Latest / Anonym Suchthilfe – KI-gestützte Selbsthilfe / #4 Folge 136: Valproinsäure - Das zweischneidige Schwert der Psychiatrie
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- 0:00Hallo und herzlich Willkommen zu dieser neuen Betrachtung.
- 0:03Ja, schön, dass du dir wieder die Zeit nimmst, mit uns in ein
- 0:06Thema einzusteigen, das es wirklich in sich hat.
- 0:10Heute geht es um Valproinsäure, vielleicht schon mal gehört, oft
- 0:14wird es so als eine Art, Na ja, Handbremse für die Psyche
- 0:17beschrieben, es kann ein wirklich wichtiger Helfer sein
- 0:20bei schweren Sachen wie Epilepsie oder auch bipolaren
- 0:23Störungen, aber, und das ist das große aber es birgt gleichzeitig
- 0:27Risiken. Und zwar welche, die zu den
- 0:30gravierendsten in der modernen Medizin zählen.
- 0:33Unsere Grundlage für das Gespräch heute ist ein Artikel
- 0:36von Nielix Berlin der Autor Gabriel setzt sich da ja
- 0:39intensiv mit Sucht und psychischer Gesundheit
- 0:41auseinander, und das Besondere an der Quelle Gabriel teilt dort
- 0:45auch, so steht es in der Beschreibung ganz offen,
- 0:48persönliche Erfahrungen. Um eben eine, ja authentische
- 0:51Perspektive zu bieten. Unser Ziel für die nächsten
- 0:54Minuten ist, die wichtigsten Fakten zu Valproinsäure für dich
- 0:58aufzubereiten. Wie wirkt das Zeuch genau, für
- 1:01wen ist es überhaupt gedacht und vor allem, warum gibt es diese
- 1:05ja extrem eindringlichen Warnungen gerade für Frauen,
- 1:09lass uns das mal zusammen anschauen.
- 1:10Absolut. Weil Proinsäure ist wirklich ein
- 1:13Paradebeispiel dafür. Ein Wirkstoff, der hat 2 Seiten
- 1:17wie ne Medaille halt auf der einen Seite hochwirksam, auf der
- 1:21anderen Seite ein hohes Risiko und das macht die Abwägung für
- 1:25jeden Einzelnen so unglaublich wichtig und ja auch schwierig.
- 1:30OK, fangen wir mal ganz von vorne an.
- 1:31Was ist weil Proinsäure eigentlich genau, was steckt
- 1:34dahinter? Also rein chemisch gesehen ist
- 1:37das eine relativ einfach gebaute Säure, eine kurzkettige
- 1:40Fettsäure oder genauer eine Carbonsäure, so c 8 h 16 o 2.
- 1:45Für die Chemiker unter uns in der Medizin setzen wir es aber
- 1:49vor allem als Antikonvulsivum ein, das heißt gegen Epilepsie
- 1:53und als Stimmungsstabilisator hauptsächlich bei bipolaren
- 1:57Störungen. Um diese manischen Phasen in den
- 1:59Griff zu kriegen. Man kennt es auch unter dem
- 2:02Namen Valproart. Oder Vpa als Abkürzung und die
- 2:07Handelsnamen in Deutschland, die kennt vielleicht der eine oder
- 2:09die andere. Das sind zum Beispiel Ergonyl
- 2:12oder auch Orphiril. Interessant ist vielleicht auch
- 2:16die Substanz selbst, die gibt es schon ewig, synthetisiert wurde
- 2:20die schon 1882, aber dass die medizinisch wirkt, also gegen
- 2:24Epilepsie, das hat man erst viel später entdeckt. 1962, und das
- 2:30war wohl eher Zufall. Ach, spannend.
- 2:33Ja, und ganz wichtig, das müssen wir direkt klarstellen, um da
- 2:35keine Missverständnisse aufkommen zu lassen.
- 2:38Valproinsäure ist keine Droge, also es macht nicht high,
- 2:42erzeugt keinen Rausch, es hat auch kein Suchtpotenzial.
- 2:46So im klassischen Sinne, deshalb gibt es da auch keine
- 2:49Straßennamen oder so was, das ist ein reines Medikament, das
- 2:53verschrieben werden muss. OK, das ist gut zu wissen.
- 2:56Du hast vorhin die Metapher Handbremse erwähnt, die im
- 2:59Artikel auch vorkommt. Wie funktioniert diese Bremse
- 3:02denn im Gehirn auf biologischer Ebene?
