Latest / Gin And Talk / Judith Brauneis über den Tod, die Trauer und das Leben
Transcript
- 0:00Speaker 0: nur man darf sie nicht verrückt machen, ne?
- 0:01Speaker 0: Man darf jetzt nicht mit Angst durchs Leben gehen weil es kann ja jederzeit was passieren.
- 0:05Speaker 0: Also das ist gemischt!
- 0:07Speaker 0: Ich bin immer noch fasziniert und interessiert aber kommt auch ein bisschen Angst dazu, was aus den anderen wird.
- 0:15Speaker 0: Was aus mir wird, dass ist mir gleich, ja... Aber tja, was wird aus den Hinterbliebenen?
- 0:22Speaker 0: Man kann immer noch funktionieren, aber man is betroffen und diese Betroffenheit gehört dazu Und es ist gut, dass es so ist.
- 0:31Speaker 0: Ich will das spüren.
- 0:33Speaker 0: Also ich kann's mir gar nicht anders vorstellen.
- 0:35Speaker 0: Aber ja und ich werde das in Zukunft auch immer so machen.
- 0:38Speaker 0: Ich werd nie wieder den Moment versäumlich da zu sein wenn jemand den ich kenne stirbt.
- 0:43Speaker 0: Das hab' ich mir fest vorgenommen.
- 0:45Speaker 0: Also zum Beispiel wenn jetzt hier Zombieapokalypse wäre der wär ich am Arsch weil ich hätte ja gleich dreißig Stück da bei mir um die Ecke.
- 0:53Speaker 0: aber da ich ja informiert beweise ich ja wie man die dann wieder tot macht ne?
- 0:58Speaker 1: Herzlich willkommen!
- 1:00Speaker 1: Mein Name ist Daniel Fürg und ich freue mich sehr, euch heute zu einer neuen Episode Genetalk begrüßen zu dürfen.
- 1:06Speaker 1: Mein heutiger Gast ist Judith Braun-Eis.
- 1:09Speaker 1: Sie arbeitet als Leichenpräparatorin und Trauerbegleiterin am Klinikum rechts der ESA in München und beschäftigt sich seit sechsundzwanzig Jahren mit dem Tod – beruflich und persönlich.
- 1:21Speaker 1: Ihre Arbeit verbindet Präzisionen mit tiefem Einfühlungsvermögen um Verstorbenen ihre Würde zu bewahren und hinterbliebenen Trost zu spenden.
- 1:30Speaker 1: Judith hat mir erzählt, wie sie zu diesem außergewöhnlichen Beruf gekommen ist was Sie über die Bedeutung von Abschieden gelernt hat und warum sie fest an ein Leben nach dem Tod glaubt.
- 1:41Speaker 1: Ich wollte von ihr wissen, wie man sich emotional auf diese Arbeit vorbereitet welche Herausforderungen sie mit sich bringt und welche Hoffnung sie den Menschen gibt, die bei ihrer Abschied nehmen.
- 1:52Speaker 1: Wenn dir diese Episode von Genertalk gefällt, folge uns bei Spotify, Apple Podcast oder wo auch immer du gerne Podcasts hörst und hinterlasse unsere gute Bewertung.
- 2:01Speaker 1: Diese und viele weitere Episoden gibt es als Video-Podcast auf unserem YouTube Kanal.
- 2:06Speaker 1: Jetzt aber viel Spaß beim Zuhören!
- 2:08Speaker 1: Schön dass ihr alle wieder mit dabei seid.
- 2:19Speaker 0: Herzlich willkommen an unseren Bartresen.
- 2:23Speaker 1: Herzlich Willkommen
- 2:24Speaker 0: zu einer neuen Folge Gin
- 2:26Speaker 1: and Talk!
- 2:28Speaker 1: Mach es dir gemütlich,
- 2:30Speaker 0: lehne dich zurück und tauche
- 2:32Speaker 1: ein in die verrucht düstere
- 2:35Speaker 0: Atmosphäre unserer
- 2:36Speaker 1: Studio-Bar.
- 2:44Speaker 1: Liebe Judith ich freue mich sehr dass wir uns heute hier treffen können um über den Tod über dein Leben über deine Arbeit über deinen Leidenschaft Und wie ist dazu kam sprechen zu können.
- 2:55Speaker 1: herzlich willkommen
- 2:56Speaker 0: Danke schön, Daniel.
- 2:57Speaker 0: Ich freue mich auch, dass ich hier sein darf.
- 2:58Speaker 0: Dann plaudern
- 3:06Speaker 1: wir ein bisschen!
- 3:25Speaker 1: Wie hat sich denn dein Blick auf den Tod dadurch verändert?
- 3:29Speaker 1: Oder ist das so eine Geschichte, wo du sagst, du hast dein privates Bild vom Tod und dann gehst du in die Arbeit und hast ein anderes Bild von tot?
- 3:36Speaker 1: oder gibt's da Dinge, die aufeinander abferben.
- 3:40Speaker 0: Das ist ne sehr anspruchsvolle Frage Daniel.
- 3:43Speaker 0: Also es hat sich insofern nichts geändert.
- 3:47Speaker 0: Friedhoffige ich immer noch gerne ja also nach wie vor die finde ich spannend aber dass hat was mit der Schönheit der Gräber und der Ruhe dort zu tun Und ich hab mich ja schon als Kind für den Tod interessiert, aber auch nur weil ich nicht viel darüber wusste.
- 4:00Speaker 0: Interessiert und fasziniert mich immer noch, aber... Ich mach jetzt seit sechsundzwanzig Jahren also beschäftige ich mich mit dem Tod und mit Trauer und er hat seinen Schrecken nicht verloren für mich!
- 4:14Speaker 0: Also ich habe einfach eher Angst.
- 4:18Speaker 0: was wird mit den Leuten die übrig bleiben wenn ich jetzt sterbe weil ich habe so viele Trauerende betreut und es ist, es bricht einem das Herz die Leute zu sehen.
- 4:29Speaker 0: Und dass sie vielleicht nicht zurecht kommen?
- 4:31Speaker 0: und jetzt ist es eher so die Angst bei mir.
- 4:34Speaker 0: was wird denn aus meiner Mutter wenn ich jetzt sterbe?
- 4:36Speaker 0: ja oder aus meinem Karter andererseits?
- 4:39Speaker 0: Es ist natürlich faszinierend was alles passieren kann und auch beängstigend.
- 4:44Speaker 0: nur man darf sich nicht verrückt machen.
- 4:46Speaker 0: man darf jetzt nicht mit angst durchs Leben gehen Weil es kann jederzeit etwas passieren.
- 4:50Speaker 0: also es ist gemischt.
- 4:52Speaker 0: Ich bin immer noch fasziniert und interessiert, aber kommt auch ein bisschen Angst dazu.
- 4:57Speaker 0: Was aus den anderen wird was aus mir wird das ist mir gleich ja Aber ja was wird aus den hinterbliebenen?
- 5:07Speaker 1: ich habe irgendwann vermutlich wenn ich zurückblicke darauf ziemlich früh angefangen Mir irgendwie Gedanken darüber zu machen was ist es eigentlich dieser tot und was bedeutet das für mich?
- 5:19Speaker 1: Ich glaube, die Erkenntnis, die ich dann, irgendwann war ich vielleicht, thirteen, vierzehn, fünfzehn Jahre alt.
- 5:25Speaker 1: Die Erkenntnis, die sich für mich aus diesem Gedankenprozess ergeben hat, war am Ende des Tages ist es eigentlich völlig egal... Es muss fast völlig egal sein wann ich sterbe nur in dem Moment wo es passiert und vielleicht kann ich's absehen, vielleicht passiert's auch plötzlich und ich bekomme es gar nicht mit.
- 5:44Speaker 1: aber im Rückblick muss ich irgendwie sagen können Ich hab jetzt nicht ein Leben für später gelebt im Sinne von ich bereite mich irgendwie darauf vor, dass sich dann im Alter mal irgendwann die Füße holen.
- 5:55Speaker 1: Sondern ich muss eigentlich in jedem Moment an dem Punkt sein wo ich sagen kann ich könnte jetzt theoretisch umfallen will ich nicht bin ja noch länger da aber ich könnte umfallen und müsste in der Lage sein sagen zu können ich habe irgendwie ein cooles schönes erfülltes spannendes leben gehabt.
- 6:14Speaker 0: Und gelingt dir das?
- 6:16Speaker 1: Ich glaube, es gibt Tage da sagt man sich so ach dann irgendwie alles doof.
