Latest / Schwarze Akte - True Crime / #316 Miete für eine Leiche - Die japanische Geisterwohnung
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- Diese Episode enthält explizite Details über einen wahren Kriminalfall. Weitere Infos in der Folgenbeschreibung. Fahles Licht fällt durch die leicht zugezogenen Vorhänge ins Wohnzimmer. Im Strahl der Sonne tanzen Staubkörnchen in der Luft. An den Wänden hängen Fotos einer japanischen Familie. Eine junge, normschöne Frau mit schulterlang schwarzen Haaren strahlt gemeinsam mit einem etwas älter wirkenden Mann mit Brille in die Kamera. Auf dem Schoß des Mannes sitzt ein kleiner Junge. Der trägt eine blaue Latzhose. Eine gelb-blaue Käppi hängt etwas schief ins Gesicht. Auf dem Wohnzimmertisch steht noch eine angefangene Miso-Suppe. Daneben liegen ein Löffel und ein aufgeschlagenes Rezeptbuch. Vollgeschrieben, fein säuberlich mit japanischen Schriftzeichen. Vor dem Tisch, auf dem Teppich, liegen Spielsachen verstreut. Ein Stapelturm, ein Kinder-Keyboard und ein Hello Kitty-Kuscheltier. Daneben eine kleine gelbe Rutsche aus Plastik. Der Kalender an der Wand zeigt ein Disney-Weihnachtsmotiv mit Minnie und Mickey Mouse, Daisy, Donald und Goofy. Es ist der November 1999. Der Datumsschieber steht auf Samstag, den 13. November. Für drei Tage später ist ein geplanter Familienausflug dick umrandet. Es soll an den Biwa-See gehen, den größten See Japans. Das hier scheint eine Wohnung zu sein, in der eine junge Familie glücklich zusammenlebt und gemeinsam Pläne schmiedet. Doch das ist leider ein Trugschluss. Das Jahr 1999 ist schon lange vorbei. Wir schreiben inzwischen das Jahr 2026. Mehr als 25 Jahre lang hat in dieser Wohnung niemand mehr gelebt. Es wirkt, als wäre die Zeit hier einfach stehen geblieben. Kaum einer würde vermuten, was sich unter der grauen Plastikplane im Eingangsbereich des Apartments befindet. Schuhabdrücke. Blutige Schuhabdrücke. Wild durcheinander. Als wäre jemand auf der Stelle getreten und hätte dabei immer wieder die Richtung gewechselt. An den Wänden im Flur sind bei genauerem Hinsehen braune, getrocknete Blutspritzer zu erkennen. Der Wohnzimmerteppich schimmert leicht bräunlich in der Sonne. Diese Wohnung ist nicht mehr das Zuhause einer liebevollen Familie. Sie ist der Schauplatz eines grausamen Verbrechens. Und damit ganz herzlich willkommen zu einer neuen Folge der schwarzen Akte, wie immer mit Anne Lippmann. Und mit Patrick Strohbusch. Hallo, schön, dass ihr uns heute wieder zuhört. Und der Fall, um den es heute geht, ist ein eher stilles Verbrechen, das damals in Japan erstmal für keine großen landesweiten Schlagzeilen sorgt. Ganz anders als heute. Dazu aber später mehr. Erst einmal reisen wir zurück in das Jahr 1999. Es ist das letzte Jahr vor dem Millennium. In Deutschland ziehen der Bundestag und die Regierung offiziell von Bonn nach Berlin. Der Euro wird als Buchgeld in elf EU-Staaten eingeführt, ein Meilenstein in Richtung europäische Einheit. In Russland übergibt Boris Jelzin einem damals im Westen noch relativ unbekannten Ex-KGB-Mann die Amtsgeschäfte, Wladimir Putin. Das Handy avanciert vom reinen Business-Gerät zu einem Massenphänomen. Das Nokia 3210 kommt auf den Markt. Ab jetzt tippt jeder SMS oder spielt Snake. Es ist der Beginn der SMS-Ära in Deutschland. Unter Filmwissenschaftlern gilt das Jahr 1999 als eines der besten Kinojahre der Geschichte. Das liegt an den Blockbustern, die wir bis heute kennen. Matrix, Fight Club, American Beauty, Sixth Sense, das Blair Witch Project sowie der Start der Neuverfilmung der Star Wars-Reihe. Musikalisch haben die 90er auch jede Menge zu bieten. Mit dem Sommerhit Mambo No. 5 dominiert Lou Beger wochenlang die deutschen Charts. In den Radios laufen abwechselnd Britney Spears und die Backstreet Boys. Eiffel 65 nerven und faszinieren gleichzeitig mit ihrem Hit Blue, der bis heute in Clubs und Strandbars gespielt wird. In diesem Jahr beginnt in Japan mit der Einführung von iMode die Ära des mobilen Internets. Was für uns heute völlig normal ist, ist damals aber ein Meilenstein. Plötzlich kann man E-Mails unterwegs vom Handy schreiben und im Internet surfen. Die Japaner lieben nach wie vor ihre Karaoke-Boxen und Pokémon. Modisch gesehen ist der sogenannte Ganguru-Style auf dem Höhepunkt. Extrem gebräunte Haut, weiß geschminkte Lippen, gebleichtes Haar. Das ist eine bewusste Provokation gegen das traditionelle Schönheitsideal in Japan, wo helle Haut lange als besonders schön gilt. Junge Männer tragen weite Baggy-Hosen im Skater-Look, genauso wie in Europa auch. Jungere Frauen sieht man in kurzen Faltenröcken mit lose heruntergezogenen Socken. Absoluter Trend damals sind Handy-Charms. Das sind diese kleinen Anhänger in Form von Plüschfiguren, glitzernden Strasssteinchen, Glücksbringern oder sogar Minifotorahmen. Das Jahr 1999 bringt aber nicht nur gute Laune-Hits und teilweise fragwürdige Modetrends, sondern vor allem in Japan noch etwas anderes. Es ist bereits November 1999, als in der Stadt Nagoya ein unfassbares Verbrechen geschieht, das das Land noch jahrzehntelang in Atem halten wird. Nagoya ist die viertgrößte Stadt Japans und der Verwaltungssitz der japanischen Präfektur Aichi, direkt am Pazifik. Eine Präfektur ist übrigens eine Art regionale Verwaltungseinheit in Japan, die man grob mit einem deutschen Bundesland vergleichen kann. Nagoya liegt 350 Kilometer von Tokio entfernt. Hier leben 1999 rund zwei Millionen Menschen. So wie Namiko und Satoru. Namiko ist 32 Jahre alt. Freunde aus ihrer Schulzeit beschreiben sie als fröhliche und tüchtige Frau mit Stil. Für sie ist Familie alles. Sie gilt als freundlich und versteht sich gut mit Freunden und Nachbarn. Eine Kollegin von ihr erwähnt in einer Doku, sie könne sich nicht erinnern, dass Namiko jemals mit irgendjemandem Streit gehabt hätte. Namikos Eltern trennen sich, als sie in der Mittelschule ist. Danach lebt sie gemeinsam mit ihrer jüngeren Schwester bei ihrer Mutter. Zu ihrer Mutter hat Namiko wahrscheinlich auch deswegen eine enge Beziehung. Freunde bezeichnen sie gern auch mal als Mama-Kind. Nach der Schule hilft sie ihrer Mutter oft in deren Isakaya aus. Das ist eine japanische Gaststätte, eine Mischung aus Restaurant und Pub. Nach ihrem Abschluss an der Handelsschule von Nagoya entscheidet sich Namiko gleich ins Berufsleben einzusteigen. Zunächst arbeitet sie als Zahnarzthelferin, bevor sie schließlich in der Immobilienbranche landet. Hier lernt sie ihren Mann Satoru kennen, ihren damaligen Vorgesetzten. Satoru ist elf Jahre älter als Namiko, doch die beiden kommen sich schnell näher und verlieben sich. Im Juli 1995 heiraten die beiden. Für Satoru ist es bereits die zweite Ehe. Nach der Hochzeit hört Namiko auf zu arbeiten und wird Hausfrau. Zwei Jahre später bekommt das Paar einen Sohn. Sie nennen ihn Kohei. Er wird der Mittelpunkt von Namikos Leben und ihr ganzer Stolz. In einem Tagebuch hält sie alltägliche Ereignisse und wichtige Meilensteine im Leben von Kohei fest. Zum Beispiel, er kann sich jetzt hochziehen und selbstständig stehen. Oder Kohei hat