- 3:06Ja, der wichtigste Mechanismus ist die Verstärkung von GABA.
- 3:09Das ist die Gamma Aminobutasäure, das ist so der
- 3:12Zentrale hemmende Botenstoff im Gehirn.
- 3:15Der natürliche Beruhiger quasi. Genau das kann man so sagen.
- 3:18Das Bremspedal vom Nervensystem und Valpoinsäure sorgt dafür,
- 3:22dass mehr von diesem Gaba da ist und auch länger wirken kann.
- 3:26Das macht es über 2 Wege, erstens.
- 3:29Es hemmt ein Enzym, die Gaba transaminase.
- 3:32Die baut normalerweise GABA ab, wenn die gehemmt wird, bleibt
- 3:36mehr Gaba übrig, logisch, und zweitens gibt es Hinweise, dass
- 3:39es auch die Herstellung, die Synthese von Gaba ankurbelt, das
- 3:43Ergebnis ist dann halt eine generelle Dämpfung, die
- 3:47Nervenzellen sind weniger erregbar, man kann sich das
- 3:50vorstellen, wieso eine beruhigende Decke, die man über
- 3:53so überaktive Nervenzellen legt. Das hilft dann.
- 3:56Dieses Feuer, sage ich mal, von einem Anfall oder einer Manie
- 3:59einzudämmen. Klingt, als würde es direkt am,
- 4:02ja, am körpereigenen Beruhigungssystem andocken.
- 4:05Exakt. Aber das ist noch nicht alles.
- 4:08Es gibt noch einen zweiten wichtigen Mechanismus, der wirkt
- 4:11mehr an der Hardware, also direkt an den Ionenkanälen von
- 4:15den Nervenzellen. OK, das heißt, es wirkt auf
- 4:17verschiedenen Ebenen gleichzeitig.
- 4:19Das erklärt vielleicht auch die starke Wirkung.
- 4:21Richtig, Valproinsäure blockiert auch bestimmte Kanäle in der
- 4:25Zellwand, durch die Ionen fließen also elektrisch geladene
- 4:29Teilchen, die Steuern ja die Signalübertragung.
- 4:33Wichtig sind da vor allem 2 Typen, erstens die
- 4:36Spannungsabhängigen Natriumkanäle, die sind super
- 4:40wichtig für die schnelle Weiterleitung von elektrischen
- 4:42Impulsen. Valproinsäure bremst diese
- 4:45Kanäle, und zwar besonders bei Nervenzellen, die dazu neigen,
- 4:49sehr schnell und immer wieder zu feuern, wie eben bei Anfällen
- 4:53oder in einer Manie. Es drosselt also quasi die
- 4:56Feuergeschwindigkeit. Verstehe.
- 4:58Und zweitens hemmt es auch bestimmte Calciumkanäle.
- 5:02Die sogenannten T Typ Kalziumkanäle, die spielen auch
- 5:05ne Rolle bei der Erregbarkeit und bei der Entstehung von so
- 5:09rhythmischen Entladungen, wie sie bei bestimmten
- 5:11Epilepsieformen vorkommen. Also unterm Strich durch diese
- 5:15Blockaden wird die übermäßige Signalweiterleitung gebremst.
- 5:19Die Nervenzellen können sich nicht mehr so leicht
- 5:21aufschaukeln, für dich heißt das, das Medikament packt das
- 5:24Problem an mehreren Stellen an, um das Gehirn zu beruhigen.
- 5:28Das erklärt seine Wirksamkeit, aber eben auch, warum es so
- 5:31komplex ist. OK, das leuchtet ein und für wen
- 5:35ist valproinsäure jetzt genau gedacht und was spürt man davon?
- 5:38Du sagtest ja schon kein Rauschgefühl, kein Hai, nein.
- 5:42Absolut nicht. Definitiv kein Hai.
- 5:45Die Wirkung ist rein medizinisch dämpfend, krampflösend,
- 5:50Stimmungsstabilisierend. Die Hauptanwendungen sind also
- 5:53verschiedene Formen von Epilepsie und eben die bipolare
- 5:57Störung, da vor allem zur Behandlung von akuten Manien und
- 6:02zur Vorbeugung, also zur Phasenprophylaxe.
