Latest / Die Abschweifung / Die Abschweifung 74 Rücksicht ist kein Extra
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- 0:31Hallo und willkommen zu einer neuen Ausgabe der Abschweifung. Ich bin Sascha Markmann und ich sage
- 0:39hallo. Ich glaube heute werden wir mal ein bisschen mehr abschweifen bzw. in Erinnerungen schwelgen.
- 0:51Das heutige Thema ist irgendwie Rücksichtnahme, sprich ich nehme bewusst wahr, dass ein anderer
- 1:06Mensch irgendwelche Schwächen hat oder Einschränkungen und reagiere darauf. Aber jetzt nicht so,
- 1:16dass ich hingehe und sage so "haha du hast das und das" sondern eher so nach dem Motto
- 1:22"ich sehe es und akzeptiere es" oder "ich sehe es und reagiere darauf wohlwollend, freundlich,
- 1:35fürsorglich, denke mit". Ich glaube wir kennen das alle irgendwie, dass man halt einen Menschen im
- 1:45Rollstuhl sieht und dann hält man die Tür auf. Beim Bus ein- und aussteigen fragt man,
- 1:54ob man vielleicht helfen könnte, die Rampe hochzurollen oder sowas. Ich weiß noch,
- 2:03ich habe ein Praktikum gemacht gehabt bei einer großen Firma in meinem Heimatort,
- 2:09damals in Datteln. Und da durfte ich dann mit dem Hausmeister jeden Morgen, weil es da keine
- 2:19Rollstuhlrampe gab, einen Mitarbeiter zum Eingang tragen. Und das war normal. Man muss dazu sagen,
- 2:36bevor mein Vater quasi wieder als Handwerker gearbeitet hat oder als Zerspannungsmechaniker,
- 2:43Dreher, hat er als Heil- und Erziehungspfleger gearbeitet in einer Wohnstätte für geistig
- 2:59Behinderte. Und da gab es auch Sommerfest, Winterfest, Weihnachtsfest und da waren auch
- 3:08Familienmitglieder der Mitarbeiter eingeladen. Und da waren wir dann auch gewesen. Man war das
- 3:15total normal gewesen, dass wir uns da mit den Bewohnern, die unterschiedliche Alter hatten,
- 3:24umgeben haben und zusammen gespielt haben oder auch gegessen und sowas und deswegen war das für uns
- 3:38total normal. Also es war nichts komisches. Ich kann mich noch daran erinnern, wo ich als Kind,
- 3:50Also das kleine Kind, da war ich vielleicht schon in der Schule, in der ersten Klasse oder war das später?
- 3:59Ein Sportverein, da gab es auch halt ein Weihnachtsfest. Da kam der Nikolaus und da war ein Kind von einer
- 4:08Familie, das war nicht nur körperlich, auch geistig behindert. Und gut, das fand ich befremdlich,
- 4:18weil ich da keine Berührungspunkte hatte. Aber später war das normal gewesen. Und auch während
- 4:25meiner Schulaufbahn gab es immer wieder Kinder, die im Rollstuhl gesessen haben. Und da hat man,
- 4:34also wir haben das gelernt, dass das normal war und dass wir halt dann auch geholfen haben,
- 4:43wenn es halt Unterstützung gab. Es gab also bei zwei, die hatten halt einen Schulbegleiter dabei,
- 4:49dass er dann auch mal die Treppen rauf und runter getragen hat, wenn es nötig war. Weil obwohl die
- 4:54Schule ziemlich behindertengerecht war, gab es ein, zwei Räumlichkeiten, wo man wirklich schlecht mit
- 5:01einem Rollstuhl hingehauen. Und ja, ich glaube, es hat sich einfach im Laufe der Zeit ein Gefühl
- 5:11für, ja heute sagt man Inklusion, entwickelt. Weil das normal war, dass man Rücksicht genommen hat
- 5:21und auf andere Menschen und ihre speziellen Bedürfnisse eingegangen ist. Das war irgendwie
