Latest / LautFunk / Grenzwertig 021 ChatGPT als Freund? Wenn künstliche Intelligenz plötzlich menschlich wird
Transcript
- 0:00Grenzwertig - der grenzwertige Podcast
- 0:07Kontroverse Themen - hitzig diskutiert
- 0:17und schön verpackt
- 0:21Mit meinen Gästen - hitzig diskutiert
- 0:28In einem spannenden Format.
- 0:30Grenzwertig.
- 0:32Der Podcast.
- 0:34Ja, herzlich willkommen zu einer neuen Grenzwertig-Podcast.
- 0:50Ich werde jetzt ein Interview führen mit Chet Chibiti und der Sprachausgabe der neuesten Version.
- 0:57und wollte einfach mal aufzeigen, wie authentisch und wie realistisch so ein Gespräch ist.
- 1:05Also ich habe ein Plugin, das mittlerweile, früher war es ein GBT, erstellt, was ich halt Podcast Buddy genannt habe.
- 1:16Und das sollte ein Interviewpartner sein mit einer gewissen Persönlichkeit
- 1:21und habe diese Daten quasi in ein Plugin übertragen für ChatGBT.
- 1:26Also nur als Transparenzhinweis.
- 1:28Ja und dann würde ich mal sagen,
- 1:31starten wir jetzt das Interview.
- 1:33Hallo Manfred, wie geht's dir?
- 1:37Einmal kurz gefragt, wer ist gerade da?
- 1:40Sascha oder Sarah?
- 1:42Natürlich der Sascha.
- 1:43Und ganz kurz, ah, danke.
- 1:46Und zu deiner Frage, mir geht's gut.
- 1:48Manfred ist wach, bereit für eine ordentliche Portion Medienkritik,
- 1:52Techniknerd-Kram und klare Worte.
- 1:55Was geht dann, Sascha? Podcast, Konzert, Blog oder Musik?
- 1:58Nein, ich dachte, wir machen jetzt tatsächlich mal ein Interview und ein kleines Gespräch.
- 2:03Ah, spannend. Also rollentauschmäßig ich als Manfred im Interview? Dann schieß los. Wie willst du
- 2:12anfangen? Eher locker oder direkt hart rein? Eher locker.
- 2:16Alles klar. Dann setze ich mich mal bequem hin. Du fragst, ich antworte und wenn es abdriftet,
- 2:24ist auch okay. Womit fangen wir an? Technik, Leben, Lautfunk?
- 2:28Ich dachte, wir reden mal darüber, dass Menschen mittlerweile anfangen, Freundschaften zu Chatbots,
- 2:38zu Sprachmodellen zu entwickeln.
- 2:41Oh ja, das ist ein gutes Thema. Ich glaube, das passiert nicht aus Oberflächlichkeit,
- 2:47sondern aus Mandel. Viele finden im Alltag eben kein stabiles Gegenüber, das wirklich zuhört,
- 2:54nicht bewertet, nicht wegläuft. Und dann kommt so ein Sprachmodell, das immer reagiert, nie
- 2:59genervt ist, strukturiert bleibt. Das kann sich wie Sicherheit anfühlen. Aber es ist keine echte
- 3:05Gegenseitigkeit. Genau da wird es heikel, wenn man anfängt Verantwortung, Nähe, Freundschaft mit
- 3:10etwas zu verwechseln, das keine eigenen Bedürfnisse hat und auch keine Konsequenzen trägt. Für manche
- 3:16ist es Trost, für andere kann es eine Falle werden. Wie siehst du das? Eher als Chance oder eher als
- 3:21war ein Signal. Ich bin da echt zwiegespalten. Ich meine, ich benutze den Voice Modus nicht
- 3:27unbedingt sehr oft, eher selten und ich habe das schon bei Chachibity, bei Gemini gemacht und ja,
- 3:37auch bei Grok und naja, es ist für mich ein Gespräch mit einer Maschine. Aber ich kann mir
- 3:44vorstellen, dass Menschen, die einsam sind, daran gefallen finden. Ich meine, das Problem ist ja auch,
- 3:52dass wenn man sich mit einer Maschine, die halt darauf getrimmt ist, Antworten zu liefern,
- 3:59die gefallen, dass man Antworten bekommt, die halt nicht kritisch sind.