- 6:04Und wie schnell wirkt das dann? Na ja, die antiepileptische
- 6:08Wirkung, die kann relativ schnell einsetzen, aber die
- 6:11stimmungsstabilisierende Wirkung, die braucht oft ein
- 6:14bisschen Geduld, die baut sich eher so über Tage bis Wochen
- 6:18auf. Die Halbwertszeit ist auch
- 6:20relevant. Die liegt so bei 9 bis 16
- 6:22Stunden. Das bedeutet meistens, man muss
- 6:25es mehrmals am Tag nehmen, damit der Wirkspiegel im Blut
- 6:28gleichmäßig bleibt. Und die Dosis?
- 6:31Die ist total individuell, die muss der Arzt oder die Ärztin
- 6:34ganz sorgfältig einstellen und auch überwachen.
- 6:38Ganz wichtig dabei. Regelmäßige
- 6:40Blutspiegelkontrollen. Warum ist das so wichtig?
- 6:43Damit checkt man, ob die Konzentration im Blut im
- 6:46richtigen Bereich liegt. Der Zielbereich ist meistens so
- 6:49zwischen 50 und 100 Mikrogramm pro Milliliter und diese
- 6:53Kontrollen sind auch extrem wichtig, um Überdosierungen und
- 6:56damit Vergiftungen zu verhindern, das ist wirklich
- 6:59entscheidend. OK, was sind denn die
- 7:02gewünschten Effekte? Na ja, klar, weniger oder am
- 7:06besten gar keine epileptischen Anfälle mehr.
- 7:09Und bei der bipolaren Störung eben, dass diese manischen
- 7:11Phasen abflachen und möglichst keine neuen Episoden auftreten.
- 7:15Aber es gibt ja sicher auch Nebenwirkungen, oder?
- 7:17Ja, natürlich, die muss man auch klar benennen.
- 7:20Zu den häufigeren gehören, so Magen, Darm Probleme, oft auch
- 7:24ne deutliche Gewichtszunahme, das ist für viele n Thema
- 7:27manchmal Haarausfall, Müdigkeit natürlich, weil es ja dämpft.
- 7:31Und oft auch so ein feines Zittern der Hände.
- 7:33Tremor nennt man das. Das führt uns jetzt direkt zu
- 7:36dem Punkt, der in Gabriels Artikel als extrem kritisch
- 7:39hervorgehoben wird und der ja auch der Grund für die ganzen
- 7:41Warnungen ist, die Risiken. Ja, das ist der absolute
- 7:45Kernpunkt. Das kann man nicht oft genug
- 7:48sagen. Das allergrößte schwerwiegendste
- 7:50Risiko betrifft die Einnahme während der Schwangerschaft,
- 7:54weil Proinsäure ist stark teratogen das ist der
- 7:57Fachbegriff dafür, dass es schwere Fehlbildungen und
- 8:00Entwicklungsstörungen beim ungeborenen Kind verursachen
- 8:02kann. Stark teratogen.
- 8:04Ja, und die Zahlen dazu, die im Artikel stehen, die sind
- 8:08wirklich erschütternd. Es gibt ein Risiko von ungefähr
- 8:1210% für schwere körperliche Fehlbildungen, dazu gehört zum
- 8:16Beispiel der offene Rücken, also.
- 8:18Bina Bifida, Herzfehler, Fehlbildungen im Gesicht, an den
- 8:22Lippen, am Kiefer oder auch an Armen und Beinen. 10% und.
- 8:26Das ist noch nicht alles. Zusätzlich dazu gibt es ein
- 8:30Risiko von 30 bis 40% für neurologische
- 8:33Entwicklungsstörungen. Das ist riesig. 30 bis 40 was
- 8:38heißt das konkret? Das heißt zum Beispiel
- 8:41verzögerte spracheentwicklung, Probleme mit der Motorik, ein
- 8:46messbar niedrigerer Intelligenzquotient, also IQ,
- 8:49auch Autismus, Spektrum Störungen oder ADHS.
- 8:52Symptome beim Kind werden damit in Verbindung gebracht.
- 8:55Puh, das sind wirklich ja alarmierende Zahlen, 10% und 30
- 8:59bis 40%, das ist ja dramatisch höher als bei fast allen anderen
- 9:03Medikamenten oder dem normalen Risiko.
- 9:04Gibt es noch andere ernste Gefahren.
- 9:08Ja, leider. Die gibt es, obwohl sie seltener
- 9:11sind, können potenziell lebensbedrohliche Schäden an der
- 9:14Leber auftreten, bis hin zum Leberversagen oder auch an der
- 9:19Bauchspeicheldrüse. Eine Pankreatitis.