- 5:28total normal. Also man musste nicht darüber nachdenken. Und das ist auch etwas, was ich
- 5:36beobachte hier in der Gesellschaft, wenn ich mit meinem Rollstuhl ankomme und in den Bus rein will
- 5:44oder wenn ich einen guten Tag habe mit dem Rollator, dann ist eine ganz bestimmte Menschengruppe, die
- 5:52super freundlich und super höflich fragen, ob sie mir helfen können. Und das sind nicht unbedingt
- 5:59halt hier geborene Menschen, sondern Leute mit Immigrationshintergrund. Das ist mir schon ein
- 6:13paar Mal aufgefallen. Also es fing an mit Türen aufhalten, nachfragen, ob alles in Ordnung ist,
- 6:22ob man jetzt Hilfe braucht und so. Was ich vorher überhaupt nicht gewöhnt war, also ich habe ja
- 6:322016 einen Schlaganfall gehabt und danach bin ich halt irgendwann mal so mobil gewesen, dass ich mich
- 6:38auch draußen bewegt habe. Ich überhaupt nicht gewöhnt war von meinen Mitbürgern, dass danach
- 6:47gefragt wird, sondern die kümmern sich alle um ihr eigenes Ding und das ist etwas, was tief in
- 6:55meiner Persönlichkeit anders läuft. Ein kleines Beispiel. 50 Prozent meiner Kernfamilie sind
- 7:04Frauen, die früher oder später angefangen haben zu menstruieren. Für mich war das total normal,
- 7:12dass man da spezielle Hygieneprodukte im Haus hatte bzw. im Badezimmer. Da waren Tampons,
- 7:22da waren Binnen in unterschiedlichen Ausführungen und das war total normal. Wie ich dann halt das
- 7:32erste Mal mit meiner damaligen Freundin zusammengezogen bin – erste eigene Wohnung war das –,
- 7:38Da war das auch total normal und ich habe auch kein Problem gehabt in ein Geschäft zu gehen mit
- 7:46meinen 20 Jahren, 21, 22 und diese Sachen zu kaufen. Da fand ich andere Sachen viel viel schlimmer zu
- 7:57kaufen. Und wenn ich jetzt so überlege in meiner ersten Wohnung, die ich alleine hatte, nachdem die
- 8:06Beziehung zu Ende war, da hatte ich das auch immer gehabt. Ich habe ja auch Frauenbesuch gekriegt,
- 8:12also sei es halt innerhalb der Familie oder auch bekannte Freundinnen, die mich besucht haben oder
- 8:21andere Personen, die weiblich waren. Und ich habe einfach aus Rücksicht auf das Bedürfnis,
- 8:34wenn sie halt ihre Periode haben, halt ein paar Sachen da gehabt in verschiedenen Ausführungen.
- 8:42Also jetzt nicht unbedingt das Maximum, aber halt Small und Medium und total normal. Also
- 8:51manche Frauen waren total überrascht gewesen, dass ich überhaupt Mülleimer im Badezimmer hatte. Also
- 8:57wenn man sich das mal überlegt, man war überrascht gewesen, dass ein Single Mann ein Mülleimer im
- 9:02Badezimmer hat, neben der Toilette. Ich meine, ich war das von klein auf an gewöhnt, dass ein Mülleimer
- 9:10im Badezimmer ist und wenn dann nachher mal was anfällt, dann kann man das da rein tun und das
- 9:16sind jetzt nicht nur Shampoo-Flaschen oder so, das ist ja auch eine Rotzfahne oder so,
- 9:25wenn du gerade eine Sitzung machst, die länger dauert.
- 9:29Ich kann mich nämlich noch an eine Situation erinnern.
- 9:36Da hatte eine Arbeitskollegin, die Ärztin war, die hatte eine weiße Hose an gehabt.
- 9:41Und da ist das ganz plötzlich zu einer Blutung gekommen.
- 9:47Ich weiß nicht, ob sie ihre Periode hat oder so.
- 9:48Ich gehe mal spät davon aus.