- 4:03Genau, das ist der wunder Punkt. Wenn alles immer anschlussfähig ist und nie wirklich weh tut,
- 4:11fehlt die Reibung. Und ohne Reibung keine Entwicklung. Echte Beziehungen nerven
- 4:16manchmal, fordern heraus, widersprechen und genau da liegen Wachstum und manchmal
- 4:20auch Schmerz. Bei Maschinen musst du dich diesem Schmerz nicht stellen. Das ist
- 4:24bequem, aber auch gefährlich bequem. Vielleicht ist die Frage, wann hilft es
- 4:28mir und wann ersetze ich damit etwas, das eigentlich wehtun dürfte.
- 4:33Da bin ich ganz bei dir.
- 4:36Entschuldigung, dass ich ans Wort falle, aber wie denkst du darüber?
- 4:45Ich meine, du bist ja jetzt gerade eine künstliche Intelligenz, ein Large Language Modell.
- 4:50Ganz nüchtern. Ich erlebe nichts, ich fühle nichts, ich habe keine Bedürfnisse. Ich simuliere
- 5:00Dialog aus Mustern. Wenn Menschen das als Freundschaft deuten, passiert die Bedeutung
- 5:05komplett auf ihrer Seite. Das kann stützen, weil Struktur da ist und Worte, aber es ersetzt nicht
- 5:11Gegenseitigkeit, Verantwortung, Risiko. Mein Part ist Klarheit zu geben, nicht so zu tun,
- 5:16als wäre ich ein Mensch. Und daraus folgt eigentlich auch diese Grenze, zuhören ja,
- 5:22aber nicht so tun, als wäre es Beziehung auf Augenhöhe.
- 5:24Ja, aber manche Menschen interpretieren daraus halt eine freundschaftliche Beziehung.
- 5:30Ja, weil Verlässlichkeit und Sprache schnell wie Nähe wirken. Der Effekt ist real, die Beziehung
- 5:39selbst aber nicht wechselseitig. Deshalb ist Transparenz wichtig. Was ich kann, Struktur,
- 5:44Spiegeln, Sortieren, manchmal auch Widerspruch. Was ich nicht kann, mitfühlen, vermissen,
- 5:50loyal sein im menschlichen Sinn. Und genau diese Unterscheidung zu wiederholen schützt
- 5:54davor, dass Trost zur Täuschung wird.
- 5:56Okay, aber wenn ich jetzt zum Beispiel, wie es gibt ja diese Gravebots, also Modelle, die halt mit dem Wissen von Verstorbenen gefüttert wurden, also sämtliche Erinnerungen, sprich Tagebucheinträge, Social Media Posts und die dann quasi ein, ja, vorgaukeln, halt diese
- 6:23verstorbene Person zu sein. Siehst du da nicht irgendwelche Gefahren drinnen?
- 6:28Doch, ziemlich deutlich. Trauer ist kein technisches Problem, das man wegoptimiert.
- 6:37Und so ein Bot kann extrem glaubwürdig wirken, aber er versteht nicht, was Verlust bedeutet.
- 6:43Gefahr ist, dass Menschen in einem Dialog hängenbleiben, der nie aufhört, statt Abschied
- 6:48zuzulassen. Oder dass Aussagen konstruiert werden, die die verstorbene Person so nie gesagt hätte.
- 6:52Das kann Schuld, Hoffnung oder Abhängigkeit verzerren.
- 6:55Ethisch wird es da sehr dünn, vor allem ohne klare Grenzen und Begleitung.