heute seine ersten Schritte gemacht. Namiko liebt es, Familienfotos zu machen und jedes einzelne davon sorgfältig in ihr Fotoalbum zu kleben. In der Hoffnung, diese Momente für die Ewigkeit festzuhalten. Dass diese Fotoalben die einzige Erinnerung sein werden, die ihr Sohn an seine Mutter haben wird, das ahnt sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Am Morgen des 13. November 1999 bereitet Namiko gerade das Frühstück in ihrer kleinen Küche vor, während Satoru sich für die Arbeit fertig macht. Auch wenn es ein Samstag ist, denn Satoru arbeitet sechs Tage die Woche, um seine Familie zu ernähren. Als die beiden am Tisch sitzen, erzählt Namiko ihrem Mann von ihren Plänen. Ihrem Sohn geht es seit ein paar Tagen nicht so gut und jetzt hat er auch noch Fieber bekommen. Namiko beschließt also, nach dem Frühstück die nahegelegene Kinderklinik aufzusuchen. Saturo kostet die gemütliche Zeit mit seiner Familie heute noch ein bisschen länger aus. Er verlässt erst gegen 9 Uhr das Haus, statt wie gewöhnlich um halb neun. Nachdem Saturo das Haus verlassen hat, klopft Namiko bei einer Freundin, die im dritten Stock lebt. Die beiden kennen sich aus einer Müttergruppe aus der Nachbarschaft. Der Mann ihrer Freundin hat versprochen, die Stoßstange ihres neuen roten Toyota Kami zu reparieren. Das Auto hat die Familie erst einige Wochen zuvor gekauft. Namiko fragt, ob der Mann die Schlüssel für die Reparatur benötige. Sie erzählt ihrer Freundin auch, dass sie mit ihrem Sohn Kohei zum Arzt gehen wolle, da er Fieber habe. Nach dem Gespräch macht sich Namiko also gemeinsam mit Kohei auf den Weg zur Kinderklinik, so kurz nach neun. Die Klinik liegt rund 700 Meter südöstlich von ihrem Apartmenthaus entfernt. Ein einfacher Fußmarsch von knapp zehn Minuten. Um halb zehn klingelt ein Paketbote an Namikos und Sartorus Tür. Doch niemand öffnet. Der Mann hinterlässt eine kurze Notiz an der Tür und verschwindet wieder. Um 11.10 Uhr kommen Namiko und Kohei laut Aufzeichnungen des Krankenhauses in der Keto-Kinderklinik an. Was Namiko in den zwei Stunden gemacht hat, die zwischen dem Verlassen der Wohnung und dem Eintreffen an der Klinik liegen, ist nicht bekannt. Eine gute halbe Stunde später sieht ein Nachbar die beiden wieder zurückkommen. Der arbeitet gerade an seinem Auto auf dem Parkplatz. Namiko geht mit Kohei an ihm vorbei und anschließend ins Haus. Sie wirkt wie immer, doch sie grüßt ihn nicht. Das passt eigentlich gar nicht zu Namiko. Der Nachbar wird der letzte Mensch sein, der Namiko lebend sieht. Zwischen halb eins und 14 Uhr ruft die Freundin aus dem dritten Stock noch ganze drei Mal auf Namikos Festnetztelefon an. Doch niemand geht ran. Am Nachmittag des gleichen Tages, gegen halb drei, dreht die Frau des Vermieters eine Runde durchs Apartmenthaus. Sie hat gerade frische Karkis geerntet und die Früchte anschließend fein säuberlich in kleine Tütchen verpackt. Zu den meisten Mietern hier pflegt sie ein freundschaftliches Verhältnis. Deswegen geht sie mit den Früchten von Tür zu Tür und verteilt sie an jede der insgesamt sechs Wohnungen in dem dreistöckigen Gebäude. Sie startet im dritten Stock. Nach einem kleinen Plausch mit einem Mieter geht sie runter in den zweiten Stock, in dem auch Namiko und Saturo wohnen. Die Tür zu ihrem Apartment Nummer 201 steht einen kleinen Spalt offen. Von außen kann die Frau den dunklen, langen Flur erahnen, von dem alle Zimmer links und rechts abzweigen. Sie kann auch ein dumpfes, blechernes Lachen vernehmen. Das Geräusch scheint aus dem Fernseher zu kommen. Sie will aber nicht einfach in die Wohnung gehen, sondern ruft erstmal durch den Spalt nach Namiko. Sie wartet noch kurz, doch sie kann keine Schritte hören. Kurz wundert sie sich. Namiko scheint ja zu Hause zu sein, wenn der Fernseher läuft. Sie ruft also noch einmal und wartet wieder kurz ab. Sie nimmt an, dass Namiko wohl geradezu beschäftigt ist, um an die Tür zu kommen. Also hängt sie die Tüte mit den Karkis einfach an den Türknauf. Das Gewicht der Früchte drückt die Tür noch ein kleines Stückchen weiter auf. Der Spalt wird größer, genauso wie die Augen der Frau. Ihr Herz beginnt schneller zu schlagen, ihr Mund wird ganz trocken. Sie kann im ersten Moment gar nicht einsortieren, was genau sie da sieht. Sie erkennt kleine, rote Flecken auf dem Boden im Eingangsbereich. Im Verlauf des Flurs scheinen die noch größer und zahlreicher zu werden. Sie richtet ihren Blick weiter nach oben und sieht regungslose Beine aus der Wohnzimmertür ragen. Die rote Spur führt direkt dorthin. Drei Meter vom Eingang entfernt liegt Namiko, an der Schwelle zwischen Wohnzimmer und Flur, auf dem Bauch. Ihr Oberkörper befindet sich noch im Zimmer, die Beine im Flur. Ihr Kopf ist nach rechts gedreht. Die Brille, die sie getragen hat, ist seitlich heruntergerutscht. Namiko trägt ein Sweatshirt und eine blaue Jeans. Ihre linke Hand deutet mit der Handfläche nach oben zur Decke. An ihrer Stirn auf der linken Seite ist eine deutliche Beule zu erkennen und um sie herum eine Lache aus Blut. Die Frau des Vermieters gerät in Panik. Wild suchen schaut sie sich um. Es scheint sonst niemand in der Wohnung zu sein. Doch wo ist der kleine Junge? Angst erfüllt tastet sich die Frau den Flur entlang und wirft vorsichtig einen Blick ins Wohnzimmer. Das Wohnzimmer ist über einen Durchgang mit der Küche verbunden. Und dort, am Küchentisch, sitzt Kohei in seinem Hochstuhl. Er spielt seelenruhig mit einem Spielzeug. Mit einem tiefen Säufzer stößt die Frau die Luft aus, die sie bis gerade eben noch angehalten hat. Gott sei Dank scheint das Kind unverletzt zu sein. Im Fernsehen läuft gerade eine Unterhaltungsshow namens It's Okay to Laugh, Es ist Okay zu Lachen. Der Kontrast zwischen dem scheppernden Lachen im TV und der tödlichen Stille der Wohnung brennt sich tief in das Gedächtnis der Frau ein. Und falls ihr euch gerade wundert, warum wir den Namen der Frau nicht sagen, die Namiko findet, dieser wird in den japanischen Medien, die über den Fall berichten, nicht genannt. In Japan ist das durchaus üblich. Privatpersonen, die mit dem Fall nichts direkt zu tun haben, werden bewusst anonymisiert, um ihre Privatsphäre zu schützen. Kurze Zeit, nachdem die Frau des Vermieters Namiko gefunden hat, erhält Saturo einen Anruf auf der Arbeit. Hier sind sich die Quellen jetzt nicht ganz einig. Einige sagen, dass die Frau des Vermieters ihren Mann informiert hat, der daraufhin Saturo anruft. Andere sagen, dass Namikos Freundin aus dem dritten Stock ihn angerufen hat. Der Inhalt aber bleibt der gleiche. Ihm wird gesagt, seine Frau sei zusammengebrochen. Er solle sofort nach Hause kommen, der Notruf sei bereits verständigt. In Saturo steigt sofort ein beklemmendes Gefühl auf. Namiko ist selten krank und heute Morgen hat sie doch alles andere als kränklich gewirkt. Saturo lässt sofort seine Arbeit im Immobilienbüro liegen und fährt nach Hause. 