Latest / Rambo Zambo – Der Merz-Podcast / Niemand mag den Kanzler? Doch, diese Frau!
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- 0:00Meine Vermutung ist ja, dass wenn es im Herbst nach möglicherweise in die Grütze
- 0:04gegangenen Wahlen für Merz eng wird und viele auf ihn zeigen,
- 0:10dass er durch diese Personalrochaden und wie er das gemacht hat, vielleicht,
- 0:16wenige hat, die sich dann offen hinter ihn stellen werden.
- 0:20Also ich glaube, es gibt so eine Art Verletzungstiefe inzwischen bei vielen,
- 0:25die in so einer Situation dann sichtbar werden könnte.
- 0:31Wir haben diese Bundestagswahl 2025 gewonnen. Jetzt darf auch mal Rambo Zambo im Adler.
- 0:40Das ist Rambo Zambo, der März-Podcast. Das Format, das ihr vielleicht nie wolltet, aber jetzt braucht.
- 0:47Mit euren Hosts Carlotta Richter und Julia Emrich.
- 0:51Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Rambo Zambo,
- 0:55dem Podcast, in dem wir immer einmal in der Woche über unseren Bundeskanzler
- 0:59Friedrich Merz sprechen und über seine Regierung.
- 1:03Mein Name ist Julia Emrich und mir gegenüber sitzt heute Teresa Matus.
- 1:08Hallo Teresa, schön, dass du dabei bist. Hallo, schön, wieder hier zu sein.
- 1:12Genau, Teresa ist nicht zum ersten Mal da. Ich bin immer sehr froh,
- 1:15wenn du aus deiner Welt sozusagen herkommst und uns hier ein bisschen deine
- 1:21Perspektive auf all das gibst.
- 1:23Theresa ist für alle, die sie noch nicht gehört haben, hier bei uns Klimaexpertin,
- 1:28beobachtet mit mir aber zusammen die Union und damit eben auch den Bundeskanzler,
- 1:34und Theresa und ich waren gestern und davon sind wir beide glaube ich noch so ein bisschen.
- 1:40Bewegt, beeindruckt, ich weiß noch nicht, was das richtige Wort ist,
- 1:42wir waren beide gestern beim ersten Interview, das die neue CDU-Generalsekretärin
- 1:49gegeben hat, hat sie uns gegeben, schöne Sache, Franziska Hoppermann.
- 1:54Und als wir rauskamen, das Interview hat im Adenauerhaus stattgefunden,
- 1:58hatten wir beide so ein bisschen das Gefühl, wir haben die erste Vorsitzende
- 2:02des Friedrich-März-Fan-Clubs getroffen.
- 2:05Vielleicht der allerletzte Friedrich-März-Fan. Theresa, wie hast du Franziska Hoppermann erlebt?
- 2:11Ja, es ist ein kleiner Club im Moment, dem sie da vorsteht. Aber ich teile diesen Eindruck.
- 2:15Also Hoppermann kennt, sie war vorher Schatzmeisterin der CDU,
- 2:18kennt Merz, also jetzt aus längerer Zusammenarbeit und scheint genuin von ihm
- 2:24als Person sehr angetan zu sein.
- 2:26Also beschreibt ihn als jemand, der zugewandt ist und der zuhören kann und der
- 2:32sich auch von Dingen und politischen Fragestellen emotional anfassen lässt.
- 2:37Klammer auf, das haben wir medial auch schon ab und zu erlebt.
- 2:40Und nicht alle finden das so super wie Frau Hoppermann. Aber also Merz hat da,
- 2:45glaube ich, jetzt jemand an seiner Seite, die wirklich da ihn für die richtige
- 2:51Person an der richtigen Stelle hält. Ich glaube, das kann man so sagen.
- 2:54Sie hat das getan, was viele tun, wenn sie Friedrich Merz mal wieder so ein
- 3:00bisschen in so ein positiveres Licht rücken wollen, dann sagen sie, naja Leute, als,
- 3:05Olaf Scholz Bundeskanzler war, habt ihr euch alle darüber aufgeregt,
- 3:09dass er so eine Teflon-Oberfläche hat, dass alles von ihm abhält, dass er,
- 3:14auf Fragen einfach mal mit Nö antwortet, dass er wirkt wie jemand,
- 3:18der gar keine Emotionen hat, was natürlich auch eine Unterstellung ist.
- 3:21Aber im Kontrast zu Olaf Scholz ist doch das jetzt genau das, was ihr haben wolltet.
- 3:27Emotionen, Outspoken, jemand, der seine Gefühle im Gesicht trägt.
