Latest / Anonym Suchthilfe – KI-gestützte Selbsthilfe / #25 Folge 2: Die Quoten-Lüge: "Hartes Deutschland" & die Ausbeutung der Sucht (Meine Kotti-Story)
Transcript
- 0:00Hallo und herzlich Willkommen zu unserer heutigen Vertiefung.
- 0:03Ich freu mich riesig, dass du heute wieder eingeschaltet hast,
- 0:05um dir Zeit für dich und deine Themen zu nehmen.
- 0:08Hallo, auch von meiner Seite. Wir hatten es ja neulich schon
- 0:11mal über ja eher so die glamouröse, die stilisierte
- 0:15Seite der Drogenwelten Stichwort Haftbefehl Doku.
- 0:18Mhm, genau. Heute geht es aber um das krasse
- 0:20Gegenteil. Diese ungeschönte
- 0:23Zurschaustellung von Elend, die man in Formaten wie hartes
- 0:27Deutschland sieht. Ja, die andere Seite der
- 0:29Medaille sozusagen. Genau.
- 0:31Und wir wollen uns das heute mal kritisch anschauen, diese
- 0:34sogenannten Sozialreportagen als Grundlage dient uns da ein ja
- 0:38wirklich eindringlicher Artikel von Nelix Berlin, Gabriel hat
- 0:42ihn geschrieben, ah ja, und er nimmt da echt kein Blatt vor den
- 0:45Mund, nennt das Kind beim Namen Armutspornographie und die
- 0:48Quotenlüge. Starke Worte.
- 0:50Absolut kleine Warnung vielleicht auch Gabriel ist da
- 0:54sehr unzensiert, teilt auch echt persönliche, teils harte
- 0:58Erfahrungen mit TV Teams. OK.
- 1:00Und das ist, glaube ich, ganz wichtig zu verstehen, bevor wir
- 1:03starten. Gabriel, der Kopf hinter Nielix
- 1:05Berlin, der kennt, sucht und psychische Probleme nicht nur
- 1:09vom Hörensagen. Er ist selbst betroffen.
- 1:11Genau aus eigener, wirklich tiefgreifender Erfahrung.
- 1:15Und auf seiner Website und eben auch in diesem Artikel spricht
- 1:18er total offen darüber. Was ja auch Mut erfordert.
- 1:21Total. Es geht ihm darum, eine ehrliche
- 1:24Verbindung aufzubauen, dir vielleicht auch zu sagen, Hey,
- 1:27du bist mit solchen Themen nicht allein.
- 1:30Authentizität statt Sensation, das ist so sein Ding.
- 1:33Verstehe das. Gibt dem Ganzen natürlich eine
- 1:36ganz andere Tiefe und Glaubwürdigkeit.
- 1:38Absolut. Und unser Ziel heute ist es ja,
- 1:42die Mechanismen hinter diesen Formaten zu verstehen und.
- 1:45Gabriels Perspektive als Betroffener nachzuvollziehen und
- 1:48uns auch zu fragen, was hat das eigentlich mit Medienethik zu
- 1:52tun? Wichtige Fragen.
- 1:54OK, dann lass uns das mal auseinandernehmen.
- 1:57Gerne. Gabriel bringt das Hauptargument
- 2:00jetzt ziemlich direkt. Diese Formate wie hartes
- 2:03Deutschland, das ist für ihn keine Aufklärung.
- 2:05Sondern. Sondern eben das, was er
- 2:08Armutspornografie nennt. Er macht diesen krassen
- 2:10Vergleich, es ist 20:15 Uhr, Zeit für den Zoo.
- 2:14Nur dass die Tiere Menschen sind.
- 2:16Puh, das sitzt. Aber dieser Begriff
- 2:21Armutspornografie, der ist ja nicht ganz neu in der
- 2:24Medienkritik. Stimmt.
- 2:26Er beschreibt halt genau das, dieses Voyeuristische ausstellen
- 2:30von menschlichem Leid, Armut, sucht, Krankheit, primär um
- 2:36Zuschauer zu fesseln, zu unterhalten, oft durch
- 2:39Schockmomente, ja. Und was dabei fehlt.
