, oder wie kann man sich das vorstellen? Also das Ganze regelt sich nach dem sogenannten Streck, das ist die Abkürzung für Gesetz über die Entschädigung für Strafverfolgungsmaßnahmen. Danach werden dann angeklagte oder Beschuldigte entschädigt für Strafverfolgungsmaßnahmen, die sie erlitten haben, wo das Verfahren entweder gegen sie eingestellt wird oder letztlich in einem Freispruch rauskommt. Das kann etwa der Fall sein für eine erfolgte Durchsuchung oder Beschlagnahme. Oder eben auch für die Untersuchungshaft, wie in dem Fall von Malik. Und hier ist es eben so, dass bei einer Untersuchungshaft dann die Entschädigung nach einem Tagessatz erfolgt. Und da gibt es ja auch immer wieder die öffentliche Diskussion, ob diese Sätze eben anzuheben sind. Die Bestrebungen gehen ja eher dahin, dass man den zu Unrecht Inhaftierten einen höheren Satz zubelegt. Ich persönlich kann das auch total nachvollziehen, aber es gibt glaube ich nichts Schlimmeres als, ja letztlich danach weiß ich, unschuldig der Freiheit beraubt worden zu sein. Und das erfolgt dann eben, wie gesagt, nach bestimmten Sätzen pro Tag. Die sich dann wahrscheinlich irgendwie nach dem Einkommen oder so richten, die möglicherweise auch entgangen sind, während die Person in Haft saß oder woran macht man das fest? Da gibt es eigentlich tatsächlich pauschale Sätze. Gibt es denn aus deiner Sicht irgendwas, was man aus diesem Fall lernen kann? Also für die Ermittlungsarbeit, für die Rechtsprechung, aber natürlich auch für die Verhinderung solcher Straftaten. Ich meine, das ist ja wirklich das Worst-Case-Szenario an so einem normalen, geschäftigen Samstag. Also ich finde so juristisch gesehen ist es ein ziemliches Paradebeispiel für den Einsatz eines Autos gegen einen Menschen. Was ich ganz hervorzuheben finde nochmal an dem Fall ist, dass es so wichtig ist, diese Videoaufzeichnung zu haben und ich weiß, es ist immer schwer zu sagen, wo wären wir gewesen, wenn wir diese nicht gehabt hätten, wie hätten wir es dann ausermitteln können, aber das zeigt nochmal, wie wichtig im öffentlichen Raum solche Videoaufzeichnungen für unsere Ermittlungen sind und Und dass die uns halt einfach sehr, sehr weiterbringen, um dann letztlich den Sachverhalt in Gänze aufklären zu können. Verstehe. Weißt du denn was darüber, wie es den Beteiligten und vor allem den Verletzten heute geht? Nee, weiß ich leider nicht. Hatte es befürchtet. Alex, wie wurde denn das Urteil in der Öffentlichkeit aufgenommen? Gab es irgendwie Reaktionen? Ist die Geschichte noch länger im Gedächtnis der Stadt geblieben? Ja, also nicht so wirklich. Das ist natürlich auch so ein Problem, wenn der Fall an sich schon kein richtig mediales Interesse erzeugt hat, dann ist das bei dem Prozess meistens dann auch nicht anders. Wenn ich das richtig überblickt habe, also wir waren nicht da. Es war auch, soweit ich weiß, sonst niemand da. Also die Öffentlichkeit hat im Prinzip das Urteil gar nicht mitbekommen. Und ja, also das ist jetzt glaube ich keine, also so krass das alles klingt, ist das jetzt glaube ich nach allem, was wir gehört haben, auch keine Tat, die jetzt Jahre später noch so in diesem Gedächtnis des Stadtviertels drin ist, obwohl das so schlimm war natürlich. Den Opfern ist es wahrscheinlich auf jeden Fall im Gedächtnis geblieben und mit diesem Podcast haben wir jetzt zumindest mal diese Klammer geschlossen und die Öffentlichkeit kann sich jetzt über das Urteil informieren. Ich danke euch beiden für die Einblicke in diesen spannenden Fall und auch wie immer ein Dankeschön an euch zu Hause, an unsere Zuhörer für eure Aufmerksamkeit. Wenn ihr Gedanken habt zu den Fall Kritik, Lob, was auch immer, dann meldet euch gerne bei uns, schreibt uns an podcast.reinische-post.de oder teilt eure Gedanken mit uns in den Kommentaren hier auf eurer Podcast App. Mein Name ist Lilly Stegner und ich freue mich, wenn ihr auch beim nächsten Mal dabei seid, wenn wir neue Fälle aufklären. Bis dahin. Tschüss. Hinreichend verdächtig.