- 3:33Wie würdest du diese Argumentation bewerten? Sollten wir uns alle mal locker
- 3:38machen und sagen, endlich mal ein Kanzler, der ein bisschen mehr,
- 3:42ja, unser Motto, Rambo-Zambo macht?
- 3:44Naja, es gibt Gefühle haben und zeigen und es gibt sich von Gefühlen leiten
- 3:49lassen. Und ich glaube, Merz driftet öfter mal in Richtung dieses zweiten Teiles
- 3:55ab und das ist halt dann...
- 3:58Schwierig, weil das ist nicht seine Aufgabenbeschreibung. Also es ist total
- 4:01nachvollziehbar, wenn man zum Beispiel daran denkt, an diese schreckliche Gewalttat
- 4:07kurz vor der Bundestagswahl 25, wo kleine Kinder angegriffen wurden.
- 4:13Das ist auf einer persönlichen Ebene, finde ich, total nachvollziehbar,
- 4:16dass man sagt, das ist so furchtbar, man muss da jetzt politisch sofort handeln.
- 4:20Aber wenn man Bundeskanzler ist, beziehungsweise zu diesem Zeitpunkt noch werden
- 4:24wollte als Friedrich Merz, dann muss man halt auch einen Moment mal innehalten
- 4:28und überlegen, welche Folgen hat mein politisches Handeln jetzt?
- 4:32Und damals führte das zu dieser extrem unseligen AfD-Abstimmung.
- 4:36Und dieser ganze Diskurs hat die letzten Wochen des Wahlkampfs damals auf eine
- 4:41sehr ungute Art geprägt.
- 4:42Deswegen, also ich verstehe das, dass man sagt, Scholz war irgendwie auch nicht
- 4:47recht und Zugänglichkeit ist ein wichtiger Faktor, emotionale Zugänglichkeit
- 4:51bei Politikern, aber es ist halt nicht ausreichend.
- 4:54Einmal einen Moment innehalten, sagst du, das ist ja eine Kulturtechnik.
- 4:58Die muss man ja lernen, die muss man beherrschen, die muss man anwenden.
- 5:02Wenn du jetzt mal auf das schaust, wie,
- 5:05die neue Generalsekretärin Franziska Hoppermann so das Adenauerhaus
- 5:10leiten will, wie sie diesen Kanzler auch unterstützen will, hast du das Gefühl,
- 5:15dass sie eher so in Richtung auch mal innehalten, auch mal nachdenken, auch mal gucken, was?
- 5:21Vom Ende her gedacht, was bedeutet
- 5:23das, wenn wir jetzt hier rausgehen mit Sachen, auch mit Emotionen?
- 5:28Oder hast du das Gefühl, das ist eher Kontinuität? Wie ist deine Wahrnehmung?
- 5:32Ist natürlich sehr früh für ein Urteil jetzt. Sie ist erst ein paar Tage im
- 5:35Amt. Aber mein Eindruck ist, ich glaube schon, dass sie das so machen will,
- 5:40dass sie sich das zumindest so vornimmt.
- 5:42Frau Fahmann ist Hanseatin, muss man auch dazu sagen. Also sie wirkte auch,
- 5:45sie hatte gestern so Perlenschmuck an und war sehr gut frisiert.
- 5:48Also sie wirkte, wie man sich eine Hamburger Konservative vorstellt.
- 5:52Und legte auch sehr viel Wert darauf, zu sagen, wir machen das hier mit Ernsthaftigkeit.
- 5:57Es geht um wichtige Dinge quasi.
- 6:01Ernsthaftigkeit war ein Wort, das sie tatsächlich sehr häufig in Antworten verwendet hat.
- 6:06Ich glaube nicht, dass das gedacht war als bewusste Abgrenzung zu Carsten Linnemann
- 6:10und seiner zum Teil sehr aktiven, manche sagen hyperaktiven Art.
- 6:16Aber ich glaube, es ist angemessen für den Moment, in dem wir sind.
- 6:20Wir haben mit ihr auch über die Frage geredet, was passiert,
- 6:25wenn im Herbst bei den Wahlen in den ostdeutschen Bundesländern und in Berlin,
- 6:31die CDU hart auf die Bretter geht.
- 6:34Und es gibt ja viele in der Union, die sagen, das ist der Moment,
- 6:38wo die Finger auch auf Friedrich Merz zeigen werden und,
- 6:43die Frage im Raum stehen wird, kann sich dieser Kanzler beziehungsweise vorgängig
- 6:48kann sich dieser Parteichef noch halten oder muss sozusagen an der Spitze jetzt
- 6:54Konsequenzen gezogen werden.