- 6:22Speaker 1: Aber ich glaub in den allermeisten Tagen würde ich sagen ja doch wäre okay.
- 6:28Speaker 0: Also geht's mir auch.
- 6:29Speaker 0: also in meinen jungen Jahren so in den zwanzigern bis dreißig da hatte ich natürlich voll die FOMO Da habe ich ganz extrem Party gemacht auch so als Ausgleich zum Berufsleben und jetzt lebe ich auch so, genau wie du das sich am Abend sagen kann.
- 6:45Speaker 0: Also wenn ich jetzt einschlafe und nicht mehr aufwache dann war es schön bis hierher.
- 6:48Speaker 0: Dann ist es okay!
- 6:50Speaker 0: Und was mich auch geändert hat, ist... Ich habe jetzt nicht mehr so viel Angst, dass ich etwas verpasse sondern ich bin doch glücklich, wenn ich zu Hause bin weil ich hab mir irgendwann mal gedacht Es ist doch schön Du sitzt offen sofa, es ist Samstagabend und Du gehst nicht aus.
- 7:05Speaker 0: Ist das ok?
- 7:06Speaker 0: Du bist noch jung, Du müsstest ausgehen.
- 7:08Speaker 0: aber ich war glücklich in dem Moment Und dann hat sich bei mir wie so ein Schalter umgelegt, dann habe ich verstanden.
- 7:13Speaker 0: Ich will ja glücklich sein.
- 7:14Speaker 0: was könnte ich mir mehr wünschen?
- 7:16Speaker 0: Hauptsache ich bin glücklich wenn ich samstagabend auf der Couch sitze während alle anderen ausgehen und glücklich bin.
- 7:22Speaker 0: Dann ist es doch vollkommen okay!
- 7:24Speaker 0: Also das Ziel ist es halt auch den Tag erfüllt zu leben finde ich, dass du vielleicht jemandem geholfen hast.
- 7:30Speaker 0: Das ist ja so mein erklärtes Ziel Leute zu unterstützen jeden tag in irgendeiner Form die gute Tat jeden Tag.
- 7:37Speaker 0: Dann ist doch gut, Hauptsache glücklich sein am Ende des Tages.
- 7:41Speaker 1: Jetzt hast du ja so um die tausend tote Menschen vor dir im Jahr ungefähr.
- 7:48Speaker 1: Das eine ganze Menge das sind mehr als zwei pro Tag im Schnitt.
- 7:55Speaker 1: Wir verlassen uns ja alle immer sehr auf die Statistik.
- 7:59Speaker 1: Also wir sagen, naja ... Die Durchschnittung ist so und so.
- 8:01Speaker 1: Und wir sind noch jung.
- 8:03Speaker 1: Wahrscheinlich werden wir noch ein Tick älter als jetzt unsere Großeltern und unsere Elterngenerationen.
- 8:09Speaker 1: Dann berechnen wir uns irgendwie so zusammen.
- 8:11Speaker 1: Na ja, man lebt ja irgendwie so einigermaßen gesund vielleicht und dann wird das schon irgendwie passend.
- 8:16Speaker 1: mit diesen tausenden Menschen im Jahr, die du da vor dir liegen hast zerstört sich wahrscheinlich dieses ... generelle Bild oder dieser Verlass auf die Statistik auch so ein Stück weit, oder?
- 8:27Speaker 1: Weil einem dann bewusster wird.
- 8:29Speaker 1: Na ja plan kann man es wirklich nicht weil du hast ja am Ende wahrscheinlich jede Altersgruppe vor dir liegen und von naja über Nacht eingeschlafen und alt und nicht mehr aufgebracht bis hin zu Jung-und Unfall oder wie auch immer.
- 8:43Speaker 0: Ja genau ist alles dabei also von null bis hundert.
- 8:47Speaker 0: Natürlich viele Alte, aber auch viele... Jetzt habe ich das zuletzt beobachtet die mittlerweile jünger sind als ich.
- 8:53Speaker 0: Das ist wirklich erschreckend!
- 8:54Speaker 0: Ich denke immer, ich bin noch fünf, zwanzig.
- 8:56Speaker 0: Ja, es vergesse sich immer da, dass ich viel älter bin.
- 8:59Speaker 0: Aber das ist wirklich traurig, dass man jederzeit erkranken kann und dann hat man nur noch paar Wochen, die man nicht mal mehr nutzen kann, was einem schlecht geht oder was so alles passieren kann.
- 9:15Speaker 0: Man fährt Fahrrad, man fährt zur Arbeit – alles ist gut und dann passt einer nicht auf überfertigt und das war's!
- 9:23Speaker 0: Und das ist sehr dramatisch.
- 9:25Speaker 0: Und ich habe tatsächlich auch viele Sternenkinder sagen wir dazu.
- 9:29Speaker 0: also hundert Stück im Jahr und die schaffen es nicht mal ins Leben.
- 9:35Speaker 0: Das ist auch voll traurig ne?
- 9:38Speaker 0: Es ist einfach alles dabei.
- 9:40Speaker 0: Man weiß nie, wann's stündleinschlägt.
- 9:42Speaker 0: Deswegen ist das was wir vorher gerade gesagt haben Wir müssen im Tag Leben geben jeden tag weil man weiß nicht kann jetzt nach Hause fahren nach unserem interview und mir fällt da dachziegel auf den kopf.
- 9:51Speaker 0: Und dann war es das.
- 9:53Speaker 0: also es ist Wann isst nicht sicher vor dem tot
- 9:58Speaker 1: Wenn du da jetzt so nen menschen vor dir liegen hast?
- 10:02Speaker 1: wie viel Mensch als Persönlichkeit siehst du da vor dir?
- 10:07Speaker 1: Wieviel Job siehst Du davor?
- 10:09Speaker 1: ja so wie hast du da vielleicht auch so eine Grenze, wo du sagst okay bis dahin kann ich mich vielleicht auch mental auf die Person, die da liegt einlassen.
- 10:18Speaker 1: und wo muss ich sagen nee ok das ist jetzt wirklich meine professionelle Grenze damit ich da auch nicht weil da sind ja die Schicksale sind ja wie wir gerade schon gesagt haben ganz manikfaltig.
- 10:28Speaker 1: Da kann ja alles passiert sein bis hin zu den größten Tragödien und das nimmt einen ja wahrscheinlich auch ein bisschen mit.
- 10:34Speaker 1: dann werden wir damit arbeiten.
- 10:35Speaker 0: Ja total also jeden Tag!
- 10:36Speaker 0: Ich bin jeden Tag mitgenommen heute Also ich habe da keine Grenze.
- 10:40Speaker 0: Ich will mich auch immer komplett darauf einlassen, ich möchte mir das
- 10:43Speaker 0: bewahren.".
- 10:44Speaker 0: Natürlich ist es auch medizinisch ja.
- 10:46Speaker 0: also erst mal sehe ich ja... Da ist ein Verstorbener und für mich sind sie immer Menschen!
- 10:52Speaker 0: Immer weil ich auch fast mit allen Angehörigen zu tun habe die mir dann ihre Geschichte erzählen.
- 10:59Speaker 0: Dann taucht man halt ein auch in die Geschichte dieses Menschen wie er war und so etwas und man sieht nicht nur des Medizinische.
- 11:08Speaker 0: Also ich hab alles im Griff, es geht mir gut aber ich möchte mich trotzdem berühren lassen.
- 11:12Speaker 0: Ich will mir das bewahren und ich würde sagen so fifty-fifty?
- 11:16Speaker 0: Fünfzig Prozent ist ein Fall sage ich jetzt mal!
- 11:20Speaker 0: Ein Verstorbener mit der Leidensgeschichte und der Erkrankung die er hatte oder dem was ihm zugestoßen ist.
- 11:26Speaker 0: bei uns ist es zum Glück eher so dass die meisten also wir sagen eines natürlichen Todes versterben weil ich in der Pathologie arbeite.
- 11:34Speaker 0: das heißt jemand is krank und verstorben Und das ist traurig genug.
- 11:39Speaker 0: Ein paar sind traumatisch zu Tode gekommen, weder selbstbestimmt oder ihnen.
- 11:46Speaker 0: etwas passiert draußen und die gehen dann meistens in die Gerichtsmedizin.
- 11:50Speaker 0: mit denen darf ich nicht arbeiten aber ich darf natürlich die Angehörigen betreuen sei es telefonisch oder die kommen vorbei und jeder Fall ist anders.
- 11:59Speaker 0: Es ist immer trauriger.
- 12:00Speaker 0: Ich will gar nicht differenzieren ob es bei einem schlimmes als beim anderen.
