Latest / Spirit Mind Energy – Dein Universum für moderne Spiritualität | Gespräche mit Petra Baum / 037 Tarot in der Literatur - Folge 12: Die Physiker | mit Tino Wiesinger
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- Petra: Hallo zusammen. Heute widmen Tino und ich uns in unserem Tarot in der Literatur-Talk einem der bedeutendsten Dramatiker des deutschsprachigen Raums, Friedrich Dürrenmatt, dem Autor von Die Physiker, das bis heute weltweit gelesen, gespielt und interpretiert wird. Dürrenmatt wurde 1921 in der Nähe von Bern geboren und wuchs in einem protestantischen Pfarrhaus auf. Sein Vater war Pastor, sein Großvater Politiker. Diese Mischung aus religiösem Denken, moralischen Fragen und gesellschaftlicher Beobachtung prägte sein späteres Werk stark. Schon früh interessierten ihn weniger einfache Geschichten als die großen Widersprüche, und zwar die des menschlichen Handelns. Er studierte zunächst Philosophie, Germanistik und Naturwissenschaften, brach das Studium jedoch ohne Abschluss ab, ⁓ Schriftsteller zu werden. Sein internationaler Durchbruch gelang 1956 mit der Besuch der Alten Dame. Dürrenmatt entwickelte einen sehr unverwechselbaren Stil, den er selbst tragische Komödie nannte. Grotesk, ironisch und zugleich zutiefst existenziell. Der Mensch handelt moralisch, doch die Welt folgt eigenen, unberechenbaren Regeln. Mit diesem Hintergrund wird deutlich, warum sein 1961 erschienenes Werk Die Physiker weit mehr ist. als ein Irrenhausdrama. Es ist eine Parabel über Wissen, Verantwortung und die Unkontrollierbarkeit der Welt. Für sein Gesamtwerk erhielt Dürrenmar zahlreiche Auszeichnungen, darunter den großen Schillerpreis der Schweiz und den Georg Büchner Preis. Seine Texte wurden in über 40 Sprachen übersetzt und prägen bis heute das Verständnis der Nachkriegsliteratur. Und nach diesem kleinen Überblick tauchen wir nun ein in die Welt der Verrückten, der Täuschungen, der Wendungen und vor allem in die Frage, welche Tarot-Archetypen sich hinter den Protagonisten verbergen. Lieber Tino, up to you! Tino Wiesinger: Ja, also die Physiker, da habe ich ja auch so eine ganz persönliche Geschichte, muss ich sagen. Also die Physiker, als ich den Titel, ich weiß noch, als ich den Titel zum ersten Mal gelesen habe, dachte ich, also mit Physik habe ich überhaupt nichts am Hut und ich bin, ja, ich bin jetzt nicht Naturwissenschaften gegenüber abgeneigt, aber wenn es eine Naturwissenschaft gibt, die ich am wenigsten mag, dann ist es Physik. Und deswegen habe ich mich lange, lange Zeit davor gedrückt, die Physiker zu lesen. Auch während meines Germanistikstudiums habe ich mich immer drum gedrückt. Ich wollte nie die Physiker lesen. Und irgendwann musste ich es dann natürlich in der Schule. Dann war das dann im Lehrplan und dann haben wir es gelesen. Und dann habe ich gemerkt, wenn ich jetzt sage, toll ist das nicht der richtige Ausdruck, sondern wie intensiv dieses Drama eigentlich ist und auch lustig. Petra: Viel, vor allem. Tino Wiesinger: wirklich eine Komödie, weil es die gesamte Welt in ihrer grotesken Art auch darstellt. Also die Welt ist manchmal auch ziemlich grotesk und das finde ich, man kann auch über tragische Dinge einfach auch mal lachen und das finde ich ganz gut. Das trifft tatsächlich meinen Humor. Es fängt schon mit der ersten Szene an. Da wird gesagt, Sie sind in einem Sanatorium. Allein das Wort Sanatorium, verbindet man damit? Man verbindet irgendwas sehr Positives, Schönes, Nettes, vielleicht auch Abbeschiebenes. Ja, halt mal. Auch so wirklich so so ein Kurort, richtig. ja, da sind die drei Physiker. Aber