- 6:57Wie fandst du ihre Antwort? Mein Gefühl war, dass sie jetzt schon versucht,
- 7:03so ein Narrativ zu etablieren.
- 7:06Das heißt, hallo, da sind so ein paar unwichtige Wahlen, aber Friedrich Merz regiert Deutschland.
- 7:12Also sie versucht, eine ganz große Distanz zwischen diesen beiden Themen herzustellen,
- 7:17rein sprachlich erstmal. Wie hast du es erlebt?
- 7:20Das würde ich auch so machen an ihrer Stelle, weil wie du sagst,
- 7:23die Umfragen sehen nicht gut aus. Es ist völlig unklar, ob es nach der Wahl
- 7:26in Sachsen-Anhalt eine Regierungsbildung im demokratischen Lager geben kann,
- 7:31geben wird, worauf die CDU ja hofft, unter Sven Schulze.
- 7:36Und ich glaube, ob Hoppermann damit Recht behält, oder ob es ihr gelingen wird,
- 7:42das von Merz fernzuhalten, wird auch an Magdeburg entschieden und damit,
- 7:46wie sich die Parteikolleginnen und Kollegen dort dann verhalten.
- 7:51Das ist ein gutes Stichwort, denn ich fand das sehr spannend.
- 7:53Wir haben sie natürlich gefragt, denn auch das sind ja immer wieder Sorgen oder
- 7:58Vermutungen, die durchs Land laufen.
- 8:00Was passiert denn eigentlich, wenn es mega knapp ausgeht?
- 8:05Und wenn der AfD-Kandidat Ulrich Siegmund vielleicht nur ein,
- 8:09zwei Stimmen braucht, um eine absolute Mehrheit zu haben, beziehungsweise,
- 8:14sehr viele denken, na gut, jetzt hat er einen bombastischen Wahlsieg hingelegt,
- 8:19muss er nicht dann auch regieren.
- 8:22Es gibt Vermutungen, dass es möglicherweise in den Reihen der CDU-Abgeordneten
- 8:27Kandidaten, Kandidatinnen geben könnte, die in so einer Situation sagen,
- 8:32na gut, dann helfen wir ihm.
- 8:34Es gibt Gesprächspartner, die
- 8:36uns gesagt haben, ich würde meine Hand nicht ins Feuer legen für jeden.
- 8:42Wir haben Franziska Hoppermann gefragt, wie sie das sieht, ob sie diese Sorge
- 8:45sieht. Wie fandst du ihre Antwort?
- 8:48Also sie würde ihre Hand ins Feuer legen? Ja, war mein Eindruck auch.
- 8:51Kann man so, glaube ich, sagen.
- 8:53Ob sie sich damit verbrennt, weiß ich nicht.
- 8:57Sie muss das natürlich auch. Du hast eben auch gesagt, nur in ihrer Rolle als
- 9:00Generalsekretärin darf sie natürlich nicht mal den Verdacht aufkommen lassen,
- 9:05dass da irgendwie was ins Rutschen kommen könnte.
- 9:08Und es ist sowas natürlich auch immer ein Signal. Leute, wir rechnen fest damit, dass ihr steht.
- 9:14Wenn hier auch einer nur eine Millisekunde zögern sollte, Das Adenauerhaus hat
- 9:19euch im Blick. Das ist natürlich auch so eine klare Botschaft.
- 9:23Aber ich fand auch, dass sie da sehr überzeugt ist, dass das nicht passiert.
- 9:31Also man kann es ja nur wünschen, aber im Moment kann es vielleicht auch nur Wunschdenken sein.
- 9:37Das ist vielleicht auch ein Ausdruck dessen, dass sie weiß, was das für die
- 9:41CDU bedeuten würde, wenn jemand aus der Union die Hand heben würde für einen
- 9:46Ministerpräsidenten Sigmund.
- 9:49Da würde alles, was wir die letzten Tage an Unruhe in der Partei erlebt haben,
- 9:53sich wirklich ausnehmen wie Mensch ärgere dich nicht, spiele dagegen.
- 9:56Wir sehen jetzt schon Rücktrittsandrohungen, Leute, die sagen,
- 10:00wenn sowas passieren würde, ist das nicht mehr meine Partei.
- 10:03Gerade so in Nordrhein-Westfalen und so weiter gibt es sehr viele liberale CDU-Leute, die sagen, wenn dann
- 10:10die Bundespartei nicht ganz klar sagen würde, Parteiausschluss geht nicht,
- 10:15wer sich so verhält, ist raus, sondern da vielleicht lavieren würde oder sagen
- 10:18würde, naja, es ist ja nur Sachsen-Anhalt und jetzt lass die mal oder so.
