Latest / Gin And Talk / Axel Hacke über Bücher, Kolumnen und die Welt
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- 0:00Speaker 0: Bei aller Beratschaft Menschen zu verstehen, finde ich es halt auch relativ wichtig.
- 0:04Speaker 0: Auch die Leute zu verstehen...
- 0:06Speaker 1: ...die sich
- 0:07Speaker 0: mit guten Gründen vor Covid-IX fürchten und die darunter auch leiden.
- 0:14Speaker 0: Und das sollte man in dieser Zeit nicht ganz vergessen.
- 0:17Speaker 0: Immer nur auf die zu schauen, die große Glocke klingeln, dass wir zu wehen.
- 0:22Speaker 0: Wir alle haben immer gedacht, wir kennen Amerika gut weil wir so viele Filme gesehen haben, weil wir dort waren und die Musik gehört haben.
- 0:33Speaker 0: Weil das große Amerika eben auch in vieler Insicht unser Vorbild immer gewesen
- 0:40Speaker 0: ist.".
- 0:41Speaker 0: Und wir müssen natürlich jetzt tatsächlich feststellen, so gut kennen wir Amerika gar nicht.
- 0:45Speaker 0: Wir kennen nur Ausschnitte von Amerika!
- 0:47Speaker 0: Wir kennen vielleicht das ganz gut was uns in Amerika irgendwie auch ähnlich ist die Ostküste, Gewässküstel aber dieses Riesenamerika dazwischen und das haben wir uns eigentlich auch nie wirklich interessiert.
- 1:00Speaker 0: Ich wollte schon ein bisschen mehr etwas schreiben um ein bisschen bleibt und dann habe ich gedacht Bügelschreiben könnte vielleicht schöner sein.
- 1:07Speaker 1: Herzlich Willkommen Mein Name ist Daniel Fürg und bevor wir gleich rüber an unseren coronabedingt virtuellen Badresen gehen, möchte ich kurz unseren heutigen Gast vorstellen.
- 1:18Speaker 1: Axel Hacke ist Journalist, Kolumnist- und Schriftsteller.
- 1:22Speaker 1: Er gehört zu den bekanntesten und erfolgreichsten Autoren in Deutschland und schreibt jede Woche seine Kolumne für das süddeutsche Zeitungmagazin.
- 1:30Speaker 1: Sein bisheriges Werk zählt fast dreißig Bücher und unzählige Kolumbinen – viele seiner Bücher wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt!
- 1:37Speaker 1: Ich habe mit ihm über den aktuellen Zustand unserer Gesellschaft sein Leben, über Inspiration, Kreativität und das Schreiben gesprochen.
- 1:46Speaker 1: Viel Spaß beim Zuhören!
- 1:48Speaker 1: Und vielen Dank dass ihr alle wieder dabei seid.
- 2:09Speaker 0: Mach es dir gemütlich, leh'n dich zurück und tauche ein in die verrucht düstere Atmosphäre unserer Studio-Bar.
- 2:26Speaker 1: Axel Hacke!
- 2:27Speaker 1: Ich freue mich sehr dass Sie sich heute Zeit nehmen und ich Ihnen ein paar Fragen stellen darf.
- 2:32Speaker 1: Vielen Dank und herzlich willkommen dieses Mal virtuell in unserem Studio.
- 2:35Speaker 1: das heißt irgendwann müssen sie mal vorbeikommen.
- 2:38Speaker 1: Ja
- 2:39Speaker 0: du bist Gott erfüllt, ja weit ist das nicht für mich.
- 2:42Speaker 0: Das ist ganz in der Nähe glaube ich sogar von meiner... Wohnungen beim Büro.
- 2:47Speaker 1: Richtig, ja genau und sie sind in München tatsächlich inzwischen.
- 2:52Speaker 1: wie so eine kleine Berühmtheit habe ich festgestellt jedem dem ich erzählt habe dass sich mit ihnen spreche der Fantas total spannend.
- 2:59Speaker 1: Ich hab gleich im Freundeskreis ganz viele neue Hörer gewonnen die ganz begeistert waren weil Sie gesagt haben wenn der kommt dann höre ich auch mal rein.
- 3:10Speaker 1: Und selbst der Taxifahrer, mit dem ich Ihnen heute unser kleines Care-Paket quasi vorbeibringen lassen habe.
- 3:15Speaker 1: Als er gehört hat wo die Reise hingeht dann hat er sich auch schon sehr gefreut.
- 3:19Speaker 1: Ja
- 3:20Speaker 0: ja, Taxifahrer sind oft nette Leute.
- 3:24Speaker 0: Absolut!
- 3:25Speaker 0: Kann ganz weit zum Lesen.
- 3:28Speaker 1: Ja traurigerweise momentan mehr als ihn lieb ist das ist richtig.
- 3:32Speaker 1: Ja, Sie schreiben wahnsinnig viel.
- 3:35Speaker 1: Sie schreiben natürlich jede Woche im SZ-Magazin Ihre Kolumne aber sie haben auch wahnsinnige viele Bücher geschrieben.
- 3:42Speaker 1: wie machen Sie eigentlich das mit diesem Wahnsinnigen kreativen Output?
- 3:46Speaker 1: Also Bücher verstehe ich ja.
- 3:48Speaker 1: also dann nimmt man sich irgendwie hat man eine gewisse Zeit und man hat vor allem mehr Zeit Aber jede Woche diese Kolumnen zu schreiben.
- 3:56Speaker 1: Wie viel Zeit haben Sie dafür tatsächlich oder wieviel Zeiten nehmen Sie sich tatsächlich dafür?
- 4:02Speaker 0: Neuer also berein technisch ist das so, dass sich die Kolumne erscheint ja immer freitags im Magazin der südtischen Zeitung und ich muss sie neun Tage vorher schreiben.
- 4:13Speaker 0: Also weil dieses Magazin eine sehr lange Herstellungszeit hat es wird schon lange bevor es der Zeitung beiligt gedruckt und also neun tage vorher.
- 4:22Speaker 0: das heißt jeden Mittwoch schreibe ich die Kolumn und ich fange halt morgens an um früh im Büro eigentlich immer um acht Uhr oder so und mittags muss die fertig sein, bis halb eins oder so muss das fertig sein.
