Latest / ntv Wirtschaft / Rüstungsboom an der Börse - Vincorion feiert starkes Börsendebüt
Transcript
- Norddeutscher Rundfunk 2021 Mehr Homeoffice, ein Tempolimit und weniger Flüge – das sind die Vorschläge der Internationalen Energieagentur, um einen möglichen Ölpreisschock abzufedern. Ein Börsengang aus Norddeutschland zeigt, wie heiß Rüstungsaktien gerade laufen. Und auf dem Reisemarkt tut sich einiges. Touristen suchen sich neue Ziele abseits des Krieges. Hallo und herzlich willkommen. In diesem Podcast verwandeln moderne KI-Systeme journalistische Inhalte, die auf unseren NTV-Plattformen publiziert wurden, in ein neues Hörformat. Text und meine Stimme wurden mithilfe künstlicher Intelligenz erzeugt. Vor der Veröffentlichung werden alle Folgen nach strengen journalistischen Standards geprüft. Viel Spaß beim Zuhören. Das ist schon ein Vorschlag, den einige sicherlich nicht so toll finden werden. Die IEA, die Internationale Energieagentur, bringt ein Tempolimit ins Spiel. Und zwar nicht als Symbol, sondern als Werkzeug, um den Verbrauch zu drücken. Auf den Verkehr entfallen 45 Prozent des Ölverbrauchs, argumentiert die Agentur. Mehr Homeoffice, ein Absenken des Tempolimits auf Straßen, sowie das Umsteigen auf öffentliche Verkehrsmittel könnten demnach den Spritverbrauch reduzieren. Wenn wir weniger Sprit verbrauchen, dann sinkt die Nachfrage. Und genau das kann helfen, Preisspitzen abzufangen, falls Lieferungen ausfallen. Auch der Verzicht auf Flugreisen kann den Ölbedarf senken, so die IEA. Zwar hätten die Mitgliedsländer Ölreserven freigegeben, um die Preise zu stabilisieren, das reiche aber nicht. Eine Senkung der Nachfrage wäre ein Mittel, das sofort wirke. Und während Energie wieder zum geopolitischen Risiko wird, zeigt sich an anderer Stelle, wie sehr sich Märkte schon auf eine neue Realität eingestellt haben. Nämlich auf mehr Aufrüstung. Ein Börsengang, der auf den ersten Blick eher klein wirkt. Und trotzdem viel über die aktuelle Lage erzählt. Winko Rion. Der Rüstungszulieferer aus Wedel bei Hamburg ist jetzt an die Börse gegangen. Und das mit einem deutlichen Plus. Die Aktie startet bei 19,30 Euro. Deutlich über dem Ausgabepreis von 17 Euro. Das zeigt, Investoren greifen zu. Und das hat einen klaren Grund. Seit Beginn des Ukraine-Krieges boomt die Branche. Staaten rüsten auf, Budgets steigen, Aufträge wachsen. Vincorion selbst ist kein klassischer Waffenhersteller, sondern liefert Technik. Generatoren, Mechatronik, Energiesysteme. Dinge, die in Panzern oder Flugabwehrsystemen verbaut sind. Also unverzichtbare Bausteine moderner Militärtechnik. Mit dem Vorstandschef von Winkurion, Kayetan von Menzingen, hat Patrick Duane gesprochen. Wir kennen alle Rheinmetall, Renck und Hensoldt. Was macht Winkurion? Naja, Winkurion macht im Endeffekt alles um die Energie. Also wir machen Stromerzeugung, Stromanagement und Stromspeicherung für Feldlager, aber auch für gepanzerte Fahrzeuge, wo wir eben. Elektrische Energie ist unser Geschäft. Ist es denn so, wir reden hier oft bei NTV auch darüber, dass Leute, die aus der Automobilindustrie möglicherweise freigesetzt werden, bei Rüstungsunternehmen landen. Können Sie mit Ihrem Unternehmen solche Fachkräfte auch aufnehmen teilweise? Das ist sehr spannend. Tatsächlich merken wir, dass die Gesellschaft sehr viel offener geworden ist für unsere Technologien, für unsere Branche. Das bedeutet, die Bewerberzahlen bei uns haben sich