- 10:21Dann gibt es, glaube ich, eine massive Welle und das weiß auch Friedrich Merz.
- 10:28Wir haben gerade schon über den Vergleich der jetzigen Generalsekretärin mit
- 10:32dem ehemaligen Carsten Lindemann gesprochen.
- 10:36Natürlich haben wir uns auch in ihrem Büro umgeschaut. Carsten Lindemann,
- 10:39den wir ja auch oft zu Interviews getroffen haben, hat immer diesen,
- 10:42wie heißt das Ding eigentlich, Kickertisch oder Tischkicker.
- 10:46Also das Ding, wo man die Stangen dreht und Fußball spielen kann.
- 10:50Was bei jedem guten Start-up steht und auch bei der CDU nicht fehlen darf.
- 10:52Natürlich nicht. Und vor allem nicht bei Carsten Linnemann, der natürlich Fußballfan
- 10:56ist und Paderborner und so weiter. Wir müssen die ganze Geschichte nicht erzählen.
- 11:01Der ist, glaube ich, ziemlich traurig, dass er diesen Tisch nicht mitnehmen darf.
- 11:07Interessanterweise, er wird ja Bundesgesundheitsminister und ein ehemaliger
- 11:11Bundesgesundheitsminister, nämlich Karl Lauterbach, der ein großer Tischtennisfan,
- 11:17und glaube ich auch ganz guter Tischtennisspieler ist, hat ihm schon angeboten,
- 11:20sei nicht so traurig, lass mal eine Runde Tischtennis spielen.
- 11:23Also es gibt Möglichkeiten für Carsten Lindemann weiterzumachen,
- 11:26aber immerhin im Adenauers ist das Geschichte für ihn.
- 11:31Wir haben Franziska Hoppermann gefragt, was denn so ihr Mitbringsel ist für das Büro.
- 11:36Und sie hat eine Bluetooth-Box genannt, weil Hoppermann großer Musik-Fan ist
- 11:41zum einen und auch selber Musik macht. Also spielt Klavier, spielt Cello und
- 11:45sie singt vor allem in Chören und als Solistin.
- 11:49Und du, Profi, hast direkt gefragt, was für eine Stimmhöhe. Wäre ich überhaupt
- 11:52nicht drauf gekommen, aber natürlich. Und sie sagte sofort, hoher Sopran.
- 11:57Also, wenn man mal am Adenerhaus vorbeifährt und jemand in der obersten Etage
- 12:01singen hört, wissen wir jetzt, was Phase ist.
- 12:06Wir müssen das etwas heitere Thema Franziska Hoppermann und ihre Stimme verlassen,
- 12:12weil wir natürlich, wenn wir über die Woche von Friedrich Merz sprechen,
- 12:16auch über den Anfang dieser Woche sprechen müssen.
- 12:18Und das war der Anschlag auf den CSD hier in Berlin.
- 12:23Theresa, wie hast du diese Nacht erlebt oder den Morgen?
- 12:28Wie ist es dir ergangen, als du die ersten Nachrichten gehört hast?
- 12:31Also ich war nicht in Berlin am Wochenende.
- 12:32Ich war mit einer Freundin unterwegs und wir waren im Kino tatsächlich und kamen
- 12:37aus dem Film und hatten die Eilmeldungen auf dem Handy.
- 12:40Und also ja, ich bin total erschrocken, war total entsetzt. Habe natürlich auch
- 12:45erst mal Nachrichten geschrieben an alle, von denen ich dachte,
- 12:48dass sie vielleicht da sind.
- 12:50Zum Glück alles okay. Aber natürlich auch schon so ein Gefühl der Erschütterung.
- 12:56Also ich bin seit zehn Jahren jetzt in Berlin.
- 12:59Das fühlt sich schon noch ein Stück weit wie meine Stadt an.
- 13:01Wenn sowas in der eigenen Stadt passiert ist das trifft einen nochmal anders,
- 13:09Und natürlich auch sofort daran angeschlossen, was heißt das denn jetzt politisch?
- 13:13Es ist schon wieder ein Anschlag.
- 13:16Es war ja dann auch relativ schnell klar, es hat einen islamistischen Hintergrund.
- 13:19Schon wieder relativ kurz vor Wahlen.
- 13:24Wer profitiert davon? Wer neigt dazu, sowas auszuschlachten?
- 13:28All diese Fragen stellt man sich.
- 13:30Und natürlich all die Fragen, die dranhängen, was für eine Gefahr haben wir
- 13:35möglicherweise nicht mehr ganz so klar beobachtet, eingeschätzt und so weiter.