- 4:38Speaker 0: Das heißt dass ist die Zeit in der ich das schreibe.
- 4:42Speaker 0: aber es ist natürlich so, dass ich schon Tage vorher darüber nachdenke.
- 4:47Speaker 0: eigentlich über diese konkrete Kolumne fange ich spätestens montags an nachzudenken.
- 4:56Speaker 0: ansonsten... Ich mache das schon so lange dieses Kolumnenschreiben, das ist schon weiß ich im asset Magazin seit dreißig Jahren und vorher habe ich ja in der südlöschen Zeitung auch schon sowas gemacht.
- 5:08Speaker 0: Das läuft bei mir immer irgendwie parallel nebenbei.
- 5:13Speaker 0: man denkt eigentlich immer zu darüber ein bisschen.
- 5:17Speaker 1: Ja, das Nachdenken ist ein guter Punkt.
- 5:19Speaker 1: Ich habe die Kolumne von heute natürlich gelesen.
- 5:22Speaker 1: wir nehmen hier an dem Freitag auf und sie schreiben über einen riesiges Virus.
- 5:27Speaker 1: dass man auch ohne Lesebrille sehen kann hab ich noch im Kopf genau Und über den Gedanken wie es denn eigentlich wäre wenn wir Viren hätten die uns gut tun würden dann könnten wir die irgendwie löffelweise in uns hineinschaufeln.
- 5:41Speaker 1: Wie kommt man denn bitte auf darauf, dass irgendwo ich glaube in Südamerika war das so ein riesiges Virus existiert?
- 5:49Speaker 0: Ja gut.
- 5:49Speaker 0: Also die Voraussetzung für die Kolumne ist natürlich unheimlich viel zu lesen und sich anzuschauen.
- 5:58Speaker 0: Mein Ding ist natürlich Zeitunglesen.
- 5:59Speaker 0: Ich lese Zeitungen ja wirklich klassisch einfach auf Papier jeden Tag mehrere Zeitungen und ich bin natürlich auch viel im Internet unterwegs.
- 6:09Speaker 0: Produkteur, der mit mir zusammenarbeitet beim SET-Magazin.
- 6:12Speaker 0: Der natürlich auch schaut nach solchen Dingen und ja diese Riesenviren die so ich sagen die laufen einem irgendwann mal über den Weg bei der Arbeit.
- 6:22Speaker 0: Und dann sieht man das gibt es irgendeine kleine Meldung dazu irgendwo dass online ist oder auf Papier.
- 6:29Speaker 0: und da denkt man hey Wie wäre es eigentlich, wenn wir so groß wären?
- 6:33Speaker 0: Dass man sie nicht irgendwie unter dem Mikroskop oder sonst wo erst entdecken muss.
- 6:38Speaker 0: Dass man sich quasi mit bloßem Auge schon sehen könnte!
- 6:41Speaker 0: Und wie wär's, wenn Sie noch größer sind?
- 6:43Speaker 0: und wie wäre es, wenn sie gut wären für uns und nicht immer nur schlecht?
- 6:47Speaker 0: also dieses Kolumnschreiben ist natürlich ganz viel auch dieses die wäre es wenn ja was wäre wenn?
- 6:55Speaker 0: Also, sehr häufig ist es eben die Vorstellung auch einer anderen Wirklichkeit und den Leserinnen und Lesern dann auch den Vorschlag zu machen.
- 7:05Speaker 0: Sie ist doch mal so oder versucht doch mal dir das vorzustellen.
- 7:10Speaker 0: So eine Kolumne soll ja in meiner Sicht auch was Fantasieanregendes sein.
- 7:14Speaker 0: Es ist ja kein Berger, ein Prediger!
- 7:17Speaker 0: Ich will ja niemanden irgendwas vorschreiben, ich will niemanden indoktrinieren... Was ich will is' so bisschen dazu beitragen, dass jeder sein Gedankenapparat da oben nochmal in einer anderen Richtung in Bewegung setzt.
- 7:33Speaker 0: Auch das er ja, dass der Flexibel bleibt, dass man einfach seine Fantasie im Schuss hält.
- 7:39Speaker 0: Ja?
- 7:40Speaker 0: Darum geht's!
- 7:43Speaker 1: Als Sie damals vom Studium quasi... als sie damals mit dem Studium fertig waren war für Sie von Anfang an Klar, Sie wollen unbedingt bei der süddeutschen Zeitung arbeiten.
- 7:57Speaker 1: Also Sie haben...
- 7:59Speaker 0: Vorher klar!
- 8:00Speaker 0: Schon vorhin im Studio fertig war ich immer dahin zu der Zeitung.
- 8:05Speaker 1: Wie ist diese Liebesbeziehung wenn man sie dann so nennen darf entstanden?
- 8:11Speaker 0: Ja also...
- 8:12Speaker 1: Weil sie kommen ja eigentlich gar nicht mal aus München.
- 8:15Speaker 0: Ich stammle aus Niedersachsen und aus Braunschweig.
- 8:19Speaker 0: so was wie Journalismus oder gar Schriftsteller, das war in unserer Familie nicht vorgesehen.
- 8:24Speaker 0: Mein Vater war sozusagen am öffentlichen Dienst.
- 8:27Speaker 0: die anderen Verwandten waren weiß ich Handwerker oder vielleicht auch mit meinen Anwalt dabei oder sowas.
- 8:34Speaker 0: aber so ein Beruf der war da nicht vor gesehen.
- 8:37Speaker 0: also ich war sozusagen mit meinem beruflichen Vorstellungsvorstand erst mal völlig allein gelassen.
- 8:41Speaker 0: Ich wusste nur nichts gegen Braunschweig.
- 8:44Speaker 0: Aber ich will wieder weg Ich muss raus hier.
- 8:48Speaker 0: Und wie mache ich das?
- 8:50Speaker 0: Ja und dann war ich am Anfang so ratlos, dass sich so Büro wie Reisebüro kauf man ventiliert habe.
- 8:57Speaker 0: Ich dachte neuerere Reisebürger muss mal ja mal weg.
- 9:01Speaker 0: Und dann bin ich also immer... Ich hab natürlich schon immer wahnsinnig viel gelesen.