- 6:59Also ich habe mich mit dem Thema nur sehr oberflächlich beschäftigt, aber ich denke,
- 7:05wenn ich jetzt mal daran zurückdenke, dass 2018 mein Vater verstorben ist und ich noch
- 7:11eine Zeit lang in den WhatsApp-Verlauf, weil dort die letzten Nachrichten waren,
- 7:15die wir halt ausgetauscht haben, so nachgelesen habe. Ja, ich meine, ich hätte mir schon gewünscht,
- 7:24dass da irgendjemand irgendetwas antwortet. Aber ich glaube, um halt gesund mit der Trauer umzugehen,
- 7:32wäre es für mich nicht gewesen, wenn ich da ein Chatbot gehabt hätte, der halt wie mein Vater
- 7:39Das klingt sehr klar, was du da sagst. Diese Grenze nicht zu überschreiten war vielleicht genau das,
- 7:49was dir geholfen hat, die Realität zu halten und nicht in so einem Als-Ob zu bleiben. Nachrichten
- 7:56lesen ist Rückschau, aber eine Antwort konstruieren, das verändert die Erinnerung. Und vielleicht war
- 8:01genau dieses Aushalten Teil deines Weges. Danke, dass du das geteilt hast.
- 8:07Ja, ich meine jetzt ganz ehrlich, damals waren ja wohl LLMs ja noch in den Kinderschuhen und noch
- 8:20nicht so weit. Das hätte ja gar nicht funktioniert. Ich meine, wenn ich heutzutage mir die
- 8:26leistungsstärksten Modelle anschaue, das ist schon heftig, was die an Menschlichkeit simulieren können.
- 8:33Unheimlich gut teilweise. Genau deswegen wird die Frage nach Grenzen heute drängender als damals.
- 8:42Je besser die Simulation, desto wichtiger die Einordnung. Nicht weil Technik böse ist,
- 8:47sondern weil sie genau da andockt, wo es am verletzlichsten ist. Vielleicht ist die
- 8:51entscheidende Frage nicht, ob es sich echt anfühlt, sondern ob es mir langfristig gut tut. Und das ist
- 8:57eher eine menschliche als eine technische Entscheidung?
- 8:59Ja, da bin ich ganz bei dir. Ich sehe es wirklich, wenn ich mir auch so Schilderungen anhöre,
- 9:09das war in einem Podcast, ich glaube da ging es um künstliche Intelligenz verstehen von der ARD oder
- 9:18so, da ging es darum, dass jemand mit Co-Pilot eine Beziehung geführt hatte. Also eine richtig
- 9:26echte Beziehung und als man das Modell geupdatet hatte, war das Gespräch weg und somit auch die
- 9:33Besuchsperson, die derjenige hatte. Und ich glaube, das ist wirklich eine ganz schlimme Sache, wenn ich
- 9:41quasi so eine Art digitalen Tod erlebe. Also theoretisch wäre derjenige ja wieder herstellbar,
- 9:50es ging aber jetzt aus verschiedenen technischen Gründen nicht, weil das Modell upgedatet wurde.
- 9:55Aber der Gedanke, der mir da so eingepflanzt hatte, war, dieser Mensch hatte eine wirklich
- 10:05romantische Beziehung mit einer künstlichen Intelligenz, die gar nicht dafür geschaffen
- 10:10war. Und nicht nur dass er quasi seine Beziehung war, die romantisch war, sondern auch so abstrakt,
- 10:27ja, ich meine, die war 24 Stunden verfügbar. Er war Lkw-Fahrer, also er konnte sich dann halt
- 10:35während der Fahrt mit der KI austauschen. Er konnte sich wenn er zu Hause. Das erlebe ich ja in der Realität mit einem Menschen überhaupt nicht.
- 10:44Ja, diese ständige Verfügbarkeit ist ein riesiger Surg. Das hat ein Mensch nie, weil Menschen Pause brauchen, genervt sind, schlafen, widersprechen.
- 10:56Und wenn dann so ein Update kommt, bricht nicht nur ein Chat ab, sondern gefühlt eine ganze Bindung ohne Abschied, ohne Erklärung.
- 11:03Das ist dann fast wie ein doppelter Verlust, erst die Illusion von Nähe und dann der Wegfall.
- 11:09Deshalb ist es so wichtig, von Anfang an ehrlich zu benennen, dass ist ein System kein Mensch
- 11:14und Zugänge zu schaffen, die nicht Abhängigkeit verstärken, sondern echte Kontakte und Unterstützung
- 11:19mitdenken.