- 13:41Sprich, ist der Islamismus als Gefahr ein bisschen ins Hintertreffen wieder
- 13:45gegangen, in den Sicherheitsbehörden, all diese Fragen stellt man sich.
- 13:49Wir haben sehr viel darüber berichtet in dieser Woche, sehr viel dazu recherchiert.
- 13:54Friedrich Merz ist am anderen Morgen, also an dem Sonntag, das war auch ein
- 13:59seltsames Zusammentreffen, alle Innenminister Dobrindt,
- 14:03viele andere waren an dem Abend des Anschlags in Bayreuth bei den Wagner-Festspielen,
- 14:09und sind dann am nächsten Tag
- 14:11nach Berlin gekommen und sind auch zum Anschlagsort natürlich gefahren.
- 14:15Und seitdem läuft eine Debatte über die Frage, kann man eigentlich solche Anschläge
- 14:21verhindern, indem man rechtsstaatlich mehr macht, indem man das Jugendstrafrecht
- 14:28nochmal verändert, all diese Dinge.
- 14:30Wie schätzt du das ein? Ist das diese übliche Welle, ein bisschen kommt aus
- 14:36dieser Hilflosigkeit, oh Gott, jetzt ist wieder was passiert,
- 14:38wir müssen was tun, wir müssen was tun,
- 14:40die dann auch irgendwann abebbt und dann machen wir wieder so weiter wie vorher
- 14:43oder ist dies ein Anschlag, der wirklich Dinge nachhaltig verändert?
- 14:48Das finde ich zu diesem Zeitpunkt sehr schwierig zu sagen, ehrlich gesagt.
- 14:53Auch weil man sich, glaube ich, den Fall sehr gut anschauen muss.
- 14:56Das war ja jemand, den die Behörden auf dem Schirm hatten, der beobachtet wurde.
- 15:00Also ich glaube, man muss da, und das würde ich jetzt den Innenpolitik-Experten
- 15:05überlassen, wirklich ins Detail gehen und gucken, an welchen Schrauben hätte
- 15:08man hier drehen können, um sowas zu verhindern.
- 15:11Die traurige Wahrheit ist, es gibt keine totale Sicherheit in einer freien Gesellschaft.
- 15:17Ich weiß nicht, ob wir jemals an den Punkt kommen werden, dass solche Anschläge,
- 15:22komplett verunmöglicht werden und dann auch die Frage, um welchen Preis.
- 15:26Ich bin gespannt, wie die Debatte weiterläuft. Eine offene Gesellschaft ist
- 15:30eine offene Gesellschaft, weil sie eine offene Gesellschaft ist.
- 15:32So banal ist es und die ist angreifbar und sie würde ihre Grundlagen verändern
- 15:38müssen, um nicht mehr angreifbar zu sein. Und das kann eigentlich niemand von uns wollen.
- 15:45Ein bisschen abgerückt sind wir tagelang in der Wahrnehmung von dem,
- 15:51was in Friedrich Merz leben, nämlich in seinem großen Thema,
- 15:57ich baue das Personal meiner Mannschaft um, ich baue nach dem Spahn-Rücktritt
- 16:04sowohl das Kabinett um, als auch meine Fraktion, als auch meine Partei.
- 16:10Das kam dann aber wieder spätestens am Montag, als erste Entscheidungen dann,
- 16:17sichtbar wurden, wie es etwa mit der neuen Generalsekretärin weitergeht.
- 16:23Es gab einen, wie soll man sagen, einen Zwischenstand jetzt am Mittwoch,
- 16:28Fraktionssitzung, wir haben in der letzten Podcast-Folge schon darüber gesprochen,
- 16:32Thorsten Frey, Kanzleramtschef bisher, ist jetzt Fraktionschef.
- 16:38Er hat ein ganz gutes Ergebnis bekommen, oder? Wie siehst du es?
- 16:42Er hat ein sehr gutes Ergebnis eigentlich bekommen, 91,9 Prozent in der Abstimmung.
- 16:48Wobei es auch in der Aussprache danach Abgeordnete gegeben haben soll,
- 16:52die explizit gesagt haben, diese Stimme ist für dich, Thorsten.
- 16:55Damit niemand auf die Idee kommt, man habe damit dem Kanzler seine Unterstützung ausgesprochen.
- 17:02Aber für Freie ist es ein gutes Ergebnis und das stärkt ihn natürlich.
- 17:06Könnte man so weit gehen zu sagen...