- 9:05Speaker 0: Meine halbe Kindheit habe ich lesend verbracht und ich bin dann immer zum Hauptbahnhof in Braunschweig gefahren und hab da so an den Zeitungsständen geguckt großen Zeitungen der Welt damals gesehen und auch die großen deutschen Zeitung, die es so gab.
- 9:24Speaker 0: Da habe ich mir dann immer mal welche gekauft und hab sie so mitgenommen.
- 9:29Speaker 0: Von all diesen Zeitungen gefiel mir die Süddeutsche schon am besten.
- 9:32Speaker 0: Und da bin ich zur Journalisten-Schule nach München geschafft und die Weier nun ist heute noch praktisch neben der süddeuschen Zeitung.
- 9:43Speaker 0: Da war die Verbindung dann schnell irgendwie geschaffen.
- 9:48Speaker 1: Wie haben Sie München damals in dieser Zeit erlebt?
- 9:51Speaker 1: Was hat diese Stadt mit Ihnen gemacht, als sie endlich mal rauskamen?
- 9:55Speaker 1: quasi?
- 9:56Speaker 0: Ich war erstmal total alleine und ich kannte hier kaum jemanden und hatte Schwierigkeiten in so einer für mich doch wahnsinnig großen Stadt irgendwo anzudocken.
- 10:09Speaker 0: Da war die Journalistenschule dann sehr hilfreich, da war man ja wirklich nicht nur um eine Nummer in der Universität sondern man lernte auch Leute kennen.
- 10:18Speaker 0: War trotzdem hat sich große Anlaufschwierigkeiten in München.
- 10:21Speaker 0: aber das hat sich dann irgendwann geändert und ich habe entdeckt dass München gerade dieses München in den Ende des siebziger Jahre Anfang der achtziger Jahre eigentlich so Meine Stadt ist, das war die Stadt in der ich mich entfalten konnte.
- 10:43Speaker 0: In der ich zu dem werden konnte, der ich sein wollte.
- 10:48Speaker 0: Das konnte ich in meiner Heimatstadt nicht.
- 10:51Speaker 0: Es geht vielen Leuten so, die künstlerisch arbeiten wollen, dass sie auch von dort wo sie aufgewachsen sind erst mal weg müssen.
- 11:00Speaker 0: Man muss sich frei machen und eine Freiheit gewinnen.
- 11:03Speaker 0: Diese Freiheit in München war natürlich auch beängstigend für mich am Anfang.
- 11:08Speaker 0: Aber es war eben auch sehr, sehr verlockend und mir hat immer gefallen als ich zur süddeutschen Zeitung dann gekommen bin diese Mischungen zwischen schon hart arbeiten viel arbeiten aber auch mal fünf gerade sein lassen und das Leben genießen Das musste ich auch erst lernen.
- 11:31Speaker 0: Also das war für mich ein bisschen neu, ja?
- 11:34Speaker 0: So wirklich auch sich entspannen zu können.
- 11:37Speaker 0: Es gab Kollegen die sind zum Schreiben ins Café gegangen und haben Mittagszeit auf dem Victualenmarkt verbracht.
- 11:45Speaker 0: Damals waren die Süddeutscher noch mitten in der Stadt also mir ihre gefallen.
- 11:50Speaker 0: Ich konnte das erst gar nicht so.
- 11:52Speaker 0: Ich habe es gelernt.
- 11:53Speaker 1: Haben Sie in der Zeit auch damals durch dieses auch erstmal alleine sein diese Beobachtungsfähigkeit gelernt, also wenn man ihre Texte liest merkt man ja dass sie sich schon wahnsinnig sehr damit auseinandersetzen wie alles irgendwie zusammenhängt.
- 12:10Speaker 1: Wie Menschen denken und denken könnten.
- 12:14Speaker 1: war das ist es damals entstanden?
- 12:16Speaker 0: Naja ich bin ja eigentlich ein sehr zurückhaltender Mensch auch etwas belastet durch eine gewisse Schüchternheit.
- 12:27Speaker 0: Also ich bin keiner, der Leute einfach so anquatscht oder direkt auf Leute zugeht.
- 12:33Speaker 0: zumindest war ich damals.
- 12:34Speaker 0: nichts konnte ich nicht.
- 12:36Speaker 0: Das ist für ein Reporter schwierig.
- 12:39Speaker 0: Reporter stellt man sich ja immer als einen vor, der reinkommt und sofort mit den Leuten ins Gespräch kommt.
- 12:46Speaker 0: das war ich nicht.
- 12:47Speaker 0: Ich war immer der Typ wenn er in einen Raum kommt, sich irgendwo hinten in die Ecke stellt und sich das Gesamtbild erst mal anschaut.
- 12:56Speaker 0: Es gibt erstaunlich viele schüchternere Porter übrigens!
- 12:59Speaker 0: Und man hat natürlich keine andere Chance als zu beobachten.
- 13:04Speaker 0: Dadurch lernt man das Beobachten auch.
- 13:07Speaker 0: Man schaut sich die Dinge erstmal an und lässt sie auf sich wirken und überlegt dann was kann ich damit machen?
- 13:15Speaker 0: Dieses Reportersein habe ich auf diesem Wege natürlich gelernt über das Hinschauen, genau und präzise Hinshauen.
- 13:25Speaker 0: Und auch nicht nur Hinschanen sondern auch Hinhörungen, Zuhörungen können.
- 13:30Speaker 0: Das konnte ich glaube schon immer ganz gut.
- 13:32Speaker 0: Ich bin jemand der ganz gut zuhören kann, der sich wirklich interessiert.
- 13:37Speaker 0: für andere Leute.
- 13:38Speaker 0: Das hat mir bei der Reporterarbeit natürlich sehr geholfen, also der typrasende Reporter mit wehenden Mantel bin ich nie gewesen.
- 13:47Speaker 1: Gehört da auch dazu erstmal so ein bisschen Geduld zu lernen?
- 13:52Speaker 0: Naja sie müssen natürlich schon schauen dass sich die Sachen entwickeln, bisschen warten was passiert.
- 14:01Speaker 0: auf der anderen Seite ist Geduld, Bezeitungsleute, sagen wir mal nicht die hervorsteckende Eigenschaft weil Bei einer Tageszeitung stehen sie natürlich immer unter ihrem Druck.