15 Minuten nach dem Anruf erreicht er das Apartmenthaus im Stadtteil Nishiku. Vor dem Haus parken bereits ein blinkender Rettungswagen und mehrere Polizeiautos. Einige Nachbarn schauen neugierig auf den ganzen Trubel. Als Satoru seine Wohnung betreten will, wird er zurückgehalten. Die Sanitäter informieren ihn, dass sie von einem unnatürlichen Tod ausgehen. Satoru ist geschockt und kann im ersten Moment keinen klaren Gedanken fassen. Er ist davon ausgegangen, dass Namiko in ein Krankenhaus gebracht werden würde. Satoru und die Nachbarn müssen draußen warten, während die Ermittler den Tatort untersuchen, um herauszufinden, was genau sich im Apartment 201 abgespielt hat. Laut einer Doku fragt Satoru einen der Forensiker, was überhaupt los sei. So erfährt er, dass Namiko zahlreiche Stichverletzungen im Heizbereich von einem Messer aufweist. Erst jetzt wird ihm klar, dass seine Frau ermordet worden ist. Die Autopsie später ergibt, dass Namiko auch an den Stichverletzungen im Halsbereich gestorben ist. Diese haben ihre Halsschlagader durchtrennt. Das erklärt auch die große Menge an Blut. Die Beule an der Stirn und Abwehrverletzungen an ihren Händen deuten darauf hin, dass sie noch versucht hat, sich gegen den Angreifer zu verteidigen. Laut dem Bericht der Forensiker ist Namiko zwei bis drei Stunden vor dem Auffinden durch den Blutverlust gestorben. Die Ermittler schätzen also, dass die junge Mutter zwischen 11.40 Uhr und 12.30 Uhr getötet wurde. Eine japanische Zeitung berichtet, wie erschüttert die Beamten über die Brutalität des Angriffs sind. Das Jahr 1999 fällt zwar in die Phase, in der die Kriminalität in ganz Japan einen historischen Nachkriegshöchststand erreicht, doch meist geht es dabei um Diebstähle. Ein Gewaltverbrechen dieses Ausmaßes ist eher selten. Auch für so eine bevölkerungsreiche Stadt wie Nagoya. Namiko wird gezielt in den Hals gestochen. Nicht etwa in die Brust oder andere Körperteile. Das zeigt, dass sie auf jeden Fall sterben sollte. Die japanische Polizei beginnt sofort mit der Spurensicherung vor Ort. Überall sind die Spuren des Kampfes zwischen Namiko und dem Täter sichtbar. Möbel sind umgeworfen, Gegenstände aus dem Haushalt über den Boden verteilt, ein Staubsauger liegt achtlos im Flur. Allerdings hat der Täter keine Wertgegenstände mitgenommen. Deswegen schließt die Polizei einen Raubüberfall schnell aus. Doch was ist dann der Grund für diesen heimtürkischen Angriff? Ein erstes, eher ungewöhnliches Beweisstück entdeckt die Polizei in der Küche. Auf dem Tisch steht neben einer Schüssel kalter Miso-Suppe eine halbvolle Packung eines probiotischen Getränks von Yakult namens Miel-Mil-I. Seltsamerweise ist das Loch für den Strohhalm zwar durchgestochen, es scheint aber nicht mit einem Strohhalm getrunken worden zu sein. Vielleicht, weil der Angreifer keine Spuren hinterlassen wollte. Auf dem Boden im Eingangsbereich der Wohnung, also auch vor der Tür, entdeckt die Spurensicherung später noch kleine Mengen des Getränks, so als wäre es ausgespuckt oder verschüttet worden. Satoru gibt bei der Vernehmung später an, dass der Drink am Morgen definitiv nicht im Haus gewesen sei und die Familie dieses Getränk nie kauft. Noch dazu ist diese spezielle Geschmacksrichtung eher für Erwachsene und nicht für Kinder gedacht. Also hat Namikos vermutlich auch nicht für ihren Sohn Kohei gekauft. Die Ermittler verfolgen die Seriennummer auf der Packung QBAY14 und stellen fest, dass das Getränk in der Präfektur Aichi produziert worden ist. In Aichi befindet sich ja auch die Stadt Nagoya. Allerdings wird das Produkt ausschließlich im Gebiet Nishimikawa verkauft. Das liegt mehr als 30 Kilometer südöstlich des Tatorts. Die Polizei vermutet also, dass der Täter das Getränk selbst mitgebracht haben muss. Vielleicht hat er es vor dem Angriff auf Namiko getrunken oder womöglich sogar in aller Seelenruhe danach. Doch wenn der Angreifer das Getränk wirklich selbst mitgebracht hat, muss er auch in der Küche gewesen sein. Und es gibt nur zwei mögliche Wege dorthin. Entweder durch eines der Tatami-Zimmer, so bezeichnet man die Schlafzimmer in Japan, oder der Täter hätte über den Körper von Namiko steigen und über das Wohnzimmer in die Küche gelangen können. Kurzer Einschub dazu. Tatami sind übrigens traditionelle Bodenmatten aus gepresstem Reisstroh und Binsengras. Auf ihnen rollen die Japaner ihre Futonmatten zum Schlafen aus. Das Problem ist, sowohl im Tatami-Zimmer als auch im Durchgangsbereich des Wohnzimmers findet die Polizei kein Blut. Womöglich ist der Angreifer zunächst in friedlicher Absicht gekommen und erst danach kommt es zum Streit. Die Polizei irritiert jedoch, dass sie keine Mordwaffe findet. Laut japanischen Medienberichten gehen die Ermittler davon aus, dass der Angreifer das Messer selbst mitgebracht hat. Denn im Haushalt der Familie fehlen keine Messer. Das wiederum könnte für eine geplante Tat sprechen. Am Ende rekonstruiert die Polizei den Tathergang so. Namiko hat gerade die Wohnung gestaubsaugt, als es klingelt. Die Person an der Tür scheint kein Argwohn bei ihr geweckt zu haben. Denn ihr Mann Satoru beschreibt später, dass Namiko bekanntlich sehr vorsichtig gewesen sei, wem sie die Tür aufmacht. Wenn jemand an ihrer Haustür klingelt, wirft sie entweder einen prüfenden Blick durch das Küchenfenster, das zur Eingangstür hinausgeht, oder schaut durch den Türspion. Und die Tür zeigt keine Anzeichen eines gewaltsamen Eindringens. Die Ermittler gehen also davon aus, dass Namiko der Person zunächst einmal vertraut hat. Anhand der Blutspuren vermuten sie, dass Namiko als erstes im Badezimmer angegriffen wurde, das gegenüber vom Wohnzimmer liegt. Sie muss sich gewehrt und um ihr Leben gekämpft haben. Danach hat sie sich vermutlich über den Flur in Richtung Wohnzimmer und der dahinterliegenden Küche geschleppt, in der sich ihr zweijähriger Sohn befunden hat. Wahrscheinlich in einem letzten verzweifelten Versuch, ihr Kind zu beschützen, bevor sie dann zusammenbricht. Die Blutspuren, die die Ermittler im Apartment finden, erzählen aber nicht nur Namikos Geschichte, sondern auch die des Täters. Eine Blutspur führt von Namikos Körper zum Waschbecken im Badezimmer gegenüber. Weitere finden sie vor der Haustür und auf der Treppe. Noch am Tatort bestimmen die Forensiker die Blutgruppen der gesicherten Spuren und kommen zu einem überraschenden Ergebnis. Das Blut stammt tatsächlich gar nicht nur von Namiko, sondern auch von einer weiteren Person, dem Angreifer. Als sie sich wehrt, ist es Namiko scheinbar gelungen, den Täter zu verletzen. Der Bluttest des fremden Blutes ergibt später, der Täter ist gar kein Täter, sondern eine Täterin. Sie hat die Blutgruppe B. Und das ist gerade mal bei etwa 20% der japanischen Bevölkerung der Fall. Einen zweiten Hinweis geben blutige Schuhabdrücke im Eingangsbereich. Es sind mehrere wild durcheinander und auf einem Fleck. Sie haben eine Länge von jeweils 24 Zentimetern. Das entspricht in etwa Schuhgröße 38. Noch dazu handelt es sich um Absatzschuhe. Die Ermittler sind sich jetzt sicher. Sie suchen also nach einer Frau. Die Vermutung der Polizei ist später, dass die Angreiferin scheinbar noch kurz gewartet hat, bevor sie die Wohnung verlassen hat. Möglicherweise hat