- 17:09Freigut, alles gut. Also ist es ein Befreiungsschlag? Für Merz kann er jetzt
- 17:13einen Haken an diese Personalrochade und alle Schwierigkeiten,
- 17:17die damit verbunden waren,
- 17:19alle Unmut, alles Grummel, alle offenen Attacken gegen ihn, die im Grunde so
- 17:26diesen Ton hatten von falsche Entscheidung, falscher Zeitpunkt,
- 17:31falsches Personal, falscher Ton.
- 17:32Und kann man sagen, ist jetzt done und jetzt können sie nach vorne gucken oder halt das nach?
- 17:39Was ist dein Eindruck? Also ich würde ihm nicht raten, da jetzt komplett einen
- 17:42Haken dran zu machen. Also ja, die ersten Puzzleteile sind wieder eingesetzt
- 17:46mit den Ministern, die ihre Urkunden bekommen haben und mit Frey, der gewählt wurde.
- 17:50Aber ich glaube, es wäre gefährlich für Friedrich Merz, das,
- 17:53was da an Ärger in der CDU wahrzunehmen war, in den letzten Tagen jetzt einfach
- 17:57ad acta zu legen, nur weil die Leute ihre Arbeit aufnehmen können.
- 18:00Das müssen sie natürlich machen und es wäre auch das beste Szenario für ihn,
- 18:03wenn das jetzt einigermaßen geräuschlos passiert.
- 18:07Aber die Verletzungen, die da entstanden sind, sind, glaube ich,
- 18:11tief. Weniger über die Tatsache, dass er gewechselt hat. Niemand spricht ihm
- 18:14ab, dass er die Möglichkeit hat, als Bundeskanzler sein Personal neu zu sortieren,
- 18:19sondern über die Art, wie das passiert ist.
- 18:22Und was auch immer wieder zur Sprache kam, ist viel das Stichwort Glaubwürdigkeit.
- 18:27Also die Art, wie dieser Personalwechsel gelaufen ist, kommt einfach obendrauf
- 18:35auf verschiedene Probleme, die es im vergangenen Jahr gab und die es in Märzzeit als Kanzler gab.
- 18:40Also angefangen von der Tatsache, dass sie eben die Schuldenbremse ausgehebelt
- 18:44haben, sofort nach der Wahl, obwohl sie vorher gesagt haben,
- 18:47das machen wir eigentlich nicht.
- 18:49Die Leute haben das nicht vergessen. Also weder die Wählerinnen und Wähler,
- 18:53glaube ich, noch die Leute in der Fraktion.
- 18:56Jetzt gibt es große Bauchschmerzen darüber, wie dieses Geld verwendet wird,
- 19:01ob es genutzt wird in erster Linie, um Haushaltslöcher zu stopfen oder ob man
- 19:05damit tatsächlich Investitionen in Infrastruktur anstoßen kann, umsetzen kann.
- 19:12Also ich glaube, Merz würde gut daran tun, da nochmal in sich zu gehen und zu
- 19:17überlegen, wie er das kippen kann, wenn er das kippen kann.
- 19:19Meine Vermutung ist ja, dass wenn es im Herbst nach möglicherweise in die Grütze
- 19:23gegangenen Wahlen für Merz eng wird und viele auf ihn zeigen,
- 19:29dass er durch diese Personalrochaden und wie er das gemacht hat, vielleicht,
- 19:35weniger hat, die sich dann offen hinter ihn stellen werden.
- 19:39Also ich glaube, es gibt so eine Art Verletzungstiefe inzwischen bei vielen,
- 19:44die in so einer Situation dann sichtbar werden könnte.
- 19:47Also die Union ist ja traditionell dafür bekannt, dass sie sich in Krisenzeiten,
- 19:54um das Lagerfeuer sammelt und ihre Spitzenleute schützt und so weiter.
- 20:00Aber ich bin mir bei Merz nicht sicher. Ich habe so ein bisschen das Gefühl,
- 20:04da sind so tiefe Verletzungen, die ja dann in so einer Krisensituation dann
- 20:09plötzlich auch sich wirklich offen gegen ihn wenden könnten.
- 20:13Man hat das ja auch diese Woche schon gesehen. Es war Schweigen im Walde,
- 20:17wenn es darum ging, ihn zu verteidigen,
- 20:19weil also die Leute entweder dazu emotional nicht bereit waren.
- 20:24Oder schlicht kalkuliert haben, das lohnt sich für mich persönlich politisch
- 20:29jetzt nicht, mich vor diesen Kanzler zu stellen.
- 20:32Das bringt mir nichts. Beides kein gutes Zeichen. Das führt mich zu einem Thema.