- 9:22Das ist übrigens der zweite ganz wichtige Grund für diese
- 9:24engmaschigen Blutkontrollen, man checkt nicht nur den
- 9:27Wirkspiegel, sondern eben auch die Leberwerte und die
- 9:30Bauchspeicheldrüsenwerte, das ist überlebenswichtig.
- 9:33Verstehe. Und dann gibt es noch
- 9:35Wechselwirkungen. Besonders gefährlich ist die
- 9:37Kombi mit Alkohol oder anderen Substanzen, die das zentrale
- 9:41Nervensystem dämpfen, also zum Beispiel Beruhigungsmittel wie
- 9:45Benzodiazepine. Da kann sich die dämpfende
- 9:48Wirkung unkontrolliert verstärken, im schlimmsten Fall
- 9:51bis zur Atemlähmung, also da muss man höllisch aufpassen.
- 9:54Und wegen dieser massiven Risiken vor allem in der
- 9:56Schwangerschaft gibt es ja inzwischen ganz spezielle
- 9:59Sicherheitsmaßnahmen, oder? Der Artikel erwähnt das ja auch.
- 10:03Ja, ganz genau. Wegen dieser hohen Teratogenität
- 10:07gibt es europaweit ein verpflichtendes
- 10:09Schwangerschaftsverhütungsprogramm. Das ist richtig streng.
- 10:13Ärzte müssen Frauen und Mädchen im gebärfähigen Alter ganz genau
- 10:18aufklären, sie müssen sicherstellen, dass absolut
- 10:20zuverlässige Verhütungsmethoden benutzt werden, und das ganze
- 10:24muss sorgfältig dokumentiert werden und zusätzlich gibt es
- 10:28immer wieder diese offiziellen Warnschreiben, die rote
- 10:32Handbriefe. Die gehen von den Behörden an
- 10:35Ärzte und Apotheker, um immer wieder auf die Risiken und die
- 10:38strengen Regeln hinzuweisen. Warum ist Valproinsäure denn so
- 10:42gefährlich für das ungeborene Kind?
- 10:44Was passiert da? Auf molekularer Ebene, gibt es
- 10:48da Erklärungen? Ja, und das ist wirklich
- 10:50faszinierend, auch wenn der Hintergrund natürlich tragisch
- 10:54ist. Die Forschung geht davon aus,
- 10:56dass der Hauptgrund in der sogenannten Epigenepik liegt.
- 11:01Valproinsäure ist nämlich ein bekannter Hemmstoff für
- 11:04bestimmte Enzyme. Die heißen Histondeacetylasen,
- 11:08kurz HDACS. Valproinsäure ist also ein HDAC
- 11:13Inhibitor. Epigenetik, HDAC das klingt
- 11:18jetzt sehr technisch. Kannst du das einfacher
- 11:20erklären? Ja, ich versuch s mal.
- 11:23Stell dir unsere DNA vor, unseren genetischen Code.
- 11:27Der ist im Zellkern ganz dicht verpackt aufgewickelt, um
- 11:30Proteine, die heißen Histone. Und wie eng diese Wicklung ist,
- 11:35das steuert, welche Gene gerade abgelesen werden können, also
- 11:39aktiv sind und welche stillgelegt, also stumm sind.
- 11:43Okay wie ein Dimmer für Gene. Genau so ähnlich.
- 11:47Und diese HDAC Enzyme, die Sorgen normalerweise dafür, dass
- 11:51die DNA eher kompakt verpackt bleibt und bestimmte Gene ruhig
- 11:56gestellt sind. Sie wirken quasi wie ne Bremse
- 11:59auf die Genaktivität, weil Proinsäure hemmt jetzt diese
- 12:03HDAC Enzyme und was passiert die Verpackung der DNA lockert sich,
- 12:08das kann dazu führen, dass Gene angeschaltet werden, die
- 12:11eigentlich still sein sollten oder umgekehrt und das eben zu
- 12:15einem Zeitpunkt in der Entwicklung, wo das
- 12:18katastrophale Folgen hat. Weil der ganze Bauplan
- 12:21durcheinander gerät. Exakt.