- 14:11Speaker 0: Sie müssen liefern, sie müssen produzieren – das ist was mir immer wahnsinnig zu schaffen gemacht hat!
- 14:16Speaker 0: Also ich war ja am Anfang der Zeit Sportreporter.
- 14:20Speaker 0: Nirgendwo haben sie weniger Zeit als bei der Arbeit als Sportreporter.
- 14:24Speaker 0: Das konnte ich mir überhaupt nicht vorstellen, dass man sich also nicht nur einen Fußballspiel anschaut und dann darüber schreibt sondern schon während des Fußballspiels sein Bericht schreiben muss fertig sein muss, weil man ihn dann nämlich durchgeben muss an die Redaktion.
- 14:40Speaker 0: Das war schon ein irrer Druck und der wurde nicht kleiner.
- 14:44Speaker 0: als ich dann später für die Seite drei die großen Reportagen geschrieben habe hat mich wahnsinnig gestresst.
- 14:52Speaker 0: Sie fahren da montags los oder sonntagsabends irgendwo hin wo sie noch nie waren Wo sie keinen kennen, wo sie schauen müssen.
- 15:01Speaker 0: was finde ich da heraus?
- 15:03Speaker 0: Was ich erzählen könnte.
- 15:05Speaker 0: Das Einzige was Sie wissen für Samstagabend ist eine ganze Seite einer Zeitung für sie reserviert.
- 15:11Speaker 0: bis dahin muss das Ding fertig sein.
- 15:13Speaker 0: Sei es die Müssen Donners nach Abend irgendwann notveräßt die ganze Nacht durcharbeiten und das schreiben und dass habe Ich eine zeitlang gemacht lange gemacht.
- 15:24Speaker 0: irgendwann wurde mir dieser Stress einfach zu viel.
- 15:26Speaker 0: also Ich konnte mir nicht vorstellen, das mein ganzes Leben lang zu machen.
- 15:31Speaker 1: Das ist ja oft auch dann nicht nur irgendeine Seite sondern gerade bei der SCET dann auch oftmals die Seite drei, die ja so ein wahnsinniges Renommee hat.
- 15:39Speaker 1: also dieser inhaltliche Druck ist ja dann auch noch da oder?
- 15:42Speaker 1: Ja!
- 15:43Speaker 0: Also es ist ein Platz wo sie mit hohen Maßstäben gemessen werden.
- 15:48Speaker 0: auf der einen Seite und auf der anderen Seite arbeiten Sie dann manchmal mehr als eine Woche an so einer Geschichte Und da ist es mir eben auch passiert, dass ich wirklich eine Reportage geschrieben hatte an der ich lange gearbeitet habe und die mir sehr wichtig war.
- 16:06Speaker 0: Die fühlte dann samstags die ganze Seite und montags fragte mich dann irgendjemand, also nicht in einer Redaktion sondern woanders, was machst du nur eigentlich so?
- 16:16Speaker 0: Ich hab lange nichts von dir gelesen!
- 16:19Speaker 0: Da hab' ich gemerkt, Tageszeitung ist doch ein sehr vergängliches... Gewerbe.
- 16:24Speaker 0: Und das hat mich auch irgendwann gestört, ja?
- 16:26Speaker 0: Ich wollte schon ein bisschen mehr was schreiben, was auch ein bisschen bleibt und dann habe ich gedacht Bücher schreiben könnte vielleicht schöner sein.
- 16:34Speaker 1: Davon haben Sie ja eine ganze Menge geschrieben, weil jetzt ist ja dieses Herangehen an das Buch schreiben ein Stück weit anders.
- 16:41Speaker 1: Wie ging es Ihnen damit am Anfang?
- 16:44Speaker 0: Naja also ich hab ja im Anfang kleine Büchlein geschrieben Büchlein, die auch aus kurzen Texten bestanden.
- 16:54Speaker 0: Also mein erstes Buch Nächte mit Bosch, das waren, da war es nur so kleine Glossen und dann aber auch kurze Erzählungen, die ich irgendwie relativ schnell geschrieben hatte, dann kam der kleine Erziehungsberater, der sowieso nur aus winzigen Texten über das Alltagsleben einer Familie mit Kindern bestand.
- 17:12Speaker 0: Dann kam der Kleine König Dezember auf ein eigentlich sehr dünnes Büchelein, dass sich ziemlich rasch geschrieben hatte.
- 17:22Speaker 0: Also ich bin so über... Ich habe mich da so rangerobbt, ja?
- 17:25Speaker 0: Über die kurzen Texte habe ich mich da rangeroppt und nicht gleich angefangen einen Zweihundertfünfzigseitenbuch zu schreiben.
- 17:33Speaker 0: Da habe ich lange dafür gebraucht.
- 17:36Speaker 1: Doris Dörre hat mir gesagt, man muss wirklich sich einfach jeden Tag hinsetzen.
- 17:41Speaker 1: Jeden Tag schreiben erst mal nicht so viel über Perfektion nachdenken sondern einfach mal was zu Papier bringen und dann kann man danach immer noch sortieren und überlegen, was man machen möchte.
- 17:52Speaker 1: damit geht es Ihnen genauso.
- 17:53Speaker 1: also setzen Sie sich wirklich einfach jeden tag hin.
- 17:56Speaker 1: haben sie da so eine Art festes Ritual?
- 17:59Speaker 0: Ich setze mich jeden Tag hin und schreibe aber das wird dann auch veröffentlicht.
- 18:03Speaker 0: Also ich greife nicht irgendwie so So vor mich hin oder zum Spaß, oder zum Spiel.
- 18:08Speaker 0: Ich beneide Doris Deuer darum dass sie das so macht und auch so machen kann.
- 18:14Speaker 0: aber eine Kolumne die ich schreibe die geht natürlich ruckizuki in Druck Und wenn ich an einem Buch arbeite anders da experimentiert man natürlich Da spielt man rum, da schreibt man was man später wieder verwirft oder vollkommen anders aufzäumen bei einem Buch ja auch erstmal seinen Ton finden muss.
- 18:35Speaker 0: Und da ist es aber so, dass ich das sich schon immer an was wirklich Konkretem arbeite also So wie Doris Dörre das empfiehlt Also ich morgens hinzusetzen und quasi noch im Halbschlaf erst mal hinzuschreiben was so einem durch den Kopf geht.