sie sogar durch den Türspion geschaut, um zu prüfen, ob die Luft rein ist und keiner der Nachbarn sie sehen kann, bevor sie die Tür öffnet und flieht. Dafür spricht auch, was die Nachbarn später aussagen, dass nämlich irgendwann zur Mittagszeit zwischen 12 und 13 Uhr laute Geräusche aus der Wohnung im zweiten Stock zu hören waren. Es klang so, als würde Namiko Möbel verrücken. Kurz darauf können sie durch die geschlossenen Türen Schritte im Treppenhaus vernehmen, so als würde jemand die Treppe hinunter hasten. Die Forensiker vor Ort gehen davon aus, dass die Täterin versucht habe, ihre Verletzungen im Badezimmer zu säubern. Doch die Blutung hat nicht aufgehört. Möglicherweise ein Hinweis darauf, dass es sich um eine schwere Verletzung handelt. Sie vermuten einen Schnitt in der Vene. Das wäre eine Blutung, die sich nicht von selbst stoppen lässt und womöglich zur Täterin führen könnte. Zusammen mit zwei Spürrunden verfolgen die Ermittler die Blutspur von der Wohnung aus. Und tatsächlich, alle paar Meter finden sie einige Bluttropfen auf dem Asphalt. In einem seltsamen Zickzackmuster zieht sich die Spur durch das verwinkelte Wohngebiet, über Nebenstraßen, vorbei an Wohnhäusern und Tempeln, bis zum Inno-Park, gute 500 Meter vom Apartmenthaus entfernt. Dort endet die Spur abrupt. Als die Polizei den Park durchkämmt, entdeckt sie Blut an einem öffentlichen Wasserhahn im Park. Es scheint, als ob die Täterin erneut versucht habe, ihre Wunde zu waschen, womöglich in der Hoffnung, die Blutung zu stillen. Doch wenn eine stark blutende Person mitten am helligsten Tag durch eine belebte Nachbarschaft flüchtet, muss sie doch von irgendwem bemerkt worden sein. Da das Apartment der Familie in einem dicht besiedelten Wohngebiet liegt, startet die Polizei unmittelbar nach der Tat mit Befragungen der Nachbarschaft. Und es melden sich sogar zwei Augenzeugen, die am Tattag eine verdächtige Person gesehen haben. Gegen 12.15 Uhr fällt einer Zeugin eine Frau an der südöstlichen Grenze des Ino-Parks auf, die ihre linke Hand mit der rechten festhält, während sie ein stark blutdurchtränktes Tuch gegen ihren Körper drückt. Das Gesicht sei angespannt, fast schmerzverzerrt gewesen, so beschreibt die Zeugin die Verdächtige später in ihrer Aussage. Für den Weg bis zu dieser Stelle braucht man von der Wohnung der Familie in etwa 7 bis 10 Minuten zu Fuß. Das würde bedeuten, Namiko wäre gegen Mittag getötet worden. Nur fünf Minuten später, gegen 12.20 Uhr, da sieht ein Mann, der in einem Auto unterwegs ist, vermutlich dieselbe Frau. In der Nähe des Shotokuchi-Tempels, etwa 400 Meter von der Stelle entfernt, die die erste Augenzeugin angegeben hat. Die Täterin soll dort am Straßenrand gestanden und kurz gezögert haben, die Straße zu überqueren. Erst als der Mann anhält, geht sie rüber. Auch er nimmt wahr, wie die Frau eine scheinbar verletzte Hand an die Brust hält. Doch dann verliert sich ihre Spur. Einer der Ermittler, Detektiv Aitoku, erinnert sich in einem Interview, dass sie keine weiteren Blutstropfen mehr gefunden haben. Wohin ist die Frau also verschwunden? Wieso hören die Blutspuren so plötzlich auf? Die Ermittler stehen vor einem Rätsel. Hat jemand die Frau mitgenommen oder abgeholt? Hat sie sich versteckt? Etwa zehn Meter von der Stelle entfernt, an der die Verdächtige verschwunden ist, befindet sich eine Wohnsiedlung. Die Polizei durchsucht also dort die Umgebung. Sie befragt Anwohner, überprüft Krankenhäuser und Apotheken, doch sie findet keine Verdächtige, auf die die Beschreibung der beiden Zeugen passt. Doch immerhin lässt sich aus den Aussagen ein ziemlich genaues Profil der Täterin erstellen. Die Verdächtige ist weiblich, zwischen 40 und 50 Jahre alt und ungefähr 1,60 groß. Sie hat schwarzes, schulterlanges Haar, vermutlich eine Dauerwelle. Wie die Spuren an der Wohnung beweisen, hat sie Blutgruppe B und Schuhgröße 38. Die Verletzung, die sie beim Kampf erlitten hat, müsste auffällig sein und zumindest eine sichtbare Wunde hinterlassen haben. Ein Phantombild wird erstellt, jedoch nicht veröffentlicht. Auch das ist in Japan nicht unüblich. Meist geschieht das aus ermittlungstaktischen Gründen. Zum Beispiel, um den tatsächlichen Täter nicht zu warnen, während noch im Bekanntenkreis des Opfers ermittelt wird. Die Polizei zeigt den Anwohnern in der Gegend das Phantombild mehrmals. Doch niemand erkennt die Frau. Nach dem Mord an Namiko zieht Saturo mit seinem Sohn zu seinen Eltern nach Minato in Nagoya. Der Stadtteil liegt gute 20 Minuten Fahrt von seiner alten Wohnung entfernt. Um seinen Sohn und sich über Wasser zu halten, kehrt Satoru in seinen Immobilienjob zurück. Er trauert, ist gleichzeitig aber auch wütend. Zwei Monate nach Namikos Tod beschließt er, sich auf seinen Sohn zu fokussieren, sein Leben neu auszurichten und nach vorne zu blicken. Und entscheidet sich zu einem wirklich ungewöhnlichen Schritt, der für den Fall noch eine große Relevanz haben wird. Satoru behält nämlich die alte Wohnung, in der er mit Namiko und Kohei so glücklich war. Und er bezahlt weiterhin die Miete. Jeden Monat. 50.000 Yen. Das sind 1999 umgerechnet in etwa 410 Euro. In einem Interview erzählt er, wie er anfangs zwei- bis dreimal die Woche dorthin fährt. Immer wieder nimmt er sich vor, zu putzen und die Spuren des 13. November 1999 zu beseitigen. Aber er bringt es nicht übers Herz. Seufzend sitzt er dann inmitten von Namikos alten Sachen und erinnert sich daran, welchen hohen Wert sie für seine verstorbene Frau gehabt haben. Die CDs ihrer Lieblingskünstlerin, ihre handgeschriebene Rezeptsammlung, ihre Alben mit den glücklichen Familienfotos. Ein paar von den Fotos haben wir euch in den Schaunouts verlinkt. Noch immer hängt Namikos rotkarierte Jacke, die sie so gerne über dem Pyjama getragen hat, an einem Stuhl. Sechs Monate nach dem Verbrechen gibt Saturo sein erstes Interview. Er zeigt sich kämpferisch. Er ringt mit der Fassung, aber er macht auch eine Ansage an die Täterin. Er werde nicht öffentlich trauern und weinen, sonst würde er der Mörderin genau das geben, was sie will. Er sagt, Zitat, Meine Frau wurde vielleicht getötet, aber ich werde daraus eine Geschichte machen, in der ich mich nicht unterkriegen lasse. Dabei scheint es ihm auch egal zu sein, wie lange diese Geschichte am Ende dauern wird. Währenddessen ermittelt die Polizei in verschiedene Richtungen. 