Latest / BZ am Ohr / Podcast regionale Verbrechen (3): Der vergessene Terroranschlag
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- Liebe Hörerinnen, liebe Hörer, herzlich willkommen zu einer neuen Folge BZ am Ohr. Ich begrüße heute im Podcaststudio fast schon einen Stammgast. Jonas Günther ist wieder da, er ist stellvertretender Redaktionsleiter der Redaktion Lörrach. Als er das letzte Mal hier im Podcaststudio war, haben wir über ziemlich aktuelle Tötungen an Babys in der Region Lörrach gesprochen. Heute reisen wir in die 1980er Jahre zurück. Es geht um den rechtsextremen Terroranschlag in Lörrach im Jahr 1980. Herzlich willkommen, Jonas. Ja, hallo Gina und hallo liebe Hörerinnen, liebe Hörer. Es freut mich, dass ich mal wieder da sein darf bei dir. Auch wenn es ein wieder nicht so schönes Thema ist, muss man dazu sagen, ziemlich ernstes Thema. Wir wollen heute einerseits über das Vergessen sprechen, aber auch ein bisschen über das Erinnern. Dieser Anschlag, um den es heute geht, der war ja schon fast in Vergessenheit geraten. Wie bist du denn an die Geschichte gekommen? Erzähl das doch mal. Wie ist die Geschichte zu dir gekommen? Ich glaube, man kann wirklich sagen, es war totaler Zufall. Ich habe, das war schon vergangenes Jahr, ein Buch über Rechtsterrorismus in Deutschland gelesen. Und da war dieser Terroranschlag im Rahmen des Terrors der deutschen Aktionsgruppen 1980, wie so ein Halbsatz erwähnt, Da wurde diese deutsche Aktionsgruppe bezeichnet und Manfred Röder, die mehrere Anschläge in diesem Jahr verübt hat. Unter anderem auch einen tödlichen Anschlag in Hamburg, der kurz nach dem Anschlag in Lörrach war. Und da wurde eben Lörrach so als einen Ort genannt, wo diese Gruppe eben auch aktiv war. Das hat mich erst mal stützen lassen. Weil du noch nicht davon gehört hattest. Hat mir nichts gesagt und auch Kollegen in Lörrach, die schon länger sind. Ich bin jetzt ungefähr so sechs, sieben Jahre in Lörrach aktiv. Aber auch den, also auch langgehend hat es irgendwie nichts gesagt und es war eben so ein Hinweis, dass es in Vergessenheit geraten. Ich muss gestehen, dann ist auch bei mir wegen anderer aktueller Themen, wegen denen ich auch da mal hier war, in Vergessenheit geraten. Aber dieses Jahr nach der Rückkehr aus meiner Elternzeit dachte ich, das muss jetzt mal angegangen werden. Der Jahrestag nähert sich 45 Jahre. Ja, wir hängen uns ja immer so gerne an Jahrestagen auf, weil ich finde jetzt bei der Geschichte, die ist so wichtig, die hätten wir auch unabhängig davon machen können. Ja, und dann hast du gesagt, okay, jetzt gehe ich mal diese Geschichte an, aber wo fängt man denn an oder wo hast du angefangen zu recherchieren? Also ich habe mir erst mal so zwei Angriffspunkte genommen, sage ich jetzt mal. Das ist einmal Archiv, habe da gesucht in unserem eigenen, was es in anderen Archiven, Berichterstattung über die deutsche Aktionsgruppen gab. Ich bin da ein wenig fündig geworden, also es wurde damals auch lokal von der BZ berichtet, allerdings jetzt, ich glaube, heute würde man viel anders, viel länger, viel umfassender darüber berichten, als es damals gemacht wurde. Es geriet auch damals schon recht schnell in Vergessenheit, auch wenn es kurzzeitig hohe Wellen schlug. Das war so ein Ansatzpunkt und über die deutschen Aktionsgruppen findet man schon noch Material, auch durch die Prozesse. Allerdings geht es dann