- 2:43Ist der Kontext, oder? Genau der Kontext, die komplexen
- 2:47Ursachen oder gar wirkliche Hilfe für die Menschen, die da
- 2:51gezeigt werden, das bleibt meistens auf der Strecke.
- 2:54Der Fokus liegt klar auf dem Effekt, nicht auf Aufklärung
- 2:57oder der Würde der Personen. Gabriel sieht das auch als
- 3:00klaren Verstoß gegen den Pressekodex, speziell Ziffer 11.
- 3:04Mhm, die die unangemessene sensationelle Darstellung von
- 3:08Leid und Gewalt verhindern soll. Genau die.
- 3:11Und er meint, Menschen im Rausch oder auf Entzug so zur Schau zu
- 3:16stellen. Das fällt da voll drunter.
- 3:18Ja, und der Pressekondex ist ja die Grundlage für
- 3:20journalistische Ethik in Deutschland.
- 3:22Er formuliert Mindeststandards richtig und gerade wenn man über
- 3:26vulnerable Gruppen berichtet, und dazu zählen Menschen mit
- 3:30schweren Suchterkrankungen, ja ohne Zweifel.
- 3:32Ist eine besondere Sensibilität absolut gefordert?
- 3:36Die Frage ist halt immer, dient die Darstellung dem Verständnis
- 3:39oder nur der Sensation? Genau das ist der Punkt.
- 3:42Und Gabriel argumentiert ganz klar, es geht hier um Letzteres,
- 3:46und das Ganze wird angetrieben durch das, was er die Quotenlüge
- 3:49nennt. Also es ist am Ende ein
- 3:51Geschäft. Genau, er sagt, das ist kein
- 3:54sozialer Akt, sondern ein knallhartes, profitables
- 3:57Geschäftsmodell. Hartes Deutschland fährt ja
- 3:59konstant hohe Quoten ein, gerade in der werberelevanten
- 4:02Zielgruppe. Elend als Quotenbringer.
- 4:05Tja, und das ist dieser ewige Konflikt, den wir in den Medien
- 4:09oft sehen, nicht wahr? Der journalistische Anspruch
- 4:12aufzuklären versus der wirtschaftliche Druck, hohe
- 4:16Einschaltquoten zu machen. Und wenn die Quote dann das
- 4:19Wichtigste wird, dann geraten ethische Prinzipien halt schnell
- 4:22mal unter die Räder. Ja, dann wird gezeigt, was
- 4:25fesselt, was schockiert, was die Leute dranbleiben lässt.
- 4:28Genau, und das ist selten die komplexe, unbequeme Wahrheit
- 4:31über Ursachen oder vielleicht Lösungswege.
- 4:34N anderer Punkt, den Gabriel total wichtig findet.
- 4:38Die fehlende nachhaltige Hilfe. Ah ja, er nennt das Beispiel
- 4:42Alicia aus Frankfurt, die ja über mehrere Staffeln begleitet
- 4:45wurde. Mhm, kenne ich.
- 4:46Die mediale Aufmerksamkeit ist riesig, aber was passiert, wenn
- 4:49die Kameras weg sind? Tja, oft nichts, kritisiert er
- 4:52die Hilfe, wenn es überhaupt welche gibt, beschränkt sich auf
- 4:55den Drehzeitraum. Und das wirft natürlich direkt
- 4:57die Frage nach der Verantwortung auf, oder?
- 5:00Absolut. Die Produzenten, die Sender, die
- 5:02nutzen ja die Lebensgeschichten, die Notlagen dieser Menschen für
- 5:05ihr Programm. Da kann man doch nicht sagen,
- 5:07OK, danke, das war es. Finde ich auch.
- 5:10Lassen, wenn die Story im Kasten ist.
- 5:12Eben. Und dann kommt noch dazu, sagt
- 5:14Gabriel, dass diese Sendungen stigmatamassiv verstärken.