100.000 Polizeibeamte werden in der gesamten Region eingesetzt, mehr als 5.000 Personen über die Jahre einzeln befragt. Eine erste Spur, die die Beamten verfolgen, sind die blutigen Schuhabdrücke im Eingangsbereich der Wohnung. Sie passen zu einem in Südkorea serienmäßig hergestellten Damschuh mit Absatz, wie eine Doku berichtet. Die Länge von 24 cm entspricht ja in etwa Schuhgröße 38. Vier Schuhmodelle können mit dem Abdruck der Sohle in Verbindung gebracht werden. Doch bis 1999 sind rund 7000 solcher Paare an Supermärkte und Kaufhäuser in der Region ausgeliefert worden. Die Ermittler sind quasi auf der Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Werbung. Werbung Ende. Ein Jahr nach der Tat sagt Namikos mittlerweile dreijähriger Sohn Kohai in einem Familienvideo, dass seine Mutter mit einer Frau gestritten habe, die er nicht kannte und dass sie gestorben ist. Ein weiteres Jahr später, da ist Kohai vier Jahre alt, da behauptet er gegenüber seinem Vater, dass die Frau, mit der Namiko gestritten habe, eine Frau aus dem Supermarkt gewesen sei. Saturo informiert natürlich sofort die Polizei und die Beamten gehen auch der Spur nach, doch zum einen gibt es viele Supermärkte in der Gegend und zum anderen beruhen die Aussagen auf der Aussage eines Vierjährigen. Die Beamten können den Verdacht also nicht bestätigen. Als Erwachsener sagt Kohel später aus, er habe gar keine Erinnerung an den Mord oder die Täterin. Doch was ist eigentlich das Motiv für den Mord an Namiko? Darüber sind sich die Ermittler nicht klar. Gibt es jemanden, der sich an Namiko rächen wollte? Ist jemand neidisch auf sie gewesen? Nachdem klar ist, dass der Angriff nicht spontan erfolgt ist, sondern geplant war, konzentrieren sich die Ermittlungen schnell auf das soziale Umfeld der Familie. Immerhin, Namiko hat kurz vor ihrem Tod überall erzählt, wie glücklich sie sei. Sie und Saturo hätten gerade erst den Kaufvertrag für eine neue Wohnung unterschrieben. Sie hatten ein zweites Kind geplant. Sie war glücklich, dass ihre Mutter wieder bei ihr einziehen wollte. So hätte sie bald wieder die Möglichkeit gehabt, arbeiten zu gehen. Fest steht, Namiko hat ihrer Mörderin die Tür scheinbar selbst aufgemacht. Und Erstechen wird ja sehr oft als eine persönliche Methode des Tötens angesehen. Doch das Motiv Rache schließt die Polizei schnell aus. In einem Interview erzählt Satoru, dass die Kommissarin, die ihn befragt, sogar erwähnt, welch guten Ruf seine Familie habe. Niemand scheint einen Groll gegenüber ihm zu hegen. Oder ist das Motiv Eifersucht? Vor Namiko ist Saturi ja mit einer anderen Frau verheiratet gewesen. Doch seine Ex-Frau hält sich zur Tatzeit in der Shizuoka-Präfektur auf, rund 180 Kilometer entfernt. Und laut Polizei hat sie ein Alibi. Sie lässt außerdem bereitwillig ihre Blutgruppe testen, mit dem Ergebnis Blutgruppe 0, nicht Blutgruppe B wie die Täterin. Eine Doku wirft sogar noch eine andere, etwas wilde Theorie in den Raum. Angeblich taucht auch Namikos Mutter auf dem Radar der Ermittler auf. Wie wir euch bereits erzählt haben, hat Namiko mit ihrer Mutter ein sehr enges Verhältnis. Nur wenige Wochen vor dem Mord an ihrer Tochter beschließt Namikos Mutter von Hokkaido zurück nach Nagoya zu Namiko und Satoru zu ziehen. Das war im Oktober 1999. Namiko und Satoru bringen sogar schon mal ihren Namen am Briefkasten an, damit ihre Post schon jetzt bei ihnen ankommt. Das sieht man auch auf Videoaufnahmen in der Doku. Jetzt müssen wir ein bisschen in der Zeit zurückspringen, um hier ein mögliches Motiv zu verstehen. Zurück in das Jahr 1996, ein Jahr nach der Hochzeit von Namiko und Satoru. Laut der Doku hätte Satoru im Radio gehört, dass Namikos Mutter festgenommen wurde. Der Grund dafür sei der Verdacht auf ein Verstoß gegen das Arzneimittelrecht gewesen. Zu dieser Zeit arbeitet die Mutter als Verkäuferin für ein Gesundheitsunternehmen. Der Vorwurf lautete, sie habe angeblich Erfrischungsgetränke mit laktischen Säurebakterien, Kollagen und anderen Inhaltsstoffen verkauft. Sie habe behauptet, das Produkt habe medizinische Eigenschaften. Es könne sogar gegen Krebs helfen. Nach der Durchsuchung des Unternehmens wären Namikos Mutter und zwei weitere Personen festgenommen worden. Nach wenigen Tagen wäre sie jedoch wieder freigelassen und nicht weiter strafrechtlich verfolgt worden. Allerdings muss man dazu sagen, dass die Verhaftung von Namikos Mutter nicht zweifelsrei belegt werden kann. Wenn diese Theorie jedoch wahr wäre, könnte die Täterin dann womöglich eine enttäuschte Kundin von Namikos Mutter gewesen sein? Ihr erinnert euch vielleicht noch an das probiotische Getränk, das auf dem Küchentisch gefunden wurde. Könnte die Angreiferin jemand gewesen sein, dem Namikos Mutter unter Vorspiegelung falscher Tatsachen ein Produkt verkauft hat? Vielleicht hat sie den Namen von Namikos Mutter auf dem Briefkasten der Familie entdeckt. Das würde zumindest zur Aussage einer Augenzeugin passen. Diese wird erst im November 2020, 21 Jahre nach dem Mord, durch ein Fernsehinterview öffentlich bekannt. Die Aussage stammt von einer Nachbarin. Und die sagt aus, dass ihr etwa eine Woche vor dem Mord an Namiko eine Frau aufgefallen sei, die sich seltsam verhalten hat. Zwischen 8.10 Uhr und 8.20 Uhr am Morgen stand sie an der Tür von Namiko und Saturos Wohnung. Ihre Augen wirkten streng, ihre Haare wellig und zerzaust. Sie hat mit Namiko gesprochen. Als die Nachbarin sie grüßt, starrt die fremde Frau sie nur an, anstatt wie in Japan üblich mit einer kurzen Verbeugung zu grüßen. Die Frau hatte eine Art silbernen Koffer dabei, den sie in die Haustür gestellt hat, damit diese nicht zufällt. Die Nachbarin vermutet, dass es eine Kosmetikverkäuferin gewesen sein könnte. Die Beschreibung der fremden Frau ähnelt jedenfalls der möglichen Täterin. Vielen Dank. Hat die Frau die Wohnung damals ausgekundschaftet, sich als Verkäuferin ausgegeben und hat Namiko ihr deswegen so bereitwillig die Wohnungstür geöffnet, weil sie die Frau schon einmal gesehen hat? Die wilden Theorien und Spekulationen über ein mögliches Motiv sind für Satoru keine Hilfe. Er zieht seinen Sohn alleine groß und hat nie wieder geheiratet. Jedes Jahr am 13. November, zum Jahrestag von Namikos Tod, verteilen Satoru und seinen Sohn Flugblätter auf den Straßen von Nagoya. Sie fordern jeden auf, der auch nur die kleinste Information haben könnte, zur Polizei zu gehen. Saturo gibt zahlreiche Interviews. Nicht, weil er Aufmerksamkeit will, sondern weil er versteht, dass der Fall erst dann wirklich kalt ist, wenn die Öffentlichkeit Namiko vergisst. Er bezahlt auch immer noch die Miete für die Wohnung in Nishika. Für ihn hat das Apartment längst nicht mehr nur einen emotionalen Wert. Es ist eine Art Zeuge. Seine Hoffnung ist es, dass wenn er den Tatort so bewahrt, wie er ist, dass bei einer möglichen Festnahme helfen könnte, um neue Hinweise zu finden. Würde er die Wohnung aufgeben, dann würde sie renoviert und anderweitig vermietet werden. Die Spuren der Tat würden für immer verschwinden. Satoru beginnt, Notizbücher zu führen über die Zeit des Vorfalls. Er versucht darin, Einzelheiten des Falles festzuhalten, um keine wichtigen Informationen zu vergessen. Er schließt sich vermutlich Anfang der 2000er einer Organisation namens Sorano Kai an. Übersetzt heißt das in etwa so viel wie Gesellschaft des Himmels. Diese unterstützt Angehörige von Opfern ungelöster Mordfälle in ganz Japan. Satoru wird stellvertretender Generalsekretär und macht gemeinsam mit den anderen Mitgliedern auf ungelöste Fälle aufmerksam. Laut japanischem Recht haben die Ermittler zu dieser Zeit nur 15 Jahre Zeit, um einen Mordfall zu lösen. Danach wird der Fall geschlossen und die Täter können nicht mehr strafrechtlich belangt werden. Für Satoru ist das eine einfache Berechnung. 