massiv erhöht seit dem Überfall auf die Ukraine und steigen jedes Jahr an. Das heißt, wir kriegen wirklich Zugang zu ganz tollen, qualifizierten, neuen Mitarbeitern, denn auch wir wachsen. Wachsen Sie vor allen Dingen in Deutschland oder haben Sie auch Internationalstandorte? Wir haben einen Standort, aber der ist sehr klein. Eigentlich 99 Prozent unserer Belegschaft ist in Deutschland in drei Standorten. Wie sieht so ein bisschen der Blick nach vorne aus? Was glauben Sie? Sie haben einen hohen Auftragsbestand. Wir haben davon gesprochen, dass sich der perspektivisch weiter erhöht und Sie denn auch abarbeiten können sukzessive? Ja, das ist die Herausforderung. In der Vergangenheit haben wir gezeigt, dass wir sehr dynamisch wachsen können. Wir haben unglaubliche Wachstumsraten hingelegt in den letzten Jahren und wir sind zuversichtlich, dass wir das auch in den nächsten Jahren weiter so machen können. Das ist natürlich anstrengend und braucht eine Menge Fokus und Konzentration. Aber wir haben ein tolles Team und wir werden das schaffen. Glauben Sie, dass es eine Momentaufnahme ist, aufgrund auch der geopolitischen Geschehnisse? Oder glauben Sie, dass das eine kontinuierliche, grundlegende Geschichte ist mit Rüstung und Defense-Themen? Ich glaube schon, dass in der Vergangenheit das Thema Verteidigung nicht dementsprechend gewürdigt wurde, wie es hätte gewürdigt werden sollen. Ich glaube schon, dass wir da einen immensen Nachholbedarf haben. Insofern sehe ich uns im Superzyklus der Defense-Industrie und der wird auch noch eine Weile anhalten. Die Liste an Rüstungsaktien aus Deutschland ist überschaubar. Sie wächst aber. Ein Überblick. Da ist zum Beispiel Rheinmetall. Der Konzern wächst gerade ziemlich schnell. Die Auftragsbücher sind voll. Und die Ziele? Naja, die sind ehrgeizig. Bis 2030 soll der Umsatz deutlich nach oben gehen. Und dann Renk. Ein Getriebehersteller, spezialisiert auf Panzertechnik. Seit dem Börsenstart hat sich der Wert des Unternehmens stark vervielfacht. Hensoldt geht in eine etwas andere Richtung. Die liefern, wenn man so will, die Augen und Ohren moderner Armeen, also Radar- und Sensorsysteme. Und auch dort ist der Aktienkurs seit Beginn des Kriegs klar gestiegen. Und damit hört es nicht auf. Thyssenkrupp Marine Systems ist im U-Boot und Schiffbau aktiv. Dazu kommen kleinere Anbieter wie Gabler und mit KNDS steht schon der nächste große Name bereit. Ein Börsengang ist in Vorbereitung. Was kommt dann noch? Haben auch die kleinen Start-ups die Zeichen erkannt? Rafael Laguna de la Vera muss es wissen. Er leitet die Agentur für Sprunginnovationen, kurz Sprint. Die Agentur investiert im Auftrag des Staates in innovative Ideen. Das Interview führte Etienne Bell. Sie kennen sich aus in der Szene. Wie ist die aufgestellt? Wie gut oder wie viel Nachwuchs haben wir denn? Also die Rüstungsszene oder die Rüstungs-Startup-Szene ist sehr, sehr gut aufgestellt. Die deutschen Startups haben am meisten Geld in Europa aus der Venture-Capital-Szene bekommen. Das ist immer ein Zeichen dafür, dass es quasi vor dem Börsengang, wenn die sich noch eine Zeit lang entwickeln müssen. Und natürlich durch das große Sondervermögen, was jetzt in die Rüstungsindustrie reinfließt, partizipieren da viele davon. Und für die ist natürlich Deutschland auch der größte Markt in Europa. Das heißt, Deutschland hat da gerade zwei Vorteile. viel Geld auf der einen Seite zum Einkauf, auf der