Latest / ntv Wirtschaft / Nächster Akt im Wolfsburger Drama: Wie Volkswagen den Absturz verhindern will
Transcript
- 0:04Volkswagen verdient deutlich weniger, verkauft in China viel schwächer und senkt den Ausblick.
- 0:10Bald muss der Konzernchef erklären, wie hart der Sparkurs wirklich wird.
- 0:15Außerdem, Donald Trump findet einen neuen Vorwand für Zölle gegen die Welt.
- 0:20Und für ein bekanntes süddeutsches Unternehmen gibt es wohl keine Hoffnung mehr.
- 0:26In diesem Podcast verwandeln moderne KI-Systeme journalistische Inhalte,
- 0:30die auf unseren NTV-Plattformen publiziert wurden, in ein neues Hörformat.
- 0:35Text und meine Stimme wurden mithilfe künstlicher Intelligenz erzeugt.
- 0:40Vor der Veröffentlichung werden alle Folgen nach strengen journalistischen Standards
- 0:44geprüft. Viel Spaß beim Zuhören.
- 0:50Die Krise bei Volkswagen verschärft sich weiter. Der Gewinn von Europas größtem
- 0:55Autobauer ist im zweiten Quartal um etwa ein Drittel eingebrochen.
- 1:00Damit bleiben zwar noch anderthalb Milliarden Euro unterm Strich,
- 1:03aber es bleiben auch die Probleme, allen voran China.
- 1:07Da sind die Verkäufe um mehr als ein Drittel zurückgegangen.
- 1:11Jetzt senkt Volkswagen auch den Umsatzausblick für das Gesamtjahr.
- 1:15Statt wie bisher mit 3% Wachstum rechnen die Wolfsburger jetzt im schlimmsten
- 1:20Fall mit 3% Umsatzrückgang.
- 1:24Davor rettet sie auch nicht die steigende Nachfrage nach kleinen E-Autos.
- 1:28Aber sie ist zumindest ein Lichtblick.
- 1:31Nicht nur die Beschäftigten fragen sich, wie hart wird der Sparkus noch.
- 1:36Wie viele Jobs Volkswagen letztlich genau abbaut, soll laut Konzernchef Oliver
- 1:40Blume zum Ende des Jahres feststehen.
- 1:43Ulrich Reitz hat ihn dazu und zu den möglichen Werksschließungen befragt. Das hat er geantwortet.
- 1:50Die 50.000 Stellen treffen zu. Das ist das erste Paket, was wir 2024 dort vereinbart
- 1:55haben. Dort sind wir unterwegs, sozial verträglich.
- 1:58Und jetzt ermitteln wir weltweit über unsere Marken, über unsere Gesellschaften,
- 2:01Regionen, wie viel wir noch zukünftig anpassen müssen.
- 2:04Korrekt ist, dass der Volkswagen-Konzern über Jahrzehnte in eine Dimension gewachsen
- 2:08ist, die heute finanziell nicht mehr tragfähig ist in der aktuellen Marktlage.
- 2:13Deswegen werden wir dort Anpassungen machen. Und wir ermitteln aktuell die Zahlen,
- 2:17wie groß diese sein werden. Und es geht am Ende um Kosten, um dort im Durchschnitt
- 2:21des Wettbewerbs unterwegs zu sein, nicht mehr und nicht weniger.
- 2:25Und die Kosten ermitteln sich aus der Anzahl der Menschen und der Arbeitskosten.
- 2:28Und daraus werden wir gerade Gesellschaft für Gesellschaft entwickeln,
- 2:31was notwendig ist und was wir uns da am Ende auch zutrauen.
- 2:34Wir haben auch nicht kommuniziert, dass wir Werke schließen müssen.
- 2:36Wir haben kommuniziert, dass wir Kapazitäten anpassen müssen,
- 2:40denn jede Überkapazität kostet Geld.
- 2:42Und wir stellen uns dort in den jeweiligen Werken dem Wettbewerb in Europa und
- 2:47haben dort kommuniziert, dass wir heute für vier.
- 2:52Deutsche Werke noch keine gesicherte, wettbewerbsfähige Belegung in den 30er Jahren zusagen können.
- 2:58Und da gilt meine Aussage, dass ein Werk zu schließen immer die letzte und die
- 3:03schlechteste Konsequenz ist.
- 3:04Von einer Position der Stärke spricht der Konzernchef.