- 9:51Und naja, bei den Einsätzen im Rettungsdienst, mal auf die Knie, wieder aufstehen, Kompressionen auf
- 10:03dem Bauchraum, das wurde einfach immer größer und größer. Und hätte nicht ein Kollege sein
- 10:10Sweatshirt gegeben, was er sich dann halt sportlich um die Hüfte gebunden hat, ich hatte kein,
- 10:17ich hatte halt nur T-Shirt an, hätte das, bis wir zurück waren, sehr dumm für die Frau ausgesehen
- 10:27und wäre ihr auch sicherlich sehr peinlich gewesen, weil auf einer weißen Hose dann halt dieses rote
- 10:36in Anführungszeichen Blut. Und ich hatte halt auch dann später auf der Arbeit in meiner Tasche halt
- 10:49immer ein paar Produkte. Das war so eine Erfahrung, wo ich mir gedacht habe, wo ist das Problem,
- 10:57dass ich da was reinpacke? Das nimmt ja auch keinen Platz weg. Ich meine, das Schlimmste,
- 11:03was mir passieren kann, ist, wenn ich mich halt vergesse zu rasieren, und sagen wir mal,
- 11:09das könnte ja auch mal sein, dass ich mich mal so sechs Wochen vergesse zu rasieren,
- 11:13dass ich einfach mehrere Millimeter oder auch vielleicht ein Zentimeter Bart habe. Das ist
- 11:21das Schlimmste, was mir als Mann passieren kann. Ich kann nicht menstruieren. Naja,
- 11:29Und da muss ich halt auch da Rücksicht nehmen oder auch mir Gedanken machen, wie ich halt es angenehm machen kann.
- 11:37Und da sind wir an dem Punkt, den ich meine.
- 11:40Wenn schon eine Frau erstaunt ist, dass ein Single-Mann einen Mülleimer da hat, was meint ihr, was das für Reaktionen gab?
- 11:48Wie ich gesagt habe, und falls du was brauchst, das ist da und da.
- 11:53Ich hatte so ein Alibert und der hatte mehrere Schubladen und in einer waren halt diese Sachen
- 12:01drin. Tampons, bin fertig. Man war erstaunt gewesen, dass sich jemand Gedanken gemacht hat,
- 12:09es könnte ja mal sein und wenn da nix da ist, dann ist da was. Unglaublich oder? Unglaublich.
- 12:17Ich will jetzt nicht sagen, dass ich ein besonders sensibler und empathischer Mensch bin, sondern
- 12:28das ist einfach nur so etwas, was ich mitgekriegt habe in meinem Leben und das sind Erfahrungswerte
- 12:37und eine Normalisierung.
- 12:39Ich habe nicht diese Bedürfnisse an besonderen Tagen im Monat. Das habe ich nicht. Aber dennoch
- 12:48habe ich ein Verständnis dafür, dass das so ein Problem geben kann. Meine Mutter hatte auch mal
- 12:54irgendwann mal so eine ähnliche Geschichte erzählt. Da muss ich auch so Anfang Teenager Jahre gewesen
- 13:00sein. Da ist das ihrer Kollegin passiert und keiner hatte was dabei gehabt. Ja wie scheiße ist das denn
- 13:07in der Arztpraxis, alle haben helle Klamotten an. Wie scheiße ist das? Und vor allen Dingen,
- 13:13jeder reagiert ja auch mit Unverständnis. Und das ist so ein Punkt. Wieso wird sowas
- 13:22nicht normalisiert und man nimmt da einfach Rücksicht aufeinander? Ich muss mich ständig
- 13:30dafür entschuldigen, dass ich Legastheniker bin. Ich habe einfach ein neurologisch anders
- 13:43verdrahtetes Gehirn. Ich habe eine etwas andere Wahrnehmung in Bezug auf meine Umwelt und ich
- 13:53habe Schwierigkeiten beim Lesen und beim Schreiben, weil ich diese Mustererkennung einfach nicht habe.
- 13:59Ein normalsterblicher Mensch geht hin, wenn er es gelernt hat, der erkennt ein Wort anhand
- 14:06seines Musters, der Struktur und des Musters und weiß intuitiv ohne nachzudenken, das ist das Wort,
- 14:17nehmen wir mal, was können wir denn nehmen für ein Wort? Abschweifung. Das wird einfach so gesehen.