natürlich auch immer verstärkt eher um das Allgemeine oder diesen Anstag in Hamburg, bei dem zwei Vietnamesen dann starben. Können wir später auch noch drauf kommen. Lörrach fällt da so ein bisschen durchs Raster und das ist auch das, was mir dann als Forscherin Barbara Mantee so ein bisschen bestätigt hat im Laufe der Zeit. Das war eben so etwas, was ich immer gemerkt habe bei diesem Archivrecherche. Und gleichzeitig der zweite Punkt, auf den ich mich so konzentriert habe, ich habe da mittlerweile doch so ein Netz an ein paar Polizisten, die ich kenne und auch ältere Beamte, die inzwischen im Ruhestand sind, Kriminalbeamte. Ich dachte, die könnten da auch schon im Einsatz gewesen sein oder könnten jemanden kennen, der vielleicht es war. Auch das war schwierig. Teilweise die waren dann doch anderweitig da im Einsatz, also nicht in Lörrach bei den Mordermittlern oder die Beamten aus Lörrach, die damit befasst waren, die Staatsschützer, die sich um politische Kriminalität kümmern, die sind tatsächlich schon gestorben. Und hinzu kam, dass eigentlich das LKA die Ermittlungen führte und der Ermittlungsführer da ist auch schon gestorben. Also das war schwierig. Ich bin dann nur an einen Polizisten, konnte ich ausfindig machen, einen Lörracher, der damals noch recht jung, war da Streifenpolizist, hat den Verkehr geregelt, sollte Schaulustige zurückhalten, falls es die gab. Die gab es auch kaum. Und auch der hatte recht wenig Erinnerungen an den Fall. Also das zieht sich so wie ein... Langes Kaugummi. Ja, ja, ja. Und auch wenn man mit, wir haben jetzt Rede, die sagen, boah, Wahnsinn, also was da los war. Und das keinem bewusst so ein bisschen überspitzt gesagt. Also es war eine, hört sich so an, eine ziemlich schwierige und auch etwas längere Recherche. Gab es auch mal einen Punkt, wo du gesagt hast, oh, ich komme da irgendwie gar nicht weiter, das wird nichts? Oder gab es auch mal so einen Drehpunkt, wo man gesagt hat, ja, jetzt kann ich wirklich was dazu aufschreiben, jetzt habe ich genug Informationen? Es war natürlich schon so, manchmal dachte man sich, okay, irgendwas kommt zustande. Die Frage ist, wie viel und können wir eine Seite 3 draus machen, trägt das. Man spürt dann aber alleine schon, also alleine die Vergessenheit, allein die ist schon so wichtig, dass es trägt, finde ich. Und zweitens auch, wenn man sich so ein bisschen das gesellschaftliche, oder wenn man das vergleicht, was damals war, was heute ist, Und das ist irgendwie faszinierend, finde ich, wie sich Debatten gleichen oder wiederholen. Also überspitzt gesagt, vor 45 Jahren hatten wir das schon mal, Fremdenhass. Deutschland hatte damals zum ersten Mal mehr als 100.000 Asylbewerber, was uns ja mit den Erfahrungen der vergangenen Jahre geradezu lächerlich vorkommt. Aber wir haben ein aufgeheiztes gesellschaftliches Klima gehabt. Aber wir haben eben diese rechtsextreme Terrorgruppe, die durchs Land zieht, deren Anschläge dann teilweise auch noch von Politikern von der CDU, von Ministerpräsidenten Lothar Späth, verharmlost werden, so nach dem Motto, das ist ja natürlich schrecklich, das ist eine Straftat, das muss für Straf werden, aber... Aber auch ein bisschen Verständnis dafür, kein Wunder, dass sowas passiert, sowas hat er paraphrasiert gesagt. Diese Mechanismen kennen wir ja von heute auch, das sind ja auch so, ja, wir brauchen uns ja nicht wundern. Und das fand