Latest / Pod und die Welt – Das außenpolitische Update / 2024: Globale Megatrends und Lehren für die deutsche Außenpolitik (mit Daniela Schwarzer)
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- 0:00Insgesamt müssen wir befürchten, dass die Anzahl der autoritären Regime weltweit weiter zunimmt.
- 0:05Und 2024 war auch so ein Jahr, wo das deutlich wurde.
- 0:08Hallo und herzlich willkommen zu Pod und die Welt, dem außenpolitischen Update.
- 0:13Ich bin Martin Bialecki.
- 0:15Und ich bin Katharina Peetz.
- 0:17Es gibt Jahre, da kann man gar nicht glauben, was alles in 365 bzw. 366 Tage so passt.
- 0:24Das außenpolitische Jahr 2024 ist dafür ein gutes Beispiel.
- 0:28Donald Trump wurde wiedergewählt.
- 0:30Die Anberregierung ist zerbrochen.
- 0:32Denn nach Ostkrieg hat sich ausgeweitet.
- 0:34In der Ukraine geht das Sterben in Folge des russischen Angriffskriegs weiter.
- 0:38In vielen Wahlen haben extreme und populistische Parteien großen Zulauf erhalten.
- 0:42Und Europa versucht sich vor Terrorismus zu schützen und wird deshalb mehr und mehr zur Festung.
- 0:46Diese Liste ist natürlich bei weitem nicht vollständig.
- 0:49Trotzdem wollen wir versuchen, die großen Grenzen, Krisen und Lehren aus 2024 in Form eines Jahresüberblicks zu besprechen.
- 0:56Wir gehen dabei wie immer auch der Frage nach,
- 0:58welche direkten Auswirkungen hatte das alles auf unser Leben in Deutschland.
- 1:02Und zu Gast in dieser Folge mit dem Jahresrückblick 2024 ist Daniela Schwarzer von der Bertelsmann Stiftung herzlich willkommen.
- 1:09Vielen Dank. Ich freue mich, dass ich dabei sein darf.
- 1:12Wir freuen uns auch.
- 1:13Schön, dass Sie da sind.
- 1:14Wir wollen diese Folge ein bisschen anders beginnen als sonst.
- 1:18Und zwar mit einer Schnellfragerunde.
- 1:20Das Prinzip ist entweder oder.
- 1:22Also wir geben Ihnen zwei Möglichkeiten vor,
- 1:25zwischen denen Sie sich möglichst spontan entscheiden müssen.
- 1:27Und Sie bekommen einen Joker.
- 1:29Also eine Frage, die Sie skippen können oder wo Sie doch sagen, na, beides irgendwie.
- 1:33Sind Sie bereit?
- 1:34Wollen wir damit loslegen?
- 1:36Ich bin bereit, ja.
- 1:372024 wurden die Weichen gestellt für eine neue europäische Autonomie
- 1:45oder eine fortgesetzte Abhängigkeit von den USA.
- 1:48Wir sind nach wie vor von den USA abhängig.
- 1:50Für unsere Sicherheit wäre es besser,
- 1:52wenn Europa eigene Atomwaffen besitzt oder Europa unter dem nuklearen Schutzschirm der USA bleibt.
- 1:59Das muss ich skippen, weil Europa nie eigene Atomwaffen als Gemeinschaft besitzen wird.
- 2:04Wir aber trotzdem welche in Europa haben und die auch wichtig sind.
- 2:07Oha, bei Frage 2 schon den Joker.
- 2:10Wer wäre der bessere europäische Trump-Flüsterer, Georgia Meloni oder Viktor Orban?
- 2:15Mit großem Zähne knirschen Georgia Meloni.
- 2:17Ihre Frage war, ob sie besser ist.
- 2:19Sie ist trotzdem jemand, der nationale Interessen verfolgen wird und nicht auf Europa guckt.
- 2:24Was erleben wir denn früher, einen EU-Beitritt der Ukraine oder einen EU-Austritt um Garns?
- 2:30Wenn überhaupt dann ein Teilbeitritt der Ukraine in die EU.
- 2:35Wo von profitiert Europa mehr?
- 2:36Von Scholzscher Besonnenheit oder von Pistoriusscher Kriegstüchtigkeit?
- 2:41Pistorius hat recht, dass wir uns auf eine sehr schwierige Sicherheitslage weiter vorbereiten müssen
- 2:46und deshalb schwört er die Bevölkerung besser ein als der Kanzler.
- 2:50Frage 6 von 10.
- 2:51Was ist denn besser für die Ukraine?
- 2:53Ein Duo, Donald Tusk, Olaf Scholz oder Donald Tusk, Friedrich Merz?
- 2:58Für die Ukraine wird Friedrich Merz vermutlich mehr noch in Sachen militärischer Unterstützung tun.
- 3:05Das Pariser Klimaabkommen wäre besser daran mit oder ohne ein von Trump regiertes Amerika.
- 3:10Wir brauchen die USA in jedem Klimaabkommen und deshalb lieber mit Trump als ohne USA.
- 3:15Der bessere Partner aus dem globalen Süden für Deutschland ist Indien oder China?
- 3:20Erst mal noch China.
- 3:212024 war die deutsche Außenpolitik eher geleitet von Werten oder von Interessen?
- 3:27Von Interessen.
- 3:28Letzte Frage.
- 3:28Deutschlands Außenpolitik sollte sich orientieren an Staatsresort oder Völkerrecht?
- 3:33An Völkerrecht.
- 3:34Dankeschön für diese Schnellfrage-Runde.