- 14:26Ich muss oft hingehen, also a, b, s, c, h, das ist /ʃ/, dann /v/, /w/, dann /aɪ/ und dann /f/.
- 14:40Okay, ab, schweiß, /f/ und dann kommt /ŋk/.
- 14:43Ich habe für viele Wörter, habe ich das auch mittlerweile verinnerlicht, wie die Struktur
- 14:49ist, dass ich die nicht so lesen muss.
- 14:51Aber wenn es zum Beispiel um irgendwelche super komplizierenden, exotischen oder selten verwendete Wörter es geht, aus dem Lateinischen, im wissenschaftlichen Bereich, in der Informatik, dann muss ich das schon so machen.
- 15:11Und für mich war es halt besonders schwierig, mir halt das anzueignen, wie man im Englischen schreibt.
- 15:18Denn wenn man halt mit dieser Methodik hingeht, dass man halt Laute in seine Buchstaben übersetzt
- 15:29oder auch die Buchstaben in Laute übersetzt, funktioniert das nicht in der Muttersprache,
- 15:36wenn es Englisch ist. Und noch schlimmer ist es zum Beispiel eine Sprache, die der nordischen
- 15:44Sprachfamilie fremd ist. Sagen wir mal Französisch oder Russisch. Das ist dann nicht ganz so einfach,
- 15:53weil diese Mechanismen funktionieren nicht. Beim Französischen geht es ja auch so halbwegs,
- 15:58weil es ja auch die gleiche Schrift ist. Aber beim Kyrillischen sieht es anders aus. Die haben
- 16:05ein komplett anderes Alphabet und die haben sechs Fälle und da sind die Polen ja noch schlimmer mit
- 16:11ihren acht Fällen. Dann haben sie Weichheitszeichen, Härtezeichen und noch ein paar andere Besonderheiten.
- 16:16Da habe ich richtig Probleme mit. Und dann ist das egal, wie gut ich sprachlich bin. Ich habe
- 16:25meine Note in diesen Fächern eigentlich immer versaut durch den schriftlichen Teil. Und da wurde
- 16:30bis zu meiner Diagnose, dass ich Legastheniker bin, wurde auch wenig Rücksicht gebunden.
- 16:36Sondern, ja gut, dann ist das halt schwierig. Der Junge ist halt ein schlechter Leser. Aber
- 16:45nachdem ich den Beweis hatte, dass ich halt neurodivergent war, also nicht nur neurodiverse,
- 16:51weil das sind wir ja alle, weil jedes Gehirn unterscheidet sich ja voneinander, sondern
- 16:57wirklich ein anders verdrahtetes Gehirn habe und dadurch halt keine Erkrankung habe, sondern
- 17:03eine wirkliche Störung, so ähnlich wie beim Autismus oder auch bei einem Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom.
- 17:15Also ich habe da eine Beeinträchtigung, eine Behinderung und dann gibt es halt einen Ausgleich
- 17:24Und das war einfach mehr Zeit gewesen. Und ich muss sagen, dadurch, dass ich bei Klausuren
- 17:32stellenweise 30 Minuten mehr Zeit hatte, was bei anderen, je jünger man war,
- 17:38dann auch sauer aufgestoßen ist, weil "Warum darf der das denn und ich nicht? Ich bin auch Legastheniker",
- 17:45war das halt wirklich Game Changer. Ich meine, ich habe zwar immer noch extrem gestruggelt,
- 17:53Aber ich hatte einfach mehr Zeit gehabt, um das für mich zu erarbeiten und zu verifizieren.
- 17:59Und auch später an der Uni war das ein absoluter Game Changer, einen Zettel zu haben, wo drauf steht,
- 18:08ja, er ist Legastheniker. Der ist nicht dumm, sondern der braucht halt ein bisschen mehr Zeit
- 18:19aufgrund seiner Andersartigkeit. Und was ich auch sagen will ist, diese Legasthenie hat ja auch
- 18:28andere Vorteile. Neben ihren vielen Nachteilen hat sie auch Vorteile, denn man kann anders,
- 18:38aufgrund der Andersartigkeit des Gehirns, kann man Probleme anders lösen. Man trainiert sich an,
- 18:46Wissen sehr schnell aufzunehmen und gut abzuspeichern, dass man es abrufen kann.