1999 wird seine Frau ermordet. 2014 würde diese Frist ablaufen. Dann wären all seine Bemühungen, all die Miete, die er über die Jahre gezahlt hat, bedeutungslos. Ganz egal, welche Möglichkeiten die zukünftige Wissenschaft dann haben würde. Also geht er gemeinsam mit anderen Angehörigen an die Öffentlichkeit. Sie organisieren Pressekonferenzen, erzählen ihre Geschichten immer und immer wieder. Ihre Argumentation ist simpel. Denn DNA verfällt nicht, Gerechtigkeit also auch nicht. 2010, elf Jahre nach dem Mord an Namiko und vier Jahre vor Ablauf der Frist, hebt Japan die Verjährungsfrist für Mord vollständig auf. Das Gesetz wirkt rückwirkend und umfasst alle Tötungsdelikte, die nach April 1995 begangen wurden. Viele Jahre vergehen, ohne nennenswerte Hinweise oder handfeste Anhaltspunkte. Währenddessen bezahlt Satoru weiterhin die Miete für die Geisterwohnung. 50.000 Yen pro Monat. Monat für Monat, Jahr für Jahr. Während sein Sohn von einem Kleinkind zu einem Mann heranwächst, während sich die Welt vor dem Fenster im zweiten Stock ununterbrochen wandelt, bleibt die Wohnung exakt so, wie sie am schlimmsten Tag seines Lebens gewesen ist. Erst 2015, 16 Jahre nach dem Mord, wird das Phantombild, das die Polizei aufgrund der Aussagen der beiden Augenzeugen von der vermeintlichen Mörderin erstellt hat, zum ersten Mal veröffentlicht. Allerdings ist da das Gesicht der Verdächtigen verpixelt. Das klingt für uns vielleicht erstmal seltsam, aber man muss sich dafür die japanische Kultur vor Augen halten. Die Polizei will vermeiden, dass Personen aufgrund des Gesichts falsch verdächtigt werden. Sie behauptet, die Gesichtszüge seien nicht besonders markant gewesen und könnten von Augenzeugen nicht zuverlässig wiedergegeben werden. Fünf Jahre später und damit 21 Jahre nach dem Mord wird die komplette Zeichnung veröffentlicht, einschließlich einer Darstellung, wie die Täterin möglicherweise nach 20 Jahren aussehen könnte. Das Fahndungsfoto haben wir euch in den Shownotes verlinkt. Zusätzlich dazu wird im Februar 2020 eine Belohnung von bis zu 3 Millionen Yen ausgesetzt. Für jede Person, die wertvolle Hinweise liefert, die zur Festnahme der Täterin führen. Das entspricht heute inflationsbereinigt in etwa einem Betrag von 17.000 Euro. Gute dreieinhalb Jahre später, im Oktober 2023, sind dadurch 61 Hinweise bei der Polizei eingegangen. Aber leider ist keiner davon vielversprechend. Die Ermittler vermuten, dass die Täterin nach der Tat nicht mehr wegen anderer Vorwürfe oder Taten verhaftet worden ist, weil ihre DNA nicht in der Datenbank auftaucht. 2023 geht Satoru langsam auf die 70 zu. Der Vermieter und seine Frau, die Namiko gefunden hat, sind mittlerweile verstorben. Ihr Sohn ist nun der neue Vermieter. Ebenso wie seine Eltern hält er die Miete für die Geisterwohnung niedrig. Und trotzdem steht Satoru immer wieder vor der Entscheidung. Weitermachen oder aufgeben. Im Vergleich zu den sonst überall stark gestiegenen Kosten sind die 50.000 Yen pro Monat noch günstig. Doch Satoru lebt von einer kleinen Rente. Sein Einkommen ist begrenzt. Die andauernde monatliche finanzielle Belastung ist spürbar. Vielleicht lebt die Täterin selbst ja auch gar nicht mehr oder ist in ein anderes Land abgehauen. Doch jedes Mal, wenn er im Eingangsbereich der Wohnung die Blutspuren unter der Plastikfolie sieht, ist er von einer neuen Entschlossenheit. Die Beweise sind hier, er wird Namikos Mörderin nicht entkommen lassen. Ein Bild von Saturo und den Schuhabdrücken haben wir euch übrigens auch mal in den Shownotes verlinkt. 24 Jahre nach dem Mord an Namiko im Frühjahr 2024 wird ein neuer Ermittler dem Fall zugewiesen. Er ist jung, mutig und ehrgeizig. Von Anfang an macht er klar, dass er jede Spur untersuchen werde, egal wie klein sie ist, bis er endlich die Wahrheit herausfindet. Dieses Mal sind es nicht nur Worte, sondern es folgen auch Taten. Zwar hat die Polizei die Suche nach der Mörderin nie vollständig aufgegeben, aber der neue Ermittler setzt auf eine neue Strategie. Die Beamten beginnen, eine Liste von Verdächtigen zu erstellen. Aber nicht im traditionellen Sinne, sondern von Personen, die mit der Familie verbunden sind und über die Jahre immer wieder eine DNA-Probe abgelehnt haben. Das Team durchforstet systematisch Schulverzeichnisse, alte Neujahrskarten von Saturo und eine Liste mit ehemaligen Mitgliedern eines Tennisclubs. Sie suchen nach möglichen Verbindungen. Am Ende stehen 500 Namen auf der Liste. Eine davon ist die 69-jährige Komiko. Mehrmals hat die Polizei über die Jahre mit ihr gesprochen. Immer hat sie die Abgabe einer DNA-Probe abgelehnt. Ab dem August 2025 befragen sie die ermittelnden Beamten mehrfach. Eine japanische Zeitung berichtet, dass ihr keine hohe Priorität eingeräumt wird. Auf der Liste stehen mehr als 100 Namen vor ihr. Jedes Mal bitten die Beamten sie um eine Probe. Jedes Mal werden sie höflich zurückgewiesen. In Japan ist die Abgabe einer DNA-Probe freiwillig, solange man nicht verhaftet ist. Eine Verweigerung gilt nicht als Schuldbeweis. Macht aber natürlich verdächtig. Es ist der 30. Oktober 2025. Zwei Wochen vor dem 26. Jahrestag von Namikos Tod. Als Comico plötzlich doch in der Polizeistation auftaucht und breitwillig eine Blutprobe abgibt. Die Beamten gleichen sie daraufhin mit der gefundenen DNA am Tatort ab. Einen Tag später liegt dann das Ergebnis vor. Die DNA stimmt überein. Das Blut, das am Eingang der Wohnung gefunden wurde, das Blut, für das Satoru fast drei Jahrzehnte hinweg die Miete gezahlt hat, gehört zu Kumiko. Und die Frau gesteht die Tat sogar. Die Polizei kontaktiert Satoru gegen 12.30 Uhr. Sie teilen ihm mit, dass sie heute die Person verhaften werden, die seine Frau vor 25 Jahren, 11 Monaten und 18 Tagen ermordet hat. Und Satoru kennt diese Frau sogar. Denn Komiko ist eine ehemalige Klassenkameradin. Die beiden haben damals im gleichen Soft-Tennis-Club gespielt. Soft-Tennis ist eine in Japan populäre Variante des klassischen Tennis mit weichen Gummibällen statt harter Filzbälle. Als Teenagerin war Komiko in Satoru verliebt. Sie hat ihm Valentinstag Schokolade und einen handgeschriebenen Brief geschickt, in dem sie ihm ihre Gefühle offenbart hat. Saturo hat jedoch sanft abgelehnt. Er ist damals in ein anderes Mädchen aus seiner Klasse verliebt. Kumiko und er bleiben aber lose Freunde. Sie schaut ihm gelegentlich bei seinen Tennis-Matches zu. Irgendwann bittet Saturo sie, damit aufzuhören. Fünf Monate vor dem Mord an Namiko sehen sich die beiden nach fast 20 Jahren bei einem Klassentreffen wieder. Sie unterhalten sich kurz. Kumiko erzählt ihm, dass sie verheiratet sei und als Teilzeitangestellte in einem Supermarkt arbeite, was sehr anstrengend sei. Danach haben die beiden keinen weiteren Kontakt mehr. Kumiko zeigt nach dem Geständnis Reue. Doch ein Motiv nennt sie keins. Hat sie wirklich eine Frau getötet, nur weil deren Ehemann Jahrzehnte zuvor ihren jugendlichen Liebesbrief abgelehnt hat? Die japanische Polizei glaubt, dass das Klassentreffen etwas in ihr ausgelöst haben könnte. Deswegen