Latest / Spirit Mind Energy – Dein Universum für moderne Spiritualität | Gespräche mit Petra Baum / 008 Tarot in der Literatur - Folge 3: Die "Buddenbrooks" | mit Tino Wiesinger
Transcript
- Petra Baum: Hallo zusammen. Heute widmen sich Tino und ich in unserem Tarot in der Literatur Talk einem richtig echten Klassiker und zwar den Buddenbrocks von Thomas Mann. Er ist definitiv ein Autor, der auf sehr ungewöhnliche Art und Weise den literarischen Olymp erklommen hat. Er hatte weder Abitur, er hatte auch keinen Studienabschluss und die Buddenbrocks waren tatsächlich der erste Roman, den er 1901 geschrieben hat. Im Laufe der Zeit wurden es natürlich noch ein paar mehr, wie zum Beispiel der Zauberberg oder Tonio Kröger und Tod in Venedig. Und tatsächlich hat er für die Buddenbrocks und seine weitere literarische Entwicklung 1929 den Literatur-Nobelpreis bekommen. Ein kleiner Blick auf den Menschen Thomas Mann. Er wurde 1875 in Lübeck geboren und stammt aus einer alteingesessenen Kaufmannsfamilie. Er fühlte sich persönlich aber stets mehr der Kunst... hingezogen, heiratete 1905 und hatte mit seiner Frau insgesamt sechs Kinder. Beim Schreiben der Buttenbrocks lässt sich sehr deutlich der Bezug zu seinem familiären Umfeld erkennen, auch wenn er selbst darin keine ganz konkrete Rolle einnimmt. Nachweise dafür, dass er eine konkrete Figur verkörpert, gibt es nicht. Aber wenn man so ein bisschen spekuliert und ich glaube, da kommen wir gleich auch noch drauf. ⁓ dann findet sich in Hanno Boddenbrock einige Eigenschaften, die an ihn erinnern. Er starb 1955 im Alter von 80 Jahren und hat, glaube ich, sehr befiegtes Leben gehabt. Und ich würde sagen, nach diesem kleinen Exkurs freuen wir uns jetzt auf die Boddenbrocks, die Tino uns jetzt ganz viel näher bringen wird und vor allem die vielschichtigen Charaktere über vier Generationen, aus denen wir uns so einige rausgepickt haben. und die Verbindung mit den Tarot Archetypen. Tino, it's your time! Tino Wiesinger: freue mich heute ganz besonders über die Buddenbrocks reden zu können. Für mich sind die Buddenbrocks der Roman schlechthin und Thomas Mann ist eigentlich für mich auch der Autor schlechthin. Man kann, glaube ich, guten Gewissens sagen, dass Thomas Mann vielleicht der größte Literatschriftsteller des 20. Jahrhunderts ist, der deutsche Schriftsteller. Ja, die Bunnbruchs sind eigentlich mein Lieblingsroman. Warum? Eigentlich würde man denken, was hat denn das eigentlich mit uns zu tun? Beschrieben wird der Niedergang einer Lübecker Kaufmannsfamilie. Und zwar in wirklich vier Generationen. Und ja, da fragt man sich, naja. Wir sind kein, wir sind nicht Kaufmann und was auch immer. Was hat denn dieser Roman mit uns zu tun? Aber ich glaube, wir werden sehen, insbesondere wenn wir das dann mit Taro verbinden, das hat eine ganze Menge mit uns zu tun. Und die erste Generation besteht aus Johann Bodenbrock, Älteren. Über den werden wir heute wahrscheinlich nicht so viel reden. Der hat auch nur einen relativ knappen Auftritt im Roman. Nur am Anfang kommt er vor und dann stirbt er auch schon bald. Aber er ist der Kaufmann schlechthin. Petra Baum: und der richtige Familienpatriarch. Tino Wiesinger: Genau, der Patriarch, auf den alles letztendlich gründet. Und bei ihm ist wirklich diese richtige Kaufmannsenergie noch zu