- 20:38Deshalb bin ich auch total froh, dass wir heute miteinander sprechen hier.
- 20:41Denn du warst am Anfang der Woche im Söderland unterwegs.
- 20:45Und nein, ich will gar nicht über Markus Söder mit dir sprechen,
- 20:48sondern über jemand anders in der CSU, der manchmal mir inzwischen erscheint
- 20:54in den Gesprächen wie so ein Alleskönner, Heilsbringer, Erlöser.
- 21:00Und das ist Alexander Dobrindt, der Bundesinnenminister,
- 21:04der früher mal als CSU-Generalsekretär zu denen gehörte, die,
- 21:08glaube ich, am meisten Unmut erzeugt
- 21:10haben, weil er halt so ein Hardcore-Attacken-Raushauer war und so weiter.
- 21:17Und jetzt merken wir, es gibt eine irre Sehnsucht nach Alexander Dobrindt und
- 21:24mein Gefühl ist, wenn man den klonen könnte, würde die Union den sofort klonen
- 21:28und auf alle wichtigen Ämter setzen.
- 21:31Theresa, was ist da los? Warum finden Alexander Dobrindt jetzt so super?
- 21:36Also Sehnsucht ist, glaube ich, ein guter Begriff dafür. Es gibt eine wahnsinnige
- 21:40Sehnsucht nach Leuten, die ihr Handwerk beherrschen.
- 21:43Und was immer man über Dobrindt sagen kann und möchte, du hast es gerade schon
- 21:48gesagt, in seiner Karriere war er auch nicht schüchtern, wenn es ums Austeilen ging.
- 21:53Das ist offenbar der Fall also da hat jemand sein Themengebiet im Griff da hat
- 21:59jemand sein Ministerium im Griff kann man auch nicht für alle Kabinettsmitglieder sagen.
- 22:04Und das wird sehr positiv wahrgenommen ich fürchte durch schlichte Kompetenz und Professionalität,
- 22:11hebt man sich ab in dieser Regierung man kann schon Heilsbringer werden,
- 22:13wenn man einfach nur seinen Job gut macht es ist natürlich auch ein Stück Projektion
- 22:18dabei muss man auch sagen Natürlich, die Sehnsucht ist und,
- 22:21je frustrierter alle sind, desto größer wird der Sucher und wer dann irgendwie
- 22:25plötzlich in diesem Scheinwerferlicht auftaucht, ah, er könnte es sein.
- 22:28Aber es gibt eine spannende Theorie
- 22:31zu Alexander Dobrindt und die hört man tatsächlich immer mal wieder.
- 22:35Die geht so, wenn Friedrich Merz im Herbst nach den Ostwahlen so angeschossen
- 22:42sein sollte, dass eine breite Welle innerhalb der Union sagt,
- 22:47nee, mit diesem Parteichef, mit diesem Kanzler, das geht nicht mehr.
- 22:51Das wird uns hier, also wir kommen nicht mehr auf den grünen Zweig mit ihm.
- 22:56Die Umfragen gehen immer weiter runter.
- 22:58Das wird desaströs. Dass es dann eine Option wäre, Alexander Dobrindt an seiner
- 23:06Stelle zum Kanzler zu wählen.
- 23:09Offenbar soll es in der SPD auch Stimmen geben, die sagen, naja gut,
- 23:16reden kann man immer, um es mal ganz vorsichtig zu sagen.
- 23:21Alexander Dobrindt wäre dann in einem solchen Modell, also Achtung,
- 23:25Spekulation, Achtung, wirklich erstmal nur ein Modell, das manchmal wohl durchdacht wird, wäre dann,
- 23:32für den Rest der Legislatur Kanzler und dann müsste man irgendwann natürlich,
- 23:35würde neu gewählt und dann wären die Karten neu gemischt.
- 23:39Aber man hätte möglicherweise jemanden, der sehr beliebt ist in der Fraktion,
- 23:44mit dem glaube ich die SPD grundsätzlich auch könnte. Aber wir hätten natürlich
- 23:48einen Fall, den es in der Bundesrepublik noch nie gab, ein CSU-Kanzler.
- 23:55Du bist so jung, dass du es nicht mehr selber erlebt hast, aber es gab Zeiten,
- 23:59wo man dachte, dass Franz Josef Strauß, der große, alte Berserker der CSU, Kanzler werden wollte.
- 24:07Und es gab auch die, oh Gott, oh Gott, oh Gott, ich wandere aus,
- 24:09wenn der Kanzler wird. Also solche CSU-Kanzlerfantasien gab es ja mal.