untersuchen sie diese Möglichkeit. Ein Bild von Kumiko und Saturo aus dem Jahrbuch der Schule haben wir euch auch mal in den Shownotes verlinkt. Während der Befragung am 3. November 2025 gesteht Kumiko, dass sie jeden einzelnen Tag nervös gewesen sei. Besonders dann, wenn es auf den Jahrestag des Mordes zuging. Jeden November habe sie darauf gewartet, entdeckt zu werden. Später beruft sie sich auf ihr Schweigerecht, sodass die Ermittler ihr Motiv immer noch nicht klären können. Nach der offiziellen Festnahme äußert sich Satoru überrascht darüber, dass er die Mörderin seiner Frau kennt. Dass die Antwort auf die Frage, die ihn so viele Jahre quält, in seiner eigenen Vergangenheit liegt. Das hätte er sich wohl niemals träumen lassen. Er habe gedacht, die Mörderin hätte Nagoya längst verlassen. Und jetzt stellt sich heraus, dass sie die ganze Zeit in seiner Nähe gewohnt hat. Genauer gesagt lebt Kumiko 26 Jahre lang gerade mal zwei Kilometer von dem Haus entfernt, in das Saturo nach dem Mord an seiner Frau gezogen ist und nur zehn Kilometer vom Tatort entfernt. Gemeinsam mit ihrem Ehemann, ihrem Kind und anderen Familienmitgliedern. In ihrer Nachbarschaft gilt sie als unauffällige, freundliche Person. Anders als erwartet reagiert Satoru auf die Festnahme nicht mit Triumph. In einem Interview sagt er, der Fall sei nicht beendet, bis er nicht wisse, warum es Namiko getroffen hat. Der Fall von Namiko ist in der Präfektur Aichi lange Zeit einer der bekanntesten ungelösten Fälle. Ihr Tod wird in erster Linie in den japanischen Medien als Nagoya Nishika Hausfrauenmord diskutiert. In der weltweiten oder englischsprachigen Presse macht erst die bemerkenswerte Festnahme von Komikos Schlagzeilen. Warum der Fall heute zu den bekanntesten gelösten Cold Cases Japans zählt, hat mit zwei statistischen Besonderheiten zu tun. Ungelöste Mordfälle sind in Japan extrem selten. Im Jahr des Mordes an Namiko liegt die Aufklärungsquote der japanischen Polizei bei 96,4 Prozent. Und die Mehrheit der Morde passiert im privaten Umfeld. Das bedeutet, ein Mord durch eine fremde Person, der dann jahrzehntelang unentdeckt bleibt, ist praktisch unmöglich. Der Leiter der ersten Ermittlungsabteilung der Polizei erläutert in einer Pressekonferenz, wie schwierig die Ermittlungen gewesen seien. Es wäre äußerst hilfreich gewesen, dass der Tatort all die Jahre über unversehrt erhalten geblieben ist. Noch am Tag ihrer Verhaftung rekonstruieren die Ermittler mit Kumiko den Tathergang vor Ort in der alten Geisterwohnung. Kumikos Schilderungen stimmen mit den Gegebenheiten am Tatort überein. Die Blutspuren, die Comico am Ende überführen, hat die Polizei schon 1999 unmittelbar nach der Tat gesichert. Die Wohnung dagegen hat all die Jahre vor allem eine Symbolkraft gehabt. Regelmäßig lädt Saturo die Presse ein und hält so den Druck auf die Ermittler aufrecht. Am 5. März 2026 wird offiziell bekannt gegeben, dass der 69-jährigen Comico der Prozess wegen Mordes gemacht wird. Ein psychiatrisches Gutachten kommt zu dem Schluss, dass sie für ihre Tat strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden kann. Die Ermittler gehen von einer vorsätzlichen Tat aus. Immerhin hat sie die vermutete Tatwaffe, das Messer, selbst mitgebracht. Und anders als zu Beginn der Ermittlungen vermutet, hat Kumiko Namiko höchstwahrscheinlich sofort angegriffen, als diese die Tür geöffnet hat. Namikos Sohn, der damals bei der Tat zwei Jahre alt war, ist heute 28. Er lebt in Tokio und arbeitet in einer Marketingagentur. 2024 heiratet er eine Frau, deren Mutter eine enge Freundin von Namiko gewesen ist. Nach der Festnahme sagt er in einem Interview, es sei nur möglich gewesen, die Täterin zu fassen, weil sein Vater nicht aufgegeben hat. Und der kämpft bereits für den nächsten Präzedenzfall. Am 30. März 2026 gibt Satoru auf einer Pressekonferenz bekannt, dass er beim Bezirksgericht in Nagoya eine Klage auf Schadensersatz gegen Kumiko eingereicht habe. Laut dem Zivilgesetzbuch erlischt das Recht auf Schadensersatz in Japan nach 20 Jahren. Satoru hätte also keinen Anspruch mehr. Er argumentiert, er hätte vor der Festnahme keine Rechte ausüben können, weil er nicht wusste, wer die Täterin ist. Hat er mit seiner Klage Erfolg, könnte das den Weg für viele weitere Opfer ungelöster Fälle ebnen. Gegenüber Freunden sagt der mittlerweile 69-jährige Saturo, er habe nie gedacht, dass die Täterin wirklich gefasst werden kann. Er hätte nie geglaubt, dass seine Bemühungen sich wirklich eines Tages auszahlen würden. Er habe nur einfach nicht aufhören können, es zu versuchen. Über ein Vierteljahrhundert lang hat er die Miete für eine leerstehende Wohnung gezahlt. Insgesamt 22 Millionen Yen. Das sind rund 119.000 Euro. Noch immer befindet sich das Blut unter dem Plastikplan auf dem Boden. Und in Nagoya wird bald ein Prozess beginnen, der ohne die Hartnäckigkeit eines einzelnen Mannes niemals möglich gewesen wäre. Und dank dieser Hartnäckigkeit werden die Erinnerungen an Namiko weiterleben. Sie wird noch lange nicht in Vergessenheit geraten. Die begnadete Köchin, die herzliche Freundin, die immer ein offenes Ohr hatte. Die liebevolle Mutter, die Ehefrau, die mit Saturo eine tiefe Liebe verbunden hat. Die junge Frau, die kurz vor ihrem Tod am glücklichsten in ihrem Leben gewesen ist. Und bevor wir in die Diskussion einsteigen, noch mal ein riesiges Dankeschild an dich, Leo, für den Fallvorschlag. Wieder ein japanischer Fall. Und ich finde, der gab mir auch, also nicht nur alleine wegen des. Gründes, dass er in Japan sich zugetragen hat, sondern auch aus anderen Gründen können wir gleich drüber sprechen, so Vibes von dem Setagaya-Familienmord, über den wir ja auch schon mal gesprochen haben, oder? Ja, stimmt. Also es ist schon, glaube ich, eine ganze Weile her mittlerweile, Weile, dass wir über den Fall gesprochen haben, aber ja, stimmt, da gibt es auf jeden Fall Parallelen und also ich muss ja sagen, dass ich das bei diesem Fall hier total faszinierend finde, ist nicht ganz das richtige Wort, aber, was Liebe bewirken kann. Also, dass Saturos Liebe zu Namiko einfach so groß war, auch noch lange über ihren Tod hinaus, dass er zum Beispiel halt diese Wohnung weiterhin angemietet hat, weil er gehofft hat, dass die Wohnung noch in irgendeiner Form nützlich sein kann in den Ermittlungen und dass er auch ein Vierteljahrhundert später eine super lange Zeit, das er ja trotzdem nicht aufgegeben hat. Auch wenn er selber sagt, dass er nicht wirklich daran geglaubt hat, dass die Täterin noch geschnappt werden kann. Irgendwie insgeheim ja doch. Ja, also ich finde, er hat ja auch knapp 120.000 Euro umgerechnet da rein investiert. Das ist auch, was ich zum Beispiel jetzt meinte, dieser Sittagal-Familienmord. Egal, ob jetzt bei der Polizei oder in dem Fall die Hingabe der Polizei, all der Menschen, die da beteiligt sind, habe ich so einen riesigen Respekt davor. Deswegen, als Leo bzw. Freezy mir das bei der Kaktus erzählt hatte, habe ich ihm diesen Fall, ich bin ehrlich, nicht geglaubt. Ich dachte, er verarscht mich, dass da jemand wirklich