spüren. Sein Sohn, Johann oder genannt Jean, Johann der Jüngere, der ist auch Kaufmann wirklich vollen Herzens und der macht das auch richtig gut. Petra Baum: Ja. Tino Wiesinger: bringt auch die Firma Buddenbrook, das ist eine Getreide-Großhandlung, wirklich noch voran. Sie kaufen ja unter anderem auch das Buddenbrook Haus, das man heute noch in Lübeck besuchen Und da geht es quasi nochmal richtig aufwärts. Er hat nur ein Problem, dieser Johann Buddenbrook, er ist halt auch schon ein bisschen sehr und pietistisch, da kommen wir auch gleich zu. Und es geht weiter mit der nächsten Wir werden über Thomas reden, ist der Sohn von Jean, aber auch über Christian, ein weiterer Sohn, und über Toni Buddenbroek, die Tochter. Die spielen alle eine wichtige Rolle im Roman. Und Thomas übernimmt dann irgendwann die Firma und bekommt auch einen Sohn, Hanno. Davon hast du schon eben gesprochen, als du über den Bezug zu Thomas Mann gesprochen hast. Ja, und eine weitere Generation gibt es aus bestimmten Gründen dann nicht mehr. Und warum, wieso, da kommen wir dazu. Grundsätzlich aber geht es wirklich Darum, dass diese Firma über diese vier Generationen eigentlich die gesamte Familie über die vier Generationen zerbricht. Warum? Naja, man kann im Prinzip sagen, es ist Schicksal, dass diese Familie zerbricht. Es sind die Zeitumstände, es sind veränderte Zeiten. Es ist das Rad des Schicksals, was sich dreht im Verlaufe der Zeit. in diesen vier Generationen. Und das Rad des Schicksals lässt sich auch nicht aufhalten. Man kann dem Rad, auch wenn man es immer wieder versucht, nicht in die Speichen fallen. Dann verletzt man sich höchstens und es wird am Ende nur noch schlimmer. Das Rad dreht sich und die Familie verändert sich, die Zeit verändert sich. Und wenn wir uns anschauen, Ja, wir gucken uns erstmal Jean an. Also bei Johann reden wir nicht den Älteren, sondern über Jean. Dann ist er noch derjenige, der wirklich die Traditionen und die Kultur der Familie pflegt. Er hat das Ruder noch in der Hand. Er ist ja sozusagen der Lehrer der Familie. Er hat die Weisheit, ⁓ anderen zu vermitteln, wie so eine Firma am Laufen gehalten wird. Und habe mir überlegt, da ⁓ passt doch die Karte des Hierophanten am besten zu Jean Buddenbroek. Denn er ist nicht nur der, der wirklich sagt, wie es zu laufen hat, sondern er ist auch derjenige, der sehr, sehr viel Wert auf die Religion, ⁓ das Göttliche legt. Immer wieder im Roman ist die Rede davon, von Gottvertrauen, darauf, dass er auf Gott vertraut, dass er hofft, dass alles nach Gottes Wegen verläuft. Wenn wir jetzt mal bisschen die Religion beiseite lassen, könnte man auch sagen, er vertraut darauf, dass das Rad des Schicksals schon seinen richtigen Weg gehen würde, aber eben mit Gottes Hand obendrüber. Und ja, er behält auch die Zügel in der Hand und er erzieht auch seine Kinder dementsprechend, dass sie eben Petra Baum: Ja. Tino Wiesinger: Buddenbrocks sind und sie das Erbe der Buddenbrocks als Kaufmannsfamilie anzutreten haben. ja, wir befinden uns im 19. Jahrhundert. Da waren die Zeiten auch noch ein bisschen anders als heute. Die Kinder haben gehorcht auf das, was die Eltern zu sagen hatten Worum geht es denn eigentlich diesem Genre Buddenbrocks? Ihm geht es darum, worum es einem Kaufmann eigentlich gehen muss, ⁓ die Vermehrung des