Latest / Die Lage international mit Christian Mölling / Antwort auf Putins hybriden Krieg: “Berlin war bislang sehr zaghaft”
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- 0:07Es ist Donnerstag, der 3. September. Herzlich Willkommen zum Stern-Podcast Die
- 0:13Lage international mit Christian Mölling, Senior Advisor beim Brüsseler Think
- 0:18Tank European Policy Center.
- 0:20Guten Morgen, Herr Mölling. Hallo, guten Morgen, Herr Gattmann.
- 0:24Mein Name ist Moritz Gattmann. Ich bin Auslandsreporter für den Stern mit Schwerpunkt Osteuropa.
- 0:30Herr Mölling, nur mal so ein paar Meldungen der letzten Tage.
- 0:34Unbekannte legen Hochspannungsleitungen nahe einem Kraftwerk in Brandenburg lahm.
- 0:38Dasselbe spielt sich in der Nähe von Köln ab. Und in der Slowakei scheitert
- 0:43ein Brandanschlag auf eine ukrainische Drohnenfabrik.
- 0:46Gleichzeitig hören wir von Frau von der Leyen, EU-Kommissionschefin,
- 0:50den Satz, Zitat, die Europäer müssen sich der harten Wahrheit stellen,
- 0:54dass dies die neue Normalität ist. Zitat Ende.
- 0:58Ist der Ukraine-Krieg jetzt in Form von immer mehr und immer gefährlicherer
- 1:02Sabotage bei uns angekommen?
- 1:06Ich glaube, Russland möchte, dass wir glauben, dass das sozusagen umgekehrt,
- 1:13funktionieren kann. Ich will es mal so formulieren, das heißt nämlich,
- 1:15wenn wir die Ukraine weniger unterstützen, dann würde Russland auch seinen Terror einstellen.
- 1:20Ich glaube, dass das tatsächlich nicht der Fall ist, sondern wenn man an diesem
- 1:24Punkt zeigt, dass man eben nicht nur verwundbar ist, denn das sind wir,
- 1:28sondern dass es einem auch so sehr wehtut, dass man darauf reagiert und die
- 1:31Ukraine weniger unterstützt,
- 1:34dann kommt Russland damit einen Grund um seinem Kriegsziel näher.
- 1:38Wir unterstützen die Ukraine, weil wir nicht wollen, dass diese Kriegsziele erreicht werden.
- 1:43Und natürlich hat das zur Folge, dass Russland versucht, uns in diesen Konflikt
- 1:47nicht nur mit reinzuziehen, sondern sozusagen in dem Konflikt mit zu schaden.
- 1:50Teil des Konfliktes sind wir in gewisser Art und Weise, auch wenn Leute das so ungehört hören.
- 1:55Aber wie können wir denn jetzt überhaupt darauf reagieren? Also Regierung,
- 1:59Medien, insgesamt die Gesellschaft, weil man merkt natürlich schon,
- 2:03dass jetzt eine große Nervosität in der Gesellschaft da ist.
- 2:07Hat Putin uns damit nicht genau da, wo er uns haben will?
- 2:12Ich weiß nicht, ob diese Nervosität wirklich da ist.
- 2:17Ich weiß es wirklich nicht. Ich habe den Eindruck, das ist zurzeit erstmal wirklich
- 2:19eine mediale Reaktion, die wir erleben.
- 2:23Und natürlich zielt die mediale Reaktion da drauf, oder zielt die Reaktion Putins
- 2:30da drauf, über die Medien Unsicherheit zu erzeugen.
- 2:33Und wir liefern diese Unsicherheit dann natürlich. Es ist nicht immer so,
- 2:36dass man dem ausweichen kann.
- 2:37Also die Tatsache, dass Merz die Pressekonferenz macht und es dann heißt,
- 2:44er müsse oder Deutschland müsse mit Konsequenzen rechnen, das ist klar,
- 2:48dass das passieren wird, dass die Russen irgendwie darauf reagieren.