- 12:23In dieser hochempfindlichen Phase der Embryonalentwicklung,
- 12:27wenn Organe gebildet werden, wenn Zellen sich spezialisieren
- 12:31müssen, dann bringt dieser massive Eingriff in die
- 12:34Gensteuerung den fein abgestimmten Bauplan komplett
- 12:37durcheinander. Und das erklärt dann die
- 12:40schweren Fehlbildungen und die neurologischen
- 12:42Entwicklungsstörungen. Es ist also ein direkter
- 12:45ungewollter Eingriff in die Steuerung unserer Gene, und zwar
- 12:49zur absolut falschen Zeit. Das ist auch für dich wichtig zu
- 12:52verstehen, es zeigt, wie tief Medikamente in unsere
- 12:55grundlegendsten biologischen Prozesse eingreifen können, weit
- 12:59über das hinaus, was man vielleicht an reiner
- 13:01Symptombekämpfung erwartet. Verstehe es stört also die
- 13:05Verpackungsanleitung für die Gene eine ziemlich beunruhigende
- 13:09Vorstellung, dass das gerade in der frühen Entwicklung passiert.
- 13:12Was sagt denn die aktuelle Forschung dazu?
- 13:14Gibt es da neue Erkenntnisse? Na ja, die Forschung
- 13:17konzentriert sich weiter stark auf diese epigenetischen
- 13:20Mechanismen. Einerseits, um das noch genauer
- 13:23zu verstehen, andererseits natürlich auch, um vielleicht
- 13:26irgendwann sicherere Alternativen zu finden, aber das
- 13:30ist extrem komplex, eine neuere Sache, die auch im Artikel
- 13:34erwähnt wird, betrifft eine Studie von 2024.
- 13:39Die hat angedeutet, und das muss man wirklich vorsichtig sagen,
- 13:42dass es möglicherweise ein leicht erhöhtes Risiko für
- 13:46neurologische Entwicklungsstörungen bei
- 13:49Kindern geben könnte, wenn der Vater in den 3 Monaten vor der
- 13:53Zeugung Valproinsäure genommen hat, auch der Vater, ja, aber
- 13:57wie gesagt, das ist noch sehr, sehr frühe Horschung, das
- 14:00braucht dringend mehr Studien und Bestätigung.
- 14:03Aber es deutet an, dass die Auswirkungen vielleicht noch
- 14:07komplexer sind, als wir bisher dachten.
- 14:10Gleichzeitig sieht man, dass die Behörden, also das BVRM in
- 14:14Deutschland oder die EMA in Europa, die Warnhinweise und die
- 14:17Anwendungsbeschränkungen immer weiter verschärfen, denn leider
- 14:21zeigt die Praxis, und das ist n echtes Problem, dass
- 14:24Valproinsäure trotz aller Risiken immer noch zu oft Frauen
- 14:27im gebärfähigen Alter verschrieben wird.
- 14:30Manchmal eben ohne ausreichende Aufklärung über die Gefahren und
- 14:33die Alternativen oder die Verhütung wird nicht konsequent
- 14:37genug umgesetzt. Das wirft natürlich Fragen zur
- 14:40Umsetzung dieser Sicherheitsmaßnahmen auf.
- 14:42Absolut. Das ist n ganz wichtiger Punkt.
- 14:45Da die Quelle, also der Artikel von Gabriel, ja von einer
- 14:50Webseite kommt, die sich mit Sucht beschäftigt, wie sieht S
- 14:55denn mit dem Suchtpotential von Valproinsäure selbst aus?
- 14:59Macht das süchtig? Hier ein ganz klares Nein.
- 15:03Valproinsäure selbst hat kein Suchtpotenzial.
- 15:06Es macht nicht abhängig im Sinne einer klassischen
- 15:09Suchterkrankung, es erzeugt kein Rausch, keine Euphorie, kein
- 15:13Craving, also kein Verlangen danach.
- 15:15OK, das ist wichtig. Seine Bedeutung im Suchtkontext
- 15:18ist eine andere, aber die ist trotzdem sehr wichtig.
- 15:22Es geht um die Behandlung von Doppeldiagnosen.
- 15:24Doppeldiagnose heißt. Das heißt, jemand hat 2
- 15:27Erkrankungen gleichzeitig und. Und es ist bekannt, dass
- 15:30Menschen mit bipolaren Störungen ein deutlich höheres Risiko
- 15:33haben, zusätzlich noch eine Suchterkrankung zu entwickeln.