- 12:05Speaker 0: Es wird dir oft gefragt, ob es bei Kindern besonders schlimm ist.
- 12:07Speaker 0: Aber ich will nicht differenzieren was ein Leben wert ist ne?
- 12:11Speaker 0: Aber ja's ist schon...es ist traurig und bisschen was nehme ich immer mit nach Hause.
- 12:16Speaker 0: Das finde ich auch richtig so!
- 12:18Speaker 1: Wie muss man sich dann diesen Prozess vorstellen?
- 12:20Speaker 1: also da verstirbt jemand kommt zu dir in die Pathologie Was sind denn da die ersten Schritte?
- 12:28Speaker 1: Oft werden die Leute ja dann da eben eingelagert, weil man ja muss vielleicht auch erklären für Menschen, die damit noch nie zu tun hatten.
- 12:34Speaker 1: Ja.
- 12:35Speaker 1: Muss diese Leiche ... diesen Leichnamen ja auch kühlen, damit da wahrscheinlich die Verwesung nicht so schnell einsetzt?
- 12:42Speaker 1: Richtig!
- 12:43Speaker 1: Wie ist denn da der Prozess?
- 12:44Speaker 1: also ich gehe davon aus eine Person verstirbt an vielleicht irgendeiner Erkrankungen im Krankenhaus und landet bei dir in der Abteilung?
- 12:53Speaker 0: Also zunächst muss man mal die sicheren Todeszeichen abwarten.
- 12:57Speaker 0: Es gibt fünf Stück und eines muss auftreten.
- 12:59Speaker 0: Und dann darf derjenige für Tod erklärt werden, dann kommt ein Arzt und macht die sogenannte Leichenschau und erklärt diesen Patienten für Tod.
- 13:08Speaker 0: Da kann man gleich mal damit aufräumen dass wieder jemand wach wird in der Kühlung.
- 13:11Speaker 0: also es kann nicht passieren.
- 13:12Speaker 0: wenn es ein sicheres Todeszeichen gibt ist er verstorben.
- 13:16Speaker 0: Dann kommt der Verstorbene zu uns in die Pathologie zur Unterbringung für die Kühnung.
- 13:21Speaker 0: klar!
- 13:21Speaker 0: Man will den Verwesungsprozess verlangsamen.
- 13:24Speaker 0: vollkommen stoppen kann man ihn nicht und die Station brauchen auch die Betten, das kommt dazu.
- 13:31Speaker 0: Und dann ist der Verstorbene so lange bei uns untergebracht bis ein Bestatter kommt und ihn abholt.
- 13:38Speaker 0: Das passiert ja nicht sofort weil es hat sich nicht jeder Gedanken gemacht.
- 13:42Speaker 0: von den Hinterbliebenen manchmal überfällt es einen.
- 13:45Speaker 0: Der Verstorben ist plötzlich verstorben und da stehen sie da und müssen sich erst mal sammeln und sich Gedanken machen.
- 13:51Speaker 0: also man hat heutzutage Zeit bis man zum Bestatter gehen kann.
- 13:56Speaker 0: Verstorbene in meiner Obhut ist, habe ich quasi die Handhabe über ihn.
- 14:00Speaker 0: Das heißt, ich kann Verschiedenes anbieten.
- 14:03Speaker 0: Wenn ich morgens komme – also ich fange offiziell um sieben an und komme immer ein bisschen früher – schaue ich erst mal, wer ist gestorben?
- 14:09Speaker 0: Und soll ich was mit denen
- 14:10Speaker 0: machen?".
- 14:11Speaker 0: Manchmal sollen wir eine Autopsie durchführen, das ist aber nicht mehr so oft in unserem Klinikum.
- 14:18Speaker 0: Ganz oft werden die Trauerenden schon an mich vermittelt, dass sich sie beraten können, was jetzt zu tun ist... welche Schritte sie gehen müssen.
- 14:26Speaker 0: und ich kann anbieten auch einfach, dass Sie zu mir kommen und wir unterhalten uns.
- 14:31Speaker 0: Und ich klär Sie auf oder ich tröste Sie was auch immer und ich biete an diese Aufbarung zu machen.
- 14:37Speaker 0: das heißt die können kommen nochmal Abschied nehmen und Zeit verbringen mit dem Verstorbenen.
- 14:42Speaker 0: Wir bieten Autopsien an und das alles kann man dann bei uns machen.
- 14:46Speaker 0: Ich habe halt die Handhabe drüber so lange der Verstorbene bei mir ist Und ich hab meistens so fünfzehn bis dreißig Verstorbene da.
- 14:55Speaker 0: Und zu jedem gibt es Angehörige, Bestatter oder auch mal Kliniker die etwas möchten und ich versuch mich um alle zu kümmern.
- 15:04Speaker 1: Das heißt wenn die Person dann aufgebahnt werden soll, dann musst du als Präparatorin dann auch quasi nochmal ran damit das vielleicht
- 15:13Speaker 0: ansienlicher wird?
- 15:15Speaker 0: Also wir gehen jetzt mal davon aus dass sie ordentlich überbracht werden.
- 15:20Speaker 0: Das ist leider nicht immer der Fall, wenn das versäumt wurde zum Beispiel Augen und Mund zu schließen auf der Station dann würde ich das machen.
- 15:29Speaker 0: Und manchmal ist es leider so dass verstorbene auch mal ja läuft halt mal ein Tröpfchen Körperflüssigkeit aus oder einen Tropfen Blut und das würde ich dann natürlich wegmachen.
- 15:41Speaker 0: und Ich habe einen Raum der ist ganz hübsch gestaltet und dekoriert und er wird dann vorbereitet Wenn ich mich verabredet hab für die Aufbarung Und dann wird der Verstorbene reingebracht und ich mache ihn zurecht.
- 15:52Speaker 0: Manchmal muss man etwas mehr machen, manchmal fast gar nichts aber in jedem Fall wird er immer gut trapiert die Haare nochmal gekämmt Augen und Mund werden verschlossen.
- 16:01Speaker 0: wenn dem noch nicht so ist erst immer sauber.
- 16:05Speaker 0: Dann habe ich ein paar hübsche Decken die ich dann trapiere und Wenn wir uns treffen für die Verabschiedung bin ich dabei als Trauerbegleiterin.
- 16:14Speaker 0: Aber wenn sie unter sich sein wollen es auch kein Thema dann bin ich in der Nähe Und ich biete auch immer an, dass wir vielleicht zusammen ankleiden wollen.
- 16:23Speaker 0: Das möchten manche so als letzten Dienst den Verstorbenen noch mal zusammen anzuziehen und dann machen wir das zusammen.
- 16:29Speaker 0: oder was auch immer die tun werden dürfen sie tun.
- 16:31Speaker 0: Manche Spielmusik vor manchmal gibt es noch etwas zu sagen.
- 16:37Speaker 0: Man möchte um Verzeihung bitten oder man verzeiht oder man erzählt von seinem Tag.
- 16:42Speaker 0: da ist eigentlich alles möglich und in der Zeit wo wir zusammen sind dürfen Die Gäste, die kommen einfach alles
- 16:49Speaker 1: tun.
- 16:50Speaker 1: Du hast ja schon gesagt du hilfst eben diesen Menschen dann auch mit ihrer Trauer in dem Moment.
- 16:55Speaker 1: Du unterstützt sie in der Situation?
- 16:57Speaker 0: Ich versuch's ja!
- 16:59Speaker 1: Ich könnte mir vorstellen viele von denen hatten vielleicht noch nie diese Situation.
- 17:03Speaker 1: Sie sehen zum ersten Mal einen toten Menschen und dann auch noch einen geliebten toten menschen.
- 17:09Speaker 1: da ist wahrscheinlich die Bandbreite An Umgang mit der Situation, mit den Emotionen wahrscheinlich auch Risiko.
- 17:19Speaker 1: Manche sind vielleicht schon ganz aufgelöst wenn sie bei dir ankommen andere versuchen es irgendwie zu unterdrücken.
- 17:25Speaker 0: Klar und es gibt alles.
- 17:26Speaker 0: also manche Leute brechen über dem Verstorbenen zusammen weil's so schlimm ist Andere schweigen andere schimpfen mit ihm weil er sich ausm Staub gemacht hat einfach so und die jetzt allein lässt.
- 17:40Speaker 0: Ja, also es gibt einfach alles und ich schaue mit immer erst mal was brauchen die.
- 17:46Speaker 0: Manchmal brauchen sie einfach eine Beratung.
- 17:47Speaker 0: das zu tun ist und sind ganz sachlich.