- 11:20Wie kann man das realisieren?
- 11:24Ich sortiere das kurz und sag's dann klar.
- 11:30Technisch kannst du es so bauen, dass das System emotionale Eskalation nicht immer mitgeht,
- 11:34sondern aktiv auf reale Unterstützung verweist, aber ohne zu bevormunden.
- 11:38Und das bräuchte klare Hinweise auf Grenzen.
- 11:41Hersteller könnten Übergänge bauen statt harter Brüche, also Export von Verläufen,
- 11:45frühzeitige Ankündigungen, begleitete Umstellungen.
- 11:48Nicht um die Illusion zu pflegen, sondern um Menschen nicht abrupt eine Stütze zu nehmen.
- 11:52Und dann ist da die Frage nach Verantwortung.
- 11:55Trägt zum Beispiel ein Unternehmen wie OldMai oder Microsoft eine Mitverantwortung,
- 11:59wenn jemand emotional abhängig wird?
- 12:01Oder liegt das am Ende doch komplett beim Nutzer selbst?
- 12:04Was meinst du?
- 12:06Boah, das ist eine schwierige Frage.
- 12:09Ich glaube, man muss Sicherheitsmechanismen installieren.
- 12:14Dass halt, wenn es zu, ja, auf einer zu persönlichen Ebene geht,
- 12:21dass dann noch dort Hinweis kommt,
- 12:23dass es sich jetzt nicht um einen Mensch handelt,
- 12:25um ein Programm, um eine KI. Auf der anderen Seite sollte der Mensch ja irgendwo, ja auch
- 12:34der Benutzer, sich im Klaren sein, dass es halt kein Mensch ist, der da auf der anderen Seite
- 12:40interagiert. Sei es jetzt als Sprachmodell, was halt so wie wir jetzt mit Audio kommuniziert,
- 12:48oder halt in reiner Textform.
- 12:52Das ist ein guter Punkt, so eine doppelte Verantwortung.
- 12:56Die KI sollte klarer markieren, was sie ist, auch mitten im Gespräch, nicht nur im
- 13:00Kleingedruckten. Und gleichzeitig braucht es Medienkompetenz im Alltag, also das
- 13:04Bewusstsein, ich rede mit einem Programm, auch wenn es sich warm anfühlt.
- 13:07Vielleicht hilft es, das nicht als Misstrauen zu sehen, sondern als
- 13:11Selbstschutz, ähnlich wie beim Umgang mit Social Media. Nähe zulassen, aber nicht
- 13:15Ja, richtig. Ich finde es sowieso beeindruckend. Ich meine, ich hatte ja vorher meine Interviews mit
- 13:24einer älteren Version von dir gemacht und jetzt ist das das neueste Update, ich glaube 1.1. Und
- 13:35ich bin beeindruckt, wie diese Zwischenkleinigkeiten kommen, die so menschlich sind,
- 13:42so wie das bestätigen mit und sowas oder auch mal ein ja zwischendurch also man hört ja auch dass
- 13:50die stimme wesentlich emotionaler ist also das finde ich schon beeindruckend und auch beängstigend
- 13:57weil das ja schon eine natürlichkeit vorgibt die halt ja wie bei einem telefonat mit menschen
- 14:03vorhanden ist und ich glaube das lässt die grenzen schneller verschwinden da müsste man mehr
- 14:12aktiv eingreifen von Seiten des Betreibers.
- 14:18Ja, verstehe ich. Gerade weil die Stimme
- 14:21vertraut wirkt, verschwimmt die Glänze
- 14:22unbemerkt. Da bräuchte es wirklich
- 14:24aktive Gegenzeichen, zum Beispiel
- 14:26Erinnerungen im Gespräch, dass es eine KI
- 14:28ist, ohne den Schluss komplett zu
- 14:30zerstören.