was passiert in diesem Sanatorium? Petra: Ein Luft-Koord. Tino Wiesinger: beginnt direkt mit einer mit der Aufklärung eines Mordes und hinterher stellt sich raus, dass da schon andere Krankenschwestern getötet wurden. Also allein da fängt es schon an, dieses Sanatorium ist nicht so wie es zunächst erstmal scheint. Aber es wird relativ schnell klar, dass da ja Patienten sind, die dort einfach sich aufhalten und nicht rauskönnen oder rauswollen, raus dürfen, es stellt sich heraus, dass sie nicht rauswollen und aus Moral auch nicht raus dürfen. Sie ziehen sich zurück und zwar aus Verantwortungsgefühl. Und wenn wir im Tarot das Wort Rückzug hören, Da denken wir natürlich zunächst erstmal wirklich an den Eremiten. Der Eremit ist die Karte, für Rückzug steht. Aber eben hier in dem Fall nicht ein Rückzug, ⁓ das eigene Licht zu finden, was wir oft mit den Eremiten in Verbindung bringen. Wir finden da das eigene Licht und wer sind wir wirklich? Das erfahren wir auf dieser Station der Heldenreise. Möbius weiß genau wer ist. der weiß das schon. Und der geht in den Rückzug eigentlich ⁓ das Licht der Welt zu erhalten, weil er genau weiß, das was er da entdeckt hat, das darf nicht an die Öffentlichkeit geraten, weil dann nämlich das Licht der Welt erlöschen könnte. Petra: Das ist eine Gefahr da. Deswegen ist es diese freiwillige Isolation, die auch im Erdemiten steckt, ⁓ zu sagen, Besinnung, aber er möchte sich eigentlich auf Dauer besinnen, mit allen Konsequenzen, die er doch dazu beiträgt. Tino Wiesinger: Ja, also es ist wirklich die Verantwortung, ihn dazu treibt. die Eremitenkarte, gut, da sieht man vielleicht, man verbindet damit auch bisschen Eis und Schnee und Kälte. Das Sanatorium ist ja scheinbar nicht kalt. erstmal. Scheinbar nicht kalt, da scheint ja eine ziemliche Menschlichkeit zu herrschen. Da gibt es so eine ganz nette Ärztin, die Fräulein Doktor von Zahn und die Krankenschwestern und so weiter. Da kümmert man sich umeinander. Dass das am Ende vielleicht doch eigentlich eisig dort zugeht, wird sich ja dann noch rausstellen. Deswegen passt der Eremit da natürlich sehr gut. Warum Petra: Ich bin voll. Tino Wiesinger: gehen die in diese Isolation. Das habe ich mich dann natürlich auch gefragt. Und das hat was mit Moral zu tun. Es ist Verantwortung, es ist Moral. Es geht auch ⁓ die Frage, wie gehe ich mit Möglichkeiten ⁓ die ich habe, also mit meinem Wissen ⁓ mit meiner Macht, die ich habe. Wie gehe ich damit ⁓ Möbius, der Weltformel entdeckt hat. Es bleibt so ein bisschen offen, was das ist, aber wenn man die Entstehungszeit bedenkt, 1961, so 60er Jahre, kalter Krieg, kann man schon darauf kommen, dass es hier irgendwas vielleicht auch mit Atombombe zu tun hat. Und dieses Wissen bleibt besser unter Verschluss. Und das hat was wirklich mit Moral zu tun. muss nicht, auch wenn man es kann, man muss nicht alles machen. Auch wenn Möglichkeiten da sind, man muss auch manchmal sich überlegen, ist denn das moralisch. Das kann man mit ganz vielen anderen Dingen in dieser Welt natürlich auch in Verbindung bringen. Und das gibt es schon seit Anbeginn der Zeiten. Da kommt er dann gleich auch nochmal zu sprechen. Aber das hat was mit der Gerechtigkeit zu tun. Das ist die Karte Gerechtigkeit. Wie gehe ich mit meinen Möglichkeiten ⁓ Bleibe ich da in Balance? Geht es mir hier nur ⁓ Macht? Oder geht es mir hier darum Verantwortung zu übernehmen? Und Möbius ist hier absolut der, der Verantwortung übernehmen möchte. Und deswegen steht er für die Gerechtigkeit. Im Übrigen muss ich daran denken, dass er ja behauptet, ihm würde der König Salomo