- 18:50Speaker 0: Das ist nicht mein Ding.
- 18:53Speaker 0: vielleicht sollte ich's mal probieren.
- 18:54Speaker 0: Ich denke einfach toll Ich könnte da was anderes noch über mich rausfinden, muss ich mal ausprobieren.
- 19:05Speaker 0: Aber ich habe tatsächlich immer so viele konkrete Projekte vorhaben die überall lange Zeit in meinem Kopf im Hintergrund schon entstanden sind dass wenn ich anfange zu schreiben dann immer schon relativ genau weiß was ich machen will und dann auch wirklich sehr konkret daran arbeite.
- 19:30Speaker 1: Jetzt habe ich hier dieses Wozu wir da sind.
- 19:34Speaker 1: Walter Wehmuts Handreichungen für ein gelungenes Lebenbuch, in dem sie einen eigentlich Nachrufschreiber beschreiben der eine Geburtstagsfesttagsrede quasi halten soll und das eigentlich nie macht aber ja sich dann doch ernsthaft Gedanken darüber macht wie er das irgendwie hinbekommen kann.
- 19:57Speaker 1: sehr detailliert, sehr genau beschreibt eigentlich am Ende des Tages wie wir Menschen irgendwie ticken und was uns irgendwie ausmacht.
- 20:07Speaker 1: Und was uns besonders macht oder auch unterschiedlich macht ist das etwas was sie generell einfach sehr sehr also merkt man ja auch in ihren anderen Werken.
- 20:18Speaker 1: dieses herauszufinden und zu skizzieren wie wie menschen ticken das beschäftigt sich schon sehr.
- 20:25Speaker 0: Ja, also ich interessiere mich halt für Menschen.
- 20:27Speaker 0: Also das habe ich schon immer getan.
- 20:30Speaker 0: meine Reportagen waren nie Landschaftsbilder oder Städteporträser sondern es waren immer Geschichten in denen ist ganz konkret um real existierende Menschen gingen.
- 20:40Speaker 0: Es waren immer kleinere oder größere Porträts von Leuten wenn nicht über die über die Währungsreform geschrieben werden DDR also mit der Einflugung einer neuen Währung dann hab ich über die menschen geschrieben die damit umgehen mussten, dass plötzlich ihr Leben auf links gedreht wird oder auf rechts.
- 21:00Speaker 0: Und da überlegt was bedeutet das für deren Leben?
- 21:04Speaker 0: Oder ich habe größere Porträte über ... Was ich über Wolfgang Joop geschrieben habe über Leute, die mich wirklich interessiert haben und das hab' ich natürlich ein bisschen auch in dieses Buch übertragen weil dieser Walter Wehmut der soll ja diese Rede halten zum achtzigsten Geburtstag einer Dame Und diese Frage, was soll ich da sagen über das gelungene Leben?
- 21:27Speaker 0: Die wendet er natürlich auf sein eigenes Leben an.
- 21:30Speaker 0: Er fragt sich, was ist an meinem Leben eigentlich gelungen oder nicht gelungen?
- 21:34Speaker 0: und dann redet der auch über die Menschen, die er gekannt hat, über die Freunde, die ihr gehabt habt, über Leute, wo er geglaubt hat.
- 21:42Speaker 0: Er kannte die gut und es hat sich irgendwann herausgestellt.
- 21:45Speaker 0: Der kannte sie gar nicht!
- 21:46Speaker 0: Sie waren ganz anders als er gedacht hat und konnten sich so gut verbergen.
- 21:50Speaker 0: Oder er hat vielleicht auch nicht genau genug hingeschaut... Das alles erzählt ja, und das ist natürlich viel eingeflossen aus meinen eigenen Erfahrungen.
- 22:00Speaker 0: Aber es sind auch erfundene Figuren.
- 22:03Speaker 0: Es ist so eine Mixtur geworden.
- 22:06Speaker 0: aber wenn man das Buch liest wird man eben sehen Auch diese Geschichte wird erzählt über einzelne Menschenfiguren die diesen Walter Wehmut mal irgendwann begegnet sind.
- 22:20Speaker 1: In diesen außergewöhnlichen Zeiten in denen wir da gerade leben gibt es ja eine ganze Menge zu beobachten, gerade wenn's auch darum geht wie sich Menschen verhalten in dieser Ausnahmesituation.
- 22:32Speaker 1: Verstehen Sie die Menschen noch, die sich da teilweise so ja auch sehr außergewöhnlich verhalten?
- 22:41Speaker 1: Sehr an der... Also ich habe die Erfahrung gemacht grade die letzten Monate.
- 22:46Speaker 1: Man hat früher immer gesagt, naja da gibt's jetzt solche die spinnen ein bisschen und die sollen mal ihr Ding machen.
- 22:53Speaker 1: mit denen hab ich nichts zu tun.
- 22:54Speaker 1: Aber in den letzten Monaten sind diese Menschen irgendwie gefühlt immer näher gekommen also Leute die man gut kennt oder geglaubt hat gut zu kennen.
- 23:03Speaker 1: Also vielleicht geht es mir da so ein bisschen wie Walter Wehmuth der feststellt Irgendwie ja vielleicht kannte ich die leute doch nicht so gut Wie ich dachte wenn sie sich in so einer Situation dann auf einmal so eigenartig verhalten Wie geht es Ihnen da?
- 23:17Speaker 0: Ja, das stimmt natürlich.
- 23:18Speaker 0: Man lernt Menschen in extremen Situationen anders und vermutlich auch besser kennen als wenn alles gut läuft.
- 23:27Speaker 0: Dann verhalten sich Menschen anders.
- 23:30Speaker 0: Wenn sie plötzlich unter Druck kommen, wenn Sie Angst haben, wenn's eng wird dann kommt was wahres an die Oberfläche.
- 23:43Speaker 0: Das ist nicht immer schön!
- 23:44Speaker 0: was wir ja gerade sehen.
- 23:46Speaker 0: Tatsächlich ist es so, dass mich da immer noch die Frage beschäftigt warum?
- 23:53Speaker 0: Was ist mit dem Einzelnen da eigentlich los?
- 23:57Speaker 0: Was passiert da?