die Wohnung die ganze Zeit behalten hat und dann halt dieser Fall wirklich aufgeklärt worden ist. Umso mehr bin ich einfach erstaunt, was da für eine riesige Story dahinter steckt. Und ich bin auch ganz ehrlich, wir hatten ja über so die eine oder andere Theorie schon mitten im Fall gesprochen, wäre dieser Fall nicht aufgeklärt, ich glaube, Ich wäre sogar mit so einer richtig abstrusen Theorie da eingestiegen, wie eben das, was wir besprochen hatten, dass die Mutter von Namiko da ja diese Getränke fälschlicherweise verkauft haben soll, mutmaßlich, und dann jemand sich deswegen da an ihr rächen wollte und die Tochter aber vielleicht aus Versehen umgebracht hat. Ich wäre sogar wahrscheinlich in so eine komplett abstruse Richtung abgedriftet, und am Ende des Tages ist es aber eigentlich sowas, das Motiv wissen wir ja nicht zu 100%, aber ich vermute, es ist so ein ganz normales Motiv, würde ich mal fast sagen. Meinst du, dass Kumiko vielleicht doch irgendwie neidisch war auf das Leben von Namiko oder warum sie sie dann umgebracht hat? Ich kann es mir irgendwie nicht vorstellen, ehrlich gesagt, weil da so viel Zeit zwischenliegt, zwischen, sie hat Teenager-Gefühle für Saturo und er jetzt in zweiter Ehe mit Namiko oder das ist doch so lange her und auch, dass dieses Klassentreffen neue, alte, neue Gefühle in ihr ausgelöst hat und sie deswegen Namiko so brutal ermordet hat, das dürfen wir ja nicht vergessen, ne? Irgendwie kann ich das nicht glauben, oder? Also ich finde, das wäre ein super schwaches Motiv. Natürlich kann es ein Motiv sein, gar keine Frage, aber irgendwie überzeugt mich das nicht. Ich weiß nicht, ob sie das vielleicht auch in ihrer Jugend so sehr in sich hineingefressen hat, dass es halt dann doch ihr Leben irgendwo bestimmt hat. Also sie hat zu ihrem Motiv selbst nichts gesagt, deswegen können wir da an der Stelle nur mutmaßen. Ich würde die Frage einfach mal an euch rausgeben. Lasst uns das gerne mal bei Spotify und Co. Einfach wissen. Ich habe übrigens letztens in einem anderen Podcast gehört, dass es wohl helfen soll, bei Spotify, dass Leute da kommentieren. An der Stelle schon mal Shoutout an alle Leute, die hier immer kommentieren. Das ist schon sehr, sehr geil. Aber würde mich sehr interessieren, wie ihr das seht und damit würde ich sagen springen wir direkt in die Personalakte, oder? Weil dir an diesem heutigen Tag steht da was Besonderes an, aber auch allgemein steht da schon wieder gefühlt super viel an, deswegen the stage is yours. Ja, heute an diesem Tag, an dem die Folge rauskommt, ist mein Geburtstag. Letzte Woche hattest ja du, diese Woche habe ich Geburtstag und eigentlich war es in den letzten mittlerweile zehn Jahren so, dass ich meinen Geburtstag irgendwo im Ausland verbracht habe, in Form einer Kurzreise, eines Urlaubs oder so. Dieses Jahr ist es ein bisschen anders. Dieses Jahr werde ich in Berlin sein und mir da einen schönen Tag machen, mit, Frühstücken gehen, mit Freundinnen und danach Spa- und Wellness-Tag, weil es für mich am Sonntag, am Ende der Woche, zu einem neuen Kurztrip geht. Und das war mir ein bisschen viel sonst, zwei Kurztrips innerhalb einer Woche. Aber ja, für mich geht es am Sonntag in eine europäische Hauptstadt, in der ich noch nicht war, aber ich verrate noch nicht, wohin genau es gehen wird. Ich finde, das ist so sinnbildlich, da erkennt man, wie grundverschieden wir in diesem einen Punkt sind. Wenn du deinen Geburtstag schon perfekt durchgeplant hast, mehrere Tage davor, schon Wochen davor gefühlt, bin ich letztendlich einen Tag vor meinem Geburtstag so gewesen, okay, was mache ich jetzt überhaupt genau, weil ich einfach gar keinen Plan habe, da sieht man einfach perfekt, du bist so. Die Durchgeplante, Du bist so Hermine, würde ich sagen. Und ich bin Ron oder Harry, keine Ahnung. Ich versuche zu organisieren, aber ich kriege es nicht hin. Witzig, dass du das gerade ansprichst, weil einen Tag nach meinem Geburtstag gehe ich mit allen Freunden Pizza essen und das ist wirklich kein Witz. Ich habe so zwei Monate vorher überlegt, ob ich jetzt schon Einladungen rausschicken kann oder ob das ein bisschen früh ist. Oh mein Gott. Also ich weiß nicht, ich finde das irgendwie schön, so weit im Voraus zu planen. Das gibt mir irgendwie ein sehr gutes Gefühl und ja, da sind wir wohl ein bisschen verschieden. Aber so könnt ihr euch das auch für einen Podcast vorstellen. So planen wir auch davor. Eine schreibt mir dann, ja hast du schon das und das und das berücksichtigt? Und berücksichtigt und ich bin so, warte, da gab es was zu berücksichtigen. Aber ja, so ergänzen wir uns ja auch gut. Das muss man ja auch sagen. Aber eine wichtige Sache hast du ja noch komplett vergessen zu erzählen. Hau raus. Es gibt ja noch eine sehr, sehr geile Folge, auf die sich die Leute ultra gefreut haben. Ja, stimmt. Die ist seit Sonntag, meine ich jetzt draußen. Und zwar war ich wieder zu Gast im Podcast Edeltalk und wir haben wieder Edelcrime aufgenommen. Jetzt schon zum vierten Mal, in der ich den Jungs einen Kriminalfall erzähle. Und es war auf jeden Fall eine sehr lange Aufnahme bei sehr hohen Temperaturen. Aber ich denke mal, es lohnt sich doch trotzdem, da reinzuhören oder reinzuschauen. Gibt es auch als Videopodcast. Also ja, würde ich mich doch sehr freuen, wenn ihr mir zum Geburtstag schenkt, dass ihr euch die Folge anhört. Aber natürlich auch jede Folge der schwarzen Akte ist ja wohl klar. Und dann, Patrick, bevor wir hier die Akte für heute schließen, was steht bei dir denn an? Boah ey, ich bin genauso, wie ich es vorhin gesagt habe, ich habe keine Ahnung. Ich werde streamen, ich werde gucken, wie heiß es wird, wie ich damit klarkommen werde. Aber vielleicht sogar noch einen kleinen Teaser. Wie sieht es aus? Wir waren ja letztens, Anne, bei einem Fotoshooting. Ja, oh Gott. Wir erzählen ja richtig durcheinander. Wir haben auch so viele Sachen, ja. Aber es liegt wirklich an den Temperaturen. Also ich glaube, in meinem Aufnahmeraum sind es gerade wieder 32 Grad. Also seht es uns nach, wenn wir ein bisschen wild durcheinander erzählen. Aber ja, wir waren ja am heißesten Tag des Jahres bisher. Richtig schlau auch. Waren wir am Rande von Berlin in einem Fotostudio und haben ein kleines Fotoshooting gehabt, aber wir können leider, ich weiß, ihr hasst das, wir können leider noch nicht verraten, wofür das ist, aber es wird was ziemlich Großes. Auf etwas, worauf wir uns auch schon sehr, sehr doll freuen. So, damit schließen wir die schwarze Akte aber wirklich für heute und wir freuen uns riesig, wenn ihr kommende Woche wieder einschaltet. Lasst Liebe bei Edelcrime da, lasst Liebe hier überall bei der schwarzen Akte da, teilt uns eure Gedanken und Und dann würde ich sagen, hören wir uns kommende Woche Dienstag wieder überall, wo es Podcasts gibt. Wir sind eure Hosts Anne Lippmann und Patrick Strobusch. Redaktion Stefanie Eisenlauer und wir. Schnitt Anne Lippmann. Produktion Nadine Lenfer-Unterweger und Lea Backes. Die schwarze Akte ist eine Produktion der Julep Studios. Besonderer Dank geht an Falco Schulte.