erscheinen. Und wer den König Salomo erscheint, Salomonische Urteil, Das ist ja die Gerechtigkeit in Person. Also diese Idee, wer König Salomo nicht kennt, ist diese typische Geschichte. Zwei Frauen kommen zum König Salomo, beide Frauen behaupten, dass das Kind, das sie bei sich haben, ihr eigenes ist. Jeder behauptet, ich bin die Mutter. und König Sanomo sagt, okay, kein Problem, wenn ihr euch nicht einigen könnt, dann teilen wir doch das Kind in zwei Teile, dann kriegt jeder die Hälfte. Möchtest du den Kopf oder möchtest du den Unterteil? Und eine Frau sagt, wenn wir das schon machen, dann soll das doch die andere bekommen, weil das dem Kind da was passiert, das will ich nicht. Und dann weiß Sanomo, wer die echte Mutter ist, die nämlich trotz ihrer Petra: Ja. Tino Wiesinger: ihres Rechts darauf verzichtet war, ⁓ das Kind zu schützen. Und das ist eigentlich genau auch das, was Möbius tut. Er hat die Weltformel entdeckt und er könnte damit wirklich Macht haben, wirklich große Macht ausüben. Aber das macht er nicht. Er ist hier in dem Fall selber, nämlich der König Salomo, der wirklich weise handelt, der weise König Salomo. Und das finde ich allein Deswegen schon großartig. Deswegen passt die Gerechtigkeit so gut. Petra: auf die Idee zu kommen, in einer Irrenanstalt als Wahnsinniger einliefern zu lassen, um die Welt zu schützen, schon durchaus auch etwas ... rodesk. Tino Wiesinger: Ach absolut, also eine Irrenanstalt, wie sich dann tatsächlich herausstellt. Das sagen wir ja auch manchmal. Die Welt ist ein Irrenhaus. Ich glaube, das merkt man in vielen Situationen. Aber in diesem Irrenhaus ist kein Irrer. Sondern in diesem Irrenhaus befindet sich eigentlich der König der Schwerter. Jetzt ist die Frage, ist denn König Salomo? Petra: Ein Irrenhaus. ⁓ ja. Tino Wiesinger: Möbius sozusagen ist das ein König der Schwerter und ja, weil er hier in dem Fall wirklich mit einem klaren Verstand handelt. Der tut völlig wahnsinnig, aber in Wahrheit ist er bei wirklich klarem Verstand und der kann wirklich auch was erreichen. Diesem König der Schwerter fehlt manchmal bisschen Tatenkraft, er denkt manchmal bisschen zu viel, aber er könnte ein bisschen mehr wirklich handeln. Es ist die Frage, ob es die einzige Lösung ist, dass man sich da in dieses Sanatorium einsperrt oder ob man nicht hätte. Petra: nicht, aber eine sehr interessante. Tino Wiesinger: Ja, eine Kröteske. Aber deswegen passt auch der König der Schwerter ganz gut. ist nicht der König der Stäbe. Der König der Stäbe, der würde hier gleich sagen, wir müssen was haben, Ich habe da was entdeckt und er ist der König der Schwerter. Der ist erstmal ganz rational hier, ja, wobei die Frage ist, das rational, Petra: Es gehört aber auch Intellekt dazu, sich diese ganze Story auszudenken, Wahnsinnigen zu spielen, ⁓ zu bewahren und diesen Weg zu gehen. Das ist ja auch ein Gedankenkonstrukt, kann man glaube ich schon durchaus sagen. ⁓ Tino Wiesinger: Und er ist ja nicht der Einzige, der sich da in diese Isolation begibt. Es gibt ja noch zwei andere. Also Newton und Einstein. Auch super lustige Charaktere, wenn ich mir da Einstein vorstelle, wie er in diesen Raum kommt. Es ist wirklich lustig. Warum gehen die denn dahin? Das stellt sich später heraus, es sind Geheimagenten. die dann auch eigene Interessen da verfolgen und da was rausbekommen wollen, was diese Weltformel angeht. Man könnte jetzt sagen, auch das sind freiwillige Eremiten, aber es gibt natürlich auch noch eine andere Karte im Tarot, die so ein Gefangensein darstellt und einen gefangen sein. Eigentlich könnte man da relativ leicht