- 23:59Speaker 0: Warum sind sie so?
- 24:01Speaker 0: Was geht in denen vor?
- 24:02Speaker 0: also wenn ich jetzt Reporter wäre dann würde ich sicher losfahren und mit einzelnen Leuten da sprechen auch Leuten, wie an diesen Demonstrationen teilnehmen.
- 24:16Speaker 0: Ich würde versuchen es zu kapieren was in denen vorgeht und ich versuch's eigentlich immer noch.
- 24:24Speaker 0: Ich korrespondiere ja viel mit Leuten die mir schreiben.
- 24:29Speaker 0: wenn ich jetzt so eine Kolumbeschreibe darüber was sich übers Masten tragen denke ich bin ja Befürworter dann kriege natürlich auch manchmal Mails von Leuten Ich bin so enttäuscht von ihnen, ich hab sie als Autor immer so geschätzt und jetzt sind sich fürs Masken tragen.
- 24:46Speaker 0: Und dann komm' ich mit denen so eine Korrespondenz rein!
- 24:51Speaker 0: Da kriegt man ein bisschen Gefühl dafür wie Leute ticken.
- 24:56Speaker 0: ja.
- 24:58Speaker 0: Das finde ich schon wichtig.
- 24:59Speaker 0: Man sollte es schon immer versuchen andere Leute erstmal zu verstehen bevor man über sie urteilt.
- 25:08Speaker 0: Deswegen... Ich bin ein radikaler Gegner, so einer Partei wie der AfD.
- 25:17Speaker 0: Aber ich würde niemals jeden der die AfD wählt in Bausch und Bogen verurteilen.
- 25:22Speaker 0: Ich würde erst mal versuchen zu verstehen warum was da eigentlich passiert?
- 25:28Speaker 0: Und so geht mir das auch mit den sogenannten Corona-Leuten an.
- 25:31Speaker 0: Obwohl ich da manchmal schon in Schwierigkeiten komme, weil da wird es schon bisschen eng.
- 25:41Speaker 1: Ist es nicht auch so ein sehr deutsches Verhalten, was wir da gerade haben?
- 25:46Speaker 1: Also ihr Kollege Jan Weiler war vor ein paar Wochen hier bei mir.
- 25:51Speaker 1: der ja auch vielen Italien unterwegs ist, der dann erzählt hat.
- 25:55Speaker 1: Naja er hat dann mal versucht einem italienischen Freund zu erklären warum diese Menschen da in Berlin eigentlich auf die Straße gehen und wogegen die eigentlich demonstrieren?
- 26:05Speaker 1: Und dann hat dieser italienische Freund von ihm gesagt Ja sie müssen eine Maske... also warum verstehen die denn nicht dass die ne Maske tragen sollen?
- 26:14Speaker 1: und wir mussten komplett daheim bleiben.
- 26:17Speaker 1: Wir hatten unsere Wirtschaft ist hinüber ihr habt eure Hilfen diesen ganzen Wohlstand, den ihr habt und wir wissen gerade wirklich nicht wohin.
- 26:25Speaker 1: Aber ihr geht auf die Straße und wir versuchen irgendwie diszipliniert zu sein?
- 26:30Speaker 0: Also natürlich ist es tatsächlich schwer mit der Jena das begrablich zu machen weil dieses Phänomen gibt es in Italien dieser Form so nicht.
- 26:40Speaker 0: In Italien sind manche Leute negationistisch.
- 26:43Speaker 0: Das sind die, also negieren dass es Corona gibt.
- 26:47Speaker 0: Die gibt's da auch aber nicht in dieser Form Nicht in dieser, wie soll ich sagen Radikalität und diesen massiven Auftreten.
- 26:56Speaker 0: Es gibt dort andere Formen von Protest aber das so nicht... Also ist das Deutsch?
- 27:06Speaker 0: Also erst mal möchte ich mal eins sagen Wir beschäftigen uns immer noch mit einer kleinen Minderheit Und dass Phänomen unserer Zeit ist Das kleine Minderheiten Heute in der Öffentlichkeit anders wahrgenommen werden als früher, weil es die sozialen Medien gibt.
- 27:26Speaker 0: Weil sie da einen Riesenlärm erzeugen können auch wenn Sie ganz wenige sind.
- 27:32Speaker 0: und das stört mich manchmal.
- 27:33Speaker 0: ja dass wir hier dauern Wir reden jetzt schon wieder darüber.
- 27:37Speaker 0: Ja wir reden über ein paar Leute Die sich ja auch noch teilweise nicht scheuen Auch mit geschultem trainierten und zu allem bereiten Rechtsradikalen auf die Straße zu gehen.
- 27:52Speaker 0: Das ist sehr bedenklich und deswegen habe ich manchmal auch keinen Bock mich hier dauernd mit den Leuten auseinanderzusetzen, die in Wahrheit doch nur sehr wenige sind aber die hat einen ungehoren Krachmann.
- 28:11Speaker 0: bei aller Bereitschaft Menschen zu verstehen finde ich es halt auch relativ wichtig auch die Leute zu verstehen
- 28:19Speaker 1: die sich
- 28:20Speaker 0: mit guten Gründen vor Covid-IX fürchten und die darunter auch leiden.
- 28:28Speaker 0: Und das sollte man in dieser Zeit nicht ganz vergessen, ja immer nur auf die zu schauen, die große Glocke klingeln, dass mir zu wenig.
- 28:38Speaker 1: Wie geht es Ihnen denn damit, wenn Sie ein Blick über den Atlantik momentan werfen mit dem was dort drüben passiert?
- 28:46Speaker 1: Gar nicht mal mit Trump an sich sondern mit der Tatsache dass wenn man sich diese Wahlergebnisse anschaut.
- 28:52Speaker 1: Ja doch ein sehr großer Teil der Gesellschaft ihn nochmal gewählt hat obwohl all das passiert ist die letzten vier Jahre.
- 29:04Speaker 0: Das ist zum Verrückt werden.
- 29:09Speaker 0: äußerst deprimieren und natürlich mit erheblichen Teilen auch nur zu erklären, mit den sozialen Medien die es Menschen tatsächlich ermöglichen sich in Scheinwelten zu begeben.