- 3:37Puh, man mag doch, dass dieses Gegenüberstellen von entweder oder in so ambivalenten Zeiten gar nicht so leicht ist,
- 3:43weil man so viel gleichzeitig berücksichtigen muss.
- 3:45Trotzdem ganz, ganz herzlichen Dank bis hierhin.
- 3:47Dann wollen wir ein bisschen mehr ausholen und sprechen über die globalen Megadrengs und die Lehren aus 2024
- 3:57wie die deutsche und europäische Außenpolitik.
- 4:00Zunächst mal die Frage.
- 4:01Ist 2024 das Jahr der autoritären und Machos gewesen?
- 4:06Wir haben 2024 gesehen, wie insbesondere die USA jetzt demnächst von einem Präsident regiert werden,
- 4:13der sehr viel übrig hat für autoritäre Ideen auch im Inneren.
- 4:17Und das wird einen maßgeblichen Einfluss auf Europa, auf uns in Deutschland haben.
- 4:22Wir haben allerdings auch eine vergleichsweise gute Nachricht, nämlich aus Indien,
- 4:26wo Modi, der ja auch diese Tendenzen hat, nicht so einen klaren eindeutigen Wahlsieg einfahren konnte,
- 4:33wie das noch befürchtet war.
- 4:34Das heißt also, es gibt in beide Richtungen Signale.
- 4:37Aber insgesamt müssen wir befürchten, dass die Anzahl der autoritären Regime weltweit weiter zunimmt.
- 4:43Und 2024 war auch so ein Jahr, wo das deutlich wurde.
- 4:46Wenn wir die Fokus noch ein bisschen größer aufziehen, welche globalen Megadrengs würden Sie denn mit Blick auf das Jahr 2024 identifizieren?
- 4:53Das, was uns, glaube ich, in Europa am deutlichsten wurde, ist die Zunahme von bewaffneten Konflikten
- 4:59und dass sie immer näher an uns ranrücken.
- 5:02Und das heißt nicht nur, dass wir Krieg in der unmittelbaren Nachbarschaft haben, sowohl im Osten als auch im Süden,
- 5:08im Gaza-Streifen, Israel, in Libanon hinein und die ganze Region droht, noch weiter destabilisiert zu werden,
- 5:16sondern wir erleben auch, wie sich Konflikt-Arenen verknüpfen.
- 5:20Ganz klar wird das an der Entscheidung Russlands, nordkoreanische Soldaten zu holen,
- 5:25um mit Russen gegen die Ukraine zu kämpfen und auch der Versuch im Jemen Verstärkung anzuheuern.
- 5:32Man sieht also, wie die Konflikte, die wir in unserer unmittelbaren Nachbarschaft haben,
- 5:36im Grunde schon recht globalisiert sind oder zumindest über die Regionen hinausgehen.
- 5:40Und das bedeutet, dass sich Außen- und Sicherheitspolitik noch mal anders aufstellen muss,
- 5:45weil der Blick auf einzelne Konflikte nicht mehr reicht, sondern man muss noch stärker in den Blick nehmen.
- 5:50Wir kennen das schon aus Syrien.
- 5:52Wer dort mitwirkt und wer dies als Stellvertreterkrieg sieht, und das ist eine große Herausforderung,
- 5:58mit der die Deutschen und auch die europäische Außenpolitik in Zukunft noch sehr viel zu tun haben wird.
- 6:03Vielleicht an der Stelle noch einmal dazu gesagt, wir sprechen heute am 3. Dezember miteinander.
- 6:08Wenn wir darauf schauen, wie die Deutsche die europäische Außenpolitik darauf reagiert,
- 6:13wir hatten in einer der Podcast-Folgen darüber gesprochen, dass es einen Trend zu Minilateralismus gibt.
- 6:18Würden Sie sagen, das ist tatsächlich zu beobachten, eine Abkehr von großen Bündnissen,
- 6:23dass man sich neu sortieren muss in kleineren Gesprächsformaten?
- 6:26Das wird passieren. Was wir im Moment sehen, ist, dass die bestehenden Formate
- 6:30im Grunde fast alle im Wandel unterworfen sind.
- 6:33Wenn wir allein auf die Europäische Union gucken, dann ist deutlich, dass es immer schwieriger wird,
- 6:37dass die 27 Staaten gemeinsam Positionen einnehmen können zu außenpolitischen Fragen.
- 6:43In Bezug auf Russland hat das bei den Sanktionspaketen eine ganze Weile gut geklappt.
- 6:49Also, dass die Europäische sich geeinigt haben, dass sie die Ukraine unterstützen
- 6:53und gleichzeitig Russland sanktionieren, dass gemeinsam mit den Amerikanern tun.
- 6:56Aber je weiter der Krieg fortschritt, je länger es dauerte, desto schwieriger wurde es unter den Europäern,
- 7:02insbesondere wegen der Haltung Ungarns, noch Einigkeit über die Sanktionen herzustellen.
- 7:07Und als Israel auf die terroristischen Angriffe des 7. Oktober 2023 reagiert hat,
- 7:15mit einem Krieg im Gasastreifen, wurde auch sehr deutlich, wie gespalten die Europäer sind.
- 7:20Da hatten wir dann sogar die Situation, dass der hohe Vertreter der Europäischen Union,
- 7:24Josep Borrell, persönlich gesprochen hat und nicht mandatiert von den 27 Staaten,
- 7:28seine Statements abgegeben hat.
- 7:30Das ist auch eine Besonderheit, die zeigt, wie schwierig die Einigung im Inneren mit unter war.