- 2:51Wenn möglicherweise hängen die anderen Anschläge oder Anschlagsversuche,
- 2:55die jetzt parallel dazu quasi publik geworden sind, auch damit zusammen,
- 3:00dann würde sich bestätigen, dass man tatsächlich eben versucht,
- 3:04medial das Ganze zu transportieren, quasi mitten in die Pressekonferenz die
- 3:09Neuigkeit weiterer Anschläge rein zu projizieren und damit halt eigentlich die
- 3:13Verunsicherung zu erhöhen.
- 3:14Denn was die Bundesregierung natürlich versucht hat mit der Pressekonferenz,
- 3:18die sie ja wirklich lange vor sich hergeschoben hat oder lange gebraucht hat,
- 3:21die zu machen, war eigentlich ein Zeichen der Entschlossenheit oder der Stärke
- 3:25der Handlungsfähigkeit zu signalisieren.
- 3:28Und es ist relativ unwahrscheinlich, dass es ein reiner Zufall gewesen ist,
- 3:32nicht nur, dass es neue Anschlänge gegeben hat, sondern dass es die genau zu
- 3:36diesem Zeitpunkt gegeben hat.
- 3:38Kommen wir mal auf die Reaktion Deutschlands. Sie haben schon gesagt,
- 3:42Deutschland hat sich lange Zeit gelassen, vier Wochen ungefähr seit diesem Anschlagsversuch
- 3:47auf den Leipziger Flughafen.
- 3:50Da traten der Außenminister und der Innenminister gemeinsam auf und prangerten,
- 3:56offiziell Russland als Drahtzieher dieses Anschlagsversuchs an.
- 4:01Als Antwort wird das russische Generalkonsulat in Frankfurt geschlossen.
- 4:05Dazu das russische Haus in Berlin, darüber wurde ja schon seit Jahren diskutiert.
- 4:11Wird das Putin in irgendeiner Weise beeindrucken, Herr Mölling?
- 4:16Nein, das wird es nicht. Also wir gucken dann aber auch, glaube ich.
- 4:21In der falschen Art und Weise auf die ganze Sache drauf. Hier geht es nicht
- 4:25um eine isolierte Reaktion oder eine einzelne Reaktion auf einen isolierten
- 4:29Akt, nämlich Leipzig. Ich glaube, das ist ein Fehler, wenn wir das Ganze reduzieren
- 4:33auf einen Vorgang der jüngsten Vergangenheit.
- 4:36Auch wenn das sozusagen sogar, wenn das der Bezugspunkt in der Argumentation
- 4:40ist bei der Bundesregierung ist.
- 4:42In Wirklichkeit haben wir es ja hier mit einer Situation zu tun,
- 4:45wo Russland sich selbst im Krieg wähnt oder im Krieg ist mit Europa und mit Deutschland.
- 4:53Das bedeutet nicht, dass wir mit Russland im Krieg sein müssen,
- 4:55aber das ist der Federhandschuh, der uns hingeworfen ist.
- 4:59Und darin ist Leipzig ein Baustein, ein Stück, das jüngste. Oder vielleicht
- 5:04sind es die beiden Anschläge auf die Kraftwerke, die jüngsten.
- 5:07Aber die Idee, man würde jetzt nur mit einer Handlung den Druck Russlands abbauen
- 5:13und Putin zu denken geben, das ist ja illusorisch. Ich glaube,
- 5:17das glaubt auch die Bundesregierung nicht. Ich glaube,
- 5:22wenn man hier tatsächlich effektiv handeln will, da muss man sich klar sein, dass man.
- 5:30Sich mit einer unbegrenzten Anzahl an Gegenreaktionen gegen Russland im Grunde
- 5:35genommen ausstatten muss.
- 5:36Also wenn man Russland sagt, vielleicht sind es eins, vielleicht sind es fünf,
- 5:40aber 20 müssten eigentlich reichen.
- 5:42Sobald man anfängt, so eine Linie zu ziehen, auch in seiner Erwartung,
- 5:45die er auch noch kommuniziert, dann ist ja völlig klar für den Gegner,
- 5:48er muss bloß über diese Linie rüber und dann bricht bei uns wieder alles zusammen.