- 29:22Speaker 0: In denen die Wahrheit und die Wirklichkeit nicht mehr so viel zählt.
- 29:26Speaker 0: und diese Medien werden halt von Trump und seinem Gefolge natürlich auch sehr geschickt und sehr gezielt genutzt.
- 29:35Speaker 0: und so kommt das dass viele Menschen eigentlich gar nicht mehr wissen, was los ist.
- 29:42Speaker 0: Sie glauben aber zu wissen, dass es los ist weil sie haben sich in einer Parallelwelt begeben, zu der wir oft keinen wirklichen Zugang mehr haben.
- 29:54Speaker 0: und dann muss man natürlich sagen Wir alle haben immer gedacht, wir kennen Amerika gut so viele Filme gesehen haben, weil wir dort waren.
- 30:07Speaker 0: Weil wir die Musik gehört haben.
- 30:11Speaker 0: Weil das große Amerika eben auch in vieler Insicht unser Vorbild immer gewesen ist.
- 30:18Speaker 0: und wir müssen natürlich jetzt tatsächlich feststellen, so gut kennen wir Amerika gar nicht!
- 30:23Speaker 0: Wir kennen nur Ausschnitte von Amerika.
- 30:25Speaker 0: Wir kennen vielleicht das ganz gut was uns in Amerika irgendwie auch ähnlich Die Westküste, aber dieses Riesenamerika dazwischen, das haben wir uns eigentlich auch nie wirklich interessiert.
- 30:39Speaker 0: Da sitzen noch mal die Leute, die Trump gewählt haben zu großen Teilen, die kennen wir nicht wirklich.
- 30:48Speaker 0: Wir sind uns auch nicht wirklich interessant genug gewesen vielleicht.
- 30:55Speaker 1: Ist es nicht auch ein Stück weit vielleicht Versäumnis der... Medien auch in den USA, aber ein Stück weit haben wir dieses Phänomenie auch bei uns in Deutschland.
- 31:06Speaker 1: Dass man vielleicht ein Stückweit zu sehr sich auf andere Bevölkerungsgruppen konzentriert hat in der Zielgruppendefinition wenn man so sagen möchte und man eben dann vielleicht eher für die Leute in den großen Städten in den USM Medien gemacht hat Aber sich einfach diese große Masse dazwischen vielleicht gar nicht so wirklich abgeholt gefühlt hat von den Themen, von der Ansprache und von den Medien?
- 31:36Speaker 0: Ja natürlich.
- 31:38Speaker 0: Was heißt Medien?
- 31:39Speaker 0: Das sind nicht nur die Medien sondern es sind auch die Bevölkerungsschichten aus denen die Leute kommen, die die Medien machen.
- 31:48Speaker 0: das sind Zirkel, die irgendwann den Kontakt verloren haben zu vielen Leuten vielleicht zum Beispiel, um das bei uns zu vergleichen auch zu vielen Menschen die in Ostdeutschland leben.
- 32:01Speaker 0: Oder wenn Sie sich auf so was wie Twitter bei uns schauen ... Ich meine da folgen sie irgendwelchen Leuten und irgendwann merken sie hey Mann!
- 32:10Speaker 0: Da wird über Themen geredet, die jemanden da draußen wahrscheinlich überhaupt nicht bewegen, die total fremd sind.
- 32:17Speaker 0: Wenn Sie mit den Leuten da reden dann werden Sie merken die haben gar keine Ahnung davon wovon Sie da reden von den Themen reden, die auf Twitter ihre Bekannten zur Raserei treiben.
- 32:29Speaker 0: Davon haben sie noch nie gehört!
- 32:31Speaker 0: Also das ist schon was Bedenkliches, dass ja auch so eine Partei oder auch dazu beigetragen hat, dass so ne Partei wie die SPD sich auf einem so sehr auf dem Absteigenden Ast befindet weil sie den Kontakt zu ihrer eigentlichen ursprünglichen Klientel nämlich zu den Menschen mit ihrer Hände Arbeit jeden Tag irgendwie ihr Geld verdienen müssen.
- 32:56Speaker 0: In vieler hin sich den Kontakt zu denen verloren hat und das hat natürlich vollen!
- 33:03Speaker 1: Absolut ja, wie geht Ihnen... Wie ist da so Ihr Bauchgefühl wenn Sie auf die Wahl in Deutschland nächstes Jahr schauen?
- 33:13Speaker 0: Da habe ich ehrlich gesagt noch nicht so hingeschaut weil ich war jetzt erstmal froh dass die Wahl an Amerika so ausgegangen ist, dass Donald Trump nicht mehr Dass er halt am zwanzigsten Januar irgendwie daraus muss, ja.
- 33:28Speaker 0: Irgendwie!
- 33:29Speaker 0: Das ist noch nicht hier, aber irgendwie... Man muss da raus und das hat mich so in Atem gehalten weil ich noch weitere vier Jahre Trump tatsächlich nicht ausgehalten hätte.
- 33:41Speaker 0: Und wir sind natürlich auch wie viele andere hier mit einem Alltag auch beschäftigt In dieser Corona-Zeit wo man einfach schauen muss dass die Familie Was
- 33:59Speaker 1: fehlt Ihnen am meisten gerade in dieser Coronazeiten momentan?
- 34:03Speaker 0: Ja, also mir fehlt natürlich einen großen Teil meiner Arbeit.
- 34:09Speaker 0: Also ich zu meiner Arbeit gehört ja dass ich sehr viel Lesung mache mit dem was ich so schreibe und das sich eigentlich gerade um diese Jahres seit fast jede Woche auf Reisen bin, um abends in irgendeiner Stadt im Theater zu lesen.
- 34:25Speaker 0: Und da habe ich oft schon drüber geschimpft weil ich dann immer im Hotel wohnen muss und viel mit der Bahnfahrung muss dort unterwegs bin.
- 34:33Speaker 0: Und das fehlt mir ein bisschen.
- 34:36Speaker 0: Es fehlt schlicht und einfach auch das Geld dass man dabei verdient oder ganz klar?
- 34:40Speaker 0: Und auf der anderen Seite stelle ich aber fest Mir viele Sachen, von denen ich immer gedacht habe.
- 34:47Speaker 0: Sie sind mir unheimlich wichtig das sind wir gar nicht so sehr fehlen.
