Latest / Friedrich Nietzsche Podcast in Deutsch / Also sprach Zarathustra - 4. Theil - 6 - Ausser Dienst
Transcript
- 0:00Also sprach Zarathustra ein Buch für alle und keinen vierter Teil
- 0:04Unterkapitel 6 außer Dienst nachdem Zarathustra sich von dem
- 0:11Zauberer verabschiedet hat, setzt er seinen Weg fort.
- 0:14Es dauert jedoch nicht lange, da trifft er auf eine weitere
- 0:17Person, die am Wegesrand sitzt, es ist ein großer, sehr magerer
- 0:21Mann mit einem blassen Gesicht, der komplett schwarz gekleidet
- 0:24ist. Zarathustra ist im ersten Moment
- 0:27verärgert. Er ärgert sich darüber, dass
- 0:29sich in seinem Reich, also in seiner Bergwelt, anscheinend
- 0:32immer mehr seltsame, traurige und priesterliche Gestalten
- 0:36herumtreiben. Er nennt den Mann in Gedanken
- 0:38einen Hexenmeister und will eigentlich unbemerkt an ihm
- 0:41vorbeischleichen, doch der in schwarz gekleidete Mann bemerkt
- 0:45Zarathustra, er springt auf, als hätte er unerwartetes Glück
- 0:49gefunden und bittet Zarathustra um Hilfe, er erklärt, dass er
- 0:53ein Wanderer sei, der sich verirrt habe und Schutz suche.
- 0:58Der Mann erzählt, er sei auf der Suche nach dem letzten frommen
- 1:00Menschen gewesen. Er meint damit einen heiligen
- 1:03Einsiedler, der Tief im Wald lebt und der als einziger noch
- 1:07nichts davon gehört hat, was heute die ganze Welt weiß.
- 1:11Zarathustra fragt den Mann, was denn diese große Neuigkeit sei,
- 1:14die angeblich die ganze Welt weiß, er fragt, ob es die
- 1:18Nachricht ist, dass der alte Gott, an den früher alle
- 1:21geglaubt haben, nicht mehr lebt, der alte Mann bestätigt das
- 1:25traurig. Hier wird eine der bekanntesten
- 1:28philosophischen Aussagen von Friedrich Nietzsche
- 1:30angesprochen. Der Tod Gottes.
- 1:34Nietzsche meint damit nicht, dass ein echtes Lebewesen
- 1:36gestorben ist. Er meint, dass der Glaube an den
- 1:39christlichen Gott in der modernen Welt seine Kraft und
- 1:42seine Bedeutung verloren hat. Der Glaube dient den Menschen
- 1:46nicht mehr als absolute Grundlage für ihre Werte und
- 1:49ihre Moral. Der alte Mann enthüllt nun seine
- 1:52wahre Identität, er ist der letzte Papst.
- 1:56Da Gott tot ist, hat der Papst keine Aufgabe mehr.
- 1:59Er ist arbeitslos, oder wie die Überschrift dieses Kapitels
- 2:03lautet, außer Dienst. Er hat seinen Herrn verloren und
- 2:07lebt jetzt nur noch in der Erinnerung an alte Zeiten.
- 2:10Er erzählt Zarathustra, dass er in die Berge gestiegen ist, um
- 2:14den frommen Waldheiligen zu suchen.
- 2:16Das ist genau jener Heilige, den Zarathustra ganz zu Beginn des
- 2:19Buches getroffen hatte. Der Papst wollte mit diesem
- 2:22Heiligen ein Fest der frommen Erinnerung feiern.
- 2:26Aber als er die Hütte des Heiligen fand, war dieser
- 2:28bereits gestorben. Nur noch 2 Wölfe heulten, um den
- 2:32Toten, da der Papst den Heiligen nicht mehr finden konnte, hat er
- 2:36sich ein neues Ziel gesucht. Er beschloss, den Menschen zu
- 2:39suchen, der von allen Menschen, die nicht an Gott glauben, der
- 2:43Allerfrommste ist. Er hat beschlossen, Zarathustra
- 2:46zu suchen, Zarathustra betrachtet den alten Papst und
- 2:50ergreift dessen Hand, er bewundert die schöne lange Hand
- 2:54des Papstes und sagt. Dass dies die Hand eines Mannes
- 2:57ist, der in seinem Leben viel Segen verteilt hat.
- 3:01Zarathustra stellt sich dem Papst vor und bestätigt, dass er
- 3:04genau jener gottlose Zarathustra ist, den der Papst sucht.
- 3:08Er ist sogar stolz darauf, der Gottloseste von allen zu sein
- 3:12der Papst erkennt, dass Zarathustra die Wahrheit
- 3:14spricht, er sagt, dass derjenige, der Gott am meisten
- 3:18geliebt hat, durch den Tod Gottes nun auch am meisten
- 3:21verloren hat. Zarathustra fragt den Papst nach
- 3:24den genauen Umständen, wie Gott gestorben ist.
