Latest / Die Lage international mit Christian Mölling / EU-Ausnahmen für Putin-nahe Oligarchen: „Dieser Kuhhandel hilft Russland“
Transcript
- 0:06Es ist Donnerstag, der 24. September. Hallo und herzlich willkommen zum Stern-Podcast
- 0:11Die Lage International mit Christian Mölling, Senior Advisor beim Brüsseler
- 0:15Think Tank European Policy Center. Guten Morgen, Herr Mölling.
- 0:18Hallo, guten Morgen, Herr Gassel.
- 0:19Herr Mölling, es wird langsam herbstlich in Deutschland. Bald beginnt die Heizsaison.
- 0:23Vielleicht haben auch manche Hörerinnen und Hörer schon ein bisschen die Heizung
- 0:25aufgedreht. Hier in Hamburg könnte man das verstehen.
- 0:29Und da passt es irgendwie, dass wir uns heute mit einem Land beschäftigen müssen,
- 0:32das eher selten vorkommt bei Die Lage International.
- 0:35Die Rede ist von Aserbaidschan.
- 0:38Gut 10 Millionen Einwohner gelegen am Kaspischen Meer, sozusagen östlich des Kaukasus.
- 0:43Und das Land ist wichtig, nicht weil es so weit weg ist, sondern weil es reich
- 0:47an Rohstoffen ist, vor allen Dingen an Erdgas.
- 0:50Allein zu uns in Deutschland fließen seit diesem Jahr 1,5 Milliarden Kubikmeter aus Aserbaidschan.
- 0:56Und zwar Jahr für Jahr, für die nächsten zehn Jahre soll das so laufen.
- 1:00Das hilft natürlich in Zeiten, in denen man sich von Rüstland möglichst unabhängig
- 1:04machen will bei der Energie.
- 1:05Und entsprechend lobende Worte haben Politiker wie Friedrich Merz oder Ursula
- 1:09von der Leyen für Aserbaidschan und dessen Präsidenten Ilham Aliyev in letzter Zeit gefunden.
- 1:15Aliyev war vor wenigen Wochen erst im Kanzleramt zu Besuch, da sagte Friedrich
- 1:19Merz, Aserbaidschan sei ein interessantes Partnerland.
- 1:23Ursula von der Leyen hat Aserbaidschan als, Zitat, verlässlichen und vertrauenswürdigen
- 1:28Partner für Europa, Zitat Ende, bezeichnet.
- 1:32Gleichzeitig passieren in Aserbaidschan und mit Aserbaidschan,
- 1:36einer ehemaligen Sowjetrepublik, aber ein paar Dinge, die gar nicht so richtig
- 1:39zu diesem Image passen wollen.
- 1:42Einige werden sich erinnern, dass sich mehrmals in den vergangenen Jahren,
- 1:45zuletzt erst, glaube ich, zu Beginn des Sommers, ehemalige deutsche Spitzenpolitiker
- 1:49mit Emissären von Wladimir Putin in Aserbaidschan getroffen haben.
- 1:53Wozu genau, weiß man nicht so richtig.
- 1:55Es scheint jedenfalls, als wollten die helfen, den ehemals guten Draht zwischen
- 1:58Russland und Deutschland doch nicht ganz abreißen zu lassen.
- 2:01Und Aserbaidschan dient dabei gewissermaßen als Brücke. Diese Woche kam nun
- 2:06noch was ganz anderes heraus.
- 2:08Aserbaidschan ist nämlich sogar selbst offenbar ein aktiver Player zwischen
- 2:12Putin und Europa. Genauer gesagt, Aserbaidschan erpresst das EU-Land Frankreich
- 2:17und zwar offenbar mit Erfolg. Herr Möling, was ist da los?
- 2:20Ja, ich glaube, man muss das ein bisschen weiter aufblättern.
- 2:24Also in der Tat, es ist so, dass sowohl Herr Usmanow als auch Herr Friedmann,
- 2:31von der Liste der sanktionierten Personen genommen worden sind, der EU-Liste.
- 2:36Zwei Leute, von denen wir davon ausgehen müssen, dass sie Putin sehr nahe stehen.
- 2:42Also nochmal kurz zusammengefasst, was die letzten Tage passiert ist.
- 2:44Am Dienstag haben sich, nachdem sie sich vorher schon eine Woche vertagt hatten,
- 2:48die EU-Spitzen getroffen, die über Verlängerung der Russlands-Sanktionen,
- 2:52vor allen Dingen der personenbezogenen Sanktionen, entscheiden mussten.