- 5:19Wie meint er das? Na ja, statt sucht als Krankheit
- 5:22zu zeigen mit den vielschichtigen Wurzeln Trauma,
- 5:25Depressionen, soziale Umstände bedienen sie halt oft das
- 5:28Klischee vom willensschwachen Junkie.
- 5:31Und das ist fatal. Diese Stigmatisierung ist
- 5:34unglaublich schädlich. Das führt zu Ausgrenzung, zu
- 5:38Scham bei den Betroffenen, die sich dann vielleicht noch
- 5:41weniger trauen, sich Hilfe zu suchen.
- 5:43Stimmt. Und es verzerrt ja auch unser
- 5:46Bild in der Gesellschaft, wenn wir sucht nur durch.
- 5:49Diese extrem wilder kennen übersehen wir vielleicht die
- 5:51Probleme bei Leuten im eigenen Umfeld, die halt nicht diesem
- 5:55Klischee entsprechen. Guter Punkt, aber warum
- 5:58funktioniert das eigentlich so gut?
- 6:00Warum schauen wir da hin? Ja, gute Frage.
- 6:03Gabriel nennt er einige psychologische Gründe, die uns
- 6:07ja schon den Spiegel vorhalten. Zum einen der reine Voyeurismus,
- 6:12Mhm, die Erlaubnis, ungeniert zu starren sozusagen.
- 6:17Ja, dieses grundlegende menschliche Bedürfnis, irgendwie
- 6:19Grenzen zu beobachten, vielleicht auch zu
- 6:21überschreiten, hier sicher durch den Bildschirm kanalisiert.
- 6:24Dann, und das findet Gabriel ganz zentral, dieser soziale
- 6:28Abwärtsvergleich. Ah, nach Leon Festinger.
- 6:31Genau. Wir sehen Menschen, denen es
- 6:33scheinbar schlechter geht und fühlen uns dadurch selbst besser
- 6:36aufgewertet. Das eigene Leben wirkt im
- 6:39Kontrast dann irgendwie. OK, das ist n ganz bekannter
- 6:42psychologischer Mechanismus. Ja, dient der Stabilisierung des
- 6:45Selbstwertgefühls. Wir vergleichen uns ja ständig.
- 6:47Stimmt. Und der Blick nach unten, der
- 6:49kann kurzfristig entlasten. Klar, eigene Probleme
- 6:52relativieren. Aber es wird halt problematisch,
- 6:55wenn das auf Kosten der Würde anderer geschieht.
- 6:57Ja, oder zur Hauptstrategie wird richtig.
- 6:59Gabriel spricht auch von falscher Empathie.
- 7:02Was meint er damit? Man empfindet vielleicht Mitleid
- 7:05oder Entsetzen, aber es führt nicht dazu, dass man handeln
- 7:08will, sondern eher zu so einem Gefühl moralischer
- 7:11Überlegenheit. So ne Art gruseln aus sicherer
- 7:14Distanz. Ja, verstehe, echte Empathie
- 7:18würde ja eigentlich zu prosozialem Verhalten
- 7:20motivieren, also zum Helfen. Ja, wenn das Gefühl aber nur der
- 7:24Selbstbestätigung dient, so nach dem Motto zum Glück bin ich
- 7:27nicht so, dann kann es echtes Mitgefühl und Verständnis sogar
- 7:31blockieren, es schafft Distanz statt näher.
- 7:33Und genau diese Distanzierung ist auch ein Punkt.
- 7:36Gerade Leute, die vielleicht selbst riskant konsumieren,
- 7:40können sich durch diese extremen Bilder abgrenzen.
- 7:43Nach dem Motto, So schlimm bin ich ja nicht genau.
- 7:46Also wenn wir das mal ins größere Bild einordnen, diese
- 7:49Formate nutzen ziemlich geschickt psychologische
- 7:51Mechanismen aus, absolut, sie verkaufen das als Realität,
- 7:55zeigen, bedienen aber eher so grundlegende Tendenzen wie
- 7:59Voyeurismus und Selbstwertregulationen durch
- 8:02Abwärtsvergleich. Und verhindern dabei echte
- 8:04Auseinandersetzung und Empathie. Genau das scheint die Kehrseite
- 8:08zu sein. Und Gabriel kennt diese Dynamik
- 8:10eben nicht nur aus der Theorie, er war selbst mittendrin.