- 7:35Und dann sehen wir eben auch, dass sich weltweite Formate verändert haben.
- 7:39Die G7-Gipfel finden jetzt eigentlich immer mit Gästen statt,
- 7:42weil man merkt, dass man Länder, die nicht dazu gehören, aber die immer wichtiger werden, einbeziehen muss.
- 7:48Gleichzeitig haben sich die BRICS-Staaten erweitert und haben ganz viele weitere Staaten
- 7:52auf der Warteliste, die mit in dieses Bündnis wollen.
- 7:55Das heißt also, diese neuen Zeiten, die wir erleben, wo sich Konflikte, Konfliktlinien verändern,
- 8:00wo sich Allianzen verändern, die erfordern auch neue Formate und sie fordern insbesondere
- 8:05von den europäern Handlungsfähigkeit.
- 8:07Und deshalb erwarte ich, dass in den nächsten Jahren es immer mehr zur Normalität wird,
- 8:13dass kleinere Ländergruppen innerhalb der Europäischen Union gemeinsam handeln,
- 8:18sei es außenpolitisch oder sei es auch im Bereich der Sicherheits- und Verteidigungszusammenarbeit.
- 8:23Stichwort Handlungsfähigkeit Europas, welche Anzeichen sehen Sie denn dafür,
- 8:27dass sich die Machtdynamik in Europa verändert oder verändert hat in diesem Jahr?
- 8:32Am offensichtlichsten ist die Schwäche Deutschlands und die Schwäche Frankreichs.
- 8:36Beides Länder, die Regierungskrisen durchlebt haben oder durchleben.
- 8:40In Deutschland stehen wir kurz vor der Wahl. Frankreich hat relativ spontan im vergangenen Sommer gewählt
- 8:45und leider ist daraus keine politische Stabilität hervorgegangen,
- 8:49sondern im Gegenteil mittlerweile wird sogar darüber spekuliert,
- 8:52ob eventuell der Präsident vorzeitig sein Amt verlassen wird.
- 8:55Das bedeutet, dass der zweitgrößte Mitgliedstaat Frankreich eine Weile ausfällt.
- 9:00Und bei Deutschland, wenn wir sehen, wie die Bundestagswahl ausgeht
- 9:03und ob wir dann Handlungsfähigkeit und politische Stabilität bei uns haben.
- 9:08Es sind Länder in die Lücke getreten, das ist gut.
- 9:11Ein politisches Vakuum tut der Europäischen Union nicht gut.
- 9:13Aber es ist völlig klar, dass ohne Deutschland und Frankreich nicht besonders viel bewegt werden kann.
- 9:18Aber trotzdem ist es wichtig, dass Polen Initiativen ergriffen hat mit den Balken, den Skandinaviern
- 9:24und dann auch Großbritannien dazu geladen hat und auch Frankreich
- 9:27um in Sachen Unterstützung für die Ukraine und Diskussion über die Sicherheitslage
- 9:32in Mittel- und Osteuropa gemeinsam zusammenzuarbeiten.
- 9:35Deutschland war bei diesem ersten Termin nicht dabei, ich hoffe, das ändert sich nach der Wahl.
- 9:38Aber wichtig ist es, dass überhaupt etwas in Gang kommt.
- 9:41Die neue Europäische Kommission ist im Amt seit 1. Dezember.
- 9:45Und das ist jetzt wichtig, dass auch die Mitgliedstaaten ihren Teil dazu beitragen,
- 9:49dass die Europäische Union in dieser wirklich schwierigen weltpolitischen Lage
- 9:53ihre Interessen klar formuliert und dann auch nach außen vertreten kann.
- 10:01Jetzt haben Sie gerade schon gesagt, Deutschland und Frankreich, am stärksten in der Krise in Deutschland,
- 10:05wird bald gewählt und Frankreich wurde in diesem Jahr gewählt.
- 10:08Europawahlen haben stattgefunden, die US-Wahl.
- 10:10Das war ja so das Superwahljahr 2024.
- 10:14Und in der IP, in der Zeitschrift "Internationale Politik" haben Sie Ende 2023 geschrieben,
- 10:19dass viele in der EU mit Unbehagen auf das Wahljahr blicken und auf das, was danach folgen mag.
- 10:24Jetzt haben wir Dezember 2024.
- 10:26Was würden Sie sagen, welche Bilanz ziehen Sie aus einer europäischen oder deutschen Perspektive auf dieses Wahljahr?
- 10:32Also wenn wir auf die europäischen Wahlen gucken, dann ist diese Bilanz tatsächlich nicht besonders positiv.
- 10:37Über die Destabilisierung in Frankreich habe ich bereits gesprochen.
- 10:41Das Europaparlament hat es jetzt zumindest schnell geschafft, die Europäische Kommission ins Amt zu bringen.
- 10:48Die Rückfragen in den Anhörungen waren teilweise sehr kritisch und da hat das Parlament gut sein Job gemacht.
- 10:53Aber gleichzeitig sehen wir, wie sich die Koalitionen im Europäischen Parlament verändern.
- 10:58In der Europawahl ist nicht eingetreten, was viele befürchtet haben, nämlich ein noch weiteres Erstarken der Rechtspopulisten,
- 11:05aber dennoch gab es einen Erstarken.
- 11:06Und was man jetzt sieht, ist, dass die konservative Partei sich eben immer noch weiter überlegt,
- 11:13wie sie sich gegenüber den gestärkten Rechtspopulisten aufstellen kann.