Geldes, eine Firma am Laufen zu halten. Er ist in dem Fall nicht nur der Hierophant, sondern er muss auch der König der Münzen sein. Denn nur so kann eine Firma am Laufen gehalten werden, wenn ein König der Münzen dieser Firma vorsteht letztendlich. Oder zumindest ist es vielleicht der einfachste Weg, eine Firma am Laufen zu halten. Und als König der Münzen gibt er natürlich auch vor, wie es mit seinen Kindern weitergehen soll. Und am schwierigsten hat es da, glaube ich, Tochter Toni Buddenbrock. Denn Toni Buddenbrock spielt zwar nur eine Nebenrolle im Roman, im Prinzip, oder für die Firma, aber als Frau hat sie natürlich die Aufgabe, jemanden zu heiraten. der auch in der Lage ist, diese Firma vielleicht auch bisschen aufzufangen, auch finanziell, da Kontakte zu knüpfen, Bezüge zu anderen Kaufmannsfamilien herzustellen und da wirklich Kontakte zu knüpfen. Petra Baum: Ich glaube, das ist auch insgesamt ein ganz wichtiges Thema, dass die persönlichen Bedürfnisse zurückzustehen haben hinter der, wie soll ich das jetzt sagen, hinter dem Ansehen der Familie und hinter der Monetären oder der Wirtschaftlichkeit der Familie. Dass hier einfach und einfach keine Rücksicht drauf genommen wird. Und Toni hat da, glaube ich, du bestimmt gleich erzählen wirst, am meisten eigentlich drunter zu leiden. Tino Wiesinger: Denn Toni ist eine Frau. muss oder hat die Aufgabe einen Mann zu finden, der letztendlich auch diese Zügel noch in Hand halten kann. der erste, der Toni begegnet, der dann offenbar für die Familie standesgemäß ist, ist Bendix Grünlich. Bendix Grünlich ist, naja... Also er ist kein Sympath, sagen wir es mal so. Er hat eine Wartse, er sieht auch nicht besonders nett aus. Also Toni mag ihn nicht. Eigentlich empfindet sie schon fast ekel, diesem Bennix-Grünlich gegenüber. Allein der Name, muss überlegen, Grünlich. Ich glaube, das sind schon sprechende Namen in dem Fall. Und Toni sagt auch ihrem Vater und ihrer Mutter auch... Ich will den nicht heiraten und sie lehnt ihn auch erst mal ab. Denn Toni lernt zwischenzeitlich auch schon jemand anderen kennen. Morten Schwarzkopf, den mag es wirklich. ist eben künstlerisch, der ist eher musisch und ein bisschen, ich glaube, er ist Arzt auch. Also der passt nicht in diese Kaufmannsfamilie mit rein. Er studiert glaube ich noch, er wird dann Arzt. Aber er ist eben... Er ist ein toller Mann für Toni und sie verliebt sich in ihn. Aber geht hier nicht ⁓ Liebe, jedenfalls nicht in erster Linie. Es gibt ein Zitat, ich glaube von Thomas Buddenbrock, der sagt, naja, wenn man dann jemanden heiratet, den man auch liebt, das ist dann schon ein Glücksfall. Das kann passieren, muss aber nicht. Es kommt so, wie es kommen muss. heiratet, also Toni heiratet Bendix Grünlich und macht das, was von ihr verlangt wird. Sie gründet sozusagen, also versucht zumindest eine Familie zu gründen, zieht mit diesem Bendix Grünlich zusammen. Sie ist die Herrscherin dieses Haushalts. Ja und sie macht genau das. Wahrscheinlich soll sie auch Kinder bekommen. Sie soll eine Familie gründen mit diesem Bendix-Grünlich. Aber auch das geht schief, denn Bendix-Grünlich ist nicht der, der erscheint. Denn irgendwann geht auch er pleite, er geht bandrott und ist da in Betrügereien verwickelt und Toni geht wieder zurück nach Hause. Das ist schief gegangen. Das