- 15:36Alkohol, Drogen, egal was die extremen Stimmungsschwankungen
- 15:40bei der bipolaren Störung können, Suchtverhalten triggern
- 15:43oder auch verstärken, man versucht quasi die Symptome
- 15:47selbst zu medikamentieren. Verstehe.
- 15:49Und wenn man hier valproinsäure als Stimmungsstabilisator
- 15:52einsetzt, dann kann das die Manischen oder auch die
- 15:55depressiven Phasen dämpfen. Und das schafft oft erst die
- 15:59psychische Stabilität, die jemand braucht, um überhaupt
- 16:02eine Suchttherapie erfolgreich anpacken und auch durchhalten zu
- 16:05können. Es behandelt also nicht die
- 16:07Sucht direkt, aber es behandelt eine häufig dahinterliegende
- 16:10oder begleitende psychische Erkrankung, die die sucht
- 16:13vielleicht erst am Laufen hält. Das ist n wichtiger Punkt für
- 16:16die Praxis. Ja, aber auch hier gilt.
- 16:21Ganz wichtig ist der Hinweis, weil Proinsäure darf niemals
- 16:25einfach so auf eigene Faust abgesetzt werden, schon gar
- 16:29nicht abrupt. Das kann ganz schwere Rückfälle
- 16:33der Grunderkrankung auslösen, also lebensgefährliche
- 16:36epileptische Anfälle, einen Status epileptikus oder eben
- 16:41schwere manische Episoden, wenn man es absetzen will oder muss,
- 16:46dann immer nur ganz langsam ausschleichend.
- 16:50Und immer unter strenger ärztlicher Kontrolle.
- 16:53OK, das ist gut zu wissen. Lass uns zum Abschluss
- 16:56vielleicht noch die rechtliche Seite und die wichtigsten Fragen
- 16:59aus dem FEQ Teil des Artikels anschauen.
- 17:02Das fasst die Kernbotschaften sicher noch mal gut zusammen,
- 17:05ja. Gerne.
- 17:06Also Valproinsäure ist in Deutschland und der EU ganz klar
- 17:10verschreibungspflichtig. Es fällt aber nicht unter das
- 17:13Betäubungsmittelgesetz, eben weil es kein
- 17:15Missbrauchspotenzial für Rauschzwecke hat, aber.
- 17:19Wie wir jetzt schon mehrfach gesagt haben, für die
- 17:21Verschreibung an Mädchen und Frauen im gebärfähigen Alter
- 17:24gelten diese extrem strengen Auflagen.
- 17:26Das Schwangerschaftsverhütungsprogramm
- 17:28ist da das Stichwort. Und die FAQS aus dem.
- 17:31Artikel genau gehen wir die mal durch.
- 17:34Die erste Frage war ja, kann ich als Frau Valproinsäure nehmen,
- 17:38wenn ich schwanger werden könnte oder möchte und die Antwort
- 17:42darauf ist ein ganz ganz klares, nur im absoluten Ausnahmefall.
- 17:48Das heißt wirklich nur dann, wenn alle anderen möglichen
- 17:51Behandlungen versucht wurden und entweder nicht genug gewirkt
- 17:54haben oder nicht vertragen wurden und selbst dann nur unter
- 17:57der Bedingung, dass eine oder besser noch mehrere hochwirksame
- 18:01Verhütungsmethoden absolut lückenlos angewendet werden.
- 18:05Und es muss auch regelmäßig überprüft werden.
- 18:07Die Risiken, ich sag die Zahlen noch mal bewusst, etwa 10% für
- 18:11schwere körperliche Schäden und 30 bis 40% für bleibende
- 18:15neurologische und kognitive Probleme, die sind einfach viel
- 18:19zu hoch. Das muss alles ärztlich streng
- 18:21dokumentiert und überwacht werden, da gibt es Formulare
- 18:24für. Also ein klares Nein, außer in
- 18:27ganz speziellen, streng kontrollierten Fällen.
- 18:30Genau. Die zweite Frage macht
- 18:33Valproinsäure süchtig oder High? Auch hier die klare Antwort aus
- 18:38dem Artikel, definitiv nein. Kein Suchtpotenzial, kein
- 18:43Rausch, rein medizinisch dämpfend, stabilisierend,
- 18:48relevant bei sucht nur im Kontext der Doppeldiagnose mit
- 18:52bipolare Störung. Und die dritte Frage?
- 18:55Warum müssen meine Blutwerte ständig kontrolliert werden?