ich so bemerkenswert und auch diese Struktur von dieser Terrorgruppe. Genau, gehen wir da doch mal rein in diese Terrorgruppe. Die hast du jetzt schon genannt, diese super Überleitung. Du hast dann nämlich letztendlich diese Geschichte aufgeschrieben. Das werden wir auch alles in den Shownotes verlinken. Es gibt insgesamt drei größere Artikel zu dem Thema und das ist wirklich eine irrsinnige Geschichte, muss man nicht sagen. Ich bin auch nicht fertig. Ach so, das kannst du ja vielleicht zum Ausblick noch sagen. Eine irrsinnige Geschichte, die du aufgeschrieben hast. Und so Dreh- und Angelpunkt ist so ein bisschen Manfred Röder. Den hast du eben auch schon erwähnt. Du nennst ihn Spiritus Rektor im Hintergrund. Genau. Wer war er denn und was hatte er vor? Genau, warum im Hintergrund man geht oder man kann sagen, dass der Wiesenröder war bei diesen mehreren Anschlägen. Ich glaube, es waren fünf oder sieben innerhalb einiger Monate Brand- und Bombenanschläge auf verschiedene Ziele. Unter anderem Flüchtlingsunterkünfte. Röder war nie vor Ort. Also er hat auch keine Bomben gebaut, aber er war, man kann so sagen, der Auftraggeber des ideologischen Gerüsts und Röder war ein CDU-Mitglied, das sich aber recht schnell von der Partei entfernte. Er war ein Verschwörungstheoretiker, er sah sich glaube ich auch als Nachfolger von Karl Dönitz, also Hitlers Nachfolger, als Reichsverweser. Er war der Anwalt von Rudolf Hess, wiederum ehemaliger Stellvertreter von Hitler. Und hat sich so wirklich auch in einer Radikalisierungsgeschichte, Verschwörungstheorien rein versteigert und ging irgendwann in den Untergrund und scharrte so Menschen um sich, die fast auch wie so eine Art als Guru sahen. Eine Terroristin, die zu lebenslanger Haft verurteilt wurde, hat sich auch in ihn verliebt oder war seine Partnerin. Diese kleine Gruppe zog 1980 im Auftrag Röders durchs Land und legte Bomben und Brandsätze. Und du hast ja schon so ein bisschen die Stimmung eben beschrieben. Deutschland im Jahr 1980, hast du jetzt als aufgeheizt gerade beschrieben. Was war da so los, was war dann so ausschlaggebend, dass jetzt die losgezogen sind und diese Anschläge verübt haben? Das waren diese ausländischen Mitbürger quasi, die ins Land gekommen sind. Genau, die Zahl der Flüchtlinge war höher. Das in Lörrach, also 100.000 Asylanträge, das gab es bisher noch nie in Lörrach. Da gab es damals auch verschiedene Gründe, warum die Zahl gestiegen ist. In Lörrach waren, ich meine, es waren fünf Eritreerinnen oder einige Eritreerinnen in diesem Haus untergebracht. In Eritrea oder Äthiopien war Bürgerkrieg, Unabhängigkeitskrieg. Das führt zu Fluchtbewegungen, sehen wir auch heute ja noch. Und diese junge Frauen teilweise waren da untergebracht in diesem Haus. Und Lörrach wurde als Ziel von Röder ausgewählt, weil man ja so ein lokales Unterstützungsnetzwerk hat. Es gab ein Ehepaar in Stein, das ist ein Nachbarort von Lörrach, also auch Nazis, ein Nazi-Ehepaar, das quasi als lokale Helfer fungierte, und den Terroristen den Weg zeigte, weil sonst hätten sie es gar nicht gefunden. Ist das so versteckt gewesen, das Haus? Oder es gibt es ja auch heute noch, ist das versteckt? Also man findet das nicht, wenn man sich in Lörrach nicht auskennt. Man muss sich schon ein bisschen auskennen. Also es ist jetzt nicht so die große Flüchtlingscontainer-Unterkunft, wie wir sie heute kennen. Es ist