heißt aber jetzt nicht, dass sie jetzt für ewig da zu Hause... Buddenbrooks im Elternhaus verbringt, sondern sie muss sich natürlich wieder einen neuen Mann suchen. Und scheinbar gelingt ihr das dann auch irgendwann. Sie findet einen neuen Mann, Alois Permaneder, so ein typischer Bayer, der eigentlich überhaupt nicht in diese Lübecker Gesellschaft Also ich habe mir gestern auch ⁓ Vorbereitung ⁓ noch mal den Film angeguckt, eine ganz tolle Verfilmung zu den Bruch mit Armin Müller-Stahl. Ich musste so lachen, als dieser Typ da, Alois Permané, da aufgetreten ist. Und ehrlich gesagt habe ich auch überhaupt nicht verstanden, warum sich Toni jetzt, warum sie den halbwegs sympathisch findet. ich finde den, fand den nicht wirklich sehr sympathisch. Er ist anders, er passt nicht da rein, das stimmt, das mag sein. Petra Baum: einfach, er anders war. Tino Wiesinger: heiraten und es scheint doch erstmal alles gut zu laufen. Bis dann Alois Permaneder nicht nur dem guten Essen zugewandt ist so als Bayer, sondern auch den Frauen. Und auch da geht dann vieles schief und die Ehe geht zugrunde. Das heißt eigentlich ist Toni die erste, die im Prinzip hier schon scheitert und nicht vorankommt. Sie fühlt sich die ganze Zeit Ja, so als würde sie auf einem Fleck stehen bleiben und kann der Familie nicht helfen. Sie ist eigentlich wirklich die typische Acht der Schwerter. Sie steht da auf diesem Fleck, das Gefühl, ich komme da gar nicht raus. Wie soll ich mich denn da von diesen Fesseln befreien? Wie soll ich denn diese ganzen Anforderungen, die an mich gestellt werden als Frau, erfüllen? Ich lieb doch eigentlich nur Morten Schwarzkopf. der wahrscheinlich auch weit weg immer noch immer an sie denkt und aber beide können sich nicht haben aufgrund dieser ja standesstandesgemäßen eher den die sie beide führen müssen sie ist die erste die im prinzip schon zum scheitern der familie buddenbroek der dynastie buddenbroek im prinzip beiträgt Und dann gibt es eine zweite Person, nämlich ihren Bruder, der auch nicht die Figur ist, man sich als Vater wünscht. der Sohn, er ist nicht der Sohn, den man sich als Vater wünscht. Jedenfalls nicht, wenn man eine Kaufmannsfamilie ist. Das ist Christian Bunbrook. Und Christian ist wirklich jemand, der nimmt vieles gar nicht ernst. Der ist überhaupt kein Geschäftsmann. Der ist auf Abenteuer aus, der möchte Partys machen, der will viele Frauen haben, er möchte einfach leben und er überhaupt keinen Geschäftssinn. Er ist jedenfalls im Kaufmannskontext wirklich der typische Nah. Und er wird auch oft als nah bezeichnet, von dem großen Bruder Thomas, der ihn auch als nah bezeichnet und sagt, ja du hast überhaupt keinen Sinn für das Geschäft, denk doch bitte mal an die Familie, lass doch deine Familie nicht im Stich. Ich fühl mich ja so ein bisschen erinnert, so als Royal Experte sozusagen an die Geschichte mit Harry und William, darüber soll es aber heute nicht gehen, aber da fühlte ich mich sehr dran erinnert. Da können wir irgendwann vielleicht nochmal genauer darüber sprechen, aber er ist der Nahe Familie, das wird einfach... nichts mit ihm. Er lebt auch Illusionen. Er ist voll in genau, seinen sieben Kälchen gefangen oder er lebt darin und denkt nicht wirklich logisch und er will auch eigentlich mit dem Rest der Familie nicht wirklich was zu tun