- 3:09Wie schätzt man das an der Börse ein? Frank Mayer hat mit dem Autoexperten Horst
- 3:14Schneider von der Bank of America gesprochen.
- 3:17Ja, also blumig kann Herr Blume. Sehr viel Marketing ist mein Eindruck.
- 3:22Man kommt aus der Position der Stärke, Herr Schneider. Welche Stärke?
- 3:27Ganz falsch ist das Kommentar mit der Stärke natürlich nicht,
- 3:29weil VW ist Marktführer immer noch in Europa.
- 3:32Man hat sogar 2025 noch den Markteinteil in Europa gesteigert.
- 3:35Ich glaube auf 26, 27 Prozent. Man liegt aktuell bei 24 Prozent,
- 3:40aber man ist immer noch Marktführer.
- 3:42Also von daher ist es vielleicht eine schwächere Stärke als vor einem Jahr oder
- 3:45vor drei Jahren, aber man ist immer noch Marktführer und stark.
- 3:47Und man hat ja einen Plan.
- 3:50Ich hatte den Eindruck, planlos ging der Plan los, weil ich kenne den Plan, nicht Sie?
- 3:54Ich glaube, das Hauptproblem ist, dass die Pläne immer wieder geändert werden
- 3:57müssen. Und man kommt gar nicht hinterher, so schnell wie die Pläne geändert
- 4:00werden müssen. Wenn wir uns alle deutschen Autobauer angucken,
- 4:03alle müssen die Pläne ändern.
- 4:05Und VW natürlich ist ein Konzern mit immer noch fast 600.000 Beschäftigten.
- 4:10Und das ist ein Tanker. Den dreht man nicht von heute auf morgen um.
- 4:13Und dann dreht man sich im Prinzip am Ende vielleicht im Kreis.
- 4:17Aber natürlich, der Plan, den man jetzt hat, den muss man umsetzen.
- 4:20Da geht kein Weg dran vorbei. Man muss was ändern.
- 4:22Wenn ich diesen O-Ton von Blume höre, dann frage ich mich doch,
- 4:26wer zieht im Hintergrund die Strippen? Blume ist es vielleicht nicht.
- 4:30Blume ist immer noch der CEO vom Konzern. Mit Sicherheit wird er die Strippen
- 4:34ziehen, aber natürlich ist VW eine Riesengruppe und ist Stakeholder getrieben.
- 4:40Wir müssen uns nur das VW-Gesetz angucken. Wir müssen uns angucken,
- 4:43dass Niedersachsen 20 Prozent im Unternehmen hat.
- 4:47Die Betriebsverfassung müssen wir uns angucken, Vetorechte. Von daher ist es
- 4:52ein Stakeholder-Approach, es ist kein Shareholder-Value-Approach.
- 4:55Die Stakeholder haben viel mitzureden.
- 4:57Also, wenn man dann mal das Negative zur Seite nimmt, sehen Sie irgendwie was
- 5:03Positives im Zahlenwerk, im Ausblick, im Plan?
- 5:08Naja, wir Deutschen sind gut da drin, immer schwarz zu sehen, muss ich sagen.
- 5:12Wenn man aber jetzt mal dann drauf gucken will, was könnte denn besser werden,
- 5:15dann sage ich immer, also Nummer eins, man muss immer, also das ist jetzt nicht
- 5:19ein Punkt, wo man sagen kann, es wird besser, aber man muss immer noch sagen
- 5:21können, es ist auch schon die billigste Autoaktie global.
- 5:25Wir handeln auf einen Konsensus-PI von dreimal. Das ist keine billigere Autoaktie global.
- 5:30Man hat immer noch einen Netto-Cash von fast 40 Milliarden, wenn man den Everlands-Verkauf mit einrechnet.
- 5:37Von daher ist viel Substanz da. Man hat nie in A&D unterinvestiert.
- 5:41Wenn irgendwann mal diese Forschung-Entwicklungsausgaben vielleicht in ein besseres
- 5:44Produkt münden, das sehe ich vielleicht 2028, 2029, das könnte man sagen,
- 5:49dann wird es besser. Im Prinzip braucht man ein Produkt, das die Leute glauben,
- 5:52wo die Leute sagen, das kann mit Tesla mithalten, mit Chinesen mithalten.
- 5:56Man hat in China durchaus solche Produkte entwickelt. Da hat es geklappt.