- 34:51Speaker 0: Also ich freue mich dass ich abends jetzt mal wie ein ganz normaler Mensch aus dem Büro nach Hause gehen kann.
- 34:57Speaker 0: Ich kann es auch ganz gut aushalten ohne meine Weile aushalten Ohne ins Konzert zu gehen ins Kino zu gehen.
- 35:09Speaker 0: Ja vieles fehlt mir dann doch nicht.
- 35:12Speaker 0: so sehe wie immer gedacht habe, dass es mir fehlen würde.
- 35:17Speaker 0: Aber das geht jetzt schon eine ganze Weile so und so langsam kribbelt das jetzt mal wieder ja?
- 35:24Speaker 0: Und du denkst also dann nochmal schon wieder nach Hause heute Abend.
- 35:29Speaker 0: wirklich mal schön, man könnte einfach mal wieder lokal gehen mit Freunden oder man könnte... einfach mal spontan ins Kino gehen.
- 35:40Speaker 0: all das
- 35:43Speaker 1: Gibt's irgendetwas auf der anderen Seite quasi, von dem sie hoffen dass es danach bleibt.
- 35:52Speaker 1: Von diesen ganzen Dingen die Corona auch mit uns gemacht hat, mit unserem Miteinander gemacht hat.
- 35:58Speaker 1: Gibt's irgendwas Positives was Sie da sehen?
- 36:01Speaker 0: Naja ich glaube schon das ist eine Zeit in der man sich ein bisschen besinnen konnte auf das was einem tatsächlich wichtig ist.
- 36:13Speaker 0: und wenn ich sagen sollte was mir am meisten fehlte, dann hatten sie ja gefragt.
- 36:19Speaker 0: Dann ist das für meine Familie.
- 36:22Speaker 0: Denn ich hab ja schon erwachsene Kinder, Enkelkinder die aber nicht in München leben sondern in Berlin und die ich jetzt schon ganz lange nicht mehr gesehen habe.
- 36:38Speaker 0: Und das ist tatsächlich etwas was mich ungehörig schmerzt und wo ich merke... Ich wusste das schon, aber ich merke es jetzt halt noch mal wirklich existenzieller.
- 36:51Speaker 0: Dass die Dinge sind auch diesmal tatsächlich ankommt.
- 36:56Speaker 0: Nämlich die Menschen, die einem lieb sind und wichtig sind.
- 36:59Speaker 0: Und wo ich schon immer viel Wert darauf gelegt habe... Ich hab zum Beispiel eben bei vielen Freunden gesehen, denen dann doch die Arbeit immer wichtiger gewesen ist.
- 37:14Speaker 0: die darüber manchmal auch Freunde vergessen haben, verloren haben.
- 37:21Speaker 0: In so einer Situation wie jetzt sieht man halt, wie wichtig einem das ist ja und dass es auch durch Telefonieren oder irgendwelche Suchengeschichten nicht zu ersetzen, dass man mit seinen Freunden regelmäßig zusammensitzt und sich austauscht.
- 37:39Speaker 0: So ist der Mensch gemacht, das braucht er!
- 37:42Speaker 0: Und wenn er es nicht hat, dann fehlt's ihm sehr schmerzlich.
- 37:46Speaker 1: Gerade jetzt in der Weihnachtszeit die da auf uns zukommt ist das ja auch ganz schön, wenn man sich das auch nochmal wirklich bewusst macht und die Momente wirklich zu schätzen weiß wo man vielleicht hoffentlich dann auch an Weihnachten zumindest mit der Familie wieder zusammen sein kann.
- 38:03Speaker 0: Ja ich fürchte dass wird schwierig werden dieses Jahr und Es ist halt nichts damit getan.
- 38:11Speaker 0: Das sehen wir jetzt, dass irgendwie auf Weihnachten zu konzentrieren.
- 38:16Speaker 0: Deswegen geht Weihnachten ja in vielen Familien manchmal ziemlich schief.
- 38:22Speaker 0: Genauso wie mancher Urlaub ziemlich schifft geht weil man auf diese Zeit dann so ungeheureichlich projiziert alles das was man übers Jahr vergessen hat versäumt hat weil er etwas anderes wieder wichtiger war wenn man zu viel gearbeitet hat Alles das soll dann Weihnachten passieren und das funktioniert nicht.
- 38:45Speaker 0: Das sehen wir auch jedes Jahr wieder, aber man kann nicht in zwei Tagen drei Tage oder einem Abend das nachholen was man so langer Zeit versäumt hat.
- 38:57Speaker 0: vielleicht ist das was viele Menschen doch immer ein bisschen mitnehmen aus dieser Zeit dass sie sagen es muss.
- 39:07Speaker 0: übrigens etwas war der Walter Wehmut in seinem Buch oder in meinem Buch auch, was zu seinen Erkenntnissen gehört.
- 39:17Speaker 0: Dass man nicht erst auf dem Sterbebett bereuen sollte dass man seine Freunde so wenig gesehen
- 39:23Speaker 1: hat.
- 39:25Speaker 1: Das ist doch ein schöner Appell zum Abschluss und auch gleich nochmal einen schönen Aufruf dieses großartige Buch zu lesen das glaube ich gerade in dieser Jahreszeit dieser Weihnachtszeit auch noch mal wirklich schön ist, um sich damit auch nochmal ein bisschen eingehender zu beschäftigen.
- 39:43Speaker 0: Ich habe nichts dagegen!
- 39:46Speaker 1: Vielen vielen Dank für Ihre Zeit.
- 39:48Speaker 0: Ja ich danke auch.
- 39:50Speaker 0: Das war es leider
- 39:51Speaker 1: schon.
- 39:52Speaker 1: Die letzte Runde ist ausgetrunken.
- 39:54Speaker 0: das
- 39:54Speaker 1: Gespräch zu Ende.
- 39:56Speaker 0: Vielen dank fürs Zuhören.
- 39:58Speaker 0: Bitten
- 39:59Speaker 1: im Rücksicht auf die Nachbarn
- 40:01Speaker 0: und sei leise
- 40:02Speaker 1: wenn du die
- 40:02Speaker 0: Bar verlässt
- 40:03Speaker 1: Aber vergiss auf keinen Fall, den
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