- 5:51Oder dann ist die Ratlosigkeit auf
- 5:53einmal wieder da und vor allem die Handlungsunfähigkeit dann wieder da.
- 5:57Sprechen wir mal über mögliche Maßnahmen. Eine der Maßnahmen,
- 6:01die auch genannt wurde in der Pressekonferenz, die Berlin aber erst mit den
- 6:04europäischen Partnern beraten will,
- 6:07ist mehr Druck auf die russische Schattenflotte, die ja über die Ostsee russisches
- 6:12Öl auf die Weltmärkte transportiert.
- 6:14Damit finanziert Russland sein Budget und auch den Krieg gegen die Ukraine.
- 6:18Wie könnte denn ein robusteres Vorgehen gegen diese Schattenflotte aussehen,
- 6:23und welche Risiken birgt das? Und können wir das überhaupt?
- 6:26Naja, mein Eindruck ist, im Prinzip können wir das natürlich, wenn wir uns in der...
- 6:33Wie soll man sagen, in der Interpretation der Spielräume, die wir rechtlich
- 6:37haben, deutlich freier machen.
- 6:39Es gibt die Argumentation, dass es uns auch ein bisschen an den technischen Mitteln fehlt.
- 6:43Ich weiß nicht, ob das tatsächlich stimmt. Ich weiß nicht, ob man da nicht im
- 6:47Grunde genommen wieder so eine, aber das ist jetzt Kaffeesatzleserei von mir,
- 6:51ich sag's trotzdem, so einen klassischen Vorwand liefert nach dem Motto,
- 6:55ja, wir haben nicht die richtigen Schiffe dafür oder sonst irgendwas.
- 6:57Andere Partner haben das gemacht, im Zweifelsfall sind da nicht wir,
- 7:00die die Boarding-Teams schicken, da müssen wir irgendwas anderes in dem Zusammenhang machen.
- 7:04Aber Finnen, Franzosen und andere Länder haben das schon gemacht in der Vergangenheit.
- 7:09Das heißt, sie sehen die Möglichkeit, das technisch durchzuführen und auch den
- 7:13rechtlichen Spielraum, das im Grunde genommen zu machen.
- 7:16Und Berlin war da bislang, glaube ich, sehr zaghaft, weil man dann immer alles im Auge hat.
- 7:22Man hat die Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern im Auge. Die Mecklenburger haben
- 7:25vor Iran und Küste einen russischen Öltanker liegen, wo sie jetzt Angst haben,
- 7:30dass der möglicherweise beschossen wird und es dass es dann eine Ölpest gibt
- 7:33und all diese ganzen Geschichten.
- 7:35Und so sind wir dann auf die eine oder andere Art und Weise immer wieder gefangen,
- 7:40in der Angst vor unserer eigenen Courage.
- 7:43Und deswegen gibt es dann oftmals diesen ersten Schritt der Courage eigentlich
- 7:48gar nicht, weil man glaubt, das würde eigentlich gar nichts bringen.
- 7:52Mhm. Sprechen wir über Risiken. Es ist ja auch durchaus vorstellbar,
- 7:56dass Russland dann zum Schutz seiner Tanker die Marine einsetzt.
- 8:02Gibt es dieses Risiko nicht auch? Ja, das wäre möglich.
- 8:07Das wäre möglich, aber das kann es ja nur für seine Schiffe.
- 8:10Also die Schiffe fahren ja teilweise unter anderer Flagge. Das kommt ja im Grunde
- 8:15genommen auch noch mit dazu. Sie fahren durch internationale Gewässer, auch das kommt mit dazu.
- 8:19Das wäre in der Tat möglich. Die Frage ist, okay, was heißt das dann,
- 8:22dass ich im Grunde genommen einer Räuber-Eskorte sage, naja,
- 8:27okay, dann hast du eben eine freie Passage hier oder wie mache ich es dann?