- 5:59Man sieht es nur noch nicht.
- 6:01Die Zellen in China gehen immer noch runter. Die könnte man zum Beispiel nach
- 6:04Deutschland bringen, was man noch, glaube ich, früher oder später machen muss,
- 6:06weil man keine andere Wahl hat, wenn man mit den Chinesen im Wettbewerb stehen
- 6:10will. Und die Möglichkeiten hat eine Stellantis nicht, hat eine Renault nicht.
- 6:14Und da ist man dann stärker als vielleicht diese Wettbewerber.
- 6:17Na gut, unschlagbare Produkte, das ist das eine. Oder unschlagbare Pläne.
- 6:21Aber wenn ich mir die Zahlen angucke, Volkswagen produziert zu teuer.
- 6:25Volkswagen produziert zu teuer. Das geht sicherlich den Franzosen im Endeffekt auch so.
- 6:29Aber natürlich, wenn man sich die Arbeitskosten anguckt, die Arbeitskosten in
- 6:33Osteuropa sind wahrscheinlich...
- 6:3760, 70 Prozent günstiger. Von daher in Deutschland hat man kein Auslachtungsproblem.
- 6:42In Deutschland hat man ein Lohnkostenproblem. Und das sieht man quer durch die
- 6:45Industrie. Mercedes baut ab, BMW wird jetzt Leute abbauen.
- 6:48Und VW bei den vielen Beschäftigten. Natürlich müssen die Leute abbauen.
- 6:51Allein in der Forschung und Entwicklung kann man Leute abbauen.
- 6:53Weil in Zukunft wird das AI übernehmen auch. Dankeschön, Herr Schneider.
- 6:57Kommen wir kurz zu einem ganz anderen Unternehmen. Der Batteriehersteller Varta
- 7:01steht vor der Zerschlagung.
- 7:03Das schwäbische Unternehmen hat
- 7:05jetzt gleich vier Insolvenzanträge beim Amtsgericht Stuttgart gestellt.
- 7:09Kurz vorher war bekannt geworden, dass die größten Gläubiger,
- 7:12vor allem Porsche, die Deutsche Bank und der österreichische Unternehmer Michael
- 7:17Theuner, kein Geld mehr nachschieben und einzelne Geschäftsbereiche aus dem
- 7:21Konzern herauslösen wollen.
- 7:23Allein mit den Haushaltsbatterien oder auch Knopfzellen für Hörgeräte etwa lässt
- 7:28sich nach wie vor gutes Geld verdienen, glauben sie.
- 7:32Und damit zu einem Thema, das nicht nur einzelne Unternehmen,
- 7:35sondern so ziemlich die ganze Industrie beschäftigt. Zölle.
- 7:40Der US-Präsident nämlich braucht für seine Zölle nach der Niederlage vor dem
- 7:44obersten Gerichtshof eine neue Rechtsgrundlage.
- 7:47Und meint, die gefunden zu haben. Gerade rechtzeitig zum Fristablauf.
- 7:52Jetzt nutzen Donald Trump und seine Regierung kurzerhand Paragraph 301 aus dem
- 7:58Handelsgesetz von 1974.
- 8:01Soll heißen, sie werfen 60 Handelspartnern vor, nicht genug gegen Zwangsarbeit
- 8:06zu tun, darunter auch Deutschland.
- 8:09Und unter genau der Voraussetzung gelten für diese Länder jetzt eben neue Zollbestimmungen.
- 8:15Was bedeuten die für Deutschland und Europa? Darüber hat Jens Reupert mit Holger
- 8:20Schmieding gesprochen, Chefvolkswirt von Bärenberg.
- 8:23Herr Schmieding, Zwangsarbeit als Begründung für die neuen Zolle.
- 8:27Wie klingt das für Sie? Das ist einfach lächerlich. Gerade was Deutschland und Europa betrifft.
- 8:32Die Europäische Union und Deutschland sind ja weltweit dafür bekannt,
- 8:36dass wir eher mit erhobenem Zeigefinger durch die Welt gehen.
- 8:39Also bei Vergehen wie Zwangsarbeit oder bei Vergehen gegen das Klima.
- 8:44Immer wieder andere Länder mahnen, das nicht zu tun, also uns vorzuwerfen.
- 8:48Wir würden nicht genug gegen Zwangsarbeit vorgehen. Wie gesagt, ist lächerlich.