- 24:13Aber ich glaube, bei Alexander Dobrindt wäre das anders.
- 24:16Oder sagst du, die du ja auch die Grünen beobachtest?
- 24:20Nee, never ever. Das Klientel, das wegen Dobrindt auswandern würde,
- 24:25ist, glaube ich, relativ deckungsgleich
- 24:27mit dem Klientel, das potenziell wegen Merz auswandern würde.
- 24:30Wenn sie es bis jetzt nicht gemacht haben, weiß ich nicht, ob das der entscheidende Punkt wäre.
- 24:36Es muss der CDU, glaube ich, sehr, sehr schlecht gehen, damit sie über so ein
- 24:39Szenario überhaupt nachdenkt. Ich glaube, es muss ihr noch mal schlechter gehen,
- 24:42damit sie es tatsächlich möglicherweise in die Tat umsetzen würde.
- 24:46Also, wie du gesagt hast, alles auf ganz, ganz sinnem Eis hier.
- 24:51Und dann gibt es ja auch noch Markus Söder, muss man ja auch sagen,
- 24:55der nun offiziell gerade seine eigenen Kanzlerambitionen an den Nagel gehängt hat.
- 24:59Und jetzt soll es einen CSU-Kanzler geben und der heißt nicht Markus Söder. Geht gar nicht, oder?
- 25:05Glaube ich auch noch nicht dran, ehrlich gesagt. Okay, du hast das schlagende
- 25:09Argument gegen dieses Szenario.
- 25:11Und das heißt, wie immer in ganz vielen Debatten, Markus Söder will es nicht.
- 25:15Das ist, glaube ich, etwas, was Friedrich Merz auch oft denkt.
- 25:18Teresa, auch du musst hier das tun, was alle tun müssen am Ende einer Folge.
- 25:25Und jetzt die Zahl der Woche. Was ist deine Zahl der Woche?
- 25:30Meine Zahl der Woche ist 40, wie in 40 Grad, die wir diese Woche schon wieder
- 25:36in Teilen Deutschlands erreichen. Nicht zum ersten Mal dieses Jahr.
- 25:41Und das ist meine Zahl der Woche, weil ich glaube, dass das in den ganzen Personaldebatten
- 25:47und politischen Debatten im Moment viel zu doll untergeht. Also es gab eine
- 25:52Aussage in der letzten Hitzewelle im Juni.
- 25:55Da wurde Regierungssprecher Stefan Cornelius danach gefragt,
- 25:58ob man jetzt dieses Thema Hitze und Klimaanpassung und Klimaschutz,
- 26:02ob man das nicht mal zur Chefsache machen müsse.
- 26:05Und Cornelius sagte damals, eine Chefsache wird das Wetter nicht ändern.
- 26:10Das ist natürlich einerseits richtig und andererseits extrem kurz gesprungen bei dem Thema.
- 26:15Das RKI hat diese Woche, heute, wir nehmen am Donnerstag auf.
- 26:21Eine Schätzung herausgegeben, nach der fast 10.000 Menschen schon geschorben
- 26:25sind durch Hitze in diesem Jahr.
- 26:28Wir wissen, dass es in den nächsten Jahren schlimmer werden wird.
- 26:31Ich glaube, man könnte es jetzt mal langsam zur Chefsache machen. Definitiv.
- 26:36Meines Erachtens ist die 7. Am 7. September kommt der Bundestag aus der Sommerpause zurück.
- 26:43Und auch darüber haben wir mit Franziska Hoppermann mehr oder weniger so beim
- 26:48Rausgehen redet. Das Thema Sommerpause ist irgendwie so ein Begriff aus den 90ern.
- 26:53Irgendwie gibt es sowas gar nicht mehr.
- 26:55Wir dachten, dass wir denken, dass immer, wenn das Parlament in die Ferien geht,
- 27:01dass jetzt irgendetwas wie Ruhe kommt, kommt nicht.
- 27:06Und ich glaube auch, dass es in den nächsten Tagen und Wochen weitergehen wird.
- 27:11Die Sommerpause für die Märzregierung ist, glaube ich, jetzt schon abgesagt. Das glaube ich auch.
- 27:17Wir werden das weiter beobachten, wir werden darüber reden, hier und an anderen
- 27:21Stellen, Theresa, vielen, vielen Dank und ja auf bald, hier im Studio,
- 27:28euch allen vielen Dank fürs Zuhören, Zuschauen und lasst uns gerne Kommentare,
- 27:34Meinungen Hinweise, Tipps da,
- 27:38wenn euch dieser Podcast gefallen hat, wir freuen uns bis zum nächsten Mal Tschüss.