haben. hat auch öfter mal so einen lustigen Spruch drauf, wo andere dann schon die Augen verdrehen würden und ja. ⁓ passt eigentlich in diese Familie gar nicht rein. Also schon Nummer zwei, die eigentlich zum Scheitern beitragen. Aber es gibt ja noch Hoffnung. Es gibt Thomas Buddenbroek. Thomas Bodenbrück ist glücklicherweise auch der älteste Sohn von Jean. Das heißt, er wird dann nach dem Tod von Jean auch die Firma übernehmen. Er wird dann sogar Senator und hat eine wirklich tolle Position in der Gesellschaft und hat eigentlich auch die richtige Einstellung dazu, wie diese Firma weiterlaufen kann. Also es scheint alles gut zu sein. Aber der Mann überarbeitet sich komplett. Er ist völlig überfordert mit den vielen Aufgaben, die er da zu erfüllen hat, trifft viele Fehlentscheidungen. Dann gibt es Missernten, sodass das Getreide dann auch verschwunden ist. Er muss dann teilweise Getreide viel zu günstig verkaufen. Also es geht viele schief und das geht an seine Nerven. Im Tarot-Kontext würde ich jetzt sagen, es geht an sein inneres Licht, das irgendwann nicht mehr leuchtet. Das leuchtet noch bei den Generationen vorher. Aber bei Thomas ist dieses Licht wird immer kleiner. Es ist der umgekehrte Eremit, genau, die umgedrehte Karte sozusagen. Es wird immer kleiner, Licht. Dabei soll es doch eigentlich immer größer werden. Aber er kann einfach nicht mehr. seine Sorgen mit Christian. den er immer noch versucht, irgendwie auf die richtige Seite, in Anführungsstrichen, zu ziehen. Dann die Eheprobleme mit seiner Schwester Toni. Das kriegt er alles mit und dann sterben irgendwann seine Eltern. Er bekommt zwar einen Sohn, ist auch alles schön. Und da sieht man erstmal noch bisschen Hoffnung aufkommen, dass Familie dann noch gerettet werden kann, aber er arbeitet sich wirklich. Tode kann man sagen. Und eine der wichtigen Szenen ist dann letztendlich auch die Szene, als diese Zahnbehandlung kommt. Er geht zum Zahnarzt, weil er schon seit Tagen Zahnschmerzen hat und ja, diese Zahnbehandlung übersteht er noch. Man muss sich ja vorstellen, dass es auch körperlich sehr anstrengend mit Betäubungsmitteln War es noch nicht so viel, gab es da noch nicht so wirklich. Der Zahn muss gezogen werden. geht dann raus vom Zahnplatz und irgendwann bricht er auf der Straße völlig zusammen und stirbt. Er bricht zusammen. ist so. Er kann diese Stäbe, ihm aufgelegt werden, die er tragen muss, nicht mehr halten. Er ist schon bei diesen zehn Stäben angelangt. Aber auf der Karte sieht man ja noch jemanden, der diese zehn Stäbe eigentlich locker halten kann. Und zwar sich anstrengen muss, aber er kriegt es hin. Thomas kriegt es nicht hin. Und warum? Weil der Eremit nicht mehr sein inneres Licht nicht mehr hat. Er hat auch diese Motivation einfach nicht mehr. Man könnte vielleicht heute würde man sagen, Burnout, ne? Petra Baum: Dafür steht die Karte ja auch im Klassischen, dass man meint, man würde immer noch etwas bewegen, aber eigentlich schafft man es nicht mehr. Man kann einfach nicht mehr. Tino Wiesinger: Ja, und der stirbt. Viel zu früh im Grunde genommen. Sein Sohn, der jetzt eigentlich übernehmen könnte, ist aber noch viel zu klein. könnte selbst, wenn er dafür geeignet wäre, würde er in dem Alter die Firma noch gar nicht übernehmen können. Das heißt, irgendwann wird auch diese Firma