- 8:13Ach was. Ja, als er obdachlos und
- 8:15Schwerstabhängig am Cottbusser Tor in Berlin gelebt hat, am
- 8:18Cotti. Er war einer von denen, die von
- 8:21Kamerateams regelrecht gejagt wurden, wie er sagt, krass, er
- 8:25beschreibt das so, dass die Teams primär auf Schockbilder
- 8:28aus waren, die Geschichten dahinter Nebensache, es ging um
- 8:32Action, er wurde wohl direkt gefragt, kennst du noch ein
- 8:36Paar, die wir filmen können so? So, als ginge es um
- 8:39Materialbeschaffung. Das klingt wirklich nach
- 8:42Objektifizierung. Menschen als Material, ihre
- 8:44Geschichten nur Rohstoff für Quoten erschreckend.
- 8:47Und es wurde ihm auch klar gesagt, was gebraucht wird,
- 8:50nicht noch mehr Bilder von frierenden Obdachlosen, sondern
- 8:54was drastischeres. Also Drogenkonsum, Streit.
- 8:58Genau sichtbarer Verfall Szenen, die Quote versprechen.
- 9:02Das ist dann ja schon ne Form der Inszenierung, selbst wenn es
- 9:05als authentisch verkauft wird. Man sucht nicht die Realität.
- 9:08Sondern die Realität, die ins Format passt.
- 9:10Das Schlimmste ist aber laut Gabriel wurden teilweise sogar
- 9:14Suchtmittel direkt angeboten. Nicht dein Ernst.
- 9:18Doch um die Leute gefüglich zu machen und genau die Bilder zu
- 9:22kriegen, die man wollte. Er zitiert, wir spendieren euch
- 9:26auch nen Kasten Bier. Das ist, das ist ethisch eine
- 9:30Vollkatastrophe, ja. Da wird eine Krankheit nicht nur
- 9:35zur Schau gestellt, sondern aktiv gefördert, nur um sie
- 9:38filmen zu können. Das widerspricht ja jedem
- 9:42menschlichen und ethischen Grundsatz, die Notlage wird da
- 9:45maximal ausgenutzt. Er berichtet auch von
- 9:48gebrochenen Absprachen, dass Bezahlungen für die Mitwirkung
- 9:52dann ausblieben. Menschen als Wegwerfbare.
- 9:56So beschreibt er es, und er sieht da auch Parallelen zum
- 9:59Fall Alisha aus hartes Deutschland.
- 10:02Als Beispiel für diese Ausbeutung.
- 10:03Und da sind wir wieder bei dieser Frage der Freiwilligkeit,
- 10:06die ja oft als Argument kommt, ne?
- 10:08Ja, genau. Kann jemand in akuter sucht in
- 10:10existenzieller Not wirklich frei entscheiden, ob er sich so zur
- 10:14Schau stellen lässt? Schwierig, besonders, wenn ihm
- 10:16dafür Geld oder sogar Suchtmittel angeboten werden.
- 10:19Das ist doch mehr als fragwürdig, das ist für mich
- 10:22eine klare Ausnutzung einer Zwangslage unter dem Deckmantel
- 10:26der Freiwilligkeit. Gabriel will aber nicht nur
- 10:28anklagen, er will auch Werkzeuge an die Hand geben.
- 10:31So eine Art Say for Use für uns als Zuschauer.
- 10:34OK, das ist gut. Er schlägt vor, sich beim
- 10:37Schauen solcher Formate einfach mal ein paar kritische Fragen zu
- 10:39stellen. Erstens, wer profitiert
- 10:42eigentlich wirklich von diesem Bild der Sender, die
- 10:45Produktionsfirma zweitens, und das ist für ihn die wichtigste
- 10:49Frage, hilft die Darstellung dem gezeigten Menschen oder
- 10:52schlachtet sie ihn einfach nur aus?