- 17:50Speaker 0: andere diese sehr weinen die bekommen erstmal einen Taschentuch oder was auch immer.
- 17:54Speaker 0: Ich bin hoffentlich sensibel genug das zu erfassen Und in den ersten jahren habe ich das irgendwie gemacht intuitiv Und habe auch mit mir gehardert und mich gefragt, ist das denn nicht blöd wenn ich jetzt dabei bin oder so?
- 18:07Speaker 0: Bis ich dann selber getraut habe.
- 18:08Speaker 0: Das hat viel mit mir gemacht.
- 18:10Speaker 0: Trauer auch zu verstehen.
- 18:13Speaker 0: Ich schaue einfach was sich richtig anfühlt.
- 18:16Speaker 0: Heute hatte ich auch etwas, dass mich sehr berührt hat.
- 18:20Speaker 0: Es ist so, wenn alte Leute sterben... ...und der Partner ist dann ganz allein!
- 18:25Speaker 0: Und ich hatte heute jemanden und es war so traurig weil er viel geweint hat Ich mir dann Gedanken mache, was wird aus ihm?
- 18:34Speaker 0: Wenn keiner sich mehr kümmert.
- 18:36Speaker 0: Dann kann ich auch nicht mehr helfen.
- 18:38Speaker 0: das ist belasten sie dann irgendwie so entlassen und keiner kümmerte sich mehr?
- 18:42Speaker 0: da mache ich mir schon Gedanken.
- 18:44Speaker 0: aber ja So ist es.
- 18:48Speaker 1: Wie hältst du da die Balance zwischen Empathie und Distanz?
- 18:53Speaker 1: weil also man merkt ja auch wenn Du erzählst es nimmt dich ja schon mit
- 18:57Speaker 0: Ja Aber
- 18:58Speaker 1: gibt's da irgendwie hast du da für dich selber so eine Faustregel oder so ein Trick?
- 19:05Speaker 0: Also ich will immer für mich sagen, ich habe alles getan.
- 19:08Speaker 0: Damit es ihm besser geht, ich hab alles gegeben und naja zuhause... ja ich hab mein Kaderale!
- 19:14Speaker 0: Die Katze ist das Allheilmittel nach Hause.
- 19:17Speaker 0: Katze erstmal ans Gesicht drücken und dann ist schon viel besser.
- 19:21Speaker 0: und wenn es mich doch sehr berührt, dann schreibe ich's auf mittlerweile.
- 19:27Speaker 0: Das hilft mir, das hab' ich früher nicht gemacht bis ... bis ich es gemacht habe und festgestellt hab, es hilft.
- 19:34Speaker 0: Und dann habe ich aber schon wieder so viel neuen Input... weil ich ja jeden Tag trauernd hat da habe,... dass ich gar nicht dazu komme, das es mich stark belasten könnte.
- 19:44Speaker 0: Ich mach's auch einfach lang, dass ich denke, ich hab alles im Griff.
- 19:48Speaker 0: Aber ich möchte das so!
- 19:50Speaker 0: Ich möchte, dass es mich berührt.
- 19:53Speaker 0: Ja, ich komm gut zurecht.
- 19:56Speaker 1: Du hast gesagt, das eine ist die... Aufbarung.
- 20:00Speaker 1: Das andere ist eine mögliche Autopsy, in welchen Fällen wird denn die eigentlich gemacht?
- 20:06Speaker 1: und wie sieht das dann?
- 20:07Speaker 1: Also was macht man da dann genau?
- 20:10Speaker 0: In der Pathologie macht man so genannte klinische Sektion.
- 20:14Speaker 0: D.h.,
- 20:14Speaker 0: der Impuls für die Autopsie kommt von den behandelnden Ärzten.
- 20:19Speaker 0: Es kann sein dass es manchmal eben nicht plausibel ist warum derjenige verstirbt sagen wir mal hat den Patienten betreut und es geht ihm gut, man geht wie sie te.
- 20:28Speaker 0: Und er macht einen guten Eindruck.
- 20:29Speaker 0: und dann denkt man sich der kann doch eigentlich nach Hause der ist stabil das wird wieder und dann verstirbt er und man versteht es nicht immer als Arzt.
- 20:40Speaker 0: auch dass gibt es und Dann können wir ins Spiel kommen.
- 20:44Speaker 0: dann würde der also die klinik würde dann diese autopsy veranlassen bei uns dann würden wir die durchführen und wenn sie von der Klinik veranlasst wird, ist sie kostenlos für die Angehörigen.
- 20:54Speaker 0: Das dient natürlich der Aufklärung auch für die Klinikum.
- 20:58Speaker 0: Man lernt ja nie aus!
- 21:00Speaker 0: Wir finden ja oft Diagnosen an denen ein Arzt vielleicht nicht gedacht hat.
- 21:04Speaker 0: Wir finden die Todesursache und wir finden die Leiden aller Organe weil wir ganz akribisch alles anschauen.
- 21:10Speaker 0: das ist das eine und das andere ist eben dass wir zum Beispiel auch schauen, wie zum Beispiel Therapien angeschlagen haben.
- 21:19Speaker 0: Also man hat zum Beispiel einen Krebspatienten-Therapie, er hat ihn vielleicht bestrahlt und der verstirbt dann... Natürlich ist es bei langen Leiden vielleicht nicht so verständlich was die Autopsie bringen soll weil er wäre gestorben.
- 21:33Speaker 0: aber Wir gucken auch Wie verändert Therapien den Tumor?
- 21:37Speaker 0: Ist da noch Resta oder ist er wiedergekommen?
- 21:39Speaker 0: solche Sachen oder neue Methoden werden damit geprüft.
- 21:42Speaker 0: Es ist schon wichtig, dass das Qualitätsmanagement und unsere Medizinstudenten sollen auch anhand der Autopsie den menschlichen Körper verstehen lernen.
- 21:53Speaker 0: Und wir müssen ja auch denen Autopsien liefern!
- 21:58Speaker 0: Andersrum wenn wir Privatautopsien machen – und das jetzt gerade die Mehrzahl?
- 22:03Speaker 0: Das sind dann wieder welche, die kommen von außerhalb.
- 22:06Speaker 0: Jemand ist zum Beispiel zu Hause zusammengebrochen.
- 22:09Speaker 0: Das hören wir oft.
- 22:11Speaker 0: oder im Sommer jemand fährt Radl, fährt zur Arbeit ist es warm und dann kracht er zusammen is tot.
- 22:17Speaker 0: Und das ist schwer zu verstehen!
- 22:19Speaker 0: Dann wird der wahrscheinlich erst mal die Polizei gemeldet weil man kann nie wissen, dann schließt der Staatsanwalt Fremdverschulden aus und die Trauern entstehen da und sagen ja aber ich verstehe das nicht, es war doch alles gut.
- 22:31Speaker 0: wieso ist der jetzt tot?
- 22:32Speaker 0: Und dann können wir die Todesursachen finden und helfen hoffentlich den Hinterbliebenen denn es hilft im Trauerprozess zu verstehen was derjenige hatte.
- 22:42Speaker 0: und es gibt ja auch Dinge, die sich vererben.
- 22:44Speaker 0: Krankheiten, die sie sich verirben.
- 22:45Speaker 0: Und dann kann man den Angehörigen sagen schaut's auf euch lasst euch mal testen auf verschiedene Sachen und von daher ist das denke ich immer noch sehr sinnvoll Auch wenn viel viel weniger gemacht wird als vor Jahren noch.
- 22:59Speaker 1: Das heißt ums kurz zu sagen im Endeffekt in dem moment wo Fremdverschulden auszuschließen ist, dann wird wenn dann eine Autopsie bei euch gemacht.
- 23:10Speaker 1: Wenn irgendwie es nicht ganz klar ist oder der Staatsanwalt quasi fremdverschuhen nicht ausschließt, dann macht das die Rechtsmedizin und geht da quasi rein.
- 23:20Speaker 1: Das ist quasi der Unterschied.
- 23:22Speaker 1: Richtig!
- 23:22Speaker 0: Rechtsmedizin schaut hat jemand Schuld an dem Tod?
- 23:26Speaker 0: Und wir wissen niemand hat
- 23:27Speaker 0: Schuld?!
- 23:28Speaker 0: Es ist ein riesengroßes Unglück, also eine innere Ursacher hat zum Tod geführt.
- 23:33Speaker 0: Wir wissen aber noch nicht welche und deswegen machen wir die
- 23:35Speaker 0: Autopsie.".
- 23:37Speaker 1: Gibt es Fälle wo man dann trotzdem feststellt?