eine alte Villa, die liegt in einem Wohngebiet, so eine Hanglage, beginnende Hanglage. Und natürlich haben wir damals, 1980 war es mal so ein bisschen anders als heute. Heute hat man natürlich Google. Ja, klar. Und dieses Nazi-Ehepaar aus Stalien hat den, ich glaube die Ehefrau hat den Weg dann erklärt. So hast du es recherchiert und ja, was weißt du, was haben die Terroristen in dieser Nacht, das ist glaube ich der 17. August 1980 gewesen, was ist da passiert? Sie nähern sich von außen. Wer dann genau daran beteiligt war, das konnte ich nicht herausfinden bislang. Es ist dunkel, sie schleichen vielleicht um das Haus rum, gucken, wo wohnen denn die geflüchteten Frauen und legen dann eine Bombe auf einem Fenster sims ab. Also wirklich so Nacht- oder frühe Morgenstunden und die Explosion muss recht heftig gewesen sein. Auch in der Nachbarschaft werden Scheiben Fensterscheiben zerstört und auch im Inneren, also es gab damals schon direkt am Morgen, dass der Tat kommt, ein Fotograf von DPA quasi im Tatort rumspaziert auch heute irgendwie bemerkenswert. Aber man sieht überall so diese Möbel, die hat es zerfetzt, da liegen überall da Holzteile rum, Glassplitter. Und das große Glück war, dass diese Bombe von außen am Fenster sims lag und dass natürlich die Wucht nicht komplett im Innern war. Also man kann sich vorstellen, wenn da die im Innern wäre, hätte es Tote gegeben. Und in dem Innern waren eben diese Frauen aus Eritrea, die du eben erwähnt hattest, ne? Genau, die lagen schlafend in ihrem Zimmer. Man geht davon aus, die Ermittler gehen davon aus, ging davon aus, dass eine Frau gerade wohl vom Klo zurückkam und stand. Diese Frau wurde auch schwer verletzt. Die anderen wurden leichter verletzt oder waren psychologisch traumatisiert. Also von daher es war. Ziemlich großes Glück, dass es keine Tote gab und ein paar Tage später in Hamburg mit einer Brandbombe, da gab es Tote, zwei Vietnamesen, Geflüchtete, die starben und man vermutet ja auch, man sagt so, dass das ist der erste Terroranschlag bei dem rechtsextremen Terroranschlag nach dem Zweiten Weltkrieg, bei dem Menschen ums Leben gekommen sind. Das hat so ein bisschen an den anderen überschattet, glaubst du? Das hat so den anderen ein bisschen überschattet, aber es hätte natürlich auch Lörrach sein können. Und dann wäre vielleicht auch an Lörrach anders erinnert worden. Du hast eben dieses Foto erwähnt von einem dpa-Fotografen, der eben schon am nächsten Morgen da in das Haus gegangen ist und ein Foto aufgenommen hat. Das sieht man auch in deinem Artikel. Also da hast du es auch abgebildet. Also es sieht wirklich, ich finde es krass, mehrere Betten voller Glas- und Holzsplitter. Die Fenster hängen nur noch in den Angeln. Also wäre die Bombe nur ein paar Zentimeter weiter drin oder irgendwo anders platziert gewesen, hätte es echt schlimmer ausgehen können. Du hast ja eben schon das Ehepaar aus Steinen erwähnt. Über die hast du ja auch einiges herausgefunden und die waren quasi dann die Konnektoren zu dem Manfred Röder, die quasi nach Lörrach geführt haben. Genau, die hatten Kontakte zu Röder, sie waren sich bekannt, also vor allem der Mann. Georg S. nennst du ihn, glaube ich, im Artikel? Georg S. Röder ist Person der Zeitgeschichte, deswegen nennen wir seinen vollen Namen. Georg S. ist das nicht. Ich bin auf ihn gestoßen, auch bemerkenswert. Ich würde ihn so einsortieren als esoterischen