- 2:56Und da war kurz vor knapp Frankreich ausgeschert und hatte Druck aufgebaut,
- 3:02dass dieser Milliardär Usmanov von der Sanktionsliste genommen wird.
- 3:07Und das tat Frankreich interessanterweise, weil in Aserbaidschan ein französischer,
- 3:14Geschäftsmann unter Spionageverdacht festgehalten wird.
- 3:18Das hatte die EFT vor kurzem berichtet. Der wird schon seit mehreren Jahren
- 3:21festgehalten. Es wird noch ein zweiter Franzose in Aserbaidschan festgehalten.
- 3:26Und kurz nachdem also auf französischen Druck
- 3:29dieser russische Oligarch Osmanov, Alisher Osmanov, von der Sanktionsliste jetzt
- 3:35diese Woche genommen worden ist, wurde der eine Franzose, der in Aserbaidschan einsaß, begnadigt.
- 3:42Ich glaube, der erste Punkt ist, das scheint mir sozusagen der Deal zu sein,
- 3:46dass man deswegen die Sanktionsliste mit den restlichen 3000 Personen gleich
- 3:51schon mal bis 2029 verlängert hat. Normalerweise wird die immer halbjährlich verlängert.
- 3:55Hier scheint die EU einen Kuhhandel unter sich gefunden zu haben.
- 3:59Das Problem ist aber dennoch, dass hier im Grunde genommen nationale Deals oder
- 4:04nationale Befindlichkeiten in diese Liste immer stärker und stärker reinragen.
- 4:10Wir erinnern uns, dass es bei der letzten Verhandlung um die Sanktionsliste
- 4:14auch schon große Schwächen eigentlich gab.
- 4:16Man konnte sich nicht auf neue Pakete im Grunde genommen einigen.
- 4:19Die Pakete sind dann nicht mal was grundsätzlich Neues, sondern es geht um die
- 4:24Anpassung der alten Pakete, weil bestimmte Sachen sich verändert haben,
- 4:27Modernisierung bei Technologien und solchen Geschichten.
- 4:29Also insgesamt bietet das erstmal ein sehr schwaches Bild der Europäischen Union,
- 4:33dass man hier zwei Leute hat durch das Einwirken von Frankreich und Luxemburg
- 4:38von der Sanktionsliste nehmen lassen,
- 4:42offensichtlich um nationale Befindlichkeiten damit befriedigen zu können.
- 4:47Herr Merling, muss man dann sozusagen konstatieren, dass Europa mit seinem neuen
- 4:50Gaspartner Aserbaidschan letztlich vom Regen in die Traufe gekommen ist?
- 4:54Neue Abhängigkeit, die einen dann wieder erpressbar macht, so ähnlich wie das,
- 4:58wie man es ja eigentlich nicht mehr haben wollte?
- 5:02Also so weit würde ich nicht gehen. Ich glaube, das ist ganz gut,
- 5:05dass man sagen muss, naja, man geht letztendlich eine neue Abhängigkeit ein.
- 5:10Also es ist, glaube ich, auch eine Illusion der deutschen vergangenen Zeiten,
- 5:16dass wir alle sozusagen so Wahlbekanntschaften hätten und natürlich alle Geschäfte
- 5:20kooperativ und gut und allen zum Vorteil gereichen würden.
- 5:24Diese Erzählung ist unheimlich romantisch, war wahrscheinlich nie so richtig
- 5:28wahr, aber natürlich sehnen sich alle dahin zurück und jetzt haben wir eine
- 5:31Situation, in der wir zwischen unterschiedlichen Übeln wählen müssen,
- 5:37Und wahrscheinlich ist es immer noch besser, Aserbaidschan zu unterstützen mit
- 5:40unserem Geld, als Russland direkt damit zu unterstützen.
- 5:43Das ist, glaube ich, der wesentliche Punkt. Gut, Osmanow und Friedmann,
- 5:47diese beiden russischen Millionäre, die nun seit mehreren Jahren auf der Sanktionsliste
- 5:52waren und seit vorgestern nicht mehr sind, das sind ja keine kleinen Fische.
- 5:56Der Osmanow wurde in offiziellen EU-Papieren schon mal gerne als Zitat einer
- 6:00von Putins Lieblingsoligarchen bezeichnet.