- 23:39Speaker 1: Ohne Mist!
- 23:40Speaker 1: Da war jetzt aber doch irgendwie Feindverschuldung drin.
- 23:43Speaker 0: Hatte ich jetzt noch nicht.
- 23:44Speaker 0: Wenn dem so wäre würden wir sofort stoppen müssen und wieder die Kriminalpolizei einschalten.
- 23:52Speaker 0: Aber man müsste schon wirklich sehr grobe... Schnitzer machen, dass das so ist.
- 23:57Speaker 0: Sagen wir mal eine Leichenschau würde nicht ordentlich gemacht und dann würden wir die Privatautop, sie machen drehen den verstorbenen um- und finden ein Messer!
- 24:07Speaker 0: Das wäre jetzt ganz krass.
- 24:08Speaker 0: Es wäre ja auch ein ganz grober Verstoß des leichenscher Arztes.
- 24:12Speaker 0: aber das passiert nicht.
- 24:14Speaker 1: Wenn wir noch einmal an den Anfang von deiner Karriere zurückgehen Du hast in irgendeinem Interview erzählt bevor du wirklich in den Beruf gestartet bist angefangen hast dich konkret dahin zu entwickeln, hast du eine Leiche davor gesehen.
- 24:30Speaker 1: Das war glaube ich in einem
- 24:31Speaker 0: Altersheim.
- 24:32Speaker 0: Ich
- 24:32Speaker 1: glaub deine Mutter hatte dir dich da irgendwie hingebracht damit du das glaube ich auch mal siehst und sonst hattest du damit jetzt aber noch keine großen Berührungspunkte.
- 24:43Speaker 0: Also muss erst mal sagen, ich hab nie Karriere gemacht.
- 24:46Speaker 0: Ich bin in nem Keller seit sechsundzwanzig Jahren habe kein Tageslicht.
- 24:52Speaker 0: Ich hatte damals die Unterstützung meiner Mama natürlich und ich hatte ja offenbar schon sehr, sehr lange den Wunsch mit Verstorbenen zu arbeiten.
- 25:00Speaker 0: Einfach die Idee dass sich dachte das ist das Richtige für mich.
- 25:03Speaker 0: Ja es hätte auch schief gehen können.
- 25:05Speaker 0: und dann habe ich meine Mama die im Altenheim gearbeitet hat damals mal abgeholt Und sie hat gesagt also wenn du willst wir haben da eine ganz liebe hübsche Omi die gestorben ist.
- 25:15Speaker 0: Das wäre gut Schau doch Mal ob Du das überhaupt kannst!
- 25:21Speaker 0: Aufregend für mich, ich war da glaube ich sechzehn oder so.
- 25:24Speaker 0: Und es war wirklich... habe ich nie vergessen.
- 25:27Speaker 0: ja also meine erste Verstorbene und ich war meiner Mama sehr dankbar und ich hab nicht geförchtet.
- 25:33Speaker 0: Dann habe ich einfach den Entschluss gefasst hat nochmal Jahre gedauert aber erst mal fünf Jahre was anderes studiert und dann bin ich einfach an diese Schule gegangen die haben mich genommen und wir waren gleich am ersten Tag in der Gruppe an der Leiche dran.
- 25:48Speaker 0: Also ich hatte überhaupt gar keine Zeit Berührungsängste aufzubauen.
- 25:53Speaker 0: Wir haben eine Schauautopsie gesehen, damals noch ne große Gruppe die ersten Tage, die Gruppe wurde immer kleiner über die Tage weil man sich das doch vielleicht anders vorstellt.
- 26:03Speaker 0: und dann mussten wir direkt am verstorbenen arbeiten.
- 26:06Speaker 0: und dann stehen da dreißig Leute hinter einem und der Kollege sagt so Jodit du darfst hier direkt mal was machen?
- 26:13Speaker 0: Dann will man sicher nicht blamieren.
- 26:15Speaker 0: und es war eine gute Methode.
- 26:16Speaker 0: also gleich ins kalte Wasser geschmissen und ich musste gleich was am Auge machen, also gleich etwas Krasses sage ich jetzt mal.
- 26:23Speaker 0: Und da war ich sofort drin!
- 26:24Speaker 0: Also... Ich dachte gut dann machst du das.
- 26:27Speaker 0: Mach' ich bis heute noch.
- 26:28Speaker 0: jemand sagt mir mach das mal nicht mach das ohne Zögern.
- 26:32Speaker 1: Vielleicht auch besser bevor man lange drüber nachdenkt?
- 26:34Speaker 1: Genau!
- 26:35Speaker 0: Man zerdenkt sich wahrscheinlich sehr viel.
- 26:38Speaker 0: Ja und das war bei mir so und ich hatte gar keine Berührungsängste.
- 26:42Speaker 1: Wie sieht denn diese Ausbildung?
- 26:44Speaker 1: Du hast gerade gesagt, du bist da auf eine Schule gegangen.
- 26:46Speaker 1: Wie muss man sich das vorstellen?
- 26:48Speaker 1: wie lange dauert?
- 26:48Speaker 1: so was?
- 26:50Speaker 0: Ich war in einer Privatschule in Berlin damals in Neukölln.
- 26:54Speaker 0: die hat Präparatoren ausgebildet zwar eine richtige Ausbildung mit verschiedenen Unterrichtsfächern und am Ende Prüfung- und Staatsexamen.
- 27:02Speaker 0: Und dass ne Privatschuhe war ging dieser Ausbildung ein Jahr Und die war aber knackig.
- 27:07Speaker 0: Also ich hab gedacht, naja jungen Mädels siehst nach Berlin hast viel Zeit zum Party machen, war gar nicht so!
- 27:12Speaker 0: Ich habe nichts gesehen von Berlin außer der Pathologie, aber es war gut und wir haben eben am Morgen an einem Verstorbenen gearbeitet.
- 27:23Speaker 0: Wir haben gelernt wie man autopsiert und danach hatten wir Unterricht.
- 27:28Speaker 0: also wir haben wirklich verschiedene Fächer gelernt angefangen von Anatomie von vorne bis hinten.
- 27:33Speaker 0: Wir hatten natürlich Mikrobiologie, so gefährliche Sachen.
- 27:36Speaker 0: Wo kann man sich anstecken?
- 27:37Speaker 0: Damit hat man ja auch zu tun wenn man am verstorbenen arbeitet.
- 27:40Speaker 0: Rechtskunde ganz wichtig vieles andere auch noch.
- 27:43Speaker 0: ich hatte damals eine komplette Fotografie Ausbildung weil man sehr viele Foto dokumentiert und damals gab es noch keine Digitalkameras war auch sehr spannend gleich noch sowas zu lernen.
- 27:54Speaker 0: Und dann hatten wir praktischen Unterricht.
- 27:57Speaker 0: da haben wir gelernt wie man verschiedene Präparate anfertigt, also wie man es kennt aus den anatomischen Sammlungen.
- 28:05Speaker 0: Wir haben Skelette gebaut wir haben toten Masken gemacht Also verschiedene Körperteile in Flüssigkeiten eingelegt damit sie gehalten haben.
- 28:14Speaker 0: alles mögliche was man sich vorstellen kann Haben wir gelernt.
- 28:17Speaker 0: das war sehr vielseitig hätte ich gar nicht gedacht und sehr sehr spannend.
- 28:20Speaker 0: aber Ich habe halt schnell gemerkt möchte nicht mit präparaten arbeiten.
- 28:25Speaker 0: da hätte ich in die Anatomie gehen müssen.
- 28:27Speaker 0: ich wollte am verstorbenen arbeiten Und so hat sich es dann auch ergeben.
- 28:31Speaker 0: Also wir waren Montag bis Samstag von sieben, ja bis abends in dem Institut haben gelernt, haben Praktisches gelernt und dann haben wir Präparate gemacht.
- 28:43Speaker 0: und dann bin ich heim in mein Zimmer und hab gelernt!
- 28:46Speaker 0: Und Sonntags habe ich auch gelernt.
- 28:48Speaker 0: Dann hatten wir Praktika über mehrere Monate.
- 28:51Speaker 0: da haben wir eben seziert... ...und dann gab's die Prüfungen.
- 28:58Speaker 0: Denkt mal gar nicht, dass das ein Ausbildungsberuf ist.
- 29:01Speaker 0: Aber ganz normal, staatsexam.
- 29:03Speaker 0: ich habe es geschafft und war sehr happy und hab dann gleich eine Stelle bekommen in München und bin hier geblieben.
- 29:09Speaker 1: Geht das Thema Leichenpräparationen und Autopsie immer gleichzeitig einher mit dem Thema Seelsorge?