Nazi. Man weiß auch, es gibt Verbindungen zwischen der ISO-Szene und den Rechtsextremen. Da bin ich von einer Schweizer Gesellschaft auf einen Abruf von ihm gestoßen, der sehr viele biografische Details hatte. Natürlich muss man da quellenkritisch rangehen, das war auch eine Verherrlichung seines Lebens. Einiges konnte ich allerdings auch verifizieren, gerade zu seinen persönlichen Umständen durch ein Gerichtsurteil im Freiburger Staatsarchiv. Das bezog sich zwar nicht auf Georg S. Selbst, sondern seinen Vater, aber wir wissen, in den Gerichtsurteilen gibt es immer so Infos zu den Personen. Und die waren eigentlich relativ, das deckte sich so mit Angaben im Leben, so in diesem Nachruf über Georg S., über Georg S. Junior. Zu seinen Beständen. Und er hatte eine richtige Nazi-Vergangenheit, kann man so sagen. Genau, er war dann auch NPD-Kreisvorsitzender in Lörrach. Er war Offizier in der Wehrmacht, er war davor in der SS, war mal ein Teil des Begleitkommandos, als er in den 30er Jahren Mussolini Hitler in Hannover besuchte. Ja, man kann sagen, ein strammer Nazi. Genau, das war jetzt der Georg S. Seine Frau soll, wie gesagt, den Terroristen den Weg zum Haus gezeigt haben. Wurden denn die beiden später verurteilt? Ja, die beiden wurden später auch verurteilt in einem weiteren Prozess. Bin ja auch noch auf der Suche nach dem Urteil. Vielleicht finde ich das noch irgendwo. Sie haben Bewährungsstrafen bekommen. Darüber wird sich dann auch in diesem Nachruf quasi aufgeregt, dass die Prozesskosten sie so finanziell erdrückt hätten. Natürlich wurden sie nicht so hart bestraft wie die Terroristen, Die erhielten teilweise lebenslange Strafen, die dann aber auch mitunter abgeschwächt wurden. Röder wurde, glaube ich, zu 13 Jahren verurteilt, weil man ihn quasi nicht wegen Mordes verurteilt hat, sondern nur Mitgliedschaft in einer terroristischen Organisation heißt, glaube ich, der Straftatbestand. Auch er kam dann irgendwann raus, blieb unverbesserlicher Nazi, wurde mitunter weiter gegen die Mittel wegen Volksverhetzung. Das Bemerkenswerte ist bei. Einem seiner späteren Prozesse, das müsste in den 90ern gewesen sein oder vielleicht sogar Nullerjahre, da ging es, meine ich, um Volksverhetzung und es ist erwiesen, dass damals eine rechtsextreme Demo stattfand vor diesem Prozess. Daran teilnahmen zwei Männer. Ihre Namen sind Böhnhardt und Mundlos, die NSU-Terroristen. Und damit haben wir quasi auch die Parallele zwischen DAG und NSU jetzt gezogen. Also die Aktionsgruppen ähneln sich schon in vielerlei Weise. Man kann jetzt nicht sagen, dass jetzt der NSU die Nachfolgeorganisation von den deutschen Aktionsgruppen sind, aber man sieht ja so wirklich, es gibt wie so eine Art rechtsextremes Netzwerk, was schon lange in Deutschland besteht. Es gibt da Kontinuitäten seit Ende des Zweiten Weltkriegs. Wie ist man denn eigentlich Manfred Röder und seinen Untertanen, nenne ich sie jetzt mal, auf die Spur gekommen? Weil erst hat man, glaube ich, die beiden Anschläge, also den in Lörrach und den in Hamburg, gar nicht unbedingt miteinander in Verbindung gebracht, aber irgendwie dann ja schon. Und wie sind sie dann den Tätern auf die Spur gekommen? Genau, man ging nach der Festnahme der Terroristen, vielleicht kann ich sogar nachvollziehen, nicht mal vom Zusammenhang sofort aus, weil Lörrach war quasi eine Bombe, Hamburg ein Brandanschlag, also