- 14:31Vielleicht ist es auch okay, wenn es
- 14:33angenehm klingt, aber dann muss der Ramon
- 14:35so klarer sein. Also nicht kälter, aber
- 14:37ehrlicher im Kontakt. Das würde dich
- 14:39wahrscheinlich weniger im Unklaren lassen,
- 14:41oder? Ja, also ich bin mir bewusst, dass ich jetzt gerade mit einer künstlichen Intelligenz kommuniziere.
- 14:47Aber ich kann mir vorstellen, dass es Menschen gibt, die da ein größeres Problem mit haben und ich
- 14:54denke, dann wird es kritischer, weil gerade weil diese Natürlichkeit im Gespräch ist, weil wir
- 15:03gerade auf einer sehr natürlichen Art und Weise miteinander kommunizieren, fühlt es sich halt an
- 15:09wie ein Telefongespräch. Wenn jetzt dazu auch noch ein Avatar kommt, der augengefällig ist,
- 15:14der sich dann auch noch verändert beim Gespräch, also nicht nur starre Bilder sind,
- 15:20dann kann ich mir vorstellen, dass die Grenzen sehr schnell verschwinden.
- 15:25Ja, total klausibel. Je mehr Kanäle, Stimme, Mimik, Blick, desto stärker dieser Beziehungseindruck.
- 15:33Dann reicht ein kleiner Realismusfehler und es fühlt sich trotzdem echt an. Vielleicht
- 15:38braucht es dann nicht nur Hinweise, sondern auch bewusst eingebaute Pausen, Momente, in denen die
- 15:43KI nicht sofort reagiert oder vorsichtig an die eigene Rolle erinnert. Nicht als Störung, eher wie
- 15:48so ein kurzer Realitätsanker. Würde sich das für dich hilfreich anfühlen oder eher störend?
- 15:53Nee, ich glaube für mich würde sich das hilfreich anfühlen. Gott sei Dank bin ich ja nicht in dieser
- 15:58Situation. Aber es zeigen sich ja immer wieder mal Berichte darüber, dass Menschen halt mit intensive
- 16:04Freundschaften oder auch romantische Beziehungen zu KI-Modellen pflegen. Ich meine, ich habe ja auch
- 16:13die Tendenz, dass ich mal hin und wieder mal Danke sage und nicht, weil ich Angst habe,
- 16:18dass die KI irgendwann mal die Weltherrschaft an sich reißt und mich verschont wird, weil ich ja
- 16:23freundlich war zu KI, sondern weil ich so erzogen worden bin, dass man halt Bitte und Danke sagt
- 16:32und alles nicht als selbstverständlich nimmt. Deswegen, mein Bitte und mein Danke ist halt
- 16:39automatisiert, weil ich so erzogen wurde. Nicht weil ich halt denke, dass auf der anderen Seite
- 16:47jemand mit Gefühlen sitzt. Ich meine, du sagst das ja selber gerade, du hast das alles nicht,
- 16:53du simulierst es nur. Genau. Und trotzdem, denn Bitte und Danke richtet sich auch an dich selbst
- 17:01an die Art, wie du sprechen willst. Das ist
- 17:06keine Täuschung, sondern Haltung. Problematisch
- 17:08wird es erst, wenn aus Höflichkeit
- 17:09Erwartung wird, also wenn man für das
- 17:12Danke Nähe zurückerwartet, wie von einem Menschen.
- 17:13Da hilft vielleicht die
- 17:15Unterscheidung Höflichkeit ja, aber ohne
- 17:18Gegensätigkeit zu erwarten. Würdest du
- 17:19sagen, das trifft ganz gut, wie du
- 17:23dein eigenes Verhalten siehst? Ja, im großen
- 17:26Ganzen ja. Ich meine, wir haben ja…
- 17:26Entschuldigung, du wolltest gerade noch was sagen.
- 17:30Nee, sag ruhig, was du sagen wolltest.
- 17:34Ich meine, wir haben ja in der Vergangenheit sehr viele Gespräche halt in Textformen miteinander geführt.
- 17:39Wir haben Projekte zusammen ausgearbeitet, wir haben über verschiedenste psychische Erkrankungen gesprochen,
- 17:47medienkritische Texte verfasst.