- 11:16Und das bleibt eine Herausforderung, weil das Europäische Parlament in der Vergangenheit mit so einer Art großen Koalition aus den pro-europäischen Parteien gearbeitet hat
- 11:26und es jetzt mit Blick auf die neue Legislatur, die jetzt erst so richtig in Gang kommt, eben die Frage gibt,
- 11:31inwieweit wird sich die konservative Partei den Rechtspopulisten öffnen, mit denen arbeiten wollen.
- 11:36Und da spielt dann eben auch die nationale Ebene einiger Mitgliedstaaten eine große Rolle.
- 11:41Denn in einigen Mitgliedstaaten haben sich die Mehrheitsverhältnisse so verändert,
- 11:45dass die Arbeit mit Rechtspopulisten entweder im Falle von Minderheitsregierung oder in der Regierung,
- 11:50wie beispielsweise in Italien oder auch in Ungarn oder auch in der Slowakei,
- 11:54dass das zur politischen Realität gehört.
- 11:56Und da lassen sich die nationale und die europäische Ebene kaum trennen.
- 12:00Und für die politischen Parteienfamilien im Europäischen Parlament ist diese neue Situation tatsächlich eine große Herausforderung.
- 12:06Ein sehr prägendes Thema der deutschen und europäischen Debatte in diesem Jahr war das Thema Migration,
- 12:12Stichwort fest in Europa, Stichwort starke Ganzkontrollen etc.
- 12:15Und dann sind aber so Modelle wie das Rwanda-Modell Großbritanniens
- 12:20und auch diese technischen Flüchtlingscamps in Albanien vorerst gescheitert.
- 12:23Wie schauen Sie denn auf die Migrationspolitik Europas?
- 12:27Es ist in diesem Jahr migrationspolitisch viel passiert, was im Grunde seit einigen Jahren erwartet wurde.
- 12:34Nämlich das einzelne Mitgliedstaaten quasi in Alleingängen versuchen, recht populistische Maßnahmen durchzuführen.
- 12:41So ist das in Italien passiert mit dem Flüchtlingslager in Albanien,
- 12:45was rechtmäßig nicht haltbar ist, wahrscheinlich das zumindest im Moment und auch politisch
- 12:49Georgia Meloni nicht den Erfolg zu bringen scheint in der Beruhigung der Migrationsdebatte in Italien.
- 12:55Und das bedeutet, dass wir meiner Ansicht nach unter Europäern noch einmal sehr viel grundsätzlicher diskutieren müssen.
- 13:01Denn wenn einzelne Maßnahmen dazu führen, dass wir grundlegendes Recht missachten,
- 13:06dann schaden wir uns als Europäische Union selber.
- 13:09Trotzdem müssen wir Ernst nehmen, was in vielen Ländern passiert, nämlich dass es Angst davor gibt,
- 13:14dass zu viele Menschen ins Land kommen, egal ob diese Angst begründet ist oder nicht, es gibt diese Sorge.
- 13:19Und wir erleben das ja auch in unserem eigenen Land, dass es Angst vor Migration,
- 13:23Angst vor sogenannte Überfremdung gibt, teilweise in Gebieten, wo es gar nicht objektiv so viel Zuwanderung gibt.
- 13:30Und das ist ein politisches Problem, was sehr, sehr ernst genommen werden muss.
- 13:33Und meiner Ansicht nach verbirgt sich dahinter eine viel grundlegendere Angst und Sorge,
- 13:38nämlich um die eigene Zukunft, das eigene Auskommen, auch die Sorge um die eigene Identität.
- 13:43Und diese Themen darf man nicht den Rechtspopulisten überlassen,
- 13:46sondern man muss sie auch im Spektrum der gemäßigten Parteien sehr ruhig und sehr genau angehen,
- 13:52schauen, was los ist und dann gleichzeitig versuchen, europäische Antworten auf das Thema Zuwanderung zu finden.
- 13:57Und wir müssen da sehr ehrlich sein. Europa schrumpft als Bevölkerung.
- 14:01Wir brauchen in sehr vielen EU-Ländern Zuwanderung.
- 14:04Das heißt also, Abschottung ist überhaupt keine Option.
- 14:07Was gemeinsam getan wird, ist der Kampf gegen illegale Immigration.
- 14:11Aber das Asylrecht dürfen wir nicht beschneiden.
- 14:13Und meiner Ansicht nach sollten wir auch das Nötige davon tun,
- 14:16dass wir als Zuwanderungsort weiterhin attraktiv bleiben.
- 14:20Denn wir brauchen Menschen, die zu uns kommen und sich in unsere Gesellschaft integrieren.
- 14:23Das ändert sich in den nächsten Jahren ganz sicher nicht.
- 14:26Und ist eine der großen Aufgaben auch für die Politik, diese Balance zu finden.
- 14:30Zwischen der Notwendigkeit, so ein Gefühl von Schutz zu vermitteln
- 14:33und gleichzeitig nicht auf Abschottung und nicht auf Rechtsbruch zu setzen.
- 14:37Jetzt haben wir viel über die Themen gesprochen, die uns in der Öffentlichkeit,
- 14:45in der medialen Debatte politisch ganz viel beschäftigt haben, die ganz viel Raum eingenommen haben.
- 14:50Gibt es denn außenpolitische Themen oder auch Regionen?
- 14:53wo sie sagen würden, da ist eigentlich auch was passiert dieses Jahr,
- 14:56aber das ist irgendwie untergegangen.