- 6:03Der hat mal in der Chefetage vom russischen Staatskonzern Gazprom gesessen,
- 6:07hat außerdem in der russischen Metallindustrie ein Vermögen gemacht und einen
- 6:11Teil davon zeitweise auch in den FC Arsenal investiert.
- 6:15Dass jetzt sozusagen ein Land wie Frankreich sich für so jemanden einsetzt und
- 6:21einem so prominenten Beispiel das EU-Sanktionsregime unterläuft,
- 6:26was setzt das für ein Signal, Herr Mölling?
- 6:28Was hat das für Folgen? Sie haben ja gerade schon erwähnt, Luxemburg ist direkt
- 6:32Trittbrettfahrer gewesen und hat gesagt, Moment, wenn der Ousmanow jetzt da
- 6:35runterkommt, dann wollen wir auch den Friedmann runterhaben.
- 6:37Der hat uns nämlich verklagt und das ist für unseren Ruf als Finanzplatz nicht so gut.
- 6:42Muss man letztlich konstatieren, dass die Sanktionsfront gegen Russland immer weiter bröckelt?
- 6:48Ne, ich glaube nicht, dass man soweit schon gehen kann. Also es ist ja so,
- 6:51dass die Liste der anderen 3000 Personen für die nächsten drei Jahre schon verlängert worden ist.
- 6:57Ich glaube, das ist wichtig insofern, als dass man, glaube ich,
- 7:00genau da mit dem entgegenwirken will, dass man sagt, wie hier bröckelt die Front.
- 7:03Weil Sie natürlich schon sagen können, naja, wenn die Front bröckeln würde,
- 7:07dann würden wir uns nicht auf einen sehr langen Zeitraum von drei Jahren,
- 7:10also das Sechsfache von dem, was wir sonst machen, eigentlich festlegen.
- 7:14Das ändert nichts daran, dass es ein politischer Prozess ist.
- 7:16So einen Beschluss könnt ihr zurücknehmen oder ihnen erneut aufweichen.
- 7:20Alles das ist tatsächlich möglich.
- 7:23Und was man, glaube ich, einfach auch mit verstehen muss, ist,
- 7:26Russland hat natürlich ein aktives Interesse und betreibt das auch aktiv,
- 7:30dass solche Sachen passieren.
- 7:31Selbst wenn es jetzt nicht im russischen Interesse ist, die Franzosen da möglicherweise freizulassen.
- 7:37Aber es hilft Russland, weil es natürlich genau diese Diskussionen befördert,
- 7:41die wir beide gerade führen, nämlich inwiefern das Sanktionsregime aufgeweicht wird.
- 7:46Und dann ist ja der nächste Satz, den man dann in einigen Kreisen wahrscheinlich
- 7:50haben wird, ist, naja, aber ist das vielleicht auch gar nicht so schlecht?
- 7:54Wir müssen ja irgendwie sehen, wie wir mit denen zu Rande kommen.
- 7:56Und das ist das Ziel, weil die Ukrainer, das ist zumindest die russische Beobachtung,
- 8:01alleine möglicherweise nicht überleben kann, aber mit der europäischen Unterstützung
- 8:04zurzeit sehr gut überleben können.
- 8:06Schauen wir nochmal ein bisschen genauer auf die Rolle Frankreichs.
- 8:08In dem Fall dieses Milliardärs hat ja die Regierung Macron Erwägungen nationaler
- 8:14Sicherheit angeführt, ohne das natürlich genauer zu erklären,
- 8:16als Begründung für ihr Ausscheren.
- 8:18Denn wenige Tage zuvor allerdings hatte ja am vergangenen Freitag Präsident
- 8:23Macron in einer ziemlich ungewöhnlichen Aktion,
- 8:26die Anführer aller politischen Parteien, darunter seine ärgsten Konkurrenten
- 8:31um das Präsidentenamt bei der Wahl nächstes Jahr zu sich in den Élysée-Palast gerufen.
- 8:36Und dort ein Briefing mit Geheimdienstbeteiligung, denen allen wohl gegeben,
- 8:42dass im Kern eine deutliche Warnung vor wachsender Aggressivität Russlands war.
- 8:48Aber Macron wurde dann im Anschluss mit den Worten zitiert, keiner ist mehr
- 8:51sicher, das soll so die Botschaft in die französische politische Landschaft
- 8:54gewesen sein, die er da gesendet hat.