- 3:27Er fragt, ob das Gerücht stimmt, dass das Mitleid, den Gott
- 3:30getötet hat, Zarathustra fragt, ob Gott daran erstickt ist, dass
- 3:34er den Menschen am Kreuz eine klare Anspielung auf Jesus
- 3:37Christus leiden sah. Er fragt, ob die übergroße Liebe
- 3:41zu den Menschen und das Mitleid mit ihnen für Gott zu einer
- 3:44unerträglichen Hölle und schließlich zu seinem Tod
- 3:47wurden. Das Mitleid ist für Nietzsche
- 3:50eine sehr negative Eigenschaft. Nietzsche glaubt, dass Mitleid
- 3:53die Menschen schwach macht, weil es das Leiden vermehrt und die
- 3:56Kraft zum Leben verringert. Der alte Papst antwortet nicht
- 4:00direkt mit ja oder Nein, aber er beschließt unter 4 Augen ganz
- 4:04offen mit Zarathustra zu sprechen, er beschreibt die
- 4:07Lebensgeschichte Gottes, als wäre Gott ein normaler Mensch
- 4:10gewesen. Der Papst sagt, Gott sei in
- 4:13seiner Jugend, als er aus dem Morgenland kam.
- 4:16Das bezieht sich auf das Alte Testament der Bibel, sehr hart,
- 4:19rachsüchtig und streng gewesen. Er habe sogar eine Hölle
- 4:23erschaffen, um die Menschen zu bestrafen.
- 4:26Aber als Gott älter wurde, sei er weich, mürbe und übermäßig
- 4:29mitleidig geworden. Er habe sich eher wie ein
- 4:32schwacher Großvater oder eine wackelige alte Großmutter
- 4:35verhalten, schließlich saß er nur noch müde in der Ecke, seine
- 4:39Beine waren schwach und eines Tages erstickte er an seinem
- 4:42eigenen, viel zu großen Mitleid. Zarathustra hört zu und ergänzt
- 4:47seine eigenen Gedanken dazu. Er sagt, dass es viele Arten
- 4:50gibt, wie Götter sterben können. Zarathustra kritisiert diesen
- 4:54Gott scharf, er sagt, er möge Dinge, die klar, hell und
- 4:59ehrlich sind, dieser Gott aber sei immer geheimnisvoll,
- 5:02undeutlich und mehrdeutig gewesen, nicht einmal seine
- 5:07besten Diener wie die Priester und der Papst hätten ihn jemals
- 5:10richtig verstanden. Zarathustra meint, es sei eine
- 5:13Sünde gegen den guten Geschmack gewesen, dass dieser Gott so
- 5:17undeutlich kommuniziert hat. Für Zarathustra zeugt es von
- 5:20gutem Geschmack und von Ehrlichkeit, sich von einem
- 5:23solchen verwirrenden und schwachen Gott abzuwenden.
- 5:25Der Papst ist erstaunt über zarathustras Worte, er spürt in
- 5:29Zarathustras strenger Ablehnung Gottes eine sehr tiefe innere
- 5:33Ehrlichkeit, der Papst sagt zu Zarathustra, dass dieser
- 5:37eigentlich viel frommer ist, als er selbst glaubt, seine
- 5:41Ungläubigkeit kommt gerade von seiner übergroßen Ehrlichkeit
- 5:44hier erklärt Nietzsche einen sehr wichtigen Gedanken.
- 5:48Die Religion hat den Menschen beigebracht, immer die Wahrheit
- 5:51zu suchen. Diese absolute Suche nach der
- 5:54Wahrheit hat am Ende dazu geführt, dass die Menschen so
- 5:57ehrlich geworden sind, dass sie nicht mehr an Märchen und
- 6:00religiöse Illusionen glauben können.
- 6:02Die Religion hat sich durch ihre eigene Forderung nach Wahrheit
- 6:05selbst abgeschafft, der Papst sagt zu Zarathustra, dass genau
- 6:10diese strenge Ehrlichkeit ihn dazu bringt, nicht mehr an Gott
- 6:13zu glauben, der Papst fühlt sich bei Zarathustra sehr wohl.
- 6:17Obwohl Zarathustra sich als gottlos bezeichnet, spürt der
- 6:20Papst bei ihm eine Art Heiligen Frieden und den Duft von Segen.
- 6:24Deshalb bittet der Papst Zarathustra für eine einzige
- 6:27Nacht sein Gast sein zu dürfen, denn nirgendwo auf der Welt
- 6:30würde er sich jetzt sicherer und wohler fühlen.
- 6:33Zarathustra nimmt die bitte gerne an, er freut sich über den
- 6:37Papst und bietet ihm an, in seiner Höhle Zuflucht zu suchen,
- 6:42er sagt ihm, dass er den Weg dorthin hinaufgehen soll.
- 6:45Dort seien auch zarathustras Tiere der Adler und die
- 6:48Schlange, die ihm Gesellschaft leisten würden.
- 6:51Zarathustra selbst muss aber noch weitergehen, weil er immer
- 6:54noch einen Notschrei hört, der ihn ruft.
- 6:57Zum Schluss gibt Zarathustra dem alten Papst noch eine klare
- 7:00Botschaft mit auf den Weg, der Papst soll nicht erwarten, dass
- 7:04Zarathustra ihm seine Traurigkeit abnehmen kann, und
- 7:08vor allem soll er nicht darauf hoffen, dass irgendjemand seinen
- 7:11toten Gott wieder aufwecken wird.
- 7:13Zarathustra stellt unmissverständlich klar, dieser
- 7:16alte Gott ist und bleibt gründlich tot.