- 8:31Oder muss ich dann überlegen, dass ich möglicherweise das Kattegat,
- 8:35also die Umfahrung durch die Nordsee, von der Ostsee in die Nordsee,
- 8:40sie möglicherweise für eine bestimmte Zeit sperren muss, weil ich ein NATO-Manöver habe.
- 8:46Also das sind alles Dinge, die ich mir glaube ich anfangen muss wieder zu überlegen,
- 8:48wie ich hier im Grunde genommen einen Hebel dran kriege oder ob ich mir tatsächlich
- 8:53auf der Nase rumtanzen lasse.
- 8:56Also ich erinnere mich, ich war ja vor ein paar Wochen in der Ukraine und dann,
- 9:00hat dieser Chef von Firepoint, Denis Stillerman, also die stellen diese Langstreckendrohnen
- 9:07und so weiter her, hat er mir erzählt, dass er den Europäern auch mal vorgeschlagen hat,
- 9:11dass sie quasi als Dienstleister fundieren könnten und mit den ukrainischen
- 9:16Drohnen den russischen Ölexport in der Ostsee einfach stoppen könnten.
- 9:21Indem sie sozusagen mit Drohnen dort rumfliegen und die Tanker vor die Wahl stellen.
- 9:26Entweder ihr haltet an und kehrt um oder die Drohnen landen auf eurem Tanker.
- 9:32Davor schrecken die Europäer, nicht nur die Deutschen, ja schon zurück vor dieser,
- 9:38wirklich harten Maßnahme, die auch militärische Konfrontation bedeuten würde.
- 9:43Also ein Schließen der Ostsee für diese ganzen Schattentanker.
- 9:48Können Sie das nachvollziehen?
- 9:50Ja, weil sie natürlich nicht nur den Kompromiss der Anrainerstaaten brauchen, sondern,
- 9:57wenn sie das vernetzen mit anderen Maßnahmen im europäischen,
- 10:00vor allem im EU-Kontext, brauchen sie natürlich die Zustimmung oder zumindest
- 10:03die Nicht-Blockade anderer Staaten in dem Zusammenhang.
- 10:06Nicht für diese spezielle Maßnahme vielleicht, aber wenn man sie unter einer
- 10:08bestimmten Flagge machen will, dann braucht man das.
- 10:11Und dann kann ich mir gut vorstellen, dass einige Staaten signalisiert haben,
- 10:15dass sie das nicht akzeptieren.
- 10:16Wir erinnern uns an das letzte oder vorletzte Sanktionspaket,
- 10:20das so löcherig geworden ist, weil im Grunde genommen viele Staaten ihre,
- 10:25Partikularinteressen im Geschäft mit Russland durchgebracht haben,
- 10:30sodass da halt einfach ein schwieriger Kollateralschaden einer solchen Aktion
- 10:34nicht nur durch Russland, sondern möglicherweise auch durch andere droht.
- 10:38Aber man kommt eben zu dem Punkt zurück, wo man sagen muss, naja.
- 10:42Ich lasse mich ja im Grunde genommen dann zurückdrängen von Russland.
- 10:45Ich gebe eigentlich fast schon einen eigenen Standpunkt wieder auf und eine eigene Grenze auf.
- 10:51Und dann stellt sich schon die Frage, wie soll, was glauben wir denn,
- 10:54wie das Ganze eigentlich enden soll?
- 10:56Also nicht, wer hat nachher wie viel Territorium, sondern welche Folgen hat
- 11:01es, wenn wir nicht nur keinen Plan haben, wie die Ukraine ihre Ziele oder Russland
- 11:07auf alle Fälle auf lange Zeit lang seine Ziele nicht erreichen kann,
- 11:10sondern wenn wir jetzt auch noch sozusagen in der Salami-Taktik Russlands nachgeben
- 11:14und sagen, ah okay, naja, wenn dann halt eine Konsequenz droht,
- 11:17dann machen wir das nicht.
- 11:18Ja, natürlich droht da eine Konsequenz. Ist doch logisch.