- 10:54Eine Kernfrage, ja. Und drittens der Realitätscheck.
- 10:58Was fehlt eigentlich im Bild? Die Traumata, die Scham, die
- 11:02vielen gescheiterten Therapieversuche, die
- 11:04Angehörigen, die Leiden. Das zielt genau auf
- 11:07Medienkompetenz ab, nicht wahr? Nicht nur passiv konsumieren,
- 11:12sondern aktiv hinterfragen wer spricht hier mit welcher
- 11:16Absicht, wessen Perspektive fehlt?
- 11:19Genau. Und sich auch der eigenen
- 11:21Reaktion bewusst werden. Fühle ich echtes Mitgefühl oder
- 11:25ist es doch eher diese wohlige Überlegenheit, von der Gabriel
- 11:28gesprochen hat? Dein Rat ist deshalb auch ganz
- 11:31klar, wenn du merkst, dass du dich eigentlich nur gruselst
- 11:34oder überlegen fühlst. Schalte ab.
- 11:36Verweigere deine Quote. Ja, die Quote ist der
- 11:40Stimmzettel in diesem System und Suche stattdessen bewusst nach
- 11:43Inhalten, die wirklich aufklären und Lösungen aufzeigen.
- 11:48So. So wie er es ja auch selbst auf
- 11:49nigix Berlin versucht. Ein wichtiger Impuls, unsere
- 11:53Sehgewohnheiten haben macht. Bewusster Konsum kann da
- 11:56wirklich ein kleiner Beitrag sein, um die Nachfrage nach
- 12:00solchen ausbeuterischen Formaten zu senken.
- 12:03Gabriel hat in seinem Artikel ja auch einige FAQS, also häufige
- 12:06Fragen aufgegriffen. Die stellen wir uns jetzt
- 12:09vielleicht auch, lass uns die mal durchgehen, so als würdest
- 12:12du uns die direkt fragen. OK, gute Idee.
- 12:14Also erste Frage. Ist es nicht gut, dass diese
- 12:17Realität überhaupt mal gezeigt wird?
- 12:19Ja, die hört man oft. Gabriels Antwort darauf ist,
- 12:23zeigen allein bringt gar nichts, wenn der Kontext fehlt.
- 12:26Also die Ursachen. Genau.
- 12:28Trauma, Armut, Systemversagen. Und wenn keine würdevollen
- 12:32Lösungswege aufgezeigt werden, sonst ist das halt nur
- 12:35vuarismus. Das ist eine wichtige
- 12:36Differenzierung. Reine Darstellung versus echter
- 12:39Aufklärung, die eben die Hintergründe beleuchtet und
- 12:42nicht nur auf den Schock Effekt setzt.
- 12:44OK, zweite Frage. Die Leute wie Alicia machen das
- 12:48doch freiwillig. Ja, das Argument der
- 12:50Freiwilligkeit hatten wir schon kurz.
- 12:52Gabriel hält das für ein zynisches Argument.
- 12:54Er sagt, Akutsüchtige können die Konsequenzen ihres Handels oft
- 12:58gar nicht richtig einschätzen. Und wenn dann eine
- 13:01Aufwandsentschädigung, also Geld oder eben Bier angeboten wird,
- 13:05ist das in einer Notlage natürlich eine krasse
- 13:08Verlockung. Für ihn ist das klare
- 13:10Ausnutzung. Ja, die Einwilligungsfähigkeit
- 13:13in solchen Extremsituationen und Abhängigkeiten ist eben extrem
- 13:16fraglich. Das hat eine massive ethische
- 13:19Dimension. Freiwilligkeit sieht anders aus.
- 13:22Dritte Frage. Schaden mir diese Dokus auch
- 13:25wenn ich selbst nicht süchtig bin?
- 13:27Interessant. Was sagt Gabriel dazu?
- 13:29Seine Antwort ist klar ja, weil sie das Bild von sucht verzerren
- 13:34und Stigmata verstärken. Eben dieses Bild von den
- 13:37Willensschwachen gestalten, und das macht es schwerer, Mitgefühl
- 13:42für Betroffene im eigenen Umfeld zu entwickeln, die vielleicht
- 13:45gar nicht diesem Klischee entsprechen, das leuchtet ein.