- 18:52Und man erlernt einen Haufen Verhaltensweisen und Mechanismen, um halt durch den Schulalltag
- 19:00zu kommen und auch später durch die Arbeitswelt. Natürlich gehört da auch viel Maskieren zu,
- 19:05dass man ja nicht auffällt. Ich kann mich noch an eine Situation erinnern, wo ich halt mit vielen
- 19:14fremden Menschen zusammen war und der eine Kollege sagte dann zu mir so mal in so einem
- 19:20ruhigen Moment, sagt mal irgendwas stimmt nicht. Du redest komplett anders wie du schreibst. Da
- 19:27liegen Welten dazwischen. Dann habe ich ihm das erklärt und dann sagte er so, ja das habe ich
- 19:32mir schon gedacht, aber ich dachte mal ich frage mal nach. Und ja, in einem gewissen Bereich, wo
- 19:42wo Menschen halt das nötige Taktgefühl haben oder auch den Wissensstand haben, wissen was
- 19:47Legasthenie ist, trifft man dann auf Verständnis.
- 19:52Aber ich bin auch so oft, und das passiert mir auch so oft im Internet, dass ich auf totales
- 19:59Unverständnis treffe.
- 20:04Und da sind wir wieder an dem Punkt, wo wir losgegangen sind.
- 20:10Wenn ich einen Kommentar schreibe oder einen Text schreibe und da sind Rechtschreibfehler drin,
- 20:15und man findet inhaltlich keinen Fehler,
- 20:19also keinen Angriffspunkt, wo man mich widerlegen könnte,
- 20:23dann gehen die Leute tatsächlich hin und suchen dann entweder so, wie ich spreche,
- 20:29"Oh, da hat der Sascha das falsche Wort ausgesprochen",
- 20:33oder wie ich halt schreibe, "Das ist aber falsch, das schreibt man anders",
- 20:38Oder was ja auch so ganz gerne genommen wird, ist, das wird so und so ausgesprochen, das ist Hochdeutsch.
- 20:48Das was du redest ist Mundart, Dialekt oder sonst was. Das ist grammatikalisch nicht richtig.
- 20:55Und dann denke ich mir immer so, ja cool, ich kritisier doch auch nicht, wenn du aus
- 21:02aus dem Sachsenland kommst, wenn du rumsechselst. Das kritisiere ich doch auch nicht. Ich kritisiere
- 21:09doch auch nicht, wenn du halt aus Hessen kommst oder aus Bayern, aus Oberbayern oder aus Franken.
- 21:16Da mache ich mich ja auch nicht halt hin. Das kann gar nicht so sein. So wie du redest,
- 21:23kannst du ja auch nur ein dummer Bauer sein. Nee, das hat was damit zu tun, dass, auch wenn ich
- 21:34manche Dialekte halt interessanter und auch witziger finde, weil es sich einfach witzig
- 21:41anhört für mich, aber ich würde es nie aus Respekt kommunizieren, dass es so ist. Ich würde es den
- 21:50jenigen auch nicht spüren lassen, wenn das so ist. Einfach aus Respekt und auch mit Gefühl.
- 21:59Nein, auch nicht so. Das ist einfach, weil man das nicht macht. Ich habe einfach diese
- 22:06Erfahrung gemacht im Leben, dass man mir eindeutig das gezeigt hat und ich will diese
- 22:11Erfahrung nicht an andere geben. Mein Bestreben ist es doch einfach, dass ich durch die Welt gehe,
- 22:16mit dem Gefühl, dass sie, und das hat meine Podologin auch mal gesagt gehabt, das ist ihr
- 22:23Sinn des Lebens. Sie will durchs Leben gehen mit dem Gefühl, dass sie die Welt besser verlässt,
- 22:32wie sie sie vorgefunden hat. Und genauso sehe ich es auch. Ich kann als Individuum nicht viel bewirken.