rauskommen, wenn man einfach nur einen Schritt vorwärts geht. Und das sind die acht Schwerter. Denn sie hat hier dem Fall verbundene Augen und verbundene Arme. Aber würde sie einfach mal einen Schritt nach vorne gehen, würde sie merken, da sind gar keine Schwerter. Sie könnte einfach gehen, auch wenn sie erstmal nicht sieht. Petra: in Gedanken Gefängnissen. Tino Wiesinger: Und Newton und Einstein sehen erstmal auch nicht so wirklich was. Moebius sieht, der weiß genau, was Sache ist. Aber Newton und Einstein sind, wie gesagt, Geheimagenten, die müssen so paar Sachen rausbekommen. Deswegen passen hier tatsächlich auch die verbundenen Augen noch. Und dadurch, dass sie in diesem Sanatorium sind, man kann sich wirklich vorstellen, dass ihnen in gewissen Situationen dann vielleicht auch mal hier die Arme verbunden werden und dass sie sich nicht bewegen können. Das kennt man ja teilweise auch noch. Das gängige Praxis war zumindest und manchmal noch ist solchen Anstalten. Deswegen passen hier natürlich die acht Schwerter super in dem Fall. ⁓ Alle drei sind nicht meine Lieblingsfiguren, auch wenn sie super lustig sind. Meine Lieblingsfigur in diesem gesamten Drama ist Oskar Rose und seine Frau Lina. Seine Nochfrau. Sie trennen sich ja. Oskar Rose ist ein Missionar. Missionar-Rose. ein sehr bibeltreuer Mensch, der ständig Bibelferse zitiert, sehr fromm, er hat auch Kinder, mit denen er sehr liebevoll umgeht, alle haben so sehr lustige Doppelnamen, die auch schon allein von der Namensgebung irgendwie grotesk wirken, wenn man sich die mal vor Augen führt. Und er ist so lustig. dem würde ich aber nicht begegnen wollen, er diese Moral aus... als hätte er die Moral mit Löffeln gefressen. So wirkt er. Und eigentlich ist das die Schattenseite für mich des Hierophanten. Oder zumindest eine mögliche der Hierophant sozusagen darstellen kann. So dieses Ich hab die Weisheit. Und ich bin hier derjenige mit der Moral und ich zitiere mal ein paar Bibelferse und dann wirst du ein besserer Mensch. Ich kann auch mal für dich beten. dieses absolut auch. Ja. Petra: Das enge, das dogmatisch ausgelegte. Tino Wiesinger: Er würde es nicht zugeben, dass es eng oder dogmatisch ist, aber er stellt sich damit über die anderen. Und zwar auf so eine Art und Weise, auch das kriegt Dürrenmatt hin. Ich bin begeistert, wie grotesk er das dann auch darstellt. Die Kinder von Oscar, Rose, dann alle ein Instrument spielen und dann spielen sie da Flöte, dann gibt es da so ein Flötenkonzert. Spießiger geht es nicht. Es ist wirklich unfassbar. Ich habe eben das Falsche gesagt. Lina Rose ist die Frau von Möbius im Prinzip. Sie hat nur jetzt diesen Oscar Rose geheiratet und geht dann auf Mission mit ihm. So muss man das sehen. Aber es ist einfach nur so lustig. Es ist wirklich eine ganz lustige Situation. Auch diese moralische Instanz des Oscar Rose kann trotzdem die Welt nicht retten. Möbius kann mit seinem scharfen Verstand die Welt nicht retten. Und auch dieser Hierophant kann die Welt nicht retten. Es kommt am Ende zwar nicht so, wie es kommen muss, weil man ja immer noch Hoffnung hat, dass das wirklich was bringt, aber so... wie es die Welt eben will. Man hätte hier theoretisch noch das Rad des Schicksals mit reinnehmen können, aber der Turm passt hier eigentlich noch besser, weil es bricht nämlich diese ganze Illusion, alles das, was die sich da ausgedacht haben, bricht völlig in sich zusammen. Nicht weil... Petra: Man muss ja dazu fragen, dass Möbius es geschafft hat, zwei Geheimagenten zu überzeugen, mit ihm im Wahnsinn zu bleiben oder zu spielen. Und sie es eingesehen