anderen Seite aber auch großen Bedarf und auch Geld dafür, das in die Industrie zu bringen. Also die Zeichen für die Rüstungs-Startups stehen sehr gut. Kann man das runterbrechen auf verschiedene Bereiche? In welchen Bereichen sind die gut? Ja, also wir hören ja nur noch von Drohnen und von KI, also eigentlich Punkt, kann man sagen, das war's. Es gibt noch ein bisschen mehr Software-Defined Battlefield und so weiter. Natürlich sind das vor allen Dingen die neuen Technologien. Es gibt natürlich immer noch die Rheinmetalls dieser Welt, die sich jetzt in die neuen Technologien auch reinkaufen, Kooperationen mit Startups eingehen. Natürlich auch das Alte wird großvolumig gekauft, aber das Neue ist in diesen Bereichen. Vielleicht kurz mal erläutern, was ist dieses Software-Battlefield? Ja, vielleicht haben es einige gesehen. In der Ukraine sind wir ja gerade in einem schrecklichen Krieg, aber auch in einem großen Experiment, wie der Krieg von heute eigentlich läuft. Die rennen da mit iPads rum und haben den Zugriff auf quasi alle Informationen überall, wo alle Soldaten sind, wo alle Drohnen fliegen, wo der Feind ist und so weiter. Und man kann eben dort steuern. Das ist Software-Defined-Battlefield, weil alles zusammenkommt, wie bei einem Computerspiel, was viele kennen, nur dass das halt echt ist. Und was am Ende dann junge Leute wahrscheinlich anspricht und dann wieder in diesen militärischen Bereich reinzieht? Ja, Computerspieler sind da ein gutes Training. Das ist halt dasselbe. Auch Virtual Reality wird da genutzt, dass so furchtbar diese Sachen sind. Aber so zeigen sie, wie der Krieg der Zukunft geführt wird. Wie kriege ich es als Startup hin, aus dieser Masse, also Masse, ich weiß jetzt nicht, wie viele Startups das in Summe sind, aber da rauszustechen und am Ende nach Berlin durchzudringen? Letzteres ist die Challenge. Wir haben ja eine Zeitenwende, nicht nur jetzt technologisch, wo wir drüber geredet haben, sondern eben auch durch diese großen Mittel, die da reinfließen. Aber natürlich sind da Systeme, die bisher die letzten 30 Jahre anders gearbeitet haben. Und das ist ein Veränderungsprozess, der schwerfällt. Wir müssen, die Kathi Reiche hat es gestern gesagt, wir müssen Abschreckung erstmal wieder lernen und da reinzukommen. Das heißt, wie bringen wir jetzt diese jungen Unternehmen quasi in ein System, was sehr tradiert ist und seit vielen Jahrzehnten so läuft, wie es läuft. Und da liegt dann auch die Reibungsfläche und da muss es passieren. Aber glauben Sie, Sie beobachten, dass das klappen kann, dass also diese Ideen, die sehr modern sind, in so ein System Bundeswehr reinpassen können? Da gibt es zwei Treiber. Das eine ist schon die Erkenntnis, dass man das muss, dass man also eine Kultur anpassen muss und dass beide Silos mal miteinander reden müssen. Die haben vorher nicht miteinander geredet. Und das Zweite ist schlicht, dass Technologie das Ganze treibt. Das ist gar nicht so sehr die Politik, sondern Technologie macht es. Also KI verändert das. Das hat sich ja kein Politiker ausgedacht, sondern das passiert jetzt einfach nach 80 Jahren der Forschung und Entwicklung, bricht das durch und so auch mit den Drohnen und so weiter. Da muss was passieren. Das heißt, wir haben Druck auf der einen Seite, wir haben die Erkenntnisse auf der anderen Seite und jetzt muss es irgendwie zusammenkommen. Da ist natürlich noch Reibung, Aber das ist halt so bei