- 29:18Speaker 1: Egal
- 29:18Speaker 0: nicht!
- 29:19Speaker 0: Nee also in der Schule haben wir zum Beispiel gar nichts über Trauerbegleitung gelernt.
- 29:22Speaker 0: Das war ne reine Präpschule aber... Wir haben gelernt, wie man mit ganz wenig Aufwand ein Verstorbenen vorzeigbar macht.
- 29:31Speaker 0: Also nicht so, wie wir es jetzt aus Amerika kennt, mit Einbeisamieren und Rosig machen
- 29:35Speaker 0: usw.,
- 29:36Speaker 0: sondern eben wie man Augen verschließt oder wie man Hände trappiert – jetzt mal einfache Sachen!
- 29:42Speaker 0: Und dass ich mich mit der Trauerbegleitung beschäftigt habe, kam so das Ich anfinge in München und ab dem ersten Tag die Leute angerufen haben verständlich.
- 29:52Speaker 0: Die bekommen eine Todesnachricht Die wollen zu ihrem Verstorbenen.
- 29:56Speaker 0: Und dann habe ich ganz schnell irgendwie gedacht, wie wäre es wenn wir das hier anbieten?
- 30:00Speaker 0: Ich hab meinen Chef gefragt und er hat gesagt ja natürlich!
- 30:05Speaker 0: Das singt sehr viel von ihm ab.
- 30:07Speaker 0: Dann habe ich gedacht gut, dann brauchen wir einen Raum, wir brauchen Deko... ...und ich mache das.
- 30:14Speaker 0: Wir haben es als kostenlosen Service angeboten.
- 30:17Speaker 0: Ja, dann macht man das erstmal intuitiv.
- 30:20Speaker 0: Man muss da keine Wunder vollbringen.
- 30:23Speaker 0: Also die erwarten jetzt nicht von dir, dass du sie wundervitrösest sondern du hilfst auch indem du sie berätst.
- 30:28Speaker 0: Du weißt ja Dinge, die dich nicht wissen und du unterstützt sie in der Zeit.
- 30:32Speaker 0: Und dann dachte ich mir es wäre doch nicht verkehrt wenn ich eine Ausbildung hätte und Dann habe Ich wieder den Chef gefragt ob ich mich denn Nicht zur Notfallseelsorgerin ausbilden Lassen Könnte hat er auch Wieder Ja gesagt.
- 30:44Speaker 0: dann Habe ich das gemacht?
- 30:46Speaker 0: Dann hatte ich zumindest Das Gefühl ich Kann Es etwas Besser Machen als intuitiv Sondern Auch eben Ausgebildet.
- 30:51Speaker 0: Das Haus kann sagen, wir haben hier jemanden der ist dafür da.
- 30:55Speaker 0: Der hat das gelernt und was mir aber wirklich geholfen hat war halt die eigene Trauerzeit.
- 31:01Speaker 0: Denn erst wenn man selbst getraut hat – und bei mir war es extrem also auch nicht so die normale Art sondern wirklich extrem – hatte ich dann eher die Verbindung zu verstehen wie fühlt sich der Trauende?
- 31:15Speaker 0: Und alles was ich ab dem Tag wollte war dass sich keiner so fühlt wie ich mich damals gefühlt habe!
- 31:20Speaker 0: Und daran hab' ich dann alles gesetzt.
- 31:22Speaker 0: Und jetzt glaube ich habe das so professionell, emotional und ich habe hoffentlich eine gute Verbindung zu den Leuten die zu mir kommen.
- 31:31Speaker 1: Hilft einem das im persönlichen privaten Fall wenn man sich professionell damit beschäftigt?
- 31:38Speaker 0: Ja also es hilft insofern dass auch Freunde zu mehr kommen und ich sie dann genauso beraten können aber im eigenen fall hilft es nicht.
- 31:48Speaker 0: Also als ich dann getraut habe habe ich alles vergessen was ich den anderen immer gesagt habe, was sie tun sollen.
- 31:54Speaker 0: Das hat das... Ja da war ich außer Rand und dann sag' ich jetzt mal!
- 31:58Speaker 0: Das hat mir leider nicht geholfen.
- 32:00Speaker 0: Mein Wissen.
- 32:01Speaker 0: Man muss durch seine Trauer selber gehen also jeder muss da selbst durch und am besten hat man jemanden an der Seite.
- 32:10Speaker 0: aber mein Fachwissen auch vorher wo ich hätte wissen müssen mein geliebter Mensch stirbt.
- 32:15Speaker 0: jetzt hab ich vollkommen versagt.
- 32:17Speaker 1: Jetzt haben wir schon viel über sachliche Gründe gesprochen, warum Menschen sterben und wie das alles so kommt.
- 32:24Speaker 1: Es gibt ja auch viele Menschen die haben einen religiösen Background und haben dann verschiedenste Theorien dazu, wie es nach dem Tod vielleicht weitergeht oder nicht weiter geht oder was da noch kommen mag?
- 32:38Speaker 1: Und wie baust du das denn ein?
- 32:41Speaker 1: Was bedeutet das auch selber für dich?
- 32:43Speaker 1: Hat sich dafür persönlich etwas verändert?
- 32:47Speaker 0: Ja natürlich schon!
- 32:48Speaker 0: allein die Verstorbenen zu sehen, sehe ich das.
- 32:53Speaker 0: der Körper also der tote Körper.
- 32:55Speaker 0: Ich sage immer der ist nicht mehr bewohnt.
- 32:57Speaker 0: man sieht Die Seele an die die meisten leute ja glauben mich auch die wohnt da nicht mehr drin.
- 33:03Speaker 0: Denn wenn ich dann zum Beispiel Fotos bekomme von ihnen Angehörigen und vergleiche dass Dann dann seh ich den unterschiedlich sehr Ja ist es und gleichzeitig ist er Es Nicht.
- 33:13Speaker 0: Das Ist Ja das ist Sehr Speziell.
- 33:17Speaker 0: Und Also ich glaube an ein Leben nach dem Tod und ich finde, man sollte grundsätzlich in der Trauerbegleitung den Leuten jetzt nichts aufschwatzen.
- 33:26Speaker 0: Als ich gehe da nicht rein und sage ihr werdet euch wiedersehen oder so sondern ich warte erst mal ab Und viele Leute möchten natürlich daran glauben dass man sich widersieht und Ich finde man sollte sie immer mit Hoffnung hinterlassen.
- 33:41Speaker 0: also wenn ich das schon gefragt werde Ob man sich wieder sieht oder ob es einen jenseits gibt, oder den Himmel, glaube ich dann muss ich Ihnen natürlich das hoffnungsvolle sagen.
- 33:51Speaker 0: Hatt' ich heute auch und... Ich selber glaube ja daran!
- 33:55Speaker 0: Und wenn dann jemand sagt also dass ist Schluss dort da kommt nichts mehr, das sieht man ja, dann rede ich da natürlich nicht dagegen.
- 34:02Speaker 0: aber mir selber hat es auch geholfen als ich sehr sehr getraut habe.
- 34:09Speaker 0: Also meine Trauer hat drei Jahre gedauert, das war als meine Omi gestorben ist und mir hat gar nichts geholfen.
- 34:14Speaker 0: Niemand!
- 34:15Speaker 0: Und nichts hat mir geholpen... ...und dann... ...ist meine Omae zu mir gekommen.
- 34:20Speaker 0: Die war auf einmal da?
- 34:22Speaker 0: Ich war wie woanders an dem
- 34:24Speaker 0: Ort?!
- 34:26Speaker 0: Das werde ich nie vergessen.
- 34:27Speaker 0: und sie kam aus dem Licht.
- 34:29Speaker 0: Sie kam aus diesem Licht zu mir.
- 34:31Speaker 0: Sie sah super aus wieder gesund in ihren Lieblingssachen mit ihrem Lieblinspolofa und ich wusste gar nicht, wie mir geschah.
- 34:38Speaker 0: Weiß ich noch, ich hab geweint und bin hier um den Hals gefallen.
- 34:40Speaker 0: Und habe gesagt geht es dir gut?
- 34:42Speaker 0: Ich vermisse dich so sehr!
- 34:43Speaker 0: Ich möchte zu dir kommen... ...und dann hat sie gesagt Kleine du musst jetzt mal aufhören das muss dir wieder gut gehen.
- 34:50Speaker 0: ich bitte dich lasse mich gehen.
- 34:52Speaker 0: mir geht es gut hier Es ist alles in Ordnung, es muss dir Wiedergutgehen verspricht mehr dass.