- 8:56Dieses Entgegenkommen auf der einen Seite, diese Mauscheleien da hinten rum
- 9:00über Aserbaidschan, wir machen das, ihr macht das, eine Hand wäscht die andere.
- 9:05Und andererseits diese harte Warnung, dieses öffentliche Signal,
- 9:09wir rechnen letztlich mit größerer Bedrohung, möglicherweise auch mit Aktionen
- 9:13in Frankreich oder Aktionen, die uns als Frankreich betreffen.
- 9:18Das ist ja in der öffentlichen Position gerade für jemand wie Emmanuel Macron
- 9:23ziemlich widersprüchlich und schwer zu vertreten. Wie sehen Sie das?
- 9:27Wie passt das zusammen? Ich würde gar nicht unterstellen, dass es eine Kohärenz
- 9:31geben muss, also im Sinne von, dass das sozusagen logisch alles zusammenpassen muss.
- 9:36Man hat sich hier auf einer ganz anderen Ebene als der,
- 9:42sicherlich bedeutsame Einzelfall von Usmanov dazu entschieden,
- 9:46ein viel stärkeres Signal in Richtung Moskau zu senden, aber auch die eigenen
- 9:51politischen Akteure mit einzubinden,
- 9:53um sie damit ja letztendlich einzuhegen.
- 9:59Und ich glaube, dass so einfach hier Macron damit rechnet,
- 10:04Dass er sagt, ihr wart alle mit dabei. Er kann jetzt nach außen gehen und sagen,
- 10:07die waren alle mit dabei, die haben es alle gehört.
- 10:10Und was die jetzt daraus machen, das steht nachher in der Öffentlichkeit.
- 10:15Und dementsprechend waren ja auch die Reaktionen.
- 10:17Das Rassemblement National, also die eher rechtsgerichtete Partei von Marine
- 10:24Le Pen und Bardella, hat ja ein sehr krasses Statement abgegeben in dem Zusammenhang.
- 10:29Also von daher kann man sagen, es hat in Anführungsstrichen funktioniert,
- 10:34wenn das der Plan gewesen ist.
- 10:36Sie haben ja gerade schon das Statement von Marine Le Pen und Gendarme Bardella
- 10:40von den französischen Rechtspopulisten erwähnt. Ich zitiere das nochmal,
- 10:44weil es wirklich so eindrücklich war.
- 10:47Wir werden niemals eine ausländische Macht, in diesem Fall Russland, tolerieren,
- 10:52die versucht, die Politik unseres Landes durch Bedrohungen, Einschüchterungen,
- 10:58Destabilisierung oder psychologischen Druck zu diktieren, egal ob direkt oder indirekt.
- 11:04Gemeinsames Statement, das war ein direktes Zitat.
- 11:07Als ich das gelesen habe, Herr Mölling, musste ich unwillkürlich an die AfD
- 11:12denken, die ja jetzt gerade große Erfolge bei den Wahlen in Ostdeutschland gefeiert
- 11:17hat und die ja vor diesen Wahlen in den letzten Wochen während des Wahlkampfs,
- 11:22in Deutschland und selbst nach der Drohnenattacke in Leipzig immer noch dafür geworben hat.
- 11:29Die Ukraine-Unterstützung zu beenden, die Nord Stream Pipeline wieder zu eröffnen
- 11:34und generell sozusagen den Kurs gegenüber Russland wieder kooperativer zu gestalten.
- 11:41Das ist ja schon ein krasser Kontrast, was sozusagen unsere AfD hier macht und
- 11:46was dann das Rassemblement National, was in gewisser Weise das französische
- 11:50Pendant ja ist, wie die sich dann zu Russland da positioniert haben.
- 11:55Wieso läuft das in Frankreich so anders? Und ist das glaubhaft,
- 11:58wenn Marine Le Pen und Co. dann auf einmal so klare Kante gegen Russland geben?
- 12:02Ich glaube, es spiegelt vor allen Dingen erstmal wieder, was die deutschen Rechten
- 12:08und die französischen Rechten glauben, was ihre Wählerschaft,
- 12:12ich sage jetzt nicht mal hören will, sondern was die denkt.
- 12:15Und da sehen wir, dass man offensichtlich eine sehr unterschiedliche Meinung
- 12:18dazu hat, was die Wählerschaft denkt und wo dann dementsprechend auch die Grenzen.