veräußert. Denn ja, es gibt noch diese Generation Hanno. Aber Hanno ist genau das Gegenteil von dem, einen guten Kaufmann ausmachen würde. Er liebt Musik, er liebt die Kunst, er ist begabt, er spielt Geige und Klavier, er generell musikalisch total begabt und auch interessiert. Und seine Mutter unterstützt das auch und ist auch sehr glücklich. Die Mutter ist nämlich auch sehr musisch begabt. Übrigens genau wie bei Thomas Mann und seiner Mutter. Die Mutter von Thomas Mann war auch die künstlerische Seele der Familie. Auch Thomas war ⁓ Künstler in der Familie und hatte überhaupt keinen Kaufmannssinn und Hanno eben auch nicht. Und jetzt muss man sich mal überlegen, was passiert. Gerade vor dem Hintergrund, wenn man sich überlegt, dass Hanno eigentlich vielleicht Thomas Mann widerspiegelt. Hanno stirbt am Ende an Typhus. Ist das Typhus? Ich glaube ja. Petra Baum: Ja, das waren die Nebenwirkungen einer Trombopholitis. Ich hatte es mir irgendwie aufgeschrieben, also auf alle Fälle. Tino Wiesinger: Er hat auf jeden Fall einen schweren Infekt, den dann nicht mehr behandelt werden kann. Es ist dann eine ganz tragische Szene, dass Hannover-Bodenbrock stirbt. Eigentlich stirbt symbolisch die Kaufmannsfamilie. Deswegen, Hannover-Bodenbrock stirbt. Wir sind eigentlich direkt beim Tod. Das ist genau die Todeskarte, nur das Problem ist, Petra Baum: Ja. Tino Wiesinger: bei den Bundbrucks leuchtet, keine Sonne im Hintergrund auf. Vielleicht doch eine musische Sonne, die dann da aufgeht, aber wer soll die noch weiterführen? Es ist ja keiner mehr da. Also die Muse, ja, die geht auf. Aber offenbar soll der Roman wirklich in dieser Katastrophe enden. Die Familie ist jetzt gestorben im wahrsten Sinne. Denn was hat nicht geschafft. Er hat den Weg nicht geschafft, den der Mond uns nämlich vorschreibt auf der Tarotkarte. Wenn Hanno dieser Krebs ist, der aus diesem Wasser heraus muss, das schafft Hanno nicht. Er will da nicht raus, er kann da auch nicht raus. Er ist viel zu sensibel und viel zu noch in diesen Mutterschoß gefangen. Er liebt seine Mutter abgöttisch und sein Vater, der ist immer so streng, den mag er gar nicht so richtig. Also er mag ihn wahrscheinlich schon, aber kann sich überhaupt nicht vorstellen, da irgendwie in diese einzutreten und aus diesem Wasser herauszukommen, aus der Muse herauszukommen, aus der Kunst herauszukommen. Und deswegen, der Krebs bleibt im Wasser und deswegen kann die Heldenreise gar nicht weitergehen. Also es kann nicht nur Sonne kommen. ⁓ Und die Auferstehung kann nicht gefeiert werden. Es endet tatsächlich tragisch. Und ich muss sagen, das ist auch wirklich eine tragische Sache, wenn wir uns überlegen, wie muss, also wenn wir jetzt wirklich mal davon ausgehen, dass Hannover-Buddenbrock Thomas Mann darstellen soll. Wie muss denn dieser junge Thomas Mann, als er Buddenbrocks geschrieben hat, sich gefühlt haben in dieser Familie? Eigentlich vielleicht ist genau das die Perspektive, die hier dargestellt wird. Petra Baum: definitiv als unverstanden mit seinen Talenten. Tino Wiesinger: Unverstanden. Er will auch diese Kaufmanns-Dynastie sterben lassen. Denn wenn er da weitergehen müsste in diesem Bereich, in dieser Kaufmanns-Geschichte mehr oder weniger, dann würde Thomas Mann sterben. wäre Thomas Mann auch, wäre das Innere von ihm auch