- 8:52Und wie sehr treffen uns die neuen Zölle in Deutschland und in Europa?
- 8:56Eigentlich gar nicht, weil sie ja im Wesentlichen ein Ersatz sind für die bisherigen Zölle.
- 9:00Im Rahmen dessen, was ja Europa vor einem Jahr in diesem Turnberry-Abkommen
- 9:05mit den USA vereinbart hat, um die Handelsstreitigkeiten beizulegen.
- 9:09Also es ist wirklich für uns nichts Neues, keine zusätzliche Aufregung.
- 9:14Natürlich, insgesamt ist die Zollpolitik von Donald Trump ein großer Schaden,
- 9:18vor allem für die US-Verbraucher, aber auch ein bisschen natürlich für Handelspartner
- 9:23wie Deutschland und Europa.
- 9:25Natürlich, es gibt jetzt eine gewisse Unsicherheit, welches Produkt genau betroffen ist.
- 9:30Aber im Vergleich zur Unsicherheit, die wir hatten, bevor vor einem Jahr die
- 9:34USA und Europa diesen Zoll, die geschlossen haben, im Vergleich dazu ist die
- 9:38Unsicherheit eher gering.
- 9:40Trumps Zölle wurden schon einmal vom Supreme Court kassiert.
- 9:44Kann das jetzt wieder passieren und wird er sich dann einfach einen neuen Vorfahren suchen?
- 9:48Es kann wieder passieren. Allerdings sind die USA jetzt ja gründlicher vorgegangen.
- 9:52Sie haben jetzt eine Rechtsgrundlage.
- 9:55Sie haben vorher Anhörungen gehabt, ob tatsächlich Zwangsarbeit ein Thema ist.
- 10:00Auch wenn meines Erachtens das Ergebnis dieser Anhörung gewesen hätte sein sollen,
- 10:04dass die Handelspartner der USA nicht sich hier strafbar machen oder hier ihre
- 10:10Aufgaben nicht vernachlässigen, vor allen Dingen nicht im Vergleich zu den USA selbst.
- 10:14Insgesamt ist es möglich, dass diese Zölle angefochten werden.
- 10:18Es ist denkbar, dass der oberste Gerichtshof sie letztlich außer Kraft setzt.
- 10:22Aber wahrscheinlicher ist wohl, dass der oberste Gerichtshof in diesem Fall
- 10:26sagen wird, naja, es ist zwar nicht ganz koscher, aber so schlimm,
- 10:30dass wir sie verbieten, ist es vermutlich auch nicht.
- 10:33Sagt der Bärenberg-Chef-Volkswirt Holger Schmieding. Herr Schmieding,
- 10:36ich danke Ihnen sehr für Ihre Zeit, danke Ihnen sehr für das Gespräch. Gerne.
- 10:40Von Washington jetzt noch schnell ein Blick nach Brüssel. Die EU treibt ihre
- 10:44Verfahren gegen die großen Online-Netzwerke voran.
- 10:47Jetzt ist TikTok im Visier. Die chinesische Videoplattform tut nach vorläufigen
- 10:52Ermittlungen der EU-Kommission nicht genug für den Schutz ihrer minderjährigen Nutzer.
- 10:58Die Kommission kritisiert unter anderem, dass Fremde öffentliche Profile Minderjähriger
- 11:03sehen und junge Nutzer auch mit missbräuchlichen Absichten kontaktieren könnten.
- 11:09Brüssel sieht darin ein Einfallstor etwa für Cybermobbing und fordert,
- 11:14die Einstellungen so zu ändern, dass die von Minderjährigen geteilten Inhalte
- 11:18nicht mehr für alle Welt sichtbar sind.
- 11:21Sollte TikTok nicht nachbessern, droht der Plattform eine Geldstrafe.
- 11:26TikTok verweist auf die schon bestehenden
- 11:28Jugendschutzeinstellungen und Auswahlmöglichkeiten für die Nutzer.
- 11:32Die Plattform ist mit mehr als 200 Millionen Nutzern in Europa eine der beliebtesten,
- 11:37gerade bei jungen Menschen.
- 11:39Das war unser Blick auf die aktuellen Nachrichten aus der Wirtschaft für den Moment.
- 11:44Wir hören und lesen uns wieder bei NTV, in der App, im TV oder hier im Podcast.