haben, dass das die beste Lösung für alle ist. Also soweit muss man hier erst mal kommen. Eigentlich war doch alles ganz schön eingemauert in diesem Turm oder in Sanatorium. Tino Wiesinger: Richtig, also eigentlich besteht nicht die Gefahr, dass sie da aus dem Turm herausfallen letztendlich. Aber kommt jemand, mit dem man gar nicht gerechnet hätte. Frau Dr. Mathilde von Zahnallee, auch hier wieder die Namensgebung, ich finde es großartig. Online-Dr. Mathilde von Zahnallee. Genau. Das ist diejenige, die schon längst die Stritten zieht. Sie ist schon längst an diese Weltformel gekommen, an die Aufzeichnungen von Möbius. Und hat sie in ihre ... Petra: Fräulein, Fräulein bitte. Tino Wiesinger: in ihre Hand gebracht und will damit jetzt wirklich die Weltherrschaft an sich reißen. Für diejenigen, die in meiner Generation aufgewachsen sind, es gab früher so eine Zeichentrickserie, ich weiß nicht, Petra, ob du die kennst, hieß Pinky and the Brain. Das sind so zwei Mäuse, die ausgesogen sind, ⁓ die Weltherrschaft an sich zu reißen. an die muss ich immer denken, wenn ich an Fräulein-Doktor Mathilde van Zand denke. Und hier liegt natürlich die Verbindung den Siebenschwertern sehr nah. ⁓ Man kann sich wirklich Fraulein Dr. Mathilde von Zahn vorstellen, wie sie mit diesen Aufzeichnungen da wegläuft und sagt, ha ha, wenn hier in dem Fall 30 streiten, dann freut sich die Vierte. Und sie läuft dann tatsächlich damit weg. Und es stellt sich am Ende raus, dass sie die eigentlich Wahnsinnige ist. Und wahnsinnig im Sinne von, ich will die Weltherrschaft, ich will die Macht. Ich möchte fast göttliche Eigenschaften bekommen. Ich möchte so groß sein wie Gott. So kann man das fast formulieren. Wenn ich das ganz bewusst so sage, ich möchte so groß sein wie Gott, das war schon der Fall, schon zu Anbeginn der Zeiten, wenn wir an den Turmbau zu Babel denken. Auch da hieß es, wir bauen einen Turm, Wir haben ja die Möglichkeiten einen so hohen Turm zu bauen, dass wir Gott nahe kommen können. Und was passiert? Der Turm, den wir eben schon hatten, der bricht zusammen. Aber diesen kleinen Turm, diese Idee, diesen Turm zu bauen, das sehen wir auf der Karte des Teufels. Denn wir gucken uns genau diesen Toll, wenn wir uns den genau angucken, der sitzt ja schon auf dem kleinen Podest, auf dem Beginn des Babel-Turms sozusagen. Der Bauch der sagt jetzt nur, hey, wir lassen uns den noch höher bauen. Ich bin noch mächtiger und noch größer als alle anderen. Und dann ist es unweigerlich, wenn dieser Turm so hoch wird, dass der irgendwann zusammenbrechen muss. Und das ist Matilde von Zahn tatsächlich, die genau diese Idee hat. ich glaube, deswegen lesen wir das Drama auch heute noch oder gucken uns das im Theater an, weil dieser Gedanke, was wir mit unseren Möglichkeiten schaffen können, ich meine, wir sind mittlerweile so technisch fortschrittlich, wir haben die KI, wir haben so viele Dinge, wenn es ⁓ medizinische Angelegenheiten geht. Das Drama war sehr aktuell, als es hier ⁓ das Klon scharf Dolly damals ging. war auch schon ein paar Jahre her. Und auch da hat man genau diese Frage sich gestellt, was können wir denn mit unseren Mitteln, die wir haben, dürfen wir denn alles das tun? Oder ist das dann nicht zu teuflisch und tun wir dann nicht so, als hätten wir die Strippen in Hand? ⁓ Wir sind Menschen, wir sind nicht... Gott oder wir haben nicht alles in Hand. Man hat das 1912 gesehen, als die Titanic untergegangen ist, auch da schon. Da war genau dieses Thema auch schon dran, dass man gesagt hat, ja, ein unsinkbares Schiff, wir können hier so schnell ankommen. Das