gestorben. Dann wäre sein inneres Licht erloschen und wir hätten nicht diese vielen wunderbaren die er dann am Ende geschrieben hat im Laufe seines Lebens. Denn er hat es glücklicherweise geschafft, seinen Licht dann nochmal, zumindest, ich bin mir nicht sicher, ob es wirklich voll geleuchtet hat, zumindest ein Stück weit noch zum Leuchten zu bringen. Und eigentlich das doch die Botschaft, uns die Buddenbruchs mitgeben können. Das heißt nämlich, es ist nicht nur der Untergang dieser Familie, der dargestellt wird, sondern es ist eigentlich Ja eigentlich zeigt uns die Geschichte doch, was wir tun sollten, nämlich unser Licht leuchten lassen. und Petra Baum: Der Fokus alleine auf die wirtschaftlichen Interessen hilft nicht unbedingt, etwas am Leben zu halten. Tino Wiesinger: Wir müssen unseren eigenen Weg gehen und glücklicherweise ist es heute meistens so, dass wir wirklich auch unseren Weg gehen können. Natürlich gibt es Familien, gerade die noch mit irgendwelchen Firmen verbunden sind, wo dann gesagt wird von den Eltern, das wäre toll, wenn du auch die Firma übernimmst oder Wenn du auch in meine Fußstapfen trittst, ich mache den Austausch in die Fußstapfen, treten die ja gar nicht. Ich kann das überhaupt nicht. Ich mag das nicht. Und eigentlich ermutigt uns doch genau diese Geschichte von den Budenbrooks, Spuren zu hinterlassen, unser eigenes Licht leuchten zu lassen. Jetzt sind wir relativ am Ende und wir haben natürlich Karten gezogen. Einfach ⁓ zu schauen, was möchte uns denn diese Geschichte von den ⁓ Buddenbrocks uns jetzt nochmal sagen. Und ich finde, du hast eine ganz tolle Karte. ⁓ Petra Baum: Ja. Ja, tatsächlich fiel bei mir beim Mischen bereits der Eremie draus und dachte ich, sehr spannend, weil genau, wir hatten ihn ja vorhin in seiner auch negativen Form, wenn man eben nicht mehr auf die innere Stimme hört, genau das vielleicht der Aspekt ist als Impuls, der in der Familie Buddenbrook nicht so gelebt wurde. Dieses wirklich schauen, wohin kann ein Weg gehen, reflektieren. und aus dem Inneren herauszuarbeiten. waren oftmals die gesellschaftlichen Zwänge, das wirtschaftliche Wohlergehen und ich sag's mal teilweise auch drauf prügeln, was sich dann on the long term mal richtig gerecht hat. Nicht nur, dass Menschen damit kaputt gemacht wurden, es wurde im Prinzip auch die Dynastie zerstört. Und von daher wäre das jetzt noch mal der Impuls zu sagen, wenn man so etwas selber noch mal vielleicht auch in einer ähnlichen Situation ist, nicht vergessen. dass man auf die innere Stimme hört, was der richtige Weg ist, kann es ganz schön schief gehen. Tino Wiesinger: Genau und ich habe in dem Zusammenhang auch ein großes Arkanum gezogen, nämlich den Wagen. man denkt ja immer, ach man ist selber der Wagenlenker, man kriegt diesen Wagen schon auf die richtige Spur. Aber wenn wir uns diese Karte noch mal genauer angucken, der Wagen steht hier in dem Fall. Und wenn der Wagen jetzt hier losfahren würde, die beiden Wagenlenker hier, bzw. die das steuern, die Sphinxen, die gucken in ganz andere Richtungen. Und wenn der jetzt einfach losfahren würde, dann würde er vielleicht sogar völlig aus der Bahn geraten. Das ist ja mit der Familie Buddenbrock auch am Ende passiert, mehr oder weniger. Denn das Einzige, was Familie wirklich gesteuert hat, war das Rad des