Veränderungsprozessen. Irgendwas mit Rüstung klappt immer oder muss man da schon spezieller rangehen, wenn man jetzt gründet? Also erstmal ist es immer so, wenn so viel Geld ins System fließt, sind auch viele Scharlatane da, die den schnellen Euro machen müssen. Da muss man schon ein bisschen aufpassen. Irgendwas mit Rüstung geht natürlich nicht immer. Man sollte sich schon wie immer bei einem Startup nicht nur technologisch leiten lassen, sondern auch an den Bedarfen. Was ist denn wirklich? Was braucht es denn wirklich? Und am Wettbewerb, was gibt es denn schon? Und da muss man sich die Nische suchen. Und das ist ja unser Geschäft bei der Bundesagentur für Sprunginnovation, diesen Startups zu helfen, genau diese, man nennt das Product Market Fit, zu finden für eine Technologie, die muss herausragend sein. Aber das ist nur 10 Prozent der Miete. Dann sind wir mal gespannt, wo das hinläuft. Herr Laguna, danke schön. Schön, dass Sie bei uns waren. Sehr gerne. Und während klassische Industrien wie die Rüstung gerade Aufwind haben, gerät ein anderer Hoffnungsträger der Tech-Welt ins Wanken. Tesla gerät ins Visier der Behörden. Die US-Verkehrsaufsicht nimmt das Full-Self-Driving-System des Autobauers genauer unter die Lupe. Vor Anlegern hat Musk immer wieder betont, dass die Zukunft der Firma maßgeblich in selbstfahrenden Robotaxis liegt. Die nächste Ausbaustufe ist bisher in den USA nur in einer Testversion verfügbar. Doch die US-Verkehrssicherheitsbehörde äußert jetzt Bedenken. Die Technik habe Probleme bei schlechten Sichtbedingungen. Eine Auswertung von Unfalldaten zeigt, Teslas System erkennt nicht zuverlässig, wenn seine Kameras durch Sonnenlicht, Nebel oder Staub gestört werden. Mehrfach gab es für Autofahrer keine Warnung und damit kaum Zeit zum Eingreifen. Tesla-Chef Elon Musk hält weiter an seinem Kamerakonzept fest, aus Kostengründen. Andere Hersteller wie die Google-Schwester Waymo setzen auf zusätzliche Sensoren, wie etwa Laserradar. Laut Behörde stieg die Zahl der untersuchten Unfälle durch Teslas Selbstfahrsystem von vier im Jahr 2024 auf mittlerweile neun. Die nun verschärfte Untersuchung könnte weitreichende Folgen für Tesla haben und im Worst Case zu einem großen Rückruf führen. Und passend vor den Osterferien gibt's noch eine Meldung aus der Reisebranche. Die Reiselust bleibt trotz des Krieges im Nahen Osten hoch, aber sie verschiebt sich. Reiseveranstalter beobachten, Urlauber meiden aktuell bestimmte Regionen und buchen stattdessen andere Ziele. Besonders betroffen ist die Golfregion. Dort gibt es Stornierungen, Umbuchungen. Gleichzeitig profitieren klassische Alternativen wie Spanien oder Griechenland. Das Muster ist nicht neu. Experten sprechen vom sogenannten 3S-Tourismus, also Sun, Sand, Sea. Viele dieser Ziele sind für Urlauber austauschbar. Wenn ein Ziel unsicher wirkt, wird schnell umgebucht. Was neu ist? Der Krieg könnte den Urlaub auch teurer machen. Die Preise für Kerosin steigen bereits. Und wenn das so bleibt, werden auch Flugreisen nach und nach teurer. Für Reiseveranstalter ist das ein Balanceakt. Einerseits stabile Nachfrage, andererseits steigende Kosten und geopolitische Risiken. Und für Urlauber heißt das, Flexibilität wird wichtiger und möglicherweise auch ein etwas größeres Reisebudget. Das war unser Blick auf die aktuellen Nachrichten aus der Wirtschaft für den Moment. Wir hören und lesen uns wieder bei NTV, in der App, im TV oder hier im Podcast.