hat die Welt noch nicht gesehen. Wir sind ziemlich schnell gesunken. Petra: nur eine falsche Annahme dabei. Das Unsichtbare. Tino Wiesinger: Genau. Und genau das stellt dieses Drama dar. Dieses Thema der Verantwortung. Und es endet eben sehr pessimistisch für die Welt, weil es eine Trari-Komödie ist. Es endet tragisch für die Welt. Und trotzdem, aufgrund dieser grotesken Weise, in der dieses Drama geschrieben und dargestellt ist, hat man irgendwie trotzdem noch so ein Lächeln auf den Lippen und denkt sich, ja, du hast recht, genau so läuft das manchmal. Wir versuchen unser Bestes, ⁓ das Schlimmste zu verhindern und dann kommt doch alles ganz anders. Und dann landen wir bei den fünf Münzen. Die fünf Münzen, die im Prinzip für Verlust stehen. Wenn wir uns diese beiden Personen auf der Karte anschauen, die laufen da ziemlich gebeugt, wie man sich vorstellen kann, wie auch die Physiker dann am Ende rauslaufen und denken, jetzt war alles umsonst. Petra: Sie haben sich jetzt selber rausgenommen aus dem ganzen, also das Gefängnis, was wir am Anfang hatten, ist im Prinzip ja auch von der Welt sozusagen und von dem, wo das Leben ist, rausgenommen. Sie können auch nicht mehr zurück. Und dann auch noch sinnlos. Tino Wiesinger: Das funktioniert nicht. Es bleibt trotzdem offen, was jetzt Mathilde von Zahn mit dieser Weltformel anfängt. Das zeigt vielleicht die Zukunft, in der wir uns vielleicht auch gerade befinden. Wissen wir nicht, ob genau das auch Dürrenmatt so im Sinn hatte, als er dieses Drama geschrieben hat. Hoffnung ist da auch noch trotzdem drin, denn die fünf Münzen befinden sich ja in einem Kirchenfenster. Also ein bisschen Oscar Rose ist da noch drin. Der sagt dann, es wird doch alles gut und so. Aber letztendlich, es scheint erst mal so, als wäre alles verloren. Und die Welt dreht sich so Gott will trotzdem weiter. Petra: trotz aller Widersprüche, trotz aller grotesken Skurrilitäten, auf die man ja erstmal kommen muss, so absolut verrückte Geschichte in die Welt zu geben. Tino Wiesinger: Ja, also es ist so aktuell, das das, was mich an der Literatur, die wir hier ja besprechen, immer so begeistert. Und das ist auch wieder der Zusammenhang zu Tarot. Tarot bleibt immer aktuell. Es sind Archetypen, die sich nicht verändern. Auch in guter Literatur, die kann noch so alt sein. äußerlich so lang her sein, dass man das geschrieben hat, sie bleibt aktuell. Und das ist das, was mich so generell an meinem Job so begeistert als Deutschlehrer, dass ich so was überhaupt besprechen darf und dass wir hier jetzt hier sitzen und über solche Themen reden. Ich finde das immer wieder großartig, muss ich sagen. Ja, damit sind wir inhaltlich erstmal jetzt wieder am Ende, aber wir haben natürlich immer auch Karten. Petra: Wir haben dir eine Karte gezogen. Jetzt kann ich zumindest noch ergänzend zu deiner Einleitung sagen, du hast ja gesagt, für dich war das ja gar nichts, Physik war nichts. Bei mir war es genau andersrum. Ich finde Physik mega cool, und habe das Stück gesehen, nicht gelesen und habe wirklich, du sitzt dann da und sagst, so verrückt kann ja alles gar nicht sein. Also diese, diese... ⁓ Absoluten Widersprüche und die Manifestation auch mit den Morden ⁓ sich selber den Anschein des Wahnsinnigen und Ermittlungen und bleiben drin. Wow! Also das war schon eine coole Geschichte, die man auf ganz andere Art und Weise für Physik abgeholt hat. Tino Wiesinger: Das geht auch auf diese Weise. Aber es ist wirklich meisterwert, das muss man sagen. Eines der Glanzstücke von Dürrenmatt. Besuch der Alten Dame ist auch toll. Petra: Definitiv. Das ist