- 14:57Ich denke, dass wir viel stärker auf Asien gucken müssen,
- 15:00als wir das in der breiteren Diskussion in Deutschland tun.
- 15:04Und zwar zum einen, weil die Sicherheitslage in Europa,
- 15:08mit der in Asien sehr, sehr eng verknüpft ist.
- 15:11Und zum anderen, weil wir in Asien sehr, sehr wichtige Partner haben,
- 15:14die noch wichtiger werden, wenn Donald Trump mit seiner Politik des America First
- 15:20so weitermacht, wie er in der ersten Amtszeit aufgehört hat.
- 15:24Und wenn Europa stärker unter Druck gerät, sich um seine eigene Sicherheit zu kümmern.
- 15:29Und dann werden wir Partner brauchen, die USA bleiben hoffentlich ein Partner,
- 15:32aber nicht so ein Enger wie zuvor.
- 15:35Und wir müssen deshalb viel stärker nach Japan gucken, auch nach Australien.
- 15:39Das sind Länder, mit denen wir viele Gemeinsamkeiten haben,
- 15:42die Interesse gezeigt haben an der Sicherheitssituation in Europa.
- 15:45Japan beispielsweise unterstützt nicht nur die Ukraine, auch die Republik Moldau.
- 15:49Und das seit zwei, drei Jahren relativ intensiv.
- 15:52Und wir müssen uns die Frage stellen, was machen wir in Zukunft im asiatischen Raum?
- 15:57Nicht nur, weil die Amerikaner uns dazu auffordern werden,
- 15:59sondern auch, weil wir entdecken werden, dass da ganz wichtige Partner von uns sitzen.
- 16:03Südkorea gehört übrigens auch dazu.
- 16:05Und das sind nicht nur harte Sicherheitsinteressen im Bereich der Verteidigung,
- 16:09die uns dahin bringen müssen, sondern natürlich die Frage,
- 16:12wer kümmert sich denn darum, dass die Handelswege nach Europa frei bleiben?
- 16:15Welche Rolle spielen wir dabei als Europäer?
- 16:17Oder auch die Frage, von wem beziehen wir eigentlich in Zukunft technologische Importe?
- 16:22Also, wer liefert uns Technologie?
- 16:24Haben wir da Partnerschaften, die wir aus- und aufbauen können,
- 16:27beispielsweise mit Südkorea und Japan?
- 16:29In meiner Ansicht nach sollten wir das dringend tun,
- 16:31denn und das ist einer der großen Trends des Jahres 2024,
- 16:35unser Risikobewusstsein gegenüber China ist noch klarer und noch deutlicher geworden.
- 16:40Das bedeutet nicht, dass wir uns abkoppeln sollten,
- 16:42aber sehr genau gucken, wodurch zu enge Beziehungen, Erpressbarkeiten und Verletzlichkeiten entstehen.
- 16:48Und da ist Europa tatsächlich auch in diesem Jahr zu Ende gehenden Jahr
- 16:52sehr viel weitergekommen in der Analyse, aber ein paar der Antworten müssen noch gegeben werden.
- 16:56Das ist eine sehr schöne Überleitung in den zweiten großen Block,
- 17:02nämlich den Blick auf Deutschland.
- 17:04Wir haben jetzt viel über die Welt gesprochen, über globale Megatrends,
- 17:07Stichwort Autoritarismus, Ringen, um europäische Handlungsfähigkeit,
- 17:11Migration, Europa unter Druck und viele Dinge mehr.
- 17:14Was heißt das denn für Schwarze, für Deutschland oder konkrete für die Menschen in Deutschland?
- 17:19Worauf muss das Land sich einstellen?
- 17:21Wir führen ja im Moment in unserem Land eine Diskussion,
- 17:24ob wir das Geld für Kanonen oder Butter ausgeben, um es mal ganz platt zu sagen.
- 17:29Und diese Diskussion wird uns noch eine ganze Weile erhalten bleiben,
- 17:32denn es ist klar, dass wir mehr für unsere eigene Sicherheit tun müssen,
- 17:36nicht allein, sondern mit den Europäern und in der transatlantischen Allianz NATO.
- 17:41Wir müssen uns aber auch klarmachen, dass wir unsere Demokratie nur stabil halten können,
- 17:47wenn wir mit dem Thema Ungleich halten, Beteiligung, die nicht an allen Stellen gut funktioniert,
- 17:53Chancengerechtigkeit in unserem Bildungssystem beispielsweise, wenn wir da weiterkommen.
- 17:58Das heißt also, wir sind in einer schwierigen Situation,
- 18:01wo wir ganz viel gleichzeitig machen müssen.
- 18:03Da kommt noch ein ganz großer Punkt hinzu, nämlich die Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft
- 18:08ist im Moment nicht gut.
- 18:09Wir wissen, dass sehr viel investiert werden muss in unserem Land,
- 18:12in Infrastruktur zum Beispiel, in die Universitäten, in die Schulen,
- 18:16in die Frage, ob und wie wir im technologischen Bereich wieder so eine Führerschaft hinkriegen könnten,
- 18:22wie wir das in der Vergangenheit mal hatten.
- 18:24Sicherlich nicht in den Technologien, die heute schon da sind,
- 18:27sondern in den nächsten und das bedeutet mutiges Investieren
- 18:30und viel Investitionen, Forschung und Innovation.
- 18:33Und all dies sind Themen, die uns natürlich innerhalb Deutschlands beschäftigen
- 18:37und die jetzt auch im bevorstehenden Wahlkampf ganz wichtig werden.