- 13:48Stigmatisierung hat ja weitreichende Folgen,
- 13:50gesellschaftlich, aber auch für jeden Einzelnen, der sich dann
- 13:53vielleicht schämt oder Hilfe vermeidet.
- 13:55Vierte Frage, Was wäre denn echte Aufklärung?
- 13:59Ja, die logische Anschlussfrage. Gabriels Vorschlag, weniger
- 14:02Fokus auf den Drogenstrich, mehr Einblick in therapieräume
- 14:06Experten zu Wort kommen lassen zum Beispiel Gabor Mate, der
- 14:09über Trauma als Suchtursache spricht, die wirtschaftlichen
- 14:13und politischen Hintergründe beleuchten und ganz wichtig.
- 14:16Menschen zeigen, die den Ausstieg geschafft haben und vor
- 14:19allem, wie sie es geschafft haben.
- 14:21Das wäre dieser konstruktive, lösungsorientierte Ansatz, den
- 14:24wir vorhin meinten, die Komplexität darstellen, Hoffnung
- 14:28geben, statt nur Elend zu zeigen, das würde dem Anspruch
- 14:31von Aufklärung wirklich gerecht werden.
- 14:34Letzte Frage aus dem FEQ mein Kind schaut so was.
- 14:37Was soll ich tun? Ja, wichtig für Eltern.
- 14:39Gabriel meint, Verbieten ist oft schwierig und vielleicht auch
- 14:43nicht der beste Weg, Mhm besser als Gesprächsanlass nutzen.
- 14:47Vielleicht sogar gemeinsam schauen, wenn man es aushält und
- 14:50dann kritische Fragen stellen. Warum tut die Person das wohl,
- 14:54was fehlt hier im Bild, warum filmt das Kamerateam das?
- 14:58Also Medienkompetenz und Empathie fördern.
- 15:01Genau darum geht s. Das ist ein sehr wichtiger
- 15:03pädagogischer Hinweis. Kinder und Jugendliche brauchen
- 15:06Begleitung, um solche schwierigen Inhalte einordnen zu
- 15:09können und eben nicht nur die Sensation zu sehen, sondern den
- 15:12Menschen dahinter. Als Vertiefung und wie er es
- 15:15nennt, Gegengift. Zu solchen Formaten empfiehlt
- 15:18Gabriel übrigens das Buch Im Reich der hungrigen Geister von
- 15:22Gabor Mate. Ah ja, Gabor Mate ist eine
- 15:24wichtige Stimme in dem Bereich. Absolut.
- 15:27Ein Arzt, der selbst viel mit Suchtkranken arbeitet, ihnen
- 15:30aber eben zuhört, statt sie auszustellen.
- 15:33Er erklärt die tiefen Wurzeln von Sucht in Trauma und Schmerz
- 15:36sehr lesenswert, sagt Gabriel. Glaub ich sofort.
- 15:40Empathie statt zur Schaustellung.
- 15:41Und der verweist natürlich auch auf seinen Instagram Kanal at
- 15:44Nelix Berlinde als Ort für Inspiration und Austausch.
- 15:48Sein Motto Dort passt perfekt, hör auf zu Filmen, Fang an zu
- 15:52helfen. Starkes Motto.
- 15:53Gabriels Fazit in seinem Artikel ist dann auch noch mal sehr
- 15:56emotional und sehr klar. Er sagt, er verachtet diese
- 15:59Formate, warum, weil sie Schmerz für Profit nutzen.
- 16:02Weil sie Stigma zementieren, weil sie Information nur
- 16:05vortäuschen, aber eigentlich Herabschauend fördern und das
- 16:08Schlimmste für ihn, sie missbrauchen das Vertrauen von
- 16:11Menschen in absoluten Notlagen unter dem Deckmantel des
- 16:14Journalismus, die Bezahlung ein paar Euro oder ein Kasten Bier
- 16:18für die Seele, wie er schreibt, ist für ihn der Gipfel der
- 16:22Ausbeutung. Das ist eine harte, aber
- 16:24nachvollziehbare Anklage. Seine Kernbotschaft ist eben.