- 11:21Dann ist doch, glaube ich, eher die Frage, für wie wahrscheinlich halte ich das, dass das passiert?
- 11:25Und bin ich bereit, dann den nächsten Schritt im Grunde genommen zu gehen?
- 11:28Kommen wir zu dem zurück, was ich vorhin gesagt habe. Sie müssen,
- 11:30wenn Sie einsteigen, schon bereit sein, eine unendliche lange Anzahl an Konsequenzen
- 11:36oder auch eine unendlich lange Zeit, das durchzuhalten.
- 11:39Sonst zwinkern Sie im Grunde nur mit den Augen. Und Ihr Gegner weiß ganz genau,
- 11:42dass Sie ab irgendeinem Punkt blöffen.
- 11:46Im Prinzip ist, kann man sagen, ist dann diese Art der Kommunikation von Frau
- 11:50von der Leyen richtig, dass sie sagt, diesen Satz, ich wiederhole nochmal,
- 11:55die Europäer müssen sich der harten Wahrheit stellen, dass dies die neue Normalität ist.
- 12:01Wir müssen damit rechnen, dass hier tatsächlich eben jetzt ständig versucht
- 12:04wird, so mit sehr einfachen Methoden unsere Infrastruktur zu schädigen.
- 12:10Vielleicht solche Frachtflugzeuge, die der Ukraine irgendwie helfen,
- 12:13in die Luft zu sprengen. Auch Fabriken, die Rüstungsgüter für die Ukraine herstellen, anzugreifen.
- 12:21Also, würden Sie sagen, es ist richtig, dass da so Klartext geredet wird jetzt?
- 12:25Ich würde sagen, man kann das nicht ausschließen. Wir haben eine nahezu unendliche
- 12:31Anzahl an sehr einfachen Zielen in Deutschland und in Europa,
- 12:35die sich sehr einfach durch jeden angreifen lassen.
- 12:38Das ist, glaube ich, ein wesentlicher Punkt.
- 12:41Das bedeutet nicht, dass die deutschen Europäer wehrlos sind,
- 12:44aber gerade für Deutschland bedeutet das, dass wir sehr am Anfang einer besseren
- 12:50Handlungsfähigkeit und Wehrhaftigkeit da stehen.
- 12:53Denn viele Anschläge in der Vergangenheit, auch durch Russland,
- 12:59sind verhindert worden.
- 13:01Beispiel der versuchte Anschlag auf den Rüstungsunternehmer Tumann.
- 13:07Nicht durch Geheimdiensttätigkeiten, aber eben offensichtlich nicht durch Deutsche.
- 13:12Das heißt, andere, nämlich Amerikaner und Israelis, haben eine so gute Geheimdienstleistung,
- 13:19dass sie in der Lage sind, diese Informationen zur Verfügung zu stellen.
- 13:23Und deswegen muss es natürlich eigentlich ein Ziel sein Deutschlands,
- 13:26dass es selber in der Lage ist, sich zu schützen, auch auf dieser Ebene,
- 13:29auch geheimdienstlich.
- 13:30Jetzt haben wir ein paar Gesetze geändert.
- 13:32Bis das neue Praxis wird, neue Kultur, wenn man so will, dass nicht nur unsere
- 13:37Streitkräfte und unsere Polizei, sondern auch unsere Geheimdienste anders operieren
- 13:41und dadurch in der Lage sind, uns besser zu schützen.
- 13:45Das wird noch eine Zeit lang dauern. Das heißt aber nicht, dass man bis dahin
- 13:49warten muss. Ich glaube, es ist richtig, erstmal jetzt alle das zu tun,
- 13:52was man schon mal tun kann, damit man eben nicht noch mehr Land verliert.
- 13:57Wir haben schon über verschiedene Szenarien der Eskalation gesprochen jetzt im Hybridenkrieg.
- 14:03Der ukrainische Präsident Zelensky hat jetzt in dieser Woche Angriffe auf die
- 14:08Luftfahrtinfrastruktur in Russland angedeutet.