Schicksals, nicht der Wagen. Klar, jeder hat irgendwann mal die Zügel in Hand dieses Wagens. Die ersten beiden Generationen haben das noch gut hinbekommen. Petra Baum: schließt sich der Kreis sozusagen, ⁓ von dem wir alle im Leben nie wissen, wo es uns hinführt. Aber Verantwortung haben sie anzunehmen. ⁓ Ob wollen oder nicht. ⁓ Tino Wiesinger: Da sind wir dann am Ende. Wir können nicht dem Rat in die Speichen fallen. Jedenfalls nicht, solange wir nicht unser eigenes Licht vorher erkannt haben. Der Eremit, den du gezogen hast, ist ja genau der, der uns zeigt, was ist unsere Aufgabe im Leben. Und es muss nicht der Kaufmann sein. Es muss nicht der Arzt sein, wenn die Eltern Ärzte waren oder Juristen und so. Jeder kann da seinen eigenen Weg gehen. Und ich glaube, ist ja das Thema dieses Romans. Und jetzt haben wir natürlich ganz viel über diesen Roman geredet und es klingt jetzt so, als wäre das so eine ganz tragische und traurige Geschichte. ich glaube, ich habe bei keinem anderen Roman so oft gelacht, auch wie in den Bunnenbrooks. Denn es gibt so viele lustige Szenen, es ist jetzt auch wichtig, das nochmal zu sagen. Es gibt so lustige Stellen, auch gerade mit Christian und auch mit der älteren Generation noch, wo es dann wirklich auch lustig hergeht, da zu Hause bei den Buddenbrooks. Vielleicht hat man es auch so bisschen gesehen, bändigsgrünlich. Petra Baum: Ja, wir haben den groben Bogen gespannt. Wir sind nicht in die Details reingegangen. Tino Wiesinger: dieser Humor, der da auch drinsteckt, allein schon im Namen. Also ich will gar nicht aussprechen, woran ich denke, wenn ich an grünlich denke, aber das kann sich jetzt glaube ich jeder selber überlegen und auch mir ist es ganz wichtig, ich mache da jetzt ganz bewusst auch Werbung für Lest die Budenbruchs. Wenn es nur einen Roman gäbe, den ich überhaupt in einem Kanon aufnehmen dürfte, dann wären es tatsächlich die Buddenbruchs. Deswegen beschäftigt euch mit dieser Familie, das lohnt sich auf jeden Fall, es zeigt auch euer Leben. Petra Baum: Diese Ansage von einem Deutschlehrer, wer kann denn da schon einen sagen? Tino Wiesinger: Ja, wenn ich so bin, ganz ehrlich, ich in der Oberstufe ein Jahr lang alle sämtliche anderen Lektüren, die wir so im Deutschunterricht lesen, rausnehmen und würde sagen, komm, so ein Jahr vor dem Abitur lesen wir einfach nur die Bodenbruchs. Und das, was die uns zu sagen haben, ist, ich, als viele andere. Und deswegen, das lohnt sich auf jeden Fall. Petra Baum: Und mit diesen schönen Schlussworten dir versuche ich jetzt noch den Bogen zu spannen und sage einfach mal, wir hoffen es hat euch gefallen, wir hoffen wir konnten euch inspirieren. Wie immer gilt, wir wollen Anregungen geben. Selbstverständlich kann es sein, dass ihr den ein oder anderen Charakter einer anderen Karte zuordnet. Auch wir hatten im Vorfeld ein paar Diskussionen, weil man kann da durchaus noch mehr Charaktere im Laufe der Zeit mit reinnehmen. Schreibt uns, schreibt uns Kommentare, gebt uns ein Like, abonniert uns. Und vielleicht habt ihr auch noch zu den anderen Charakteren, Ideen und Anregungen, welche Karten man zuordnen konnte. Wir freuen uns sehr über euer Feedback und sind bald wieder für euch da. Einen schönen Abend wünschen wir. Tschüss. Bis zum nächsten Mal. Tino Wiesinger: zum nächsten mal, ciao!