- 18:58Die Antwort ist kurz und einfach, weil es
- 19:01überlebenswichtig sein kann. Aus 2 Gründen erstens um den
- 19:06Wirkstoffspiegel im Blut im optimalen Bereich zu halten,
- 19:09nicht zu niedrig, sonst wirkt s nicht nicht zu hoch wegen
- 19:13Nebenwirkungen oder Vergiftung. Und zweitens, um diese
- 19:17potenziell tödlichen Nebenwirkungen auf die Leber und
- 19:20die Bauchspeicheldrüse ganz früh zu erkennen, bevor da wirklich
- 19:24schlimmer Schaden entsteht. Das unterstreicht wirklich noch
- 19:27mal, wieviel Verantwortung da dran hängt bei der
- 19:29Verschreibung, aber auch bei der Einnahme und wie wichtig dieser
- 19:32enge Arzt patientenbeziehung ist.
- 19:35So, dann fassen wir doch mal zusammen, was wir aus dieser
- 19:38heutigen Betrachtung von Gabriels Artikel mitnehmen.
- 19:41Valpoinsäure ist wirklich n klassisches, zweischneidiges
- 19:44Schwert auf der einen Seite ein Hochwirksames, manchmal echt
- 19:47unersetzliches Medikament bei Epilepsie, bei bipolaren
- 19:51Störungen und auf der anderen Seite birgt es, und das ist der
- 19:54entscheidende Punkt, vor allem bei Einnahme in der
- 19:56Schwangerschaft katastrophale Risiken für das Kind,
- 19:59wahrscheinlich eben durch diese Störung der Epigenetik, also der
- 20:03Gensteuerung. Genau.
- 20:04Die Entscheidung für Valproinsäure braucht deshalb
- 20:07ein Höchstmaß an ärztlicher Verantwortung.
- 20:10Sie braucht eine absolut lückenlose, verständliche
- 20:13Aufklärung über alle Risiken, aber auch über die Alternativen,
- 20:17und sie braucht eine extrem enge, vertrauensvolle
- 20:20Zusammenarbeit zwischen Arzt oder Ärztin und dem Patienten
- 20:24oder der Patientin, wenn man das mal einordnet.
- 20:26Es ist ein sehr, sehr mächtiges Werkzeug, und das darf man nur
- 20:30mit allergrößter Vorsicht und unter ganz strengen Auflagen
- 20:33einsetzen. Was nimmst du jetzt aus dieser
- 20:36Analyse mit? Für mich zeigt das mal wieder,
- 20:40wie komplex medizinische Entscheidungen sein können und
- 20:43wie unglaublich wichtig gute, verständliche Informationen
- 20:47sind. Solltest du selbst betroffen
- 20:50sein oder jemand in deinem Umfeld, sei es von Epilepsie,
- 20:53bipolarer Störung, vielleicht auch einer Doppeldiagnose mit
- 20:57sucht, dann ist Wissen und Unterstützung einfach zentral.
- 21:01Der Artikel von Gabriel nennt ja auch Anlaufstellen, zum Beispiel
- 21:05das BVR für offizielle Infos zu Medikamenten, die EMA auf EU
- 21:09Ebene, dann die Deutsche Gesellschaft für bipolare
- 21:11Störungen, die DGBS, eine wichtige
- 21:13Selbsthilfeorganisation. Auch das Infotelefon Depression
- 21:15für Krisen, die Nummer 0, 800, 3344533 und natürlich klar bei
- 21:21akuten Notfällen immer die 112. Und vielleicht noch so ein
- 21:31letzter Gedanke, den du mitnehmen kannst, wenn ein
- 21:34einzelnes Medikament wie Valpro n Säure über diese
- 21:37epigenetischen Mechanismen die Aktivität unserer Gene so tief
- 21:41und so langfristig beeinflussen kann.
- 21:43Was sagt uns das denn eigentlich generell über den möglichen
- 21:45Einfluss von unserer Umwelt, von unserer Ernährung, unserem
- 21:49Lebensstil oder auch von anderen Substanzen auf unsere
- 21:52Gesundheit, vielleicht ja sogar auf die Gesundheit der nächsten
- 21:55Generationen? Das ist ne Frage, die geht weit
- 21:57über dieses eine Medikament hinaus, finde ich.
- 22:00Ja, und damit sind wir für heute am Ende.
- 22:03Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast und uns
- 22:05zugehört hast. Pass gut auf dich auf und bis
- 22:08zum nächsten Mal.