- 14:12Zwar betont er, dass die Ukraine nicht den zivilen Flugverkehr an sich bedrohe,
- 14:16Aber die Menge ukrainischer Drohnenangriffe könnte dazu führen,
- 14:20dass sich der russische Luftraum, Zitat, de facto schließt.
- 14:24Putin nennt das in einer ersten Reaktion, Zitat, Ankündigung von Staatsterrorismus.
- 14:30Was will Zelensky so erreichen?
- 14:34Ich glaube, das erste hat er schon mal erreicht, nämlich dass Putin direkt darauf antwortet.
- 14:39Und das ist ja, wenn ich jetzt so zurückgucke, seltener seiner Art,
- 14:43dass er sich beeindruckt gibt von dem, was die Ukrainer da machen.
- 14:47Und da kann man sagen, naja, da haben die Ukrainer möglicherweise schon mal
- 14:50das erste richtig gemacht, denn sie sind gehört worden.
- 14:54Und das ist offensichtlich was, was man nicht auf die leichte Schulter nehmen
- 14:57kann. Denn also gerade die Sperre des Luftverkehrs der drei großen Moskauer
- 15:02Flughäfen ist natürlich was,
- 15:03was in der Vergangenheit schon immer noch mal wieder stattgefunden hat.
- 15:06Wenn es jetzt gelingt, das permanent oder sehr viel länger zu machen,
- 15:10dann ist das natürlich ein weiterer Baustein, in dem die Ukraine in der Lage
- 15:14ist, das Leben nicht nur der allgemeinen Moskau zu beeinflussen,
- 15:18sondern wahrscheinlich auch der Eliten.
- 15:22Deren Teil des Geschäftsgebarens ist, einfach noch reisen zu können.
- 15:27Und damit macht man den Raum im Grunde genommen nochmal enger.
- 15:30Und es steigert im Grunde genommen das Unwohlsein, sicherlich auch auf Seiten
- 15:35des Kreml, weil man eben auch da dann nicht in der Lage ist,
- 15:38Sicherheit herzustellen. Also da geht es im Grunde genommen Putin dann so ein
- 15:42bisschen wie den Deutschen auch.
- 15:43Man muss sagen, okay, das ist nicht, auch Russland hat ein hohes Maß an Verwundbarkeit.
- 15:48Das ist das, was wir in den letzten Wochen, auch Monaten gesehen haben.
- 15:52Und die Ukraine ist bereit, das sehr systematisch auszunutzen.
- 15:59Ungeachtet dieses gerade offenbar eskalierenden Hybridenkriegs saß beim G20-Gipfel
- 16:05in den USA der russische Finanzminister nun mit am Tisch, zusammen mit seinen
- 16:09europäischen Amtskollegen. Und das erstmals seit 2022.
- 16:13Ganz schön spannend, dass das so parallel passiert.
- 16:16Ist damit zu rechnen, dass im Dezember, wenn in den USA das Treffen der Staatschefs
- 16:21der G20 stattfindet, auch Wladimir Putin wieder mit von der Partie sein wird?
- 16:26Trump hat sich da zuletzt ja nicht abgeneigt gezeigt.
- 16:30Ja, also ich glaube, da muss man, glaube ich, den Film in seiner Breite,
- 16:37glaube ich, darstellen. Ja, der Finanzminister war da.
- 16:40Die Europäer sind aus dem Raum quasi gegangen, also nicht physisch,
- 16:44sondern sie haben gesagt, wir treffen uns nicht und es gab auch kein Familienfoto
- 16:47mit dem Finanzminister, aber es gab eins ohne den russischen Finanzminister.
- 16:50Das heißt, da waren die Amerikaner jetzt nicht bereit, das Protokoll völlig zu zerschlagen.
- 16:55Man hätte ja auch sagen können, jetzt nehmen wir gar kein Foto,
- 16:57aber dann hätte halt auch der amerikanische Finanzminister kein Foto gehabt.