- 12:23Von rechtsgerichteten Parteien wären, wenn sie in der Regierung wären.
- 12:29Also hier hätten wir an dem Punkt sozusagen, wenn Le Pen und das Rassemblement
- 12:33National in der Regierung wären, muss man eben nicht davon ausgehen,
- 12:36dass es einen großen Schulterschluss gibt zwischen der Rechten in Frankreich
- 12:41und der Rechten in Deutschland in dem Augenblick.
- 12:43Das Interessante ist ja, dass in diesem Augenblick, dass eben für die Franzosen,
- 12:51die nationale Souveränität im Vordergrund steht.
- 12:56Über Jahrzehnte, Jahrhunderte im Grunde genommen eintrainiert und sozusagen rein sozialisiert ist.
- 13:02Und in Deutschland das eben nicht so ist. Da ist auf einmal die Definition dessen,
- 13:05was wichtig ist, ist das Verhältnis zu Russland. Jetzt kann man sagen,
- 13:08das hat was mit der geografischen Nähe zu tun.
- 13:10Ich glaube, es hat aber vor allen Dingen damit zu tun, in der Tat,
- 13:13dass die AfD glaubt, dass sie sich im nationalen Wettbewerb gegen die anderen
- 13:18so unterscheiden kann, dass man darüber mehr Stimmen bekommt.
- 13:23Und weil es eben offensichtlich keine souveräne Definition des nationalen Interesses,
- 13:31bei der AfD gibt, die es möglich macht anzuerkennen,
- 13:36dass Russland gegen deutsche Interessen verstößt und gegen deutsche Interessen arbeitet.
- 13:40Bereit ist möglicherweise deutsche Staatsbürger zu töten auf deutschem Boden.
- 13:45Und dann ist natürlich die Frage, okay, was will denn eine nationale Partei
- 13:50dann eigentlich schützen in diesem Land?
- 13:52Deutsche Interessen oder russische Interessen?
- 13:55Schauen wir zum Schluss nochmal aufs eigene Land. Während Emmanuel Macron die
- 13:57politische Konkurrenz zu den russischen Bedrohungen briefte,
- 14:00war der deutsche Verteidigungsminister in den USA.
- 14:04Boris Pistolus wollte persönlich dabei sein, als der erste von 35 bestellten
- 14:08F-35 Tarnkappenjets mit Schwarz-Rot-Gold am Heck übergeben wurde.
- 14:13Bis 2029 soll auch der Rest der Bestellung geliefert sein und dann zuallererst
- 14:19die alten Bundeswehr-Tornados ersetzen, damit Deutschland seine Verpflichtungen
- 14:22im Rahmen der nuklearen Teilhabe weiter erfüllen kann.
- 14:25Herr Merling, es gibt jetzt aber einiges an Kritik. Deutschland,
- 14:28heißt es da, mache sich strukturell abhängig von den unverlässlich gewordenen USA.
- 14:33Das sei gar nicht so eine schrecklich gute Idee mit diesen außerdem so teuren F-35 Flugzeugen.
- 14:39Und es sollen ja womöglich sogar noch mehr als diese F-35 in einer zweiten Tranche
- 14:42bestellt werden. Wie ist das zu betrachten? War das eine Fehlbestellung?
- 14:47Ich glaube, man muss auch das hier so ein bisschen auseinanderschneiden.
- 14:50Also es gibt eine Diskussion, ob wir mehr F-35 kaufen wollen.
- 14:55Die würde ich jetzt erstmal abtrennen von der Entscheidung, die getroffen worden
- 15:00ist 2022, damals noch von Olaf Scholz, über die damalige Bestellung von 35 F-35.
- 15:07Was in der Diskussion zurzeit komplett untergeht, ist, dass diese Flugzeuge
- 15:12nur für einen Grund gekauft worden sind, nämlich um Deutschland die Möglichkeit
- 15:16zu erhalten, weiterhin an der nuklearen Teilhabe teilzunehmen.
- 15:20Nukleare Teilhabe oder das Fliegen nuklearer Missionen ist etwas,
- 15:24das nur mit Amerikanern stattfinden kann.
- 15:27Ganz einfach, weil die Bombe, die da drunter hängt, eine amerikanische Bombe ist.
- 15:31Das heißt also, das Flugzeug ist zwar deutsch, die Bombe ist aber amerikanisch.