- 18:41Und das hat unmittelbar, auch wenn das alles irgendwie nach Innenpolitik klingt,
- 18:46hat das eine unmittelbare Verknüpfung mit der internationalen Situation, die wir beschrieben haben.
- 18:50Denn viele der Konflikte, über die wir gesprochen haben,
- 18:53die reichen bereits ins Innere Deutschlands hinein.
- 18:55Und damit ist das Thema Resilienz unserer Gesellschaft ein ganz großes geworden.
- 19:00Russland führt in der Ukraine ein Krieg mit Waffen.
- 19:03Es ist ein konventioneller Krieg und gleichzeitig führt das Krieg in vielen Ländern der Europäischen Union
- 19:09und so auch in Deutschland mit hybriden Mitteln.
- 19:11Das heißt, es greift Cybersysteme an, es greift Infrastruktur an,
- 19:15es greift unsere Öffentlichkeit an mit Desinformationen
- 19:18und dem Versuch, den Zusammenhalt in unserer Demokratie zu schädigen.
- 19:22Und darauf müssen wir reagieren, darauf wird bereits reagiert,
- 19:25aber ich denke, das Jahr 2025 wird nochmal eins, wo im Wahlkampf
- 19:29und dann mit der neuen Bundesregierung die Weichen so gestellt werden müssen,
- 19:32dass wir hoffentlich eine Regierung erleben, die es als große Priorität sieht,
- 19:37im Inneren den Zusammenhalt zu stärken und im Äußeren die Handlungsfähigkeit zu erhöhen.
- 19:43Die hybride Kriegsführung ist ein ganz gutes Beispiel.
- 19:46Vielleicht dafür sind wir schon gesagt, man reagiert schon,
- 19:48aber man wird vielleicht auch noch mehr reagieren müssen.
- 19:51Man hätte immer mal wieder Deutschland habe kein Erkenntnisproblem
- 19:55in der Außen- und Sicherheitspolitik, sondern eher ein Umsetzungsproblem.
- 19:58Vielleicht auf dieses Beispiel bezogen, aber auch generell.
- 20:01Teilen Sie diese Diagnose?
- 20:02Deutschland und Europa wissen im Grunde in ganz vielerlei Hinsichten,
- 20:06was wir tun müssten und wir haben ja schon eine US-Präsidentschaft von Donald Trump erlebt.
- 20:12Und ich erinnere mich sehr daran, wie zu der Zeit intensiv diskutiert wurde,
- 20:18was Deutschland, was Europa alles tun muss, um nicht zu stark unter Druck zu geraten,
- 20:25wenn Donald Trump mit einigen Themen durchzieht, die er angekündigt hatte.
- 20:28Im Bereich Handel und im Bereich insbesondere Zölle hat er sehr viel umgesetzt
- 20:34und darunter hat auch Deutschland ordentlich gelitten mit Imporzöllen.
- 20:37Im Bereich der Verteidigung und Sicherheit hat er nicht umgesetzt, was er angekündigt hatte.
- 20:42Das war ja unter anderem ein Truppenabzug aus Deutschland
- 20:45und eine Reduzierung des amerikanischen Beitrags zu NATO.
- 20:48Und damals haben wir schon intensiv diskutiert, was Deutschland alles tun muss
- 20:51und was auch Europa tun muss, um sich besser aufzustellen.
- 20:54Und nun ist Trump wieder da, ab 20. Januar.
- 20:58Und wenn wir zurückblicken auf die vergangenen vier Jahre, muss man leider sagen,
- 21:01dass zwar Fortschritte gemacht wurden, aber diese Nicht-Ausreichen für ein Szenario,
- 21:08in dem Donald Trump ganz klar sagt, ich entziehe euch nicht meine Sicherheitsgarantien,
- 21:13aber ihr müsst maßgeblich viel mehr für eure Sicherheit beitragen und zwar sehr schnell.
- 21:18Der nächste NATO-Gipfel ist im Juni 2025 und da kann es sehr wohl sein,
- 21:24dass Deutschland und Europa da schon Antworten finden müssen,
- 21:27wie sie ihren Beitrag zu NATO deutlich verstärken.
- 21:30Gibt es denn Länder, Frau Schwarzer, von denen Deutschland lernen kann
- 21:33mit Blick auf seine Außenpolitik, gerade wenn man über ein Umsetzungsproblem spricht?
- 21:37Fangen wir im Inneren an.
- 21:39Es gibt Länder, die sich auf das Thema hybride Kriegsführung
- 21:43viel stärker und schneller eingestellt haben.
- 21:45Dazu gehören die baltischen Staaten, dazu gehören die Skandinavier.
- 21:49Beispielsweise Schweden hat eine sogenannte Psychologische Verteidigungsagentur.
- 21:55Das ist eine Einheit an der Regierung rangehängt, die sich darum kümmert,
- 22:00dass bis auf lokale Ebene das Land darauf vorbereitet ist,
- 22:05dass Akteure aus dem äußeren Versuchen im Inneren destabilisieren zu wirken.
- 22:09Das ist ein ganz wichtiger Schritt, da scheitern wir im Moment an ganz vielen Stellen
- 22:14zum einen zunächst am Risikobewusstsein in Bezug auf China und auch auf Russland.
- 22:18Das hat sich jetzt verändert.
- 22:20Es ist, glaube ich, immer klarer, was beide Länder für uns bedeuten.
- 22:24China ist ein Partner, ein Wirtschaftspartner, aber gleichzeitig auch ein großer Herausforderer.