unterschiedliche Vorgehensweisen. Aber das war bei den Anschlägen der DAG generell, also es gab mal Brandsätze. Und die Ermittler kamen quasi durch eine Banalität auf die Spur. Eine, also Manfred Röders Geliebte, die wurde beobachtet, wie sie in Hamburg ein paar Tage vor oder nach der Tat, beim dortigen Flüchtlingsheim irgendwie ein fremdenfeindliches Graffito an einem Schild an der Autobahn getaggt hat. Und so haben sie sie dann bekommen und so führte dann die Spur zur DAG. Ich muss sagen, ein aufmerksamer Zeuge hat sich da das Kennzeichen gemerkt und so kam, kam dann eins zum anderen. Was weißt du denn heute noch über die Gruppe? Haben Sie nur diese beiden Anschläge verzettelt oder ist Ihnen noch mehr zuzuschreiben? Ist Ihnen noch mehr zuzuschreiben, eben diese beiden Anschläge mit Toten und Schwerverletzten, aber eben auch Anschläge auf weitere Flüchtlingsunterkünfte, auch auf ein Haus oder eine Behörde, da war damals die Wehrmachtsausstellung, das war also eine Wandausstellung, die sich mit den Kriegsverbrechen der Wehrmacht befasste. Die haben Sie einen Anschlag verübt auf das Haus von einem Landrat. Gab es einen Brandanschlag? Also ganz diverse Ziele. Wenn wir jetzt nochmal den Bogen schlagen zu dem Thema Vergessenheit, warum der Anschlag in Lörrach so in Vergessenheit geraten war. Ich glaube, die sehr schwer verletzte Person, die ist ja nicht mehr in Lörrach. Das war, glaube ich, auch eine Schwierigkeit, dass die Geflüchteten einfach weitergezogen sind, den Landkreis verlassen haben? Genau, ja, die sind weitergezogen. Man weiß, ich konnte nicht in Erfahrung bringen, was mit ihnen passiert ist. Ich habe es auch versucht, bei der eritreischen Botschaft anzufragen, ob man davon weiß, ob dieser Einschlag auch irgendwie eine Rolle spielt. Ich habe leider keine Antwort bekommen. Es gibt im Landkreis Lörrach einen recht bekannten Mann, der aus Eritrea geflogen ist, auch 1980, als Tessi Reda, ist Kreisrat Gastronom in Schopfheim, man kann sagen Tausendsassa. Er kam kurz, ironischerweise, was heißt ironischerweise, also wirklich, ihm war bislang nicht bewusst, er kam 1980, kurz nach dem Anschlag, in den Landkreis Lörrach und eigentlich sagt er, hätte seine Familie damals nach Lörrach kommen sollen. Sie kamen dann nach Schopfheim und er kann sich noch daran erinnern, es hieß damals, in der Unterkunft hat es einen Brand gegeben. Das ist natürlich sehr naheliegend, dass, Dass das der Bombenanschlag war. Dass das der Fall war. Genau. Und deswegen setzt Schopfheim und nicht Lörrach auf, kann man sagen. Hatte aber auch keine Kontakte mehr, konnte nichts mehr dazu sagen. Genau, war ihnen damals, natürlich gab es auch damals für sie viel wichtigere Dinge, als jetzt herauszufinden, warum sie in Schopfheim leben und nicht in Lörrach. Und er konnte mir nur sagen, aus der Zeit damals, wisst ihr nicht, ob noch jemand hier ist. Also keine Kontakte, ja. Und du hast ja auch, das haben wir im Vorgespräch besprochen, gesagt, dass auch alte, ältere Kollegen oder KollegInnen von dir gar nichts von dem Fall so richtig mitbekommen haben und eben als du jetzt mit der Recherche im August rausgekommen bist, auch tatsächlich erstaunt waren, was du da alles herausgefunden hast. Also der Fall war wirklich ein vergessener Fall. Der Fall war wirklich ein vergessener Fall und es ist auch wirklich, also historisch bewanderte Menschen, die schon länger in Lörrach leben, die