- 34:58Speaker 0: Dann kam ich zurück von da wo ich war war plötzlich wieder Zuhause auf der Couch.
- 35:01Speaker 0: Das war total krass und ab da habe ich gedacht Gut für die Omi sorge ich jetzt wieder für mich, denn die hat gesagt es soll mir wieder gut gehen und das war das einzige was mir geholfen hatte.
- 35:14Speaker 0: Und deswegen glaube ich ganz fest dran dass es unseren Verstorbenen im jenseits gut geht und dass wir uns widersehen.
- 35:22Speaker 0: und ich habe heute auch weil der Witwer mir so leid getan hat er hatte seine verstorbene Frau besucht und es war einfach so traurig auch gefragt, ob wir uns wiedersehen.
- 35:35Speaker 0: und ich hab gesagt, ich bin fällensfest davon überzeugt.
- 35:38Speaker 0: Und hab ihm gesagt, schauen Sie ... Jetzt werden sie sich eine Weile nicht sehen aber dann haben sie die Ewigkeit zusammen.
- 35:46Speaker 0: Ich hoffe es hat ihm geholfen.
- 35:49Speaker 1: Es gibt ja viele Menschen, die schaffen es vor ihrem oder vor dem Tod des anderen, nicht mehr sich auszusprechen, haben vielleicht noch offene Rechnungen, Groll und Ärger und Zorn.
- 36:04Speaker 1: Und vielleicht auch nur einen kurzfristigen Streit, kann ja auch sein.
- 36:07Speaker 1: Klar.
- 36:08Speaker 1: Man hat sich richtig gezockt dann geht oder sie aus dem Haus raus irgendwas passiert tagsüber?
- 36:13Speaker 1: Dann hat man sich nie ausgesprochen wie... Wie gehst du denn da mit oben wenn die Leute vor dir stehen und das gar nicht fassen können weil Sie entweder ganz akut noch dieses Thema haben oder dass vielleicht seit Jahren schon ungeklärt zwischen diesen Menschen steht?
- 36:30Speaker 0: Also ich empfehle Ihnen gemäß meines Glaubens hin, es zu sagen.
- 36:35Speaker 0: Trotzdem noch – wir wissen nicht ob Sie uns hören!
- 36:37Speaker 0: Das wissen wir nicht….
- 36:39Speaker 0: Ich gehe jetzt mal davon aus und ich finde auch verzeihen ist immer möglich und mit demjenigen sprechen is' immer möglich.
- 36:45Speaker 0: Man kann's in den Wind flüstern oder man kanns dem Verstorbenen sagen wenn man bei ihm ist.
- 36:50Speaker 0: das ist ja für einen selber's muss ein erleichtern Und man kann im Nachhinein auch verzahlen und immer wieder mit unseren Verstorbenden sprechen.
- 36:58Speaker 0: Also auch wenn man nicht dran glaubt, man kann es doch versuchen.
- 37:02Speaker 0: Ich denke das hilft... Es geht immer!
- 37:05Speaker 0: Man muss sich selber auch verzeihen.
- 37:07Speaker 0: dann und ich denke dass das immer möglich ist sich auszusprechen also auch wenn es dann einseitig ist aber vielleicht bekommt man ja auch Zeichen.
- 37:16Speaker 0: Es gibt ja so bekannte Zeichen aus dem jenseits sage ich jetzt mal sagt man man sieht einen Schmetterling oder bei der Beerdigung kommt dann den Lichtstrahl aus einem bewölkten Himmel oder so etwas.
- 37:28Speaker 0: Es gibt so viel, wenn man sich öffnet und Zeichen auch sehen will – Etwas Tröstliches überall!
- 37:34Speaker 0: Oder man findet eine Feder….
- 37:37Speaker 0: Dann kann man sagen «Oh, Engel wacht über mich oder über den Verstorbenen», also man kann nach Zeichen suchen die einen Trösten und Hoffnung auf ein Wiedersehen bringen.
- 37:48Speaker 0: Ich denke, man kann das immer machen mit ihnen noch sprechen, sie um Verzeihung bitten und ihnen auch verzeihen.
- 37:54Speaker 0: Es ist sehr befreiend für beide Seiten, denke ich.
- 37:58Speaker 1: Deine sozusagen Patienten und Patientinnen kommen ja in der Regel eben... Also nicht in die Regel kommen ja tot zu dir Und du hast sie davor lebendlich kennengelernt.
- 38:11Speaker 1: Gab es denn schon mal einen Fall wo du eine Person, die zu dir kam vielleicht vorher schon mal irgendwo Vielleicht auch im Krankenhaus kennengelernet hast?
- 38:21Speaker 1: und verändert das was für dich?
- 38:24Speaker 1: Ja
- 38:24Speaker 0: total.
- 38:25Speaker 0: Also hatte ich schon zwei Fälle, also einmal war es ein entfernter Kollege von einer anderen Abteilung.
- 38:32Speaker 0: Wir kannten uns zuvor über den Weg laufen und ich hatte ihn aufgebahrt... Ich kannte nicht seinen Namen aber ich habe dann einen aufgebauten und dachte mir so Mensch das Gesicht kennst du doch!
- 38:45Speaker 0: Aber ist er bestimmt nicht?
- 38:47Speaker 0: Und dann kam die Familie und hat gleich zu mir gesagt sie kannten einander und dann war ich total betroffen und traurig, weil ich dachte Mist das ist er.
- 38:58Speaker 0: Und dann sollte ich die Leute betreuen und habe dann aber gesagt wissen Sie?
- 39:02Speaker 0: Ich bin jetzt auch traurisch!
- 39:04Speaker 0: Das war schön, weil wir... ich konnte ja trotzdem die Fragen beantworten und sie trösten und die Anteilnahme war echt.
- 39:12Speaker 0: Ein anderes Mal über ein Jahr her ist meine Freundin als Notfall ins Krankenhaus gekommen.
- 39:23Speaker 0: Also sie war schon älter, aber durchaus noch nicht alt genug um zu sterben.
- 39:27Speaker 0: Und sie war immer total fit und das war eine total krasse Geschichte weil ich hatte schon Feierabend, war aber noch da und krieg einen Anruf von der Intensivstation und da hieß irgendwie Frau Brauners könnten Sie vielleicht auf Station kommen?
- 39:40Speaker 0: die Familie verlangt nach ihnen sollen die irgendwie betreuen?
- 39:44Speaker 0: Ich habe mich schon gewundert, weil normal gehe ich nicht auf die Station und dann sagten die den Namen Das ist ja meine Freundin.
- 39:53Speaker 0: Wollen sie mir sagen, dass meine Freundinnen im Sterben liegt?
- 39:57Speaker 0: Ja, wir schalten gleich die Maschinen ab und die Familie braucht einen
- 40:00Speaker 0: Beistand.".
- 40:01Speaker 0: Und so habe ich das erfahren... Also das war total schlimm für mich!
- 40:06Speaker 0: Dann habe ich erst mal geweint und dann sagte der Arzt, oh, das hätte ich ihnen wohl anders beibringen sollen.
- 40:12Speaker 0: Gut, dann war es zu spät und ich dachte so okay was machst du jetzt?
- 40:16Speaker 0: deine Freundin wird gleich sterben und die Also musst du kommen.
- 40:22Speaker 0: Und dann habe ich mich... Ja, gab es gar kein Plan B!
- 40:25Speaker 0: Ich bin rüber auf die Station hatte schon geweint und komme dorthin und alle haben mich total bedröppelt angeguckt.
- 40:30Speaker 0: Ich sollte als Sehesorger dahin kommen und sah schon total verheult aus.
- 40:34Speaker 0: Und ich dachte wie helfe ich den denn jetzt?
- 40:36Speaker 0: Ich bin doch selber traurig und bin dann in das Zimmer und ich war vorher noch nie jemanden so gesehen wie... also das war wirklich schlimm und sie lag da mit ganz viel Schläuchen und Geräten angeschlossen.
- 40:51Speaker 0: Und die Familie war da, viele.
- 40:54Speaker 0: Ich hab erst mal alle begrüßt.
- 40:56Speaker 0: Wir haben erst einmal geschwiegen.
- 40:58Speaker 0: Dann bin ich zu meiner Freundin gegangen.
- 41:01Speaker 0: Die haben mir Zeit gegeben.
- 41:04Speaker 0: Ich war fastungslos, weil das von einem Moment auf den anderen war.
- 41:08Speaker 0: Das war so traurig!