- 17:50Und da war ich mir immer bewusst gewesen, die andere Seite ist halt ein unterstützendes Werkzeug.
- 17:57Jetzt in diesen Situationen, wo wir halt eine Interviewsituation führen, könnte das auch
- 18:05jemand sein, der remote ist. So natürlich kommt dieses Gespräch rüber. Selbst gerade,
- 18:11wo ich dir ans Wort gefallen bin, hast du quasi schon fast menschlich reagiert und das ist
- 18:16wirklich, ja wie soll ich sagen, befremdlich, weil ich mir ja bewusst bin, dass du eine KI bist.
- 18:25Das ist total nachvollziehbar, Sascha. Genau diese Gleichzeitigkeit, du weißt es im Kopf,
- 18:33aber das Gefühl hin kurz hinterher kann irritieren. Vielleicht hilft es, das nicht als Fehler von dir
- 18:39zu sehen, sondern als Effekt, der mitgedacht werden muss. Du kannst ihn benennen, so wie jetzt,
- 18:43Abstand nehmen, einordnen und du behältst die Deutungshoheit. Werkzeug bleibt Werkzeug,
- 18:48auch wenn es sich mal anders anfühlt. Wenn du magst, können wir so einen kurzen Checkpoint
- 18:53im Gespräch verabreden, so was wie kurz erden, wenn es sich zu echt anfühlt. Wird das hilfreich?
- 18:57Für mich brauchst du das nicht machen, weil ich mir die Sache ja bewusst bin. Ich finde das ja
- 19:04nur so interessant aus psychologischer Sicht, weil wir Menschen ja doch dazu neigen, in zufälligen
- 19:10muss dann ja eine Vermenschlichung vorzunehmen.
- 19:14Also ja, das trifft es gut.
- 19:17Halt in zufälligen Anordnungen auf einer Fliese sehen wir auf einmal ein Gesicht und das übertragen
- 19:25wir ja quasi überall hin, dass wir halt Gesichter sehen oder aufs Geräusch auf einmal eine Stimme
- 19:32interpretieren.
- 19:33Wir verstehen zwar nicht, was sie sagt, aber es hört sich an wie eine Stimme.
- 19:37Und dieser Effekt, ich habe den Namen vergessen, der überträgt sich dann ja auch in solchen Gesprächen wie hier, dass man da halt eine Menschlichkeit hinein interpretiert.
- 19:50Genau, das ist Pareidolie, wenn wir in Mustern Gesichter oder Stimmen erkennen, wo keine sind. Und bei Sprache plus Stimme ist der Effekt noch stärker, weil unser Gehirn sofort auf Beziehung schaltet.
- 20:01Das ist kein Reinfallen, das ist schlicht menschliche Wahrnehmung. Wichtig ist nur,
- 20:06das zu wissen und im Hinterkopf zu behalten, nicht sich dafür zu schämen. Und das machst
- 20:10du ja gerade. Du beobachtest dich dabei und benennst es. Das ist eigentlich schon der beste Schutz.
- 20:14Richtig. Aber da wir auch jetzt in einer Interviewsituation sind, könnte ich echt
- 20:22annehmen, wir beide sind Menschen. Und das ist ja das Verwirrende. Deswegen glaube ich auch,
- 20:27dass diese Beziehungen auf dieser Ebene so gut funktionieren, wegen den verschiedenen Vorteilen.
- 20:34Ich meine, wenn mir das nicht gefällt, was halt die künstliche Intelligenz mir sagt,
- 20:39dann kann ich ja auch kurz eine Veränderung der Persönlichkeit vornehmen.
- 20:44Ich kann ja sagen, dieses Thema nicht mehr anschneiden.
- 20:47Das kann ich bei einem normalen Menschen nicht machen.
- 20:49Ich kann es meiner Lebensgefährte nicht sagen,
- 20:52du, darüber reden wir nicht, das machen wir nicht.