auch Kontakte haben zu Menschen, die noch länger leben, die sich auch, ja ich sage jetzt mal so, schon auch gesellschaftlich engagiert haben, die auch so Themen haben. Das ist irgendwie, warum auch immer, man kann über die Gründe, gibt es verschiedene, ich denke, das ist so eine Gemengelage, dass es in Vergessenheit geraten ist. Und jetzt erinnern wir halt 45 Jahre später daran. Also ein erster großer Schritt war ja deine Recherche, jetzt vielleicht auch ein bisschen dieser Podcast. Wie könnte man denn noch an diesen Fall erinnern? Du hattest ja auch ein Gespräch mit dem Bürgermeister von Lörrach. Gibt es irgendwelche Ideen, wie man daran erinnern könnte und warum ist das überhaupt wichtig? Also Lörrach ist ja recht sehr aktiv, wenn es um die Aufarbeitung der Vergangenheit geht, vor allem die NS-Vergangenheit. Da ist sehr viel gemacht worden, auch sehr viele Kloppersteine verlegt worden an die Verbrechen gegenüber den jüdischen Bürgern hier in Deutschland damals. Da ist Schlerach also sehr aktiv. Das wäre so eine Möglichkeit im Rahmen dieser, Arbeitsgemeinschaft Erinnerungskultur etwas zu erarbeiten, wie man daran erinnern kann. Und also der Oberbürgermeister sagt auch, er hat da auch noch kein Patentrezept. Das glaube ich ihm auch. Ich habe da auch kein Patentrezept. Was ich schon mal, also wo ich mit ihm übereinstimmen, er sagt, also jetzt einfach da so eine Gedenktafel hin und so beim Motto, hier gab es 1980 einen rechtsextremen Terroranschlag, das würde, glaube ich, wenig bringen. Ich glaube, man muss sich, ja, das kann natürlich ein Baustein sein, aber man kann sich vielleicht ja wirklich nochmal versuchen herauszuarbeiten, was wurde aus diesen fünf Frauen, welche Bedeutung hat diese Kontinuität des. Rechtsextremen Terrors in den vergangenen Jahren. und ich finde, und das ist auch eben der Punkt, warum ich finde, dass es so wichtig ist, dass man noch daran erinnert, es ist ja kein solitäres Ereignis, der sagt, ja. Das war einmal und nie wieder. Genau, das war jetzt halt einmal in Lörrach, aber solche ebenso Anstädte gibt es ja leider Gottes an vielen Orten. Am Anfang hast du erwähnt, dass die Recherche vielleicht noch nicht ganz beendet ist oder vielleicht noch ein weiterer Artikel zu dem Thema folgt. Was kannst du denn dazu schon sagen? Also natürlich, ich glaube, wer mich kennt, der weiß, dass ich an meinen Themen dranbleibe und das von möglichst allen Seiten beleuchten mag. Also einerseits geht es mir darum, diesen Prozess jetzt zu begleiten, wie Lörrach daran erinnern kann. Und andererseits versuche ich natürlich vielleicht doch auch noch weiter, auch mit meinen Möglichkeiten, ich habe an die Opfer zu kommen, über die Gerichtsurteile, über Akten im Archiv da noch irgendwie Ansatzpunkte herauszufinden, wie man mehr weitere Infos, vielleicht auch über lokale Unterstützer noch, ob es da noch mehr gab, zu bekommen. Also ich sage jetzt mal noch, ergebnisoffen, aber ich bleibe dran. Okay, hört sich auf jeden Fall wie immer spannend an. Jonas, vielen Dank, dass du heute bei uns mal wieder zu Gast warst. Inzwischen zum vierten Mal. Unser heimlicher Stammgast hier im Podcast-Studio. Vielleicht auch mal irgendwann über ein schöneres Thema. Genau, kann man nichts machen. Wir verlinken alle deine Artikel in den Shownotes. Und genau, vielen Dank fürs Zuhören. Tschüss. Vertraue und glaube, es hilft, es heilt die göttliche Kraft!