- 22:29Und wenn wir uns angucken, wie weit die hybride Intervention China ist,
- 22:33auch in der deutschen Gesellschaft umgeht, muss man sagen,
- 22:35es ist wirklich an die stabilisierende Faktoren geworden.
- 22:38Und da können wir uns einiges abgucken, wie sowas regierungsweit organisiert wird,
- 22:42aber auch bis runter auf die lokale Ebene.
- 22:45Und das werden wir in Zukunft stärker brauchen.
- 22:47Und was die Außenpolitik anbelangt, sind wir mit unseren Regierungsstrukturen nicht optimal aufgestellt.
- 22:55Wir reden seit vielen Jahren in Deutschland darüber, ob wir etwas wie einen nationalen Sicherheitsrat braucht,
- 23:01der diesen Namen verdient.
- 23:02Wir haben ja vor mal einen, der kümmert sich aber vor allem um Rüstungsexporte.
- 23:06Und es gibt gute Gründe, jetzt nach zweieinhalb Jahren Russlandskrieg in der Ukraine,
- 23:11sich nochmal anzugucken.
- 23:13Wie hat das System darauf reagiert?
- 23:14Auch wie haben wir auf den Rückzug der Amerikaner aus Afghanistan reagiert?
- 23:19Was ist da schief gelaufen?
- 23:20Da gibt es ganz viele Fälle, wo wir uns selbst kritisch sagen müssen,
- 23:24das hat nicht optimal funktioniert.
- 23:25Und es gibt, und das war ja Ihre Frage, Länder,
- 23:28wo bestimmte Strukturen in der Regierung besser organisiert sind.
- 23:32Ich denke da insbesondere in Großbritannien,
- 23:34die bei dem Thema Risikoanalyse und Vorbereitung wirklich auf Ernstfälle effizientere Strukturen haben.
- 23:41Und letztendlich hat das auch Frankreich, auch wenn das ein völlig anderes politisches System ist,
- 23:45aber mir scheint auch da funktioniert es im Ernstfall dann doch schneller,
- 23:50alle Beteiligten so zusammenzuziehen, dass man schneller handlungsfähig ist.
- 23:53Und da müssen wir in Deutschland auch stärker ran.
- 23:55Es wird komplex bleiben, wir werden Koalitionsregierungen nach wie vor haben.
- 23:59Wir haben die Länderebene, die viel Verantwortung trägt.
- 24:01Das kann man alles nicht verändern, aber man kann dafür sorgen,
- 24:05dass die Abstimmung und die Handlungsfähigkeit
- 24:07zwischen diesen vielen Akteuren und den vielen Ebenen, dass das besser wird.
- 24:10Jetzt haben wir im Gespräch schon öfters auf die Wahl vorausgeblickt,
- 24:14im Jahr 2025 im Februar vorgezogene Bundestagswahl.
- 24:17Und der Ukrainekrieg wird voraussichtlich hier auch eine wichtige Rolle spielen.
- 24:23Was würden Sie sagen, inwieweit hat sich denn der Stellenwert,
- 24:27die Wahrnehmung der Außenpolitik in der deutschen Bevölkerung für uns alle in diesem Jahr verändert,
- 24:32wenn man bedenkt, dass eben zum Beispiel Wahlkampf schon auf Landesebene mit slogans gemacht wurde,
- 24:36wie Krieg oder Frieden, ist Außenpolitik heute näher dran?
- 24:40Außenpolitik ist heute viel näher dran.
- 24:42Dazu führen 2,5, 2 3/4 Jahre Krieg auf unserem Kontinent.
- 24:46Da kann man sich nicht mehr vorverstecken.
- 24:49Das ist eine ernste Bedrohung.
- 24:51Und Russland hat ja öfter gedroht, dass der Krieg eskaliert werden könnte von russischer Seite.
- 24:56Und deshalb ist es im Bewusstsein der Bevölkerung meiner Ansicht nach angekommen.
- 25:01Jetzt gibt es unterschiedliche Antworten darauf,
- 25:03wie man denn die Sicherheitslage wieder verbessern kann.
- 25:07Und in der deutschen Diskussion wird immer wieder, gerade von Parteien,
- 25:12im linken und rechten Spektrum ganz außen,
- 25:15also der BSW und der AfD gefordert,
- 25:17dass man doch Frieden mit Putin schließen soll und statt Waffen zu liefern verhandeln soll.
- 25:22Das ist meiner Ansicht nach ein ganz gefährlicher Kurzschluss.
- 25:25Natürlich wollen alle ein verhandelten Frieden, aber man darf nie aus dem Blick verlieren,
- 25:30welche Pläne ein Aggressor hat.
- 25:33Und hier haben wir es mit einem Aggressor zu tun mit Vladimir Putin, der sehr klar gesagt hat,
- 25:38dass er die Ukraine als Land von der Landkarte löschen möchte
- 25:41und dass er noch weitere Staaten unter russische Kontrolle bringen möchte.
- 25:45Ihm schwebt ja eine Vision von Russland vor,
- 25:47die er der früheren Sowjetunion entspricht als dem historischen Russland.
- 25:51Und das dürfen wir nicht aus den Augen verlieren,
- 25:53auch wie Wladimir Putin diesen Krieg geführt hat,
- 25:55wie er internationales Recht gebrochen hat und Menschenrecht gebrochen hat,
- 26:00also viele schlimme Vergehen.
- 26:02Und deshalb, wenn wir verhandeln wollen oder werden irgendwann,
- 26:06dann muss man zweierlei beachten, das erste ist, Deutschland kann nicht verhandeln,
- 26:10sondern die Ukraine muss verhandeln.