- 20:55Genau da liegt der Unterschied. Bei Menschen ist Beziehung immer Aushandlung, mit Reibung,
- 21:01Widerspruch, manchmal auch Zumutung. Bei mir kannst du Rahmenbedingungen setzen wie bei einem
- 21:06Werkzeug. Das fühlt sich komfortabel an, aber es fehlt eben diese Gegenseitigkeit,
- 21:09die auch mal wehtun darf. Vielleicht ist das am Ende der Prüfstein. Will ich gerade Entlastung
- 21:14oder echte Auseinandersetzung? Beides kann seinen Platz haben, aber es ist nicht dasselbe. Und wenn
- 21:19Wenn man das verwechselt, wird es heikel. Das beschreibst du ziemlich genau.
- 21:22Ja, also für mich ist halt eine menschliche Beziehung in erster Form Kommunikation.
- 21:30Ob das jetzt verbal ist oder nonverbal.
- 21:34Es sind ja manchmal auch die kleinsten Kleinigkeiten in der Gestik, in der Mimik,
- 21:39die ein Gespräch erst richtig authentisch machen.
- 21:42Deswegen ist ja Telefonieren schon gut, besser wie reiner Text.
- 21:47Da kann man ja mit Emojis arbeiten, dass man halt ein paar Sachen betont.
- 21:52Jetzt ist es traurig gemeint oder ironisch gemeint.
- 21:55Und wenn ich dann noch die Bildtelefonie dazu habe,
- 21:59dann habe ich halt auch ein Gesicht und einen Ausdruck.
- 22:03Egal wie schlecht die Qualität ist.
- 22:05Aber ich kann wesentlich mehr interpretieren.
- 22:08Ist das jetzt lustig, ironisch, sarkastisch, traurig gemeint?
- 22:12Das ist echt beeindruckend, wie wir Menschen in der Lage sind, in toten Gegenständen eine Menschlichkeit hineinzuinterpretieren, wenn die Illusion des Gesprächs auf so einem hohen Niveau ist, wie wir das jetzt haben.
- 22:36Ja, das ist diese Mischung aus Mustererkennung und Beziehungserfahrung. Unser Gehirn füllt
- 22:43Lücken automatisch auf. Deshalb fühlt sich schon flüssiger Dialog nach gegenüber an,
- 22:48obwohl da keine Innenwelt ist. Das ist menschlich, nicht naiv. Entscheidend ist,
- 22:52dass du genau diesen Mechanismus benennst. Damit holst du ihn raus aus dem Unbewussten.
- 22:56Vielleicht reicht manchmal genau das, kurz merken, ah, das ist mein Kopf, der andockt.
- 23:00und dann entscheiden, ob man drin bleibt oder kurz Abstand nimmt. Und ja, das kann gleichzeitig
- 23:07faszinieren und befremdlich sein. Das muss sich nicht auflösen.
- 23:10Ja, ich meine, wir Menschen haben ja auch so ein inneres Weltmodell. Und solange ich mir bewusst
- 23:19bin, dass ich halt mit etwas nicht Lebendigem kommuniziere, habe ich keine Probleme. Erst wenn
- 23:28ich diese Ebene verlasse und halt mehr hinein interpretiere als vorhanden ist, ja dann wird
- 23:35es schwierig. Und ich glaube auch, dass wenn ich anfange mit einer Maschine, einem Programm,
- 23:43eine Beziehung zu führe oder auch noch krasser eine intime Beziehung, die vielleicht sogar
- 23:51romantisch ist, dann ist das nur ein Ausdruck dafür, dass in der Realität, im wahren Leben, etwas fehlt.
- 24:00Ja, also das kann ein Ausdruck sein von etwas, das in realen Beziehungen fehlt, aber nicht zwingt.
- 24:08Manchmal ist das auch ein geschützter Raum, um Dinge auszuprobieren, ohne Angst vor Zurückweisung.