- 15:35Das heißt, die Logik aus 2022, der Entscheidung, F-35 zu kaufen,
- 15:40damals bis heute ist diese Abhängigkeit in diesem speziellen Fall überhaupt
- 15:46gar kein Problem, sondern sie ist quasi konstitutiv für die Art der Mission.
- 15:50Das muss man sich vor Augen führen. Also es geht um die US-Atombomben,
- 15:54die da im Fliegerhaus Büchel in der Eifel seit Jahrzehnten liegen und die Flugzeuge
- 15:59brauchen, die im Zweifel diese Bomben in den Ziel tragen könnten.
- 16:03Genau, es gibt zwei Schlüssel. Das eine ist die Bombe selber,
- 16:06die sozusagen der amerikanische Präsident freigeben muss und der Bundeskanzler.
- 16:11Gibt den Einsatz deutscher Flugzeuge frei und damit haben sie sozusagen ein
- 16:15Zwei-Schlüssel-System, das es eben nur möglich macht, wenn beide Seiten zustimmen,
- 16:19dass diese Bomben überhaupt verflogen werden und ins Ziel gebracht werden.
- 16:24So, das heißt, sie brauchen beide Seiten. Wenn die Amerikaner nicht zustimmen,
- 16:27dann fliegen wir nicht und umgekehrt. Von daher ist die Abhängigkeit nicht auf
- 16:31einer technischen Ebene, sondern auf einer politischen Ebene.
- 16:34Das Problem ist, dass das in der jetzigen Darstellung einfach sozusagen die
- 16:39Zeitachse einfach komplett hinten runtergeschmissen wird und Pistorius vorgeworfen
- 16:42wird, er hätte einen schlechten Deal gemacht, der hat den Deal gar nicht unterzeichnet.
- 16:47Also das ist das Erste. Das Zweite ist, der Deal war damals richtig,
- 16:50er ist sogar bis heute richtig.
- 16:53Wenn ich einen F-35, das gleiche Flugzeug, für andere Aufgaben einsetzen will,
- 16:58dann muss ich völlig neu bewerten. Dann würde ich auch sagen,
- 17:00würde ich eher gucken, ob ich die Finger davon lasse.
- 17:03Der dritte Punkt, also das Geld ist dann immer sozusagen das,
- 17:06was angeführt wird. Ob die F-35 preiswert ist, weiß ich nicht.
- 17:11Oder ist eine andere Frage. Es ist witzigerweise aber das einzige Flugzeug,
- 17:16das in den letzten Jahren günstiger geworden ist, statt teurer.
- 17:20Und wenn man jetzt über dieses einzelne Flugzeug hinausgeht,
- 17:24dann stimmt es, dass wir uns in einigen Bereichen abhängiger machen.
- 17:28Weil, wenn man es auf eine einfache Formel bringt, das, was wir von den Amerikanern
- 17:33kaufen, alternativlos ist.
- 17:36Nächstes Beispiel ist, wir kaufen schwere Transporthutschrauber bei den Amerikanern. Warum?
- 17:42Ja, weil in Europa keiner diese Dinger produziert. Das ist relativ einfach.
- 17:45Sie haben die Wahl zwischen einem amerikanischen Produkt oder einem anderen
- 17:48amerikanischen Produkt.
- 17:50Also von daher ist das, so wie das zurzeit dargestellt wird in der Öffentlichkeit,
- 17:54der Effekt heischerisch, hat aber mit der Realität, wenn man ehrlich gesagt,
- 17:59wenn man ehrlich drauf guckt, nicht wahnsinnig viel zu tun.
- 18:01Und die Leute, die sich darüber beschweren, dass hier Knebelverträge gemacht
- 18:05würden, müssten schon erklären, wie gute Alternativen ausgesehen haben,
- 18:10die zu dem Zeitpunkt der Entscheidung auf dem Tisch gelegen haben.
- 18:14Gut, dass wir das hier nochmal eingeordnet haben. Für heute müssen wir an dieser
- 18:18Stelle den Schlussstrich ziehen. Vielen Dank für das Gespräch,
- 18:20Herr Mölling. Ich danke Ihnen, Herr Gassel.
- 18:22Das war die Lage international. Die nächste Folge gibt es wie gewohnt am kommenden
- 18:27Donnerstag auf RTL Plus und überall sonst, wo Sie gern Podcast hören.
- 18:31Danke für Ihr Interesse und bis dahin. Bis bald.