- 16:28Echte Aufklärung zeigt Ursachen Trauma, Systemfehler und
- 16:33Lösungen, Therapie, Mindset. Sie reicht die Hand, statt
- 16:37Nachzutreten. Ein wichtiger Unterschied.
- 16:40Und sein finaler Appell ist dann auch wirklich
- 16:42unmissverständlich. Hört auf, in den Zoo zu gehen,
- 16:45fangt an, die Menschen zu sehen und fangt an, die Sender zu
- 16:48fragen, was ihr verdammter Auftrag eigentlich ist.
- 19:13Und das Schlimmste für ihn, sie missbrauchen das Vertrauen von
- 19:17Menschen in absoluten Notlagen unter dem Deckmantel des
- 19:21Journalismus. Die Bezahlung ein paar Euro oder
- 19:24ein Kasten Bier für die Seele, wie er schreibt, ist für ihn der
- 19:27Gipfel der Ausbeutung. Das ist ne harte, aber
- 19:30nachvollziehbare Anklage. Seine Kernbotschaft ist eben
- 19:34echte Aufklärung zeigt Ursachen, Trauma, Systemfehler und
- 19:38Lösungen, Therapie, Mindset. Sie reicht die Hand, statt
- 19:42Nachzutreten. Ein wichtiger Unterschied.
- 19:45Und sein finaler Appell ist dann auch wirklich
- 19:47unmissverständlich. Hört auf, in den Zoo zu gehen,
- 19:50fangt an, die Menschen zu sehen und fangt an, die Sender zu
- 19:54fragen, was ihr verdammter Auftrag eigentlich ist.
- 19:57Fördere ich damit Verständnis und würde oder bediene ich am
- 20:01Ende eine Industrie, die auf Kosten von Menschen Quote?
- 20:04Macht genau diese Frage sollten wir uns stellen.
- 20:07Und wenn dir, liebe Hörerin, lieber Hörer, diese tiefgehende
- 20:10Auseinandersetzung jetzt gefallen hat, wenn du die Arbeit
- 20:14von Nelix Berlin wertvoll findest, dann würde sich Gabriel
- 20:17riesig über deine Unterstützung freuen.
- 20:19Du kannst Gabriel helfen, indem du diesen Beitrag oder eben
- 20:23diese Vertiefung hier auf Social Media teilst oder indem du uns
- 20:26auf Plattformen. Und wie Spotify oder Apple
- 20:28Podcast bewertest und Likest, das hilft ungemein.
- 20:31Jede Unterstützung zählt. Absolut.
- 20:34Das Projekt Nilix Berlin wird nämlich komplett allein von
- 20:37Gabriel finanziert und erstellt jede Form der Unterstützung
- 20:41hilft ihm dabei, mit diesem Projekt sich selbst und
- 20:43gleichzeitig anderen Betroffenen zu helfen.
- 20:45Das ist beeindruckend. Sein persönliches Motto, das ihn
- 20:49antreibt, ist aus allem schlechten in seinem Leben etwas
- 20:53Gutes zu machen. Ein starker Antrieb.
- 20:56Zum Schluss vielleicht noch ein Gedanke für dich zum Mitnehmen.
- 20:59Wo schauen wir im Alltag vielleicht selbst manchmal eher
- 21:02sensationslüstern hin, statt wirklich verstehen zu wollen?
- 21:06Hm. Eine gute Frage zur
- 21:08Selbstreflexion. Ja, und wo könnten wir
- 21:10vielleicht anfangen, genauer hinzusehen?
- 21:13Mal nach den Geschichten hinter den Fassaden zu fragen und der
- 21:15Empathie eine echte Chance zu geben.
- 21:18Darüber nachzudenken lohnt sich sicher.
- 21:20Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen und zugehört hast.
- 21:23Pass gut auf dich auf und bis zum nächsten Mal.
- 21:26Tschüss und alles Gute.