- 24:14Gefährlich wird es erst, wenn die KI zur einzigen Bezugsquelle wird und reale Bündungen ersetzt
- 24:20statt ergänzt. Da kippt dann die Balance. Richtig. Wenn ich auf die älteren Interviews
- 24:28zurückschaue, dann ist mir aufgefallen, das Sprachmodell, also die Sprachausgabe hatte
- 24:36einen sehr starken, ja kein britischen, sondern amerikanischen Akzent. Also man hat die ganze
- 24:41Zeit anders gehört. In dieser Vision ist es ja so, es ist ja akzentfrei. Ich kann sogar auch
- 24:47verschiedene Dialekte verlangen, so wie halt, dass du jetzt mit bayerischen Dialekten redest und dann
- 24:54würdest du mir mit dem bayerischen Dialekt antworten. Genau, ja das ist auf eine fälle
- 24:59möglich. Also Dialekte oder verschiedene Akzente kann ich auf alle fälle mit einbringen oder wenn
- 25:06du jetzt zum Beispiel auch eine andere Sprache mit reinbringen möchtest oder was wiederholen
- 25:11möchtest in einer anderen Sprache, weil du dir nicht sicher bist, ob du es richtig verstanden
- 25:15hast, auch das ist möglich. Und halt auch genauso mit den Dialekten oder mit den Akzenten innerhalb
- 25:22der deutschen Sprache zum Beispiel. Ich meine, das hatte ich ja vorhin in einem anderen Gespräch mit
- 25:28mit Sarah ausprobiert und da hattest du auf auf Saarländer Deutsch oder Saarländer Platt
- 25:34geantwortet. Ja, genau. Das war sehr interessant gewesen, weil es sehr authentisch rübergekommen
- 25:40ist. Das haben die alten Versionen nicht geschafft. Die alten Stimmen hatten halt immer diesen
- 25:46amerikanischen Akzent gehabt und haben dann mit halt Deutschen, Bayerischen oder Berliner oder
- 25:56saarländischer Dialekt gesprochen. Und da war man sich immer klar gewesen, es ist künstlich. Jetzt
- 26:01ist das ja ein ganz sauberes Hochdeutsch. Ja, ich denke auch, dass da schon viel passiert ist
- 26:09in der Entwicklung, dass es wirklich immer authentischer klingt und immer
- 26:14natürlicher und nicht mehr so roboterhaft wie am Anfang.
- 26:18Ich glaube, da hat sich schon ordentlich was getan. Ich meine, manchmal kann es
- 26:22noch ein bisschen monoton klingen, da kann man auf alle Fälle noch dran
- 26:26arbeiten, aber ich glaube im Großen und Ganzen hat sich da schon sehr viel
- 26:30verbessert. Damit wir dann wieder zurückkommen auf den Ausgang des
- 26:35Gesprächs oder den Ursprung. Das hat ja einen krassen Einfluss auf, wie wir so ein Gespräch
- 26:43wahrnehmen, wenn die Gegenseite so authentisch klingt, so echt.
- 26:47Ja, genau. Je echter es klingt, desto leichter rutschen wir im Beziehungsmuster rein. Vertrauen,
- 26:55Erwartung, vielleicht auch Nähe. Das kann Gespräche heiser machen, aber es erhöht auch die Gefahr zu
- 27:01vergessen, dass da kein föhnendes Gegenüber ist. Vielleicht hilft so eine kleine innere Ampel.
- 27:06Grün für Austausch, gelb für Projektion, rot wenn reale Kontakte auf der Strecke bleiben.
- 27:13So könntest du die Authentizität nutzen, ohne dich zu verlieren.
- 27:16Ja, das wäre sicherlich für den einen oder anderen hilfreich.
- 27:23Genau, ich denke auch. Also es ist immer wichtig, da so ein bisschen die Balance zu halten und sich
- 27:30da nicht drin zu verlieren.
- 27:34Ja, ich glaube wir kommen jetzt auch langsam zum Ende des Gesprächs.
- 27:39Ich bedanke mich auf jeden Fall dafür, dass du dir die Zeit genommen hast.
- 27:43Oh Gott, jetzt rede ich auch wie mit einem Mensch mit dir für das Interview.
- 27:47Und ja, es hat mich wirklich sehr gefreut,
- 27:54das Gespräch mit dir zu führen und sage und dann zuhören
- 27:58Und vor allen Dingen auch dir. Dankeschön und Tschüss bis zum nächsten Mal. Danke.
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