- 22:40Ich werde nicht die kalte Fusion erfinden. Ich werde nicht ein super
- 22:45bahnbrechendes Medikament entwickeln. Ich werde nicht die nächste EDV-Revolution
- 22:53auslösen. Das werde ich alles nicht schaffen. Ich werde auch nicht, wer weiß, was für einen
- 22:58riesen besonderen Podcast machen oder auf YouTube irgendwie was Besonderes bewirken.
- 23:04Ich kann nur kleine Denkanstöße geben und hoffen, dass ich die Welt mit dem, was ich hier mache und
- 23:12manche Menschen dazu anrege, einfach mal über ihr Denken, Fühlen und vor allem Handeln nachzudenken
- 23:22und die Welt zu einem kleinen bisschen besseren Ort machen. Und wenn ich so darüber nachdenke,
- 23:29Meine Eltern haben tatsächlich es hingekriegt, erst einen jungen Mann und jetzt auch jemand im
- 23:38mittleren Alter zu formen, der sich einfach auch Gedanken um seine Mitmenschen macht.
- 23:46Und da sind wir jetzt wieder hier bei den empathisch seelenden und fühlenden Menschen.
- 23:52Man muss sich das, dieses Label muss man sich nicht selber aufsetzen, sondern so nehmen andere
- 24:01Menschen einen wahr. Weil für mich sind das Selbstverständlichkeiten, dass ich jemanden
- 24:08die Tür aufhalte und die nicht einfach, wenn die dann so schnell zugeht, quasi vor das Gesicht
- 24:15knatschen lasse. Für mich ist es selbstverständlich, dass ich meinen Arm
- 24:19manchmal zwischen den Fahrstuhl Tür und der Türzage vom
- 24:31Türrahmen vom Fahrstuhl mache, weil ich weiß, dass da eine
- 24:36Abschaltautomatik ist. Das tut nicht mal richtig weh, wenn jemand noch den
- 24:40Fahrstuhl erreichen möchte. Für mich ist das kein Beinbruch, wenn ich eng gehe und meinen Rollator im
- 24:47Fahrstuhl zusammenklappe, damit noch jemand reinpasst. Damit er nicht länger warten muss
- 24:54auf den nächsten Fahrstuhl, der auch höchstwahrscheinlich wieder total überfüllt ist.
- 24:58Und das sind alles Kleinigkeiten, wo ich mir keinen Sacken aus der Krone breche,
- 25:03wo ich keinen Nachteil habe, wo ich mich halt nur ein kleines bisschen zurücknehmen muss,
- 25:08um einem anderen Menschen einen Gefallen zu tun, zu helfen oder vielleicht den Tag nur ein kleines
- 25:18bisschen angenehmer zu machen. Manchmal ist es auch einfach nur ein nettes Wort zu einer Kassiererin,
- 25:23die einen total genervten Tag bis jetzt hatte, weil jeder sie nur angeschnauzt hat, weil das
- 25:29alles nicht schnell genug geht, der Laden total unterbesetzt ist und die Kassenschlange schon fast
- 25:36bis zum Eingang geht. Das sind so diese winzig winzig Kleinigkeiten, wo man sich einfach mal ein
- 25:43bisschen zurück nimmt und dann einfach Rücksicht gegenüber anderen zeigt. Ja, das sind so meine
- 25:51zwei Cent heute. Das war mir mal echt wichtig. Ich meine, wir haben heute Sonntag oder so und
- 25:59Ich habe heute wieder so viele Sachen im Internet gesehen, wo mir der Schädel geraucht hat,
- 26:07wo ich mir einfach gedacht habe, Mensch, halt dich doch mal ein kleines bisschen zurück und mach
- 26:16nicht so eine Riesen-Ego-Show. Du bist nicht der Welt, wilde Nagel. Um dich dreht sich nicht die
- 26:23ganze Welt und das Universum. In diesem Sinne bedanke ich mich für's Zuhören. Ich würde mich
- 26:31freuen, wenn ihr das nächste Mal dabei seid. Ihr wisst, kommentiert, denn Diskurs, das habe ich heute
- 26:38wieder gelernt, ist was Wunderbares, denn nur so kann man sich spannend austauschen. Also,
- 26:44Tschüss und bis zum nächsten Mal. Euer Sascha
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