- 17:00So und von daher ist diese Agenda schon mal nicht aufgegangen.
- 17:04Und das ist die Frage, was Putin
- 17:06jetzt glaubt, was ihm drohen würde und ob das für ihn ein Erfolg ist.
- 17:10Wenn er dorthin reist, dann wird er wahrscheinlich annehmen,
- 17:13dass Trump ihn nicht ausladen wird von einem solchen Foto, aber dass es möglicherweise
- 17:18kein Familienfoto, sondern nur Einzelfotos geben wird.
- 17:21Also die Amerikaner werden jetzt aus dieser Situation lernen,
- 17:24die Europäer hoffentlich auch und die Russen aber natürlich auch.
- 17:27Von daher ist es, glaube ich, nicht ausgemacht, a, dass es eine Einladung gibt
- 17:31und b, wie der Verlauf des Ganzen dann im Grunde genommen sein wird.
- 17:35Und also da ist ja noch einige Zeit hin, bis dieser Gipfel stattfinden wird.
- 17:40Bis dahin wird Trump sicherlich seine Meinung noch einige 20 Mal geändert haben.
- 17:45Aber erst mal ein Achtungserfolg für die Russen, würde ich sagen,
- 17:48oder? Die wollen ja gerne nach innen, aber auch nach außen demonstrieren.
- 17:52Es gibt eine Normalisierung der Beziehungen. Das kann ich mir schon vorstellen,
- 17:56wie die Russen das in den Abendnachrichten jetzt ihrem eigenen Volk zeigen.
- 18:00Seht ihr ja, unser Finanzminister sitzt da wieder beim G20-Gipfel und so,
- 18:05als wäre nichts passiert. Na klar, na klar, absolut.
- 18:09Das ist letztendlich ja auch, und das muss man glaube ich damit reinfiltern,
- 18:13das ist ja eine Normalisierungsagenda, die die Amerikaner mit betreiben.
- 18:17Das ist ja nicht etwas, was sie zähneknirschend hinnehmen, sondern es ist Teil
- 18:21der amerikanischen Außenpolitik zum jetzigen Zeitpunkt durch diese Administration zu sagen,
- 18:26ja wir wollen eine Wiederannäherung mit Russland, weil wir glauben,
- 18:30dass wir damit viele Probleme in den Griff bekommen.
- 18:32Das kann man jetzt erstmal als falsch finden, aber das ist deren Politik und
- 18:36deswegen ist es sehr konsequent.
- 18:37Ist auch wichtig, dass das die Veränderung zur beiden Administrationen halt
- 18:40einfach ist, wo man sagt,
- 18:42so etwas wahrscheinlich gar nicht erwogen hat. Man so etwas natürlich immer
- 18:47erwägen kann als ein, wie gesagt, zähneknirschender Kompromiss,
- 18:50wenn man irgendwas anderes dafür kriegt.
- 18:53Aber es scheint mir zum jetzigen Zeitpunkt so, dass der große Dealmaker Donald
- 18:57Trump hier auch noch nichts rausgekriegt hat, für das er den Finanzminister eingeladen hat.
- 19:05Schauen wir mal, was in diesen unsicheren Zeiten die nächste Woche bringt,
- 19:08worüber wir nächste Woche dann sprechen werden. Herr Mölling,
- 19:11vielen Dank erstmal für das Gespräch. Ich danke Ihnen, Herr Gertmann.
- 19:14Das war die Lage international. Wir sind übrigens ausdrücklich interessiert
- 19:19an Ihrer Meinung zu dem, worüber wir hier sprechen.
- 19:22Schreiben Sie deswegen gerne Kommentare, Fragen, Anregungen,
- 19:27Kritik auch gerne auf Spotify oder direkt an dielageinternational at stern.de.
- 19:34Wir sind gespannt. Die nächste Folge gibt es wie gewohnt am kommenden Donnerstag
- 19:38auf RTL Plus und überall sonst wo Sie gerne Podcasts hören.
- 19:42Danke für Ihr Interesse und bis bald.