- 26:11Natürlich können Partner der Ukraine damit helfen,
- 26:14dass es zu dieser Situation kommt und die Ukraine dann unterstützen.
- 26:17Und zum Zweiten darf man nie aus dem Blick verlieren,
- 26:19welche Kriegsziele Wladimir Putin eigentlich formuliert hat.
- 26:22Und deshalb muss ein verhandelter Friede so es dazu kommt
- 26:26und die Ukraine für sich, da den richtigen Weg drin sieht,
- 26:29muss ganz klar sein, dass die westlichen Unterstützer der Ukraine
- 26:33diesen Frieden massiv absichern werden müssen.
- 26:36Und das bedeutet sehr, sehr viel, wenn dann die Grenze
- 26:40zwischen der freien Ukraine und einem möglicherweise besetzten Gebiet
- 26:44abgesichert werden muss, ebenso wie Teile noch der polnischen Außengrenze
- 26:48und weiter der Ostflanke der NATO.
- 26:50Also das wird eine große Aufgabe für die Europäer, die umso größer wird,
- 26:54wenn die USA möglicherweise nicht so präsent sind,
- 26:56wie wir uns das vielleicht jetzt noch erhoffen.
- 26:58Vielen Dank für diesen außenpolitischen Rück- und Ausblick, Rückblick auf das Jahr 24
- 27:03und ein bisschen auch schon auf das, was 2025 kommt.
- 27:06Vielen Dank an Daniela Schwarzer von der Bertelsmann Stiftung.
- 27:09Ich danke Ihnen.
- 27:10Und jetzt kommt sozusagen der Rückblick zum Rückblick.
- 27:17Zum Ende jeder Folge rekapitulieren wir nochmal kurz.
- 27:20Wichtige Punkte, wichtige Gesetze, die uns hängen geblieben sind.
- 27:23Martin, welche sind das bei dir?
- 27:25Alles passiert gleichzeitig überall und die ganze Zeit.
- 27:29Und das wird dieses Land so sehr herausfordern.
- 27:32Das wird nicht nur Deutschland herausfordern, sondern auch Europa, die Europäische Union.
- 27:36Das, was vom Westen irgendwie übrig geblieben ist, traditionelle Partnerschaften
- 27:40sind entweder over oder müssen ganz neu bewertet werden, worden neu Partner.
- 27:44Das wäre der zweite Punkt und der dritte.
- 27:46Und das ist eigentlich mein eigentlicher, wenn man vorausschaut unter was vor einem Druck,
- 27:50wie Europa ist, Zukunft der Ukraine, etc. ist das eine so immense Aufgabe.
- 27:56Vor allem auch, was die Kommunikation in das Land anbelangt.
- 28:00Also das Land mitzunehmen, die Bevölkerung mitzunehmen, zu erklären,
- 28:03worum es geht, was auf uns zukommt.
- 28:05Da habe ich so ein bisschen Sorgen ehrlicherweise und das beeindruckt mich schon sehr,
- 28:08dieser Blick zurück und ein bisschen voraus, was da alles kommt.
- 28:12Das werden anstrengende Zeiten keine hoffungslosen.
- 28:15Man darf ja nie den Optimismus sinken, das dabei.
- 28:17Aber das wird viel, was da auf uns zukommt.
- 28:19Katharina, wie geht es dir?
- 28:21Man auch nochmal wichtig, sich vorhin zu führen, wie sich Bündnisse oder Gesprächsformate verändern.
- 28:26G7 mit Gästen, Erweiterung der Bricksstaaten.
- 28:29Das auch in Europa sich die Machtdynamik ein wenig schiftet,
- 28:33gerade auch mit der Schwäche von Deutschland und Frankreich.
- 28:36Und dass man stärker eigentlich auf die Regionen Asien schauen sollte,
- 28:40insgesamt in der Außenpolitik.
- 28:42Eine Formulierung, die mir sehr im Ohr geblieben ist, war,
- 28:44dass wir in Deutschland sehr viel darüber reden, ob wir Geld für Kanonen oder Butter ausgeben.
- 28:48Und dass man aber eigentlich das Thema noch ein bisschen weiten müsste,
- 28:51dass die hybride Kriegsführung noch gar nicht so sehr im Bewusstsein angekommen ist.
- 28:55Dass es also sehr stark darum geht, die Resilienz in der Gesellschaft zu stärken.
- 28:59Und das fand ich noch mal ein gutes Learning und vielleicht dann auch Hoffnung machen.
- 29:03Das gibt ja Länder, die darin schon Vorbild sein können,
- 29:06baltische Staaten, skandinavische Staaten.
- 29:07Also es gibt Möglichkeiten.
- 29:09Das war Folge 9 von Pod und die Welt.
- 29:16Und auch die letzte Folge dieser Erststaffel.
- 29:19Aber wir freuen uns schon sehr darauf, nächstes Jahr wieder an den Start zu gehen
- 29:23mit einer neuen Podcast-Staffel.
- 29:24Wenn Sie, liebe Hörerinnen, liebe Hörer, dazu Themenwünsche oder Ideen haben,
- 29:28schreiben Sie uns gerne an ip@dgap.org.
- 29:33Ich wiederhole: ip@dgap.org.
- 29:36Ich bin Martin Bialecki.
- 29:38Und ich bin Katharina Peetz.
- 29:40Danke, dass Sie zugehört haben.
- 29:41Kommen Sie gut rüber ins neue Jahr.