auch ein extrem gutes Buch. Es zeigt auch sehr viel über die menschlichen Widersprüche und Abgründe. Ich glaube, ist ja genau immer das Thema dahinter zu sagen, wer hat wirklich die Macht, wer kann sie nutzen. Das ist ja auch hier drin. Wer gibt sich Macht, wer nimmt sich Macht und wer hat sie nachher? Tino Wiesinger: ... Vielleicht kommt ja der Besuch der alten Dame noch mal in einer anderen Folge. Petra: Wir ein Zeichen davon. Aber schließen wir für heute ab. Ich fange mal an, ich habe die Sonne gezogen, was mich zunächst ein wenig, naja, ratlos zurückließt, weil diese Karte nicht absolut in Teufel, Turm und andere Intrigen passt. Aber wir haben dann beide gesagt, es hätte ja auch so ausgehen können. Theoretisch hätte ja auch es ein gutes Ende nehmen können. dass die Welt von einer guten Geschichte erfährt oder eben alle zusammenhalten und sie nicht erfahren und etwas Neues entstehen kann. Sie haben ja nicht. Von daher ist die Sonne wieder weg. Tino Wiesinger: Ich muss übrigens bei der Sonne auch wieder an Oscar Rose denken, er muss ja auf Missionen und geht dann da irgendwo auf, ich weiß gar nicht genau wohin, aber im Atlantischen Ozean auf irgendeine Insel, glaube ich, aber auch da scheint ja die Sonne und für Oscar Rose scheint ja sowieso immer die Sonne. ⁓ Aber die Welt ist eben nicht immer nur Eitel ⁓ sondern die Welt ist, und die Kater hat mir heute schon mal, ich habe sie aber dann noch mal als Bestätigung gezogen, auch der Teufel. Überheblichkeit der Menschheit, Machtstreben, auch Verführung durch Macht, das gehört zum menschlichen Leben dazu. das ist einfach, wir haben die Möglichkeit des Mit-Schöpfer-Seins. Wir haben Vernunft bekommen. Wir sind Vernunftwesen und damit sind wir automatisch auch Wesen, die auf so etwas wie Macht ansprechen. Und wir müssen uns wieder die Frage stellen, wie gehen wir mit diesen Möglichkeiten, mit dieser Macht ⁓ Und wenn wir sie ausnutzen, dann kann das Ganze in einer Katastrophe enden. Selbst wenn es immer wieder Menschen gibt, die vernunftgemäß handeln und verantwortungsbewusst handeln, liegt nicht immer in unserer Hand. Petra: Ja. Und es zeigt ja schon diesen Disput oder diesen Widerspruch. Es sind ja schon öfter Sachen erfunden worden, die tolle Entdeckungen waren und wo jeder weiß, dass diese Entdeckungen auch sehr gefährlich sind, wenn sie eingesetzt werden. Und trotzdem haben dann die Menschen sich nicht unbedingt zurückgezogen. zur Annahme zu machen, jemand erfindet etwas, was eine Weltformel ist, merkt dann selber, dass es gefährlich ist und nimmt sich wieder aus dem Spiel. ist schon mal eine extra Rolle, die das Ganze grundsätzlich sehr spannend macht, wenn man über andere Themen nachdenkt, die das Licht der Welt erblicken durften oder mussten. Tino Wiesinger: Mhm. Deswegen hat riesen Vorbildfunktion. der König Salomo, den die Welt manchmal braucht. Petra: wenn das auch eine sehr interessante Wendung genommen hat, die Formel unter Verschluss zu halten. So was sind wir uns einig. Damit sind wir heute schon wieder am Ende. Wir hoffen, wir konnten euch ein paar anders physikalische Einblicke geben, als vielleicht das Thema von der Physik alleine vermuten lässt und haben euch mitgenommen ein Sanatorium oder Irrananstalt mit Wendungen, wie sie grotesker gar nicht sein konnten. Tino Wiesinger: Genau. Petra: Wir freuen uns auf das nächste Mal. Wenn ihr selber Anregungen hierzu habt oder andere Ansichten oder Ergänzungen, freuen wir uns auch sehr über eure Kommentare. Lieber Tino, habt vielen Dank. Tino Wiesinger: Dir auch. Dankeschön und bis zum nächsten Mal. Petra: Ciao, tschüss!