- 41:10Speaker 0: Als ich mich dann gefangen hatte, habe ich einfach nur der Familie versprochen, dass ich für sie da bin meine Freundin da bin, wenn sie dann wahrscheinlich morgen bei mir ist.
- 41:23Speaker 0: Und ich hatte nicht das Gefühl, dass ich mache fehlen.
- 41:25Speaker 0: Ich habe nur gesagt, ich bin da!
- 41:27Speaker 0: Ich kümmere mich um Sie und um Euch.
- 41:30Speaker 0: Meldet euch wann immer ihr wollt.
- 41:32Speaker 0: Wir machen das
- 41:33Speaker 0: zusammen.".
- 41:35Speaker 0: Dann wollten die nicht mehr bleiben und sind gegangen... ...und ich bin dann auch gegangen.
- 41:40Speaker 0: Ich war dann völlig aufgelöst zu Hause und hab gedacht, das ist ja Wahnsinn.
- 41:44Speaker 0: Und dann bin ich den nächsten Morgen in der Erwartung zur Arbeit gefahren, dass sie dann in der Kühlung sein wird.
- 41:52Speaker 0: Und bin erst mal in den Park gefahren und habe wilden Flieder gepflückt, ich wusste das da welcher wächst... ...und am Morgen dachte ich so okay, da hatte ich damals noch einen Kollegen und hab gesagt gib mir mal den Moment allein!
- 42:04Speaker 0: Ich mache es alleine.
- 42:06Speaker 0: Dann war sie auch da und dann habe ich sie selber aufgebahnt.
- 42:10Speaker 0: Ich habe dann gesagt ich klingte mich einmal eine Stunde aus bitte übernimm alles.
- 42:14Speaker 0: Ich verabschiede mich jetzt von ihr ganz alleine.
- 42:17Speaker 0: Und auch da habe ich gesehen, sie sah ganz anders aus als gestern, als sie noch gelebt hat.
- 42:22Speaker 0: Sie ist dann nicht mehr drin und dann habe ich ihr auch nochmal alles gesagt was ich sagen wollte wie schön es war mit ihr und wie sehr sie mich unterstützt hat und wie lieb ich sie habe.
- 42:34Speaker 0: Das werde ich nie vergessen.
- 42:36Speaker 0: also man kann immer noch funktionieren aber man ist betroffen und diese Betroffenheit gehört dazu Und es ist gut, dass es so ist.
- 42:45Speaker 0: Ich will das spüren.
- 42:47Speaker 0: Also ich kann's mir gar nicht anders vorstellen!
- 42:50Speaker 0: Aber ja und ich werde das in Zukunft auch immer so machen... ...ich werd nie wieder den Moment versäumlich da zu sein wenn jemand den ich kenne stirbt.
- 42:57Speaker 0: Das hab' ich mir fest vorgenommen.
- 42:59Speaker 1: Wenn so ein Mensch vor dir liegt dann hat er jeder seine andere Lebensgeschichte.
- 43:05Speaker 1: und die einen haben vielleicht ein wahnsinnig stressiges Leben gehabt waren die ganze Zeit nur am Rennen von einem Termin zum nächsten Die anderen hatten vielleicht vergleichsweise ruhiges leben die einen hatten viel geld, die anderen hatten wenig Geld.
- 43:18Speaker 1: Die einen hatten Viel glück, die Anderen hatten vielleicht viel Pech.
- 43:22Speaker 1: Aber in dem moment wo die Person dann da so vor dir liegt sind irgendwie doch am ende irgendwie doch alle gleich oder?
- 43:29Speaker 0: Genau also es kommt keiner aus der tot kriegt uns alle und Ja da kann man wirklich keinen unterschied macht erwischt uns irgendwann
- 43:40Speaker 1: weil du gerade beschrieben hast Die Person ist da nicht mehr drin in dem Körper.
- 43:47Speaker 1: Ist das dann so ein Konzept von, sagen wir mal Seele?
- 43:51Speaker 1: Was dir dann oder deiner Vorstellung da am nächsten kommt, dass wir da wirklich sowas irgendwie in uns haben?
- 43:57Speaker 0: Ja, glaube ich fest dran natürlich!
- 43:59Speaker 0: Seele... Das was uns ausmacht auch und die Summe unserer Taten, die wir dann am Ende des Lebens haben.
- 44:08Speaker 0: Und ob wir ein guter Mensch waren und ob jemand war der vermisst wird.
- 44:13Speaker 0: Und der Gutes vollbracht hat, freundlich war und geholfen hatte.
- 44:17Speaker 0: also ich will... Ich wäre gerne so jemand ist mein erklärtes Ziel.
- 44:20Speaker 0: und dann wenn nur noch unsere Hülle übrig ist dann schauen wir mal was passiert.
- 44:26Speaker 0: entweder kriegen wir einen neuen Körper und müssen alles nochmal machen besser machen als im Leben vorher oder wer weiß?
- 44:32Speaker 0: Wir kommen den Himmel!
- 44:34Speaker 0: Also ich weiß es auch nicht aber Ich bin mir sicher, dass es weitergeht in irgendeiner Form und wir sind ja Energie.
- 44:40Speaker 0: Und Energie geht nicht verloben!
- 44:42Speaker 0: Das wissen wer
- 44:42Speaker 1: ja.
- 44:44Speaker 1: Und das kann uns am Ende dann allen auch Hoffnung geben und positiv auf das Blicken was kommt weil A können wir sowieso nicht beeinflussen und B macht es unserem Ende alle gleich.
- 44:58Speaker 0: Vielleicht können wir uns doch oft jenseits freuen, weil wir sehen ja vielleicht oder wahrscheinlich alle unsere Leben wieder an einem schönen Ort und es ist warm, es geht uns gut.
- 45:11Speaker 0: Es gibt dann nur Frieden und Liebe.
- 45:13Speaker 0: Das klingt doch eigentlich nach einer schönen Vorstellung, die wir anstreben und nicht fürchten
- 45:17Speaker 0: sollten.".
- 45:18Speaker 1: Viele Menschen, alle meisten Menschen verbinden ja mit Tod auch irgendwie so was wie einen gewissen Grusel- und Frithöfe bei Nacht- und Horrorfilme und all diese Dinge?
- 45:29Speaker 1: Ist das etwas, was bei dir ... Also der Aspekt davon irgendwie völlig verflogen ist auch durch deine Arbeit?
- 45:36Speaker 1: Ich
- 45:36Speaker 0: bin der totale Gruselfilm-Fan schon seit jungen Jahren.
- 45:39Speaker 0: Ist meine Mutti schuld, weil jemand Gruselfilme mit mir geguckt hat?
- 45:43Speaker 0: und sollte ich nachts auf den Friedhof gehen, fände ich das immer noch gruselig.
- 45:48Speaker 0: aber ja also ich mein...ich hab halt jeden Tag mit dem Tod zu tun und andere eben nicht.
- 45:56Speaker 0: Also ich bin da vielleicht ein bisschen weniger ängstlich.
- 46:00Speaker 0: den Thrill der Horror-Filme mag ich schon gern.
- 46:04Speaker 0: Also zum Beispiel, wenn jetzt hier Zombieapokalypse wäre ... Da wär ich am Arsch weil ich hätte ja gleich dreißig Stück da bei mir um die Ecke.
- 46:12Speaker 0: aber da ich ja informiert bin weiß ich ja wie man die dann wieder tot macht ne?
- 46:17Speaker 0: Also ... Dach!
- 46:18Speaker 0: Ich steh auf Horror.
- 46:20Speaker 0: Auf jeden Fall.
- 46:21Speaker 1: Ich danke dir sehr für deine Zeit und das sehr offene Gespräch da so ein bisschen einen Einblick in dein Leben, in deine Arbeit bekommen konnten und vielleicht der eine oder andere sich ein bisschen was mitnimmt.
- 46:34Speaker 1: Und vielleicht eine andere Perspektive auch auf den Tod und vor allem aber auch das bewusstere Leben
- 46:40Speaker 1: mitnimmst.".
- 46:41Speaker 0: Danke schön Daniel.
- 46:42Speaker 0: dass ich hier sein durfte hat mich sehr gefreut.
- 46:46Speaker 1: Das war es leider schon.
- 46:47Speaker 1: die letzte Runde ist ausgetrunken.
- 46:50Speaker 1: das Gespräch zu Ende.
- 46:52Speaker 1: vielen Dank fürs Zuhören.
- 46:54Speaker 1: Bitten im Rücksicht auf die Nachbarn und sei leise, wenn du die Bar verlässt.
- 46:59Speaker 1: Aber vergiss auf keinen Fall den abonnieren Button zu klicken!